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Originalarbeit: Vorlesepraktiken von Eltern tauber und schwerhöriger Kinder

Nora Eisinger, Mabu Aghaei, Claudia Becker, Swantje Marks, Anne Stutzer, Christian Müller, Laura Avemarie

Abstract


Taube/schwerhörige (tb/sh) Kinder sind verglichen mit hörenden Kindern im Spracherwerb besonders gefährdet. Wenngleich das Potenzial des Vorlesens für die Sprachentwicklung tb/sh Kinder belegt ist, liegen bislang nur wenige Studien zu Vorlesepraktiken von Eltern tb/sh Kinder in Laut- und Gebärdensprachen vor. Das Forschungsprojekt ReaDi setzt an diesem Forschungsdesiderat an und nimmt erstmals die Vorlesepraktiken von Eltern tb/sh Kinder in Deutschland in den Blick. Mithilfe einer Onlinebefragung wurden die (sprachförderlichen) Vorlesepraktiken, Herausforderungen und Bedarfe von tb/sh und hörenden Eltern (N=68) tb/sh Kinder im vorschulischen Alter erfasst. Zur Analyse von Einflussfaktoren auf die Vorlesedauer, die Verwendung sprachförderlicher Vorlesepraktiken und das Kompetenzerleben wurden neben soziodemografischen Merkmalen (inkl. Angaben zur Tb/Sh) Informationen zur Home Literacy Environment (HLE), zu den Vorlesemotivatoren der Eltern und zu den kommunikativen Kompetenzen des Kindes erhoben. Neben deskriptiven Analysen wurden die Daten mittels Varianz- und Regressionsanalysen ausgewertet. In den Vorlesepraktiken von Eltern tb/sh Kinder lässt sich eine Reihe an Besonderheiten im Kontext der Tb/Sh identifizieren, wie z.B. die Wahl der Sitzposition. Mit einer Vorlesedauer von knapp drei Stunden pro Woche können die Eltern der vorliegenden Stichprobe als vorleseaffin beschrieben werden. Dabei ziehen sie printmediale Bilderbücher digitalen Bilderbüchern vor. Beeinflusst wird die Vorlesedauer insbesondere von der HLE und nicht vom formalen Bildungshintergrund der Eltern. Der Einsatz sprachförderlicher Vorlesepraktiken hängt vor allem von den Vorlesemotivatoren ab, hingegen das elterliche Kompetenzerleben von den erlebten Herausforderungen in der Vorlesesituation.

Volltext:

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DOI: http://dx.doi.org/10.2378/fi2024.art13d