Frühförderung interdisziplinär
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0721-9121
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/fi2026.art07d
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2026
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Aus der Praxis: Ankommen in der Frühförderung
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2026
Dilara Deibel
Judith Stommel
Fenja Wäschenbach
Wir sind drei Pädagoginnen im Alter von 26 bis 30 mit unterschiedlichen Werdegängen. Für die eine ist es der erste richtige Job nach dem Studium, für die andere ist es ein beruficher Wechsel während der Master-Abschlussarbeit und für letztere ist es ein beruficher Neuanfang nach der Elternzeit. Unsere Gemeinsamkeit ist, dass wir 2024 im Haus früher Hilfen in Wiehl angefangen haben und in etwa zur gleichen Zeit eingearbeitet wurden. Dort sind wir als Heilpädagoginnen angestellt und können sowohl im Rahmen der heilpädagogischen als auch in der interdisziplinären Frühförderung arbeiten. In diesem Beitrag wollen wir unser Ankommen in der Frühförderstelle und die Einarbeitungszeit darlegen und aufzeigen, was uns auf das Arbeitsfeld der Frühförderung aufmerksam gemacht hat und was in der Einarbeitungszeit hilfreich war.
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69 Frühförderung interdisziplinär, 45.-Jg., S.-69 - 71 (2026) DOI 10.2378/ fi2026.art07d © Ernst Reinhardt Verlag AUS DER PRAXIS Ankommen in der Frühförderung Dilara Deibel, Judith Stommel, Fenja Wäschenbach Wir sind drei Pädagoginnen im Alter von 26 bis 30 mit unterschiedlichen Werdegängen. Für die eine ist es der erste richtige Job nach dem Studium, für die andere ist es ein beruflicher Wechsel während der Master-Abschlussarbeit und für letztere ist es ein beruflicher Neuanfang nach der Elternzeit. Unsere Gemeinsamkeit ist, dass wir 2024 im Haus früher Hilfen in Wiehl angefangen haben und in etwa zur gleichen Zeit eingearbeitet wurden. Dort sind wir als Heilpädagoginnen angestellt und können sowohl im Rahmen der heilpädagogischen als auch in der interdisziplinären Frühförderung arbeiten. In diesem Beitrag wollen wir unser Ankommen in der Frühförderstelle und die Einarbeitungszeit darlegen und aufzeigen, was uns auf das Arbeitsfeld der Frühförderung aufmerksam gemacht hat und was in der Einarbeitungszeit hilfreich war. 1. Vor der Bewerbung Wie sind wir auf die Einrichtung aufmerksam geworden? 1. Praktikum Im Haus früher Hilfen gibt es die Möglichkeit, bereits vorab im Rahmen eines Praktikums mitzulaufen. Dies ist sowohl während der Schulzeit, während des Studiums oder vor dem Einstieg in den neuen Job möglich. Somit erlangt man frühzeitig einen Eindruck in die vielseitige Arbeit. 2. Stellenanzeige im Internet Die Stellenanzeigen wurden auf verschiedenen Job-Suche-Portalen online gestellt. Vorteilhaft dabei war, dass die Anzeige verschiedene Suchbegriffe verlinkt hatte. So konnte man die Stelle anhand der eigenen Profession finden. In der Anzeige war ebenso die Website der Einrichtung verlinkt, sodass man sich vorab Informationen über diese einholen konnte. 3. Onlinepräsenz Das Haus früher Hilfen hat einen sehr einladenden Onlineauftritt. Auf der Website findet man Informationen zur Einrichtung, zum Personal, aber auch zu aktuellen Themen, wie bevorstehende Veranstaltungen. Zudem öffnen sich aktuelle Stellenanzeigen als Pop-up. Wenn man auf die Stellenanzeige klickt, bekommt man weiterführende Informationen zur Stelle und zum Bewerbungsprozess. 4. Standort Für Fachkräfte, die eine örtliche Nähe zur Einrichtung haben, ist das Haus aufgrund seiner zentralen Lage an einer Hauptstraße nicht zu übersehen und daher nicht unbekannt. Zudem ist es durch seine gute Anbindung, sowohl fußläufig, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto zu erreichen. Darüber hinaus liegt das Haus in einem Wohngebiet in direkter Nachbarschaft zu Kindertageseinrichtungen und Schulen. Dies ist besonders für Kolleg: innen mit Kindern interessant. 2. Bewerbungsprozess Während des Bewerbungsprozesses gibt es die Möglichkeit, einen Tag zu hospitieren, um einen Einblick in das Tätigkeitsfeld der Frühförderung zu bekommen. Wenn sich beide Parteien die Zusammenarbeit vorstellen können, ist der nächste Schritt die Zusage mit Vertragsabschluss. Im Anschluss folgt die Einarbeitungsphase. 70 FI 2/ 2026 Aus der Praxis 3. Einarbeitungszeit Die Einarbeitung dauert in der Regel zwei bis drei Wochen, kann bei Bedarf aber auch verlängert werden. Im Anschluss an die Einarbeitung beginnt nach und nach der erste Kontakt mit den Familien. Was hat uns bei der Einarbeitung geholfen? Um einen Einblick in die Gestaltung der Stunden zu bekommen, benötigt man Hospitationsmöglichkeiten bei verschiedenen Kolleg: innen. Besonders bereichernd ist es, wenn man neben den Förderungen auch Beratungstermine oder Untersuchungen bei den Kinderärzt: innen in der Einrichtung begleiten darf. Zudem können auch Hospitationen zu späteren Zeitpunkten, wie beispielsweise bei Hausbesuchen, von Vorteil sein. Der Vorteil an der Arbeit in einer interdisziplinär ausgerichteten Einrichtung ist, dass man mit anderen Kolleg: innen gemeinsam Kinder aufnimmt. So kann es zwar sein, dass man schon in der zweiten Woche eine Familie zugeteilt bekommt, aber eben nicht die alleinige Verantwortung für diese trägt. Durch diese Arbeitsweise wird man schrittweise an das selbstständige Arbeiten herangeführt. Im Gegensatz dazu steht die solitäre heilpädagogische Förderung, in der man die alleinige Ansprechperson für die Familien ist. In diesem Fall hilft bei der Einarbeitung das hilfsbereite und erfahrene Team, an das man sich jederzeit mit Fragen wenden kann. Neben der Arbeit mit dem Kind gibt es auch noch die Arbeit im Büro. Dort werden Stunden geplant, protokolliert und Förderpläne geschrieben. Besonders dieser Teil der Arbeit könnte anfangs einschüchternd wirken. Jedoch gibt es eine Vielzahl an Hilfen. Man kann sich die Förderpläne der Kolleg: innen anschauen, Checklisten führen und in den Austausch gehen. Selbst wenn dann noch Unsicherheiten bestehen, nimmt sich die Leitung bei jedem Förderplan Zeit für Korrekturen und Feedback. Was braucht man als neue Kraft im Bereich der Frühförderung? Besonders am Anfang ist es wichtig, darauf zu vertrauen, dass es sich fügen wird. In den ersten Arbeitstagen können die Anforderungen einem unüberbrückbar erscheinen. Wichtig dabei ist, dass man geduldig und zuversichtlich ist. Uns hat es geholfen, die Themen, die uns beschäftigt haben, offen anzusprechen. Sei dies der Leitung oder Teamkolleg: innen gegenüber. Man sollte sich vorab darüber bewusst sein, dass die Arbeit viel Eigenstrukturierung, Organisation, Selbstständigkeit und fachliches Wissen erfordert. Auf der anderen Seite kann man in einige dieser Punkte auch mit der Zeit hineinwachsen. Neben der Hospitation benötigt man auch Zeit, um sich mit dem Arbeitsplatz vertraut zu machen. Man sollte sich bewusst die Zeit nehmen, um sich Materialien anzuschauen, Fachbeiträge zu lesen und Diagnostikverfahren kennenzulernen. Was sind für uns Herausforderungen bei der Arbeit? Teilweise kann es herausfordernd sein, den Spagat zwischen der Wahrung der eigenen Professionalität und dem Respektieren der elterlichen Expertise zu meistern. Hinzu kommt, dass unser junges Alter bei manchen Eltern dazu führt, dass sie manchmal die Berufserfahrung infrage stellen. Auch wenn man als neue Kolleg: in in ein etabliertes Team kommt, kann dies herausfordernd sein. Wichtig ist hierbei eine offene Haltung bei allen Beteiligten. 71 FI 2/ 2026 Aus der Praxis Man wird in der Arbeit mit den Familien mit verschiedenen Schicksalen konfrontiert. Es ist wichtig, sich selbst davon abzugrenzen und eine gewisse professionelle Distanz zu wahren, aber dennoch empathisch zu bleiben. Auch hier können Supervisionen hilfreich sein, um das eigene Verhalten zu reflektieren und sich mit Kolleg: innen auszutauschen. Ein genaues Wissen im Umgang mit Absagen ist relevant für die Zusammenarbeit mit Eltern. Denn Absagen auf der einen Seite und eine Warteliste auf der anderen gehören zum Arbeitsalltag dazu. Wichtig ist, wie man als Team mit Herausforderungen umgeht und diese zusammen meistert. Was schätzen wir an der Arbeit in der Frühförderung? Ein großer Vorteil sind die Freiräume und die selbstbestimmte Arbeit. Zudem kann man die eigene Expertise und Kreativität in die Förderungen einbringen. Außerdem führen die obengenannten Herausforderungen dazu, dass die Arbeit abwechslungsreich bleibt. Des Weiteren führt die autonome Einteilung der Termine zu einer guten Vereinbarkeit von Arbeit und Familie oder Arbeit und Freizeit. Außerdem wird der Arbeitsalltag dadurch an den eigenen Rhythmus angepasst, sodass man flexibel bleibt. 4. Fazit Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Frühförderung ein zu unbekannter Arbeitsbereich ist. Die benannten Strategien zur Gewinnung der Fachkräfte können zukünftig dazu führen, dass mehr Leute den Zugang zur Frühförderung finden. Dennoch sollte langfristig an der Stellung der Frühförderung im Bildungswesen gearbeitet werden. Dilara Deibel Judith Stommel Fenja Wäschenbach Haus früher Hilfen Weierhofweg 48, 51674 Wiehl Tel.: (0 22 62) 69 92-0 - Anzeige -
