Frühförderung interdisziplinär
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0721-9121
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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2008
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Frühförderung und Kindeswohl
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2008
Monika Naggl
Martin Thurmair
Kindesvernachlässigung ist bei uns zu einem gesellschaftlichen Thema geworden, in politischen wie fachlichen Dimensionen. Initiativen zur Verbesserung des Kinderschutzes, die aktuell diskutiert werden, nehmen den möglichen Beitrag der Frühförderung kaum zur Kenntnis. Dabei gehören Kinder in prekären Entwicklungsumgebungen seit je zu ihrem Arbeitsgebiet. Die Stärken der Frühförderung bei entwicklungsgefährdeten Kindern in prekären Entwicklungsumgebungen liegen in der Früherkennung und Diagnostik wie auch in der Intervention und in der Vernetzung von Diensten und Angeboten. Verbesserungen beim Kinderschutz brauchen auch eine verbesserte Einbeziehung dieser Kompetenzen.
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Frühförderung interdisziplinär, 27. Jg., S. 52 - 66 (2008) © Ernst Reinhardt Verlag München Basel Frühförderung und Kindeswohl - Frühe Hilfen für entwicklungsgefährdete Kinder Monika naggl, Martin thurMair Zusammenfassung: Kindesvernachlässigung ist bei uns zu einem gesellschaftlichen Thema geworden, in politischen wie fachlichen Dimensionen. Initiativen zur Verbesserung des Kinderschutzes, die aktuell diskutiert werden, nehmen den möglichen Beitrag der Frühförderung kaum zur Kenntnis. Dabei gehören Kinder in prekären Entwicklungsumgebungen seit je zu ihrem Arbeitsgebiet. Die Stärken der Frühförderung bei entwicklungsgefährdeten Kindern in prekären Entwicklungsumgebungen liegen in der Früherkennung und Diagnostik wie auch in der Intervention und in der Vernetzung von Diensten und Angeboten. Verbesserungen beim Kinderschutz brauchen auch eine verbesserte Einbeziehung dieser Kompetenzen. Schlüsselwörter: Kindeswohl, Frühförderung, Prävention, Intervention, Vernetzung Early Intervention and Child Neglect - Helping Children at Risk Summary: Child neglect and maltreatment is a major theme in german society. The improvement of prevention has political as well as professional dimensions. Enhancement of prevention hardly recognizes the contribution of early intervention services, though children in high risk families belong to their clientele since these services started. The experience of early intervention concerning the development of children in high risk constellations, and their diagnostic, intervention and networking techniques should be integrated in preventive initiatives which are actually brought up. Keywords: Child neglect, early intervention, prevention, intervention, networking Originalarbeiten 1. Einleitung In den letzten zwei, drei Jahren hat Deutschland auf eine Serie von Kindstötungen geschaut: Kevin in Bremen, Pascal, Kevin in München (der gerade noch überlebt hat) … Die „toten Kinder“ haben die Öffentlichkeit schockiert. Die Fälle haben eine mediale Vervielfachung und Rückkopplung ohnegleichen erhalten, und sie haben zur Einleitung von Schritten auf der politischen Ebene geführt. „Das Ausmaß von Kindeswohlgefährdung durch Vernachlässigung und Misshandlung läßt sich nur näherungsweise abschätzen, weil das Dunkelfeld groß ist. Anhaltspunkte liefern folgende Zahlen: Die Anzeigen bei Vernachlässigung und Misshandlung haben sich seit 1990 beinahe verdreifacht (Kinder bis sechs Jahre: 1990: 600, 2005: 1445; Kinder bis 14 Jahre: 1990: 1377, 2005: 3377; Polizeiliche Kriminalstatistik). Die Zahl der Fälle, in denen die Jugendämter gefährdete Kinder zu ihrem eigenen Schutz in Obhut nehmen mussten, stieg von 1995 bis 2005 um 40 % (Statistisches Bundesamt). Im Jahre 2005 bewilligten die Jugendbehörden rund 40.000 überforderten Eltern mit Kindern unter sechs Jahren „Familienunterstützende Maßnahmen“ (KOMDAT Jugendhilfe). Bei Kindern unter 3 Jahren muss das Familiengericht jedes Jahr in etwa 2200 Fällen das elterliche Sorgerecht entziehen (Münder et al., 2000).“ (Bundesministerium Familie BMFSFJ 2007) FI 2/ 2008 Frühförderung und Kindeswohl 53 Bei Erzieherinnen, Sozialarbeiterinnen, Familienberaterinnen und Frühförderinnen, denen Kinder beruflich anvertraut sind und die professionell mit Familien und kleinen Kindern arbeiten, haben diese gehäuften Fälle von Vernachlässigung, Misshandlung und Infantizid eine große Verunsicherung ausgelöst. Sie stellen sich die Frage, ob sie in ihren eigenen Handlungsfeldern für den Schutz der Kinder genügend tun. Die gesamte Basis des Jugendamts einer Großstadt, die Bezirkssozialarbeiterinnen, fühlen sich im Stich gelassen und beklagen, dass sie ihre anderen Aufgaben vernachlässigen müssen, weil sie sich nur noch den Krisenfällen mit Kindeswohlgefährdung widmen können (Süddeutsche Zeitung, 2. 7. 07). Ganze Abteilungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie „versinken im Kindeswohl“. Abgesehen von einigen Reflexen rechts und links wie: Der Staat müsse die Kinder besser schützen, und: „Immer mehr Kinder leben von Sozialhilfe“, „C’est la faute de la societe“ - sind im Zuge dieser Debatte viele konstruktive Schritte und Initiativen in Gang gekommen. Der Grundgedanke, der sich hat durchsetzen können, ist, keine neuen Modellprojekte hochzuziehen, sondern die bestehenden Systeme effektiver zu machen und die Institutionen besser miteinander zu vernetzen. Im Detail sind im Gespräch: • Verbesserungen im System der Gesundheitsvorsorge, beispielsweise als Verpflichtung von Eltern, die Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen • Weiterentwicklungen im Kinderschutz (Kindler, 2007) • Änderungen im Kinder- und Jugendhilfegesetz (Kindler, 2007) • Eine Reform der familiengerichtlichen Verfahren mit dem Ziel, die Familiengerichte intensiver an Prozessen zu beteiligen und ihnen mehr Handlungsmöglichkeiten zu geben (Meysen, 2007) • Verbesserungen der Kooperation durch Verfahrensabsprachen, z. B. Kooperationsvereinbarungen, „Runde Tische“, Projekt „Guter Start ins Kinderleben“ und andere Verfahren. Die oben angesprochene Verunsicherung wirkt sich auch in der Frühförderung aus - bei den Fachleuten und den Familien, wie das folgende Beispiel zeigt: Der Leiter des Jugendamts kommt nach zwei Jahren zum ersten Mal in eine Familie, die auch von der Frühförderung betreut wird. Auf Nachfrage wegen dieses Besuchs meinte die Mutter: „Gell, der kommt wegen der toten Kinder? “ Die Angst, etwas zu versäumen, und ebenso die Bemühungen um eine Kontrolle der Familien sind größer geworden. Das Bedürfnis nach Information und Fortbildung, um Hochrisikosituationen besser erkennen zu können und die Risikoabschätzung zu verbessern, sind auch in der Frühförderung hoch. 2. Kindeswohl im rechtlichen und im weiteren Sinn Vernachlässigung, Misshandlung und Kindstötung fordern gesellschaftliches Handeln heraus; die Verantwortlichkeiten in diesen Fällen sind denn auch gesetzlich geregelt als „Kindeswohlgefährdung“ im § 1666 BGB. Kindeswohlgefährdungen in diesem Sinn ermöglichen und rechtfertigen eine Außerkraftsetzung von grundlegenden Rechten der Eltern und die Ausübung staatlicher Gewalt. Deshalb werden sie hochschwellig diskutiert und auch gehandhabt. Der Bundesgerichtshof hat sie definiert als „eine gegenwärtige, in einem solchen Maße vorhandene Gefahr, daß sich bei der weiteren Entwicklung eine erhebliche Schädigung mit ziemlicher Sicherheit voraussehen läßt“ (BGH Fam RZ, 1956; s. a. Schmid & Meysen, 2006, S. 2 - 5ff). Unterhalb dieser gravierenden Situationen, in denen Eltern grundlegende Rechte aberkannt werden und staatliche Agenturen (Familiengerichte, Jugendämter) handeln, er- 54 Monika Naggl, Martin Thurmair FI 2/ 2008 möglicht der Gesetzgeber der Jugendhilfe Angebote als „Hilfen zur Erziehung“ dann, wenn die Eltern einwilligen und Hilfe zu einer „dem Wohl des Kindes oder Jugendlichen entsprechenden Erziehung“ auch annehmen. Von der Jugendhilfe aus scheint das Kriterium für die Gewährung solcher Hilfen allerdings eher die „Abwendung einer Gefährdung“ zu sein (vgl. Schmid & Meysen, 2006, 2 - 8), sodass der Fokus des Handelns sich verschiebt von einer Beachtung dessen, was ein Kind in seiner Familie braucht, zu einem „pflichtgemäßen“ Handeln im Sinne der Vorschriften. Ein Teil der gegenwärtigen Bemühungen um Klärung und Verbesserung der Situation von Kindern in Gefährdungssituationen richtet sich darauf, die Instrumente und Verfahren innerhalb der Jugendhilfe zu verbessern und effektiver zu machen (Fehleranalyse, Wissenstransfer …). Zusammengeführt werden soll das im „Nationalen Zentrum Frühe Hilfen“, das die Bundesfamilienministerin auf den Weg gebracht hat (BMFSFJ, 2007). Ein anderer Teil richtet sich auf prekäre Entwicklungsbedingungen von Kindern in dem breiten Bereich zwischen einem einigermaßen gesicherten Wohlergehen und kritischen Zuspitzungen, die zu akuter Gefährdung des Kindeswohls führen können. Hier hat es eine Reihe von Initiativen gegeben, die vor allem sozial benachteiligte Familien im Blick haben. Einige Ansätze sind explizit auf die frühe Kindheit und das Bindungsgeschehen gerichtet; andere sind eher lernorientiert und haben die Erziehungskompetenzen von Eltern im Blick. Eine kleine Auswahl von Programmen, die auch schon praktisch umgesetzt werden, ist in Tab. 1 zusammengestellt. 3. Erfahrungen der Frühförderung mit Kindeswohlgefährdungen Auch Frühförderung dient dem Ziel, das Wohl von Kindern zu sichern und zu fördern und ihnen die Chance auf eine möglichst gute Entwicklung zu geben. Diese Aufgabe der Frühförderung ist normalerweise weit weg vom Infantizid, von Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch, weit weg von „jugendamtsrelevanten Sachverhalten“ der Kindeswohlgefährdung. Aber die Wirklichkeit ist nie schwarz-weiß - sie hat gleitende Übergänge von leichten zu schweren Entwicklungsrisiken und von einfachen zu gehäuften und massiven Entwicklungsrisiken. Einer Mutter mit 3,4 Promille im Blut (SZ, 7. 9. 2007) würde wohl niemand ein kleines Kind anvertrauen. Wenn nun die Mutter von Kevin, die jetzt in München vor Gericht steht, nach einem Alkoholentzug einen Rückfall gehabt hätte …? Das macht die Frage der Risikoabschätzung auch für uns in der Frühförderung so schwierig und so brisant. Der Kinderschutz ist keine Kernaufgabe der Frühförderung; aber Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch werden von uns mit entwicklungsauffälligen Kindern häufig „mitgekauft“: Im letzten Ausbildungskurs der bayerischen Frühförderinnen arbeiteten zwei Fünftel der Teilnehmerinnen bei mindestens einem ihrer Kinder in Kooperation mit dem Jugendamt. Ebenfalls nachdenklich macht in diesem Zusammenhang, dass all diejenigen, die in der Literatur als Hochrisikogruppen genannt werden, „alte Bekannte“ der Frühförderung sind: „Die Literatur zeigt, daß schwere psychische Erkrankungen … wenn die Betreuungspersonen allein erziehend sind, eine massive Auswirkung auf die psychische Situation der Kinder haben können. Insbesondere zu beachten sind Sucht und Drogenkonsum eines Elternteils, Depression, Suizidalität und Erkrankungen des schizophrenen Formenkreises. Häufige Wechsel des Betreuungssettings sind per se belastend …“ (Fegert, 2003, 28ff). Frühförderinnen berichten von Alkoholproblemen in Familien. Die Zahl der Kinder, die wegen Entwicklungsstörungen aufgrund einer - oft nicht erkannten - Alkoholembryopathie in der Frühförderung betreut werden, ist nicht bekannt. Bekannt ist dagegen, wie FI 2/ 2008 Frühförderung und Kindeswohl 55 Kinder davon betroffen sind: Steinhausen & Spohr (1998) untersuchten längsschnittlich in Berlin alle Kinder eines bestimmten Jahrgangs, die bei Geburt in einer bestimmten Klinik die Diagnose Alkohol-Embryopathie- Syndrom erhielten. Diese Kinder wurden bis in das späte Schulalter nachuntersucht. Steinhausen & Spohr fanden bei diesen Kindern gehäuft psychische Störungen, vor allem hyperkinetische Syndrome, aber auch andere Verhaltensstörungen, Schlafstörungen und anderes, die sich über die Zeit kaum veränderten. Fast ein Drittel dieser belasteten Kinder war geistig behindert, ein weiteres Drittel lernbehindert und nur ein Drittel dieser Kinder lag im Bereich der normalen Intelligenz. Auch die geistigen Beeinträchtigungen blieben über die Zeit stabil. Ein weiterer belastender Sachverhalt ist, wie das von Kinderschutzzentren mehrfach berichtet wurde, dass Behinderung, schlechtes Gedeihen usw. das Risiko für eine Misshandlung erhöhen (Hinweise bei Sobsey, 1994; Schleiffer, 2002). Also ein Konnex in der umgekehrten Richtung, bei der Behinderung ursächlich im Zusammenhang mit Kindesmisshandlung steht. 4. Der Beitrag der Frühförderung zur Verbesserung des Kinderschutzes Was kann der Beitrag der Frühförderung sein in den aktuellen Bestrebungen, die Gefährdungen des Kindeswohls früher zu erkennen und die Kinder besser zu schützen? Zunächst ist festzustellen, dass in all den Foren, Gremien und Modellprojekten, die ins Leben gerufen wurden, Frühförderung so gut wie nicht erwähnt wird. Das hat den Vorteil, wie Kindler sagte, dass Frühförderung sich selbst Gedanken darüber machen kann, welches ihr Beitrag sein könne und wie sie sich einbringen will. Und den Nachteil, dass womöglich wieder niemand sagen wird: „Ihr kommt ja wie gerufen! “ Frühförderung wird also sehr viel Krafteinsatz leisten müssen, damit ihre wertvollen Beiträge nicht länger stillschweigend übergangen werden, sondern Wirkung entfalten können. Mitteilungen wie die aus dem Bundesfamilienmisterium an die „Vereinigung für Interdisziplinäre Frühförderung“ sind da wenig ermutigend: Es freut mich, dass sich Ihre Vereinigung des wichtigen Themas der frühen Förderung von Kindern mit Behinderung oder einer drohenden Behinderung angenommen hat. Ich möchte Sie in diesem Zusammenhang auf das Aktionsprogramm „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“ aufmerksam machen, das wir bereits im Koalitionsvertrag vereinbart haben. Ziel unseres Aktionsprogramms „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“ ist es, den Schutz von Kindern vor Vernachlässigung und Misshandlung insbesondere durch die Stärkung der Erziehungskompetenz ihrer Eltern zu verbessern. Dabei soll der Blick besonders auf die Zielgruppe der Kinder vom vorgeburtlichen Alter bis zu ca. drei Jahren, aber auch auf Schwangere und auf junge Mütter und Väter in belasteten Lebenslagen konzentriert werden. Zu den Risikogruppen zählen auch behinderte Kinder. … (und dann kommts, d.Verf.: ) In Ihrem Schreiben vom 15. Dezember 2006 nehmen Sie Bezug auf das SGB IX und die im Jahre 2003 in Kraft getretene Rechtsverordnung zur Frühförderung. Dabei weisen Sie auf Probleme bei der Umsetzung dieser Rechtsverordnung in den Ländern hin und bitten um ein Gespräch mit mir, um die Situation in Deutschland gemeinsam zu erörtern. Innerhalb der Bundesregierung liegt die Federführung für das SGB IX - Soziale Rehabilitation und die dazugehörige Rechtsverordnung beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales … Dr. Ursula von der Leyen“ Dass Frühförderung im Zusammenhang mit Verbesserungen beim Kindeswohl nirgendwo erwähnt wird, ist umso erstaunlicher, als es bei diesen Bemühungen immer auch um Vernetzung geht. Man ist sich - siehe oben - einig, keine neuen Parallelsysteme hochzuziehen, sondern die bestehenden Systeme, die zwar vorhanden, in ihrer Aufsplitterung jedoch ineffektiv sind, besser zu vernetzen, sie aufeinander besser zu beziehen und damit - so die Hoffnung - auch für Kinder in Not bessere Hilfen zu gewährleisten. Es ist bislang nicht unbedingt üblich und häufig erfolg- 56 Monika Naggl, Martin Thurmair FI 2/ 2008 Tabelle 1: Einige Programme im Zusammenhang mit dem Kindeswohl im weiteren Sinn name herkunft Ziele Zielgruppe Professionelle rahmen inhalte Suprastruktur Effekte Quellen StEEP (Steps toward Effective, Enjoyable Parenting) USA; Minnesota Parent Child Project In Hoch-Risiko-Familien die Beziehungsentwicklung (Bindung) zwischen Müttern und Kindern zu verbessern durch Klärung von Erwartungen an das Kind, Information, Förderung von Perspektivenübernahme und Feinfühligkeit, Arbeit an Alltagskompetenzen und -strukturen, und Stützung der familiären Netzwerke Schwangere und junge Mütter aus Armuts-/ Elends-/ Multiproblem-Quartieren Beraterinnen mit umfassendem Training zu Inhalten wie Entwicklung, Bindung etc.; Schulung v. a. in Video-Feedback-Interventionen („Seeing-Is-Believing“); i. d. R. Hochschulabschluss Wöchentlich abwechselnd Hausbesuche und Gruppensitzungen, günstigerweise beginnend schon in der Schwangerschaft, bis zum 2. Geburtstag des Kindes Hausbesuche zu 60 Minuten, mit jeweils einem Teil Video-Arbeit. Gruppentreffen mit Müttern (+ Vätern etc.) mit Kindern ungefähr desselben Alters (bzw. etwa gleichem Schwangerschaftsstadium), mit allgem. Austausch, Austausch über die Entwicklung der Kinder, Austausch mit den Beraterinnen, in kommunikativer Atmosphäre Video-Analysen von konkreten Interaktionsszenen; Gespräche über kindbezogene Themen, Entwicklung, Alltagsprobleme STEEP ist ein eingetragenes Warenzeichen; Umsetzungen werden kontrolliert („Monitoring“) durch benannte Institute Bezogen auf die Bindungsentwicklungen und die Mutter-Kind-Beziehungen keine signifikanten Effekte gegenüber einer Kontrollgruppe. Natürlich gibt es persönliche gute Erfahrungen und glaubt man auch an das Programm. Kißgen & Suess, 2005 guter Start ins kinderleben Modellprojekt zur Förderung des kinderschutzes Fegert/ Ziegenhain, Ulm Optimierung des Kinderschutzes in den Zielbereichen: 1. Frühe Förderung und Stärkung der Beziehungs- und Erziehungskompetenzen von Eltern; 2. Interdisziplinäre Koordinierung von Hilfen Vernetzungspartner in den Regionen (Gesundheit; Kinder- und Jugendhilfe; Initiativen) Koordinatoren vor Ort; Fortbildungsgruppe Frühe Interaktionsberatung (EPB) Projektentwickler Uni Ulm Runde Tische; Fortbildungsmaßnahmen in „Entwicklungspsychologischer Beratung“ Ist-Stand-Erhebung; Vernetzungsanalyse; Vernetzungs- und Kompetenzentwicklung; Optimierungsprozesse Wissenschaftliche Gruppe; Forschungsprojekt noch unbekannt Die Weiterbildung in „Entwicklungspsychologischer Beratung“ wird gegenwärtig evaluiert. http: / / www.uniklinik-ulm.de/ struktur/ kliniken/ kinder-und-jugend psychiatriepsychotherapie/ home/ forschung/ guter-start-ins-kinder leben.html FI 2/ 2008 Frühförderung und Kindeswohl 57 oPStaPJE - „Schritt für Schritt“ Niederlande, in D adaptiert durch Deutsches Jugendinstitut DJI Kindern in Familien in schwierigen Lagen durch Lernanregungen bessere Chancen zu geben und die Eltern instand zu setzen, mit ihren Kindern in Förderung und Erziehung besser umzugehen Ursprünglich v. a. Migranten; in D auch für sozial Benachteiligte gedacht. Kinder von 2 - 4 Jahren Laienhelferinnen unter Führung einer Koordinatorin. Sehr strukturierte Anleitungen und Materialien. Stützung der Laienhelferinnen durch Koordinatorinnen. Aufgaben der Koordinatorinnnen: Schulung der Helferinnen, Beratung, Anwerbung von Helferinnen, Kontakte im Quartier; Aufbereitung und Pflege der Materialien Über 2 Jahre zunächst wöchentliche, dann 14-tägige Hausbesuche in den Familien zu je 30 Min., dazu 14-tägig Gruppentreffen der Beteiligten über 3 Std. Hausbesuche enthalten v. a. Anleitung zu alltäglichen Aktivitäten mit Kindern: Malen, Kleben, Schneiden, Plastilin, Bilderbücher anschauen, Geschichten erzählen/ vorlesen …; Gruppentreffen enthalten: Austausch, Erörterung von Fragen im Zshg. mit dem Programm und seiner Umsetzung, Geselliges In der Anschubphase (Forschungsprojekt) durch DJI gewährleistet (Fachtagungen, Fortbildung, Projektbegleitung); Verbreitung und Umsetzung: evtl. Koordination über den Verein „Opstapje e.V.“ Einheitliche Förder- und Instruktionsmaterialien Bezogen auf die Kinder nicht sehr überzeugend. Inanspruchnahme: deutsche sozial schwache (= wenig motivierte und zukunftsorientierte) Familien werden nicht so gut erreicht. In Multi-Problem-Lagen kommt das Programm schnell an die Grenzen. http: / / www.dji.de/ cgi-bin/ projekte/ output.php? projekt=321 Pro kind Modellprojekt in niedersachsen USA; Nurse-Family-Partnership Program Gesundes Leben während der Schwangerschaft; frühe Förderung des Kindes; Förderung der elterlichen Erziehungskompetenz und Alltagsbewältigung; Unterstützung der eigenen Lebensperspektive der Eltern Schwangere Frauen, Erstgebärende, zwischen 12. und 28. SSW, in finanziell und persönlich schwieriger Lebenslage Hebammen (mit überwiegend hebammentypischer Tätigkeit und im dafür vorgesehenen Zeitraum; nach der Geburt Sozialpädagoginnen mit überwiegend typischer Tätigkeit der „Sozialpädagogischen Familienhilfe“). Teilprojekt mit Hebammen über die ganzen 2 Jahre Hausbesuche bis zum Alter von 2 Jahren; „Coaching“-Konzept; stabile Personen pro Familie („regelmäßig und langfristig“ sagt der Prospekt) Tätigkeit orientiert an den Leitgedanken: Jede ist Expertin für das eigene Leben! ; Folge den Herzenswünschen der Familie! ; Kleine Schritte können Großes bewirken! ; Der Weg ist das Ziel! ; Betone die Stärken! NFP ist in USA qualitätsgesichert durch Monitoring, Fortbildung, Supervision, Dokumentation. Bei uns Modellprojekt Von NFP wird Großes berichtet, von ProKind Großes erwartet. http: / / www.stiftung-pro-kind.de/ 58 Monika Naggl, Martin Thurmair FI 2/ 2008 los, sei es in einer psychiatrischen Ambulanz oder in der Frühförderung, Kooperationen anzustreben, auch dann nicht, wenn sich acht Dienste gleichzeitig um einen Klienten bemühen. „Im Fall Kevin (Bremen, d.Verf.) sind etwa 25 verschiedene Institutionen und Dienste mit einer nicht genau zu ermittelnden Zahl von Fachleuten tätig geworden … (darunter auch die „frühen Hilfen“, d.Verf.) An einer geordneten durchgehenden systematischen Zusammenarbeit hat es im Allgemeinen gefehlt.“ (Hoppensack, 2007, 303) Nun wird Vernetzung groß geschrieben. Beispielsweise stellt Kindler (2007) eine „Kooperationslücke Jugendhilfe - Gesundheitshilfe, relevant vor allem in den Jahren 0 - 3“ fest, und sieht die „Sicherstellung der Kommunikation gefährdungsrelevanter Informationen zwischen Stellen und Bereichen“ auf der Agenda des Kinderschutzes. Aus fachlicher Sicht formuliert Lenz (2006): „Ein fachlich fundierter Umgang mit Kindern psychisch kranker Eltern erfordert eine interdisziplinäre Handlungsperspektive, in der psychotherapeutisches, psychiatrischmedizinisches und sozialpädagogisches bzw. sozialarbeiterisches Wissen miteinander verknüpft wird“ (s. a. Lenz, 2005). Politisch drückt die gemeinsame Pressemitteilung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Deutschen Jugendinstituts vom 10. 7. 2007 die Sache so aus: „Hinter jedem Fall von Verwahrlosung und Misshandlung steht die Leidensgeschichte eines Kindes. Wir müssen Hilfen früher und besser aufeinander abstimmen, damit der Teufelskreis von Isolation und Gewalt innerhalb einer Familie gar nicht erst entsteht. Wenn die Geburtshelfer, Hebammen, Kinderärzte oder die Jugendhilfe die einzigen Anlaufstellen sind, bei denen gefährdete Kinder kurzfristig wahrgenommen werden, dann müssen wir diese beiden Systeme zum Schutz der Kinder verknüpfen und stark machen. Das vom Bundesfamilienministerium eingerichtete Zentrum Frühe Hilfen soll die Systemgrenzen zwischen Gesundheitswesen und Jugendhilfe überwinden durch Fehleranalysen und Forschung. …“ (BMFSFJ, 2007). Offenbar jedoch keine Vernetzung mit Beteiligung der Frühförderung, und das, obwohl Frühförderung, seit es sie gibt, im Wesentlichen nichts anderes tut als genau dieses: nämlich zu vernetzen, selbst vernetzt zu arbeiten und eine Brücke zu bilden zwischen dem Gesundheitssystem, der Eingliederungshilfe und der Kinder- und Jugendhilfe. Der Begriff, den wir in der Frühförderung dafür verwenden, heißt üblicherweise „Interdisziplinarität“ und meint genau das, was jetzt so händeringend gesucht wird: Fachleute aus verschiedenen Bereichen arbeiten zum Wohl der kleinen Kinder zusammen. Und es ist auch kein Zufall, dass Interdisziplinarität bei den kleinen Kindern, in der Frühförderung, erfunden wurde: Weil sie bei kleinen Kindern noch nötiger ist als anderswo, wie sich allmählich herumzusprechen scheint. Als diejenigen, die diese Art von Vernetzung seit 30 Jahren praktizieren, sind wir Kummer gewohnt und wissen, es ist ein hartes Brot. Man passt nirgendwo rein, für keinen der Ansprechpartner, ob Krankenkassen, Praxen oder Sozialhilfeträger, macht man es jemals richtig, sondern immer nur falsch, und im Zweifelsfall sitzt man, ähnlich unseren Klienten, zwischen allen Stühlen, als „geduldete Marginalie zweier Versorgungssysteme“ (Albers & Neuhäuser, 2006, 68), oder wird - wie von Frau von der Leyen, s. o. - von einem Ministerium zum anderen geschickt. 5. Beiträge der Frühförderung zum Kindeswohl Fegert & Ziegenhain betonen den Umstand, dass „es vor allem in den ersten Lebensjahren eines Kindes sein kann, dass nur Fachkräfte aus der Geburtshilfe und der Kinderheilkunde Kontakt zum Kind und seinen Eltern haben“, und empfehlen eine „Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Jugend- und Gesundheitshilfe (als) ein wichtiges Anliegen des Kinderschutzes“ (2006, 111). Dem gegenüber möchten wir betonen, dass im Falle einer FI 2/ 2008 Frühförderung und Kindeswohl 59 Entwicklungsgefährdung vor allem für die Pädiater Frühförderung der niedrigschwelligere Weg ist. Hier ist die interdisziplinäre Brücke, die man auch für einen besseren Schutz der Kinder nutzen kann! Was tut nun Frühförderung als Vernetzungsakteur im Kinderschutz und wie sieht dieses Vernetzen konkret aus? 5.1 Früherkennung von Entwicklungsgefährdungen Ärzte in den Praxen sind tatsächlich in der Regel die ersten, die die Kinder sehen. Wenn im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen die Inanspruchnahme durchgängiger gesichert werden könnte, vor allem für Armuts- und Migrantenfamilien, wäre das ein großer Fortschritt. Sehen alleine reicht jedoch nicht, und auch unter Ärzten ist die geringe Sensitivität der U-Untersuchungen für Entwicklungsauffälligkeiten von Kindern bekannt. Es gibt verschiedene Versuche, diese entwicklungsdiagnostische Qualität in den Arztpraxen selbst zu verbessern (Michaelis und Barth, 2003; Ohrt et al. 1993/ 1994; Petermann und Macha, 2005; Autismus-Checklisten zu den Terminen U 1 bis U 8 des Landesverbands Bayern e.V. Hilfe für das autistische Kind 2004); ein viel versprechenderer Weg scheint uns zu sein, dass Ärzte und Kinderärzte die Kompetenzen und Ressourcen der Interdisziplinären Frühförderstellen in der Entwicklungsdiagnostik für sich nutzen. Eine konkrete und aussichtsreiche Möglichkeit hierfür wäre es, bei den noch relativ gut in Anspruch genommenen U 6 (ein Jahr) und U 7 (zwei Jahre) die Elternfragebögen ELFRA 1 und ELFRA 2 (Grimm & Doil, 2006) als Screeningsinstrumente zu nutzen. Diese sind als Screening verlässlich und auch in der Arztpraxis gut durchführbar (Sachse et al. 2007). Bei Kindern, die hier auffallen, sollte eine weitergehende psychologisch-pädagogische Diagnostik der Entwicklung in der interdisziplinären Frühförderstelle veranlasst werden. In dieser Kombination von „U-Untersuchung“ und „ELFRA“ beim Arzt, und „Entwicklungsdiagnostik in der Frühförderstelle“ lägen gute Chancen für die Verbesserung der Früherkennung von Sprachentwicklungsstörungen, aber auch von allgemeinen Entwicklungsrisiken und prekären Entwicklungsbedingungen bis hin zu Gefährdungen des Kindeswohls. Als Beispiel ein Anruf in der Frühförderstelle, nachdem die Familie beim Arzt war: Beide Eltern sind sehr jung und Ausländer. Der Sohn, 2; 3 Jahre alt, spricht nur „mama“ und „gaga“. Er ist der älteste von drei Kindern. Mit diesen paar Informationen und ELFRA 2 hat man schon eine gute Orientierung. Wir werben daher vor allem bei den Kinderärzten, mit denen wir im Rahmen der Komplexleistung kooperieren, darum, die entwicklungsdiagnostischen Kompetenzen der Frühförderstellen zu nutzen, weil es unsere feste Überzeugung ist, dass wir die Früherkennung in diesem weiten Feld der Entwicklung von Kindern nur über eine Vernetzung der Kräfte und Ressourcen und über gute, sachdienliche Kooperationen verbessern können. Eine zweite wichtige Chance zur Verbesserung der Früherkennung ist die Kinderkrippe bzw. der Kindergarten: Sie ist der erste „öffentliche“ Lebensraum von Kindern, in dem sie einen Gutteil ihres Lebens außerhalb der Familie zusammen mit anderen Kindern verbringen, und mit Erwachsenen, die nicht Teil der engeren oder weiteren Familie sind. Erzieherinnen können aufgrund der langen Zeit, die sie die Kinder sehen, durch den direkten Vergleich mit Gleichaltrigen und durch die Vielfalt der Situationen, in denen sie die Kinder erleben, verlässlich und früh Auffälligkeiten wahrnehmen. Wenn sie in Zweifelsfällen fachkundige Hilfe zur diagnostischen Abklärung und Weitervermittlung an entsprechende Hilfeangebote in Anspruch nehmen können, ist das ein wichtiger Schritt. 60 Monika Naggl, Martin Thurmair FI 2/ 2008 Fachdienste in KiTas, wie beispielsweise die in Bayern vom Sozialministerium initiierten und geförderten „Heilpädagogischen Fachdienste für Kindergärten“, haben eine wichtige Funktion in der Früherkennung und Weitervermittlung von auffälligen Kindern in Kindertagesstätten (Mirbach et al., 2007). Sie haben ihre fachliche Basis in Frühförderstellen und stehen den Erzieherinnen zur Verfügung, wenn sie Beratungsbedarf zu einem auffälligen Kind haben. Am meisten gefragt sind diese Fachdienste bei Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern: psychosoziale Risiko- und Belastungsfaktoren finden sich in 44,5 % aller Fälle, zu denen die Fachdienste zugezogen wurden (Mirbach & Thurmair, 2007). 5.2 Die Expertise der Frühförderung für kindliche Entwicklung Frühförderstellen in der Bundesrepublik sind nicht irgendein kurzlebiges Modellprojekt, sondern ein mittlerweile flächendeckend in fast allen Bundesländern ausgebautes System. In Bayern beispielsweise gibt es keinen Landkreis und keine kreisfreie Stadt, die nicht mindestens eine interdisziplinäre Frühförderstelle hat, mit hervorragenden Kompetenzen auf dem Gebiet der kindlichen Entwicklung und ihrer Gefährdungen. Die Entwicklungsdiagnostik in der interdisziplinären Frühförderung zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie über relativ große Zeit-Ressourcen verfügt (in Bayern beispielsweise werden etwa 4 Zeitstunden dafür bezahlt) und dass sie hohen fachlichen Standards genügt: Siehe dazu: „Diagnostische Leitlinien Frühförderung“ (Arbeitsstelle Frühförderung Bayern, 2007; Schmid-Krammer & Naggl, 2006). Die Entwicklungsbedingungen der Kinder in der Familie, in der Krippe und im Kindergarten werden darin systematisch erfasst. Das geschieht im Beratungssetting des Erstgesprächs und der Anamnese. Auch das ist außerordentlich wichtig: Die Fragen nach den Entwicklungsbedingungen sind nicht so sehr nach einer wie immer gearteten Checkliste zu stellen, sondern sie sind als Beziehungsaufnahme und Beziehungsangebot zu gestalten - eine Notwendigkeit, die auch im Jugendhilfebereich bei Gefährdungssituationen gesehen und formuliert wird (Gerber, 2007). Wie sind die Pflege und Erziehung, die Familiensituation, die soziale Situation, gibt es Belastungen und Krisen, was geschieht in der Krippe und im Kindergarten? Im frühen Bereich diagnostiziert die Frühförderung wohl als einziges niedrigschwelliges System systematisch diese Bedingungen. Sozialpädiatrie und Kinder- und Jugendpsychiatrie, die ebenfalls die Umgebungsfaktoren in ihrem diagnostischen Blick haben, kommen ja erst bei spezifischen Fragestellungen ins Spiel. Die Frühförderung kann nach der Diagnostik, die sie in Ergänzung zum Kinderarzt und in Kooperation mit ihm durchführt, nicht nur medizinisch-therapeutische, sondern auch pädagogische und psychologische Hilfen anbieten. Sie kann darüber hinaus auch an andere Stellen und Instanzen weiterverweisen - ganz nach dem, was das hilfreichste Angebot für Kind und Familie ist. Die Frühförderstellen sind daher ein wichtiger Knotenpunkt im Netz des Kindeschutzes. Sie arbeiten nicht nur mit Arztpraxen und Praxen von medizinischen Therapeutinnen, sondern auch mit Krippen, Kindergärten und darüber hinaus mit dem System der Jugendhilfe zusammen. Für die Rolle des „Case Managers“, der alle Fäden zusammenführt, bieten sie sich mit diesem Potenzial geradezu an. Sie sind eigentlich bestens dafür geeignet, eine Lotsenfunktion in der Diagnostik und Förderung/ Therapie entwicklungsauffälliger und behinderter Kinder zu übernehmen, wie sie das bisher schon nach Kräften und manchmal über ihre Kräfte hinaus tun. FI 2/ 2008 Frühförderung und Kindeswohl 61 5.3 Die Erfahrungen der Frühförderung mit Familien in prekären Lagen Im Lichte der Erfahrungen unserer bisherigen Arbeit mit Armutsfamilien scheint die Realität etwas vielschichtiger zu sein als es die Reflexe von Kinderschützern und Fachleuten, wie: „Immer mehr Kinder leben von Sozialhilfe“, „die Eltern sind überfordert“ oder der Ruf von Politikern, der Staat solle die Kinder besser schützen, vermuten lassen.Die Frühförderung arbeitet seit Jahrzehnten und in großem Umfang mit Armutsfamilien: Im großstädtischen Bereich kommen nach unserer Erfahrung und unpublizierten Recherchen in München, Nürnberg und Erlangen die Hälfte bis zwei Drittel aller Frühförderkinder aus Familien in Armutslagen. In den ländlichen Regionen dürfte das nicht anders sein, wenn auch dort prekäre Lagen sich oftmals anders darstellen (Chassée, 2000, 28 - 32). Frühförderinnen und Frühförderer haben sich vor allem in Armutsquartieren oft eine wichtige soziale Position erarbeitet; anschaulich wird das, wenn sie von Eltern am Bahnhof, im Supermarkt oder auf der Straße wegen Problemen mit den Kindern angesprochen werden. Auch konzeptionell sind Familien in Armutslagen ein fester Bestandteil des Diskurses in der Frühförderung (Weiß, 2000, 2007 a, 2007 b). Die dabei gewonnenen Erfahrungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: 1. Wir erleben eine Häufung von Risikofaktoren: Zur Armut kommen Behinderung, Gesundheitsprobleme und psychische Probleme hinzu. 2. Für Hilfen, auch die frühen Hilfen der Frühförderung, gilt das modifizierte „Matthäus-Prinzip“: Wer nichts hat, bekommt auch nichts, nicht einmal das, was ihm zusteht und für ihn vorgesehen ist. Das heißt: Es gibt wohl viele Angebote, aber diejenigen, die sie am dringendsten bräuchten, erfahren davon nichts oder kommen nicht an sie heran oder können nicht davon profitieren. Die „Inanspruchnahme von Hilfen“ ist ein ganzer Forschungsbereich, der dieses Paradox zum Thema hat (z. B. Engelbert, 1999). 3. Der klassische „modus operandi“ der Frühförderung geht an diesen Familien vorbei und erreicht sie nicht (Klein, 2002, 48 - 55). Dieses Modell war so konzipiert, dass die Eltern kommen, weil sie Förderung für ihr Kind wollen; die Eltern stellen den nötigen Rahmen bereit und arbeiten eifrig mit, um möglichst gute Fortschritte zu erzielen. Davon können wir in Armutsfamilien selten ausgehen, weshalb es erforderlich wurde, spezifische Konzepte für die Arbeit mit sozial benachteiligten Familien zu entwickeln. 4. Ohne das mobile Angebot, ohne ihre Bringstruktur, käme Frühförderung in Armutsfamilien häufig gar nicht erst zustande. In einer bayerischen Großstadt hat diejenige von den zwei Frühförderstellen am Ort mit ihrem Schwerpunkt in der mobilen Leistungserbringung wesentlich mehr Familien aus schwierigen Lagen als diejenige, die ihre Angebote in der Hauptsache ambulant vorhält. Während die mobil arbeitende Stelle von einem Anteil von gut 60 % Armutsfamilien berichtet, schätzt die ambulante diesen Anteil in ihrer Stelle auf unter 20 % ein. 5. Viele Familien kommen aus dem Bereich, den Maier-Gräwe (2007) „verwaltete Armut“ nennt. In diesen Familien wird Armut und noch extremer Bildungsarmut von Generation zu Generation weitergegeben. Das heißt: Die Eltern leben von Sozialhilfe und geben diese Form der Existenzsicherung an ihre Kinder und Enkel weiter; die Eltern sind lernbehindert und geben die Lernbehinderung über soziale Vererbung an ihre mit allen Anlagen von körperlicher und geistiger Intelligenz begabten Kinder weiter. Für die Kinder kommt diese Form von Armut einem Käfig gleich (Allmendinger). 62 Monika Naggl, Martin Thurmair FI 2/ 2008 Dabei ist „verwaltete Armut“ eine geradezu lieblose Bezeichnung, um die Tätigkeit der „Helfer vom Amt“ zu beschreiben, die in der „verwalteten Armut“ das Pendant zu den Familien bilden. „Die Fürsorger, Sozialarbeiter und Kinderbetreuer (sechs an der Zahl, d.Verf.) sind sympathische und empathische Menschen“, die sich um alles kümmern: „von der Renovierung der verwahrlosten Wohnung bis zur Betreuung der Kinder“. Die Doku fängt mit einer großartigen Szene an: Mutter Michaela lässt sich von der Sozialarbeiterin erklären, wie man den Kühlschrank reinigt: „Niemand hat mir gezeigt, wie das geht.“ „Sie treffen sich regelmäßig, um den Fall der Familie zu besprechen. Sie haben für alles Verständnis und bieten für jedes Problem eine Lösung an. … Sie schicken den ältesten Sohn zum Logopäden und bemühen sich darum, für die Familie eine größere Wohnung zu finden. Sie erwarten keinen Dank und bekommen auch keinen. Nicht ein einziges Mal zeigen Martin oder Michaela einen Anflug von Dankbarkeit. Sie nehmen alle Leistungen wie selbstverständlich hin.“ (Henryk M. Broder mit gewohnter Polemik zur ARD-Reportage „Eine Familie und ihre Helfer vom Amt“ in Spiegel online 14. 8. 2007) 5.4 Spezielle Arbeitsformen der Frühförderung Fokus auf die Interaktion: Die Stunde zu dritt mit Mutter und Kind ist ein klassisches Setting der Frühförderung. Es kann als Fördersetting gestaltet werden, in dem die Frühförderin mit dem Kind spielt, es behandelt, fördert. Es kann aber in diesem Dreier-Setting der Fokus auch auf die Interaktion zwischen Mutter und Kind gelegt werden. Die Rolle der Frühförderin besteht dann darin, eine gute Situation zwischen Mutter und Kind zu ermöglichen. Es geht um Entlastung für die Mutter und um eine unmittelbare positive Erfahrung mit ihrem Kind. Es ist oft ein „die Mutter bemuttern“, bevor die Mutter sich vermittels der eigenen positiven Erfahrung ihrem Kind zuwenden kann. Interaktionsorientierte Präventionsprogramme bedienen sich ähnlicher Prinzipien der unmittelbaren positiven Erfahrung in der Interaktion, so das Programm STEEP mit seinem Kernsatz „Seeing is believing“ (Erickson & Egeland, 2006, 99 - 105), das „Feinfühligkeitstraining“, wie es Brisch (2002, 367f) beschreibt und in seinem Programm SAFE verwendet, oder das Prinzip „Sehen - Verstehen - Handeln“, das den Kern der „Entwicklungspsychologischen Beratung“ von Ziegenhain et al. (2004, 143 - 167) bildet. Soziale Hilfen und sozialrechtliche Beratung sind manchmal unterstützend erforderlich, aber Frühförderung ist keine Sozialarbeit, sondern der Fokus ihrer Arbeit in den Familien liegt auf der Interaktion zwischen Eltern/ Mutter und Kind. Ist die Mutter an Bord? ist eine Kernfrage im Kontakt zu den Familien. Wenn Frühförderung nicht auf Wunsch der Eltern, sondern im Auftrag des Kindergartens, des Arztes, des Jugend- oder des Gesundheitsamtes oder in Kooperation mit ihnen arbeitet, ist der Auftrag für alle Beteiligten transparent zu machen. Die Frühförderin wird dann schauen, ob es etwas gibt, was die Mutter von ihr wollen könnte für sich und für ihr Kind: damit nicht nur das Baby, sondern auch die Mutter mit an Bord ist, und zwar von Anfang an. Die Frühförderin legt sehr viel mehr Wert auf die Auftragserarbeitung und Auftragsklärung: „Was führt Sie zu uns? “ „Der Arzt/ Die Kindergärtnerin hat gesagt …“ „Und Sie selber? “ So zu verhandeln statt gleich zu behandeln, heißt, nach den Interessen zu schauen: Ist da ein Interesse bei der Mutter, mit dem wir uns in der Förderung des Kindes verbünden könnten? Denn natürlich will jede Mutter eine gute Mutter sein und will das Beste für ihr Kind. Gleichzeitig kann es gewichtige Interessen geben, die einer guten Entwicklung des Kindes in dieser Familie entgegenstehen. Die Sozialhilfe kann durchaus ungewollte Auswirkungen auf die Entwicklungschancen der Kinder haben und zu einem Faktor werden, der Kinder in ihrer Entwicklung hemmt FI 2/ 2008 Frühförderung und Kindeswohl 63 oder gar daran hindert. Sozialhilfe schafft und stabilisiert Parallelwelten, die für die Kinder, die darin aufwachsen, zu „Käfigen“ werden. Wenn der Staat über die Sozialhilfe die Rolle als „ideeller Gesamtvater“ übernimmt, so hat das auch Auswirkungen auf die Familie. Durch die Legitimation von Sozialleistungen sichern die Kinder das Familieneinkommen. Die Eltern sind auf ihre Kinder angewiesen. Sie haben ein handfestes ökonomisches Interesse an dieser „westlichen Form von Kinderarbeit“ und die Kinder geraten in die Rolle eines Jokers. Deshalb schaut Frühförderung, woher das Geld kommt und auch, wohin es geht. Die Aussage, dass immer mehr Kinder von Sozialhilfe leben, stimmt ja im Ernstfall gerade nicht, weil die Sozialhilfe gar nicht bei den Kindern ankommt, wenn Zigaretten, Alkohol oder Drogen Vorrang haben. Eltern sein bedeutet, eigene Bedürfnisse zugunsten der Kinder zurückzustellen, und die psychische Struktur von Drogen- und Alkoholabhängigen sieht gerade das nicht vor. 6. Was hilft? Es ist gut, wenn es drei sind, wenn Mutter und Vater in der Kinderaufzucht dabei sind. Genauer gesagt: wenn der Vater da ist - in Person - und nicht der Staat als virtueller Gesamtvater in die Lücke springt. Natürlich sind die Ursachen für die Väter-Absenz komplexer Natur, aber sie werden durch den perversen Systemeffekt der Sozialhilfe, die Väter aus den Familien zu kicken, noch verstärkt. Die neuen „Matriarchatsstrukturen“ in den postmodernen Gesellschaften (Fegert, 2007) entfalten eine eher schädliche Wirkung auf die Entwicklung von kleinen Kindern. Gut wäre es daher, wenn Sozialhilfemütter nach einem Jahr einen Krippenplatz für ihr Kind und für sich selbst einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz hätten, um für beide eine lohnende Alternative anzubieten, eine Alternative zu der primären Mutter-Kind-Symbiose, die für alle Babys lebensnotwendig und entwicklungsförderlich ist, und im weiteren Verlauf der Autonomieentwicklung Platz machen muss. Um sich aus der primären Symbiose mit der Mutter herauszulösen und ihrem regressiven Sog zu entrinnen, helfen dem Baby andere Bezugspersonen. Und sie vermindern die Gefährdungen des Babys durch Übergriffe mütterlicher Liebe, sei es der Missbrauch als Modeaccessoire („Das neue Lieblingsaccessoire von Stars wie Madonna, Kate Moss oder Hillary Clinton sind passend gekleidete Töchter“. SZ Magazin, 7. 9. 07 S. 68), als mother’s little helpers oder als Ersatz für einen Liebesgefährten. Eine spezifische Prävention zu etablieren, wie das wohl derzeit beabsichtigt ist, die darauf gerichtet ist, gezielt die fürchterlichen Fälle von Infantizid zu verhindern, erleben wir als eine Entlastung für das System der Frühförderung. Es ist gleichzeitig beruhigend, dass die Kriterien, die Kindler (2007) als beachtenswert aufführt für die Einschätzung von Gefährdungsrisiken (Elterliche Entwicklungs- und Lebensgeschichte; Elterliche Persönlichkeitsmerkmale und Dispositionen; Psychische Gesundheit und Intelligenz; Familiäre Lebenswelt; Merkmale des Kindes; Merkmale gegenwärtiger oder früherer Gefährdungsfälle), gut übereinstimmen mit der Diagnostik, die in der Frühförderung für die Entwicklungsbedingungen der Kinder entwickelt wurde (vgl. „Diagnostische Leitlinien Frühförderung“, Schmid-Krammer & Naggl, 2006). In der jetzt herrschenden Verunsicherung ist das eine gewisse Bestätigung für die Frühförderung in Bezug auf das rechtzeitige Erkennen von Gefährdungen. Es braucht eine gesellschaftliche Verantwortung für die Kinder außerhalb der Familie. Frühförderung ist als Hilfesystem eine gute Institution, mit der Staat und Gesellschaft Verantwortung für kleine Kinder übernehmen. 64 Monika Naggl, Martin Thurmair FI 2/ 2008 Ebenso wichtig und von der Masse her noch wichtiger ist diesbezüglich die Verantwortung von Staat und Gesellschaft für den Kindergarten. Ein Rückzug in Kundenmodelle: Eltern erhalten Voucher und kaufen in eigener Regie die gewünschten Kindergartenleistungen ein, nutzt den Reichen und Schönen, schadet jedoch den Armen und Schwachen. Deregulierung in der Bildung und Erziehung der nächsten Generation schadet der Leitkultur - der Bildung, den Werten und Normen - einer Gesellschaft, und am meisten, wie immer, ihren schwächsten Gliedern. Bruner schreibt dazu: „Ich halte es für selbstverständlich, daß jede Generation die Art, die Richtung und die Ziele von Erziehung neu definieren muß, um die größtmögliche Freiheit und Rationalität für die künftige Generation zu sichern.“ (1973, 468, Übs. d. Verf.) In diesem Zusammenhang stellen wir jetzt schon fest, dass behinderte Kinder im Kindergarten durch die Auflösung der Integrationsgruppen und die finanzielle und verwaltungstechnische Neukonstruktion von Frühförderung und Kindergarten in Bayern vermehrt unten durch fallen. Das Engagement der Frühförderstellen im Kontext prekärer Entwicklungsbedingungen ist jetzt schon groß und auch vielfältig. Es wäre eine gute Ergänzung zum „Nationalen Zentrum Frühe Hilfen“ der Bundesministerin von der Leyen, aus den Frühförderstellen „Regionale Zentren Frühe Hilfen“ zu machen, an denen die Ärzte, die Jugendämter, die Sozialhilfeverwaltung, die Kindertagesstätten, die Familienbildungseinrichtungen und natürlich die Kinder und Eltern in der Region verlässliche Partner haben. Als ein Fazit der aktuellen Diskussion ums Kindeswohl haben wir in der Früförderung auch ein paar ganz konkrete Dinge gelernt: Dass es unter Umständen besser sein kann, die Polizei zu verständigen oder in eine Arztpraxis/ bzw. eine Klinik zu gehen, als das Jugendamt zu verständigen. Meldungen von Frühförderinnen sind zwar qua deren Status als Fachleute von den Jugendämtern hochrangig zu behandeln, die institutionelle Indifferenz als Abwehrmechanismus ist jedoch offensichtlich besser ausgebildet als Verfahrensregeln von oben. Jedenfalls kann eine Meldung, die über die Polizei einläuft, unter Umständen mehr bewirken. Da Frühförderinnen feine Signale oft besser wahrnehmen als andere und Signale von Not in Systemen zu versacken drohen, werden wir in der Frühförderung dazu übergehen, Gefährdungen der Entwicklung eines Kindes, seiner Gesundheit und seines Wohlbefindens in Zukunft stärker zu skandalisieren - gegenüber seinen Eltern und gegenüber den Jugendämtern und anderen Institutionen. Die andere - konstruktive - Variante besteht darin, Kooperationsvereinbarungen zu treffen, die Zusammenarbeit von Frühförderung und Jugendamt betreffend, und dabei nicht nur die Zusammenarbeit generell zu vereinbaren, sondern bestimmte Schritte für alle Beteiligten - Eltern und Fachdienste - verbindlich zu machen. Wenn mit Vernetzung nicht gemeint ist, dass noch mehr Leute noch länger an immer noch größeren „Runden Tischen“ sitzen, dann kann es nur heißen, dass wir für Kooperationen und Abstimmungen konkrete Verfahrensregeln erarbeiten, wie die Zusammenarbeit ausschauen soll, und sie mit ganz konkreten Verpflichtungen anreichern. Solche „Kooperationsvereinbarungen“ gibt es in München bei drogenkranken und alkkranken Eltern (Interdisziplinäres Hilfenetzwerk für alkoholgefährdete/ alkoholabhängige Schwangere, Mütter, Väter und deren Kinder. Fassung vom 20. 2. 2004). Ein Beispiel dazu aus Köln: Dort ist die Frühförderung Kooperations-Partner einer Mutter-Kind-Einheit in der psychiatrischen Klinik und kommt einmal in der Woche auf Station (Arens & Görgen, 2007, 46 - 49). FI 2/ 2008 Frühförderung und Kindeswohl 65 Es ist notwendig, Frühförderung als hilfreiches und nützliches System bei Gefährdungen des Kindeswohls mehr publik zu machen: Zu den „Runden Tischen“ der bayerischen Projektstandorte von „Guter Start ins Kinderleben“ haben sich die ortsansässigen Frühförderstellen selbst eingeladen. Der Flyer „Frühförderung“ der Arbeitsstelle Frühförderung Bayern wird in München den Elternbriefen beigelegt, die jede Familie mit einem Neugeborenen über Jahre weg erhält. An dem Vernetzungs-Projekt der Universität Bamberg für „Schreibaby-Ambulanzen“ haben sich die bayerischen Frühförderstellen beteiligt, die spezifische Kompetenzen in der frühen Interaktionsberatung haben („Entwicklungspsychologische Beratung“ nach Ziegenhain et al., 2004) - immerhin bereits ein Drittel der bayerischen Frühförderstellen. Was unbedingt das Schlusswort sein muss: Wir müssen sichern, dass wir auch künftig in der Frühförderung mit Haubesuchen arbeiten, den Kontakt zum Kindergarten halten und sozial schwache Familien betreuen können und nicht aus finanzieller Knebelung heraus nur noch nach ökonomischen Kriterien agieren, wie im Grunde jede andere private Praxis im Gesundheitsbetrieb. Literatur Albers, S. & Neuhäuser, G. (2006): Interdisziplinäre Frühförderung und das Gesundheits- und Sozialsystem: Versuch einer Deutung der gegenwärtigen Lage. Frühförderung interdisziplinär 25(2), 65 - 70 Arbeitsstelle Frühförderung Bayern (2007): Leitlinien zur Diagnostik und Basisdokumentation in der Frühförderung. http: / / www.fruehfoerderung-bayern.de/ fileadmin/ files/ PDFs/ Fachleute_Information/ 01Erlaeuterungen-06_Warum_Leitlinien.pdf ARD Reportage „Eine Familie und ihre Helfer vom Amt“. ARD HR 8. 8. 2007 21.45 Arens, D. & Görgen, E. (2007): „Wir werden das Kind schon schaukeln“. Eltern-Kind-Behandlung in der Psychiatrie. Dr. med. Mabuse, Jg.32, Nr. 168, 46 - 49 BMFSFJ: Presseerklärung „Nationales Zentrum Frühe Hilfen verzahnt Systeme von Gesundheitswesen und Jugendhilfe“ vom 10. 7. 2007, http: / / www.bmfsfj. de/ Kategorien/ aktuelles,did=99372.html Brisch, K. H. (2002): Bindungsstörungen. In: Brisch, K. H., Grossmann, K. E., Grossmann, K. & Köhler, L. (Hrsg.): Bindung und seelische Entwicklungswege. Stuttgart (Klett-Cotta), 353 - 374 Bruner, J. S. (1973): Beyond the Information Given, New York, W-W-Norton&Company Chassée, K. A. (2000): Armut in einer reichen Gesellschaft. In: Weiß, H. (Hrsg.): Frühförderung mit Kindern und Familien in Armutslagen. München/ Basel (Reinhardt), 12 - 32 Engelbert, A. (1999): Familien im Hilfenetz. Bedingungen und Folgen der Nutzung von Hilfen für behinderte Kinder. Weinheim, Juventa Erickson, M. F. & Egeland, B. (2006): Die Stärkung der Eltern-Kind-Bindung. Stuttgart (Klett-Cotta) Fegert, J. 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