Frühförderung interdisziplinär
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0721-9121
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Rezension: Maria Kurz-Adam: Gut genug genügt. Zehn zeitlose Weisheiten für eine gelassene Erziehung
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Doreen Kolaschinsky
Wesentliche Aspekte von zehn bekannten Klassikern der Psychologie, Pädagogik und Medizin mit Einfluss auf das Verständnis der Erziehung werden in dieser Auswahl in kurzen Kapiteln vorgestellt. Dass sie Erziehung durch ihr Denken und ihre Erfahrung bis heute beeinflussen, wird anhand von interessanten und unerwartet kombinierten Aussagen zusammengetragen. Es handelt sich um einen anderen Familienratgeber, der sich auf das Verstehen statt auf Handlungsrat bezieht.
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158 FI 3/ 2022 REZENSION Maria Kurz-Adam Gut genug genügt. Zehn zeitlose Weisheiten für eine gelassene Erziehung Ernst Reinhardt Verlag, München, 2021, 109 S., € 12,- Wesentliche Aspekte von zehn bekannten Klassikern der Psychologie, Pädagogik und Medizin mit Einfluss auf das Verständnis der Erziehung werden in dieser Auswahl in kurzen Kapiteln vorgestellt. Dass sie Erziehung durch ihr Denken und ihre Erfahrung bis heute beeinflussen, wird anhand von interessanten und unerwartet kombinierten Aussagen zusammengetragen. Es handelt sich um einen anderen Familienratgeber, der sich auf das Verstehen statt auf Handlungsrat bezieht. Im Wesentlichen wird in den Texten die Haltung der Gelassenheit deutlich, denn Erziehung geschieht immer so, dass sowohl das Kind als auch die Eltern im gegenseitigen Vertrauen miteinander lernen und sich selbst erkennen. In der Generationenfolge geschehen unbewusste Wiederholungen und Abkehr; doch wie kann das Verhältnis miteinander weise ausgewogen werden? Die Bedeutung dieser Frage hat sich zeitlich gesehen nicht verändert. Das „Gut genug genügt.“ (Donald D. Winnicott) sieht die Autorin, die selbst über 30 Jahre lang wissenschaftliche und praktische Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe geleistet hat, als Klammer für die Sammlung gegenüber einer Orientierungslosigkeit (Unsicherheit) und einem Perfektionsstreben (Drang nach Allesrichtig-Machen). Wie Perlen reihen sich die Gedanken in den einzelnen Kapiteln (B. Bettelheim, J. H. Pestalozzi, A. Miller, J. Korczak, A. Freud, J. D. Salinger u. a.) zu einer Gesamtlinie/ Kette. Zwischen Theorie und Praxis geht es um eine Selbstmündigkeit, die Eltern nur in der Beziehung zu ihrem Kind mit dem Blick, was für ein Kind sie in ihrem eigenen Lebenskontext eigentlich möchten, suchen. Bei H. Zulliger (Der Zauber im Spiel) wird der Respekt vor dem Spiel als Bewältigungszeit und Entwicklungsraum für das Kind fokussiert. Erwachsene müssen sich auf das Spiel als Mitspieler und nicht als Zuschauer einlassen. So erleben sie die Gefühle des Kindes und dass das Spiel eine heilsame Wirkung für das Kind hat, weil es hier etwas über sich und seine Beziehungen erfährt. Dass Erziehung keine einsame Angelegenheit der Eltern, sondern Angelegenheit vieler (Beratungsstellen, Kindertagesstätten, Schulen, Ärzte, Therapeuten, Selbsthilfegruppen, Sportvereine) ist, die aufeinander zugehen müssen, wird im Kapitel „Zusammen helfen“ herausgestellt. Weitere Themen sind u. a. der frühe Trost und Übergangsobjekte, die Ablösung von den Eltern, der Übergang ins Erwachsenensein und die Begabung. Ein Schlusswort könnte die Einleitung in einer Neuauflage ergänzen. Dr. phil. Doreen Kolaschinsky DOI 10.2378/ fi2022.art20d
