Frühförderung interdisziplinär
1
0721-9121
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/fi2025.art22d
1_044_2025_4/1_044_2025_4.pdf101
2025
444
Fachkonzepte aus Therapie und Förderung: SPELL Framework - ein strukturgebendes Rahmenkonzept zur Gestaltung von frühen Interventionen und Umgebungen für autistische Kinder
101
2025
Melika Ahmetovic
Richard Mills
Autismus wird zunehmend als eine natürliche Variante neurobiologischer Entwicklung verstanden. Dieser Paradigmenwechsel, weg von defizit-orientierten Modellen hin zu einer Perspektive, die Neurodiversität wertschätzt, hat weitreichende Konsequenzen für frühkindliche Bildung und Intervention. Der vorliegende Beitrag stellt das SPELL-Framework vor: Struktur (Structure), positive Herangehensweisen und Erwartungen (Positive approaches and expectations), Empathie (Empathy), ein niedriges Erregungsniveau (Low arousal) und Beziehungen (Links). Dieses praxis-orientierte Modell bietet einen respektvollen, wertebasierten Ansatz zur individuellen Gestaltung von Unterstützungsangeboten für autistische Kinder. SPELL lässt sich flexibel an unterschiedliche Kontexte und Kulturen anpassen und unterstützt Fachkräfte dabei, theoretische Konzepte wirksam in die Praxis zu überführen.
1_044_2025_4_0006
FACHKONZEPTE AUS THERAPIE UND FÖRDERUNG SPELL Framework - ein strukturgebendes Rahmenkonzept zur Gestaltung von frühen Interventionen und Umgebungen für autistische Kinder Melika Ahmetovic, Richard Mills Abstract Autismus wird zunehmend als eine natürliche Variante neurobiologischer Entwicklung verstanden. Dieser Paradigmenwechsel, weg von defizitorientierten Modellen hin zu einer Perspektive, die Neurodiversität wertschätzt, hat weitreichende Konsequenzen für frühkindliche Bildung und Intervention. Der vorliegende Beitrag stellt das SPELL-Framework vor: Struktur (Structure), positive Herangehensweisen und Erwartungen (Positive approaches and expectations), Empathie (Empathy), ein niedriges Erregungsniveau (Low arousal) und Beziehungen (Links). Dieses praxisorientierte Modell bietet einen respektvollen, wertebasierten Ansatz zur individuellen Gestaltung von Unterstützungsangeboten für autistische Kinder. SPELL lässt sich flexibel an unterschiedliche Kontexte und Kulturen anpassen und unterstützt Fachkräfte dabei, theoretische Konzepte wirksam in die Praxis zu überführen. Einleitung Autismus stellt aus medizinischer Sicht eine neuronale Entwicklungsstörung dar, die sich durch anhaltende Unterschiede in der Informationsverarbeitung, der sozialen Kommunikation und Interaktion sowie durch repetitive, stereotype Verhaltensweisen und Interessen manifestiert (Ahmetovic/ Schubert 2025). Mit einer globalen Prävalenz von etwa 1 % (Zeidan et al. 2022) wird Autismus zunehmend als Spektrum verstanden, das vielfältige kognitive, emotionale und adaptive Merkmale umfasst. Die langjährige dominierende defizitorientierte Sichtweise von Autismus als Störung hat Forschung und Praxis über Jahrzehnte hinweg geprägt. In den letzten Jahren fordern zunehmend Fachpersonen und Mitglieder der autistischen Community einen Perspektivwechsel: Autismus soll nicht länger primär als pathologische Abweichung, sondern als natürliche neurobiologische Variante menschlicher Entwicklung verstanden werden. Diese veränderte Sichtweise hat grundlegende Implikationen für Fragen der Unterstützung und Intervention. Wird Autismus im medizinischen Sinne als Krankheit verstanden, liegt der Fokus meist auf Heilung oder Therapie. Erfolgt hingegen eine Einordnung als Behinderung, stehen Maßnahmen zur Schaffung von Barrierefreiheit und zum Nachteilsausgleich im Vordergrund. Wird Autismus hingegen als Ausdruck neurologischer Diversität verstanden, rückt die Anerkennung menschlicher Vielfalt in den Vordergrund. In diesem Fall geht es darum, gesellschaftliche Bedingungen zu schaffen, die Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe ermöglichen (Cascio 2020, Eyal et al. 2014). Diese Auffassung wird durch neurowissenschaftliche Befunde gestützt: Autistische Gehirne unterscheiden sich strukturell und funktional von neurotypischen, ohne dass diese Unterschiede als krankhaft gewertet werden müssen (Tang et al. 2014). Vielmehr können sie als individuelle, adaptive Varianten innerhalb des Spektrums menschlicher Entwicklung verstanden werden (Johnson 2017). Auf dieser Grundlage entstehen inklusive, stärkenorientierte Ansätze, die über defizitorientierte Konzepte hinausgehen und zur Förderung von Autonomie und 181 Frühförderung interdisziplinär, 44.-Jg., S.-181 - 190 (2025) DOI 10.2378/ fi2025.art22d © Ernst Reinhardt Verlag 182 FI 4/ 2025 Fachkonzepte aus Therapie und Förderung gesellschaftlicher Teilhabe beitragen (Ahmetovic/ Schubert 2025). Autistische Kinder zeigen häufig besondere kognitive und sensorische Stärken, darunter ein ausgeprägtes Detailgedächtnis, hohe Mustererkennungsfähigkeiten, visuell-analytisches Denken, sensorische Sensibilität sowie ein starkes Gerechtigkeitsempfinden. Diese Potenziale stehen in einem komplexen Wechselverhältnis zu den Herausforderungen, denen sie im Alltag begegnen. Viele erleben soziale Ausgrenzung, Mobbing oder chronischen Stress und sind dadurch einem erhöhten Risiko für psychische Belastungen wie Angststörungen, Depressionen oder Essstörungen ausgesetzt (Rynkiewicz/ Łucka 2018). Um die Entwicklung autistischer Kinder nachhaltig zu fördern, sind frühzeitige und bedarfsgerechte Interventionen von zentraler Bedeutung. Neben der Stärkung individueller Ressourcen zielen diese darauf ab, psychischen Belastungen vorzubeugen und soziale Teilhabe zu ermöglichen. Voraussetzung dafür sind Lern- und Lebensumfelder, die sich flexibel an neurodivergente Bedürfnisse anpassen. Dazu zählen reizarme Rahmenbedingungen, verlässliche Strukturen und Routinen, eine wertschätzende pädagogische Haltung sowie der Zugang zu unterstützenden Angeboten wie Sprach- oder Ergotherapie. Entscheidend ist zudem eine enge Kooperation zwischen Familien, Fachkräften und Bildungsinstitutionen. Ein differenziertes Verständnis von Autismus berücksichtigt diese Wechselwirkungen und baut systematisch auf den individuellen Stärken und Interessen jedes Kindes auf. Ein solcher Ansatz stärkt nicht nur Selbstwirksamkeit und Autonomie, sondern verbessert langfristig auch die Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe und Lebensqualität (Linley/ Joseph 2011, Lopez et al. 2018). Als praxisorientiertes Rahmenmodell bietet das SPELL-Framework (Structure, Positive Approaches and Expectations, Empathy, Low Arousal, Links) eine strukturierte Grundlage für förderliche Umgebungen. Es orientiert sich an den realen Lebenswelten autistischer Kinder und betont die Bedeutung von Verlässlichkeit, Empathie und beziehungsbasierter Unterstützung. Damit das Modell wirksam umgesetzt werden kann, ist ein tiefgehendes Verständnis seiner Grundprinzipien erforderlich. Dieser Beitrag untersucht die theoretischen Grundlagen und praktischen Einsatzmöglichkeiten des SPELL-Frameworks im Kontext früher Förderung. Aufbauend auf neurowissenschaftlichen, bildungspsychologischen und neurodiversitätstheoretischen Erkenntnissen wird gezeigt, wie das Modell zur Stärkung psychischer Gesundheit, zur Förderung von Autonomie und zur Ermöglichung inklusiver Teilhabe beitragen kann. Ziel ist es, Impulse für einen bildungspolitischen und gesellschaftlichen Wandel zu setzen, der neurodivergente Perspektiven ernst nimmt und Strukturen schafft, in denen autistische Kinder nachhaltig unterstützt werden. Das SPELL-Framework: Ein dynamisches Modell für autismusfreundliche Umgebungen Das SPELL-Framework wurde Anfang der 1990er- Jahre von der britischen National Autistic Society (NAS) entwickelt. Es stellt keine spezifische Intervention dar, sondern einen praxisorientierten, ethisch fundierten Bezugsrahmen zur Gestaltung von Lebens- und Lernumgebungen, die auf die Bedürfnisse autistischer Menschen abgestimmt sind (Beadle-Brown/ Mills 2018). Dabei werden sowohl individuelle Stärken als auch spezifische Herausforderungen anerkannt. Die Erstveröffentlichung des Konzepts im Jahr 2001 basierte auf einer engen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Praxis und der autistischen Community. Zu den zentralen Mitwirkenden zählen unter anderem John Clements, Mike Collins, Judith Gould, Richard Mills, Chris Atkins, Joe Powell, Julie Beadle-Brown, Stephanie Robinson und Lorna Wing. Seither wurde das Modell mehrfach weiterentwi- 183 FI 4/ 2025 Fachkonzepte aus Therapie und Förderung ckelt, zuletzt in den Jahren 2011 und 2022, jeweils unter Einbezug aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen. Gegründet auf den Prinzipien von Respekt, Teilhabe und Inklusion verbindet SPELL pädagogische Konzepte mit ethischen Leitlinien zu einem ganzheitlichen Ansatz. Parallelen lassen sich unter anderem zur Montessori-Pädagogik erkennen, etwa in der Betonung einer vorbereiteten Umgebung, die individuelle Entwicklung unterstützt. Zugleich greift das Framework das aristotelische Prinzip der „Goldenen Mitte“ auf, das auf ausgewogene, reflektierte Reaktionen im Umgang mit menschlicher Vielfalt zielt. Zentral ist die Ablehnung jeglicher Praktiken, die auf Anpassung oder Unterdrückung autistischer Merkmale abzielen. Stattdessen werden autistische Ausdrucksformen als bedeutsame Bestandteile der Persönlichkeit anerkannt und aktiv gestärkt. Die fünf Kernprinzipien des SPELL-Frameworks sind offen und flexibel gestaltet, sodass sie in unterschiedlichen kulturellen und institutionellen Kontexten anwendbar bleiben. Sie basieren auf universellen Werten und auf der Anerkennung zwischenmenschlicher Beziehungen als Fundament unterstützender Umgebungen. SPELL fördert damit nicht nur das Verständnis für autistische Lebenswelten, sondern liefert praxisnahe Leitlinien zur Schaffung entwicklungsförderlicher Rahmenbedingungen (Beadle-Brown/ Mills 2018). Das „ABC“ von SPELL: Acceptance, Belonging, Connection Im Zentrum des SPELL-Frameworks steht ein praxisnahes Strukturmodell, das sich entlang dreier konzeptioneller Grundpfeiler gliedern lässt: Acceptance (Akzeptanz), Belonging (Zugehörigkeit) und Connection (Verbundenheit) - dargestellt als das „ABC“ des Frameworks (Abbildung 1). Akzeptanz bezieht sich auf die bedingungslose Anerkennung autistischer Personen in ihrer individuellen Ausdrucksform, ohne normierende Erwartungen an Veränderung oder Anpassung an deren Identität zu stellen. Zugehörigkeit zielt auf die Förderung sozialer Einbindung und positiver Erfahrungen innerhalb von Gruppen. Verbundenheit verweist auf die Relevanz authentischer, empathiebasierter Beziehungen, die gegenseitiges Verstehen ermöglichen. Das Framework richtet sich bewusst gegen pathologisierende Sichtweisen und fördert eine ressourcenorientierte Perspektive auf Autismus. Es stellt nicht primär Defizite oder Belastungen, sondern die Frage in den Mittelpunkt: Welche Bedingungen ermöglichen Wohlbefinden, Selbstbestimmung und individuelle Entwicklung? Diese Haltung erfordert auch von pädagogischen und gesellschaftlichen Strukturen eine grundlegende Neuausrichtung. Es geht um mehr als das Vermeiden von Leid, sondern um die aktive Ge- Abb. 1: Das „ABC“ von SPELL (eigene Darstellung der Autor: innen) • Policies • Procedures • Application • Infrastructure • People • Facilities • Training • Ethos • Ideas • Acceptance • Belonging • Connection Autism as Identity; Reduction of disabling effects; Enhanced image and self-esteem Quality of life; Opportunity; Removal of barriers and stigma Understanding; Listening, Support DELIVERY INPUTS PROCESS 184 FI 4/ 2025 Fachkonzepte aus Therapie und Förderung staltung von Umgebungen, in denen autistische Menschen sich entfalten und als gleichberechtigt teilhaben können. Empirische Studien zeigen, dass die Lebensqualität autistischer Menschen weniger vom kognitiven Funktionsniveau oder der Schwere der Diagnose abhängt als von der Passung zwischen Person und Umwelt, insbesondere von zugänglicher, verlässlicher und bedarfsgerechter Unterstützung (Renty/ Roeyers 2006, van Heijst/ Geurts 2015). Das SPELL-Framework bietet hierfür einen konzeptionellen Bezugsrahmen, um unterstützende Kontexte systematisch zu gestalten. In Anlehnung an die Konzepte der Positiven Psychologie plädiert SPELL für eine Förderung des psychischen Aufblühens („Flourishing“) - einer Entwicklung, die über die bloße Abwesenheit von Problemen hinausgeht (Seligman 1998). Positive Emotionen wie Freude, Neugier und Zufriedenheit gelten dabei als Schutzfaktoren, insbesondere angesichts der häufig erhöhten Stressbelastung durch sensorische Empfindlichkeit (Harrold et al. 2024, Morgan 2019), soziale Ausgrenzung (Shao et al. 2024) und strukturelle Barrieren (Morgan 2019). Ein weiterer zentraler Aspekt des Frameworks ist die konsequente Einbeziehung und Mitbestimmung autistischer Personen. Die aktive Mitwirkung autistischer Personen wird in der internationalen Fachliteratur als „life enrichers“ diskutiert (Schalock et al. 2000, zit. n. Beadle-Brown/ Murphy 2016). Auch die UN-Kinderrechtskonvention (Artikel 12) betont das Recht von Kindern auf Mitbestimmung in allen sie betreffenden Angelegenheiten. Lundy (2007) konkretisiert dieses Beteiligungsrecht anhand vier zentraler Dimensionen: ◾ Space: Zugang zu geeigneten Kontexten für eigene Meinungsäußerung ◾ Voice: Unterstützung individueller Ausdrucksformen ◾ Audience: Gewährleistung, dass Sichtweisen gehört werden ◾ Influence: Einfluss auf Entscheidungen, die das eigene Leben betreffen Das SPELL-Framework verankert diese vier Dimensionen in seinem Verständnis von gelingender Unterstützung. Empathie, emotionale Sicherheit und individualisierte Begleitung werden nicht als optionale Ergänzungen verstanden, sondern als unverzichtbare Bestandteile eines ethisch verantwortungsvollen Umgangs mit neurologischer Vielfalt. Kernprinzipien des SPELL-Frameworks Das SPELL-Framework basiert auf fünf miteinander verknüpften Leitprinzipien (Abbildung 2), die zusammen ein praxisorientiertes, evidenzbasiertes Modell für die Gestaltung unterstützender Umgebungen für autistische Menschen bilden. Diese Prinzipien sind nicht als starre Vorgaben zu verstehen, sondern als flexibel anpassbare Orientierungshilfen, die sowohl auf individueller als auch auf systemischer Ebene angewendet werden können. Abb. 2 : Kernprinzipien des SPELL-Frameworks (eigene Darstellung der Autor: innen) Links (Verbindungen Nachvollziehbarkeit) Positive Haltung Einstellungen Erwartungen Low arousal Reizarm Struktur Empathie SPELL 185 FI 4/ 2025 Fachkonzepte aus Therapie und Förderung 1. Struktur Vorhersehbarkeit ohne Starrheit; Autonomie durch Klarheit Struktur schafft Klarheit, Vorhersehbarkeit und Kohärenz, Bedingungen, die grundsätzlich entwicklungsförderlich sind, für autistische Personen jedoch besonders bedeutsam sind, da sie oft in unbekannten oder mehrdeutigen Situationen ein erhöhtes Maß an Angst erleben. Laut dem Skilled Intentionality Framework (SIF) sind autistische Kinder besonders empfindlich gegenüber Unsicherheiten in sozialen und sensorischen Kontexten. Die Predictive-Processing-Theorie legt nahe, dass sie sensorische Reize mit besonders hoher Präzision verarbeiten (Nešić 2024, Van de Cruys et al. 2014), was dazu führen kann, dass die Welt unvorhersehbarer erscheint, und damit stabile, klar strukturierte Umgebungen umso wichtiger macht. Struktur dient daher nicht nur der Orientierung, sondern auch als präventive Ressource zur Reduktion kognitiver und emotionaler Belastung. In frühkindlichen Bildungskontexten bewähren sich konsistente, aber flexible Strukturen, weil sie Selbstständigkeit, emotionale Regulation und lernförderliche Sicherheit ermöglichen, insbesondere durch klar kommunizierte Übergänge, visuelle Hilfsmittel und vorhersehbare Abläufe (Beadle-Brown/ Mills 2018, Milton et al. 2017). Struktur fördert auch Autonomie, da sie die Notwendigkeit ständiger verbaler Anleitungen reduziert und Kindern ermöglicht, sich selbstständiger zu bewegen. Entscheidend ist jedoch, dass Struktur individualisiert und gemeinsam mit Familien gestaltet wird. 2. Positive Haltungen und Erwartungen Stärken erkennen und feiern; Kompetenzen voraussetzen Dieses Prinzip rückt die Anerkennung individueller Potenziale in den Mittelpunkt. Eine ressourcenorientierte Haltung, die Interessen, Stärken und intrinsische Motivation berücksichtigt, stärkt das Selbstbild, die Resilienz und die Lernbereitschaft (Seligman 2011, Joseph/ Wood 2010). Positive Erwartungen wirken nicht normierend, sondern schaffen Entwicklungsspielräume. Gleichzeitig erfordert dies ein differenziertes Verständnis: Gute sprachliche Fähigkeiten können soziale oder emotionale Schwierigkeiten überdecken; eingeschränkte Ausdrucksfähigkeit kann vorhandene Kompetenzen verdecken. Diagnostik und pädagogische Praxis müssen daher mehrdimensional angelegt sein. Zentral ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Bezugspersonen, um individuelle Stärken systematisch zu erkennen und zu fördern. 3. Empathie Die Welt aus der Perspektive des Kindes verstehen Empathie im Sinne des SPELL-Frameworks bedeutet, die Perspektiven autistischer Kinder nicht nur intellektuell nachzuvollziehen, sondern ihre Ausdrucksformen ernst zu nehmen und aktiv in pädagogische Beziehungsgestaltung einzubeziehen. Das Konzept des „Double Empathy Problem“ (Milton 2012) verdeutlicht, dass Missverständnisse zwischen neurodivergenten und neurotypischen Personen auf wechselseitigen Unterschieden beruhen und nicht auf einem Defizit autistischer Personen. In Anlehnung an Rogers (1951) wird Empathie als tiefes, wertfreies Verstehen der kindlichen Sichtweise verstanden, eine Haltung, die besonders in herausfordernden Situationen stabilisierend wirkt und die soziale sowie emotionale Entwicklung nachhaltig stärkt (Vermeulen 2025). 4. Low arousal Räume schaffen, die Regulation ermöglichen und Überforderung reduzieren Das Prinzip der reizarmen Umgebung im SPELL- Framework zielt darauf ab, sensorische und emotionale Belastungen gezielt zu reduzieren (Kahneman 1973, Fowler 1977). Dies geschieht durch bewusst gestaltete, regulierende Umgebungen sowie durch eine interaktionssensible, achtsame Haltung der Fachkräfte. Viele autistische Menschen zeigen eine erhöhte sensorische Empfind- 186 FI 4/ 2025 Fachkonzepte aus Therapie und Förderung lichkeit, die sie anfällig für Überstimulation, kognitive Überforderung und Stressreaktionen macht. Verhaltensweisen, die herkömmlich als „herausfordernd“ gelten, sind in diesem Zusammenhang oft Ausdruck von Selbstregulation und sollten im jeweiligen Kontext verstanden und nicht pathologisiert werden. Die gezielte Berücksichtigung individueller sensorischer Profile spielt daher eine zentrale Rolle in der Gestaltung pädagogischer und therapeutischer Settings. Maßnahmen zur Stressreduktion umfassen sowohl die Anpassung physischer Umweltbedingungen, etwa durch die Vermeidung von Reizüberflutung (z. B. akustisch, visuell, taktil oder olfaktorisch) als auch die gezielte Förderung körperlicher Selbstregulation, zum Beispiel durch vestibuläre oder propriozeptive Angebote. Ergänzend wirken beziehungsorientierte Maßnahmen: vorausschauende, deeskalierende Kommunikation, verlässliche Übergänge im Alltag und freiwillig wählbare Rückzugsräume fördern emotionale Sicherheit (Beadle-Brown/ Mills 2018). Eine wesentliche Voraussetzung für die Wirksamkeit des Low-Arousal-Prinzips ist die reflexive Grundhaltung der Fachkräfte, die eigenes Handeln kontinuierlich hinterfragt - mit dem Ziel, Überforderungssituationen frühzeitig zu erkennen, Eskalationen vorzubeugen und das emotionale Wohlbefinden der betroffenen Person in den Mittelpunkt zu rücken. 5. Verbindungen (Links) Beziehungen stärken und vernetzte Unterstützungssysteme schaffen Das Prinzip „Links“ betont die Bedeutung konsistenter und koordinierter Unterstützung über verschiedene Lebensbereiche hinweg, insbesondere zwischen familiären, schulischen und therapeutischen Kontexten. Effektive Unterstützung erfordert eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure, um kohärente und individuelle Strategien zu entwickeln (Griffiths et al. 2020). Eine qualitativ hochwertige Kommunikation trägt zur Reduktion von Unsicherheit bei und erleichtert die Übertragung von Lern- und Entwicklungserfahrungen auf verschiedene Lebenskontexte (Ahmetovic 2025). Besonders in Übergangssituationen etwa zwischen Alltagssituationen, unterschiedlichen Schulstufen oder Versorgungssystemen kommt dieser Aspekt zum Tragen. Viele Familien sehen sich jedoch mit strukturellen Hürden konfrontiert, die ihre koordinierte Unterstützung durch komplexe Hilfesysteme erschweren. Frustration, Erschöpfung und das Gefühl, nicht ausreichend gehört zu werden, sind weit verbreitet (Gray et al. 2023). Das SPELL-Framework setzt sich daher für die Stärkung der Familien ein, indem es den Zugang zu Wissen, Hilfsmitteln und niederschwelligen Ressourcen fördert. Einfache, aber wirksame Maßnahmen wie die gemeinsame Dokumentation von Fortschritten, regelmäßige Absprachen und ein konsistentes Verständnis für die kindlichen Bedürfnisse können die Qualität und Konsistenz der Unterstützung maßgeblich verbessern. Das Prinzip „Links“ macht deutlich, dass das Erfahrungswissen von Familien einen zentralen Stellenwert einnimmt und unbedingt in den Unterstützungsprozess integriert werden muss. Gleichzeitig gilt: autistische Menschen haben ein Recht auf Mitgestaltung ihrer Unterstützung (den Houting et al. 2021, Leadbitter et al. 2021, Pellicano/ den Houting 2022). Die „Goldene Mitte“ und ihre Relevanz für das SPELL-Framework Das Konzept der „Goldenen Mitte“, das ursprünglich in Aristoteles’ „Nikomachischer Ethik“ entwickelt wurde, bleibt ein grundlegendes Element der Tugendethik und bietet weiterhin hohe Relevanz für moderne Unterstützungsrahmen wie SPELL. Die „Goldene Mitte“ besagt, dass moralische Tugend zwischen zwei Extremen liegt: Übermaß und Mangel, die beide als Laster gelten. Von entscheidender Bedeutung ist dabei, dass die Mitte nicht als ein einfacher Durchschnitt verstanden wird, sondern als ein dynamischer, kontextspezifischer Ausgleichspunkt, der durch praktische Weisheit (phronesis) und ethische Absicht bestimmt wird (Hursthouse 1999). 187 FI 4/ 2025 Fachkonzepte aus Therapie und Förderung Aristoteles lehnt starre Regeln oder standardisierte Verhaltensweisen ab. Stattdessen plädiert er für moralische Urteilsfähigkeit und situationsangepasstes Handeln. Bezogen auf die Unterstützung autistischer Menschen bedeutet dies, dass ein flexibles, aber wertegeleitetes Vorgehen notwendig ist als Gegengewicht zu verhaltensbezogenen Modellen, die individuelle Lebensrealitäten und Bedürfnisse häufig unzureichend berücksichtigen. Für Aristoteles liegt ethisches Handeln nicht primär im Erfolg, sondern in der Absicht. Wie ein Bogenschütze, der ein Ziel anvisiert, oder ein Läufer, der um den Sieg kämpft - beide sind äußeren Umständen ausgesetzt. Was jedoch garantiert werden kann, ist die innere Haltung: ein Handeln, das von Empathie, Mitmenschlichkeit und einem fundierten Verständnis menschlicher Vielfalt geprägt ist (Annas 2011). Für Fachkräfte und Bezugspersonen im autistischen Kontext bedeutet dies, eine Ethik der Beziehung und Verantwortung umzusetzen und selbst dann achtsam und respektvoll zu begleiten, wenn Ergebnisse unsicher oder nicht linear sind. Tugend entsteht laut Aristoteles durch Gewohnheit: durch wiederholtes ethisches Handeln, das über die Zeit den Charakter formt. In Situationen der Unsicherheit empfiehlt er, sich an moralischen Vorbildern zu orientieren. Dieses Prinzip betont die Bedeutung von Reflexion, kollegialer Beratung und kontinuierlicher ethischer Weiterentwicklung (Broadie 1991). Diese Perspektive steht in enger Verbindung zum SPELL-Framework, das auf konsistentes, ethisch reflektiertes Handeln und auf die Achtung der Würde jedes Menschen ausgerichtet ist. Im Unterschied zu autoritären oder auf Gehorsam ausgerichteten Modellen schafft SPELL respektvolle und unterstützende Umgebungen, die dem entsprechen, was Aristoteles als „naturgemäß“ bezeichnen würde. Dabei wird die Eigenständigkeit autistischer Menschen ebenso anerkannt wie ihr intrinsischer Wert. Autonomie und persönliches Wachstum werden nicht erzwungen, sondern in Beziehung durch wechselseitiges Verstehen ermöglicht. Nussbaum (2006) führt die aristotelische Ethik in den Diskurs sozialer Gerechtigkeit weiter. Sie betont, dass ein „gutes Leben“ die Möglichkeit voraussetzt, Vernunft und Freiheit aktiv zur Gestaltung es eigenen Lebens einzuset- Abb. 3: SPELL und die Goldene Mitte nach Aristoteles (eigene Darstellung der Autor: innen) Negativität; Stigmatisierung; Verweigerung von Handlungsmacht; Mangel an Respekt Egozentrik; Unsensibilität; nicht zuhören Isolation; Entfremdung Unterforderung; keine Anregung oder Stimulation Chaos; unbegrenzt Verleugnung von Schwierigkeiten; handeln ohne Fürsorge; Bevormundung; Symbolpolitik Verschmelzung; Zwang; Gehörsam; Kontrolle Empathie Struktur Low arousal Reizarm Links Verbindungen, Nachvollziehbarkeit Positive Haltung, Einstellungen, Erwartungen Überforderung; Überstimulation Leichtgläubigkeit; Hyper-Empathie Rigidität; übermäßige Begrenzung Laster (Mangel) Laster (Exzess) Tugend (Glück) 188 FI 4/ 2025 Fachkonzepte aus Therapie und Förderung zen. Aus dieser Perspektive sind Maßnahmen, die Autonomie beschneiden oder Anpassung um jeden Preis fordern, insbesondere unter dem Leitbild der „Normalisierung“, ethisch nicht vertretbar. Das SPELL-Framework hingegen stärkt Autonomie durch klare Strukturen und verlässliche Unterstützung und nicht durch Kontrolle. Es sind Haltung, Respekt und ethische Sensibilität, die Entwicklung und Teilhabe ermöglichen. In diesem Sinn lässt sich SPELL als gelebte Tugendethik verstehen: ein ausgewogener, prinzipiengeleiteter Ansatz, der sich an den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen orientiert und Extreme vermeidet. Das zeigt sich beispielhaft in den folgenden ethischen Parallelen zwischen den SPELL- Prinzipien und der Idee der Goldenen Mitte. Jeder Bereich des SPELL-Frameworks verkörpert einen tugendhaften Mittelweg, der ethische Risiken von Über- oder Unterintervention bewusst vermeidet. So schafft „Struktur“ Vorhersehbarkeit und Sicherheit, ohne in Starrheit oder Autoritarismus zu verfallen. „Empathie“ ermöglicht ein tiefes Verständnis für die Perspektive des Kindes, ohne sich dabei selbst emotional zu verlieren. Das Prinzip der „reizarmen Umgebung“ unterstützt Selbstregulation, ohne notwendige Reize für Lernen und Engagement gänzlich auszuschließen. Dr. Lorna Wing, eine der Begründer: innen des Frameworks, betonte die praktische Bedeutung dieser aristotelischen Haltung: SPELL soll Fachkräften helfen, in schwierigen Situationen nicht mit Rückzug oder Zwang zu reagieren, sondern durch eine feinfühlige, differenzierte Begleitung, die Anleitung bietet, ohne die Würde oder Autonomie autistischer Menschen zu verletzen. Die Rolle von SPELL in der frühen Förderung - eine Standortbestimmung mit Ausblick Frühe Interventionen bilden einen zentralen Bereich pädagogischer und therapeutischer Praxis, insbesondere in der Arbeit mit autistischen Kindern. Ihre Wirksamkeit bemisst sich jedoch weniger an Diagnosezeitpunkten oder Maßnahmendichte, sondern an der Haltung, mit der Fachkräfte diesen Kindern begegnen. In diesem Kontext markiert das SPELL-Framework eine konzeptionelle und ethische Neuausrichtung: Es fordert dazu auf, frühe Intervention nicht als Korrektur normabweichenden Verhaltens, sondern als Beziehungspraxis zu verstehen, die auf Sicherheit, Verstehbarkeit und individuelle Entwicklungschancen ausgerichtet ist. SPELL durchbricht defizitorientierte und normalisierende Paradigmen, die vielerorts noch das frühpädagogische Denken prägen. Statt Verhalten zu formen, rückt es die Gestaltung unterstützender Umgebungen in den Fokus - Umgebungen, die auf die spezifischen sensorischen, kommunikativen und emotionalen Bedürfnisse autistischer Kinder abgestimmt sind. Dies geschieht entlang klar formulierter Prinzipien: Struktur, Positivität, Empathie, reizarme Umgebung und konsistente Unterstützung. Diese Prinzipien sind nicht nur methodische Leitlinien, sondern Ausdruck einer professionsethischen Haltung, die auf Respekt, Teilhabe und Autonomie zielt. In der Praxis verschiebt sich damit die leitende Frage: Nicht „Wie passt sich das Kind an bestehende Normen an? “, sondern „Welche Bedingungen ermöglichen Entwicklung im Einklang mit der eigenen Identität? “ Diese Standortbestimmung zeigt: SPELL ist weit mehr als ein pädagogisches Handlungskonzept. Es bietet einen Orientierungsrahmen für einen notwendigen Kulturwandel in der frühen Förderung - weg von standardisierten Interventionen hin zu einer Praxis, die Vielfalt nicht nur anerkennt, sondern aktiv schützt und gestaltet. Der Ausblick ist dabei ebenso herausfordernd wie vielversprechend: Die Umsetzung von SPELL erfordert systemische Reflexion, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine kritische Auseinandersetzung mit den normativen Grundlagen pädagogischen Handelns. Zugleich eröffnet das Frame- 189 FI 4/ 2025 Fachkonzepte aus Therapie und Förderung work die Möglichkeit, frühe Interventionen inklusiv, menschenrechtsbasiert und entwicklungsförderlich neu zu denken - im Sinne einer Praxis, die nicht primär verändert, sondern versteht. Melika Ahmetovic, MPhil Ludwig-Maximilians-Universität München Leopoldstraße 13 80802 München E-Mail: melika.ahmetovic@edu.lmu.de Prof. Dr. Richard Mills AT-Autism 20-22 Wenlock Rd London N1 7GU Vereinigtes Königreich E-Mail: richardmills@atautism.org Literatur Ahmetovic, M. (2025): Netzwerke der schulischen Unterstützung und Förderung bei Autismus. In: Besic, E., Gasteiger-Klicpera, B., Ender, D. (Hrsg.): IFO 2024-Tagungsband. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn, https: / / doi.org/ 10.35468/ 6149-17 Ahmetovic, M., Schubert, L. (2025): Autismus. In: Markowetz, R., Hennemann, T., Hövel, D., Casale, G. (Hrsg.): Handbuch Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Beltz Verlag. (im Erscheinen) Annas, J. (2011): Intelligent Virtue. Oxford, Oxford University Press Beadle-Brown, J., Mills, R. (2018): Understanding and Responding to Autism: The SPELL Framework Self-study Guide (2nd ed.). Pavilion Publishing Beadle-Brown, J., Murphy, B. (2016): What does good look like? A guide for observing in services for people with learning disabilities and/ or autism. United Response and Tizard Centre, 38 pp. In: https: / / kar.kent.ac.uk/ 61874/ , 11.07.2025 Broadie, S. (1991): Ethics with Aristotle. Oxford, Oxford University Press Cascio, M. A., Weiss, J. A., Racine, E. (2020): Person-oriented ethics for autism research: Creating best practices through engagement with autism and autistic communities. Autism 24(7), 1701 - 1710, https: / / doi.org/ 10.1177/ 1362361320918763 den Houting, J., Milton, D. E., Kinnear, F., Dudley, J., Street, C. (2021): Avoiding ableist language: Suggestions for autism researchers. Autism 25(3), 700 - 709 Eyal, G., Hart, B., Onculer, E., Oren, N., Rossi, N. (2014): The Autism Matrix. Polity Press, Cambridge Fowler, C. J. H. (1977): The role of arousal in memory and attention. University of London, Bedford College. United Kingdom Gray, L., Hill, V., Pellicano, E. (2023): “He’s shouting so loud but nobody’s hearing him”: A multi-informant study of autistic pupils’ experiences of school non-attendance and exclusion. Autism & Developmental Language Impairments 8, https: / / doi.org/ 10.1177/ 23969415231207816 Griffiths, A. J., Hanson, A. H., Giannantonio, C. M., Mathur, S. K., Hyde, K., Linstead, E. (2020): Developing employment environments where individuals with ASD thrive: Using machine learning to explore employer policies and practices. Brain Sciences 10(9), 632, https: / / doi.org/ 10.3390/ brainsci10090632 Harrold, A., Keating, K., Larkin, F., Setti, A. (2024): The association between sensory processing and stress in the adult population: A systematic review. Applied Psychology: Health and Well‐Being 16(4), 2536 - 2566, https: / / doi.org/ 10.1111/ aphw.12554 Hursthouse, R. (1999): Virtue ethics and human nature. Hume Studies 25(1), 67 - 82, https: / / doi.org/ 10.1353/ hms.1999.a385520 Johnson, M. H. (2017): Autism as an adaptive common variant pathway for human brain development. Neuroscience & Biobehavioral Reviews 80, 1 - 13 Joseph, S., Wood, A. (2010): Assessment of positive functioning in clinical psychology: Theoretical and practical issues. Clinical psychology review 30(7), 830 - 838, https: / / doi.org/ 10.1016/ j.cpr.2010.01.002 Kahneman, D. (1973): Attention and effort. Vol. 1063, 218 - 226, Englewood Cliffs/ NJ, Prentice-Hall. Leadbitter, K., Buckle, K. L., Ellis, C., Dekker, M., (2021): Autistic self-advocacy and the neurodiversity movement: Implications for autism early intervention research and practice. Front Psychol 12, Article 635690, https: / / doi.org/ 10.3389/ fpsyg.2021.635690 Linley, P. A., Joseph, S. (2011): Positive psychology in practice. Wiley, Hoboken/ NJ Lopez, S. J., Pedrotti, J. T., Snyder, C. R. (2018): Positive psychology: The scientific and practical explorations of human strengths (4th ed.). Sage Publications Lundy, L. (2007): „Voice“ is not enough: Conceptualising Article 12 of the United Nations Convention on the Rights of the Child. British Educational Research Journal 33(6), 927 - 942, https: / / doiorg/ 10.1080/ 01411 920701657033 190 FI 4/ 2025 Fachkonzepte aus Therapie und Förderung Milton, D. E. M. (2012): On the ontological status of autism: The ‘double empathy problem’. Disability & Society 27(6), 883 - 887, https: / / doi.org/ 10.1080/ 0968 7599.2012.710008 Milton, D., Sims, T., Dawkins, G., Martin, N. and Mills, R. (2017): The development and evaluation of a mentor training program for those working with autistic adults. Good Autism Practice 18(1), 25 - 33 Morgan, H. (2019): Connections Between Sensory Sensitivities in Autism; the Importance of Sensory Friendly Environments for Accessibility and Increased Quality of Life for the Neurodivergent Autistic Minority. PSU McNair Scholars Online Journal 13(1), 11, https: / / doi.org/ 10.15760/ mcnair.2019.13.1.11 Nešić, J. (2024): Attuning the world: Ambient smart environments for autistic persons. Phenom Cogn Sci, https: / / doi.org/ 10.1007/ s11097-024-10021-y Nussbaum, M. C. (2006): Frontiers of Justice: Disability, Nationality, Species Membership. Belknap Press of Harvard University Press. Pellicano, E., den Houting, J. (2022): Annual Research Review: Shifting from ‘what works’ to ‘what matters’: A problem-based reframing of autism research priorities. Journal of Child Psychology and Psychiatry 63(3), 219 - 239 Renty, J. O., Roeyers, H. (2006): Quality of life in high-functioning adults with autism spectrum disorder: The predictive value of disability and support characteristics. Autism 10(5), 511 - 524, https: / / doi.org/ 10.1177/ 1362361306066604 Rogers, C. R. (1951): Client-centered therapy: Its current practice, implications, and theory. Houghton Mifflin Rynkiewicz, A., Łucka, I. (2018): Autism spectrum disorder (ASD) and eating disorders. Psychiatria Polska 52(2), 307 - 317 Seligman, M. E. P. (1998): Authentic Happiness: Using the New Positive Psychology to Realize Your Potential for Lasting Fulfillment. Free Press, https: / / doi.org/ 10.1017/ s0360966900000426 Seligman, M. E. P. (2011): Flourish: A visionary new understanding of happiness and well-being. Free Press Shao, M., Luo, S., Qian, H., Li, X., Wei, Z., Hong, M., Wang, J., Li, X., Meng, J. (2024): The relationship between autistic traits and the stress of social isolation: Development of an explanatory model. Heliyon 10(4), https: / / doi.org/ 10.1016/ j.heliyon.2024. e26082 Tang, G., Gudsnuk, K., Kuo, S. H., Cotrina, M. L., Rosoklija, G., Sosunov, A., Sonders, M. S., Kanter, E., Castagna, C., Yamamoto, A., Yue, Z., Arancio, O., Peterson, B., Champagne, F., Dwork, A. J., Goldman, J., Sulzer, D. (2014): Loss of mTOR‐dependent macroautophagy causes autistic‐like synaptic pruning deficits. Neuron 83, 1131 - 1143, https: / / doi.org/ 10.1016/ j.neuron.2014.07.040 Van de Cruys, S., Evers, K., Van der Hallen, R., Van Eylen, L., Boets, B. (2014): Precise minds in uncertain worlds: Predictive processing in autism. Psychological Review 121(2), 252 - 275 Van Heijst, B. F., Geurts, H. M. (2015): Quality of life in autism across the lifespan: A meta-analysis. Autism 19(2), 158 - 167, https: / / doi.org/ 10.1177/ 13623613135 17053 Vermeulen, P. (2025): Glück und Wohlbefinden bei Autismus: Mission (Im)possible? Zeitschrift Menschen 48(1), 29 - 34 Zeidan, J., Fombonne, E., Scorah, J., Ibrahim, A., Durkin, M. S., Saxena, S., Yusuf, A., Shih, A. Elsabbagh, M. (2022): Global prevalence of autism: A systematic review update. Autism Research 15(5), 778 - 790, https: / / doi.org/ 10.1002/ aur.2696
