eJournals mensch & pferd international1/2

mensch & pferd international
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1867-6456
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Praxistipp: Reitkissen als Hilfsmittel in Förderung und Therapie mit dem Pferd

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Henrike Struck
Praxistipp: Reitkissen als Hilfsmittel in Förderung und Therapie mit dem Pferd
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Henrike Struck 106 | mup 2|2009|106 - 107|© Ernst Reinhardt Verlag München Basel „Reitkissen“ als Hilfsmittel in Förderung und Therapie mit dem Pferd Das „Reitkissen für das heilpädagogische Reiten“, wie der offizielle Name des Produkts lautet, ist ein mit Polypropylenperlen gefülltes Kissen mit dem Obermaterial Kunstleder oder Physiotex, das einem auf dem Pferd sitzenden Klienten umgelegt werden kann. Es ist in der Mitte gepolstert und hat dort einen annähernd quadratischen Querschnitt, die ca. 60 cm langen Enden sind flach genäht und an den Enden mit Quarzsand gefüllt. Das Kissen wird von der Firma Therapino (www.therapino.de) vertrieben und in Größe, Material, Farbe und Gewicht nach Kundenwunsch hergestellt. Das Kissen kann sowohl mit dem dicken Mittelteil hinter dem Klienten als auch mit diesem Teil vor dem Klienten verwendet werden. Dabei kann der Klient jeweils vorwärts oder rückwärts auf dem Pferd sitzen. Je nach Position des Kissens trägt es zu einer Stabilisierung von hinten oder von vorne bei und gibt auch etwas seitlichen Halt. Im Vorwärtssitz kann es hinten umgelegt der Rumpfstabilisierung dienen, nach vorn gelegt hilft es Klienten, die zu starker Vorlage neigen oder kann das „vorwärts auf den Hals legen“ komfortabler machen. Im Rückwärtssitz können durch das vor den Klienten gelegte Kissen z. B. verschiedene Unterarm- oder Handstützübungen gemacht werden. Das Kissen hat keine Verschlüsse und wird weder am Pferd noch am Klienten festgemacht. Halt gewinnt es durch die langen beschwerten Enden, die vorn oder hinten überkreuz gelegt werden können, so dass der Klient ganz vom Reitkissen umfasst wird. Die Enden können allerdings auch untergeschlagen werden, so dass es eher als ‚echtes‘ Kissen genutzt werden kann. Der Vorteil des verschlussfreien Systems ist, dass es so problemlos für verschiedene Personen verwendet werden kann, ohne dass etwas neu eingestellt werden muss. Zu bedenken ist hierbei nur, dass die Größe des Kissens zur jeweiligen Zielsetzung passen muss und die Größe bzw. der Körperumfang des Klienten zu berücksichtigen ist. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass das Kissen im Laufe einer Therapie- oder Fördereinheit leicht hinzugenommen oder wieder beiseite gelegt werden kann. Aus sicherheitstechnischer Sicht ist wichtig zu erwähnen, dass der Klient nicht durch das Reitkissen auf dem Pferd fixiert ist. In diesem Zusammenhang muss auch darauf hingewiesen werden, dass das Kissen selbstverständlich in Praxistipp Henrike Struck Praxistipp: Struck - „Reitkissen“ als Hilfsmittel in Förderung und Therapie mit dem Pferd mup 2|2009 | 107 Henrike Struck Zentrum für Therapeutisches Reiten der Werkstätten der AWO Dortmund · Bahnstraße 95 · 44532 Lünen · E-Mail: h.struck@awo-reiterhof.de Kontakt keinem Falle die entsprechende Sicherung des Klienten ersetzen kann! Wir nutzen in unserer Einrichtung zwei Kissen in den Größen „groß“ und „klein“. Das große Kissen eignet sich vor allem für stabile Erwachsene, die Größe „klein“ passt für Kinder sowohl in der Frühförderung als auch im Grundschulalter. Z. T. setzen wir es auch bei kleinen Erwachsenen ein. Die Kissen sind seit ca. einem Jahr dreibis viermal wöchentlich im Einsatz und sehr stabil. Bei der Variante in Kunstleder muss lediglich beachtet werden, dass das Kissen zur Lagerung nach der Benutzung flach liegt, damit die schweren Quarzsandsäcke nicht zur Materialermüdung im Bereich der Nähte führen. Das Kissen eignet sich nach unserer Erfahrung besonders für Klienten, die sich auf dem Pferd eher unsicher fühlen oder auch für unruhige Kinder, die Schwierigkeiten haben, in der Mittelposition zu bleiben. Es vermittelt ihnen durch die zusätzliche taktile und kinästhetische Rückmeldung das Gefühl eines besseren Halts, ohne allerdings die eigenen Bewegungsmöglichkeiten und die Anforderungen an die motorischen Leistungen durch Anpassung an die Pferdebewegung deutlich einzuschränken. Weiterhin kann es gut im Übergang vom Reiten mit „Backrider“ zum Reiten alleine auf dem Pferd eingesetzt werden, um die Stütze von hinten schrittweise abzubauen. Auch wenn das Kissen dem Produktnamen nach für das Heilpädagogische Reiten entwickelt wurde, findet es in unserer Einrichtung auch in der Hippotherapie Verwendung. Generell nutzen wir es nur in der Einzelförderung, z. B. auch im Bereich der frühen Förderung mit dem Pferd, da es meist bei Klienten zum Einsatz kommt, die zwei Helfer benötigen. Es wird in unserer Einrichtung nicht dauerhaft eingesetzt, hat sich aber in Übergangsphasen gut bewährt. An viele Spiel- und sonstige Materialien gewöhnte Pferde haben nach unserer Erfahrung wenig Probleme mit dem Reitkissen. Das Kissen macht keine auffälligen Geräusche, lediglich an das Gewicht müssen die Pferde sich gewöhnen. Bei uns wurde das Kissen nach ein bis zwei Versuchen von allen Pferden gut akzeptiert. Insgesamt haben sich in unserer Einrichtung viele Einsatzmöglichkeiten für das Kissen gefunden, so dass die Anschaffung sich sicher gelohnt hat. Für kleinere Betriebe reicht evtl. ein Kissen in mittlerer Größe für die meisten Klienten aus, in größeren Einrichtungen oder bei sehr unterschiedlichen Klienten sind zwei verschiedene Größen sinnvoll.