eJournals mensch & pferd international5/3

mensch & pferd international
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1867-6456
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd in Kindergärten und Schulen - ein zukunftsweisendes Aufgabenfeld

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Bernhard Ringbeck
Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd in Kindergärten und Schulen - ein zukunftsweisendes Aufgabenfeld
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138 | mup 3|2013|138-143|© Ernst Reinhardt Verlag München Basel Forum Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd in Kindergärten und Schulen - ein zukunftsweisendes Aufgabenfeld Bernhard Ringbeck Hintergrund Das Thema „Tiergestützte Aktivitäten im Kindergarten und in der Schule“ erfreut sich in der Presse und den aktuellsten Publikationen einer immer stärkeren Beliebtheit. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht in der Tagespresse ein Bericht über den Einsatz eines Hundes in Einrichtungen wie Kindergärten, Seniorenheimen, Schulen, Logopädiepraxen etc. zu lesen ist. Auch die gerade erst erschienenen Bücher im Ernst Reinhardt Verlag zu „Hunde im Schulalltag“ (Beetz 2012), „Hunde in der Sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ (Kirchpfening 2012), „Hunde in der Sprachtherapie“ (Habenicht 2012) und „Pferdgestützte systemische Pädagogik“ (Urmoneit 2013) weisen auf diesen Trend hin. Und der Artikel „Unterrichtsziel: Tierliebe“ in „Forum Schule, Das Magazin für Lehrerinnen und Lehrer in NRW“ (Müllenbach 2012) bezieht sich nicht nur auf den Einsatz von Hunden in der Schule, sondern zeigt auch auf, dass verschiedene Tiere wie Pferde, Ziegen, Meerschweinchen, Hühner, Wüstenrennmäuse, Schafe, Kaninchen, Chamäleons, Schlangen etc. mittlerweile in Kindergärten und Schulen den pädagogischen Alltag bereichern. Diese Entwicklungen zeigen, dass in sozialen, therapeutischen und pädagogischen Arbeitsfeldern die Toleranz für den Einsatz von Tieren gewachsen ist und den Diskussionen um Hygienevorschriften und Sicherheitsbedenken immer konstruktiver und objektiver begegnet werden kann. In diesem Zusammenhang nimmt der Einsatz des Pferdes in seinen unterschiedlichen Aufgabenfeldern seit über 40 Jahren einen breiten Rahmen ein und kann auf einen bedeutsamen Erfahrungshintergrund zurückblicken. Allerdings beschränkte sich das Heilpädagogische Förderangebot mit dem Pferd im Schulbereich überwiegend auf die neun verschiedenen Förderschulformen in Deutschland, weniger auf den Einsatz im Kindergarten oder in der Regelschule. In den letzten Jahren haben wir es aber mit einer stark veränderten Schulwirklichkeit durch den Ausbau der Ganztagsschulen in Form der Offenen oder Gebundenen Angebote und durch die gesetzlich vorgeschriebene Verpflichtung zu einem inklusiven Schulsystem zu tun. D. h., immer mehr SchülerInnen verbringen die Hauptzeit des Tages zwischen acht und sechzehn Uhr als Lern- und Lebensraum in ihrer Schule. Das hat zur Konsequenz, dass alle Angebote aus dem Freizeitbzw. privaten Förderbereich in der Regel erst frühestens ab siebzehn Uhr erreicht werden können. Für Grundschulkinder schon eine Bedingung, die kaum noch Sinn macht, egal wie positiv das Angebot von den Beteiligten wahrgenommen wird. Aus diesem Grund nehmen die Schulen gern zusätzliche Anbieter verschiedenster Richtungen in ihr Nachmittagsangebot auf. Das geht zum Teil so weit, dass z. B. Sportvereine, Musikschulen oder private Träger der Jugendhilfe die Organisation, Finanzierung und Durchführung des kompletten Nachmittagsbereiches im Offenen Ganztag übernehmen. Weiterhin erleben wir heute schon durch die gesetzlich verankerte Form der Inklusion, d. h., Forum: Ringbeck - Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd in Kindergärten und Schulen mup 3|2013 | 139 alle Kinder besuchen zukünftig die Regelschulen in Wohnortnähe, eine starke Reduzierung der Förderschulaufnahmeverfahren und die ersten Schließungen von Förderschulen. Bis zum Jahr 2020 soll dann dieser Prozess beendet sein. Die Änderungen der schulischen Rahmenbedingungen beinhalten zwangsläufig auch eine Veränderung der Organisationsstrukturen im Therapeutischen Reiten. Fand die Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd bisher überwiegend in den Förderschulen statt, so ist nun zu überlegen, wie dieses umfassende Förderangebot auch den SchülerInnen im Rahmen der „Schule für alle Kinder“, und hier vor allem inklusiv, praktikabel angeboten werden kann. Eine Herausforderung, die nur über einen Zusammenschluss vieler engagierter Kräfte aus allen gesellschaftlichen Bereichen zu bewältigen ist. Die Entwicklung im Bereich des Kindergartens geht in eine ähnliche Richtung. Es entstehen immer mehr Kindertagesstätten bis hin zum Ausbau in Form von Familienzentren, in denen Kinder schon von früh morgens bis in den späteren Abend pädagogisch betreut werden. Auch in diesen Einrichtungen macht es durchaus Sinn, verschiedenste Anbieter in den Tagesablauf zu integrieren, da die Fachkräfte eben nicht alles leisten können, bzw. ihnen die Ausbildung dazu fehlt. Rahmenbedingungen Damit also in Zukunft möglichst viele Kindergärten / Kindertagesstätten und Schulen die Möglichkeit erhalten, die Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd auch für ihre Einrichtung anzubieten, sollten als erstes die Rahmenbedingungen abgeklärt werden, unter denen dieses Angebot überhaupt sinnvoll erscheint. Eckpfeiler konzeptioneller Überlegungen Zustimmung von der Kindergartenbzw. Schulleitung Die jeweiligen Leitungen müssen voll und ganz hinter dem Förderangebot stehen und es aus Überzeugung an ihrer Einrichtung langfristig installieren wollen. Dem gegenüber sollte dies nicht aus Prestige, oder weil die Nachbarschule ein solches Angebot vorhält, erfolgen. Konsens im Kollegium und der Elternvertretung Im Kollegium eines Kindergartens oder einer Schule müssen nicht alle Mitglieder von der Einrichtung einer neuen Gruppe begeistert sein. Es mag auch Gegenstimmen mit dem Tenor: „die Maßnahme ist zu teuer“, „die Fördergruppe zu klein“ oder „die Kollegin pflegt ja nur ihr Hobby“, geben. Wichtig ist aber, dass die Leitungen hinter der Einführung stehen und sich eine Kollegin / ein Kollege bei entsprechender Qualifikation bereit erklärt, die Maßnahme entweder selbst durchzuführen oder aber die durchführende Honorarkraft zu unterstützen und alle anfallenden Absprachen zu koordinieren. Eine Aufsichtsperson seitens des Kollegiums ist während der Maßnahme nicht zwingend erforderlich, da die Fachkräfte in der Heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd so ausgebildet worden sind, dass sie für die Dauer des Angebotes die Verantwortung tragen. Bei den Kindergartenkindern begleiten aber recht häufig wegen des geringeren Alters weitere Erzieherinnen die Gruppe. Auch sollten alle Eltern auf das Angebot aufmerksam gemacht werden. Sind die Eltern z. B. über die Kriterien der Auswahl der teilnehmenden Kinder informiert, kommt es seltener zu Neid oder Missgunst, dass das eigene Kind nicht an diesem Angebot teilnehmen kann. Offizielle Kindergartenbzw. Schulveranstaltung Die Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd sollte unbedingt aus versicherungstechnischen Gründen eine Veranstaltung der jeweiligen Einrichtung sein, auch wenn sie von einer Privatperson durchgeführt wird. Hierdurch sind der Weg zur Reithalle und die gesamte Maßnahme über die Unfallkasse des jeweiligen Bundeslandes unfalltechnisch abgesichert. Auch verlangt z. B. der LandesSportBund bei einer Mitfinanzierung der Übungsleiter diese Bedingung. 140 | mup 3|2013 Forum: Ringbeck - Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd in Kindergärten und Schulen Nachhaltigkeit/ Schulprogramm Das Angebot sollte auf Langfristigkeit angelegt sein, damit es als Schulprogramm ausgewiesen werden kann. Diese Bedingung wirkt sich bei Sponsoren meistens recht positiv aus, da sie lieber eine Maßnahme unterstützen, die fest in der Institution verankert ist. Diese Nachhaltigkeit im Förderangebot überzeugt die Geldgeber mehr als ein Schnupperkurs, eine Projektwoche oder eine Klassenfahrt auf den Reiterhof. Durchführungszeitraum / Ausnutzung des Schuljahresrhythmus Im Schuljahr kommt es bei möglichen 40 Schulwochen bestenfalls zu 36 Veranstaltungen mit dem Pferd, da verschiedene Aktivitäten innerhalb der Schule oder sonstige Gegebenheiten eine volle Ausschöpfung der Stundenzahl nicht erlauben. Diese Veranstaltungen sind aber auch notwendig, da in der Pädagogik das Pferd kein Wunderheiler ist, und Veränderungen bzw. Entwicklungen bei den Kindern ihre Zeit benötigen, um auch in den Kindergartenbzw. Schulalltag übernommen werden zu können. Viele LehrerInnen berichten davon, dass die Auswirkungen einer Teilnahme an der Heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd im Schulalltag zu sehen sind. Da fast alle Kinder mit großer Begeisterung und deutlichem Gewinn an diesem besonderen Angebot teilnehmen, bietet sich auch aus ethischen Gründen die Verweildauer von einem Schuljahr an. Kontinuität des Angebotes Ein über das Jahr kontinuierlich durchgeführtes Angebot ohne große zeitliche Ausfälle verspricht den nachhaltigsten Erfolg bei den Kindern. Das bedeutet aber auch, ohne die Nutzung einer Halle ist diese Forderung kaum durchzuhalten. Hierbei kann man durchaus auch nur für die Schlechtwetterlage eine Halle bei einem angrenzenden Reiterverein oder privaten Reitbetrieb nutzen. Zeitliche Dauer des Angebotes Damit alle Kinder von der Maßnahme profitieren und entsprechend ausreichende Impulse erhalten können, hat sich eine Zeitstruktur von 90 Minuten als vorteilhaft erwiesen. 60 Minuten Nutzung der Halle und jeweils fünfzehn Minuten Vor- und Nachbereitung des Pferdes. Auf keinen Fall sollte man die Versorgung und Pflege des Pferdes aus dem Angebot heraus nehmen. Gruppensetting / Inklusion Für die hier angesprochenen Einrichtungen kommt nur ein Gruppensetting in Frage. Wie groß die Gruppe ausfallen sollte, kann man nach den Gegebenheiten vor Ort entscheiden. In der Regel findet man zwischen vier bis acht Kinder in einer Gruppe, zum Teil mit mehreren Pferden und Helfern. Bei der Zusammensetzung sollte man auf jeden Fall den inklusiven Ansatz nutzen und die Gruppe mit Jungen und Mädchen mit und ohne Förderbedarf zusammenstellen. Bei dieser Auswahl sollte auch der Voltigier- oder Reitpädagoge einbezogen werden, da er ja zu jedem Kind eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen muss. Fachkraft Die Kindergartenbzw. Schulleitung steht vor ihrem Arbeitgeber für diese Maßnahme gerade. Deshalb sollte sie nur mit einer Fachkraft zusammenarbeiten, die wenigstens den Trainer-C-Schein erworben hat und eine Weiterbildung als Reit- oder Voltigierpädagoge vorweisen kann. Kindergartenbzw. schulnahes Angebot/ kein Fördertourismus Die Zusammenarbeit mit einem Reiterverein macht nur Sinn, wenn er nicht allzu weit von der Einrichtung entfernt liegt und auch mit geringem Kostenaufwand gut zu erreichen ist. Die Fahrtzeit darf auf keinen Fall länger als die Förderzeit dauern, schließlich sollte die Beförderung nicht teurer werden als die Bezahlung für das Förderangebot. Bereitschaft der Reitervereine / privaten Reitbetriebe Die Reitervereine haben in der Regel um die Mittagszeit ihre Hallen nicht aus- Forum: Ringbeck - Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd in Kindergärten und Schulen mup 3|2013 | 141 gelastet und sind regelmäßig an der Zusammenarbeit mit einem Kindergarten oder der Schule interessiert, solange die Zusammenarbeit in gegenseitiger Absprache klappt, eine angemessene Bezahlung für die Miete von Halle und Pferd / Pferden gegeben ist und das Angebot längerfristig durchgeführt wird, so dass eine gewisse finanzielle Planungssicherheit für den Vorstand des Vereines besteht. Außerdem kann sich über die Jahre eine Ausweitung und Intensivierung der Zusammenarbeit über Projekttage, Projektwochen, Schnupperkurse, Tag der Offenen Tür etc. ergeben. Alle diese Angebote können vielleicht auch dazu beitragen, den Reiterverein in das Kindergarten- und Schulleben wie selbstverständlich einzubinden, so dass einige SchülerInnen u. U. dem Vereinsleben als Mitglieder treu bleiben. Finanzierungsmöglichkeiten Bei der Einrichtung einer Heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd in Kindergärten und Schulen erweist sich die Finanzierung nach wie vor als das größte Problem. Es fehlt bundesweit ein einheitlicher Kostenträger und so ist noch jede Institution auf eigene kreative Möglichkeiten der Geldbeschaffung angewiesen. Kommt die Fachkraft aus dem eigenen Kollegium und wird über das Stundendeputat abgegolten, halten sich die Gesamtkosten für die Anmietung von Pferd und Halle in einem überschaubaren Rahmen (in der Regel unter 1.000 € für ein Schuljahr). Sobald aber eine Honorarkraft dieses Angebot übernehmen soll, steigt der Betrag schnell auf über 2.000 €. Eine stattliche Summe für eine relativ kleine Fördergruppe. Für diesen Betrag haben Kindergärten und Schulen kaum einen finanziellen Spielraum, zumal beide Einrichtungen für ein Förderangebot in der Regel von den teilnehmenden Kindern keine Bezahlung verlangen dürfen. Um diese Summen über Jahre schultern zu können, macht es Sinn, eine „Verantwortungsgemeinschaft vor Ort“ aufzubauen, in der der einzelne Partner nur einen Teil der Kosten übernimmt und sich diese Unterstützung gleich für mehrere Jahre vorstellen kann. Das gibt den Institutionen Planungssicherheit und vor allen Dingen auch die notwendige Zeit, bei Ausfall eines Partners weitere Unterstützer in die Verantwortungsgemeinschaft einzubinden. Wie kann sich also der Finanzierungsmix in einer Verantwortungsgemeinschaft zusammensetzen? Zunächst ist die jeweilige Einrichtung mit einer kleineren Summe aus dem eigenen Haushalt (Schuletat, Ganztags- oder Förderbudget, Landesmittel wie z. B. „Bewegungsfreudige Schule“, Schulfest etc.) gefragt. Der an vielen Einrichtungen existierende Förderverein ist in der Regel wenig begeistert, sich an dem Angebot zu beteiligen, da er eigentlich nur dann aktiv sein möchte, wenn es allen Kindern zu Gute kommt. Dennoch erklären sich immer wieder Fördervereine bereit, in der Not einzuspringen. Ebenso ist es sinnvoll, den Träger der Einrichtung einzubeziehen. So zahlt z. B. der Landschaftsverband Rheinland für das Therapeutische Reiten an seinen Förderschulen 40.000 €, die Stadt Münster gibt für ihre Schulen 32.000 € aus, andere Träger übernehmen die Fahrtkosten. Der LandesSportBund hat über seine „Freiwillige Arbeitsgemeinschaft Schulsport“ ebenfalls die Möglichkeit, sich dauerhaft an diesen Kosten zu beteiligen. Allerdings sehen die Voraussetzungen und die Höhe der Beteiligung von Landesverband zu Landesverband unterschiedlich aus. Aber auch beim Stadt- oder Kreissportbund sowie bei der Sportjugend lohnt sich die Nachfrage nach einer finanziellen Unterstützung. Auf der Suche nach weiteren Partnern macht es durchaus Sinn, diejenigen anzusprechen, die auch einen Bezug zu diesem Thema haben und durch die eigenen Erfahrungen wissen, wie positiv ein Pferd auf den Menschen wirken kann. So haben sich seit einiger Zeit zwei große Verbände aus der Reiterei entschlossen, den Einsatz des Pferdes an Kindergärten und Schulen mit einer Anschubfinanzierung als „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu 142 | mup 3|2013 Forum: Ringbeck - Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd in Kindergärten und Schulen unterstützen. Den Einrichtungen soll mit dieser Hilfe Zeit gegeben werden, einen eigenen, schulnahen Sponsorenpool auf die Beine zu stellen. Die Mitglieder der Deutschen Reiterlichen Vereinigung haben unter dem Schwerpunkt „Pferdesport in der Schule und im Kindergarten“ ein über vier Jahre dauerndes Förderprogramm aufgelegt. Die Antragsvoraussetzungen sind unter www.pferd-aktuell.de zu ersehen. Das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten hat unter dem Schwerpunkt „Kinder mit Pferden stark machen“ eine Förderinitiative ins Leben gerufen, die ebenfalls Einrichtungen durch eine Anschubfinanzierung ermutigen möchte, auf Dauer ein eigenes, ortsgebundenes Finanzierungskonzept auf die Beine zu stellen. Unter www.dkthr.de sind die Voraussetzungen dafür einzusehen. Aber auch die Pferdesportverbände der einzelnen Bundesländer halten unterschiedliche Förderprogramme bereit. Über die Schulsportbeauftragten der Länder sind weitere Informationen abzurufen. Eine Teilfinanzierung über regionale oder auch bundesweit tätige Stiftungen wird in Zukunft einen immer größer werdenden Stellenwert einnehmen. In vielen Städten werden Bürgerstiftungen gegründet, die sich sehr für die hier beschriebene Thematik einsetzen. Bundesweit kann man z. B. die Kinderfonds Stiftung joy (www.joy-stiftung.de), die Aktion Mensch oder auch die Aktion Lichtblicke ansprechen. Ebenso sollte man die ortsnahen größeren Geldinstitute wie z. B. die Volksbanken und Sparkassen ansprechen. Die Sparkassen, sicherlich bundesweit sehr solide aufgestellt, vergeben nicht nur Gelder über die einzelnen Filialen, sondern besitzen in der Regel auch eine Stiftung und möglicherweise eine Gewinnausschüttung. Weitere Ansprechpartner können große Strom- oder Wasserversorger sein. Die RWE Deutschland AG hat beispielsweise schon häufiger in Regionalbezirken das Therapeutische Reiten unterstützt und die Gelsenwasser AG schreibt fast jährlich ein anderes Förderprogramm aus (www.vonkleinaufbildung.de). Die hier beispielhaft aufgeführten Partner zeigen sich an dem Einsatz des Pferdes in Kindergarten und Schule unter pädagogischen Gesichtspunkten äußerst interessiert und hilfreich. Allerdings müssen die Erfahrungen immer auf den regionalen Bereich übertragen werden. Es erweist sich bei der schwierigen Aufgabe der Sponsorensuche als sehr förderlich, wenn man schon auf positive Beispiele des jeweiligen Unternehmens in anderen Regionen oder Bundesländern Bezug nehmen kann. Hierbei ist die Öffentlichkeitsarbeit oder die Recherche im Internet eine große Hilfe. Vernetzung Für eine effektive dauerhafte Durchführung und zukunftsfähige Verankerung in Kindergärten und Schulen ist nicht nur die sichere Finanzierung, sondern auch eine gute Vernetzung und Kooperation aller Einrichtungen aus einem überschaubaren Einzugsgebiet von großem Vorteil. Je mehr Kindergärten und Schulen in einem regionalen Gebiet untereinander abgestimmt vorgehen, desto eher werden sie in den zuständigen Behörden wahr und vor allen Dingen ernst genommen. Eine Bündelung der Kräfte kann bei den Arbeitgebern ein gewichtigeres Wort und größeres Verständnis für die finanzielle Bedürftigkeit hervorrufen als ein Einzelkämpfer vor Ort. In der Öffentlichkeit und bei möglichen Sponsoren kommt diese Breitenwirkung ebenfalls besser an. Erste Ansprechpartner für diese Vernetzung können die Schulsportbeauftragten aus den Pferdesportverbänden oder die Landesbeauftragten des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten sein. In einigen Bundesländern gibt es auch regional begrenzte Arbeitskreise, die gern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Aber auch eine Unterstützung von Seiten des Kompetenzteams bei der Lehrerfortbildung ist durchaus denkbar, je mehr Schulen sich zusammenschließen und eng kooperieren wollen. Ohne diese Netzwerkstruktur wird das Engagement der einzelnen Fachkraft vor Ort beschwerlicher und in vielen Fällen verpuffen, d. h., einer Auswei- Forum: Ringbeck - Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd in Kindergärten und Schulen mup 3|2013 | 143 tung und Etablierung der Heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd in Kindergarten und Schule sind dann enge Grenzen gesetzt. Perspektiven Bis zum Jahr 2020 werden wir ein Schulsystem vorfinden, das überwiegend vom Ganztagssystem und dem inklusiven Ansatz einer Regelschule für alle Kinder geprägt ist. Daher sollten wir jetzt schon die Weichen stellen, wie wir in diesem System den Einsatz des Pferdes unter pädagogischen Gesichtspunkten optimal gestalten wollen. Hierbei wäre es sehr zu begrüßen, dass all die Kindergärten und Schulen, die von sich aus das Angebot in ihren Alltag hinein nehmen möchten und hierzu auch durch die Nähe zu einem Reiterverein oder privaten Reitbetrieb in der Lage sind, dies durch die Anstrengung einer Verantwortungsgemeinschaft vor Ort realisieren können. Wir stehen erst am Anfang, aber die Anfragen nach den Förderprogrammen der persönlichen Mitglieder der Deutschen Reiterlichen Vereinigung und des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten zeigen, dass wir uns auf einem guten Weg befinden, und nur durch ein gesamtgesellschaftliches Engagement das vor uns liegende Aufgabenfeld zu bewerkstelligen ist. Literatur zum Nachlesen ■ Gäng. M., Hölscher-Regener, R., Robier, Chr. (2010): Finanzierung von Förderung und Therapie mit dem Pferd an Kindergärten in Deutschland, Österreich, Schweiz. mensch & pferd 1, 20-25 ■ Gäng, M., Hauser, G., Ringbeck, B. (2010): Finanzierung von Förderung und Therapie mit dem Pferd an Schulen in Deutschland, Österreich, Schweiz. mensch & pferd 4, 163-169 ■ Ringbeck, B. (2005): Finanzierungsmöglichkeiten des Therapeutischen Reitens - Am Beispiel der Stadt Münster. In: Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten (Hrsg.): Sonderhefte des DKThR, Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten - Spezielle Aufgabenfelder, Warendorf, 62-65 ■ Ringbeck, B. (2012): 45-mal an einem Strang ziehen: ein herausragendes Modell für regionale Vernetzung. In: Pferdesportverband Westfalen e. V. (Hrsg.): Englisch, Mathe, Reiten in Schulen und Pferdesportvereine in Westfalen, Münster, 44-45 Literatur ■ Beetz, A. (2012): Hunde im Schulalltag. Grundlagen und Praxis. Ernst Reinhardt, München / Basel ■ Habenicht, A. (2013): Hunde in der Sprachtherapie einsetzen. Ernst Reinhardt, München / Basel ■ Kirchpfening, M. (2012): Hunde in der Sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ernst Reinhardt, München / Basel ■ Müllenbach, L. (2012): Unterrichtsziel: Tierliebe. Forum Schule, Das Magazin für Lehrerinnen und Lehrer in NRW 4, 22-23 ■ Urmoneit, I. (2013): Pferdgestützte systemische Pädagogik. Ernst Reinhardt, München / Basel Der Autor Bernhard Ringbeck Jg. 1950, Diplompädagoge und Diplompsychologe, fast 30 Jahre als Schulpsychologe für den Grundschulbereich an der Schulpsychologischen Beratungsstelle der Stadt Münster beschäftigt, Ausbildung im Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren und seit 1975 in diesem Bereich für das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten in unterschiedlichen Funktionen ehrenamtlich tätig, Aufbau eines Netzwerkes „Therapeutisches Reiten des Amtes für Schule und Weiterbildung an Schulen der Stadt Münster“ an dem im laufenden Schuljahr 46 Schulen beteiligt sind. Anschrift: Bernhard Ringbeck · Waltrup 54 · D-48341 Altenberge ringbeckb@stadt-muenster.de