eJournals Frühförderung interdisziplinär44/2

Frühförderung interdisziplinär
1
0721-9121
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/fi2025.art06d
1_044_2025_2/1_044_2025_2.pdf41
2025
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Originalarbeit: Mutter-Kind-Interaktion nach Frühgeburt - Vergleich der Interaktionsqualität von Müttern früh- und reifgeborener Vorschulkinder während einer Konstruktionsaufgabe

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2025
Nina Gawehn
Frederike Fuhrmann
Nadine Hong
Jacqueline Dietzel
Dominik T. Schneider
Anne Katrin Künster
Die Mutter-Kind-Interaktion nach Frühgeburt wird inkonsistent als weniger feinfühlig, intrusiver und kontrollierender beschrieben. Befunde zur Ausprägung anderer Aspekte atypischen Elternverhaltens, die mit Bindungsdesorganisation in Zusammenhang stehen, liegen bislang nicht vor. Zur Prüfung atypischen Elternverhaltens wurden die Interaktionen zwischen Mutter und Kind in 30 Früh- und 25 Reifgeborenen-Dyaden im Vorschulalter während einer Konstruktionsaufgabe videografiert und mithilfe der EBT4-10®-Interaktionsskala ausgewertet. Mütter Frühgeborener verhielten sich ihren Kindern gegenüber intrusiver sowie bizarr-desorientierter als Mütter Reifgeborener. Es gab keine Unterschiede in der Ausprägung von Rollenumkehr, unresponsivem oder widersprüchlichem Verhalten. Die vorliegende Untersuchung leistet einen Beitrag zur Erforschung der Mutter-Kind-Interaktion nach Frühgeburt und zur Reliabilitätsüberprüfung der EBT4-10®-Interaktionsskala.
1_044_2025_2_0002
55 Frühförderung interdisziplinär, 44.-Jg., S.-55 - 69 (2025) DOI 10.2378/ fi2025.art06d © Ernst Reinhardt Verlag ORIGINALARBEIT Mutter-Kind-Interaktion nach Frühgeburt - Vergleich der Interaktionsqualität von Müttern früh- und reifgeborener Vorschulkinder während einer Konstruktionsaufgabe Nina Gawehn, Frederike Fuhrmann, Nadine Hong, Jacqueline Dietzel, Dominik T. Schneider, Anne Katrin Künster Zusammenfassung: Die Mutter-Kind-Interaktion nach Frühgeburt wird inkonsistent als weniger feinfühlig, intrusiver und kontrollierender beschrieben. Befunde zur Ausprägung anderer Aspekte atypischen Elternverhaltens, die mit Bindungsdesorganisation in Zusammenhang stehen, liegen bislang nicht vor. Zur Prüfung atypischen Elternverhaltens wurden die Interaktionen zwischen Mutter und Kind in 30 Früh- und 25 Reifgeborenen-Dyaden im Vorschulalter während einer Konstruktionsaufgabe videografiert und mithilfe der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala ausgewertet. Mütter Frühgeborener verhielten sich ihren Kindern gegenüber intrusiver sowie bizarr-desorientierter als Mütter Reifgeborener. Es gab keine Unterschiede in der Ausprägung von Rollenumkehr, unresponsivem oder widersprüchlichem Verhalten. Die vorliegende Untersuchung leistet einen Beitrag zur Erforschung der Mutter- Kind-Interaktion nach Frühgeburt und zur Reliabilitätsüberprüfung der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala. Schlüsselwörter: Frühgeburt, Mutter-Kind-Interaktion, Intrusivität, atypisches Elternverhalten, Feinfühligkeit Mother-child interaction after preterm birth - Comparison of interaction quality between mothers of preterm and full-term preschool children during a construction task Summary: While the mother-child interaction following prematurity is described as being more insensitive, intrusive and controlling inconsistently, there are no findings on the development of atypical parental behavior, which can precede attachment disorganization. To assess atypical parenting behavior, interactions between 30 premature and 25 full-term infant dyads of preschool age were videotaped and evaluated using the EBT 4 - 10 ® interaction rating scale. Mothers of preterm infants behaved more intrusively and bizarrely disoriented than mothers of term infants. There were no group differences in the extent of unresponsive behavior, role reversal and contradictory behavior. The present study contributes to research into parent-child interaction after preterm birth and the reliability of the EBT 4 - 10 ® rating scale. Keywords: Premature birth, mother-child interaction, intrusiveness, atypical parenting, sensitivity Einleitung E ine Frühgeburt (FG), definiert als Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (SSW), kann sich auf die körperliche, motorische, kognitive, psychologische und sozialemotionale Entwicklung auswirken (Gawehn 2023, Cheong et al. 2017). Auch die Implikationen der Frühgeburt auf die Mutter- Kind-Interaktion sowie die kindliche Bindungs- 56 FI 2/ 2025 Nina Gawehn, Frederike Fuhrmann, Nadine Hong, Jacqueline Dietzel, Dominik T. Schneider, Anne Katrin Künster entwicklung stand in der Vergangenheit im Fokus verschiedener Arbeiten, wobei bislang durchaus inkonsistente Ergebnisse zu konstatieren sind. Während Korja et al. (2012) in knapp zwei Dritteln und Hartzell et al. (2023) in ungefähr der Hälfte der systematisch untersuchten Studien Unterschiede in der Mutter-Kind-Interaktion (MKI) nach Frühgeburt beschrieben, konnte eine groß angelegte Metaanalyse von 34 internationalen Studien aus den Jahren 1980 bis 2014 keine Unterschiede im Elternverhalten Früh- und Reifgeborener belegen (Bilgin und Wolke 2015). Die von reifgeborenen Dyaden abweichenden Befunde, die in Studien mit frühgeborenen Dyaden überwiegend beschrieben wurden, beziehen sich auf weniger feinfühliges, intrusiveres oder kontrollierendes Verhalten in Spiel- oder Lernsituationen von Eltern Frühgeborener im Vergleich zu Eltern Reifgeborener (Agostini et al. 2014, Feldmann und Eidelman 2007, Forcada-Guex et al. 2006, Forcada-Guex et al. 2011, McMahon et al. 2022, Udry-Jørgensen et al. 2011, Vaccaro et al. 2020, Muller-Nix et al. 2004, Zengin Akkus et al. 2020). Nur in einer sehr kleinen Anzahl von Arbeiten wurde bisher die Eltern-Kind-Interaktion in Entwicklungsphasen nach der frühen Kindheit untersucht (Dietzel et al. 2023, von Lilienfeld et al. 2012, Potharst et al. 2012). Von Lilienfeld et al. (2012) wiesen weniger supportive und restriktivere Steuerung in der MKI auch für Mütter von FG im Alter von 36 Monaten nach. Dietzel et al. (2023) konnten im Vergleich zu Dyaden mit reifgeborenen Kindern auch noch im Alter von 5 Jahren intrusiveres Elternverhalten nach Frühgeburt belegen. Als besonders bedeutende Dimension der MKI steht insbesondere die mütterliche Feinfühligkeit (z. B. Ainsworth et al. 1972, De Wolff und Van Ijzendoorn 1997) in engem Zusammenhang mit kindlicher Bindungsentwicklung. Allgemein gelten eine sichere Bindung als Schutzfaktor und eine (hoch-)unsichere Bindung als Risikofaktor für die Bewältigung von nachfolgenden Entwicklungsaufgaben und Belastungen. Eine sichere Bindung ist langfristig assoziiert mit höheren sozial-emotionalen Kompetenzen und geringeren externalisierenden und internalisierenden Problemen (Groh et al. 2017, Madigan et al. 2016). Zum aktuellen Zeitpunkt liegen auch bezüglich der Bindungsentwicklung nach Frühgeburt inkonsistente Befunde vor. Während einige Autor: innen, vor allem bei frühgeborenen Kindern mit geringem Geburtsgewicht/ Gestationsalter und gesundheitlichen Beeinträchtigungen, eine erhöhte Prävalenz für unsichere oder desorganisierte Bindungsentwicklung zum Teil auch für das Vorschulalter beschreiben (z. B. Dietzel et al. 2019, Fuertes et al. 2024, Mangelsdorf et al. 1996, Mehler et al., 2023, Udry-Jørgensen et al. 2011, Wolke et al. 2013), konnten andere Autor: innen keine Unterschiede in der Bindungsentwicklung zwischen früh- und reifgeborenen Kindern nachweisen (z. B. Korja et al. 2012). Eine Metaanalyse zeigte, dass die intergenerationale Transmission sicherer Bindungsrepräsentation von Eltern an ihr Kind unter Risikobedingungen, wie einer Frühgeburt, abgeschwächt ist (Verhage et al. 2018). Diskutiert wird auch, dass eine unsichere oder desorganisierte Bindungsentwicklung bei frühgeborenen Kindern eher mit dem neurologischen Risikostatus und Beeinträchtigungen (Brisch et al. 2005, Udry- Jørgensen et al. 2011) und weniger mit der Qualität der MKI (Wolke et al. 2013) zusammenhängen könnte. Auch wenn somit nicht sicher konstatiert werden kann, dass Eltern Frühgeborener weniger feinfühlig mit ihrem Kind interagieren (Bilgin und Wolke 2015), ist die Qualität der MKI im Kontext der Frühgeburtlichkeit dennoch überaus bedeutsam für den weiteren Entwicklungsverlauf der Kinder. So zeigte sich, dass die Ausprägung elterlicher Sensitivität im Kindesalter von 6 Jahren mit der kindlichen schulischen Entwicklung im Alter von 13 Jahren 57 FI 2/ 2025 Mutter-Kind-Interaktion nach Frühgeburt assoziiert war: feinfühliges Elternverhalten konnte als protektiver Faktor für den Bildungsverlauf von sehr leicht geborenen und leicht geborenen Kindern identifiziert werden. Auch waren die sehr leicht geborenen und leicht geborenen Kinder anfälliger für die Effekte von niedrig sensitivem Elternverhalten (Jaekel et al. 2015, Wolke et al. 2013). McMahon et al. (2022) konnten für Früh- und Reifgeborene im Alter von zwei Jahren zeigen, dass eine höhere mütterliche Sensitivität mit besserer kognitiver und sozial-emotionaler Entwicklung assoziiert war, während nur für die Gruppe der Frühgeborenen ein Effekt von Sensitivität und Strukturierung auf Sprachentwicklung beschrieben wurde. Atypisches Elternverhalten Neben der Qualität mütterlicher Feinfühligkeit, also der Fähigkeit, die kindlichen Signale und Bedürfnisse wahrzunehmen, korrekt zu interpretieren sowie angemessen und prompt darauf zu reagieren (Ainsworth et al. 1978), wurde auch der Einfluss von atypischem Elternverhalten auf die Entwicklung einer unsicheren oder desorganisierten Bindungsqualität erörtert (z. B. Goldberg et al. 2003, Kelly et al. 2005). Die ersten Ansätze von Definitionen atypischen Elternverhaltens gehen auf Main und Hesse (1990) zurück, die atypisches Elternverhalten als verängstigend für das Kind oder als Widerspiegelung der Verängstigung des Elternteils beschrieben. Im Rahmen des Atypical Maternal Behavior Instrument for Assessment and Classification (AMBIANCE, Bronfman et al. 2009 - 2014, Bronfman et al. 1992 - 2004) wurde eine Liste atypischer Elternverhaltensweisen erstellt, welche die Definitionen von Main & Hesse (1990) einbezieht. Dem AMBIANCE- Ansatz folgend wird davon ausgegangen, dass die Bezugspersonen, die ausgeprägt atypisches Elternverhalten zeigen, meist nicht in der Lage sind, angemessen auf die Signale des Kindes zu reagieren, sodass die effektive und affektive MKI erschwert ist. Als atypisches Elternverhalten werden affektive Kommunikationsfehler, Rollenumkehr und Grenzverletzungen, Intrusivität und Negativität, ängstliches, desorientiertes, dissoziatives Verhalten und Rückzug, Distanzierung und Passivität definiert (Madigan et al. 2006). Die affektiven Kommunikationsfehler umfassen z. B. widersprüchliche Signale, das Ausbleiben einer Reaktion oder eine unangemessene Reaktion auf die Signale des Kindes. Rollenumkehr und Grenzverletzungen beschreiben die Umkehr der Eltern-Kind-Rollen und/ oder die Behandlung des Kindes als sexuellen oder intimen Partner. Intrusivität und Negativität beziehen sich sowohl auf physische als auch verbale Intrusivität und Negativität. Auch die Beurteilung der Gefühle und Motivationen des Kindes als negativ und das Ausüben von Kontrolle über Gegenstände oder Spielsachen durch die Bezugsperson fallen in diese Kategorie. Ängstliches, desorientiertes und dissoziatives Verhalten umfasst das Verhalten selbst, aber auch das Erzeugen ängstlicher oder desorientierter seltsamer Stimmen und Laute. Zuletzt beschreiben Rückzug, Distanzierung und Passivität sowohl eine physische als auch eine verbale Distanzierung und Passivität in Bezug zum Kind. Dadurch interagiert die Bezugsperson nicht mit dem Kind, sondern delegiert es von sich weg und z. B. hin zum Spielzeug (Haltigan et al. 2017). Einige Autor: innen konnten zeigen, dass Mütter, deren Kinder als unsicher oder desorganisiert gebunden klassifiziert wurden, vermehrt Merkmale atypischen Elternverhaltens in der Interaktion mit ihren Kindern aufwiesen (Goldberg et al. 2003, Kelly et al. 2005, Madigan et al. 2006). Befunde zur Ausprägung einiger Merkmale atypischen Elternverhaltens liegen für frühgeborene Vorschulkinder zum aktuellen Zeitpunkt nicht vor. So fokussierten die Studien bisher vorwiegend auf die Verhaltensdimensionen Intrusivität, Strukturierung, Feinfühligkeit und ließen Rollenumkehr, Widersprüchlichkeit oder bizarr-desorientiertes Verhalten eher außer Acht. 58 FI 2/ 2025 Nina Gawehn, Frederike Fuhrmann, Nadine Hong, Jacqueline Dietzel, Dominik T. Schneider, Anne Katrin Künster Fragestellung Um einen Beitrag zum besseren Verständnis der MKI im Vorschulalter nach Frühgeburt zu leisten, wurde die Qualität der MKI in einer Spielsituation explorativ untersucht. Es wurde untersucht, ob sich Mütter Früh- und Reifgeborener in ihrem Interaktionsverhalten während einer Konstruktionsaufgabe gegenüber ihren Vorschulkindern in der Ausprägung von Feinfühligkeit, Intrusivität und Unresponsivität sowie bizarr-desorientierten Verhaltensweisen, Rollenumkehr und widersprüchlichem Verhalten unterscheiden. Methode Studiendesign und Rekrutierung Die hier vorliegende Arbeit nutzte einen vorhandenen Datensatz (Vetterlein 2017) für eine Reanalyse mithilfe der neuen EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala (Künster et al. 2022). Die Erhebung der Daten erfolgte im Jahr 2017 in der Entwicklungsneuropsychologischen Ambulanz (ENPA) der Klinikum Dortmund gGmbH. Alle durchgeführten Untersuchungen waren im Einklang mit den Empfehlungen des Weltärztebundes (revidierte Deklaration von Helsinki) und wurden durch die Ethikkommission der medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum 1 geprüft. Die Kinder der FG-Gruppe wurden mithilfe der Krankenhausdaten und der internen Warteliste der Entwicklungsneuropsychologischen Ambulanz (ENPA) des Sozialpädiatrischen Zentrums/ Neuropädiatrie (SPZ) der Klinikum Do gGmbH rekrutiert. Die Kinder der RG-Gruppe wurden mithilfe von Flyern und Plakaten rekrutiert. Diese wurden im Klinikum Do gGmbH und in Kindergärten in Dortmund und Bochum verteilt. In dieser Untersuchung handelte es sich um ein Between-Subjects-Design, bei dem die Kinder in Abhängigkeit von ihrem Geburtsstatus der Gruppe der Frühgeborenen (FG) oder Reifgeborenen (RG) zugeordnet wurden. Die unabhängige Variable war der Geburtsstatus des Kindes (früh- oder reifgeboren). Die abhängigen Variablen waren die Qualität der MKI und die Ausprägungen an atypischem Elternverhalten in den Subdimensionen der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala. Der Ablauf der Untersuchung war in beiden Gruppen gleich. Stichprobe Insgesamt nahmen 62 Dyaden an der Untersuchung teil (Ausgangsstichprobe 2 ). Die Daten von sieben Dyaden mussten von der statistischen Analyse ausgeschlossen werden, da das Kind nicht mit der Mutter, sondern dem Vater zu den Untersuchungsterminen erschien. Insgesamt wurden die Daten von N = 55 Mutter-Kind-Dyaden (N = 30 Frühgeborenen, FG- Gruppe und N = 25 Reifgeborenen, RG-Gruppe) aufgenommen. Als vorab definierte Ausschlusskriterien galten ein IQ < 71, schwere neurologische Beeinträchtigungen, das Aufwachsen außerhalb der leiblichen Familie sowie pränatale Nikotin- oder Alkoholexposition. Für die RG-Gruppe stellte ein Gestationsalter (GA) < 37 SSW definitionsgemäß ein zusätzliches Ausschlusskriterium dar. Die FG-Gruppe setzte sich zusammen aus 14 Jungen und 16 Mädchen mit einem Durchschnittsalter von 66 Monaten, M = 66.86, SD = 4.64, beziehungsweise fünf Jahren und sechs Monaten. Die RG-Gruppe setzte sich zusammen aus 15 Jungen und zehn Mädchen mit einem Durchschnittsalter von 67 Monaten, M = 67.32, SD = 4.68, beziehungsweise fünf Jahren und sieben Monaten. Das Alter der Mütter Früh- und Reifgeborener war in den Gruppen gleich verteilt und auch der Anteil mütterlicher Belastung (erfasst durch das Eltern-Belastungs- Inventar, EBI, Tröster 2011) und familiärer Adversität (FAI, Rutter und Quinton 1977) war in beiden Gruppen gleich (p > .05). Die mittlere kognitive Entwicklung unterschied sich zwischen den Gruppen der Früh- und Reifgeborenen bedeutsam (p < .001). 59 FI 2/ 2025 Mutter-Kind-Interaktion nach Frühgeburt EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala Zur Erfassung der Qualität der MKI wurde die EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala (Künster et al. 2022) genutzt. Die EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala 3 wurde im Rahmen der Entwicklungspsychologischen Beratung und Therapie für Familien mit Kindern von 4 bis 10 Jahren (EBT 4 - 10 ®, Gloger-Tippelt et al. 2014) entwickelt und kann zur Einschätzung der Qualität der Eltern-Kind-Interaktion eingesetzt werden. Die Beurteilung basiert in der Regel auf einer Videoaufnahme von drei jeweils fünfminütigen Interaktionssequenzen, bei denen ein Kind zwischen 4 und 10 Jahren mit seiner erwachsenen Bezugsperson zunächst beim gemeinsamen Regelspiel, anschließend beim Bearbeiten/ Lösen von (Haus-) Aufgaben und zum Abschluss beim Planen eines gemeinsamen freien Tages / Nachmittages videografiert wird. Die Instruktion von Bezugsperson und Kind erfolgt dabei standardisiert (Künster et al. 2022). In der vorliegenden Untersuchung wurde lediglich eine Szene aufgenommen, nämlich das Lösen einer Aufgabe (siehe Durchführung). Die EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala orientiert sich an der dimensionalen Feinfühligkeitsskala (Ainsworth 1969), den Emotional Availability Scales (Biringen et al. 2014), dem CARE-Index (Crittenden 1979 - 2004) und der AMBIANCE-Skala (Bronfman et al. 2009 - 2014, Bronfman et al. 1992 - 2004), kombiniert diese mit der Skala elterlicher Feinfühligkeit (SeF, Ziegenhain et al. 2016) und bezieht sich auf die mittlere Kindheit. Die Interaktionsqualität auf der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala wird auf der primären Dimension (1) globale Feinfühligkeit und fünf Subdimensionen (2) intrusives, kontrollierendes, feindseliges Verhalten, (3) unresponsives Verhalten, (4) bizarres, desorientiertes Verhalten, ( 5 ) Rollenumkehr, ( 6 ) widersprüchliches Verhalten eingeschätzt. Die primäre Dimension wird zwischen null (= nicht feinfühlig) und sechs (= sehr feinfühlig) bewertet. Werte von zwei und drei würden den Bereich wenig feinfühligen Verhaltens, der Wert von vier den Wert des angemessen feinfühligen Verhaltens dokumentieren. Auch auf den Subdimensionen können Werte von null (= Verhalten kommt nicht vor) bis sechs (= Verhalten ist stark ausgeprägt) vergeben werden. Ein Wert von zwei würde auf den Subdimensionen als leicht ausgeprägtes, von vier als mittel ausgeprägtes Verhalten interpretiert werden. Den Anwender: innen der Skala steht ein Manual zur Verfügung, das sowohl die zentralen Merkmale der sechs Dimensionen ausführlich beschreibt als auch Ankerbeispiele gibt. So wird dort beispielsweise die Subdimension (2) intrusives, kontrollierendes, feindseliges Verhalten wie folgt definiert: „Zentrale Merkmale: Die Dimension intrusives, kontrollierendes und/ oder feindseliges Verhalten kommt zur Anwendung, wenn das Verhalten der erwachsenen Person das Potenzial hat auf das Kind intrusiv, übergriffig, kontrollierend, verängsti- FG (n = 30) RG (n = 25) Alter in Monaten, M (SD) a Geschlecht männlich, n (%) b Familiäre Adversität, M FAI (SD) a Mütterliche Belastung, M EBI/ T-Wert (SD) a Mütterliches Alter, M (SD) a Gestationsalter in Wochen, M (SD) c Geburtsgewicht in g, M (SD) c IQ/ WPPSI - III, M (SD) a 66.73 (4.61) 14 (47) 0.57 (.811) 53.11 (12.018) 36.29 (6.125) 29.63 (3.47)*** 1313.67 (545.38)*** 98.93 (13.3)*** 67.32 (4.68) 15 (60) 0.43 (.598) 49.45 (9.383) 36.29 (6.246) 39.52 (1.05) 3721.4 (440.9) 113.08 (10.02) Tab. 1: Charakteristika der Stichprobe Anmerkung: a = T-Test; b = Chi-Test; c = U-Test; * p < 0.05; ** p < 0.01; *** p < 0.001; IQ, n = 52 FAI = Familiy Adversity Index, EBI = Elterliches Belastungsinventar 60 FI 2/ 2025 Nina Gawehn, Frederike Fuhrmann, Nadine Hong, Jacqueline Dietzel, Dominik T. Schneider, Anne Katrin Künster gend bzw. bedrohlich zu wirken (…) unabhängig davon, ob die erwachsene Bezugsperson dies intendiert oder nicht.“ Ankerbeispiele, die im Manual genannt werden, sind u. a. „Die erwachsene Person beschimpft oder verunglimpft das Kind, beschämt es (Hohn, Spott), zeigt ihm Grimassen, streckt ihm die Zunge raus, hat einen lauten/ scharfen/ zischenden Tonfall, bedroht das Kind, schüchtert es ein oder rollt mit den Augen oder zieht die Augenbrauen bedrohlich hoch oder starrt das Kind einschüchternd an“ (Künster et al. 2022, 11). Bislang liegen für die Skala noch keine Gütekriterien vor, eine Untersuchung hinsichtlich der Validität wurde aber bereits durchgeführt und wird derzeit ausgewertet (Künster et al. in Vorbereitung). Trotz einer Fülle von Beobachtungsinstrumenten zur Einschätzung der Qualität einer Eltern-Kind-Interaktion wurde die EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala neu entwickelt, da nur wenige Instrumente für die Altersgruppen Vorschul- und Grundschulalter anwendbar sind, die Mehrzahl zielt auf Säuglinge und Kleinkinder (Mesman und Emmen 2013) ab. Die EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala verfolgt folgende Ziele: Sie soll praktikabel und (zeit-) ökonomisch in der Anwendung und intuitiv verständlich sein (Ampelfarben Grün - Gelb - Rot), eine Einschätzung der globalen Feinfühligkeit der Bezugsperson ermöglichen und bei nicht optimal feinfühligem Verhalten die Möglichkeit bieten, das Verhalten der erwachsenen Person detailliert zu beschreiben, um etwaige Interventionen darauf abstimmen zu können. Durchführung Zur Erfassung der MKI wurden die Mutter-Kind- Dyaden während der Bearbeitung einer Konstruktionsaufgabe videografiert. Die Aufgabe bestand darin, dass Mutter und Kind gemeinsam mit Holzklötzen (Kabouter Plankjes, Kapla® 4 ) verschiedene Figuren (Stuhl und Brücke) von einer DIN-A4-Abbildung nachbauen sollten. Die Videoaufnahmen wurden mithilfe der aktuellen Version der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala (Künster et al. 2022) ausgewertet. Die Untersucherin war während der Aufgabe nicht im Raum. Instruktionen und Ablauf waren standardisiert. Um eine Vergleichbarkeit der Videoaufnahmen bei unterschiedlich schnellem Konstruktionstempo zu gewährleisten, wurde darauf geachtet, dass mindestens sieben Minuten lang gebaut wurde 5 . Falls die Dyade die Aufgabe in weniger als sieben Minuten gelöst hatte, wurde eine zweite Konstruktionsaufgabe angeboten, um eine mindestens siebenminütige Spielinteraktion videografieren zu können. Auswertung Die Auswertung der Videoaufnahmen erfolgte durch zwei verschiedene, verblindete Auswerterinnen 6 . Im Rahmen der statistischen Analyse erfolgte eine Reliabilitätsanalyse der Bewertungen der beiden Auswerterinnen für jede Dimension der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala, vorgenommen durch Berechnung der Intraclass Correlation (ICC) (s. Tabelle 2). Reliabilitätsanalyse Für die primäre Dimension der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala, die globale Feinfühligkeit, ergab sich eine ICC von .915. Für die zweite Dimension (Intrusivität) zeigte sich ein ICC von .883 und für die dritte Dimension (Unresponsivität) ein ICC von .846. Die vierte Dimension (bizarr-desorientiertes Verhalten) zeigte einen ICC von .834 und für die sechste Dimension (widersprüchliches Verhalten) ergab sich ein ICC von .784. Zusätzlich ergab sich für die fünfte Dimension (Rollenumkehr) ein ICC von .722. Die Interraterreliabilität zwischen Auswerterin 1 und Auswerterin 2 kann somit als bestätigt betrachtet werden (vgl. Koo und Li 2016) 7 . 61 FI 2/ 2025 Mutter-Kind-Interaktion nach Frühgeburt Ergebnisse MKI nach Frühgeburt Deskriptiv betrachtet zeigte sich bei den Müttern der FG-Gruppe (N = 30; M = 4.067, SD = .848, Range = 2.5 - 5) eine niedrigere Ausprägung auf der primären Dimension der globalen Feinfühligkeit als bei den Müttern der RG-Gruppe (N = 25; M = 4.62, SD = .881, Range = 3 - 6). Insgesamt konnten die Mütter beider Gruppen im Rahmen der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala im Durchschnitt als angemessen feinfühlig bewertet werden. Das intrusive Verhalten war bei den Müttern der FG-Gruppe (M = 1.567, SD = 1.264, Range = 0 - 4) deskriptiv betrachtet höher als bei den Müttern der RG-Gruppe (M = 0.600, SD = .804, Range = 0 - 2.5). Ebenso war das unresponsive Verhalten der Mütter der FG-Gruppe (M = 1.283, SD = .944, Range = 0 - 3.5) höher ausgeprägt als bei den Müttern der RG-Gruppe (M = 1.080, SD = 1.115, Range = 0 - 3). Auch wenn bizarr-desorientiertes Verhalten in beiden Gruppen annähernd gar nicht vorkam, zeigten die Mütter der FG-Gruppe (M = .350, SD = .604, Range 29 = 0 - 2.5) im Mittel eine höhere Ausprägung bizarrer und desorientierter Verhaltensweisen als die Mütter der RG-Gruppe (M = .080, SD = .236, Range = 0 - 1). Auch die mittleren Ausprägungen der Skalen Rollenumkehr und widersprüchliches Verhalten wurden als weitgehend unauffällig gewertet. Hierbei war die Ausprägung an Rollenumkehr bei den Müttern in der FG-Gruppe (M = .033, SD = .183, Range = 0 - 1) etwas niedriger als bei den Müttern in der RG-Gruppe (M = .120, SD = .332, Range = 0 - 1,5) und die Mütter der FG-Gruppe (M = .100, SD = .381, Range = 0 - 2) zeigten eine niedrigere Ausprägung an widersprüchlichem Verhalten als die Mütter der RG-Gruppe (M = .140, SD = .396, Range = 0 - 1.5). In beiden Gruppen war die Normalverteilungsannahme nach dem Shapiro-Wilk-Test hinsichtlich aller sechs Dimensionen der EBT 4 - 10 ®- Interaktionsskala verletzt. Daher wurde zur Berechnung der Gruppenunterschiede bezüglich der sechs Skalen ein non-parametrischer Mann- Dimensionen der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala ICC Wert Beurteilung (Koo und Li 2016) globale Feinfühligkeit intrusives Verhalten unresponsives Verhalten bizarr-desorientiertes Verhalten Rollenumkehr widersprüchliches Verhalten .915 .883 .846 .834 .722 .784 ausgezeichnet gut gut gut moderat gut Tab. 2: Reliabilitätsanalyse der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala (Intraklassenkorrelation) Anmerkung: Interraterreliabilität nach Koo und Li (2016): unter .50 = schlecht, zwischen .5 und .75 = moderat, zwischen .75 und .9 = gut und über .9 = ausgezeichnet Dimensionen der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala FG (n = 30) RG (n = 25) p ‡ Effekt globale Feinfühligkeit, M (SD) 1 intrusives Verhalten, M (SD) 2 unresponsives Verhalten, M (SD) 2 bizarr-desorientiertes Verhalten, M (SD) 2 Rollenumkehr, M (SD) 2 widersprüchliches Verhalten, M (SD) 2 4.067 (.848) 1.567 (1.264) 1.283 (.944) 0.35 (.604) 0.033 (.183) 0.10 (.381) 4.62 (.881) 0.60 (.804) 1.08 (1.115) 0.08 (.236) 0.12 (.332) 0.14 (.396) < 0.1 < 0.01 ns < 0.05 ns ns r = -.404 r = -.144 Tab. 3: Ratings auf den Dimensionen der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala (M, SD) für Früh- (FG) & Reifgeborene (RG) Anmerkung: 1 6 - 0, wobei 6 = sehr feinfühlig und 0 = überhaupt nicht feinfühlig; 2 0 - 6, wobei 0 = kommt nicht vor und 6 = stark ausgeprägt; ‡ = Mann-Whitney-U-Test 62 FI 2/ 2025 Nina Gawehn, Frederike Fuhrmann, Nadine Hong, Jacqueline Dietzel, Dominik T. Schneider, Anne Katrin Künster Whitney-U-Test durchgeführt. Eine Alpha-Fehlerkorrektur erfolgte aufgrund des explorativen Charakters der Untersuchung nicht. Es zeigte sich ein marginaler Unterschied zwischen den Müttern der FG-Gruppe (Mdn = 4) und der RG-Gruppe (Mdn = 4.5) hinsichtlich der Feinfühligkeit (Skala 1), U = 270.5; Z = -1.820, p = .069. Bezüglich Intrusivität (Skala 2) zeigten die Mütter der FG-Gruppe (Mdn = 1.5) eine signifikant höhere Ausprägung intrusiver Verhaltensweisen als die Mütter der RG-Gruppe (Mdn = 0), U = 204; Z = -2.993, p = .003, r = -.404. Nach Cohen (1988) handelt es sich um eine mittlere Effektstärke. Bei Skala 3 (Unresponsivität) zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Ausprägung zwischen den Müttern der FG- Gruppe (Mdn = 1) und der RG-Gruppe (Mdn = 1), U = 316.5; Z = -1.005, p = .315. Bezüglich der vierten Skala (bizarr-desorientiertes Verhalten) zeigten die Mütter der FG-Gruppe (Mdn = 0) hingegen signifikant mehr bizarre und desorientierende Verhaltensweisen als die Mütter der RG-Gruppe (Mdn = 0), U = 288.5; Z = -1.66, p = .049. Hinsichtlich der Rollenumkehr (Skala 5) konnten keine Gruppenunterschiede festgestellt werden (FG-Gruppe Mdn = 0 und RG- Gruppe Mdn = 0, U = 328.5; Z = -1,576, p = .115). Das Gleiche gilt für widersprüchliche Verhaltensweisen (Skala 6; FG-Gruppe Mdn = 0 und RG-Gruppe Mdn = 0, U = 366; Z = -.281, p = .779). Diskussion In der vorliegenden Studie wurde anhand der neuen EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala (Künster et al. 2022) die Qualität der MKI früh- und reifgeborener Vorschulkinder untersucht. Eine Besonderheit lag dabei auf der Untersuchung von atypischem Elternverhalten in der MKI, da dieses sich in anderen Untersuchungen als Prädiktor für unsichere und desorganisierte Bindung herausstellte (Goldberg et al. 2003, Kelly et al. 2005, Madigan et al. 2006) und im Zusammenhang mit der Entwicklung nach Frühgeburt bislang noch kaum diskutiert wurde. Die Ergebnisse deuten für Mütter Frühgeborener im Vergleich zu Müttern Reifgeborener auf der Skala globaler Feinfühligkeit auf tendenziell niedrigere Werte hin. Dieses Ergebnis ist konsistent mit anderen Studien, die ebenfalls eine geringere mütterliche Feinfühligkeit nach Frühgeburt als nach Reifgeburt beschrieben haben (z. B. Zengin Akkus et al. 2020, Muller-Nix et al. 2004). 6 5 4 3 2 1 0 globale intrusives unresponsives bizarr-desorien- Rollenwidersprüchliches Feinfühligkeit Verhalten Verhalten tiertes Verhalten umkehr Verhalten n FG (n = 30) n RG (n = 25) Abb. 1: Grafische Darstellung der mittleren Bewertungen auf jeder Dimension der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala für FG- und RG-Dyaden. Für die globale Feinfühligkeit gilt: 6 = sehr feinfühlig bis 0 = überhaupt nicht feinfühlig, für die anderen Skalen gilt: 0 = kommt nicht vor bis 6 = stark ausgeprägt. 63 FI 2/ 2025 Mutter-Kind-Interaktion nach Frühgeburt Die Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass Mütter frühgeborener Vorschulkinder eine signifikant höhere Ausprägung sowohl von intrusivem als auch bizarr-desorientiertem Verhalten als Dimensionen atypischen Elternverhaltens in der Interaktion mit ihren Kindern aufweisen als Mütter reifgeborener Kinder. Hinsichtlich der anderen Aspekte atypischen Elternverhaltens, nämlich Unresponsivität, Rollenumkehr und widersprüchliches Verhalten, zeigten sich dagegen keine signifikanten Unterschiede in Abhängigkeit vom kindlichen Geburtsstatus. Die Unterschiede in der Ausprägung des intrusiven Verhaltens decken sich auch unter Nutzung der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala mit den Ergebnissen der Studien, welche mit anderen Methoden in frühgeborenen Dyaden im Vergleich zu reifgeborenen Dyaden intrusiveres und häufiger kontrollierendes Verhalten nach Frühgeburt nachweisen konnten (Agostini et al. 2014, Dietzel et al. 2023, Feldmann und Eidelman 2007, Forcada- Guex et al. 2006, Korja et al. 2012, Muller-Nix et al. 2004). Das war vor allem der Fall, wenn die Kinder extrem oder sehr frühgeboren waren und die Mütter traumatischen Stress im Rahmen der Frühgeburt erlebt hatten (Muller- Nix et al. 2004, Forcada-Guex et al. 2011). Intrusives Elternverhalten wie Kontrolle und Protektion könnten somit als Folge des elterlichen Erlebens von Angst und Stress im Zusammenhang mit der Frühgeburt zu verstehen sein. Elterliche Intrusivität kann mit negativen Folgen für Entwicklung von Autonomie, Selbstvertrauen, Selbstregulation und Selbstwirksamkeit (Clark et al. 2008, Feldmann 2007) in Zusammenhang gebracht werden. Auch wird beschrieben, dass höhere mütterliche Intrusivität auf der Seite des Kindes mit geringerer Inhibitionskompetenz, schwächeren expressiveren kommunikativen Kompetenzen und mehr Problemen im sozialen Bereich und im Verhalten einhergehen kann (Clincy und Mills-Koonce 2013, Egeland et al. 1993, Ispa et al. 2004). Bedenkt man welche Entwicklungsaufgaben sich im Vorschulalter während der Transition zur schulischen Bildung stellen, könnte elterliche Intrusivität somit ein bedeutsames Entwicklungsrisiko für Kinder im Vorschulalter darstellen. Konträr diskutiert wird aber auch eine mögliche kompensatorische Funktion von intrusiverem Elternverhalten für die kindliche Entwicklung nach Frühgeburt (Hartzell et al. 2023, Wolke et al. 2019). So zeigten einige Arbeiten, dass Intrusion sich nicht zwingend nachteilig auswirken muss, sondern auch mit besserer Daueraufmerksamkeit im Alter von zwei Jahren und besseren kognitiven Outcomes assoziiert sein kann (Wijnrocks et al. 1998). Jaekel et al. (2012) und Eryigit Madzwamuse et al. (2015) beschrieben, dass die Unterschiede im Elternverhalten zwischen Eltern Früh- und Reifgeborener nicht mehr vorhanden waren, wenn der kindliche kognitive Entwicklungsstand als Kontrollvariable in die Analyse einbezogen wurde. Ein Befund, der so interpretiert wurde, dass Intrusion eine komplementäre Verhaltensantwort auf besondere kindliche Entwicklungsbedürfnisse darstellen könnte. Dietzel et al. (2023) gehen dagegen nicht davon aus, dass Eltern aufgrund geringerer kognitiver Leistungsfähigkeit ihrer Kinder höhere Werte auf der Intrusivitätsskala der EAS (Biringen et al. 2014) erreichten. Ihre Studie zeigte, dass das intrusivere Verhalten von Eltern Frühgeborener im Vergleich zu Eltern Reifgeborener auch weiterhin vorhanden war, wenn der IQ kontrolliert wurde. Unsere Arbeit stützt - unter Anwendung einer anderen Beurteilungsmethode - insofern die Ergebnisse von Dietzel et al. (2023), als dass auch in unserer Untersuchung Frühgeborene mit starker Entwicklungsbeeinträchtigung (u. a. IQ < 71) aus der Untersuchung ausgeschlossen waren. Intrusivität lag also auch im Elternverhalten vor, wenn die Frühgeborenen keine schwerere kognitive Beeinträchtigung aufwiesen. Hinsichtlich der höheren Ausprägung des bizarr-desorientierten Verhaltens der Mütter der Frühgeborenen fällt auf, dass die Mütter lediglich die Auffälligkeit „Flüstern“ in der Inter- 64 FI 2/ 2025 Nina Gawehn, Frederike Fuhrmann, Nadine Hong, Jacqueline Dietzel, Dominik T. Schneider, Anne Katrin Künster aktion zeigten. Dies ist ein Item aus der Kategorie „Sprechen mit bizarren Stimmen“ (Künster et al. 2022). Die weiteren Verhaltensbeispiele für bizarr-desorientiertes Verhalten, welche im Manual beschrieben werden, kamen nicht vor. Außerdem kann die durchschnittliche Ausprägung des bizarr-desorientierten Verhaltens in der Frühgeborenen-Gruppe nur als minimal interpretiert werden. Dies erschwert die Interpretation der Bedeutung des vorliegenden Gruppenunterschiedes, welcher demnach zurückhaltend interpretiert werden sollte. Grundsätzlich ist es aber denkbar, dass das Flüstern mütterliche Ängstlichkeit oder Verunsicherung in der Untersuchungssituation widerspiegelt, welche als verängstigend für das Kind oder als Widerspiegelung der Verängstigung des Elternteils die Co-Regulation kindlicher Bedürfnisse in der Untersuchungssituation einschränken kann und als eher ungünstig für die Entwicklung zu bewerten ist (Main und Hesse 1990). Ein Mehrwert der vorgelegten Untersuchung ergibt sich aus dem Alter der untersuchten Kinder. So wurden in der vorliegenden Studie Kinder im Vorschulalter untersucht (M = 67.08 Monate), während in den meisten Untersuchungen zu Auswirkungen der Frühgeburt auf die Eltern-Kind-Interaktion Kinder bis zum Alter von zwei Jahren untersucht wurden. In diesem Zusammenhang wurde diskutiert, dass Unterschiede in der MKI direkt nach der Geburt am höchsten seien und vor allem bei Müttern, die traumatischen Stress in der Schwangerschaft erlebt oder ein Frühgeborenes mit hohen Risiken geboren hatten, nachgewiesen werden könnten (Muller-Nix et al. 2004, Korja et al. 2012, Forcada-Guex et al. 2011), und dass diese Auffälligkeiten im Interaktionsverhalten wieder abnehmen würden, wenn die Mütter sich von dem Stress und der Erfahrung der frühen Geburt erholt hätten und erleben würden, dass sich ihr Frühgeborenes gut entwickele (Korja et al. 2012). In der hier vorliegenden Untersuchung zeigt sich jedoch in Übereinstimmung mit Dietzel et al. 2023, Lilienfeld et al. 2012 und Potharst et al., 2012, dass auch noch im Vorschulalter in einer relativ unauffälligen Stichprobe Besonderheiten im Interaktionsverhalten von Müttern frühgeborener Kinder bestehen können. Als die Befunde einschränkend müssen Limitationen der vorliegenden Studie beachtet werden. Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden Videoaufnahmen von lediglich 55 Kindern und ihren Müttern analysiert, 30 Kinder waren früh- und 25 Kinder reifgeboren. Zusätzlich wies die Gruppe der Frühgeborenen eine heterogene Verteilung bezüglich des Gestationsalters und Gestationsgewichts auf. So setzte sich die Gruppe aus sehr unreifen, unreifen und moderat bis spät Frühgeborenen zusammen. Aufgrund der kleinen Untersuchungsgruppe wurde im Rahmen der Analysen nicht zwischen diesen Subgruppen unterschieden. Gleichermaßen eine Stärke der vorliegenden Studie als auch eine Limitation liegt in der Verwendung der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala (Künster et al. 2022), um das Elternverhalten zu erfassen. Es handelt sich dabei um ein neues Verfahren, das derzeit im Rahmen einer anderen Untersuchung hinsichtlich seiner Testgütekriterien untersucht wird (Künster et al. in Vorbereitung). In der vorliegenden Studie zeigte sich mit Ausnahme der Dimension Rollenumkehr, welche eine moderate Interraterreliabilität aufwies, auf allen Dimensionen der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala eine gute bis ausgezeichnete Interraterreliabilität. Die Auswertungsobjektivität kann daher als gegeben angesehen werden. Weitere Daten hinsichtlich der Testgüte liegen bislang noch nicht vor, jedoch bietet die vorliegende Studie einen wichtigen Grundstein für den Einsatz der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala im wissenschaftlichen Kontext. Die Skala wurde in dieser Studie zum ersten Mal im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit eingesetzt und ermöglichte eine detaillierte Beschreibung des elterlichen Interaktionsverhaltens. 65 FI 2/ 2025 Mutter-Kind-Interaktion nach Frühgeburt Vor dem Hintergrund der vorliegenden Untersuchung ergeben sich verschiedene Ansatzpunkte für zukünftige Untersuchungen. Eine gleichzeitige Erfassung von MKI und Bindungssicherheit der Kinder würde es ermöglichen, den Zusammenhang von atypischem Elternverhalten und Bindungssicherheit nach Frühgeburt direkt zu untersuchen. Zusätzlich würde dies weitere Informationen zur Persistenz einer unsicheren oder desorganisierten Bindungsentwicklung im Vorschulalter liefern. Zusätzlich können gesundheitliche und neurologische Beeinträchtigungen der Kinder sowie weitere moderierende Faktoren (sozioökonomischer Status, familiäre Belastung, psychische Gesundheit und Bindungsrepräsentation der Eltern) differenzierter in die Analyse einbezogen werden. Auch eine Untersuchung der Vater-Kind-Interaktion kann bedeutsame neue Informationen dazu liefern, welche Interaktionsbesonderheiten nach Frühgeburt in Vater-Kind-Populationen vorliegen und wie Väter den Stressor Frühgeburt bewältigen. Größere Untersuchungsgruppen würden eine Subgruppen-Unterteilung der Frühgeborenen ermöglichen, um Erkenntnisse zu gewinnen, welche Frühgeborenen-Gruppen ggfs. besonders vulnerabel für Abweichungen in der Eltern-Kind-Interaktion und somit Zielgruppe für Prävention und Interventionen nach dem Modell Entwicklungspsychologischer Beratung (Gloger-Tippelt et al. 2014, Ziegenhain et al. 2004) sein könnten. Relevanz der Untersuchung und praktische Implikationen Auffälligkeiten in der MKI, insbesondere Intrusivität, können nach einer Frühgeburt noch im Vorschulalter nachgewiesen werden. Die Erfassung der globalen elterlichen Feinfühligkeit inkl. des Vorliegens von atypischem Elternverhalten auch nach dem Säuglings- und Kleinkindalter zu späteren Entwicklungszeitpunkten in die Frühgeborenen-Nachsorge einzubeziehen, kann einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Mutter-Kind-Interaktion leisten. Die EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala kann als ökonomisch einsetzbares, reliables Verfahren zur Erfassung elterlicher Feinfühligkeit und atypischer Dimensionen von Elternverhalten nach Frühgeburt und auch in anderen Frühförderkontexten eingesetzt werden, um die Aspekte der MKI zu identifizieren, die sich hinderlich auf die kindliche Entwicklung auswirken könnten. Anmerkungen 1 Ref.-Nr: 135 2 Die vorliegende Ausgangsstichprobe bildete auch die Grundlage für die Arbeit von Dietzel et al. (2023). 3 Die Anwendung der Skala kann im Rahmen der 16-tägigen Weiterbildung Entwicklungspsychologische Beratung und Therapie für Familien mit Kindern von 4 bis 10 Jahren (EBT 4 - 10 ®) erlernt werden. Eine Reliabilitätsprüfung erfolgt dabei nicht. 4 Bei den Kapla®-Blöcken handelte es sich um Holzblöcke aus Pinienholz mit einheitlichen Abmessungen von 117 mm Länge, 23,4 mm Breite und 7,8 mm Höhe 5 Instruktion: „Bei dieser Aufgabe möchte ich Sie beide circa sieben Minuten lang filmen. Falls Sie nach der Aufnahme unzufrieden sind, können Sie das sagen und wir löschen die Aufnahme wieder. Ich fange schon mal an zu filmen, damit wir uns an die Situation gewöhnen können. Ich weiß, dass eine laufende Kamera sich komisch anfühlen kann. Versuchen Sie trotzdem, sich so normal wie möglich zu verhalten und sich nicht von der Kamera ablenken zu lassen. Alles okay? Dann erkläre ich jetzt die Aufgabe. Wir möchten Sie und X (Name des Kindes einsetzen) bitten, jetzt mit diesen Bauklötzen zu spielen. Es geht darum, dieses Bild (Bild zeigen) mit diesen Klötzen (Kapla®-Blöcke zeigen) nachzubauen. Sie müssen das Bild nicht komplett nachbauen. Fangen Sie einfach an und wir schauen, wie weit Sie kommen. (An die Bezugsperson gerichtet: „Sie dürfen X (Namen des Kindes einsetzen) helfen, so wie Sie es normalerweise auch tun würden.“ An beide gerichtet: „Jetzt geht´s los! “ Nach dem Film: „Ist es in Ordnung, wenn wir diese Aufgabe mitnehmen? “ (Vetterlein, 2017, S. 47). 66 FI 2/ 2025 Nina Gawehn, Frederike Fuhrmann, Nadine Hong, Jacqueline Dietzel, Dominik T. Schneider, Anne Katrin Künster 6 Beide Auswerterinnen gehörten zum Studien- und Autor: innenteam, waren geschult in der Nutzung der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala, waren jedoch blind bezüglich der Gruppenzugehörigkeit der Kinder und an der Datenerhebung und Videografie nicht beteiligt. Auswerterin 2 war eine erfahrene Auswerterin, die auch Teil des Autor: innenteams der EBT 4 - 10 ®-Interaktionsskala war. 7 Da die Interpretation der Werte eine gute Übereinstimmung der Ratings zeigt, wurde für jede Dimension, für die zwei Ratings pro Proband vorlagen, das arithmetische Mittel aus den Urteilen beider Auswerterinnen berechnet. Prof. Dr. Nina Gawehn Hochschule Bochum/ Gesundheitscampus Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften (PHT) Gesundheitscampus 6 - 8 44801 Bochum E-Mail: nina.gawehn@hs-gesundheit.de Dr. Anne Katrin Künster Institut Kindheit und Entwicklung Herrenweg 10 D-89079 Ulm Tel.: +49 - 73 05 - 9 39 38 66 E-Mail: kuenster@institut-ke.de Literatur Agostini, F., Neri, E., Dellabartola, S., Biasini, A., Monti, F. (2014): Early interactive behaviors in preterm infants and their mothers: Influences of maternal depressive symptomatology and neonatal birth weight. Infants Behavior and Development 37 (1), 86 - 93, https: / / doi.org/ 10.1016/ j.infbeh.2013.12.003 Ainsworth, M. D. S. (1969): Maternal care scales. Unpublished manuscript. Retrievable as Maternal Sensitivity Scales. In: https: / / www.psychology.sunysb. edu/ attachment/ pdf/ mda_sens_coop.pdf; 8. 1. 2025 Ainsworth, M. D., Bell, S. M., Stayton, D. J. (1972): Individual Differences in the Development of some Attachment Behaviors. 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