Frühförderung interdisziplinär
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0721-9121
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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2026
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Editorial
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Laura Avemarie
Liebe Leser:innen, diese Ausgabe führt aktuelle Forschung, strukturelle Rahmenbedingungen und fachpolitische Positionen zusammen und eröffnet einen differenzierten Blick auf Inklusion und professionelle Handlungsspielräume.
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49 FI 2/ 2026 EDITORIAL Liebe Leser: innen, diese Ausgabe führt aktuelle Forschung, strukturelle Rahmenbedingungen und fachpolitische Positionen zusammen und eröffnet einen differenzierten Blick auf Inklusion und professionelle Handlungsspielräume. Der Fachbeitrag dieser Ausgabe widmet sich dem Thema „Inklusion im Krippenalter“. Claudia Wirts und Claudia Hruška gingen im Rahmen einer Studie der Frage nach, wie Fachkräfte die inklusive Begleitung von Kindern mit Behinderungen und Entwicklungsrisiken in Kindertageseinrichtungen unter drei Jahren erleben und welche Unterstützung ihnen dabei zur Verfügung steht. Befragt wurden Einrichtungen in Berlin und Bayern. Im Anschluss folgen zwei Praxisbeiträge - ebenfalls mit dem Fokus auf Fachkräfte. Im Beitrag „Ankommen in der Frühförderung“ beschreiben Dilara Deibel, Judith Stommel und Fenja Wäschenbach als junge Kolleginnen ihren Einstieg in das Arbeitsfeld - von der Phase vor der Bewerbung, über den Bewerbungsprozess bis hin zur Einarbeitungszeit. Sie benennen Unsicherheiten und offene Fragen, aber auch unterstützende Faktoren in dieser Zeit. Ergänzt wird der Blick auf Fachkräfte durch den Beitrag „Mitarbeitergewinnung in der Frühförderung im ländlichen Raum - Strategien und Chancen“ von Susanne Dolscheid. Die Autorin beschreibt die strukturellen Bedingungen der Frühförderung in ländlichen Regionen und spezifische Herausforderungen der Fachkräftegewinnung. Gleichzeitig werden Handlungsspielräume sichtbar, die sich ergeben, wenn Leitung, Träger und Teams gemeinsam nach tragfähigen Lösungen suchen. Ebenfalls sehr praxisnah ist der Beitrag „21 Alleskönner - ein Starterkit für die Frühförderung“ von Martina Wolf ausgerichtet. Anhand konkreter Materialien und alltagsnaher Beispiele zeigt die Autorin auf, dass gelingende Förderung weniger von spezialisierten Materialien als vielmehr von einer klaren pädagogischen Idee und Beziehungsgestaltung getragen wird. Martina Wolf lädt dazu ein, den Blick auf das Wesentliche zu richten und Förderung in gemeinsam gestalteten Alltagssituationen zu verorten. Anlässlich der Bayerischen Kommunalwahlen 2026 wird im Positionspapier „Umsetzung teilhabeorientierter, vernetzter Angebote für Kinder mit (drohender) Behinderung und ihrer Familien auf kommunaler Ebene“ der Vereinigung für interdisziplinäre Frühförderung - Landesvereinigung Bayern e.V. eine konsequente Stärkung von Inklusion und Teilhabe auf kommunaler Ebene gefordert und konkrete Ansatzpunkte - wie die Förderung der bereichsübergreifenden Vernetzung im Sozialraum, Förderung der Vernetzung mit Kindertageseinrichtungen und teilhabeorientierte Beratungs- und Kooperationsleistungen - für die Verbesserung der Versorgungsqualität formuliert. Unter der Kategorie „Aktuelles“ finden sich zwei Beiträge. Mit ElSiE wird ein aktuelles, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt präsentiert, das derzeit an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie) und Ludwig- Maximilians-Universität München (Lehrstuhl für Sonderpädagogik - Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation einschließlich inklusiver Pädagogik) umgesetzt wird. In der Studie untersucht ein interdisziplinäres Team aus tauben und hörenden Wissenschaftlerinnen, wie sich taube Kinder tauber Eltern, schwerhörige Kinder 50 FI 2/ 2026 Editorial hörender Eltern und hörende Kinder hörender Eltern im Alter zwischen drei und fünf Jahren entwickeln und wie Sprache, Denken und soziale Entwicklung zusammenwirken. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nicht nur die Weiterentwicklung von Frühförderangeboten unterstützen, sondern auch das Wissen über die Bedeutung von Sprache und Kommunikation für die kindliche Entwicklung insgesamt vertiefen. Die Arbeitsstelle Frühförderung Bayern (AFFBY) feierte 2025 ihr 50-jähriges Bestehen. Gerhard Herrmann nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, die Entwicklung der Frühförderung von einem wissenschaftlich begleiteten Modellprojekt zu einer zentralen Fachstelle für Frühförderung in Bayern nachzuzeichnen. Das Jubiläum wurde im Oktober 2025 mit mehreren Veranstaltungen begangen, bei denen zahlreiche Gäste aus Politik und Fachpraxis die Bedeutung der AFFBY als verlässliche Impulsgeberin und Netzwerkerin würdigten. Abschließend führen zwei Buchrezensionen noch einmal nah an die konkrete Arbeit mit Kindern und Familien heran - die Besprechung des Buches Der Natürlich Hörgerichtete Ansatz: Ein Praxisbuch zur Hörfrühförderung von Gisela Batliner und Yvonne Seebens sowie die Rezension von Ulrike Funkes Buch zu Trinken und Essen im Autismus-Spektrum. Viel Freude bei der Lektüre wünscht Laura Avemarie
