Frühförderung interdisziplinär
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0721-9121
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/fi2026.art15d
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Aus der Praxis: Wortschatzerweiterung mit digitalen Wimmelbüchern
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Christian Müller
Laura Avemarie
Bilderbücher adressieren primär Kinder vom Kleinkind- bis ins Grundschulalter (Thiele 2011, 217) und sind daher bereits im Kontext frühkindlicher Bildung als relevanter Lerngegenstand einzuordnen. Die Besonderheiten von Bilderbüchern liegen in der Art der Informationsvermittlung durch die Kombination von bildlichen und verbalen Codes (Staiger 2014, 12) und die ihnen inhärenten Wechselbeziehungen (Thiele 2011, 217). Eine besondere Form des Bilderbuchs stellen Wimmelbücher dar. Sie enthalten in der Regel wenig oder keinen Text und zeigen auf ihren Doppelseiten zahlreiche, meist aufeinander bezogene Bildelemente und Szenen. Diese vielfältige und umfangreiche Verfasstheit lädt kindliche Rezipient:innen ein, das Angebot vieler Bilddetails und ihre szenischen Zusammenhänge zu erkennen, zu verstehen und sich gebärdensprachlich, mündlich oder schriftlich zu diesen zu äußern.
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104 Frühförderung interdisziplinär, 45.-Jg., S.-104 - 114 (2026) DOI 10.2378/ fi2026.art15d © Ernst Reinhardt Verlag AUS DER PRAXIS 1 Zum Gegenstand: digitale Wimmelbücher als Apps Bilderbücher adressieren primär Kinder vom Kleinkindbis ins Grundschulalter (Thiele 2011, 217) und sind daher bereits im Kontext frühkindlicher Bildung als relevanter Lerngegenstand einzuordnen. Die Besonderheiten von Bilderbüchern liegen in der Art der Informationsvermittlung durch die Kombination von bildlichen und verbalen Codes (Staiger 2014, 12) und die ihnen inhärenten Wechselbeziehungen (Thiele 2011, 217). Eine besondere Form des Bilderbuchs stellen Wimmelbücher dar. Sie enthalten in der Regel wenig oder keinen Text und zeigen auf ihren Doppelseiten zahlreiche, meist aufeinander bezogene Bildelemente und Szenen. Diese vielfältige und umfangreiche Verfasstheit lädt kindliche Rezipient: innen ein, das Angebot vieler Bilddetails und ihre szenischen Zusammenhänge zu erkennen, zu verstehen und sich gebärdensprachlich, mündlich oder schriftlich zu diesen zu äußern. Neben printmedialen Wimmelbüchern stehen inzwischen auch digitale Formate zur Verfügung. Im vorliegenden Beitrag werden digitale Wimmelbücher in Form von Apps in den Blick genommen. Sie verbinden zentrale Eigenschaften digitaler Bilderbücher: Sie sind akustisch, animiert und interaktiv (Schrenker & Beyer 2014). Hinsichtlich der digitalen Umsetzung von Wimmelbüchern existieren digitalisierte Printfassungen als Remediatisierungen einerseits und genuin digitale Neuproduktionen andererseits. Durch ihre digitale Gestaltung werden Wimmelbücher zu komplexen multimodalen Lernmedien. Zu den Bildinhalten treten akustische Elemente, animierte Szenen und spielbasierte Features hinzu. Gefordert ist nicht nur das genaue Erschließen hochverdichteter und zusammenhängender Bildinhalte, die statisch und bewegt sind, sondern auch der medienkompetente Umgang mit den Animationen (Müller 2016, 353ff.). Die Interaktionen werden typischerweise durch Berührungen auf einem Touchscreen ausgelöst, mit denen neue Rezeptionserfahrungen möglich werden, die ein analoges Bilderbuch nicht bietet (Knopf 2018). Gerade diese Mehrdimensionalität eröffnet einerseits zusätzliche Lerngelegenheiten, erhöht andererseits aber auch die Anforderungen an die Rezeption. Zur Wortschatzerweiterung ist daher vorbereitend eine professionelle Gegenstand- und Medienanalyse erforderlich. Pädagogische Fachkräfte müssen zunächst selbst erschließen, wie Bild, Ton, Sprache und Interaktivität in einer App zusammenwirken, um darauf aufbauend passende sprachförderliche Angebote für Kinder entwickeln zu können. 2 Multimodale Rezeptionsweise digitaler Bilderbücher Die von Müller (2022) beschriebene multimodale Kompositionalität digitaler Bilderbücher hilft dabei, digitale Wimmelbücher systematisch zu analysieren. Gemeint ist das Zusammenspiel unterschiedlicher modal gebundener Elemente wie Text, Bild, Bewegtbild, Ton und Interaktivität. Diese Elemente werden über verschiedene Rezeptionsweisen erschlossen: sprachlich, visuell, auditiv und taktil (vgl. Abb. 1). Wortschatzerweiterung mit digitalen Wimmelbüchern Christian Müller, Laura Avemarie 105 FI 3/ 2026 Aus der Praxis So können etwa Schrifttexte gelesen, Hörtexte angehört, Bilder betrachtet, Animationen verfolgt und interaktive Berührpunkte auf dem Bildschirm aufgelöst werden. Hinzu kommt, dass einzelne Elemente häufig mehrfach codiert sind: Ein Symbol kann visuell wahrgenommen werden, zugleich aber auch als Berührpunkt dienen und nach dem Antippen einen Ton oder eine Animation auslösen. Gerade dieses Zusammenwirken der Elemente - „Intersemiose“ nach Bucher (2012, 62) - macht digitale Bilderbücher zu anspruchsvollen, aber auch lernförderlichen Medien. Für die Praxis bedeutet dies, dass digitale Wimmelbücher vor ihrem Einsatz daraufhin geprüft werden sollten, ◾ welche Modalitäten beteiligt sind, ◾ welche Reize gleichzeitig auftreten, ◾ welche Interaktionen sprachlich produktiv genutzt werden können und ◾ welche Elemente eher ablenkend wirken. Besonders relevant sind dabei die interaktiven Elemente als programmierte, softwarebasierte Berührpunkte, die mit anderen modalen Elementen in Verbindung stehen können. Taktil mit dem Finger oder durch das Neigen des Tablets ausgelöst werden Bewegtbilder bzw. Animationen, die bei entsprechendem didaktisch-methodischem Einsatz vielfältige Möglichkeiten zur Sprachförderung bereithalten. Werden sie unreflektiert genutzt, besteht die Gefahr der Überforderung oder Ablenkung. 3 Sprachförderliches Potenzial digitaler Bilderbücher und Wimmelbücher Das gemeinsame Betrachten von Bilderbüchern und Wimmelbüchern schafft eine besondere Form der Kommunikation (Thiele 2011, 227), vor allem im Rahmen dialogischen Lesens. Belegt ist das sprachförderliche Potenzial dialogischen Lesens sowohl für printmediale (Ennemoser et al. 2013, Wesseling et al. 2017, Bojczyk et al. 2019, Baldaeus et al. 2021) als auch für digitale Bilderbücher (Egert et al. 2022, Cordes et al. 2023). Die Effekte sind dabei teilweise mit denen printmedialer Formate vergleichbar oder fallen sogar stärker aus. Liang et al. (2025) belegen in einer Metaanalyse einen deutlich stärkeren Effekt des digitalen Mediums auf den Wortschatz als das Printmedium. Egert et al. (2022) weisen für E-Book-Interventionen kleine bis moderate Effekte auf die Sprachentwicklung nach. Zugleich machen die Befunde deutlich, dass nicht das Medium allein entscheidend ist, sondern die Qualität seiner didaktischen Einbettung und der Interaktion mit dem Kind. Dass bereits kürzere Interventionen mit digitalen Bilderbüchern unter der Methode des dialogischen Lesens zur Sprachförderung geeignet sind, wird anhand einer Studie von Cordes et al. (2023) deutlich. Hingewiesen wird in dieser Studie ergänzend auf die Notwendigkeit der Berücksichtigung entwicklungs- und kognitionspsychologi- Abb. 1: Multimodale Kompositionalität und Rezeptionsweisen digitaler Bilderbücher (Müller 2022) Multimodale Rezeptionsweisen digitaler Bilderbücher sprachlich visuell auditiv taktil Modale Elemente multimodaler Kompositionalität in digitalen Bilderbüchern 1. Ordnung ◾ Text ◾ Bild und Bewegtbild ◾ Ton ◾ interaktive Elemente 2. Ordnung ◾ Schrifttext ◾ Hörtext ◾ interaktive Elemente (z. B. Schrift als Berührpunkt) ◾ Schrifttext ◾ interaktive Elemente (z. B. ein Pfeil als Symbol) ◾ Hörtext ◾ Geräusche ◾ Musik ◾ Schrifttext ◾ Bild ◾ Bewegtbild ◾ Symbole ◾ diverse Berührpunkte 106 FI 3/ 2026 Aus der Praxis scher Erkenntnisse bei der technischen Gestaltung digitaler Bilderbücher. Auch Takacs et al. (2015) betonen die Bedeutung einer qualitativ hochwertigen Interaktivität. Visuelle, auditive und interaktive Elemente müssen also inhaltlich passend und kognitiv entlastend eingebettet sein. Unnötige oder ablenkende interaktive Funktionen stören hingegen die Aufmerksamkeit und können das sprachförderliche Potenzial deutlich reduzieren (siehe zur Übersicht Cordes et al. 2023). Untersucht ist das sprachförderliche Potenzial digitaler Bilderbücher nicht nur bei Kindern ohne Behinderung, sondern auch mit Autismus- Spektrum-Störung, Sprachentwicklungsstörungen sowie mit Taubheit/ Schwerhörigkeit. Wenige Untersuchungen nehmen Kinder mit geistiger Behinderung in den Blick. Wauters und Dirks (2017) konnten bei tauben/ schwerhörigen Kindern keinen Vorteil von E-Books gegenüber printmedialen Bilderbüchern für die Wortschatzentwicklung und das Text-/ Bildverständnis nachweisen. Ausschlaggebend war in ihrer Studie vielmehr die Qualität der Interaktion: Sprachförderlich wirkte vor allem, wie Erwachsene das Kind aktiv einbezogen, Fragen stellten und Inhalte erklärten. Spezifische Studien zum sprachförderlichen Potenzial von (digitalen) Wimmelbüchern sind bislang selten. In der fachdidaktischen Literatur wird ihr Potenzial jedoch differenziert begründet. So wird darauf verwiesen, dass Wimmelbücher mit ihren detailreichen künstlerischen Darstellungen die Wahrnehmung durch genaue Bildbetrachtung fördern und vielfältige Kommunikationsanlässe schaffen können (Sauerborn 2017, 2). Da sie wenig oder keinen Text enthalten, sind sie zudem für heterogene Lerngruppen besonders geeignet. Ihr sprachförderliches Potenzial lässt sich derzeit vor allem theoretisch begründen und aus den Befunden zu digitalen Bilderbüchern ableiten. Für die Frühförderung ist daraus abzuleiten: Nicht die App an sich fördert Sprache, sondern die Qualität der pädagogischen Begleitung. Wie diese gestaltet werden sollte, um das sprachförderliche Potenzial digitaler Wimmelbücher ausschöpfen zu können, ist Gegenstand des folgenden Kapitels. 4 Wortschatzerweiterung mit digitalen Wimmelbüchern Wimmelbücher eignen sich in besonderer Weise zur Wortschatzerweiterung, da sie eine visuell dichte, kontextreiche und dialogisch nutzbare Lernumgebung bereitstellen. Sie bieten zahlreiche Objekte, Handlungen, Eigenschaften und Beziehungen, die im gemeinsamen Betrachten sprachlich aufgegriffen werden können. In Anlehnung an Haid und Itel (2015) lässt sich die Wortschatzarbeit mit digitalen Wimmelbüchern in drei Schritte gliedern: Zunächst werden vor allem Inhaltswörter bzw. entsprechende lexikalische Gebärden eingeführt, indem Nomen, Verben und Adjektive fokussiert, gebärdet und/ oder versprachlicht werden. Darauf aufbauend werden diese lexikalischen Einheiten semantisch erschlossen, etwa durch Beschreibungen, Vergleiche oder Einordnungen. Abschließend werden sie durch Wiederholung und variierende Verwendung gefestigt. Fragetypen als sprachförderliche Unterstützung Ein wichtiges Mittel der sprachförderlichen Begleitung ist der gezielte Einsatz unterschiedlicher Fragetypen. Diese können je nach Sprachstand des Kindes unterschiedlich anspruchsvoll gestaltet sein. Für Kinder mit noch geringen Sprachkompetenzen bieten Entscheidungsfragen (z. B. „Ist das ein Hund? “) einen niedrigschwelligen Zugang und ermöglichen früh gelingende Kommunikationssituationen während der Wimmelbuchbetrachtung. Alternativfragen (z. B. „Ist das ein Hund oder eine Katze? “) bieten durch ihre strukturelle Vorgabe ein sprachliches Modell, an dem sich Kinder orien- 107 FI 3/ 2026 Aus der Praxis tieren können, und eröffnen zugleich korrekte Antwortoptionen. Offene Fragen (z. B. „Was macht der Hund gerade? “) gelten zwar als besonders sprachförderlich, setzen jedoch in der Regel weiter entwickelte Sprachkompetenzen voraus. Über den gezielten Einsatz einzelner Fragetypen hinaus erfordert eine systematische Wortschatzarbeit mit digitalen Wimmelbüchern strukturierte Übungsformate, die verschiedene Aspekte des Wortlernens aufgreifen. Hierfür bieten die Übungen von Kannengieser (2023) einen differenzierten Orientierungsrahmen, der im Folgenden für den Einsatz mit digitalen Wimmelbüchern angepasst wird. Unterschieden werden Übungen zur Präsentation von Zielgebärden/ Zielwörtern, zum Angebot von Speichermerkmalen sowie rezeptive und expressive Übungsformate. Präsentation von Zielgebärden/ Zielwörtern Ziel dieser Übungen ist die Einführung neuer Gebärden/ Wörter im situativen und visuellen Kontext des Wimmelbuchs. Mögliche Vorgehensweisen sind: ◾ die Fokussierung einzelner Bildelemente durch Zeigen oder Hervorheben mit anschließender gebärden- oder lautsprachlicher Bezeichnung, z. B.: „Das ist ein Kran.“ ◾ der Vergleich mehrerer Exemplare desselben Konzepts, z. B.: „Hier ist ein Hund. Und hier ist noch ein Hund - und auch da.“ ◾ die Einbettung von Zielgebärden/ Zielwörtern in die Bildhandlung, z. B.: „Der Bäcker verkauft das Brot.“ ◾ die Entwicklung einer kleinen Geschichte aus einer Szene, z. B.: „Der Junge hat kein Eis mehr und ist traurig.“ ◾ die Präsentation derselben Zielgebärde/ desselben Zielworts in unterschiedlichen Szenen eines Bildes, z. B.: „Der Hund läuft hier - und dort schläft er.“ Angebot von Speichermerkmalen In dieser Phase werden Zielgebärden/ Zielwörter semantisch vertieft, damit sie im mentalen Lexikon besser verankert werden können. Dies kann geschehen durch: ◾ Definitionen am Bild, z. B.: „Ein Kran ist eine große Maschine, die schwere Dinge hebt.“ ◾ funktionsbezogene Erklärungen, z. B.: „Ein Feuerwehrmann ist jemand, der Feuer löscht.“ ◾ die Darbietung von Oberbegriffen, z. B.: „Das sind Fahrzeuge: Bus, Auto, Fahrrad.“ ◾ die Bezeichnung semantischer Merkmale, z. B.: „Der Helm ist rot und schützt den Kopf.“ ◾ Hinweise zu typischen Gebrauchszusammenhängen, z. B.: „Die Schaufel benutzt man im Sandkasten.“ ◾ die Einbettung in semantische Relationen oder Kollokationen, z. B.: „Der Koch kocht Suppe.“ ◾ die Abgrenzung ähnlicher Gebärden/ Wörter, z. B.: „Das ist ein Lkw - er ist größer als ein Auto.“ ◾ nonverbale Darstellung durch Geräusche oder Animationen, z. B.: Fahrende Fahrzeuge gemeinsam ansehen. Rezeptive Übungen Rezeptive Übungen zielen auf Gebärdenverstehen/ Wortverstehen und Bedeutungszuordnung. Sie können in digitalen Wimmelbüchern besonders gut visuell und interaktiv eingebettet werden. Geeignete Formate sind: ◾ das Finden von Objekten im Bild, z. B.: „Zeige mir den Kran.“ ◾ das Identifizieren von Teilen eines Gegenstands, z. B.: „Zeige mir die Räder vom Fahrrad.“ ◾ das Finden von Handlungen im Bild, z. B.: „Finde jemanden, der einkauft.“ ◾ das Zuordnen pantomimischer Darstellungen zu Bildszenen, z. B.: Fachkraft stellt pantomimisch eine Szene dar und Kind sucht die passende Szene im Wimmelbild. 108 FI 3/ 2026 Aus der Praxis ◾ kontrastive Aufgaben im Satzkontext, z. B.: „Zeige mir jemanden, der rennt - nicht geht.“ ◾ Plausibilitätsprüfungen, z. B.: „Der Fisch fährt Fahrrad. Stimmt das im Bild? “ Auch Mischformen mit einem rezeptiven Schwerpunkt und ersten produktiven Anteilen sind möglich, z. B.: ◾ „Da ist ein Auto. Was ist noch ein Fahrzeug im Bild? “ ◾ „Was ist ein Bäcker? Zeige es mir im Bild.“ ◾ „Was ist der Unterschied zwischen Bus und Auto im Bild? “ ◾ „Womit kann man hier graben? “ ➝ Kind zeigt auf die Schaufel. Expressive Übungen Expressive Übungen zielen auf die eigenständige sprachliche Verwendung der Zielgebärden/ Zielwörter. Sie reichen von Benennungsaufgaben bis hin zu zusammenhängenden Äußerungen. Dazu gehören: ◾ Abruf/ Produktion von Zielgebärde/ Zielwort nach Umschreibungen, z. B.: „Ich suche etwas, womit man gräbt.“ ◾ Vervollständigung gebärdensprachlicher/ lautsprachlicher Äußerungen auf Basis visueller Kontexte, z. B.: „Der Mann fährt einen…“ ➝ Bild liefert Kontext für passende Ergänzung. ◾ Übungen zum Generieren von Gebärden/ Wörtern, z. B.: ● „Was gehört alles zum Spielplatz auf diesem Bild? “ (thematisch) ● „Was kann alles fahren hier? “ (semantisches Feld) ● „Nenne alle Fahrzeuge, die du siehst.“ (Kategoriegebärde mit anschließender Aufzählung/ Hyperonyme) ● „Welche Tiere findest du? “ (Kohyponyme) ◾ Übungen zur Satzbildung mit den Zielgebärden/ Zielwörtern, z. B.: „Was macht die Frau? “ ◾ Übungen zur zusammenhängenden Sprachverwendung, z. B.: ● Bildgeschichten entwickeln, z. B.: „Was passiert hier zuerst/ dann/ danach? “ ● Gemeinsam entwickelte Geschichten nacherzählen ● Handlungsabläufe beschreiben, z. B.: „Wie wird hier ein Kuchen gemacht? “ ● Handlungssequenzen im Bild gebärdensprachlich/ lautsprachlich darstellen, z. B.: „Was muss man tun, um auf den Turm zu kommen? “ ◾ Übungen zum Erklären von Bedeutungsunterschieden bei semantisch verwandten Gebärden/ Wörtern anhand von Bildkontrasten, z. B.: „Was ist der Unterschied zwischen einem Bus und einem Auto? “ Im Wimmelbuchkontext werden Wortschatzübungen damit von isolierten Produktions- und Rezeptionsaufgaben zu kontextgebundenen, visuell gestützten und dialogisch eingebetteten Sprachhandlungen. Gerade darin liegt ihre Stärke: Sie unterstützen den Übergang von lexikalischem Wissen zu funktionaler Sprachverwendung in Gebärden- und Lautsprache. 5 Digitale Wimmelbücher für die Wortschatzerweiterung Der Einsatz digitaler Wimmelbücher zur Wortschatzerweiterung bedarf einer sorgfältigen Vorbereitung. Hilfreich ist dabei das oben skizzierte Modell von Müller (2022) zur Analyse multimodaler Gestaltung. Vor dem Hintergrund der individuellen Lernvoraussetzungen der Kinder sollte geplant werden, ◾ welche Zielgebärden/ Zielwörter im Mittelpunkt stehen, ◾ welche Interaktionen sprachlich produktiv genutzt werden können, ◾ welche Funktionen ggf. reduziert oder ausgeschaltet werden sollen und ◾ welche sprachförderlichen Impulse die Fachkraft einbringen möchte. 109 FI 3/ 2026 Aus der Praxis Einige Apps bieten dafür eine hilfreiche Auswahl an Voreinstellungen, etwa das Zu- oder Abschalten verschiedener Funktionen. Die Altersempfehlungen der Entwicklerfirmen werden zwar auch in diesem Artikel als erste Orientierung angegeben, sollten jedoch stets kritisch auf ihre Eignung für die jeweilige Zielgruppe hin überprüft werden. Digitale Wimmelbücher lassen sich unter anderem über kuratierte Plattformen finden, die Apps auswählen, beschreiben und teilweise bewerten. Eine zentrale Quelle ist die Website der Stiftung Lesen (https: / / www.stiftunglesen.de/ loslesen/ lesetipps-und-aktionsideen? tx_solr%5Bfilter%5D %5B0%5D=mediaCategory%3AApp&tx_solr%5B filter%5D%5B1%5D=mediaCategory%3AWimmel buch), die unter der Rubrik „Lesetipps und Aktionsideen“ gezielt nach Medienkategorien filterbar ist (z. B. „App“ und „Wimmelbuch“). Dort werden ausgewählte digitale Wimmelbücher didaktisch eingeordnet und bewertet, etwa hinsichtlich der Gestaltung, Interaktivität und Eignung für bestimmte Altersgruppen. Im Folgenden werden einige digitale Wimmelbücher vorgestellt, die sich für die Wortschatzerweiterung in der Frühförderung eignen können. Die Apps sind primär lautsprachlich ausgerichtet; die Figuren interagieren mit den Kindern über gesprochene Sprache, weshalb eine modalitätsangepasste Aufbereitung in DGS durch die Fachkraft notwendig ist. Anne zeigt ihr Zuhause „Anne zeigt ihr Zuhause“ wurde 2013 von der concappt media GmbH entwickelt. Das digitale Wimmelbuch ist auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch verfügbar und wird ab zwei Jahren empfohlen. Für die Wortschatzerweiterung eignet sich die App besonders im Bereich des Alltagswortschatzes. Die App greift vertraute Lebensbereiche auf, etwa Küche, Flur, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Garten, Wohnzimmer, Badezimmer und Dachboden. In den interaktiven Wimmelszenen fordert die Figur Anne dazu auf, bestimmte Gegenstände zu suchen. Nach dem Antippen erhalten die Kinder eine direkte Rückmeldung. Sprachförderlich ist vor allem die klare Wort-Bild- Zuordnung. Die Namen der über 200 Gegenstände werden deutlich ausgesprochen, sodass Wörter wiederholt gehört und mit konkreten Objekten verbunden werden können. Darüber hinaus bieten die Szenen zahlreiche Anknüpfungspunkte für Gespräche über die Lebenswelt der Kinder, etwa über das eigene Zuhause, Lieblingsorte oder alltägliche Routinen. Die App ist intuitiv bedienbar, werbefrei und verfügt über eine Kindersicherung für In-App-Käufe. Im Hauptmenü kann zwischen den verschiedenen Wimmelszenen gewählt werden. Energie Wimmelapp Die „Energie Wimmelapp“ wurde 2018 von der Stiftung Kinder forschen und der E.ON Stiftung GmbH in Zusammenarbeit mit der wonderkind GmbH entwickelt. Sie ist für Kinder ab sechs Jahren empfohlen. Die App behandelt das Thema Energie in sechs interaktiven Wimmelszenen. Dabei werden verschiedene Energieformen, die Umwandlung zwischen diesen Formen sowie die Nutzung durch uns Menschen thematisiert. Neben Animationen enthält die App inhaltliche Impulse, kleine Filme, Spiele und Anregungen für weiterführende Experimente. Je zwei Wimmelszenen spielen auf dem Land, in der Schule und in der Stadt. Fast alle Elemente in den Wimmelszenen sind animiert und durch Anklicken starten kurze Animationen. Bei 50 Elementen erscheint nach der Animation ein grüner Pfeil, der auf einen inhaltlichen Impuls verweist. Einige Animationen können erneut ausgelöst werden, um das Betrachten des jeweiligen 110 FI 3/ 2026 Aus der Praxis thematischen Aspekts aus verschiedenen Perspektiven zu ermöglichen. Es gibt drei Minispiele, davon eins zum Thema Gangschaltung, die in einen Comic eingebettet sind. Für die Wortschatzerweiterung ist die App vor allem im Übergang zur Schule interessant. Sie bietet zahlreiche Gelegenheiten, themenspezifischen Wortschatz aufzubauen. Die App kann als Download und in einer Webversion genutzt werden. Im Hauptmenü wählen Benutzer: innen zwischen den Wimmelszenen und einem Erwachsenenbereich mit methodischen Hinweisen, Erklärungen und Materialien. Die Töne und Geräusche sind standardmäßig eingeschaltet, die Vorlesestimme kann ausgeschaltet werden. Im Zirkus Wunderwimmelbuch Das digitale Wimmelbuch „Im Zirkus Wunderwimmelbuch“ wurde 2012 von der wonderkind GmbH in zahlreichen Lautsprachen veröffentlicht. Es wird ab vier Jahren empfohlen. Die App eröffnet ein thematisch klar konturiertes Wortfeld rund um Zirkus und Tiere. In drei interaktiven Szenen mit etwa 80 Animationen lassen sich neue Gebärden/ Wörter wie Manege, Dompteur, Trapez oder Parade einführen und vertiefen. In der ersten Szene wird ein Zirkusgelände mit Wohnwagen, Tierkäfigen, Eingängen und kleineren Attraktionen, eingebettet in eine Stadtszene, gezeigt. In der zweiten Szene ist eine Manege mit Tierauftritten, Dompteuren, einer Band, Scheinwerfern und Zuschauer: innen auf den Tribünen zu sehen. Die dritte Szene zeigt ebenfalls die Manege, hier mit Artist: innen, Akrobat: innen und Clowns. Die Wimmelszenen sind textfrei, lediglich die Navigation zwischen den Szenen wird durch einfachen Text und Icons unterstützt. Die Animationen sind mit Geräuschen unterlegt, die durch Antippen gestartet werden können, sodass die Figuren miteinander interagieren. Viele Elemente können angetippt werden, wodurch kleine Animationen und Sounds ausgelöst werden, die den Zirkus mit seinen Akteur: innen, Tieren und Zuschauer: innen lebendig machen und zur Kommunikation anregen. Das Wimmelbuch bietet eine einfache Bedienung durch Swipen und erkennt auch mehrere Berührungen zugleich, wodurch gemeinsam interagiert werden kann. Im Hauptmenü können Nutzer: innen zwischen weiteren Apps, In-App- Szenen und dem Spielstart wählen. Durch eine aktivierbare Bedienleiste am unteren Bildschirmrand werden Interaktionsmöglichkeiten sichtbar gemacht und der Wechsel zwischen Wimmelszenen und ins Hauptmenü ermöglicht. Meine Bauarbeiter Wimmelapp Die „Meine Bauarbeiter Wimmelapp“ entstammt einer Produktion der wonderkind GmbH aus dem Jahr 2015 und wird für Kinder ab drei Jahren empfohlen. Im Mittelpunkt steht eine Baustellenszene mit zwölf Baumaschinen und etwa 60 interaktiven Elementen. Die App eignet sich besonders zur Einführung und Festigung von Wortschatz rund um Baustelle, Fahrzeuge und Werkzeuge. Sprachförderlich interessant sind vor allem die verketteten Handlungsabläufe, etwa beim Ausheben und Transportieren von Erde. Dadurch können nicht nur einzelne Nomen, sondern auch Verben und Handlungszusammenhänge sprachlich aufgegriffen werden. Das Hauptmenü bietet die Wahl zwischen der Wimmelszene und der Anpassung der Spielfiguren. Die Figuren lassen sich individuell gestalten, zum Beispiel Kleidung, Hautfarbe und Frisur. Zudem kann das Ortsschild frei bemalt werden. Eine Leiste am unteren Bildschirmrand gibt Hinweise auf Interaktionsmöglichkeiten mit der Szene. Im geschützten Erwachsenenbereich lassen sich einzelne Einstellungen anpassen, etwa die Hintergrundmusik. Die App kann gemeinsam am selben Gerät genutzt werden. 111 FI 3/ 2026 Aus der Praxis Mein Bauernhof Wimmelapp Die ab zwei Jahren ausgewiesene „Mein Bauernhof Wimmelapp“ (wonderkind GmbH 2015) widmet sich thematisch dem Leben auf dem Land und zeigt Szenen eines Bauernhofs bei Tag und Nacht. Die App bietet umfangreiche Szenen bei Tag und Nacht und eröffnet insbesondere Zugänge zu Wortschatz aus den Bereichen Tiere, Geräusche, Tätigkeiten auf dem Bauernhof und ländliche Lebenswelt. Anhand der etwa 90 Animationen können (Tier-)Geräusche erkannt und bildlich zugeordnet werden. Die Wimmelszenen sind detailreich und unterhaltsam gestaltet; einige Animationen zeigen Handlungen von mehreren Sekunden. Die Möglichkeit zum Zoomen unterstützt die gemeinsame Fokussierung einzelner Details. Text ist hauptsächlich im Erwachsenenbereich enthalten, zum Beispiel Vorschläge für Erzählanlässe. Die Navigation ist in allen Bereichen schriftlich gestaltet, weshalb eine erwachsene Begleitung bei der Nutzung empfehlenswert ist. Im Hauptmenü können Nutzer: innen zwischen vielen Lautsprachen und den Szenen wählen. Die Hintergrundmusik kann im Erwachsenenbereich ein- und ausgeschaltet werden. Mein Flughafen Wimmelapp Das digitale Wimmelbuch „Mein Flughafen Wimmelapp“ wird für Kinder ab drei Jahren (wonderkind GmbH 2014) empfohlen. Das Thema Flughafen mit seinen unterschiedlichen Transport- und Verkehrsmitteln wird über die Szenen Check-in, Rollfeld und Flug erschlossen. Die App bietet sprachförderliche Potenziale insbesondere im Bereich von Verkehrsmitteln, Reisen, Abläufen und räumlichen Zusammenhängen. Da Kinder eine Figur durch verschiedene Szenen begleiten können, lassen sich szenenübergreifende Bezüge herstellen und Handlungsfolgen versprachlichen. Die Steuerung des Flugzeugs in einer der Szenen eröffnet zusätzliche interaktive Möglichkeiten. Gleichzeitig laufen in den Szenen oft mehrere Animationen und Geräusche parallel ab. Dies kann manche Kinder überfordern. Da sich Hintergrundmusik und Geräusche nicht ausschalten lassen, ist eine Begleitung durch Erwachsene notwendig. Das Hauptmenü erlaubt die Auswahl der Sprachen und Szenen, eine Leiste am unteren Bildschirmrand ermöglicht den Wechsel zwischen Szenen und zum Hauptmenü sowie Zugang zu Hinweisen auf Interaktionsmöglichkeiten. Meine Piraten Wimmelapp Die in mehreren Sprachen nutzbare „Meine Piraten Wimmelapp“ (wonderkind GmbH 2018) ist für Kinder ab drei Jahren empfohlen. Die App bietet zwei interaktive Wimmelszenen mit etwa 60 Interaktionsmöglichkeiten rund um das Thema Piratenschiff und Piratenhafen. Eine Szene zeigt einen Querschnitt des Piratenschiffs auf See, wobei Kinder Einblicke in das Leben auf dem Schiff und die Unterwasserwelt erhalten. Die andere Szene stellt den Alltag an einem Piratenhafen dar, mit der Beladung eines Schiffes, einer Kneipe, einem Obststand, einem Turm mit Wächtern und einem gefangenen Piraten. Hinzu kommt ein Charaktereditor, mit dem Figuren individuell gestaltet werden können. So lassen sich Haut- und Haarfarbe, Frisur, Gesicht und Kleidung der Figuren anpassen. Weiter ermöglicht es ein Zufallsmodus, das Aussehen der Figuren spontan zu variieren. Für die Sprachförderung eröffnet die App zahlreiche Möglichkeiten, Situationen, Handlungen und Beziehungen innerhalb einer Szene zu beschreiben. Zugleich regt das Thema zu Fantasie, Vermutungen und zum Erzählen an. Die App enthält kaum Text; für die Navigation werden Icons verwendet. Die Animationen sind mit Geräuschen gekoppelt. Die Figuren und Motive in den Szenen interagieren miteinander, 112 FI 3/ 2026 Aus der Praxis wenn man sie antippt. Die Hintergrundmusik kann im Erwachsenenbereich ausgeschaltet werden. Die App bietet mehrere Minispiele, die jeweils durch ein Hand-Icon angezeigt werden. Dazu gehören Sackhüpfen am Hafen, das Beladen eines Schiffes mit Fässern sowie die Steuerung des Schiffes. Diese Minispiele sind jeweils Teil der Wimmelszenen und ergänzen die interaktive Erlebniswelt auf spielerische Weise. Meine Stadt: Wimmelbuch für Kinder „Meine Stadt: Wimmelbuch für Kinder“ wurde 2012 von der wonderkind GmbH veröffentlicht und eignet sich für Kinder ab zwei Jahren. Die App zeigt drei textfreie Stadtszenen mit etwa 70 Interaktionsmöglichkeiten zu unterschiedlichen Tageszeiten. Die erste Szene zeigt eine Straßenecke mit einem ohne Fassade visualisierten Wohnhaus, um in die Räume schauen zu können, ein Ladenlokal, einen Bus und eine Ampel. In der zweiten Szene abgebildet ist ein Stadtpark mit Freizeitmöglichkeiten, etwa einer Skateboardbahn. Die dritte Szene zeigt einen Teil der Stadt bei Nacht, ebenfalls mit Einblicken in Wohnhäuser, einer Kirche, einer Hexe auf einem Besen, einer Feuershow und Mäusen beim Abendessen. Für die Wortschatzerweiterung bietet die App breite Anknüpfungspunkte im Bereich Stadt, Wohnen, Alltag, Verkehr und Freizeit. Da die Szenen offen gestaltet sind, regen sie insbesondere zum Erzählen, Beschreiben und Vergleichen an. Auch Vermutungen über Zusammenhänge oder Unterschiede zwischen Tag und Nacht können sprachlich aufgegriffen werden. Im Hauptmenü kann man zwischen weiteren Apps, In-App-Szenen und dem Start des Wimmelbuchs wählen. Am unteren Bildschirmrand gibt es eine Leiste, die bei Hochwischen ein weiteres Menü mit Einstellungen, Mail- und Social-Media- Optionen, Bewertungsfunktionen, Hilfebereich und Impressum öffnet. Dort können Töne und Hintergrundmusik einzeln sowie ein Lautstärkelimit und eine Bedienungssperre aktiviert werden. Tatütata - Feuerwehr und Polizei „Tatütata - Feuerwehr und Polizei“ (wonderkind GmbH 2014) wird ab drei Jahren ausgewiesen und kann in mehreren Sprachen rezipiert werden. Die App enthält zwei Szenen zu den Tätigkeitsfeldern der Feuerwehr und der Polizei. Beide Szenen sind wahlweise in einer Sommer- oder Winterdarstellung verfügbar, wobei sich die Inhalte der gleichen Bildelemente abhängig von der Jahreszeit unterscheiden. Diese Variation eröffnet sprachförderlich interessante Vergleichsmöglichkeiten, da ähnliche Objekte und Handlungen in unterschiedlichen Kontexten betrachtet und beschrieben werden können. Interaktiv können Feuer gelöscht, eine Kuh mit dem Kranwagen aus dem Teich und eine Katze vom Baum gerettet sowie umgestürzte Bäume entfernt werden. In der Polizeiszene können Taschendiebe gefangen, bei Spezialoperationen geholfen und ein Polizeihubschrauber gesteuert werden. Dadurch lassen sich Verben, Rollenbezeichnungen und themenspezifischer Wortschatz gezielt aufgreifen. Die App enthält wenig Text, die Navigation erfolgt über Icons. Animationen sind mit Geräuschen gekoppelt und werden meist durch Antippen ausgelöst. Fazit Forschung zu digitalen Bilderbüchern legt nahe, dass digitale Formate zur Sprachförderung beitragen können, vor allem im Bereich des Wortschatzes. Ausschlaggebend ist dabei die Qualität der didaktischen Einbettung. Für digitale Wimmel- 113 FI 3/ 2026 Aus der Praxis bücher im engeren Sinne ist die empirische Befundlage bislang noch begrenzt. Ihr Potenzial lässt sich derzeit vor allem theoretisch begründen und aus Befunden zu digitalen Bilderbüchern ableiten. Für die Frühförderung sind digitale Wimmelbücher als multimodale Lernmedien für die Wortschatzerweiterung besonders dann geeignet, wenn ihre visuellen, auditiven, sprachlichen und interaktiven Elemente fachlich und didaktisch analysiert und didaktisch gezielt genutzt werden. Die für Fachkräfte einfach anmutenden Wimmelbücher können für Kinder aufgrund der parallel ablaufenden, wahrzunehmenden und zu verarbeitenden Modalitäten äußerst komplex sein. Für die Wortschatzerweiterung bieten digitale Wimmelbücher jedoch besonders günstige Voraussetzungen: Sie stellen kontextreiche Bildwelten bereit, ermöglichen wiederholte Begegnungen mit Zielgebärden/ Zielwörtern und eröffnen vielfältige dialogische Anlässe. Werden Zielgebärden/ Zielwörter bewusst ausgewählt, Interaktionen gezielt gesteuert und Übungen systematisch aufgebaut, können digitale Wimmelbücher dazu beitragen, lexikalisches Wissen in funktionale Sprachverwendung zu überführen. Christian Müller Institut für Deutsche Philologie Schellingstraße 3/ RG 80799 München E-Mail: christian.mueller@germanistik.uni-muenchen.de Prof.in Dr. Laura Avemarie Ludwig-Maximilians-Universität München Fakultät für Psychologie und Pädagogik Department für Pädagogik und Rehabilitation Lehrstuhl für Sonderpädagogik - Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation einschließlich inklusiver Pädagogik Leopoldstraße 13 80802 München E-Mail: Laura.Avemarie@edu.lmu.de Literatur Baldaeus, A., Ruberg, T., Rothweiler, M., Nickel, S. (2021): Sprachbildung mit Bilderbüchern. Ein videobasiertes Fortbildungsmaterial zum dialogischen Lesen. Waxmann, Münster, https: / / doi.org/ 10.31244/ 9783830993124 Bojczyk, K. E., Haverback, H. R., Pae, H. K., Hairston, M., Haring, C. D. (2019): Parenting practices focusing on literacy: A study of cultural capital of kindergarten and first-grade students from lowincome families. 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