eJournals Frühförderung interdisziplinär37/2

Frühförderung interdisziplinär
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0721-9121
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/fi2018.art19d
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2018
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Rezension: Klaus Sarimski: Handbuch Interdisziplinäre Frühförderung

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2018
Andreas Warnke
Klaus Sarimski Handbuch Interdisziplinäre Frühförderung Reinhardt, München, 2017, 459 Seiten
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111 FI 2/ 2018 Rezensionen Klaus Sarimski Handbuch interdisziplinäre Frühförderung Reinhardt, München, 2017, 459 Seiten Vorneweg gesagt: Ein Handbuch, das in keiner Bibliothek einer Frühförderstelle oder eines Sozialpädiatrischen Zentrums fehlen sollte. Es ist jeder Fachkraft, die im Bereich von Frühförderstelle, Sozialpädiatrischem Zentrum und Früher Hilfe tätig ist oder mit diesen Einrichtungen kooperiert, als Lektüre zu empfehlen. Der Band gibt auf empirisch wissenschaftlicher Grundlage einen umfassenden Überblick über das Arbeitsfeld der Frühförderung, ist aber auch in vielfältiger Weise eine auf empirischen Forschungsergebnissen begründete Handreichung für die Praxis. Die Interdisziplinarität bezieht sich auf Pädagogische Berufsgruppen (Heil- und Sozialpädagogen, Erzieher), Psychologen, Ergo-, Physio- und Sprachtherapeuten und Ärzte. In den 16 Bundesländern werden jährlich über 85.000 Kinder in Frühförderstellen versorgt, das sind 1,67 % al- 112 FI 2/ 2018 Rezensionen ler Kinder in Deutschland. Die ärztlichen Diagnosen beziehen sich vorwiegend auf Entwicklungsstörungen des Sprechens und der allgemeinen Entwicklung, auf geistige und motorische Retardierung, spezifische Behinderungen und auch auf psychische Störungen des frühen Kindesalters sowie auf Förderanforderungen bei Frühgeburt und psychosozialen Gefährdungen des Kindeswohls durch Armut und Deprivation. Das Grundlagenkapitel informiert über Geschichte und Grundprinzipien interdisziplinärer Frühförderung (Ganzheitlichkeit, Familien- und Lebensweltorientierung, Förderung von Kompetenzen und Teilhabe von Kind und Familie; Komplexleistung durch Interdisziplinarität, ambulante und mobile Versorgung; Orientierung hinsichtlich Resilienz, Familie, Interaktion/ Beziehung; standardisierte Diagnostik, evidenz-basierte Behandlung). Deutlich werden ethische und wissenschaftliche Grundhaltung. Kernaufgaben der Frühförderung werden auf nahezu zweihundert Seiten ausführlich im zweiten Kapitel dargestellt. Themenbereiche sind die Unterstützung sozialer Teilhabe, Prävention schulischer Lernschwierigkeiten , Sprach- und motorische Förderung, Spiel- und Kommunikationsförderung, Förderung der sozial-emotionalen Entwicklung (bei u. a. Autismus-Spektrumstörung, Bindungsstörung, Regulationsstörung), Förderung bei Sinnesbehinderungen (Sehen, Hören) und die Kooperation mit den Bezugspersonen in den Lebensfeldern der Kinder. Im dritten Kapitel werden die Aufgaben in Bezug auf ausgewählte Entwicklungsstörungen spezifiziert. So vermittelt der Band Wissen zu praktischen Ansätzen der Diagnostik und Hilfe bei einem breiten Spektrum von frühkindlichen Problemlagen: u. a. Begleitung von frühgeborenen Kindern mit Entwicklungsrisiken, Kindern mit Behinderung, Unterstützung bei Kindeswohlgefährdung in Armutslagen, bei Migrationshintergrund oder bei psychisch kranken Eltern. Das vierte Kapitel ist Fragen von Belastung und der Beratung von Familien mit Kindern mit Behinderung gewidmet. Dargelegt werden die Erkenntnisse zu möglichen Reaktionen auf die Diagnose, zu familiärem Belastungserleben (bei Eltern, Geschwistern, Großeltern), zur Stärkung der familiären Ressourcen und zur Vermittlung sozialrechtlicher Hilfen. Die Orientierung und die Wissensaneignung werden in dem Handbuch erleichtert durch informative Zusammenfassungen nach jedem Themenabschnitt, Tabellen, Checklisten und Merksätze. Wesentliches Kennzeichen dieses Handbuches ist insbesondere, dass Sarimski die fachlichen Aussagen durch „nachvollziehbare empirische Forschungsergebnisse“ und „evidenz-basierte Prinzipien“ - zu begründen sucht. Insofern gibt das Buch auch eine Übersicht über die durch empirische Studien gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den vielfältigen Themenfeldern, so z. B. zur Frage der Wirksamkeit verschiedener Verfahren, die als Fördermaßnahme und Therapie in der Praxis Anwendung finden. Die diagnostischen Kapitel geben - bereichert durch tabellarische Übersichten - Auskunft über geeignete Entwicklungsskalen und Tests. Checklisten zur Maßnahmenplanung - zu Diagnostik und zur störungsspezifischen Behandlung - geben übersichtlich und kompakt Empfehlungen, die unmittelbar für die Praxis umsetzbar sind. So verbinden sich in dem Handbuch in fundierter WeiseempirischbegründeteModellvorstellungen, Forschungsergebnisse und Handreichungen für die Praxis in interdisziplinärer Frühförderung. Sarimski versäumt es dabei nicht, auf Erkenntnislücken hinzuweisen, die großen Forschungsbedarf signalisieren. Das Handbuch ist eine ergiebige Fundgrube für Lehre, Aus- und Weiterbildung und Praxis. Dem Handbuch ist weite Verbreitung zu wünschen. Prof. Dr. med. Andreas Warnke DOI 10.2378/ fi2018.art19d