eJournals Frühförderung interdisziplinär45/2

Frühförderung interdisziplinär
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0721-9121
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/fi2026.art10d
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Aktuell: 50 Jahre Arbeitsstelle Frühförderung Bayern (AFFBY)

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Gerhard Herrmann
Die Arbeitsstelle Frühförderung Bayern (AFFBY) blickte im Jahr 2025 auf ein halbes Jahrhundert engagierter und wegweisender Arbeit im Bereich der Frühförderung zurück. Gegründet wurde sie im Jahr 1975 am Lehrstuhl von Prof. Dr. Otto Speck am Institut für Sonderpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ursprünglich als Modellprojekt konzipiert, bestand ihre zentrale Aufgabe darin, den Aufbau und die Weiterentwicklung der Frühförderung in Bayern wissenschaftlich zu begleiten und fachlich zu fundieren. Zu Beginn war die Arbeitsstelle pädagogisch-psychologisch ausgerichtet und trug maßgeblich dazu bei, theoretische Erkenntnisse und praktische Anforderungen der Frühförderung systematisch miteinander zu verbinden.
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82 Frühförderung interdisziplinär, 45.-Jg., S.-82 - 84 (2026) DOI 10.2378/ fi2026.art10d © Ernst Reinhardt Verlag 50 Jahre Arbeitsstelle Frühförderung Bayern (AFFBY) Gerhard Herrmann AK TUELL Die Arbeitsstelle Frühförderung Bayern (AFFBY) blickte im Jahr 2025 auf ein halbes Jahrhundert engagierter und wegweisender Arbeit im Bereich der Frühförderung zurück. Gegründet wurde sie im Jahr 1975 am Lehrstuhl von Prof. Dr. Otto Speck am Institut für Sonderpädagogik der Ludwig- Maximilians-Universität München. Ursprünglich als Modellprojekt konzipiert, bestand ihre zentrale Aufgabe darin, den Aufbau und die Weiterentwicklung der Frühförderung in Bayern wissenschaftlich zu begleiten und fachlich zu fundieren. Zu Beginn war die Arbeitsstelle pädagogischpsychologisch ausgerichtet und trug maßgeblich dazu bei, theoretische Erkenntnisse und praktische Anforderungen der Frühförderung systematisch miteinander zu verbinden. Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der AFFBY war die Erweiterung um eine Medizinische Abteilung im Jahr 1984. Damit wurde die interdisziplinäre Ausrichtung der AFFBY konsequent gestärkt und den komplexen Bedarfen von Kindern mit Entwicklungsrisiken, Behinderungen oder Auffälligkeiten noch besser Rechnung getragen. Zunächst an unterschiedlichen Standorten innerhalb der Stadt München angesiedelt, fanden die pädagogische und die medizinische Abteilung erstmals 1995 unter einem gemeinsamen Dach in der Seidlstraße 4 zusammen. Ein weiterer Umzug erfolgte 2009 in die heutigen Räumlichkeiten, die seither kontinuierlich weiterentwickelt und an die wachsenden Anforderungen angepasst wurden. Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich die Arbeitsstelle Frühförderung Bayern im Laufe der Jahrzehnte zu einer zentralen Fach- und Koordinationsstelle mit landesweiter Bedeutung. Heute sind rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unterschiedlichen Fachdisziplinen tätig und tragen gemeinsam dazu bei, die Qualität der Frühförderung in Bayern nachhaltig zu sichern und weiterzuentwickeln. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums fand am 7. Oktober 2025 in den neu gestalteten Räumlichkeiten der AFFBY eine feierliche Jubiläumsveranstaltung unter dem Motto „50 Jahre AFFBY - Lebens(t)räume“ statt. Aufgrund der kurzfristigen Erkrankung von Maria Wollinger, der Vorsitzenden des Trägervereins, übernahm der stellvertretende Vorsitzende Karlheinz Vollrath die Begrüßung der zahlreichen Gäste. Unter ihnen befanden sich u. a. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Fachgremien, Trägerverbänden, der Jugendhilfe, der Sozialpädiatrie sowie des Verbands für interdisziplinäre Frühförderung (VIFF). In seiner Ansprache brachte Karlheinz Vollrath seine persönliche Wertschätzung für die Arbeit der Frühförderung zum Ausdruck und hob die besondere Rolle der AFFBY als fachliche Instanz und Impulsgeberin hervor. Seine Worte verband er mit einem ausdrücklichen Dank an alle Mitarbeitenden sowie mit guten Wünschen für die zukünftige Entwicklung der Arbeitsstelle. Ein besonderer Höhepunkt der Veranstaltung war das Grußwort der Bayerischen Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Ulrike Scharf. Sie betonte die herausragende Bedeutung der frühen Lebensjahre für die Entwicklung von Kindern und hob die positiven Wirkungen der Frühförderung bei Behinderungen, Entwicklungsverzögerungen oder Auffälligkeiten hervor. Die Arbeitsstelle Frühförderung Bayern sichere seit nunmehr 50 Jahren die Qualität der Frühförderung im Freistaat und setze dabei Maßstäbe, die bundesweit einzigartig seien. Die jährliche Förderung in Höhe 83 FI 2/ 2026 Aktuell von über 1,6 Millionen Euro unterstreiche den hohen Stellenwert dieser Arbeit. Ziel bleibe es, Kindern die bestmögliche Betreuung, Förderung und damit beste Chancen für ihren weiteren Lebensweg zu eröffnen. Die geschäftsführenden Leitungen der AFFBY, Sabine Wolf und Dr. Gerhard Herrmann, stellten in ihrem Beitrag das Selbstverständnis der Arbeitsstelle vor und erläuterten das Jubiläumsmotto „Lebens(t)räume“. Sie verdeutlichten die thematische Vielfalt und die breite Palette an Aufgaben, die die AFFBY wahrnimmt. Dazu zählen unter anderem die fachliche Unterstützung der Frühförderstellen in Bayern, die Bereitstellung von Informationen und Austauschformaten, die Organisation von Fort- und Weiterbildungen sowie von Fachtagungen. Darüber hinaus pflegt die AFFBY zahlreiche Schnittstellen, Vernetzungen und Kooperationen mit unterschiedlichen Akteuren im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen. Exemplarisch wurden wichtige Projekte wie „Harl.e.kin“, „AuTis“ und „BaLL 2024“ vorgestellt, die die Innovationskraft und Praxisnähe der AFFBY verdeutlichen. Abschließend luden die Leitungen die Teilnehmenden zu einem Rundgang durch die neu gestalteten Räumlichkeiten ein, bei dem weitere Einblicke in die verschiedenen Arbeitsbereiche und Projekte gewonnen werden konnten. Bei kleinen kulinarischen Köstlichkeiten nutzten die Gäste die Gelegenheit zu angeregten Gesprächen, zum fachlichen Austausch und zum persönlichen Wiedersehen. Die offene und wertschätzende Atmosphäre trug dazu bei, das Jubiläum nicht nur als Rückblick, sondern auch als Ausblick auf zukünftige Entwicklungen zu gestalten. Die Feierlichkeiten wurden am 11. Oktober 2025 mit einer weiteren Veranstaltung fortgesetzt. Unter dem Motto „Lebens(t)räume - Die Welt aus kindlicher Sicht erkunden und spielerisch erfahren“ waren Fachkräfte aus der Frühförderung eingeladen, die Lebenswelt von Kindern bewusst aus © „StMAS/ Nötel“ © „StMAS/ Nötel“ 84 FI 2/ 2026 Aktuell Den Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten bildete eine stimmungsvolle Jubiläumsparty am Abend. P.S.: Zu unserer besonderen Freude erreichte uns aus der Arbeitsstelle Frühförderung Berlin, genauer der Landeskoordination Rehabilitation und Teilhabe - Kinder und Jugendliche folgendes Feedback: „Seit mittlerweile 50 Jahren trägt die Arbeitsstelle Frühförderung in Bayern durch interdisziplinäre Expertise, die Koordination und Anleitung der Arbeit vieler engagierter Frühförder: innen und einen klaren Blick auf die Bedürfnisse von Kindern mit Beeinträchtigungen wesentlich dazu bei, Teilhabe zu ermöglichen und betroffene Familien im Freistaat Bayern nachhaltig zu entlasten. Die Berliner Landeskoordination Rehabilitation und Teilhabe - Kinder und Jugendliche gratuliert herzlich zum Jubiläum und bedankt sich für den fachlichen Austausch in den vergangenen Jahren. Wir freuen uns auf weitere interessante Begegnungen und gegenseitige Anregungen, um die Familien und ihre Kinder mit besonderen Unterstützungsbedarfen […] zu stärken.“ deren Perspektive zu betrachten. In verschiedenen Workshops konnten die Teilnehmenden kreative Mitmach-Stationen, Sinnesräume sowie Impulse zur kindlichen Wahrnehmung und Entwicklung erleben. In einer angenehmen und kollegialen Atmosphäre fand ein intensiver Austausch statt, bei dem zahlreiche Anregungen für die eigene Frühförderpraxis mitgenommen werden konnten. FACHTAGUNGEN UND KONGRESSE 6. Juni 2026, Zürich, Hochschule für Heilpädagogik Tagung „Diagnostik oder Diagnose im Frühbereich? Perspektiven aus und für die Heilpädagogische Früherziehung und Logopädie“ Infos und Anmeldung: https: / / www.hfh.ch/ weiterbildung/ diagnostik-oder-diagnose-im-fruehbereichperspektiven-aus-und-fuer-die-heilpaedagogische 3. - 6. September 2026, Brixen (Südtirol) 53. Interdisziplinärer Herbst - Seminar - Kongress für Entwicklungs- und Sozialpädiatrie 27./ 28. November 2026, München „Kindsein im digitalen Zeitalter: Chancen und Risiken“ Internationales und interdisziplinäres Symposium der Theodor-Hellbrügge-Stiftung VORSCHAU ◾ Familienorientierte Beratung bei selektivem Mutismus