Frühförderung interdisziplinär
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0721-9121
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/fi2018.art26d
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2018
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Rezension: Sabina Pauen, Jeanette Roos (2017): Entwicklung in den ersten Lebensjahren (0 - 3 Jahre)
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2018
Andreas Warnke
Sabina Pauen, Jeanette Roos (2017) Entwicklung in den ersten Lebensjahren (0 – 3 Jahre) Reinhardt, München. Mit 20 Abbildungen und 4 Tabellen. Mit Online-Material.
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167 FI 3/ 2018 REZENSIONEN Sabina Pauen, Jeanette Roos (2017) Entwicklung in den ersten Lebensjahren (0 - 3 Jahre) Reinhardt, München. Mit 20 Abbildungen und 4 Tabellen. Mit online-Material. Der Band ist ein neuer Beitrag in der Buchreihe „Basiswissen Frühpädagogik“, ein Lehrbuch. Sicherlich: er ist zugedacht für „FrühpädagogInnen“ und „ErzieherInnen“ in Studium, Aus- und Weiterbildung. Es ist aber auch überaus lohnende Lektüre für alle berufstätigen Fachkräfte in Bereichen früher kindlicher Förderung. Verfasst ist das Kompendium von zwei Professorinnen, deren universitäre Fachgebiete Entwicklungspsychologie, Biologische Psychologie und Pädagogische Psychologie beinhalten. Inhaltlich und didaktisch ausgezeichnet vermittelt das Buch reichhaltig Grundlagenwissen zur Entwicklung des Kleinkindes und zu Aspekten der frühen kindlichen Erziehung, Bildung und Förderung. Inhaltlich gliedert sich das Lehrbuch in drei Kapitel. Im Grundlagenkapitel wird die Unterscheidung von Neugeborenenalter, Säuglingsalter und Kleinkindalter vorausgesetzt und die entwicklungsbestimmende Bedeutung von - auch gesellschaftlich bestimmten - Entwicklungsaufgaben, von sensiblen Phasen und Anlage-Umwelt-Kovariationen reflektiert. Universelle Lernmechanismen (Kontingenzlernen, Lernen durch Nachahmung usw.), Beziehungen als Voraussetzung für Entwicklungs- und Bildungsprozesse (u. a. soziale Eingebundenheit, Autonomie; mit Exkurs zu früher außerfamiliärer Betreuung) und die Bedeutung von kulturellen Lebenszusammenhängen für die frühe Kindesentwicklung sind weitere Themenschwerpunkte des Kapitels. Frühe Bildung ist ethisch vorrangig Teil der Würde und des Grundrechtes eines jeden Kindes; politisch hilfreich und beruflich motivierend, wenn auch ethisch nachrangig (weil es bei Frühförderung nicht primär um geldliche Gewinnrechnung gehen darf), ist der Hinweis auf den Forschungsbefund, dass frühe Bildung sich letztendlich auch ökonomisch für eine Gesellschaft auszahlt. Praxisbezogen aufgelistet sind Kennzeichen einer guten Fachkraft-Kind-Beziehung (u. a. feinfühlige und liebevolle emotionale Zuwendung, Sicherheit, Explorationsunterstützung). Die Darlegung der hilfreichen Bedeutung von qualifizierter außerfamiliärer Frühbetreuung in Krippen oder Tagespflege mündet in den deutlichen Hinweis auf die Befundlage gemäß zahlreicher internationaler Studien: „…es käme einer Überschätzung der Bedeutung des Bildungsortes Krippe oder Tagespflege gleich, wenn Familien nicht weiterhin als zentrale Erziehungs- und Bildungsorte von Kindern gelten würden“. Das zweite Kapitel ist inhaltlich den entwicklungspsychologischen Erkenntnissen zu verschiedenen Funktionsbereichen gewidmet: Körper und (Grob- und Fein-) Motorik, Ernährung, Verdauung und Schlaf, Wahrnehmung (Sinne) und Aufmerksamkeit, Denken und Problemlösen, Spracherwerb und emotionale Entwicklung (z. B. Ekel, Freude, Ärger, Angst oder auch Scham und Schuldempfinden) und die soziale Entwicklung. Die Darstellung vermittelt in Kürze und dennoch fundiert den durch empirische Forschung gewonnenen Erkenntnisstand zu diesen Funktionen; dies in ihrer Entwicklung von der ersten Geburtsstunde an, teilweise bestehend aus vorgeburtlichen Fertigkeiten. Es ist immer wieder verblüffend, wie frühzeitig alle genannten Begabungen, Reifungs- und Lernprozesse beim Kind zwischen 0 und 3 Jahren sich erkennen und ausbilden lassen. Spannend geschrieben, durch qualifizierten Forschungsstand untermauert münden die Abschnitte immer wieder in Schlussfolgerungen, die für frühpädagogisch und frühtherapeutisch tätige Fachgruppen praxisanleitend sind durch Antworten auf die Frage: „Was bedeuten die Wissensinhalte für die beruflich pädagogische Arbeit? “. 168 FI 3/ 2018 Rezensionen Das kurze Schlusskapitel - dem Literaturliste und Stichwortverzeichnis nachgestellt sind - regt dazu an, die Persönlichkeit des Kindes begreifen zu lernen und gibt in knapper Form diagnostische Anhaltspunkte zu der Frage, in welchen Bereichen das Kind Förderbedarf hat. Nicht nur inhaltlich, auch formal besticht das Buch durch seine ausgezeichnete Didaktik. Der anspruchsvolle Lehrtext wird durch reichhaltige Untergliederung, textbezogene Abbildungen, Tabellen, randgesetzte Leitbegriffe und farblich abgehobene Forschungsberichte aufgelockert, das Lernen erleichternd. Jeder thematische Abschnitt mündet in einen Hinweis auf weiterführende Literatur und listet Lernfragen zur Reflexion des Lehrstoffes. Die Lösungen zu diesen Fragen lassen sich für den Besitzer des Buches über „Online-Zusatzmaterial“ abrufen. Das im Lehrbuch auf 148 Seiten vermittelte Basiswissen ist eine ausgezeichnete Informationsquelle für alle Fachkräfte (nicht nur pädagogische), die im Bereich der Frühförderung, frühen Hilfe und Früherziehung tätig sind oder sich in der Aus- und Weiterbildung zu diesen Berufsfeldern befinden. Prof. Dr. med. Andreas Warnke DOI 10.2378/ fi2018.art26d
