mensch & pferd international
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1867-6456
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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2011
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Praxistipp: Musikalische Elemente in der heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd
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2011
Christine Sandig
Henrike Struck
Musikalische (und hierbei besonders auch rhythmische) Elemente finden sich in vielen bekannten Spielen und Übungsformen. Häufig lassen sie sich auch durch kleine Veränderungen in Spiele einbauen. Hier sind die Kreativität und der Einfallsreichtum des einzelnen Pädagogen gefordert
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88 | mup 2|2011|88-91|© Ernst Reinhardt Verlag München Basel Christine Sandig, Henrike Struck Musikalische (und hierbei besonders auch rhythmische) Elemente finden sich in vielen bekannten Spielen und Übungsformen. Häufig lassen sie sich auch durch kleine Veränderungen in Spiele einbauen. Hier sind die Kreativität und der Einfallsreichtum des einzelnen Pädagogen gefordert. Im Folgenden werden einige Beispiele zu solchen Variationen aufgeführt. Außerdem wird am Beispiel einer Spielgeschichte zum Förderschwerpunkt „Sprache“ deutlich gemacht, wie musikalische Elemente auch hier einbezogen werden können. Rhythmus und Takt Im Takt des Pferdes mitklopfen Im Vorwärtssitz an der Schulter des Pferdes oder im Rückwärtssitz an der Kruppe den Takt des Pferdes mitklopfen. Variation: Im Takt des Pferdes wird ein Vers gesprochen: „Der Löwe Hans sitzt heute ganz verkehrt herum auf seinem Pferd.“ Takte / Rhythmen nachklopfen Der Pädagoge klopft das Pferd in einem bestimmten Rhythmus und der Voltigierer soll das Gehörte nachklopfen. Variation: Der Pädagoge klopft eine bestimmte Anzahl, der Voltigierer klatscht nach. Erschwerte Variation: Bodypercussionsübungen, z. B. der Voltigierer klatscht, schnipst, patscht eine Bewegungs- / Klangfolge, und dies wird der Reihe nach an die anderen Kinder „weitergegeben“ (oder variiert etc.). Auditive Wahrnehmung / Reaktion Der Plumpsack geht um Materialien: ein Sandsäckchen Ein Voltigierer sitzt mit einem Sandsäckchen auf dem Pferd, alle anderen Kinder stehen um den Zirkel verteilt mit dem Rücken zur Mitte. Während das Lied gesungen wird, kann sich der Voltigierer ein Kind aussuchen und das Sandsäckchen hinter ihm fallen lassen. Wird es bemerkt, so ist es die Aufgabe, den Voltigierer auf dem Pferd zu überholen und wieder zurück an seinen Platz zu rennen. Ist das geglückt, kann der nächste Voltigierer auf das Pferd. Geräuschquellen suchen Das Kind auf dem Pferd schließt die Augen und soll den Arm heben, wenn es bei einem bestimmten Geräuschpunkt vorbeireitet. Dies kann ein von den anderen Gruppenmitgliedern erzeugtes Geräusch sein, aber auch ein Geräusch, das in der natürlichen Umgebung vorkommt (z. B. Treckerlärm durch die geöffnete Hallentür, Pferdegeräusche vom Stall o. ä.) Praxistipp Musikalische Elemente in der heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd Sandig, Struck - Musikalische Elemente in der Heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd mup 2|2011 | 89 Christine Sandig, Henrike Struck Übung aushalten Materialien: lang klingende Geräuschquelle, z. B. Triangel oder ein Summen eines der Kinder Der Voltigierer hält die Übung so lange aus, wie er den Ton hört. Variation: Der Voltigierer beginnt die Übung beim ersten Signal und hält sie bis zu einem zweiten Signal aus. Lauschen von Stimmen Die Kinder stehen um den Zirkel verteilt und denken sich ein Geräusch aus (z. B. eine Tierstimme). Der Voltigierer schließt die Augen und muss versuchen, ein Geräusch zu hören, welches der Pädagoge mittels Zeigen aussucht. Hört er etwas, sagt er „Stopp“ und zeigt in die Richtung, aus der er das Geräusch gehört hat. Geräusche und Bewegung Geräusche umsetzen Materialien: verschiedene Geräuschquellen oder Musik Der Pädagoge gibt mittels einer Geräuschquelle eine Bewegungsaufgabe vor, die der Voltigierer lösen muss, z. B. langer Ton = Übung mit den Armen; kurzer Ton = Übung mit den Beinen; laute Töne = dynamische Übung; leise Töne = statische Übung; hohe Töne = große Übung; tiefe Töne = kleine Übung. Variation: Verschiedene Geräuschquellen bedeuten verschiedene Bewegungsaufgaben. Variation: Der Voltigierer sucht sich eine Geräuschquelle aus, gibt sie seinem Partner und schließt die Augen. Der Partner sucht sich einen Platz in der Halle und macht das Geräusch. Der Voltigierer zeigt dorthin, woher er das Geräusch vermutet und wird in die gezeigte Richtung geführt, bis er bei seinem Partner ankommt. Der Partner bewegt sich und muss anhand des Geräusches verfolgt werden. Variationen von „Stop-and-Go-Spielen“ Materialien: Musik oder verschiedene Signale Der Voltigierer turnt auf dem Pferd, während die Musik läuft. Stoppt die Musik, muss der Voltigierer die gerade eingenommene Position so lange aushalten, bis die Musik wieder ertönt. Variation: Stoppt die Musik, muss der Voltigierer aus der gerade eingenommenen Position vom Pferd absteigen. Variation beim HPR: Stoppt die Musik, müssen die Reiter schnellstmöglich in die niedrigere Gangart wechseln oder anhalten (wahlweise von vorne nach hinten oder umgekehrt). Spielgeschichten Über die Spiele hinaus ist der Einsatz von Musik bzw. musikalischer Elemente auch bei Spielgeschichten eine Bereicherung oder eine Möglichkeit, Alternativen zum Sprachgebrauch zu schaffen, Stimmungen / At- 90 | mup 2|2011 Sandig, Struck - Musikalische Elemente in der Heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd mosphäre zu erzeugen und Erzählungen zu tragen. Das folgende Beispiel ist in einer Selbsterfahrungseinheit im staatlich anerkannten Aufbaubildungsgang „Fachkraft in der Heilpädagogischen Arbeit mit dem Pferd“ des DKThR in Dortmund entstanden. Spielgeschichte „Der kleine Zauberer“ Förderschwerpunkt: Sprache Aufbaubildungsgang für die Heilpädagogische Arbeit mit dem Pferd - Gruppe 1: Nathalie Gischkowski, Nadine Friedrich, Nadine Witt, Sabrina Jäger, Stephanie Cattelaens und Christine Sandig Es war einmal ein kleiner Zauberer mit seinem „Lukas“ (ersetzbar durch den Namen des Pferdes), der sich eines Tages auf die Suche nach verlorenen Tieren machte. Dabei verirrte er sich im Hexenwald (an dieser Stelle können die Kinder die zwei ersten Zeilen des Liedes „Schrippel-schrappel-huckebein“ singen: „Da steht der Zauberer Schrappelschrut mit seinem großen Zauberhut. Er überlegt, schaut ihn nur an, was er wohl wieder zaubern kann.“ http : / / w w w. m e h r b ewe g u n g i n d i e s c h u l e . de/ 05206_schrippel_schrappel_huckebein.PDF) Dort angekommen, wunderte sich der kleine Zauberer, warum der Wald voller Bäume, aber ohne Tiere war. Der Wind tobte und pfiff und flüsterte ihm leise zu, dass einige Bäume verzauberte Tiere seien. Der kleine Zauberer dachte sich: „Ich bin doch ein Zauberer, da muss doch etwas zu machen sein.“ Er grübelte und dachte ganz angestrengt, denn ein guter Zauber sollte sich reimen (hier können sich die Kinder auch eigene Reime beispielsweise zum Thema Tiere überlegen. Als Beispiel: „Schrippel-schrappel-huckebein, alle verwünschten Bäume sollen entzaubert sein.“). Dann machten sich alle zusammen auf den Weg. Dort begegneten ihnen viele verschiedene Abenteuer und es musste gezaubert werden (an dieser Stelle kann wieder gesungen werden). Auf der Strecke raus aus dem Hexen- und hin zum Zauberwald, standen sie zunächst vor einer großen grünen Lichtung (Wechsel der Kinder möglich). Die schnellste Möglichkeit erschien dem kleinen Zauberer nun das Fliegen. Und die Tiere sangen (die beiden o. g. Zeilen) und der kleine Zauberer sprach: „Schrippel-schrappel-huckebein, ihr sollt alle Bienen sein! “ Nachdem sie als Bienen über die weite große Wiese geflogen waren, waren alle nun an einem Fluss mit vielen Steinen im Wasser angekommen (Wechsel der Kinder möglich). Der kleine Zauberer überlegte, was für ein Tier wohl am gewandtesten den Fluss überqueren könnte (an dieser Stelle kann wieder gesungen werden) und so sagte er: „Schrippel-schrappel-huckebein, ihr sollt alle Frösche sein! “ Alsbald sprangen sie als Frösche achtsam und geschickt von Stein zu Stein (Wechsel der Kinder möglich). Ihr Weg führte weiter durch einen Wald mit dichtem Gehölz, unebenem Gelände und Steinbrüchen. Ein weiteres Mal war die Fantasie des kleinen Zauberers gefragt (an dieser Stelle kann wieder gesungen werden). Alle horchen gespannt: „Schrippel-schrappel-huckebein, ihr sollt alle flinke Wölfe sein! “ Zusammen sausten sie, so schnell wie der Wind, als Wölfe durch den Wald (Wechsel der Kinder möglich). Die Geschichte kann beliebig verkürzt und ausgebaut werden sowie in verschiedenen Kontexten stattfinden (z. B. Bauernhof, Western, Meereswelt, Ostern, Weihnachten, Mittelalter, Zukunft, Weltraum, …) und somit auch mit verschiedenen Lauten, Sprüchen, Liedern wie auch Bewegungen (und z. B. Variationen: schnell vs. langsam oder Mobilisation vs. Entspannung) kombiniert werden. Sie kann entweder mit allen Kindern gemeinsam durchgeführt werden, oder die Kinder können sich vorher Rollen aussuchen und dann an bestimmten Punkten der Geschichte wechseln. Sandig, Struck - Musikalische Elemente in der Heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd mup 2|2011 | 91 Als letztes Abenteuer tat sich nun für alle ein großer See auf, und nach dem schnellen Lauf sollte nun etwas Ruhigeres geschehen, dachte sich der kleine Zauberer (an dieser Stelle kann wieder gesungen werden). Geschwind schwang der kleine gewitzte Zauberer seinen Stab und sprach: „Schrippel-schrappel-huckebein, ihr sollt alle Enten sein! “ Als alle Enten mit gemütlichem Geschnatter auf der anderen Seite angekommen waren, wartete bereits ein großes Fest auf sie, bei dem sich alle zu guter Letzt noch einen Wunsch erfüllen lassen konnten (Wunsch- und Abschlussrunde). Christine Sandig Bachelor Rehabilitationspädagogik, Cand. Master Rehabilitationswissenschaften, Zusatzausbildung im HPV / R, Ausbildung zur staatlich anerkannten Fachkraft für die Heilpädagogische Arbeit mit dem Pferd, seit 2007 Reitpädagogin im Zentrum für Therapeutisches Reiten der Werkstätten der AWO Dortmund, Fachübungsleiterin Rehabilitationssport. Anschrift: Christine Sandig · Schieferbank 4 44149 Dortmund christine.sandig@uni-dortmund.de Kontakt Henrike Struck Sonderpädagogin und Voltigierpädagogin DKThR, Leitung des Zentrums für Therapeutisches Reiten der Werkstätten der AWO Dortmund, Schriftleitung der „Mensch und Pferd international“ Anschrift: Henrike Struck mup-schriftleitung@gmx.net
