eJournals Frühförderung interdisziplinär25/4

Frühförderung interdisziplinär
1
0721-9121
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
1_025_2006_4/1_025_2006_4.pdf101
2006
254

Der Wert der Frühförderung

101
2006
Franz Peterander
Die Frühförderung ist heute weltweit ein anerkannt erfolgreiches System zur Förderung von Kindern mit Behinderungen und Entwicklungsverzögerungen. Neue theoretische Konzepte mit innovativen Wirkungen auf die fachlich-inhaltliche Weiterentwicklung der Frühförderung sind zurzeit nicht zu erkennen; auch die Qualitätsdiskussionen der letzten Jahre konnten hierzu einen nur geringen originären Beitrag leisten. Ein Perspektivenwechsel von der Qualität und Effektivität hin zur Frage nach dem Wert der Frühförderung könnte auf zwei Ebenen wichtige Impulse setzen: Die Mehrdimensionalität ihres Werts ist transparent zu machen und in Bezug auf Kinder, Familien und Gesellschaft aufzuzeigen. Ferner kann die Entwicklung und Durchführung kennzahlgestützter Wertanalysen zur fachlichen Weiterentwicklung des Gesamtsystems der Frühförderung beitragen.
1_025_2006_4_0002
Zahlreiche Studien unterstreichen die Bedeutung der Interdisziplinären Frühförderung für Kinder mit Behinderungen und Entwicklungsverzögerungen. Auch gibt es inzwischen eine weltweite Übereinstimmung in den Zielen und Konzepten zur Förderung dieser Kinder und Hilfen für ihre Familien (Odom et al. 2003). Trotz vieler theoretischer Weiterentwicklungen, einer hohen Professionalisierung des fachlichen Handelns und organisationaler Modifikationen in den Einrichtungen bedarf es heute angesichts veränderter gesellschaftlicher Bedingungen neuer innovativer Impulse zur fachlich-inhaltlichen Stärkung des Erfolgsmodells der Interdisziplinären Frühförderung, damit sie auch in Zukunft ihre herausragende Position im System der frühen Förderung beibehält. Die Ergebnisse der Qualitätsdiskussionen zur Weiterentwicklung der Frühförderung der letzten 10 Jahre sind hinter den anvisierten Zielen und Erwartungen zurückgeblieben. Zu einseitig waren diese Initiativen auf Qualitätssicherung und -management und daher auf organisationale Bereiche in den Einrichtungen fokussiert (Peterander & Speck 2004; Speck 1999). Sie haben zur fachlichinhaltlichen Weiterentwicklung der Interdisziplinären Frühförderung nur einen geringen originären Beitrag leisten können. Die ausgeprägte Tendenz von Qualitätssicherungssystemen, einzelne Arbeitsschritte stärker zu standardisieren, um dadurch die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität zu verbessern, behindert häufig eher kreative und konzeptionelle fachlich-inhaltliche Entwicklungen in der Frühförderung, als dass sie sie unterstützt. Frühförderung interdisziplinär, 25. Jg., S. 159 -168 (2006) © Ernst Reinhardt Verlag München Basel Der Wert der Frühförderung * FRANZ PETERANDER Zusammenfassung: Die Frühförderung ist heute weltweit ein anerkannt erfolgreiches System zur Förderung von Kindern mit Behinderungen und Entwicklungsverzögerungen. Neue theoretische Konzepte mit innovativen Wirkungen auf die fachlich-inhaltliche Weiterentwicklung der Frühförderung sind zurzeit nicht zu erkennen; auch die Qualitätsdiskussionen der letzten Jahre konnten hierzu einen nur geringen originären Beitrag leisten. Ein Perspektivenwechsel von der Qualität und Effektivität hin zur Frage nach dem Wert der Frühförderung könnte auf zwei Ebenen wichtige Impulse setzen: Die Mehrdimensionalität ihres Werts ist transparent zu machen und in Bezug auf Kinder, Familien und Gesellschaft aufzuzeigen. Ferner kann die Entwicklung und Durchführung kennzahlgestützter Wertanalysen zur fachlichen Weiterentwicklung des Gesamtsystems der Frühförderung beitragen. Schlüsselwörter: Mehrdimensionaler Wert, Familie, Humanvermögen, Perspektivenwechsel, kennzahlgestützte Wertanalyse, Kosten-Nutzen-Analysen The Value of Early Childhood Intervention Summary: Early Childhood Intervention (ECI) is a globally recognised support system for children with disabilities and developmental delays. However, there are no new theoretical concepts on the horizon for progress in ECI to innovatively influence professional approaches; also the on-going discussion about the quality of ECI only makes a low original contribution in this field. A change of perspective away from quality and effectiveness to the question of the value of ECI is important. This is necessary to emphasize on two levels: first, to make the multidimensionality of ECI value apparent for focusing on the value of ECI for children, families, and society. Secondly, a system of value-analysis is necessary to develop in order to determine a key figure system to analyze the value of ECI. Keywords: Multidimensionality of ECI value, family, human assets, change of perspective, key figure system to analyze the value, cost-benefit-analysis * Die vorliegende Arbeit wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen unterstützt. Da ein Paradigmenwechsel in den theoretischen Konzepten zur kindlichen Entwicklung heute nicht erkennbar ist, der fachlichinhaltliche Entwicklungen voranbringen könnte - wie dies in den 70er und 80er Jahren der Fall war - bedarf es zumindest eines Perspektivenwechsels in der Frühförderung. Er soll sowohl zu neuen Forschungsinitiativen führen als auch in der Praxis Motivationen freisetzen, um auf der Basis vorhandener theoretischer Modelle und Rahmenbedingungen die Grundlagen für das fachlich-inhaltliche Handeln neu zu reflektieren und kreative Entwicklungsprozesse anzuregen. Die bisher geführte Diskussion um die Weiterentwicklung der Frühförderung muss daher - über Fragen nach der Qualität und nach der Effektivität der erbrachten Leistungen hinaus - letztlich die Frage beantworten, welchen Wert sie für Kinder, Familien und Gesellschaft hat. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wenn ein autistisches Kind im Rahmen einer Therapie 30 Wörter lernt, kann dies zwar - als Ziel definiert - als effektiv bewertet werden, aber für die Kommunikation des Kindes nur einen geringen Wert darstellen. Wertvoll wird dieses Ergebnis erst, wenn das Kind diese Wörter in seiner Lebenswelt sinnvoll einsetzen kann, dies zur Intensivierung der sozialen und kommunikativen Beziehungen führt und das Kind aufgrund dieser neuen Kompetenz eigenaktiv seine Entwicklungschancen verbessert. Qualität → Effektivität → Wert Abbildung 1: Perspektivenwechsel Ein solcher Perspektivenwechsel sollte in einem ersten Schritt die Bedeutung der Interdisziplinären Frühförderung für Kinder, Familien und Gesellschaft transparent machen. Es ist nicht ausreichend eine qualitätsvolle, effektive Förderung anzuvisieren - das Ergebnis der Förderung muss für Kinder, Familien und die Gesellschaft auch „wertvoll“, d. h. wichtig, wesentlich, hilfreich, bedeutsam sein. Den Wert der Frühförderung auf allen Ebenen in den Mittelpunkt der Reflexion von Zielen, Handlungen und Ergebnissen zu stellen, könnte zu einem Perspektivenwechsel führen. In einem zweiten Schritt sollten in „Wertanalysen“ auch theoretische Grundlagen, empirische Ergebnisse, Prinzipien sowie Diagnose- und Fördermethoden der Interdisziplinären Frühförderung umfassender analysiert werden. Es ist stärker wie bisher zu begründen, warum im System der Interdisziplinären Frühförderung bestimmte Strukturen und Prozesse einen Wert darstellen, der selbst wiederum den Wert der Förderung für Kinder, Familie und Gesellschaft erhöht. Unter einem solchen Blickwinkel stellt sich zum Beispiel die Frage nach Qualität und Effektivität der Frühförderung neu. Familie in Frühförderung und Gesellschaft In der Interdisziplinären Frühförderung kommt der partnerschaftlichen Einbeziehung der Familien in den kindlichen Förderprozess eine herausragende Bedeutung zu - sie stellt entscheidende Weichen für den Erfolg und den langfristigen Wert der Förderung. Mehr denn je wird heute in der Öffentlichkeit wahrgenommen, wie bedeutsam kompetente Kinder und Familien sind, um das gesellschaftliche Humanvermögen zu mehren, zu dem die Kompetenzen aller Mitglieder einer Gesellschaft - ob Kinder, Eltern, Behinderte oder Gesunde - beitragen. Verstärkt tritt die Erkenntnis ins Bewusstsein, dass Familien jene wertschaffenden Leistungen erbringen, die neben individueller Lebensqualität und Sinngehalt zugleich das Fundament für alle anderen Lebensbereiche der Gesellschaft begründen. In ihr finden Menschen Schutz, Hilfe und Geborgenheit, die aus Wertstrukturen erwachsen wie Humanität, Elternliebe, wechselseitige Achtung, Solidarität (Krüsselberg 1997). Erstmals wird in der Familienpolitik anerkannt, dass die Familie ein wichtiges Hu- 160 Franz Peterander FI 4/ 2006 manvermögen für die Gesellschaft darstellt. „Die Bildung von Humanvermögen umfasst vor allem die Vermittlung von Befähigungen zur Bewältigung des Alltagslebens, das heißt: den Aufbau von Handlungsorientierungen und Werthaltungen in der Welt zwischenmenschlicher Beziehungen. Gefordert ist sowohl der Aufbau sozialer Daseinskompetenz (Vitalvermögen) als auch die Vermittlung von Befähigungen zur Lösung qualifizierter gesellschaftlicher Aufgaben …“ (Familienbericht 1994, S. 28). „Wenn man davon ausgeht, dass die Entwicklung des Humanvermögens … ein öffentliches Gut darstellt, dann ist die gesunde emotionale und soziale Entwicklung von Kindern ein gemeinsames Gut, das auf allen Ebenen der Gesellschaft zu fördern und zu schützen ist.“ (Familienbericht 2006, S. 290). Aus dieser Sicht sind die Leistungen von Familien insbesondere im Hinblick auf die Förderung der kindlichen Entwicklungsmöglichkeiten bemerkenswert. Es steht außer Frage, dass Eltern, die ein Kind mit Behinderungen oder Entwicklungsverzögerungen erziehen, in einem noch viel höheren Maße als dies in der Regel ohnehin der Fall ist, zum gesellschaftlichen Humanvermögen beitragen, da sie weit mehr gefordert sind, familiäre Ressourcen zu investieren, um den Entwicklungsprozess ihrer Kinder zu unterstützen, und dadurch die Gesellschaft langfristig auch entscheidend entlasten bzw. bereichern. Die theoretischen Grundlagen für diese Sichtweise liefern nicht zuletzt mikro-ökonomisch orientierte Familientheorien, die die herausragende Bedeutung der Familie für die Gesellschaft betonen. Ihr Fazit: Investitionen zur Unterstützung von Familien sind nicht einseitig als Kostenfaktor zu betrachten - wie dies bislang häufig seitens Finanzgeber und Gesellschaft der Fall war -, sondern bilden einen erheblichen Wert für Staat und Gesellschaft. Sie tragen entscheidend zur Vermögensbildung in der Gesellschaft bei (Becker 1974, Heckman 2006, Krüsselberg & Reichmann 2002) und bedürfen nicht zuletzt deshalb der gesellschaftlichen Unterstützung. Was bedeuten diese Ergebnisse der ökonomisch orientierten Familienforschung für die Frühförderung? Neben den bislang vorrangig vorgetragenen ethischen Begründungen zur Notwendigkeit der Frühförderung für beeinträchtigte Kinder ist damit ein weiterer wesentlicher Begründungsaspekt hinzugekommen: die Frage nach dem „Wert“ der Frühförderung für Kinder, Familien und Gesellschaft. Eine wichtige Aufgabe zur Weiterentwicklung der Frühförderung wird es daher in Zukunft sein, die Mehrdimensionalität ihres Werts herauszuarbeiten. I. Mehrdimensionalität des Werts der Frühförderung Wert der Frühförderung für Kinder Der Wert der Interdisziplinären Frühförderung für das einzelne Kind ergibt sich aus der Betrachtung unterschiedlicher Entwicklungsbereiche. Durch eine über die Ziel-, Evaluations- und Effektivitätsfrage hinausgehende Wertanalyse wird insbesondere unter dem Blickpunkt längerfristiger kindlicher Entwicklungschancen zu fragen sein, inwieweit die realisierten Ziele und die festgestellten Wirkungen der Förderung einen bedeutsamen Wert für die Kinder darstellen. Zur intensiveren Reflexion dieses Werts scheint es zudem geboten, dass Fachleute/ Frühförderteams Aussagen darüber machen, ob und welche neuen Entwicklungspfade sich aufgrund der Frühförderung für das Kind ergeben können (Sroufe 1997). Die Frage im Rahmen einer Wertanalyse lautet: Inwieweit ist es im Förderprozess gelungen, das Wohlbefinden, die Lebensqualität, die Autonomie, die Selbstwirksamkeit, neue Kompetenzen und die Eigenaktivität des Kindes zu stärken, um ihm neue Entwicklungspfade zu eröffnen und die Integration in die Gesellschaft auch nach Beendigung der Frühförderung nachhaltig positiv zu beeinflussen. FI 4/ 2006 Der Wert der Frühförderung 161 Die Frage nach dem Wert der Frühförderung für das individuelle Kind kann auch eine Hilfe sein, um die Ziele in den unterschiedlichen Phasen des Förderprozesses aus der Zukunftsperspektive, aus der Sicht der im Förderprozess anzustrebenden Entwicklungspfade zu definieren. Die Frage nach den möglichen Entwicklungspotenzialen und -chancen des Kindes rückt somit in den Mittelpunkt von Entscheidungen im Förderprozess. Im Unterschied zur bislang favorisierten, aber häufig nicht beantwortbaren Frage nach der Effektivität der Frühförderung, also der Frage, ob die anvisierten Ziele erreicht worden sind, soll zukünftig gefragt werden, ob die erreichten Ziele längerfristig einen Wert für die Entwicklung des Kindes darstellen und um welchen Wert es sich dabei handelt. In diesem Zusammenhang könnte von den Fachleuten ein System zur Durchführung kindbezogener und kennzahlgestützter Wertanalysen genutzt werden, das es zukünftig in Kooperation mit den Einrichtungen zu entwickeln gilt (Peterander 2006). Kennzahlen sind als „operationalisierte“ Kennwerte, Indikatoren bzw. Schlüsselzahlen zu sehen, mit deren Hilfe die Fachleute einen schnellen Überblick - in präziser und komprimierter Form - über Verlauf und Wert eines Förderprozesses/ Beratung erhalten können. Ein kennzahlgestütztes Wertanalysesystem ist die Zusammenstellung verschiedener Kennzahlen über den Wert der Kindsförderung, der Kooperation mit Eltern etc., die in einem logischen Zusammenhang stehen und in der Zusammenschau einen qualitativen Zugewinn an Wissen und Erkenntnissen über den Einzelfall sowohl für die Therapeutin als auch für das Team erbringen. Wenn die heute forcierte Dokumentation von Förderprozessen für die Fachleute als Feedback einen Sinn geben soll, dann sind Wertanalysen von Anbeginn hilfreich, da auf diese Weise die Beschreibung und Präzisierung des mehrdimensionalen Werts der erbrachten Leistungen auch zu einem wesentlichen Teil der Entwicklungsberichte werden kann. Wert der Frühförderung für Familien Theorien zur kindlichen Entwicklung, zahlreiche Forschungsarbeiten im Rahmen von Interventions- und Langzeitstudien sowie nicht zuletzt tägliche Erfahrungen bei der Kindförderung belegen die herausragende Bedeutung der engsten Bezugspersonen eines Kindes, d. h. zumeist der Eltern, für die Aktivierung von Entwicklungspotenzialen und für die Verbesserung der kindlichen Entwicklungschancen. Hierbei kommt der frühen Kindheit eine herausragende Bedeutung zu (Rauh 2002). Unter diesem Blickwinkel stellt eine gelungene partnerschaftliche Kooperation mit den Eltern im Förderprozess einen großen Wert dar, der in der Fachliteratur immer wieder hervorgehoben, im Einzelfall aber nicht immer ausreichend benannt wird oder aufgrund fehlender systematischer Wertanalysesysteme auch nicht einfach benannt werden kann. Ein verstärkter Fokus ist deshalb bei der Planung und Durchführung der Frühförderung auf den Wert der Kooperation zu legen, da die Ergebnisse der Wertanalysen die Inhalte und Resultate der Kooperation wesentlich beeinflussen. Bereits in der Eingangsphase ist zu fragen - und sind erste Hypothesen darüber zu stellen - welchen Wert die Kooperation für die Realisierung der kindlichen Entwicklungspotenziale haben kann. Die aktuelle Situation des Kindes in der Familie ist zu untersuchen, die Qualität der Eltern-Kind-Interaktion und familiäre Ressourcen herauszuarbeiten und zukünftige Erziehungspotenziale des Familiensystems sind zu beschreiben. Es ist hierbei zu spezifizieren, welche elterlichen Kompetenzen, Einstellungen und Werthaltungen im Einzelfall zu einer Optimierung der kindlichen Entwicklungspotenziale führen können und wie diese förderlichen Bedingungen im Kooperationsprozess realisierbar sind. Vergleichbar der Wertanalyse bei Kindern sind in den unterschiedlichen Phasen des Förderprozesses im Dialog mit den Eltern auch familienbezogene Wertanalysen durchzuführen. In diesem Zusammenhang ist die Frage 162 Franz Peterander FI 4/ 2006 FI 4/ 2006 Der Wert der Frühförderung 163 zu beantworten, inwieweit durch die Frühförderung Veränderungsprozesse in der Familie initiiert werden konnten, welchen Wert diese für das Kind und das Familiensystem darstellen, wie sich dieser Wert im Prozess der Frühförderung operationalisieren lässt, auf welche Weise der für die Familie beschriebene Wert den kindlichen Entwicklungsprozess unterstützen kann, und letztlich, ob und wie sich das Familiensystem zukünftig autonom und positiv weiterentwickeln kann, um dem Kind über die Frühförderung hinaus im Sinne einer Prävention positive Entwicklungspfade zu ermöglichen. Es bedarf einer großen Stabilität der familiären Lebenswelt, um einen langfristigen Erfolg der Frühförderung zu sichern (Kelly et al. 2005). Ergebnisse einer Elternbefragung: Bereits vor einigen Jahren haben wir im Rahmen einer Systemanalyse zur Frühförderung Eltern u. a. befragt, wie wichtig sie bestimmte Aspekte der Kooperation mit Fachleuten erleben. Unter dem Blickwinkel der Analyse des Werts der Frühförderung ergeben sich aus den damaligen Daten einige interessante Informationen darüber, welche Aspekte die Eltern als wichtig bzw. als „wertvoll“ für die Kindförderung und für sich selbst erachten. Obwohl sich das in dieser Arbeit diskutierte Konzept der Wertanalyse auf den individuellen Einzelfall bezieht, scheint es interessant, sich die Ergebnisse der Befragung einer Vielzahl von Eltern anzuschauen. Die Ergebnisse der Häufigkeitsanalysen erlauben einen ersten Einblick, was aus der Sicht von Eltern in der Kooperation mit der Frühförderung als „wertvoll“ angesehen wird (Peterander 2000). Aus der Sicht von Eltern stellt die Beratung und Aufklärung über den Förderprozess bzw. über die Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes sowie die Ursachen der kindlichen Probleme einen wichtigen Wert dar. Wie Detailanalysen zudem ergeben haben, unterscheiden sich die Eltern von Kindern mit unx = 3.23 s = 0.59 Cronbach alpha = 0.88 Item Nr. Itembeschreibung 8. Ich finde es wichtig, dass die Frühförderer/ innen mir die Ursachen für die Probleme meines Kindes erklären 52 % 15. Ich finde es wichtig, dass die Frühförderer/ innen mir erklären, welche Schritte sie zur Förderung meines Kindes in der Zukunft durchführen wollen 52 % 16. Ich finde es wichtig, mit den Frühförderer/ innen über die aktuelle Fördersituation sprechen zu können 53 % 3. Ich finde es wichtig, dass die Frühförderer/ innen mir die Ziele ihrer Förderarbeit erklären 55 % 21. Ich finde es wichtig, regelmäßig an den Förderstunden teilzunehmen 59 % 28. Ich finde es wichtig, Übungen mit meinem Kind selbstständig durchzuführen 61 % 13. Ich finde es wichtig, dass die Frühförderer/ innen mich in die Förderung meines Kindes einweisen, damit ich sie zu Hause alleine weiterführen kann 68 % 1. Ich finde es wichtig, dass die Frühförderer/ innen mir Anregungen und Hilfen für den Umgang mit meinem Kind geben 73 % 4. Ich finde es wichtig, dass die Frühförderer/ innen mich über die Entwicklungsmöglichkeiten meines Kindes informieren und beraten 73 % Tabelle 1: „Wertvolle“ Aspekte der Kooperation von Eltern mit der Frühförderung (Ergebnisse von Häufigkeitsanalysen „sehr wichtig/ am allerwichtigsten“, N = 1099) terschiedlichen Beeinträchtigungen in ihren Bewertungen. So betrachten es Eltern geistig retardierter Kinder signifikant häufiger als wertvoll, in die Förderung ihrer Kinder eingewiesen zu werden, Übungen mit ihrem Kind selbst durchzuführen und regelmäßig an der Förderung teilzunehmen, als dies bei anderen Eltern der Fall ist. Ähnliche Ergebnisse finden sich auch bei Eltern von Kindern mit Down-Syndrom. Dies zeigt, wie bedeutsam allein die Differenzierung der Angaben nach unterschiedlichen Diagnosegruppen ist. Diese Ergebnisse zeigen zudem, dass sich über eine einzelfallbezogene Wertanalyse wichtige Informationen für eine gezielte Planung der Frühförderung gewinnen lassen. Wert der Frühförderung für die Gesellschaft Die Bedeutung der frühen Förderung von Kindern wird weltweit auch unter dem Aspekt ihres gesellschaftlichen Werts diskutiert. So unterzeichneten 1990 auf der „World Conference on Education for All“ 155 Staaten eine Deklaration zum Thema „Learning begins at birth“. Ferner wurde auf dem „World Education Forum“ in Dakar im Jahre 2000 als eines von sechs wichtigen Zielen in der zukünftigen Erziehungspolitik formuliert: „… to expand and improve comprehensive early childhood care and education, especially for the most vulernable and disadvantaged children“ (Gates 2005, 10). Das System der Interdisziplinären Frühförderung stellt heute durch ihre Theorien, Prinzipien, Methoden, Organisationsstrukturen und das Expertenwissen der Fachleute ein großes Reservoir an evaluiertem Wissen und Kompetenzen zur Verfügung, auf das Staat und Gesellschaft jederzeit zurückgreifen können. Der gesellschaftliche Wert der Frühförderung wird in den angelsächsischen Ländern vorrangig aus ökonomischer Sicht betrachtet. Seit Jahrzehnten werden dort umfassende Langzeitstudien zu Kosten-Nutzen-Analysen durchgeführt, die ihre hohe Effektivität und Effizienz belegen (Barnett 2000). Eine entsprechende Forschungstradition gibt es bei uns nicht. Im Mittelpunkt solcher Analysen steht die Frage, wie etwas besser, effektiver und auch kostengünstiger gemacht werden kann (Peterander 2002, 2006). Ohne Zweifel wird in der Zukunft auch bei uns angesichts zunehmend begrenzter öffentlicher Mittel die Optimierung des Einsatzes verfügbarer Ressourcen, das Transparentmachen des gesellschaftlichen Werts der Interdisziplinären Frühförderung und die Betonung der gesellschaftlichen Legitimation für notwendige Hilfen für Kinder mit Behinderungen und Entwicklungsverzögerungen eine größere Bedeutung gewinnen. Nachfolgend finden sich die Ergebnisse von Kosten-Nutzen-Analysen von drei bekannten US-Frühförderprogrammen, um den monetären Wert der Frühförderung für die Gesellschaft aufzuzeigen. In allen drei Studien erfolgten bei den Kindern Nachuntersuchungen im 15., 20. und 27. Lebensjahr, so dass dadurch auch die Langzeitwirkungen, d. h. die Effektivität und Effizienz, der Frühförderung untersucht werden konnte. High/ Scope Perry Preschool Programm: Im Zusammenhang mit diesem Programm wurden 58 Kinder im Alter von 3 - 4 Jahren, die zwei Jahre in einer spezifischen Klasse gefördert wurden, bis zu ihrem 27. Lebensjahr untersucht. Daneben sind die Eltern dieser Kinder von Lehrern zu Hause aufgesucht, beraten und befragt worden. Als Kontrollgruppe hat man Daten von 65 Kindern vergleichbaren Alters erhoben. Der Nutzen wurde definiert als: bessere Schulleistungen, höherer Grad der beruflichen Beschäftigung, weniger Fürsorgeleistungen und weniger Kriminalität. Der erwirtschaftete Nutzen betrug $ 50.000 pro Kind, während die Kosten des Programms auf $ 12.000 beziffert wurden (Kosten-Nutzen Verhältnis 4.1 : 1). Prenatal/ Early Infancy Project: In diesem Programm besuchten speziell geschulte Krankenschwestern regelmäßig die Mütter von Beginn der Schwangerschaft bis zum Alter des Kindes von zwei Jahren. Ziel der Beratungsgespräche war die Optimierung der Bedingungen während der Schwangerschaft, die Verbesserung der Erziehungskompetenzen der Mütter und die soziale Vernetzung der Mütter in ihrer Gemeinde. Insge- 164 Franz Peterander FI 4/ 2006 FI 4/ 2006 Der Wert der Frühförderung 165 samt waren 118 Mütter in dieses Programm einbezogen - bis zum 15. Lebensjahr der Kinder wurden Nachuntersuchungen durchgeführt. Als Nutzen wurde erfasst: besseres Schwangerschaftsverhalten der Mütter, weniger Kindsmisshandlungen, weniger Fürsorgeleistungen und weniger Kriminalität. Bei Kindern aus Risikofamilien (unverheiratete Mütter, niedriger sozialer Status) lag der Nutzen bei insgesamt $ 31.000 pro Kind, während die Kosten für das Programm $ 6100 pro Kind betrugen (Kosten-Nutzen Verhältnis 5.1 : 1). Chicago Child-Parent Centers: Ziel dieses Programms war die Förderung der Lese- und Sprachkompetenzen von Kindern. Insgesamt 989 Kinder im Vor- und Grundschulalter nahmen an besonderen Förderkursen teil - die Eltern waren vom Kindergarten bis zur dritten Schulklasse einbezogen. Über 20 Jahre hinweg fanden Nachuntersuchungen statt - über diesen Zeitraum wurde auch die Entwicklung von 550 Kindern einer Kontrollgruppe verfolgt. Das Frühförderprogramm hatte bedeutsame Auswirkungen auf die langfristige Leistungsfähigkeit der geförderten Kinder. Eine höhere Anzahl dieser Kinder erreichte einen mittleren Schulabschluss, weniger sonderpädagogische Fördermaßnahmen waren erforderlich, die Kinder waren weniger häufig in Kriminalitätsdelikte verwickelt. Insgesamt konnten durch das Programm $ 35.000 Nutzen pro Kind erzielt werden, wobei die Durchführung des gesamten Programms ca. $ 10.000 betrug (Kosten-Nutzen Verhältnis 3.7 : 1). In einer der wenigen Kosten-Nutzen-Studien zur frühen Förderung in Kindertagesstätten im deutschsprachigen Raum (Zürich) wird von einem vergleichbar postiven Resultat berichtet (Müller- Kucera & Bauer 2001). Investitionen in Höhe von 39 Millionen Franken stand ein Nutzen in Höhe von 158 Millionen Franken gegenüber, d. h. auch hier ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 4 : 1. Fazit von Kosten-Nutzen-Analysen: Die Frühförderprogramme erbringen neben einer höheren Lebensqualität für Kinder und Familien in einem hohen Maße einen bedeutenden volkswirtschaftlichen Nutzen. Die Ergebnisse der Studien zeigen aber auch, dass insbesondere Langzeitstudien den großen gesellschaftlichen Nutzen von Frühfördermaßnahmen transparent machen können (Karoly et al. 2001). Im Zusammenhang mit seinen Studien zur Bildung/ Erziehung hat sich auch der Nobelpreisträger für Wirtschaft des Jahres 2000, James Heckman, von der University of Chicago/ Department of Economics, mit der Frage auseinander gesetzt, welche Bedeutung die frühe Förderung im gesellschaftlichen Kontext hat und welchen Wert sie für die Kinder darstellt. Auch er hat den Wert von US-Frühförderprogrammen wie das High/ Scope Perry Preschool Programm, das Carolina Abecedarian Project und das Chicago Child-Parent Program untersucht (Heckman 2006; Heckman et al. 2006). Er kommt zu dem Schluss, dass der Einfluss der Familie auf die kindliche Entwicklung den der Schule bei Weitem übertrifft. Seine Analysen sind unter drei Gesichtspunkten interessant: es wird deutlich, wie umfassend und systematisch heute der gesellschaftliche Wert der frühen Förderung von Ökonomen analysiert wird; wie sehr diese Ergebnisse die Notwendigkeit zur Stärkung der frühen Förderung belegen und welch herausragende Bedeutung der frühen Förderung/ Frühförderung für die Mehrung des familiären und gesellschaftlichen Humanvermögens zugeschrieben wird. Zu keinem anderen Zeitpunkt ist das Verhältnis von Investition und langfristig erzieltem Humanvermögen so groß wie in der frühen Kindheit (Abb. 2). Heckman et al. (2006) schreiben hierzu: “Central to our analysis is the concept that childhood has more than one stage. We formalize the concepts of self-productivity and complementarity of human capital investments and use them to explain the evidence on skill formation. Together, they explain why skill begets skill through a multiplier process. Skill formation is a life cycle process. It starts in the womb and goes on throughout life. Families play a role in this process that is far more important than the role of schools. There are multiple skills and multiple abilities that are important for adult success. Abilities are both inherited and created, and the traditional debate about nature versus nurture is scientifically obsolete. Human capital investment exhibits both self-productivity and complementarity. Skill attainment at one stage of the life cycle raises skill attainment at later stages of the life cycle (self-productivity). Early investment facilitates the productivity of later investment (complementarity) … The returns to investing early in the life cycle are high. Remediation of inadequate early investments is difficult and very costly as a consequence of both self-productivity and complementarity” (p. 2). 166 Franz Peterander FI 4/ 2006 Um den langfristigen ökonomischen und gesellschaftlichen Gewinn der Frühförderung aufzuzeigen, haben Rolnick & Grundewald (2003) Analysen durchgeführt und den monetären Gewinn berechnet, den Investitionen in die Frühförderung (Perry Preschool Program) bzw. in den Kauf von Aktien über einen Zeitraum von 20 Jahren erbracht haben. Zugegeben, eine nicht alltägliche, aber interessante Fragestellung: Bei einer Investition von $ 1000 in die Frühförderung ergab sich ein Gewinn von $ 19.000 - bei derselben Investitionshöhe in Aktien lag der Gewinn bei $ 4000 (Abb. 3). Ohne Zweifel stellen diese Kosten-Nutzen-Analysen einen nicht unwichtigen Teil zur Erfassung und Beschreibung des ökonomischen wie auch gesellschaftlichen Werts der Frühförderung dar, sie sind aber wenig geeignet, den generellen Wert der Frühförderung aufzuzeigen. Noch weniger sind sie aufgrund der Einseitigkeit ihrer Fokussierung auf ökonomische Aspekte in der Lage, neue Impulse für die Weiterentwicklung der Frühförderung zu leisten. Sie stellen jedoch einen Beleg dafür dar, wie bedeutsam die Herausarbeitung des mehrdimensionalen Werts der Frühförderung ist (Peterander 2006). Rate of return on investment in the High Scope/ Perry Preschool program (16 %) Long-term rate of return on investment in U.S. Stocks (7 %) $ 20k $ 15k $ 10k $ 5k $ 0 0 5 10 15 20 Years of Investment Abbildung 3: Vergleich des Gewinns bei Investitionen in die Frühförderung bzw. in Aktien, inflationsbereinigt (Rolnick & Grundewald 2003) Rates of Return to Human Capital Investment initially setting investment to be equal across all ages Rate of return to investment in human capital r Preschool programs Schooling Opportunity cost of funds Job training Preschool School Post-school 0 Age Abbildung 2.: Vergleich des Zugewinns an Humanvermögen bei Investitionen in der frühen Kindheit, während und nach der Schulzeit (Heckman et al. 2006) II. Wertanalyse des Systems der Interdisziplinären Frühförderung Um die Weiterentwicklung des fachlich-inhaltlichen Handelns zu stärken, bedarf es in Zukunft neben der Herausarbeitung der Mehrdimensionalität des Werts der Frühförderung auch systematischer Wertanalysen, die sich auf die unterschiedlichen Aspekte der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität beziehen. Dieser Analyseprozess ist sowohl in der Forschung wie auch auf der Ebene der einzelnen Frühförderstelle zu leisten. Es ist zu fragen, welchen Wert eine bestimmte Organisationsform, ein bestimmter Förderprozess, ein bestimmtes Ergebnis hat, damit die Frühförderung in ihrer Gesamtheit für Kinder, Eltern und Gesellschaft wertvolle Ergebnisse erbringt. Letztlich geht es darum, den Wert bestimmter diagnostisch-therapeutischer Ansätze zu thematisieren und sie hinsichtlich ihres jeweiligen Werts im individuellen Fall voneinander abzugrenzen und zu begründen. Dieser Schritt könnte die Fachdiskussionen in der Weise verändern, dass Begründungen für Entscheidungen zugunsten bestimmter Vorgehensweisen fokussierter und umfassender erfolgen und mehr wie bisher transparent werden. Notwendig ist eine solche - unter dem Blickwinkel des Werts durchzuführende - Systemevaluation, da in Fachdiskussionen nicht selten durch die Benutzung von „Codes“ wie „systemisch“, „ökologisch“, „ganzheitlich“ sowie durch die Nutzung gängiger diagnostischer Verfahren und Förderkonzepte, die oft mit renommierten Gründernamen verbunden sind, allein schon deshalb der Wert für das individuelle Kind und seine Familie nicht mehr in der notwendigen Weise hinterfragt wird. Es gibt heute allgemein wenige Intentionen und Erfahrungen zur Durchführung von Wertanalysen, die sich auf das jeweilige soziale System beziehen. Dabei wäre es ein fachlicher Gewinn, wenn z. B. der Wert entwicklungspsychologischer Modelle für die Kindsentwicklung, der Wert der oft zitierten Prinzipien der Frühförderung, der Wert freier Interaktionsbeobachtung bzw. standardisierter Verhaltensbeobachtung, von standardisierten Tests, bestimmter Förderverfahren, Formen der Evaluation bzw. des Nachweises der Effektivität sowohl in jeder Einrichtung wie auch allgemein in der Fachöffentlichkeit vertieft diskutiert werden würde. Ein solcher Perspektivenwechsel in der Diskussion könnte über eine oft statisch geführte Qualitätsdiskussion hinaus führen und die Chance eröffnen, dass die Qualität des fachlichen Handelns weiterentwickelt und der hohe Wert des Systems Frühförderung und seiner einzelnen Elemente (Theorien, Prinzipien, Methoden und Vorgehensweisen) sichtbar wird. Es könnte auf diese Weise auch gezeigt werden, warum sich aus einem solch qualitätsvollen/ wertvollen System wie der Interdisziplinären Frühförderung ein besonderer Wert für Kinder, Familien und die Gesellschaft ergibt. Resümee Die Frühförderung bedarf eines Perspektivenwechsels hinsichtlich ihrer fachlich-inhaltlichen Weiterentwicklung, die Theorien, Konzepte, Prinzipien und Verfahren einschließt. Eine zukünftige Aufgabe wird die Entwicklung und Durchführung von einzelfallbezogenen, kennzahlgestützten Wertanalysen sein, die die Mehrdimensionalität des Werts einer frühen Förderung für Kinder, Familien und Gesellschaft verdeutlichen und eine langfristig positive Kindsentwicklung unterstützen. Wertanalysen in der Frühförderung können auch für andere soziale Einrichtungen modellhaft sein. Dies betrifft insbesondere den Wissenstransfer ihrer empirisch fundierten Inhalte und ihrer bewährten Organisationsstrukturen in andere soziale Systeme zur frühen Förderung, z. B. zum Aufbau von Präventionssystemen zur Entwicklungsförderung sozial benachteiligter (Risiko-)Kinder, für die es bislang trotz steigender Notwendigkeit keine eigenen organisationalen Rah- FI 4/ 2006 Der Wert der Frühförderung 167 168 Franz Peterander FI 4/ 2006 menbedingungen gibt. Ohne Zweifel besteht hier ein großer Handlungsbedarf, denn nach den Ergebnissen ökonomisch orientierter Familientheorien (Heckman 2006) stellen auch hier frühe Fördermaßnahmen die entscheidende Variable bei der Mehrung gesellschaftlichen Humanvermögens dar. Literatur Barnett, W. S. (2000). Economics of Early Childhood Intervention. In: J. P. Shonkoff & S. J. Meisels (Eds.). Handbook of Early Childhood Intervention. Cambridge: Cambridge University Press Becker, G. S. (1974). On the Relevance of the New Economics of the Family. The American Economic Review, LXIV, Nr. 2 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (1994). Fünfter Familienbericht: Familien und Familienpolitik - Zukunft des Humanvermögens. Bonn Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2006). Siebter Familienbericht: Familien zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit. Bonn Gates, H. (2005). Investing in Children - An Early Learning Strategy for Washington State, Bill and Melinda Gates Foundation Heckman, J. J. (2006). Investing in Disadvantaged Young Children is an Economical Efficient Policy. Committee for Economic Development. „Building the Economic Case for Investments in Preschool“, January 10 Heckman J. J., Cunha, F., Lochner, L. & Masterov, D. V. (2006). Interpreting the Evidence on Life Skill Formation. In: E. Hanushek & F. Welch (Eds.): Handbook of the Economics of Education. North Holland, Amsterdam Karoly, L. (2001). Assessing Costs and Benefits of Early Childhood Intervention Programs. Casey Family Programs, Seattle Kelly, J. F., Booth-Laforce, C. & Spieker, S. J. (2005). Assessing Family Characteristics Relevant to Early Intervention. In: M. J. Guralnick (ed): The Developmental Systems Approach to Early Intervention. Brooks, Baltimore, 235 - 265 Krüsselberg, H. G. (1997). Humanvermögen in der Sozialen Marktwirtschaft. In: G. Gutman, H. Hamel, K. Pleyer, A. Schüller & H. J. Thieme (Hrsg.): Ethik, Vermögen und Familie - Quellen des Wohlstands in einer menschenwürdigen Ordnung. Lucius, Stuttgart, 206 - 226 Krüsselberg, H. G. & Reichmann, H. (Hrsg.) (2002). Zukunftsperspektiven Familie und Wirtschaft - Vom Wert von Familie für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Vektor-Verlag, Grafschaft Müller-Kucera, K. & Bauer, T. (2001). Kindertagesstätten zahlen sich aus. Sozialberichterstattung ’01. Zürich Peterander, F. (2000). The best quality cooperation between parents and experts in Early Intervention. Infants and young children, 12, 3, 32 - 45 Peterander, F. (2002). Qualität und Wirksamkeit der Frühförderung. Frühförderung interdisziplinär, 21, 2, 96 - 106 Peterander, F. (2006). Effektivität, Kosten und Nutzen Sozialer Arbeit - Eine oft vernachlässigte Frage. In: J. P. König, Ch. Oerthel & H. J. Puch (Hrsg.): Visionen sozialen Handelns. allitera Verlag, München, 164 - 178 Peterander, F. & Speck, O. (Hrsg.) (2004). Qualitätsmanagement in sozialen Einrichtungen. 2.völlig überarbeitete Auflage. Reinhardt, München/ Basel Rauh, H. (2002). Vorgeburtliche Entwicklung und frühe Kindheit. In: R. Oerter & L. Montada (Hrsg.): Entwicklungspsychologie. 5. Aufl. Beltz, Weinheim, 131 - 208 Rolnick, A. & Grundewald, R. (2003). Early Childhood Development. Economic Development with High Public Return. Fedgazette (March), pp. 6 - 12 Speck, O. (1999). Die Ökonomisierung sozialer Qualität. Reinhardt, München/ Basel. Sroufe, L. A. (1997). Psychopathology as an Outcome of Development. Development and Psychopathology, 9, 251 - 268 Prof. Dr. F. Peterander Ludwig-Maximilians Universität Department Psychologie - Frühförderung Leopoldstr. 13 D-80802 München E-Mail: Peterander@lrz.uni-muenchen.de