Frühförderung interdisziplinär
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0721-9121
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Stichwort: Evaluation
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Christoph Leyendecker
Evaluation heißt Bewertung; diese kann zuvorderst ein wertendes Urteil i. S. von gut oder schlecht, förderlich oder abträglich bedeuten. Sie kann als solche auch in einem bekannten Notensystem von (1) „sehr gut“ bis (6) „ungenügend“ gefasst oder nur hinsichtlich Effektivität (Wirksamkeit) und/oder Effizienz (wirtschaftlicher Nutzen, Verhältnis vom Aufwand und Ertrag) betrachtet werden.
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51 FI 1 / 2013 Stichwort StIchwort Evaluation Christoph Leyendecker Evaluation heißt Bewertung; diese kann zuvorderst ein wertendes Urteil i. S. von gut oder schlecht, förderlich oder abträglich bedeuten. Sie kann als solche auch in einem bekannten Notensystem von (1) „sehr gut“ bis (6) „ungenügend“ gefasst oder nur hinsichtlich Effektivität (wirksamkeit) und/ oder Effizienz (wirtschaftlicher Nutzen, Verhältnis vom Aufwand und Ertrag) betrachtet werden. Evaluation i. S. von Bewertung setzt stets eine Überprüfung voraus. Insofern fußt die Evaluation auf einer Beschreibung und Analyse. Diese beziehen sich auf die Qualität personaler Dienstleistungen einerseits und deren organisatorische wie sachliche Bedingungen andererseits. In der regel wird die Evaluation unterteilt in Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Unter Strukturqualität werden die rechtlichen, räumlichen und personalen Voraussetzungen erfasst. Unter Prozessqualität werden alle Aktivitäten verstanden: vom Erstgespräch über die Diagnostik, die Förderung und therapie, die Zusammenarbeit mit Eltern, die Kooperation im team und mit anderen Einrichtungen bis hin zu deren Dokumentation. Schließlich geht es bei der Ergebnisqualität um Fragen der wirksamkeit der Maßnahmen und die Zufriedenheit von Kind, Eltern und Personal mit der Arbeit der Einrichtung. Dazu wird auch eine reflexion des wirtschaftlichen Nutzens, d. h. des Verhältnisses von Aufwand und Ertrag, einzuschließen sein. Eine solche systematische Evaluation kann summativ oder formativ erfolgen. Bei der summativen Evaluation geht es um die grundsätzliche Entscheidung für eine bestimmte konzeptionelle Ausrichtung und deren Überprüfung nach einer längeren Zeit der Durchführung - z. B. nach Einführung der Komplexleistung Frühförderung. Demgegenüber hat die formative Evaluation die Überprüfung konkreter Maßnahmen in einem bestimmten Zeitraum und nach spezifischen Kriterien zum Ziel: z. B. die prozessbegleitende Lernzielkontrolle in einem bestimmten Förderprogramm. Die summative Evaluation erlaubt eine abschließende Beurteilung nach Durchführung des Förderprogramms/ -Konzepts, während die formative Evaluation unmittelbar im Prozess der Durchführung ein Feedback zur kontinuierlichen Verbesserung des Programms geben kann. Jede Evaluation ist zentraler Bestandteil einer Qualitätsentwicklung, die zu einem Qualitätsmanagement und zu Maßnahmen der Qualitätssicherung führt. Insofern sucht sie nach der „best practice“ und dient im weitesten Sinne dem Verbraucherschutz. Dazu müssen Mitarbeiter/ innen ihre Dienstleistungen wissenschaftlich begründen und die Qualität ihrer Arbeit profilieren und weiterentwickeln können. Somit dient Evaluation der kritischen hinterfragung praxisrelevanter Kenntnisse und allgemeiner rechtfertigungen pädagogisch-therapeutischen handelns; sie kann auch nicht vor bekannten Namen und lang praktizierten Konzepten haltmachen. Methodisch arbeitet Evaluation mit Untersuchungsverfahren, die der sogenannten evidenzbasierten Medizin nahestehen; sie sollen 52 FI 1 / 2013 Stichwort · Kurz berichtet sicherstellen, dass das pädagogisch-therapeutische handeln vor dem hintergrund empirischer wirksamkeitsnachweise geschieht. wünschenswerter Standard sind deshalb empirische Methoden der Einzelfallforschung (qualitative Fallstudien und quantitative Beobachtungen z. B. durch Multiple- Grundraten-Versuchspläne) oder nutzerorientierte Erhebungen (z. B. zur Eltern / -Kind- Zufriedenheit mit der Frühförderung) und Vergleichsuntersuchungen randomisierter Gruppen. Allgemein sind Evaluationsstudien in der Frühförderung schwierig, da es sich um komplexe bio-psycho-soziale Zusammenhänge handelt, die kaum auf wenige Parameter zurückzuführen sind. Auch ist die Erkenntnislage zur wirksamkeit spezifischer Förderprogramme eher gering und umfassende Evaluationsstudien liegen nur selten vor. Gleichwohl erweisen die wenigen Evaluationsstudien die zentrale Bedeutung frühzeitigen Beginns, anregender Eltern / Bezugsperson-Kind-Interaktionen und der Zusammenarbeit mit Eltern. KUrZ BErIchtEt 1. Hauptreferate An beiden tagen bearbeiteten die Gastredner - überwiegend aus dem englischsprachigen raum - unterschiedliche Aspekte systemischer und Familienorientierter Frühförderarbeit in ausführlichen Vorträgen: Michael Guralnick (Seattle/ washington, USA, Präsident der ISEI - International Society on Early Intervention), Barry carpenter (UK), robin Mcwilliam (tennessee, USA), Marilyn Espe-Sherwindt (ohio, USA), Manfred Pretis (Österreich und hamburg) Eurlyaid “Families and Early Childhood Intervention: Ecology of Development” Jürgen Kühl Am 13. und 14. September 2012 fand an der Universität Braga (Portugal) die „1st International Early Childhood Intervention Conference“ unter dem obigen Thema statt. Sie war zugleich die jährliche Konferenz von EURLYAID. Wesentlicher Mitorganisator war die portugiesische Frühförder-Vereinigung ANIP (Associaç-o Nacional de Intervenç-o Precoce) Dieser ausschließlich in englischer Sprache durchgeführte Kongress war mit ca. 300 TeilnehmerInnen (davon 120 aus dem Ausland) und einem sehr dichten Programm über zwei Tage ein landesweites und zugleich internationales Treffen, über das hier resümierend in drei Abschnitten (Hauptreferate, Referate, Poster) stichwortartig berichtet werden soll. (Das detaillierte Programm ist im Netz einsehbar unter: http: / / www.anip.net/ folhetos/ pre-progConferenceBraga_2012.pdf) Weil in Portugal bis zum Alter von drei Jahren die Frühförderung der Kinder weitest gehend mobil organisiert ist, spiegelt sich das in der deutlichen thematischen Fokussierung des Kongresses auf die Familie und die Umfeldbedingungen wider.
