eJournals Frühförderung interdisziplinär42/3

Frühförderung interdisziplinär
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0721-9121
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/fi2023.art17d
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2023
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Eltern-Kind-Konzepte: Beratungsangebot "Die wichtigen Jahre 0-3"

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2023
Gerhard Krinninger
Gisela Hausmann
Karin Krinninger
Seit 2001, also etliche Jahre, bevor die Diskussion um „Schreibabys“ und „Frühe Hilfen“ eine bundesweite Öffentlichkeit erreichte, bietet der Caritas-Frühförderungsdienst Passau Elternberatung bei Säuglingen/Kleinkindern mit Regulationsstörungen nach Papoušek an – anfänglich noch begrenzt auf Kinder der interdisziplinären Frühförderung. Eine vom Landkreis Passau in Auftrag gegebene und 2005 vorgestellte Sozialraumanalyse (Tekles 2005) war Ausgangspunkt dafür, dass mehrere Fachleute unter Federführung des Frühförderungsdienstes eine Stellungnahme zur regionalen Jugendhilfeplanung verfassten. Inhaltlicher Schwerpunkt: das Säuglings-, Kleinkind- und Kindergartenalter.
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145 Frühförderung interdisziplinär, 42.-Jg., S.-145 - 158 (2023) DOI 10.2378/ fi2023.art17d © Ernst Reinhardt Verlag ELTERN-KIND-KONZEPTE 1. Entstehung des Beratungsangebots Seit 2001, also etliche Jahre, bevor die Diskussion um „Schreibabys“ und „Frühe Hilfen“ eine bundesweite Öffentlichkeit erreichte, bietet der Caritas-Frühförderungsdienst Passau Elternberatung bei Säuglingen/ Kleinkindern mit Regulationsstörungen nach Papoušek 1 an - anfänglich noch begrenzt auf Kinder der interdisziplinären Frühförderung. Eine vom Landkreis Passau in Auftrag gegebene und 2005 vorgestellte Sozialraumanalyse (Tekles 2005) war Ausgangspunkt dafür, dass mehrere Fachleute unter Federführung des Frühförderungsdienstes eine Stellungnahme zur regionalen Jugendhilfeplanung verfassten. Inhaltlicher Schwerpunkt: das Säuglings-, Kleinkind- und Kindergartenalter. Darin wurde als Kernanliegen formuliert, präventiv ausgerichtete Hilfen für Familien mit Kindern im Vorschulalter stärker ins Blickfeld zu nehmen und Angebotslücken zu schließen. Insbesondere die Altersspanne zwischen 0 - 3 Jahren solle fortan die Berücksichtigung in der Jugendhilfeplanung von Landkreis und Stadt Passau (ca. 240.000 Einwohner) erfahren, die den Ergebnissen der Säuglings-, Kleinkind- und Bindungsforschung angemessen Rechnung tragen. Ebenso solle eine frühe Förderung und Stärkung der Beziehungs- und Erziehungskompetenzen von Eltern als wirksame Prävention für Vernachlässigung und Kindeswohlgefährdung etabliert werden. Die Schaffung eines solchen Beratungsangebots sei begründet, weil der bestehende Bedarf bislang weder durch den Gesundheitsbereich, die Kinder- und Jugendhilfe noch durch die Eingliederungsbzw. Behindertenhilfe hinreichend abgedeckt werden könne. Zugleich würden sich die eingeschränkte Durchlässigkeit und Vernetzung zwischen diesen Sozialsystemen als nachteilig im Hinblick auf eine niederschwellige interdisziplinäre Versorgung von belasteten Eltern mit regulationsgestörten Säuglingen und Kleinkindern erweisen. In enger Abstimmung mit den Jugendamtsleitern von Landkreis und Stadt Passau sowie mit Unterstützung des Einrichtungsträgers, des Caritasverbandes für die Diözese Passau e. V., erarbeitete der Frühförderungsdienst ein fachliches, personelles und finanzielles Konzept für das Modellprojekt „Die wichtigen Jahre 0 - 3“. Dessen Arbeitsweise sollte gekennzeichnet sein durch die Merkmale niederschwellig, wohnortnah, freiwillig, kostenlos, vorbeugend, unbürokratisch sowie mobil und ambulant. Landkreis und Stadt Passau erklärten sich 2007 bereit, insgesamt bis zu 90 Prozent der Personal- und Sachkosten für das präventive Beratungsangebot zu übernehmen - anteilig berechnet anhand des Wohnortes der betreuten Familien. Damit konnte das spezifische Beratungsangebot für Eltern, die fachliche Unterstützung benötigen, weil ihr Kind viel schreit, schlecht schläft, stark anklammert Beratungsangebot „Die wichtigen Jahre 0 - 3“ Beispiel einer staatlich anerkannten Schreibabyberatungsstelle an einem interdisziplinären Frühförderzentrum Gerhard Krinninger, Gisela Hausmann, Karin Krinninger 1 https: / / akademie-muenchen.de/ J2022/ seminare/ index.php? rubrik=6&seminar=1, 13. 4. 2023 146 FI 3/ 2023 Eltern-Kind-Konzepte oder es Probleme beim Füttern gibt, im April 2008 starten. Auch elterliche Unsicherheit im Umgang mit dem Kind, psychische Belastung oder Erschöpfung konnten/ können Gründe für eine Inanspruchnahme des Beratungsangebots sein. Ausgestattet wurde das Modellprojekt mit einem eigenen Büro in den Räumlichkeiten des Frühförderungsdienstes sowie mit drei interdisziplinär erfahrenen Fachkräften der Interdisziplinären Frühförderstelle, einer Erzieherin mit entwicklungspsychologischer Zusatzqualifikation (10,6 Stunden/ Woche) sowie zwei Diplom-Psychologen mit psychotherapeutischer Approbation (20 Stunden/ Woche). Im November 2008 erfolgte die offizielle Anerkennung als Schreibabyberatungsstelle durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales 2 - verbunden mit einer dreijährigen Projektförderung sowie jährlichen Fortbildungen zur Qualitätssicherung. Ausschlaggebend dafür, dass die Beratung von Eltern mit einem „Schreibaby“ sowohl trägerintern, als auch auf kommunaler und auf staatlicher Ebene an den Frühförderungsdienst vergeben wurde, waren mehrere Faktoren: reicher interdisziplinärer Erfahrungsschatz, aufsuchende Betreuung von entwicklungsund/ oder verhaltensauffälligen Säuglingen, Klein- und Vorschulkindern, respektive Bezugspersonen, bereits erworbene klientelspezifische Beratungskompetenz, testdiagnostisches Know-how im Säuglings- und Kleinkindalter, routinierte Zusammenarbeit mit den behandelnden Kinder- und AllgemeinärztInnen sowie die Option, einrichtungsintern pädiatrisch erfahrene LogopädInnen, ErgotherapeutInnen und PhysiotherapeutInnen der Interdisziplinären Frühförderstelle zu Rate ziehen zu können, z. B. im Falle von Schluckstörungen bzw. motorischen und tonischen Auffälligkeiten. 2. Eine kurze zeitgeschichtliche Einordnung der Anfangsphase Um das Verständnis von gesellschaftlich bedeutsamen Umständen und der Entwicklung des Beratungsangebots „Die wichtigen Jahre 0 - 3“ zu erleichtern, werden nachfolgend streiflichtartig zeitbezogene Ereignisse skizziert. Mehrere schockierende Einzelschicksale mit tödlichem Ausgang - wie zum Beispiel des zweijährigen Kevin 2006 in Bremen 3 - hatten immense mediale Verbreitung gefunden. In der Folge stellte man vielerorts Überlegungen an, wie kleine Kinder wirksamer geschützt werden können. U. a. wurden im Jahr 2007 das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) 4 als bundesweite Institution auf den Weg gebracht und auch - wie oben geschildert - das Modellprojekt „Die wichtigen Jahre 0 - 3“ in Landkreis und Stadt Passau als präventives Beratungsangebot für junge Eltern bewilligt. Ab 2009 etablierten sich in den Bundesländern, meist angedockt an örtliche Jugendämter, präventiv ausgerichtete Kinderschutzsysteme, beispielsweise die Koordinierenden Kinderschutzstellen (KoKi - Netzwerk Frühe Hilfen) im Freistaat Bayern 5 . Dennoch verstrichen weitere Jahre, bis die hohe Vulnerabilität von Kindern in den ersten drei Lebensjahren gegenüber Vernachlässigung und Misshandlung sowie deren Abhängigkeit von einer liebevollen und verlässlichen Fürsorge durch Eltern und Pflegepersonen in politischem Handeln und praktischen Angeboten flächendeckend Niederschlag gefunden hatten. „Immer wieder sterben vernachlässigte Kinder unter den Augen der überforderten Jugendämter. Dieses sollte die Öffentlichkeit jetzt nutzen - für einen Aufschrei, nicht für Ausreden“, titelte beispielsweise die Süddeutsche Zeitung am 17. 5. 2010 6 . Ebenfalls 2010 2 www.stmas.bayern.de/ erziehungsberatung/ schreibabys/ index.php, 13. 4. 2023 3 https: / / de.wikipedia.org/ wiki/ Fall_Kevin, 13. 4. 2023 4 www.fruehehilfen.de/ das-nzfh/ nzfh-chronologie/ 2007/ , 13. 4. 2023 5 www.blja.bayern.de/ hilfen/ koki/ index.php, 13. 4. 2023 6 www.sueddeutsche.de/ panorama/ vernachlaessigte-kinder-jessica-kevin-lea-sophie-1.340538, 7. 1. 2023 147 FI 3/ 2023 Eltern-Kind-Konzepte erschien, herausgegeben vom NZFH, eine zusammenfassende Ergebnisdarstellung zu verschiedenen Modellprojekten in den Ländern, u. a. zum Modellprojekt „Guter Start ins Kinderleben“, welches in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland- Pfalz und Thüringen durchgeführt wurde, sowie zum Modellprojekt „Wie Elternschaft gelingt (WIEGE - STEEP TM ) in Brandenburg und Hamburg 7 . Alle diese Konzepte ziel(t)en darauf ab, Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Eltern, auch in prekären und belasteten Lebenslagen, nachhaltig zu verbessern. Gemeinsam ist den Ansätzen überdies, dass sie sowohl alltagspraktische Hilfestellungen leisten als auch zur Förderung der Beziehungs- und Erziehungskompetenz von Müttern und Vätern beitragen wollen. Kindeswohl sowie gesundes Aufwachsen von Säuglingen und Kleinkindern begriff man in Deutschland zunehmend als gesellschaftliche Aufgabe. Mit dem 2012 in Kraft getretenen Bundeskinderschutzgesetz wurden die Frühen Hilfen erstmals gesetzlich verankert 8 . 3. Weiterentwicklungen des Beratungsangebots „Die wichtigen Jahre 0 - 3“ bis 2022 Im Zeitraum von April bis Dezember 2008 wurden bereits 44 Kinder im Modellprojekt angemeldet. Im Folgejahr stieg die Anzahl der betreuten Familien mit 92 auf mehr als das Doppelte an. Diese erfreuliche Akzeptanz belegte vor allem dreierlei: Zum einen den bestehenden Bedarf, zum anderen, dass es den Projekt-Mitarbeitern gelungen ist, in einer Vielzahl von Gesprächen, Arbeitskreis- Teilnahmen etc. das Projekt in die regionale Vernetzungsstruktur effektiv einzubinden, und zum Dritten, dass zufriedene Eltern dieses spezifische Beratungsangebot an andere Eltern mit Beratungswunsch weiterempfahlen. Unter der Regie der Koordinierenden Kinderschutzstellen entstanden alsbald auf regionaler Ebene vernetzende Organisationsstrukturen mit den Schwerpunkten präventiver Kinderschutz und frühe Hilfen, die sowohl eine fallübergreifende als auch fallbezogene Zusammenarbeit erleichterten und verbesserten. Die Tatsache, dass das spezifische Beratungsangebot „0 - 3“ bewusst nicht an einem - mit dem „Wächteramt des Staates“ betrauten - Jugendamt angedockt worden war, begünstigte von Anfang an eine niederschwellige Inanspruchnahme, v. a. auch durch jugendamtsbekannte Familien. Bereits im dritten Modellprojektjahr wurde mit 107 Kindern die Hundertermarke überschritten. Die fachliche Expertise im Kontext einschlägiger Elternberatungskonzepte stetig zu vertiefen, war/ ist notwendig, um hilfreich umfassenden Problemlagen von betreuten Familien entgegenwirken zu können. Mit dieser Intention absolvierten die MitarbeiterInnen ergänzende Weiterbildungen, insbesondere STEEP TM (eine deutsche Adaptation des pädagogischen Programms „Steps Toward Effective and Enjoyable Parenting“) 9 , SAFE (Sichere Ausbildung für Eltern, Brisch 2022), Eltern- Säuglings-/ Kleinkindberatung und -Psychotherapie nach Papoušek 1 und die Entwicklungspsychologische Beratung nach Ziegenhain 10 . Ferner besuchten sie Fortbildungen zu den Themen Ernährung von Säuglingen, Babymassage und Bewegungsförderung. Außerdem nahmen/ nehmen sie an den jährlichen Fortbildungsangeboten des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales teil. 7 https: / / shop.bzga.de/ pdf/ 16000117.pdf, 7. 1. 2023 8 www.fruehehilfen.de/ grundlagen-und-fachthemen/ grundlagen-der-fruehen-hilfen/ fruehe-hilfenhintergrund-und-entwicklung/ , 7. 1. 2023 9 www.caritas.de/ neue-caritas/ heftarchiv/ jahrgang2015/ artikel/ das-fruehinterventionsprogramm-steep-ein-wirksamer-baustein, 13. 4. 2023 10 www.epb-verein.de/ startseite/ , 13. 4. 2023 148 FI 3/ 2023 Eltern-Kind-Konzepte In Zusammenhang mit den praktischen Erfahrungen der ersten drei Jahre und in Orientierung an wissenschaftlich begleiteten Modellprojekten der Bundesländer kristallisierten sich im Modellprojekt „Die wichtigen Jahre 0 - 3“ zunehmend fünf Aufgabenbereiche heraus: 1. „Schreibaby“- Beratung bzw. Beratung von Eltern mit regulationsgestörten Kindern, 2. Beratung von Familien mit vielfältigen Belastungen und geringen Ressourcen, 3. Beratung von Eltern bei allgemeinen Fragen zur Entwicklung und Erziehung des Kindes, einschl. der Früherkennung von Entwicklungsrisiken, 4. Regionale Vernetzung mit anderen Diensten und Hilfen für Familien mit kleinen Kindern und 5. Multiplikatorenaufgaben. Ausführungen zu den Aufgabenbereichen finden sich unter Punkt 4. 2013 wurde von Landkreis und Stadt Passau sowie dem Einrichtungsträger ein wichtiger Meilenstein hinsichtlich einer dauerhaften Etablierung des spezifischen Beratungsangebots „0 - 3“ gesetzt, indem in vertraglichen Regelungen eine unbefristete Aufgabenübertragung und Finanzierung vereinbart werden konnte. Aus dem Modellprojekt wurde ein Regelangebot. Überregional wurde das Beratungsangebot „Die wichtigen Jahre 0 - 3“ u. a. auf dem Münchner Symposion Frühförderung 2014 sowie bei einem niederbayerischen Treffen der Koordinierenden Kinderschutzstellen vorgestellt. Auswirkungen der Corona-Pandemie haben das Leben junger Familien und auch die Arbeitsweise des Beratungsangebots „0 - 3“ merklich verändert: Partielle Schließungen und Notbetrieb in Kitas, Kurzarbeit, gesundheitliche und finanzielle Sorgen, Bewegungsmangel, erhöhter Medienkonsum u. v. m. hatten allenthalben krisenhafte Einflüsse auf junge Familien. Insbesondere bei ohnehin belasteten Familien mussten stützende Maßnahmen teils erheblich verstärkt werden. Um einerseits Kontakte direkter Art zu minimieren und andererseits Betreuungsanfragen nachzukommen, wurde zwischenzeitlich vermehrt auf Telefonate, Videoanrufe und Chats umgestellt. Auf diese Weise konnten - auf annähernd gleichbleibend hohem Niveau - 2020 112, 2021 125 und 2022 97 Familien betreut werden 11 . 4. Aufgabenbereiche und zahlenmäßige Verteilungen (Langzeitergebnisse) Die Auswertungen in Zusammenhang mit den Jahresberichten ergaben, dass im Zeitraum 2009 bis 2022 jeweils zwischen 97 und 128 Familien pro Jahr in 320 - 390 Terminen beraten bzw. betreut wurden. Diese Termine erfolgten zu 75 Prozent als Hausbesuche. Gut ein Viertel der Eltern meldete sich aus eigener Initiative. Zugleich wurde jeweils ein Fünftel der Familien von KrippenerzieherInnen, niedergelassenen KinderärztInnen oder einem Jugendamt (einschl. KoKi), vereinzelt auch von Hebammen und Schwangerschaftsberatungsstellen auf das Beratungsangebot hingewiesen. Die Altersverteilung der Kinder zum Anmeldezeitpunkt ist sehr konstant: Je ein Drittel der Kinder befand sich im ersten, im zweiten und im dritten Lebensjahr. 60 Prozent der Kinder waren Jungen, 40 Prozent Mädchen. 4.1 Beratung von Eltern mit regulationsgestörten Kindern Etwas mehr als die Hälfte der Familien nehmen das Beratungsangebot „0 - 3“ in Anspruch, weil ihr Baby bzw. Kleinkind viel schreit, schlecht schläft oder isst oder ihr Kleinkind stark trotzt. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle wurden bei Regulationsproblemen 1 - 4 Termine pro Jahr durchgeführt, in Ausnahmen bis maximal 18. 11 www.fruehfoerderung-passau.de/ cms/ contents/ fruehfoerderung-pass/ medien/ dokumente/ jahresbericht/ die-wichtigen-jahre/ jahresbericht-2022/ beratungsangebot_die_wichtigen_jahre_0-3_ff_pa_ jahresbericht_2022.pdf, 13. 4. 2022 149 FI 3/ 2023 Eltern-Kind-Konzepte Die frühkindlichen Regulationsprobleme verteilten sich 2009 - 2022 wie folgt: 4.2 Beratung von Familien mit vielfältigen Belastungen und geringen Eigenressourcen Bei rund einem Viertel der Familien liegen vielfältige Belastungen und geringe Eigenressourcen vor. Hierzu zählen folgende, aus Risikostudien bekannte Faktoren: sozial isolierte alleinerziehende Mütter, jugendliche Mütter, Mütter und Väter ohne Unterstützung, ungewollt schwanger gewordene Mütter, Eltern mit psychischen Erkrankungen, Eltern mit Suchterkrankungen, Eltern in schweren Partnerschaftskrisen, Eltern mit eigenen Misshandlungs- oder Vernachlässigungserfahrungen, gewaltbelastete Familien mit der Gefahr emotionaler Vernachlässigung und Misshandlung, Familien in Armutslagen (Arbeitslosigkeit, Bildungsarmut, beengter verwahrloster Wohnraum, hohe Schulden etc.) und Familien mit Migrations- und Asylhintergrund (v. a. in Massenunterkünften bzw. Übergangswohnheimen). Innerhalb dieser Risikogruppen erhöhte sich der Anteil von Familien mit Migrationshintergrund zuletzt auf 30 Prozent. 4.3 Beratung von Eltern bei allgemeinen Fragen zur Entwicklung und Erziehung des Kindes, einschl. der Früherkennung von Entwicklungsrisiken Ebenfalls ca. 25 Prozent der Eltern nutzen das Beratungsangebot, um Fragen besprechen zu können, die die kindliche Entwicklung und Erziehung betreffen. Beispielsweise, ob Verhalten oder Entwicklung des Kindes altersgemäß seien, wie sie (die Eltern) es „richtig“ erziehen oder wie sie mit dem schwierigen Verhalten ihres Kindes besser zurechtkommen können. Überdies bezogen sich Gesprächsanliegen auf die Unterstützung hinsichtlich der Selbstständigkeits- und Sauberkeitsentwicklung des Kindes, die Gestaltung des Umgangs nach einer elterlichen Trennung sowie auf Spielmöglichkeiten mit dem eigenen Kind. 4.4 Regionale Vernetzung mit anderen Diensten und Hilfen für Familien mit kleinen Kindern In den zurückliegenden 15 Jahren konnten gut funktionierende vernetzende Organisationsstrukturen mit den Schwerpunkten präventiver Kinderschutz und frühe Hilfen in Landkreis und Stadt Passau implementiert werden. Sie gewährleisten einen regelmäßigen Austausch, fallspezifisch und fallübergreifend. Das Beratungsangebot „Die wichtigen Jahre 0 - 3“ unterhält eine intensive Zusammenarbeit mit KooperationspartnerInnen aus dem Gesundheitsbereich (KinderärztInnen, StillberaterInnen, Hebammen, Entbindungsstation des Klinikums Passau, Kinderklinik und Sozialpädiatrisches Zentrum), aus dem Kinder- und Jugendhilfebereich (Krippenbzw. Kindertageseinrichtungen, KoKi-Netzwerk „Frühe Kindheit“, Allgemeiner Sozialdienst der Jugendämter, Sozialpädagogische Familienhilfen, Haushaltshilfen, Tagesmütter und Pflegeeltern) sowie zu Beratungsstellen (Schwangerenberatung, Erziehungsberatung, Kinderschutzbund und Interdisziplinäre Frühförderstelle). Ungefähr ein Viertel der Kinder kann nach Vollendung des dritten Lebensjahres mit ihren Eltern passgenau an benannte Stellen weitervermittelt werden, weil ein anhaltender Betreuungsbedarf besteht. Durch die sozialsystemübergreifende Zusammenarbeit vor Ort können Übergänge erleichtert und die Nachhaltigkeit von Beratungserfolgen gestärkt werden. Exzessives Schreien 2 - 6 % Ein- und Durchschlafstörungen 51 - 58 % Anklammern/ Ängste 5 - 8 % Fütterprobleme/ Esstörung 13 % Trotz/ Aggression/ Opposition 22 - 31 % Unruhe/ Spielunlust 3 - 9 % 150 FI 3/ 2023 Eltern-Kind-Konzepte 4.5 Multiplikatorenaufgaben Fachliche Expertise und Erfahrungsschatz des Beratungsangebots werden nicht nur von Eltern nachgefragt. So sind die „0 - 3“-MitarbeiterInnen fester Bestandteil bei regionalen Qualifizierungsmaßnahmen für KrippenerzieherInnen und -kinderpflegerInnen sowie beim Elternkurs „Fit fürs Kind“ der örtlichen Schwangerenberatungsstelle. Weiterhin erfolgt eine Übernahme von Referententätigkeiten bei Vortragsangeboten der Passauer Entbindungsstation, von Hebammenpraxen, Stillgruppen, Schwangerenberatungsstellen, Kinderkrippen, Eltern-Kind-Gruppen und im Frühförderungsdienst. Gewünschte Vortragsthemen sind u. a. „Spielen mit Säuglingen und Kleinkindern“, „Tipps für Eltern, deren Kind nicht alleine ein- und durchschläft“, „Grenzen setzen“, „Mit Kleinkindern Konflikte lösen“, „Kinder seelisch stark machen“, „Störungen von Bindung und Exploration erkennen und abbauen“ „Schüchterne und zurückgezogene Kinder“ sowie „Aggressives Verhalten bei Kleinkindern“. 5. Arbeitsweise des Beratungsangebots und Bewertungen Die Selbstverständlichkeit der Handy-Nutzung in den Familien trug sicherlich dazu bei, dass das videogestützte Interaktionstraining, wie es die gängigen bindungstheoretisch fundierten Frühinterventionsprogramme (Entwicklungspsychologische Beratung, STEEP TM , Eltern-Kindberatung und -therapie nach Papoušek usw.) verwenden, mittlerweile eine hohe Akzeptanz und Verbreitung findet. Zugleich stellt die Methodik von Filmaufnahmen sowie die Besprechung von gelungenen Eltern- Kind-Interaktionen beim Füttern, Spielen, Einschlafprozedere etc. eine besonders anschauliche und praxisnahe Form elterlichen Lernens dar. Ergänzt wird das Videotraining optional durch Verhaltens- und Interaktionsbeobachtungen zu Hause und in der Kinderkrippe, Schlafprotokoll, Fütterprotokoll, Temperamentsfragebogen, thematische Handouts sowie Begleitung der Eltern tagsüber beim Schlafenlegen des Kindes. In ihren Rückmeldungen heben Eltern hervor, dass sie den unbürokratischen und kostenfreien Zugang sowie die mobile Arbeitsweise des „0 - 3“- Angebots schätzen. Rund 70 Prozent der Eltern berichtet, dass sich ihr Problem, weswegen sie vorstellig wurden, aufgrund der Beratung deutlich gebessert habe. An seine Grenzen stößt das „0 - 3“-Angebot jedoch, wenn elterliche Ressourcen, Bereitschaft und Änderungskräfte für eine beraterische Unterstützung nicht ausreichen, z. B. bei Multi-Problemlagen und psychiatrischen Erkrankungen der Eltern. Aus Einrichtungsperspektive sei hinzugefügt, dass das Beratungsangebot „Die wichtigen Jahre 0 - 3“ aus der Arbeit des Caritas-Frühförderungsdienstes nicht mehr wegzudenken ist: Die MitarbeiterInnen von Interdisziplinärer Frühförderstelle und Pädagogisch-Psychologischem Dienst (PPD) profitieren sehr von der bindungstheoretisch fundierten Beratungskompetenz und den jugendhilfebezogenen Kooperationen der „0 - 3“-KollegInnen. Umgekehrt kann das „0 - 3“-Angebot Gewinn ziehen aus der interdisziplinären Arbeitsweise, einschließlich der engen Zusammenarbeit mit den behandelnden ÄrztInnen und medizinischen TherapeutInnen, sowie dem Know-how in Bezug auf standardisierte Testverfahren, die dem Spektrum der Früherkennung kindlicher Auffälligkeiten eine breitere Basis geben. 6. Konzeptionelle und personelle Erweiterungen ab 2023 Konstruktive Gespräche mit VertreterInnen der kommunalen Kinder- und Jugendhilfe in Landkreis und Stadt Passau sowie mit niedergelassenen KinderärztInnen und Interdisziplinären Frühförderstellen im Jahr 2022 führten zum einen zu einer Bestätigung der Wahrnehmung, dass eine 151 FI 3/ 2023 Eltern-Kind-Konzepte Sicherstellung rechtzeitiger Zugänge von Familien zu niederschwelligen Vorsorge-, Beratungs- und Förderangeboten zunehmend schwieriger werde, und zum anderen zu der Einsicht, dass angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels eine Intensivierung interdisziplinärer und interinstitutioneller Zusammenarbeit im Sozialraum unerlässlich sei. Seit Januar 2023 finanzieren die Jugendämter in Landkreis und Stadt Passau zu 90 Prozent die konzeptionelle und personelle Erweiterung des Beratungsangebots „Die wichtigen Jahre 0 - 3“ mit sechs zusätzlichen Stunden/ Woche im Bereich der entwicklungspsychologischen Beratung - darunter eine weiterqualifizierte Physiotherapeutin, die überwiegend in der Interdisziplinären Frühförderstelle beschäftigt ist. Von kinderärztlicher Seite wurde insbesondere die medizinischtherapeutische Erweiterung sehr begrüßt. Damit verfügt das Beratungsangebot über ein Kontingent von insgesamt 43,5 Stunden/ Woche mit allgemeinpädagogischen, sozialarbeiterischen, psychologischen/ psychotherapeutischen und medizinisch-therapeutischen Kompetenzen. Verwaltungs- und Leitungsanteile sind mitgezählt. 7. Ausblicke Die erweiterten Ressourcen wird das multidisziplinär aufgestellte Team verstärkt dafür einsetzen, frühzeitig Destabilisierungstendenzen in jungen Familien und Entwicklungsrisiken für kleine Kinder entgegenzuwirken. Gleichzeitig wurde vereinbart, die Zusammenarbeit des interdisziplinären „0 - 3“-Teams mit MitarbeiterInnen der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe sowie der medizinischen Grundversorgung weiter zu intensivieren. Wie unter 4.2 berichtet, stieg der Anteil von Familien mit Migrationshintergrund zuletzt deutlich an. Eine vergleichbare Entwicklung zeichnet sich auch in der Interdisziplinären Frühförderstelle des Frühförderungsdienstes ab: Dort erreicht die Größenordnung der Kinder mit Migrationshintergrund bereits 40 Prozent. Vor dem Hintergrund dieser Tendenz lässt sich schlussfolgern, dass sich die Schnittmenge der Kinder mit einer (drohenden) Behinderung im Sinne des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) 12 , die Leistungen zur Teilhabe benötigen, mit Kindern, die aus (kulturellen, religiösen und/ oder sprachlichen) Gründen einer inklusiven Einbeziehung in die Gesellschaft bedürfen, vergrößert. Überdies lässt sich als Hypothese ableiten, dass die Konzepte von „Inklusion“ und „Teilhabe“ faktisch eine Annäherung erfahren, ebenso der Personenkreis der Kinder, die klassischerweise dem SGB IX bzw. dem SGB VIII zugeordnet werden. In diesem Überlegungskontext wurden mit den Jugendamtsleitungen von Landkreis und Stadt Passau Gespräche in Bezug auf die Umsetzung des Gesetzes zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen (Kinder- und Jugendstärkungsgesetz - KJSG) 13 aufgenommen, vorrangig erst einmal hinsichtlich der Einführung sogenannter „Verfahrenslotsen“. Wie bei der digitalen KJSG-Auftaktveranstaltung „Gemeinsam zum Ziel: Wir gestalten die Inklusive Kinder- und Jugendhilfe! “ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am 27. 6. 2022 14 andiskutiert, würde in der Zusammenführung von Leistungen für Kinder/ Jugendliche mit und ohne Behinderung die Beratungskompetenz erhöht werden, wenn nicht nur Einzelpersonen als Verfahrenslotsen, sondern „Kompetenz-Teams“ etabliert werden würden. Mit seinen Angeboten sowohl der präventiven Kinder- und Jugendhilfe („Die wichtigen Jahre 0 - 3“ und „Pädagogisch-Psychologischer Dienst“) sowie der Eingliederungshilfe und Komplexleistung Früh- 12 https: / / www.bmas.de/ SharedDocs/ Downloads/ DE/ Gesetze/ bthg.pdf? __blob=publicationFile&v=2, 14.04.2023 13 www.bmfsfj.de/ bmfsfj/ service/ gesetze/ neues-kinder-und-jugendstaerkungsgesetz-162860, 13. 4. 2023 14 www.bmfsfj.de/ bmfsfj/ aktuelles/ alle-meldungen/ gemeinsam-zum-ziel-inklusive-kinder-und-jugendhilfegestalten-195938, 13. 4. 2023 152 FI 3/ 2023 Eltern-Kind-Konzepte erkennung und Frühförderung (Interdisziplinäre Frühförderung, Fachdienst für I-Kita-Kinder und Modellprojekt „Übergang macht Schule“) verfügt der Caritas-Frühförderungsdienst über einen großen inklusionsrelevanten Erfahrungsschatz mit vielschichtigen Vernetzungen in den Bereichen Teilhabe- und Behindertenhilfeleistungen (SGB IX und Frühförderungsverordnung) sowie Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII), Gesundheit (SGB V) und Schulwesen (BayEUG). Dieses sektorenübergreifende Know-how könne der Caritas-Frühförderungsdienst in ein Kompetenz-Team von Verfahrenslotsen einbringen und damit rechtzeitige Zugänge von jungen Familien zu Informationen und Leistungen sachkundig und sozialraumorientiert unterstützen. 8. Zwei Fallbeispiele Fallbeispiel „Leo“ (Name redaktionell geändert), Vorstellung im Alter von fünf Monaten Ersttermin und Vorstellungsgrund Die Mutter meldet sich auf Hinweis ihrer Hebamme telefonisch beim Beratungsangebot „0 - 3“. Der Anruf falle ihr schwer, äußert sie zu Beginn des Telefonats. Sie habe noch nie um professionelle Erziehungsberatung nachgesucht. Die Mutter weint am Telefon. Leo schreie viel. Mit ihren Kräften sei sie am Ende. Aufgrund der spürbar großen Not der Mutter vereinbare ich für den nächsten Tag sofort einen persönlichen Gesprächstermin bei der Familie zu Hause. Erster Hausbesuch Mit dem schlafenden Säugling auf dem Arm öffnet die Mutter die Tür und bietet mir einen Platz im großen Wohnraum an. Die Familie wohnt in einem Neubaugebiet, sie scheint auf den ersten Blick gut situiert, die Paarbeziehung der Eltern als glücklich. Die Schwangerschaft ist ohne Komplikationen verlaufen und Leo als geplantes und erwartetes Kind gesund zur Welt gekommen. Die Mutter wirkt ziemlich nervös und erschöpft wegen Leos Schreiproblematik. Sie schaukelt den Säugling wippend bis hopsend. Die Mutter berichtet, dass Leo einen guten Nachtschlaf habe. Er schlafe vorwiegend in der Mitte des Elternbettes. Während der Nacht werde er ca. vier Mal gestillt. Das sei kein Problem für sie. Der Tagesablauf mit ihrem Sohn jedoch mache ihr und der ganzen Familie zu schaffen. Sie fänden auch keine Erklärung für das anhaltende Schreien und die geringe Schlafdauer am Tag. Ihre Tochter sei nie auffällig gewesen. Leo habe tagsüber drei halbstündige Schläfchen. Er schlafe ausschließlich unter heftigem Wippen auf dem Arm ein. Das sei sehr anstrengend. Deshalb haben die Eltern sich eine elektrische Wippe angeschafft. Damit funktioniere das Einschlafen gut. Nach einer halben Stunde wache Leo jedoch wieder auf. Auch wenn man ihn ins Bett lege, wache er wieder auf und beginne zu schreien. Leo nehme einen Schnuller. Es mache keinen Unterschied, ob die Mutter ihn zum Schlafen bringt oder der Vater. Einschlafen im Tragesack klappe auch. Aber auch hier brauche der Sohn diese starke Wipp-Bewegung. Bei Autofahrten und im Kinderwagen schreie Leo generell. Er werde nach Möglichkeit schlafend ins Auto gelegt. Die Mutter äußert, dass sie mittlerweile regelrecht Angst vor den Schreiattacken ihres Sohnes habe. Weitere anamnestische Angaben Die Eltern sind verheiratet. Der Vater, der in der IT- Branche arbeitet, unterstützt die Mutter. Abends und am Wochenende versorgt er Leo und bringt ihn auch manchmal zu Bett. Leo hat noch eine 6-jährige Schwester, Lisa, die die erste Klasse besucht. Vor der Geburt ihres Sohnes war die Mutter in verschiedenen Vereinen und Interessensgruppen sehr aktiv. Aufgrund der Problematik mit Leo hat sie all ihre Aktivitäten reduziert. Sie sagt: „Ich sperre mich jetzt den ganzen Monat ein, vielleicht wird dann alles besser.“ Die Mutter-Kind- Gruppe sei immer der „Wahnsinn“, so die Mutter. Sie könne gar nicht bleiben, weil Leo so brülle. Sie gehe oft nach einer halben Stunde schon wieder heim. Nach Einschätzung ihres Mannes übertrage sich ihre Nervosität auf Leo. 153 FI 3/ 2023 Eltern-Kind-Konzepte Beobachtungen bei einem weiteren Hausbesuch Leo wirkt sehr neugierig und bleibt bei der Mutter auf dem Schoß sitzen, während sie mit mir und meinem „0 - 3“-Kollegen spricht. Leo versucht, nach einem Spielzeug auf dem Tisch zu greifen. Damit beschäftigt er sich kurz. Nach ca. fünf Minuten fängt Leo an zu quengeln. Die Mutter stillt ihn auf der Wohnzimmercouch. Mein Kollege und ich sitzen am angrenzenden Esszimmertisch. Auf die Frage, ob sie schon probiert habe, ihn im Bettchen zum Schlafen zu bringen, antwortet sie mit einem „Ja“. Jedoch habe sie nach 15 Minuten abgebrochen, weil Leo nur geschrien habe. Pucken lehne er ebenfalls ab; das habe sie schon mehrfach probiert. Als ich die Mutter nach der Schwester frage, fängt sie an zu weinen. Lisa sei im Moment sehr bockig. Sie schimpfe viel mit ihr und wisse aber genau, dass das nicht richtig sei. Sie sei aber mit den Nerven so am Ende und könne sich nicht so um das Mädchen kümmern, wie sie es gerne möchte. Das mache ihr auch zu schaffen. Leo störe. Verhaltensbeobachtungen in Bezug auf den Säugling: Leo wirkt sehr neugierig. Er zeigt sich empfänglich für visuelle Reize. Die vertikale Körperposition wird bevorzugt. Auf dem Bauch oder Rücken zu liegen, lehnt er meist ab. Nach einer kurzen Wachphase wird der Säugling unruhig und quengelig. Starkes Schaukeln und Wippen beruhigt ihn kurzzeitig. Wir vereinbaren einen neuen Termin in drei Wochen. Die Mutter möchte in die Frühförderstelle kommen. „So komme ich wenigstens ein bisschen hier raus“, erklärt sie. Sollte sie zwischenzeitlich Bedarf haben, würden wir einen früheren Termin anberaumen, so unser Vorschlag. Hypothesen zur Genese und aktuellen Problematik n Schlafdefizit des Kindes, fehlender Rhythmus, Regulationsprobleme. n Verunsicherung der Mutter, Vernachlässigung eigener Bedürfnisse und Erschöpfung. n Die Mutter fühlt sich in ihren mütterlichen Kompetenzen in der Weise beeinträchtigt, dass sie nicht ausreichend für ihr Kind sorgen kann. Sie hat das Gefühl, keine gute Mutter zu sein, da sie ihren Säugling nicht beruhigen und evtl. auch beiden Kindern nicht gerecht werden kann. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen haben bereits gelitten. n Viele Ortswechsel führen zu Reizüberflutungen beim Säugling. Diagnostische Einschätzung Frühkindliche Regulationsstörung mit persistierendem Schreien und Problemen der Schlaf- Wach-Regulation (während des Tages). Damit einhergehende Verunsicherung und Erschöpfung bei der Mutter und dysfunktionale Interaktionsmuster im Beruhigungskontext. Beratungsthemen und -ziele n Stärkung der Mutter. Unterstützung positiver regelmäßiger Interaktionen und Beziehungserfahrungen, z. B. durch das Spiel mit dem Kind sowie häufiger Körperkontakt. n Verbesserung der Feinfühligkeit sowie Sensibilisierung der Mutter, Verhaltenszustände des Säuglings differenziert zu beobachten und Überreizung zu verhindern. Den schreienden oder unruhigen Säugling tagsüber häufiger am Körper tragen und ihn vertikal oder in der Bauchlage auf den Unterarm der Mutter gelegt mit langsamen Bewegungen wiegen. n Tagesablauf anpassen, tägliche Routinen installieren, Einbezug des Vaters. Ansatzpunkte und Behandlungsschritte n Entlastende Elterngespräche: Verständnis für eigene Gefühle, Verunsicherung und Erschöpfung bei der Mutter. Aufbau einer wertschätzenden Beraterin-Klienten-Beziehung. 154 FI 3/ 2023 Eltern-Kind-Konzepte Durch Überlastung der Mutter ist es schwierig für sie, ihr Kind zu beruhigen. Gemeinsame Suche nach Veränderungsmöglichkeiten, die den erlebten Druck verringern. n Empfehlung, ein mehrtägiges Verhaltensprotokoll über die Ereignisse am Tag, die Verhaltenszustände des Säuglings, das Füttern, die Phasen des gemeinsamen Spielens und der Kommunikation zu führen. n Entwicklungsberatung: Unterstützung eines angemessenen Schlaf-Wach-Rhythmus, Informationen zur kindlichen Entwicklungsphase. Verlauf Der dritte Termin findet drei Wochen später statt. Die Mutter kommt zu mir an die Frühförderstelle. Sie wirkt auf den ersten Blick ausgeglichen. Leo schläft im Kinderwagen. Die Mutter erzählt, dass sie den Termin mit einem Besuch bei einer Freundin verbunden habe. Leo sei sehr „brav“ gewesen. Es habe sich überhaupt sehr viel mehr beruhigt. Leo schlafe tagsüber bereits etwas länger. Insgesamt komme er jetzt auf drei Stunden. Das tue auch ihr sehr gut. Die Zeit nehme sie sich fast ausschließlich für sich. Vormittags halte sie sich - wie besprochen - jetzt immer „terminfrei“. Sie gehe auch in keine Mutter-Kind-Gruppe mehr. Das nehme ihr viel Druck und Leo könne so besser zu seinem Rhythmus finden. Der Vater hat es nun auch schon öfter geschafft, Leo ohne Schreien im Auto mitzunehmen. Er wird wach in das Auto gelegt. Mittlerweile nimmt er auch Beikost zu sich. Die Mutter hat das Gefühl, dass Leo jetzt insgesamt satter und zufriedener ist. Bei einem erneuten Hausbesuch, der der Beratung der Mutter dient, schläft Leo die gesamte Zeit. Es folgen noch zwei weitere Termine. Die emotional unterstützenden und klärenden Beratungsgespräche machen es für die Mutter möglich, ihre Sorgen mit „Experten“ zu teilen und das problematische Verhalten ihres Sohnes mit einigem Abstand zu betrachten. Die Mutter und auch der Vater nehmen Leo immer mehr als einen aktiven und an seiner Umwelt interessierten Säugling wahr. Auch die gemeinsame Reflexion über das Erleben der Mutter mit einem schreienden Säugling führt zu ihrer psychischen Entlastung. Für die Mutter war es hilfreich zu hören, dass die Mutter-Kind- Gruppe in der momentanen Situation für beide, sowohl für Leo als auch für sie, Stress bedeute und der leicht irritierbare Leo damit einer Überforderung ausgesetzt werde. Es wirkte entlastend für die Mutter, zu hören, dass ein leicht irritierbarer Säugling es besonders schwer habe, sich selbst mit kleinen Veränderungen im Alltag zurechtzufinden. Die insgesamt sechsstündige Beratung endete erfolgreich. Leos persistierendes Schreien hat in dieser Zeit spürbar abgenommen. Innerhalb von vier Wochen lernte er bereits, auch tagsüber drei Stunden zu schlafen (und vor allem länger am Stück zu schlafen). Die Mutter passte den Tagesablauf noch mehr den Bedürfnissen ihres Sohnes an, indem sie ihre auswärtigen Mutter-Sohn- Aktivitäten reduzierte. Damit schuf sie Raum zur Entwicklung von Routinen, auch für eine Tagschlaf fördernde Ruhe. Am Wochenende kümmerte sich der Vater mit um Leo, sodass die Mutter auch mehr Zeit für sich hatte. Fallbeispiel „Maximilian“ (Name redaktionell geändert), 2,7 Jahre bei Vorstellung Die Anregung zur Anmeldung im Beratungsangebot „Die wichtigen Jahre 0 - 3“ des Caritas- Frühförderungsdienstes kam von Maximilians Krippenerzieherin. Vorstellungsgründe Geschwisterrivalitäten zwischen Maximilian und seiner 5-jährigen Schwester sowie oppositionelles Verhalten des Jungen. In Konfliktsituationen mit der Schwester komme es immer häufiger vor, dass der Junge die 5-jährige Schwester schlage, mit Spielzeug werfe und auch von der Schwester erbaute „Spiellandschaften“ kaputt mache. 155 FI 3/ 2023 Eltern-Kind-Konzepte Anamnestische Angaben sowie erste Eindrücke von Interaktionen Vor einem Jahr ist die Familie in ein neues Haus ans andere Stadtende gezogen. Die Umzugsarbeiten kosteten vor allem dem Vater viel Kraft und Zeit. Die Innenräume hat er selbst renoviert. Nach dem Umzug fing die Mutter wieder an, als Reinigungskraft zu arbeiten. Zudem macht sie den Pkw-Führerschein. Der Vater kommt aus Berlin. Seine Familienangehörigen wohnen alle noch dort. Die Eltern der Mutter sind bereits verstorben. Es sei ein großes Problem, dass die Kinder immer am Streiten seien. Die Mutter berichtet, dass sie dann mit dem Sohn schimpfe, ihn aus dem Zimmer bringe. Es gehe ihr dann auch nicht gut. Zudem habe der Junge keine Freunde. Dies sei aber auch verständlich, wenn er sich immer so aufführe, meint die Mutter. Die Eltern machen sich große Sorgen. Sie sei mit ihren Nerven am Ende, sagt die Mutter beim ersten Telefonat. Die Kinder seien beide Wunschkinder gewesen und jetzt sei das Leben ein Desaster. Als ich vorsichtig nach der Paarbeziehung frage, erzählt mir die Mutter weinend, dass sie sich total auseinandergelebt hätten. Sie würden auch viel über Trennung nachdenken. Bisher wurde aber noch kein Schritt in diese Richtung unternommen. Sie sei sich selber gar nicht so sicher, was sie überhaupt wolle. Der Vater ist während der Woche in der Arbeit. Er nimmt aber schon wahr, dass Maximilians Verhalten sehr schwierig ist. Er findet, dass seine Frau den Kindern zu wenig Grenzen setze und sie selber auch nicht immer ein gutes Vorbild sei. Diese Haltung führt bei seiner Frau zu Ärger und Wut. Das sei ein Teufelskreis, aus dem sie nicht mehr alleine herauskommen. Plötzlich sind die Kinder still und die Erwachsenen streiten, so schildert die Mutter diese Konfliktsituationen. So könne es nicht weitergehen. Vor allem aber mache sie sich Sorgen um Maximilian. Er sei oft wütend, gereizt und weinerlich. Setzen ihm die Eltern Grenzen, achte er sie nicht. Er bleibe auch nie sitzen beim Essen. „Ich esse das nicht! “, „Ich will das aber nicht! “. Jeden Tag das gleiche Theater. Maximilian erklärt, dass er gerne auch so stark wäre wie die Dinos. Er liebe Dinos. Gruppenbeobachtung und Gespräch mit der Kita-Erzieherin - eine Woche später Maximilian besucht halbtags eine Art Übergangsgruppe zwischen Kinderkrippe und Kindergarten, seine Schwester eine normale Kindergartengruppe. Da der Kindergarten nach einem offenen Konzept arbeitet, bekommt sie viel mit, was ihr Bruder macht, und erzählt es dann auch häufig den Eltern, wenn Maximilian „wieder mal Ärger gekriegt hat“. Dem Gruppenpersonal fällt auf, dass Maximilian sich immer wieder zurückzieht und alleine Bücher, vor allem „Dino-Bücher“ anschaut. Er nimmt von sich aus wenig Kontakt zu den anderen Kindern auf. Kontakte entstehen vor allem, wenn andere Kinder auf ihn zukommen. Dann spielt Maximilian auch mit ihnen. Die Erzieherin berichtet, dass Maximilian gelegentlich in Konflikte mit anderen Kindern involviert sei, aber nicht über die Maßen. Er sei ein eher unauffälliges Kind im Kindergarten. Sieht er sich in einem Konflikt, kommt es schon häufig vor, dass er „zuhaut“. Sie vermutet, dass weniger der Junge, sondern vielmehr die Mutter ein Problem habe. Sie wirke „immer gestresst“. Ich beobachte Maximilian verdeckt (richte hier meinen Fokus in erster Linie auf das Kontakt- und Sozialverhalten) und teilnehmend (Wir schauen gemeinsam ein „Dino-Bilderbuch“ an; dialogische Bilderbuchbetrachtung). Ich teile die o. g. Beobachtungen der Erzieherin: Maximilian wirkt auf mich in der Gruppe teilweise verunsichert. Vor allem dann, wenn er einen „Leerlauf“ hat und sich neu orientieren muss. Strategien, Kontakt zu anderen Kindern aufzunehmen, sind eher gering ausgeprägt. Es kommt häufig zu einem Rückzug. Meistens holt er sich dann ein Buch. Ich beobachte keine Konfliktsituationen 156 FI 3/ 2023 Eltern-Kind-Konzepte zwischen ihm und anderen Kindern. Bei der dialogischen Bilderbuchbetrachtung fällt mir die sprachliche Gewandtheit auf. Maximilian verfügt über einen großen aktiven Wortschatz. Vorläufige diagnostische Einschätzung und Zusammenhänge Für das oppositionelle Verhalten von Maximilian kommen für mich, natürlich neben der individuellen Entwicklungsphase, unterschiedliche Ursachen in Frage: n Familiäre Veränderungen durch den Umzug n Belastung der Familie durch Stresssituationen, z. B. Streitigkeiten der Eltern, Wiedereinstieg der Mutter in das Arbeitsleben, Führerscheinerwerb der Mutter. n Gruppenwechsel in der Kita; damit verbunden ein Wechsel von Bezugspersonen. n Verhalten, einschl. Dino-Vorliebe, als Hinweis auf ein ungestilltes Bedürfnis nach Sicherheit. Beratungsthemen, die sich daraus ergeben: n Streit unter (Geschwister-)Kindern sowie Strategien zum Umgang mit Konflikten (Flucht, Unterordnung, Kampf ) vs. Lösungsstrategien (Kompromiss, Konsens) n Entwicklungsberatung, Entwicklungsstand, Bedürfnisse nach Autonomie, Sicherheit und Bindung. Ansatzpunkte und Beratungsschritte: n Klärung/ Stärkung der Elternebene in Abgrenzung zur Paarebene (damit verbunden empathisches Eingehen auf die Gefühle der Eltern). n Entwicklungsberatung: Verständnis entwickeln für die Verhaltensweisen des Jungen. „Jedes Verhalten hat einen Sinn! “, so möchte Maximilian stark sein wie die Dinos. n Gemeinsame Analyse des Konfliktverhaltens. Positive soziale Erfahrungen schaffen/ Konfliktkultur in der Familie/ Konfliktsituationen begleiten (Was ist hier das Problem? Warum ist das ein Problem? Was möchten die einzelnen Kinder erreichen? ) n Beobachtungsaufträge an die Eltern: Worum geht es bei den Geschwisterstreitigkeiten? Welches Vorbild geben wir als Eltern den Kindern im Umgang mit Konflikten? n Eltern-Kind-Interaktionen (positive Verstärkung) n Selfcare auf der Individualebene, evtl. auch auf der Paarebene. Videogestützte Diagnostik und Beratung anhand positiver Sequenzen Ich wähle gleich den Spieleinstieg als positive Spielsequenz. Maximilian freut sich sichtlich, dass seine Mama mit ihm spielt. Er hüpft vor Freude und lacht, als die Mama ihn fragt, ob er „Dino“ spielen möchte. Mutter fordert ihn auf, die Dinos zu holen. Maximilian versteht und holt seine „Dino-Kiste“ hervor. „Dino-Park? “ Die Mutter lacht: „Ja, wenn du möchtest, bauen wir einen Dino-Park. Wie soll er denn aussehen? “ Maximilian fängt an, den Park nach seinen Vorstellungen zu bauen. Die Mutter hat die Idee, dass ja die Bäume und die Brücke von der Eisenbahn gut ins Spiel integriert werden könnten. Maximilian ist begeistert. Er wirkt freudig erregt. Maximilian führt und die Mutter folgt. Die Mutter kann sich sehr gut einlassen auf seine Spielidee. (Obwohl sie mir vorher verraten hat, dass sie dieses Dino-Spiel hasse! ) Innerhalb kurzer Zeit haben die beiden einen Park aufgebaut und freuen sich darüber. Sehr schöne Interaktion! Kurzbeschreibung dysfunktionaler Sequenzen Maximilian ordnet nun die Dinos in zwei Lager. Auf der einen Seite der Eisenbahnschienen wohnen die kleinen Dinos und auf der anderen Seite die großen Dinos. Die Mutter erzählt, dass Maximilian oft mit seinem Vater „Dino“ spielte. An dieser Stelle greift die Mutter stark in das Spielgeschehen ein. Ihre anfängliche Leichtigkeit und Offenheit ist nicht mehr spürbar: Sie erklärt ihrem Sohn, dass die Dinos ja alle zusammen spielen wollen. Und wenn die Eisenbahn dazwischen ist, können sie das ja nicht. Weiter meint sie: „Das ist 157 FI 3/ 2023 Eltern-Kind-Konzepte blöd, wenn die nicht zusammen spielen wollen. Schau mal, der große Dino möchte so gern mit dem kleinen Dino spielen …“. Maximilian verfolgt das Spiel der Mutter und wird zunehmend inaktiver. Die Mutter übernimmt gänzlich die Spielleitung. Maximilian bringt sich nur noch sehr wenig ein. Schließlich geht er weg von dem Dino-Spiel. Videobesprechung mit abschließender Einschätzung Bei der Besprechung der gelungenen Spielsequenz hatte die Mutter Tränen in den Augen. Sie erzählt, dass sie so selten mit dem Jungen „so“ spielt. Dass Maximilian sich so freue, freue auch sie. Eigentlich spiele sie viel lieber „Spiele nach Regeln“ mit ihrem Sohn. Sie ist sehr gerührt. Wir schauen dieses Video ein zweites Mal an. Ich gehe gar nicht so sehr auf die „dysfunktionalen Spielsequenzen“ ein. Die Mutter merkt an, dass die Freude des Jungen so groß war, weil sie das „Dino-Spiel“, ein Spiel, das er sich immer selbst aussuche, mit ihm gespielt hat. Normalerweise schlägt sie ihm immer ein anderes Spiel vor, wenn er Dino spielen möchte. So kommen wir auf das Thema „Bedürfnisse des Kindes wahrnehmen und achten“. Es entsteht ein gutes Gespräch mit einem großen Impact für die Mutter. Insgesamt fanden acht weitere Termine statt: drei Beratungen der Mutter, drei Gespräche mit beiden Elternteilen und zwei Mutter-Kind-Interaktionen. U. a. stand bei einem Gespräch mit beiden Elternteilen der „Kreis der Sicherheit“ als Beratungsthema im Vordergrund. Die Eltern konnten hier besonders gut „mitgehen“ und nahmen auch in folgenden Sitzungen immer wieder Bezug auf Inhalte dieser Beratungsstunde. Insgesamt war im Laufe der fünfmonatigen Betreuungsdauer ein spürbarer „Stimmungsumschwung“ in der Familie möglich. „Problemfreie Bereiche“ gewannen zunehmend an Bedeutung. Außerdem wurden die Eltern dabei unterstützt, sich wieder mehr als selbstwirksam zu erleben in der Kindererziehung. Die sog. „Problemtrance“ konnte überwunden werden. Auch eine mögliche elterliche Trennung war zuletzt überhaupt kein Thema mehr. Als ich genau diese Beobachtung beim letzten Elterngespräch formulierte, erzählte mir die Mutter, dass sogar eine Freundin zu ihr gesagt habe: „Du und dein Mann seid ja wieder richtig zusammengewachsen! “ Der Geschwisterkonflikt wird immer noch als teilweise „heftig“ beschrieben. Die Eltern haben jedoch einen neuen Blick und einen neuen Umgang damit entwickelt. Weiteres Vorgehen: In Absprache mit Eltern und Kinderarzt wird der Junge aufgrund seiner sozialen und emotionalen Auffälligkeiten, die seine Teilhabe in Familie und Kita gefährden, in die Betreuung der Interdisziplinären Frühförderstelle aufgenommen. Schwerpunktmäßig sind eine individuelle Spielbehandlung, eine psychomotorische Kleingruppe sowie Elternberatung geplant. Meine „0 - 3“-Arbeit mit der Familie endete mit dem dritten Geburtstag von Maximilian. Gerhard Krinninger Gisela Hausmann Karin Krinninger Beratungsangebot „Die wichtigen Jahre 0 - 3“ Caritas-Frühförderungsdienst Neuburger Str. 128 94036 Passau E-Mail: ff0-3@caritas-passau.de Quellen Brisch, K. H. (2022): SAFE® - Sichere Ausbildung für Eltern. 11. Aufl. Klett-Cotta, Berlin Tekles, H. (2005): Sozialraumanalyse für die Jugendhilfeplanung des Landkreises Passau. ISPLAN Institut für soziale Planungen und Analysen. Unveröffentlichte Daten zu diversen Teilen der Sozialraumanalyse, Passau 2005 https: / / akademie-muenchen.de/ J2022/ seminare/ index.php? rubrik=6&seminar=1, 13. 4. 2023 158 FI 3/ 2023 Eltern-Kind-Konzepte Internet-Nachweise www.stmas.bayern.de/ erziehungsberatung/ schreibabys/ index.php 13. 4. 2023 https: / / de.wikipedia.org/ wiki/ Fall_Kevin 13. 4. 2023 www.fruehehilfen.de/ das-nzfh/ nzfhchronologie/ 2007/ 13. 4. 2023 www.blja.bayern.de/ hilfen/ koki/ index.php 13. 4. 2023 www.sueddeutsche.de/ panorama/ vernachlaessigtekinder-jessica-kevin-lea-sophie-1.340538 7. 1. 2023 https: / / shop.bzga.de/ pdf/ 16000117.pdf 7. 1. 2023 www.fruehehilfen.de/ grundlagen-und-fachthemen/ grundlagen-der-fruehen-hilfen/ fruehe-hilfenhintergrund-und-entwicklung/ 7. 1. 2023 www.caritas.de/ neue-caritas/ heftarchiv/ jahrgang 2015/ artikel/ das-fruehinterventionsprogramm-steep-ein-wirksamer-baustein 13. 4. 2023 www.epb-verein.de/ startseite/ 13. 4. 2023 www.fruehfoerderung-passau.de/ cms/ contents/ fruehfoerderung-pass/ medien/ dokumente/ jahres bericht/ die-wichtigen-jahre/ jahresbericht-2022/ beratungsangebot_die_wichtigen_jahre_0-3_ff_pa_ jahresbericht_2022.pdf 13. 4. 2022 https: / / www.bmas.de/ SharedDocs/ Downloads/ DE/ Gesetze/ bthg.pdf? __blob=publicationFile&v=2 14. 4. 2023 www.bmfsfj.de/ bmfsfj/ service/ gesetze/ neues-kinderund-jugendstaerkungsgesetz-162860 13. 4. 2023 www.bmfsfj.de/ bmfsfj/ aktuelles/ alle-meldungen/ gemeinsam-zum-ziel-inklusive-kinder-und-jugendhilfegestalten-195938 13. 4. 2023 - Anzeige -