eJournals mensch & pferd international2/4

mensch & pferd international
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1867-6456
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mup2010.art13d
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Molly, das Kindergartenpony

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Astrid Solenthaler
Pippi Langstrumpf war unser Thema im Kindergarten, als ich die Ausbildung zur Reitpädagogin SG-TR bei Marianne Gäng abschloss. Was lag da näher als die Idee, ein Pferd für unsere Aufführung am Ende des Schuljahres zu suchen, damit Pippi auch auf einem echten Pferd reiten konnte? Hier möchte ich die organisatorischen Voraussetzungen des Projektes ebenso beschreiben wie die Durchführung und Evaluation unseres Projektes.
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mup 4|2010|155-162|© Ernst Reinhardt Verlag München Basel, DOI 10.2378/ mup2010.art13d | 155 Astrid Solenthaler Forum Molly, das Kindergartenpony Pippi Langstrumpf war unser Thema im Kindergarten, als ich die Ausbildung zur Reitpädagogin SG-TR bei Marianne Gäng abschloss. Was lag da näher als die Idee, ein Pferd für unsere Aufführung am Ende des Schuljahres zu suchen, damit „Pippi“ auch auf einem echten Pferd reiten konnte? Hier möchte ich die organisatorischen Voraussetzungen des Projektes ebenso beschreiben wie die Durchführung und Evaluation unseres Projektes. Organisation und Planung des Projekts In der Schweiz sind Kindergärten an die Schulen angeschlossen und seit 2009 im Kanton St. Gallen darin integriert (EDK 2010). Daher war der Schulrat die erste Anlaufstelle. Er musste seine Einwilligung zur Umsetzung dieser Idee geben. Im nächsten Schritt wurden die Eltern einbezogen und mussten sich schriftlich dazu äußern, ob sie mit der Teilnahme ihres Kindes am Projekt einverstanden waren (siehe Formular für die Eltern). Ich schloss bei der Lehrerversicherung eine Zusatzversicherung für „Grobfahrlässigkeit“ im Unterricht ab. Da ich keinen zusätzlichen Lohn erhielt, sondern nur den regulären Lohn für die Kindergartenarbeit, war das Projekt im Rahmen der Schule versichert. In der Deutschschweiz ist es üblich, dass eine Kindergartenlehrperson jeweils eine Klasse mit 18-24 Kindern alleine führt, die zwei Jahrgangs- Liebe Eltern! Ich arbeite nach den Herbstferien jeden zweiten Dienstagnachmittag mit Molly, dem Pony einer befreundeten Familie. Meine Kindergartengruppe wird von meiner Kollegin Frau Wiesner betreut, während ich mit einer Gruppe von drei bis vier Kindern auf der Wiese hinter dem Kindergarten mit dem Pony arbeite. Ich arbeite nur bei gutem Wetter, da uns kein Unterstand zur Verfügung steht. Am Anfang geht es vor allem darum, das Pony kennen zu lernen, es zu streicheln, zu putzen, zu füttern und dann zu führen. Erst wenn die Kinder eine Beziehung zum Tier aufgebaut und Sicherheit im Umgang mit ihm erlernt haben, dürfen sie mit dem Reiten beginnen. Dazu benötige ich Ihre Zustimmung sowie Angaben zu Tetanusimpfung und Versicherungsschutz. Bitte überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, ob es mitmachen möchte, und füllen Sie den unten stehenden Fragebogen aus. Wir freuen uns auf diesen Nachmittag und hoffen, dass Ihr Kind dabei viel lernen kann. Mit freundlichen Grüßen Astrid Solenthaler und G. Wiesner  - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Vorname: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Familienname: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mein / Unser Kind darf reiten  Es möchte nicht reiten  Mein / Unser Kind ist Tetanus-geimpft (Starrkrampf) ja  Mein / Unser Kind ist gegen Unfall versichert ja  Unterschrift des Erziehungsberechtigten: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156 | mup 4|2010 Solenthaler - Molly, das Kindergartenpony stufen umfasst. Die jüngeren Kinder sind nur am Vormittag im Kindergarten. So ergab sich für den Nachmittagsbereich die Möglichkeit einer Kooperation mit der Kollegin der Parallelgruppe. Für 20 Kinder begann damit eine Zeit des Kennenlernens und des Zusammenwachsens mit dem Lebewesen Pferd. Alle Kinder, deren Eltern ihr Einverständnis schriftlich erklärt hatten, durften am Projekt teilnehmen, das aber natürlich für die Kinder auf dem Grundsatz der Freiwilligkeit basierte. Um den Kindern einen guten Einstieg in den Umgang mit dem Pferd zu ermöglichen, beschlossen wir, mit Kleingruppen von vier Kindern jeweils fünfzehn Minuten am Pferd aktiv zu werden, während die übrigen Kinder von der Kollegin im Kindergarten betreut wurden. Dies setzte einige spezifische Fähigkeiten des Pferdes im Umgang mit schnell wechselnden Gruppen voraus, die durch eine solide Ausbildung und eine artgerechte Haltung des Pferdes sicher gestellt wurden (siehe hierzu auch Schwaiger 2001, 81 und Pietrzak 2001, 124). Das ausgewählte Pferd, Molly, lebt gemeinsam mit einem Großpferd in einer offenen Box mit täglichem Weidegang. Während des Projektes zeigte Molly in den 90 Minuten, die sie wöchentlich mit den Kindergartenkindern verbrachte, keinerlei Unmut und schien die Stunden mit den Kindern eher zu genießen. Aufbau der Einheiten Insgesamt konnten die Kinder an zehn Einheiten mit dem Pony Molly teilnehmen. Da die Kinder zuvor meist noch keinen oder wenig Kontakt zu Pferden gehabt hatten, wurden die Stunden so aufgebaut, dass eine Beziehungsanbahnung zum Pferd stattfinden konnte, wie sie Gäng (2004, 45-58) als vierschrittige Kontaktaufnahme beschreibt: vom Boden aus: begrüßen, berühren, anhalf- ■ tern, führen und füttern. das Aufsteigen: mit Hilfe und Absprache. ■ auf dem Pferd im Stand: genießen, beobach- ■ ten, Erfahrungen sammeln, wahrnehmen. auf dem Pferd im Schritt: Erfahrungen ■ sammeln. Da diese Einheiten einen Bezug zur alltäglichen Kindergartenarbeit haben sollten und ich aus organisatorischen Gründen mit Vierergruppen arbeiten musste, hatten die zwei bis drei wartenden Kinder jeweils Bewegungsaufgaben zu lösen, die sie selbstständig bewältigen konnten. Auf dem Pferderücken spielte das Thema des Kindergartens eine Hauptrolle bei den kleinen Bild 1: Putzen und Begrüßen sind hervorragende Momente für kleine Gespräche Bild 2: Die Kinder der Kleingruppe beschäftigen sich mit Bewegungsspielen, während ein Kind auf dem Pferd seine Abenteuer erlebt Solenthaler - Molly, das Kindergartenpony mup 4|2010 | 157 Aufträgen, welche die Kinder zu lösen hatten. So musste „Pippi“ Kanonenkugeln erwürfeln, sich nach den farbigen Affenschwänzen im Baum strecken oder beim Führen eine vorgegebene Spur nicht aus den Augen verlieren. Damit wurde sichergestellt, dass die Förderung, wie sie für den Kindergartenalltag gefordert wird, nicht durch das Projekt mit dem Pferd tangiert wird. Einen exemplarischen Ablauf einer Einheit zum momentanen Thema „Findus“ zeigt Tabelle 1. Bedeutung des Tierkontakts für Kinder im Kindergartenalter Diese Art der Umsetzung war unter anderem der Sorge des Schulrates geschuldet, die übliche Förderung der Kinder könnte durch das Projekt leiden. Hier zeigte sich, wie notwendig Forschung in diesem Bereich der Förderung mit Tieren ist und wie viele Informationslücken zu schließen sind. So gilt aktuell das „sich Beschäftigen mit einem Tier“ zwar als sinnvoll und zum Interessensfeld der Kinder und damit Berufsauftrag einer Lehrkraft gehörend, aber die intensive Auseinandersetzung mit einer Tierart ist nicht üblich. Ansonsten besteht die Auseinandersetzung mit Tieren im Kindergartenalltag eher darin, einen Bauernhof zu besuchen und zu beobachten, was die Tiere fressen, die Eier aus dem Hühnerstall zu holen und die jungen Geißen zu streicheln. Aber wir nehmen keine Beziehung zu ihnen auf, weil wir dazu viel mehr Zeit benötigen würden. Wir kennen die einzelnen Tiere nicht wirklich, wir wissen nur etwas über sie. In seinen Ausführungen zum exemplarischen Lernen legt Wagenschein (1999, 32) dar, wie elementar wichtig gerade dieses Verstehen des Einzelnen ist: „Das Einzelne, in das man sich hier versenkt, ist nicht Stufe, es ist Spiegel des Ganzen.“ Er geht davon aus, dass das Interesse der Kinder, mehr über Tiere lernen zu wollen, angeregt wird, wenn sie von einem Tier ganz „ergriffen“ wurden. Nach Spitzer (2007, 181) findet Lernen immer dann statt, wenn positive Erfahrungen gemacht werden. Er benennt diesen Mechanismus als das wesentliche Element für das Lernen und betont, dass für den Menschen gute Erfahrungen vorwiegend in konstruktiven Sozialkontakten bestehen. Gemeinschaftliche, als positiv erlebte Aktivitäten sind für ihn der wahrscheinlich bedeutsamste Verstärker von Lernen. Wenn wir hier nun speziell die Problematik der Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten oder der Kinder mit Sprachschwierigkeiten im Kindergarten betrachten, wird ersichtlich, warum für sie der Nachmittag mit dem Pony so hilfreich werden kann. Von der Systemtheorie beeinflusst geht es mir als Schulische Heilpädagogin und Kindergartenlehrkraft bei der Integration dieser Kinder darum, die Lernumgebung so zu gestalten, dass diese Kinder möglichst viele positive Erfahrungen sammeln können. Das Pferd bietet sich als nonverbal kommunizierendes Wesen geradezu an, und das spielerische Setting des Unterrichtes bietet eine Fülle positiver Lernerfahrungen. Dabei geht es nicht nur um physische Erfahrungen wie das Berühren, das Getragenwerden oder Muskelstimulanz, sondern auch um psychische Dimensionen, die es zu meistern gilt. Pietrzak (2001, 24) verweist auf die Lehre von den Archetypen nach C. G. Jung und ihre damit verbundenen Erfahrungen, nach denen das Bild 3: Stolz, Freude und eine große Portion Gelassenheit kennzeichnet diese Situation bei den Teilnehmern. Nach einem halben Jahr geht man schon sehr souverän mit solchen Herausforderungen um, auch wenn man erst fünf Jahre alt ist. 158 | mup 4|2010 Solenthaler - Molly, das Kindergartenpony Tab. 1: Ablauf einer Einheit zum Thema „Findus“ Aktivitäten der Lehrperson / Reitpädagogin und der Praktikantin Aufgabenstellungen / vorgegebene Tätigkeiten Aktivitäten der Kinder Weitere Informationen Informationen am Morgen den Ponynachmittag am Morgen ankündigen sich an den Ponynachmittag erinnern - und evtl. Futter mitbringen die Kinder haben eine Sonnenkappe gebastelt mit einem Pferd darauf, diese wurde laminiert und wird als Erinnerungshilfe aufgesetzt wir arbeiten nur bei trockenem Wetter, da wir keinen Unterstand besitzen; daher benötigen wir diesen Hinweis für die Eltern Beginn des Nachmittagsunterrichtes Begrüßung aller Kinder der Gruppe im Kindergarten Sammelspiele bereithalten zur - Auswahl Brettchen mit Messer liegt bereit - Umziehen - Auswählen eines Sammelspiels - (Sing- oder Geschicklichkeitsspiele wie: Taler, Taler du musst wandern, Häschen in der Grube etc.) die Kinder ziehen sich um und beginnen mit einem kleinen gemeinsamen Spiel wer Futter mitgebracht hat, darf dieses zerkleinern 13.45 Uhr Beginn - Vorbereitung der Nachmittagsaktivitäten Abklären, ob alle Aufträge allen - Kindern klar sind, und Wiederholung der Aufträge durch die Kinder danach sollte die Lehrperson (oder die Praktikantin) die eigenständigen Prozesse der Kinder nur noch begleitend unterstützen Aufgaben im Kindergarten: Popcorn- spiel, Mini Lük lösen, CD ansehen (fakultativ) die Aufgaben des parallel zum Reiten stattfindenden Wochenplanes sind in drei Schubladen vorbereitet und wurden den Kindern am Anfang der Woche durch die Kindergartenlehrkraft erklärt und wo nötig vorgezeigt Zuhören, Nachfragen, Wissen was zu tun ist (die Aufgaben umfassen die Bereiche: Förderung der Selbstständigkeit sowie Förderung im mathematischen Tun, logischen Denken und Sprachverständnis, Umgang mit dem Computer) Differenzierungen der Anforderungen sind eingeplant und können von den Kindern selbstständig gewählt werden; die Kinder haben eine Woche Zeit für diese drei Aufgaben und können sich somit auch für das freie Spiel entscheiden die Praktikantin bringt das Pony zum - Kindergarten Gruppenbildung die Praktikantin übernimmt die Klasse im Kindergarten die Reitpädagogin hat alle Spielma- terialien für draußen bereitgelegt, ebenso das Putzmaterial für das Pony und das Futterbecken Aufgabenstellungen im Kindergarten Popcornspiel: Würfelspiel mit unterschiedlichen Würfeln (Punkte und Zahlen variieren von 1-3, 1-6, 1-9), Sterne auf dem Rundweg zeigen an, wie viele Popcorns gesammelt werden dürfen. Am Ende des Spieles werden die Körner in der Popcornmaschine gepufft Mini Lük: Denk- und Legespiel für Kindergartenkinder in verschiedenen Schwierigkeitsgraden Wochenplanarbeit und freies Spiel im - Kindergarten Putz- und Spielmaterial nach draußen bringen (vier Kinder der Pferdegruppe) die Gruppe wird aufgeteilt drei bis vier Kinder arbeiten am Pferd, die restlichen Kinder arbeiten und spielen im Kindergartenraum die erste Gruppe wird schriftlich fest- gehalten, damit alle Kinder abwechselnd einmal putzen dürfen danach wird flexibel eingeteilt je nach- dem, woran die Kinder gerade arbeiten oder womit sie spielen Solenthaler - Molly, das Kindergartenpony mup 4|2010 | 159 Aktivitäten der Lehrperson / Reitpädagogin und der Praktikantin Aufgabenstellungen / vorgegebene Tätigkeiten Aktivitäten der Kinder Weitere Informationen CD ansehen: CD in den Computer eingeben und selbstständig starten (kleiner Film zum Thema) Beginn der Pferdeeinheit Begleitung des selbstständigen - Arbeitens am Pferd Haltegurt nach dem Putzen auflegen - und festmachen die Kinder suchen sich eine Putzbürste, lassen das Pferd daran schnuppern, begrüßen es und beginnen, je nach Weichheit der - Bürste, spezielle Partien des Ponys zu putzen Putzen und Vorbereiten des Ponys je nach Vertrautheit wählen die Kinder andere Bürsten, um näher oder weiter weg stehen zu können Kontaktaufnahme sich auf das Pferd einlassen - Vertrauen aufbauen - Erklären der Aufgabe für die zwei wartenden Kinder diese Bewegungsaufgaben werden immer in einen Zusammenhang mit dem Thema gestellt (Pippi lernt zählen, Findus spielt mit den Fröschen) Aufgabenstellungen für die Kinder, die gerade nicht reiten Kreisel: einen Kreisel in einem Teller drehen und die Zahl finden, auf der er liegen bleibt (Zahl und Punkte sind aufgeklebt) Ballspiel: Ball mit dem Froschschläger so viele Male in die Luft schlagen, wie man gewürfelt hat, ohne dass er zu Boden fällt, dabei zählen Kinder bearbeiten die Aufgaben - (Die Aufgaben müssen für die Kin- der selbstständig lösbar sein, da die Kindergartenlehrkraft mit den beiden Kindern am Pony beschäftigt ist.) Förderbereiche Drehen (Feinmotorik) - Zählen (kognitiv, math. Tun) - Ball in die Luft schlagen (Grobmotorik) - Die Kinder bleiben warm! (Im Winter besonders wichtig) Erklären der Aufgabe für das reitende und das führende Kind Reitpädagogin führt mit dem langen zweiten Strick als Sicherung wenn das Kind auf dem Pferd seine Plastikeier alle in die Pfanne (Reif) geworfen hat, wird gewechselt diese kleinen Aufgaben richten sich immer nach dem aktuellen Thema, bei Pippi könnten es Kanonenkugeln sein, welche sie auf ein feindliches Piratenboot werfen muss Aufgabe für den Reiter das reitende Kind würfelt mit einem Schaumstoffwürfel (1-3) und bekommt so viele Plastikeier in die Hände, wie es gewürfelt hat Aufgabe für das führende Kind das führende Kind soll nun Pony und Reiter/ in zur Pfanne (Holzreif am Boden) bringen, wo er/ sie bei jedem Durchgang ein Ei hineinwerfen soll; das Pony dabei so führen, dass es nicht frisst, am Reif vorbeigeht und sich nicht von ihm überholen lassen das reitende Kind balanciert sich freihändig und sicher auf dem sich bewegenden Pferd das führende Kind fokussiert und gibt die Richtung an, übernimmt Verantwortung für das Pferd und seinen Reiter wichtig: Diese Kinder arbeiten bereits mehr als ein halbes Jahr mit dem Pony! Förderbereiche Kind auf dem Pferd: Tragen der Eier bringt das Kind dazu, die Griffe des Gurtes loszulassen; Zielübung hilft zu fokussieren und dabei im Sitz locker zu werden Führendes Kind: Ziel anvisieren, zügig darauf zugehen, Pferd neben sich spüren 160 | mup 4|2010 Solenthaler - Molly, das Kindergartenpony Aktivitäten der Lehrperson / Reitpädagogin und der Praktikantin Aufgabenstellungen / vorgegebene Tätigkeiten Aktivitäten der Kinder Weitere Informationen Wechsel innerhalb der Gruppe organi- sieren reitendes und führendes Kind wechseln Kinder am Pferd und beim Spiel wechseln Auf- und Absteigen, Eier einsammeln - und zurücktragen Spielsachen an ihren Platz zurücklegen das effektive Reiten dauert pro Kind ungefähr 4-5 Minuten Gruppenwechsel I nach ca. 20 Minuten wird die nächste - Gruppe aus dem Kindergarten zum Pony geschickt Beobachten der Abmachungen - Reihenfolge klären die Kinder erklären den Neuankömm- lingen die Spielideen / Aufgaben die neue Gruppe macht aus, wer zuerst - Reiten möchte, z. B. durch Auszählverse (zu Beginn benötigen diese Abmachungen viel Zeit und Aufmerksamkeit) da das Putzen nur noch in der ersten - Gruppe stattfindet, besteht ein Plan, wer wann in dieser Gruppe gestartet ist, so dass alle im Turnus diese Aufgabe übernehmen dürfen Gruppenwechsel II Beaufsichtigen der Fütterung die Reitpädagogin schickt die erste - Gruppe zurück in den Kindergarten und beginnt mit der nächsten das Pony zum Abschluss füttern die scheidenden Kinder dürfen das - Pony mit einem Stück Apfel oder Karotte, welches sie mitgebracht haben, füttern (kleine Pause und ein Dankeschön für das Pferd) die Kinder sollen sich selbstständig daran erinnern, dass sie dem Pferd etwas mitbringen dürfen wer nichts mitgebracht hat, mit dem wird meistens geteilt, die Kinder zerkleinern ihre Karotten zu Beginn der Stunde auf einem Brettchen mit dem Messer eine Mutprobe für kleine Hände, die Kinder können auch ein Becken benützen die erste Pferdegruppe geht zurück in den Kindergarten Abschluss der Pferdeeinheit Haltegurt abnehmen und alle Spiel- sachen durch die letzte Kindergruppe einsammeln lassen Pony sicher anbinden - Aufräumen und das Pferd verabschie- den die Kinder der letzten Gruppe sammeln alle Materialien ein und tragen diese in den Kindergarten sie loben das Pony und streicheln es zum Dank das Pony darf angebunden noch etwas fressen, bevor die Praktikantin es in den Stall zurückbringt Abschluss des Nachmittagsunterrichtes leitet die Abschlussrunde - Reflexion und gemeinsamer Schluss - Kinder zeigen ihre Arbeiten und be- sprechen ihre Erfahrungen Anziehen, Abschlusslied singen und nach Hause gehen 15.25 Uhr Ende - Solenthaler - Molly, das Kindergartenpony mup 4|2010 | 161 Pferd kaleidoskopartig jedem etwas bieten kann. Es zeigt sich dem Betrachter so, wie er es sehen will. Als Kraftprotz, verschlingendes Untier, Fabelwesen, Mutter usw. Für die Kinder bedeutet dies, dass sie ihre Hoffnungen, Freuden und ihren Mut erleben, aber auch Ängste überwinden können. Inhalte des Projekts In unserem Projekt mit Molly, dem Kindergartenpony, sammelten die Kinder Goldstücke aus Pippis Schatztruhe nach Würfelbildern, versuchten mit einem Fernrohr die Anzahl der Piraten zu bestimmen oder sangen lauthals das Lied von Pippi, während sie mit Tüchern jonglierten. Dabei begann ein Kind, welches sich sprachlich nach mehreren Therapien in seine eigene Welt zurückgezogen hatte, sich zu öffnen und zu sprechen. Dies zeigte uns, wie wichtig die Lernumgebung für den eigenaktiven Lernprozess ist. Dabei gilt es auch hier, die Prinzipien des Situationsbezuges, des Sozialbezuges und der Bedeutsamkeit der Inhalte zu berücksichtigen: „Authentisches Sprachhandeln wird herausgefordert und weiterentwickelt, wenn die Lernsituation subjektiv als bedeutsam erfahren wird … - sie können Vertrautes oder Überraschendes bieten, immer aber müssen sie einen Bezug zur Lebenswelt der Kinder haben“ (Bartnitzky 2000, 245). Mit einer Theateraufführung endete unser Projekt. Die Kinder spielten die Geschichte von Pippi als kleines Freilufttheater rund um die Kindergärten. Sie waren Schulkinder, sangen Pippis Lied, zeigten Kunststücke auf dem Pferd und suchten gemeinsam mit Herrn Nilson, dem Affen, nach Pippis Vater. Dabei konnte jedes Kind verschiedenste Rollen ausfüllen, und es wurde erst an den Aufführungstagen bestimmt, wer welche Rolle übernahm. Als Seeräuberbande waren besonders diejenigen Kinder stark, welche nicht reiten wollten oder, weil sie zur Gruppe der jüngeren Kinder gehörten, nicht reiten durften. Die Eltern, aber auch die jüngeren Geschwister waren von der Vorstellung begeistert und natürlich auch von Molly. Evaluation des Projekts Wir entschlossen uns, mit einer Umfrage bei den Eltern den Wert dieser Ponystunden zu evaluieren (siehe Elternfragebogen) und erhielten nur positive Rückmeldungen. Auch diejenigen Kinder, welche nicht reiten wollten, fühlten sich nicht zurückgesetzt und hatten auf ihre Art den Kontakt mit dem Tier genossen. Alle wünschten sich eine Weiterführung des Projektes. Weiterführung des Projektes Aufgrund der guten Rückmeldungen entschlossen wir uns, das Projekt unter dem Oberbegriff „Tiergestützte Pädagogik“ weiterzuführen: „Hierunter sind alle pädagogischen Ansätze einzuordnen, in denen Tiere als Hilfsmittel im Unterricht eingesetzt werden. Dies kann themenspezifisch oder als gruppendynamisches Hilfsmittel in der Klasse geschehen. Eines aber können und sollen die Tiere nicht, pädagogisch qualifiziertes Personal ersetzen“ (Prothmann, 2008, 91 f). Seit vier Jahren führen wir nun diese Nachmittage jede zweite Woche durch. Wir haben das Thema Indianer mit Pony erlebt, wir haben als Ritter ein Schweinchen vor dem verfressenen Vogt gerettet und studieren in diesem Jahr als „Kater Findus Freunde“ eine Tierdressur mit Pferd ein. Neuerdings bringt mir eine Praktikantin das Pferd in den Kindergarten und betreut den Rest der Halbgruppe im Kindergarten, da ich nicht mehr Bild 4: Zum ersten Mal ist ein Pony bei einer Schlussaufführung des Kindergartenjahres dabei! 162 | mup 4|2010 Solenthaler - Molly, das Kindergartenpony in einem Doppelkindergarten arbeite, sondern in einem einzelnen Quartierkindergarten. Dies bedingt eine doppelte Vorbereitung: einerseits des Stundenablaufes mit den Kindern am Pferd, andererseits für die Beschäftigungsaufträge der Kinder, welche im Kindergarten verbleiben und von der Praktikantin betreut werden. Der exemplarische Stundenverlauf in Tabelle 1 bezieht sich auf die heutige Situation mit dem Kindergartenthema „Findus“, da wir für das Projekt „Pippi“ nur zehn Einheiten zur Verfügung hatten und noch nicht mit detaillierten Plänen gearbeitet hatten. Literatur Bartnitzky, H. (2000): Sprachunterricht heute. ■ 9. Aufl. Cornelsen, Berlin EDK (Schweizerische Konferenz der kan- ■ tonalen Erziehungsdirektoren): Kurz-Info. HarmoS - Harmonisierung der obligatorischen Schule. In: www.edudoc.ch/ static/ web/ arbeiten/ harmos/ Kurz_info_d.pdf, 17.06.2010 Gäng, M. (2004): Heilpädagogisches Reiten. In: ■ Gäng, M. (Hrsg.): Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren. 5. Aufl. Ernst Reinhardt, München / Basel, 27-103 Pietrzak, I.-M. (2001): Kinder mit Pferden ■ stark machen. Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren. Cadmos, Lüneburg Prothmann, A. (2008): Tiergestützte Kinder- ■ psychotherapie. 2. Aufl. Peter Lang, Frankfurt a. M. Schwaiger, S. E. (2001): Persönlichkeitstraining ■ mit Pferden. Franckh-Kosmos, Stuttgart Spitzer, M. (2007): Lernen. Gehirnforschung ■ und die Schule des Lebens. Spektrum, München Wagenschein, M. (1999): Verstehen lehren. ■ 5. Aufl. Beltz, Weinheim / Basel Astrid Solenthaler Kindergartenlehrperson im Kanton St. Gallen, Reitpädagogin SG-TR, Master in Heilpädagogik Anschrift: Astrid Solenthaler · Hohrieterstraße 8 CH-9404 Rorschacherberg E-Mail: sole.astrid@bluewin.ch Die Autorin Marianne Gäng, Gundula Hauser, Bernhard Ringbeck Sehr geehrte Eltern. Ihr Kind durfte nun ein Jahr lang sporadisch mit dem Pony Molly Erfahrungen sammeln. Zum Schluss konnten Sie Ihr Kind am Fest auf dem Rücken des Ponys beobachten, und sicher haben Sie unter dem Jahr ab und zu etwas erzählt bekommen. Wir Kindergärtnerinnen möchten diese Ponystunden gerne weiterführen und möchten dazu dem Schulrat einige Rückmeldungen von Ihnen, als Direktbetroffene, zukommen lassen. Wir würden uns deshalb sehr freuen, wenn Sie die anschließenden Fragen beantworten und zurücksenden würden. Durfte und wollte Ihr Kind am Projekt teilnehmen? ja nein wollte nicht Hatten Sie Bedenken oder Ängste? ja nein Wenn ja, welche? ............................................................................................................................. Wurden diese ernst genommen? ja nein Fühlten Sie sich gut informiert? ja nein Wie reagierte Ihr Kind auf diese Stunden? freute sich musste motiviert werden Würde Ihr Kind gerne weitermachen? ja nein Hat Ihr Kind etwas gelernt dabei? ja nein Fanden Sie das Projekt eine gute Sache, die wiederholt werden sollte? ja nein Wir bitten Sie noch um eine Begründung zur letzten Frage für ja oder nein. Haben Sie noch Vorschläge, Anregungen, Meinungen der Kinder oder Sonstiges zum Thema Pferd im Kindergarten, das Sie uns und dem Schulrat gerne mitteilen würden? Familienname ...................................................................... nicht obligatorisch! Herzlichen Dank für Ihre Mitarbeit ......................................................................................................................................................... ......................................................................................................................................................... ......................................................................................................................................................... .........................................................................................................................................................