eJournals mensch & pferd international11/3

mensch & pferd international
2
1867-6456
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mup2019.art16d
2_011_2019_3/2_011_2019_3.pdf71
2019
113

Forum: Extreme Trail für Therapiepferde? Extreme Trail für Therapiepferde!

71
2019
Andrea Baumbach
Therapiepferde haben häufig einen anstrengenden und fordernden Arbeitsalltag. Die Aufgabe der Pferdebesitzer bzw. der verantwortlichen Pferdeführer ist es daher zum einen, das Pferd so zu trainieren, dass es diesem Anspruch körperlich gerecht werden kann, zum anderen aber auch, mit dem Pferd mental abwechslungsreich und fordernd zu arbeiten. Eine gute Möglichkeit, die beide dieser Aspekte erfüllt, ist die Arbeit im Extreme Trail. [...]
2_011_2019_3_0006
mup 3|2019|131-137|© Ernst Reinhardt Verlag München Basel, DOI 10.2378 / mup2019.art16d | 131 Forum Extreme Trail für Therapiepferde? Extreme Trail für Therapiepferde! Andrea Baumbach Therapiepferde haben häufig einen anstrengenden und fordernden Arbeitsalltag. Die Aufgabe der Pferdebesitzer bzw. der verantwortlichen Pferdeführer ist es daher zum einen, das Pferd so zu trainieren, dass es diesem Anspruch körperlich gerecht werden kann, zum anderen aber auch, mit dem Pferd mental abwechslungsreich und fordernd zu arbeiten. Eine gute Möglichkeit, die beide dieser Aspekte erfüllt, ist die Arbeit im Extreme Trail. Darunter versteht man Anlagen mit großvolumigen, naturnahen Hindernissen, die vom Pferd „überklettert“ und nicht gesprungen werden. Diese Anlagen, welche immer mehr Reiter und Trainer begeistern, werden zwar als Extreme Trail bezeichnet, haben aber nichts mit einer Extremsportart zu tun. Die Grundidee stammt aus den USA und basiert auf der Westerndisziplin Trail. Herkunft Trail Die Disziplin Trail, so wie sie aus dem Westernreiten stammt, sollte die Rittigkeit und Gelassenheit des Pferdes an Hindernissen üben bzw. prüfen, wie sie bei einem Ritt in der Natur jederzeit vorkommen können. Dabei hatte man immer lange Strecken bzw. einen ganztägigen Einsatz des Ranch-Pferdes vor Augen. Dies erklärt die hohe Bedeutung der Gangart Schritt in dieser Disziplin, Galopp und Trab werden nur versammelt abgefragt und / oder auch über Stangen, während man Hindernisse wie Stege o. ä. ausschließlich im Schritt überreitet. Oftmals verändert sich die Durchführung der ursprünglichen Idee, wenn die Disziplin sich als Turnierdisziplin etabliert. So hat sich der Western Trail zu einer diffizilen Stangenlandschaft gewandelt und bildet die Gegebenheiten bei einem Ausritt nur noch sehr stilisiert und entfernt ab. Extreme Trail In Europa hat sich der Begriff Extreme Trail gefestigt, während sich in den USA der Begriff Mountain Trail durchgesetzt hat. Beide Begriffe werden gleichbedeutend für Trail Parcours mit naturnaher Gestaltung verwendet. Dies erklärt sich leicht, wenn man weiß, dass der erste Trail dieser Art in den USA in den Rocky Mountains erstellt wurde, während man in Europa überlegte, dass der Begriff Mountain Trail für Anlagen in flachen Landstrichen als nicht geeignet erscheint, man aber voraussah, dass sich diese Art Anlagen relativ schnell europaweit verbreiten würden. Dennoch hat Extreme Trail nichts von einer Extremsportart. „Extreme“ resultiert aus der umgangssprachlichen Bedeutung „besonders“ und „Trail“ meint den Ausritt und zugleich die Disziplin des Westernreitens. Es ist nicht im Sinne eines gesunderhaltenden Pferdetrainings, an die äußersten Grenzen zu gehen, wie es bei Extremsportarten der Fall sein kann. Daher sind die Hindernisse großvolumig, sollten aber niemals 132 | mup 3|2019 Forum: Baumbach - Extreme Trail für Therapiepferde? Extreme Trail für Therapiepferde! grenzwertig sein. Auf der anderen Seite ist leider im Bereich der Hobby-Pferdehalter eine Tendenz zu beobachten, die unsere Pferde und deren Fähigkeit bis hin zur Hilflosigkeit unterschätzen - hier erlebten wohl schon viele Teilnehmer ungeahnte Aha-Erlebnisse, wenn ihr Pferd ganz gelassen Dinge tat, die ihm der Besitzer niemals zugetraut hätte. Der Gründer oder die Rückbesinnung auf die Grundidee des Trails „Im Jahr 2002 besuchte der Besitzer des Oregon Horse Center, Major Defoe, eine Welsh Pony Zuchtshow. Es machte ihn nachdenklich, dass nicht wenige der teilnehmenden Pferde vor einer Kuh-Attrappe scheuten oder sich weigerten, über einen einfachen, nachgebildeten Steg zu gehen. Seine langjährige Geländeerfahrung in den Rocky Mountains und das unkontrollierte Verhalten der Ponys an doch relativ „einfachen“ Hindernissen auf der Zuchtshow ließen in ihm die Idee reifen, einen Trail mit naturnahen Bedingungen zu erstellen, um Reitern und Pferden in arrondierter Umgebung eine Übungsmöglichkeit zu bieten. Das erste Event wurde sowohl von Teilnehmern als auch von den Zuschauern mit großer Begeisterung aufgenommen. Seitdem findet im Oregon Horse Center einmal im Jahr ein großes Mountain Trail Event mit Kursen und Turnier statt“ (Baumbach 2019). Seit 2010 in Europa Im Jahr 2010 sahen wir, Andrea und Hardy Baumbach aus dem hessischen Herbstein im Vogelsbergkreis, ein Video von der Anlage im Oregon Horse Center, und obwohl der Vogelsberg bereits ein abwechslungsreiches und durchaus anspruchsvolles Reitgelände bietet, sahen wir die Möglichkeiten einer solchen Anlage sofort. Wenige Wochen später trainierten wir in den USA auf Mountain Trail Anlagen und begannen noch 2010 mit dem Bau unserer Anlage: Der erste Extreme Trail Parcours in Europa war geboren. Erwartungsgemäß entstanden recht schnell weitere Anlagen. Zurzeit ist die Qualität der Angebote jedoch noch recht unterschiedlich (Baumbach 2015). Extreme Trail und andere Disziplinen Eventing / Vielseitigkeit und TREC Auch in diesen - aus Europa stammenden - Disziplinen sollen Bewältigung der Geländeanforderungen von Pferd und Reiter geschult und in Turnieren geprüft werden. Resultiert Eventing (Vielseitigkeit) aus den militärischen Anforderungen der Kavallerie, so werden im TREC Orientierungsritt, Rittigkeitsprüfung und ein Geländeparcours auf Zeit verknüpft. Im TREC werden sowohl Trail Hindernisse als auch Sprünge geprüft. Der augenscheinlichste Unterschied zum Extreme Trail ist, dass in diesen Disziplinen das Tempo höher ist und gesprungen wird. Horse Agility Das Pferd läuft oft frei durch einen Parcours. Ursprünglich hat man sich an den Hindernissen des Hunde-Agility orientiert. Wippe, Tunnel, Hürden, Slalom gehören dazu. Auch hier ist ein höheres Tempo zum Zielbild gehörend. Die Parcours sind oft sehr bunt und mit Gegenständen aus Kunststoffen bestückt. Dies ist der offensichtlichste Unterschied zum Extreme Trail mit seinen naturnah gebauten Hindernissen, aber auch im Zielbild gibt es deutliche Unterschiede. GHP (Gelassenheitsprüfung) Die Aufgaben der GHP resultieren eher aus den Bereichen Anti-Schreck und der Desensibilisierung wie Klappersack, Sprühflasche, aufsteigende Luftballons, Regenschirm u. ä. GHP und Extreme Trail können einander gut ergänzen, haben aber in Zielbild und Durchführung sehr wenig gemein. Hindernisse im Extreme Trail und Herangehensweise Bevor wir uns der Heranführung der Pferde an die Hindernisse widmen, werfen wir einen kurzen Blick auf die Hindernisse und Gestaltung eines ExtremeTrails, so wie er von der German Forum: Baumbach - Extreme Trail für Therapiepferde? Extreme Trail für Therapiepferde! mup 3|2019 | 133 Extreme Trail Association e. V. vorgegeben wird. Für den Unkundigen sind es die Holzhindernisse, die in einem Extreme Trail Parcours hervorstechen. Für diejenigen, die schon etwas Erfahrung auf einer solchen Anlage haben, sind es die Bodenhindernisse, die den besonderen Reiz und den größten Nutzen haben. Dementsprechend wird bei den Trainings wesentlich mehr Zeit an den Bodenhindernissen verbracht als an den Holzhindernissen. ■ Holzhindernisse ■ Bewegliche Holzhindernisse ■ Hängebrücke Es ist wohl die freischwingende Hängebrücke, die untrennbar mit dem Begriff Extreme Trail verbunden ist und als Hindernis für Pferde aus anderen Sparten des Reitsports nicht bekannt war. Die Hängebrücke desensibilisiert auf Trittgeräusche und beweglichen Untergrund. Wenn die Hängebrücke richtig gebaut ist, fördert sie wie kaum eine andere Maßnahme das Körper- und Gleichgewichtsgefühl des Pferdes. Wippen sind im Pferdesport bekannt und werden sogar bei den Kutschfahrern eingesetzt. Das Balance Board ist ein breiter federgelagerter Steg. Dieses Hindernis ist eine gute Vorbereitung für die Hängebrücke. Der Vorteil am Balance Board ist, dass dieses zu wackeln aufhört, wenn das Pferd stillsteht. Eine weitere sehr gute Möglichkeit des Balance Boards ist es, dass der Pferdeführer das Pferd ohne großen Aufwand passiv bewegen kann. Unter dem Pferd wegrollende Hindernisse sollten nicht eingesetzt werden, da diese einen fehlerhaften Bewegungsablauf hervorrufen und somit kontraproduktiv sind. Feste Brücken und Stege können in vielerlei Formen auftreten. Am ungewöhnlichsten und auch im Extreme Trail erstmals auftretend ist der Balancierbalken. Dieses ist ein mehrere Meter langes und ca. 50 cm schmales Hindernis. Bodenhindernisse Es ist ein untrennbares Kennzeichen des Extreme Trails, dass die Ebene verlassen wird und die Arbeit am Hang bzw. in der Schräge essenzieller Bestandteil ist. Zum Nutzen des Trainings am Hang ist schon viel geschrieben worden und es besteht ausnahmsweise eine große Einigkeit über den positiven Aspekt, auch wenn nicht alle Autoren über den Weg des Trainings einig sind. Zu den Bodenhindernissen zählen Stufen, Gräben, Erhebungen, Wellenbahn und mehr oder weniger auch die Wasserstelle. Stämme, Stangen und Felsen: Aus diesen natürlichen Materialien werden eine Vielzahl an Hindernissen gestaltet. Auch werden diese Hindernisse in die Hanglage integriert und somit der Trainingseffekt verstärkt. Je nach Bauart richtet sich der Trainingseffekt auf unterschiedliche Schwerpunkte: Fußgeschicklichkeit, Beweglichkeit von Schulter und Beckenbereich, Kraftentwicklung und Tragkraft. Geländesicherheit, Kommunikation, körperliche und mentale Ertüchtigung Die Hindernisse im Extreme Trail sollten niemals unnötig spektakulär sein, sondern es müsste immer eine Abb. 1: Wasserstelle (Fotos: Autorin) 134 | mup 3|2019 Forum: Baumbach - Extreme Trail für Therapiepferde? Extreme Trail für Therapiepferde! Überlegung dahinterstehen, welchen Nutzen das Hindernis bzw. dessen Bauart für das Pferdetraining hat. Dabei verschmelzen im Extreme Trail die Komponenten Geländesicherheit, Kommunikation sowie körperliche und mentale Ertüchtigung des Pferdes, damit das Weidetier Pferd seine Aufgabe als Reit- / Zugtier erfüllen kann. Heranführung an die Hindernisse Grundsätzlich wird im Extreme Trail das Erarbeiten der Hindernisse vom Boden aus begonnen. Es fällt den Pferden wesentlich einfacher zu balancieren, die Hufe einzeln zu platzieren und ähnliches, wenn nicht noch das zusätzliche Reitergewicht ausbalanciert werden muss. Die Pferde werden am langen Leitseil dirigiert. Der Pferdeführer befindet sich in deutlichem Abstand zum Pferd und Hindernis. Körpersprache und akustische Signale sind die Hilfen der Wahl. Seltene Einigkeit besteht auch darin, dass Pferde ihren Hals zum Ausbalancieren benötigen. Daher ist es von essenzieller Bedeutung, nach Möglichkeit nicht mit dem Leitseil über das Halfter auf den Kopf einzuwirken, da dies dazu führt, dass die Pferde den Kopf in eine ungünstige Position bringen. Körpersprachliche Signale, besonders das Beanspruchen von Raum (z. B. den Raum vor dem Pferd), sind Kommunikationsmittel der Pferde und müssen daher nicht antrainiert werden; jedes Pferd versteht innerhalb weniger Minuten, was von ihm gewünscht wird. So können leicht auch Pferde ohne Vorkenntnisse am Leitseil in die Bodenarbeit an den Hindernissen eingearbeitet werden. Akustische Signale müssen antrainiert werden, durch die Verknüpfung von Körpersprache und akustischem Signal stellen die Pferde in der Regel die Verbindung von Aktion und Reaktion recht schnell her. Im Extreme Trail wird ein aufmerksames Pferd gewünscht, welches ein Hindernis gelassen und in gleichmäßigem Tempo bewältigt und dabei Zusammenarbeit mit dem menschlichen Partner zeigt. Damit die Pferde also nicht durch die Hindernisse eilen, legt man gerade am Anfang besonderen Wert auf Ruhe in der Arbeit. So ist es ratsam, für Beginner-Pferde die Hindernisse mit ganz vielen Stehpausen zu verbinden. Jedes Pferd soll sich das Hindernis gründlich anschauen, auch beschnuppern ist gestattet. Traut sich ein Pferd nicht hinüber, lässt man das Verhalten „Annäherung und Rückzug“ zu. Stört man die Pferde bei diesem Verhalten nicht durch falsche Einwirkung oder falsches Timing, werden sie schnell den ersten Schritt wagen. Leider fehlt es vielen Pferdeführern an der nötigen Geduld und es wird begonnen, am Seil zu zerren, zu locken (sogar mit Futterverstärkung), der Druck wird erhöht oder man versucht voranzugehen und das Pferd hinter sich her zu locken. Wir halten ein solches Vorgehen für falsch und wenn damit überhaupt „Erfolge“ erzielt werden, sind diese nicht nachhaltig, d. h. das Pferd zeigt keine Über- Abb. 2: Arbeit am Leitseil Forum: Baumbach - Extreme Trail für Therapiepferde? Extreme Trail für Therapiepferde! mup 3|2019 | 135 tragung des Gelernten auf zukünftige Situationen. Ein unumstößliches Prinzip für Beginner- Pferde ist auch, dem Pferd eine Belohnung in Form von Beendigung der Aufgabe zu gewähren, wenn es das Hindernis genommen hat bzw. die Art und Weise wesentlich besser ist als bei seinem vorherigen Versuch. Somit ist auch schon ein weiteres sehr wichtiges Merkmal angesprochen: Im Extreme Trail ist die Art und Weise wie das Pferd am Hindernis arbeitet, wesentlich wichtiger als die Menge der Hindernisse, die es annimmt. Qualität der Bewegung und Kooperation gehen vor Quantität. Es geht nicht darum, dass ein Pferd gedankenlos überall drüber läuft. Die Pferde sollen mit Freude bei der Sache sein, in beständige Kooperation mit dem Menschen treten und zugleich noch effektiv Muskulatur, Gleichgewicht, Sensomotorik und Körpergefühl stärken. Damit die Muskulatur, die Tragkraft und Beweglichkeit des Pferdes effektiv trainiert werden kann, ist es selbstverständlich notwendig, dass es dazu bestimmte Körperhaltungen einnimmt. Diese Haltungen sind nicht angeboren und müssen geschult werden. Beobachtet man Pferde, die sich auf einem Paddock- Trail oder einer vielgestaltigen Weide frei bewegen, so wird man sehen, dass die Mehrzahl der Pferde Hindernisse nicht in einer Körperhaltung bewältigen, wie man sie für das Reitpferd als sinnvoll erachtet. Als Beispiel soll hier das Absteigen von einem Steg oder (was im Sinne des Bewegungsablaufes nichts anderes ist) das Absteigen von einer Stufe herangezogen werden. Ungeschulte Pferde lassen sich auf die Vorhand fallen und lassen die Hinterhand mit einem vergrößerten Schritt folgen. Ein Reitpferd soll nun vermehrt mit der Hinterhand Last aufnehmen und den Rücken aufwölben. Genau das muss man auch an den Hindernissen üben. Die Pferde müssen den Kopf senken, wenn sie das Hindernis scharf und dreidimensional sehen sollen, der Hals soll dabei aufgewölbt sein, der Widerrist angehoben, die Kruppe abgesenkt werden, wodurch die Hinterhand näher an die Vorhand herantreten kann. Dabei soll das Pferd sich in positiver Spannung befinden oder anders ausgedrückt, es soll eine gewisse Muskelspannung aufbauen. Dabei soll seine innere Haltung entspannt, gelassen und aufmerksam sein. Bis all dies in einer schönen Qualität sicher abrufbar ist, benötigt es einen längeren Trainingsprozess. Bestätigung dafür, Pferde in Haltung zu bringen, wenn sie an den Hindernissen arbeiten, ganz besonders im Abwärtsgehen, entnehme ich folgender Beobachtung: Unsere Pferde waren frei zum Grasen auf dem Extreme Trail Parcours. Die Herde traf die Entscheidung, die langen Stufen hinabzusteigen. Die ausgebildeten Pferde gingen ohne jedes menschliche Einwirken in die beschriebene Position (aufgewölbter Rücken, abgesenkte Kruppe, verkürzte Schritte), die Jungpferde zeigten genau die Manier, wie sie von allen Beginner-Pferden gezeigt wird, sie ließen sich Abb. 3: Auch ohne Führung werden die Hindernisse bewältigt. 136 | mup 3|2019 Forum: Baumbach - Extreme Trail für Therapiepferde? Extreme Trail für Therapiepferde! auf die Vorhand fallen und machten mit der Hinterhand einen großen Schritt. Diese Beobachtung ließ sich mehrmals machen. Dies legt nahe, dass die Pferde den erlernten Bewegungsablauf oder die erlernte Körperhaltung als positiv und angenehm empfinden. Das Pferd als ehedem steppenbewohnendes Fluchttier scheint auf den ersten Blick nicht geeignet zu sein, um Stufen zu erklettern und Baumstämme zu überkraxeln. Dennoch benutzen die Pferde die Hindernisse selbständig, wenn sie zum Grasen auf der Anlage sind. Es scheint ihnen Freude zu bereiten. Im fortschreitenden Trainingsprozess beginnt man die Hindernisse zu variieren, z. B. durch Drehungen, Rückwärtsrichten, Anhalten, das Ansprechen einzelner Hufe / Beine, die das Pferd dann gezielt platzieren soll. Qualität von Motorik kann sich auch darin zeigen, dass etwas langsam ausgeführt bzw. der Bewegungsfluss mit punktgenauen Stopps unterbrochen werden kann. Dabei verbessert sich die Haltung des Pferdes immer weiter. Hat man dies erreicht, kann man zum Reiten übergehen. Die Grundsätze der Bodenarbeit gelten natürlich auch für das Reiten. Im Besonderen gilt das für die Zügelführung. Wenn das Pferd seinen Hals als Balancierstange benutzen können soll, darf es nicht durch Zügelzug eingeengt und damit gestört werden. Versammlung, Anhalten und Richtung werden nun hauptsächlich über den korrekten Sitz kommuniziert - eine große Herausforderung für den Reiter. Es bereitet der Mehrheit große Probleme, loszulassen und die Zügel in entsprechender Länge zu führen. Nutzen der Arbeit im Extreme Trail Die Arbeit im Extreme Trail lockert den Trainings- und Therapiealltag auf und schafft Abwechslung. Aber nicht nur das Pferd erfährt eine Änderung zum Alltag. Der Pferdeführer wird in der Regel ebenfalls vor neue Herausforderungen gestellt und verbessert seine Klarheit und sein Timing in der Arbeit mit dem Pferd. Auch vom Menschen wird ein hohes Maß an Konzentration verlangt, gute Körperspannung und exakte Kommunikation mit dem Partner Pferd. Dies findet sich dann auch im gemeinsamen Therapiealltag und anderen Trainingssituationen wieder, zum Nutzen der Pferde und in gewissem Maße auch zur Sicherheit der KlientInnen. Je klarer die Kommunikation und je besser die Zusammenarbeit zwischen Pferdeführer und Therapiepferd sind, umso sicherer die Arbeit mit den KlientInnen. Wie schon erwähnt hat dieses Training gleichermaßen wichtige Komponenten, die vor allem durch angemessene Reaktionen und Ausbildungsmaßnahmen des Reiters beeinflusst werden: ■ Die körperliche Ertüchtigung des Pferdes. ■ Die Übungen im Extreme Trail verbessern die Trittsicherheit. ■ Die Kraft wird erhöht, denn nicht wenige Hindernisse verlangen in der langsamen Ausführung einen recht hohen Krafteinsatz der Pferde. ■ Die Tragkraft wird gestärkt, besonders durch die Hindernisse, die die Bauchmuskulatur des Pferdes beanspruchen. Das Aufwölben des Rückens tut ein weiteres dazu. ■ Schulterpartie und Beckenpartie werden gelockert und gekräftigt durch das Übersteigen hoher Stämme und durch die Arbeit an Stufen. Insgesamt wird die Beweglichkeit verbessert. ■ Die Pferde lernen eine gesunde Selbsthaltung einzunehmen. Hier sollte man aber nicht befürchten, dass die Pferde in eine feste Form gepresst werden. Die Arbeit an den Hindernissen verlangt eine Vielzahl von angemessenen Körperhaltungen, diese werden von den Pferden sehr schnell entsprechend eingenommen. ■ Die Pferde werden angeregt, in eine positive Körperspannung zu kommen. Hypotone Pferde erhöhen ihre Spannung, hypertone Pferde lernen lockerer zu werden. Forum: Baumbach - Extreme Trail für Therapiepferde? Extreme Trail für Therapiepferde! mup 3|2019 | 137 ■ Die Körperwahrnehmung der Pferde wird verbessert. ■ Und nicht zuletzt werden die Pferde mental gestärkt. Dies resultiert daraus, dass die Pferde selber erkennen, dass sie ein Hindernis bewältigen konnten. Es ist aber auch eine Folge der Selbstverantwortung, die dem Pferd im Hindernis vom Pferdeführer zugestanden wird, ohne dass dabei die Kommunikation zum Menschen aufgegeben werden darf. Dies ist bei der Ausbildung junger Pferde von unschätzbarem Wert, erfrischt ältere Pferde und steigert die Motivation. So hat die Freude am Tun einen hohen Stellenwert. Zusammenfassend sei gesagt, dass die Arbeit in einem Extreme Trail für Therapiepferde zahlreiche gute Möglichkeiten bietet. Die Muskulatur wird trainiert, die Trittsicherheit erhöht und die Kommunikation zum Pferdeführer verbessert. Zusätzlich wird dem Pferd durch den Extreme Trail jedoch eine neue, spannende Aufgabe gestellt, die einen guten Ausgleich zum Therapiealltag bringt. Abschließend sei hier nochmals auf die hohe Verantwortung von Anbietern hingewiesen. Leider fühlen sich zurzeit einige „Trainer“ befähigt, Angebote zu unterbreiten, ohne sich fundiert mit der Arbeit in einer solchen Anlage beschäftigt zu haben. Literatur ■ Baumbach, A. (2019): Extreme Trail Trainer Workshop. Handout, Eigenverlag ■ Baumbach, A. (2015): Abenteuer Extreme Trail. Quarter Horse Journal 24 (6), 18-23 Die Autorin Andrea Baumbach Päd. M. A., Kunsthistorikerin M. A., eröffnete mit ihrem Mann 2010 den ersten Extreme Trail Park in Europa. Seit den 80er-Jahren Zucht von Quarter Horses und Ausbildung von Pferden und Reitern, in den 90er-Jahren Reiten für Menschen mit Behinderung. Anschrift Andrea Baumbach · Extreme Trail Park · Lanzenhainer Str. 31 D-36358 Herbstein · info@extreme-trail.de Anzeige S T A U F E N - B U C H H A N D L U N G Marktstraße 31• 73033 Göppingen Tel. 71 61 / 7 41 75 • Fax 0 71 61 / 1 37 43 www.staufen-buch.de Email: staufen-buch@t-online.de Gillian Higgins Anatomie verstehen- besser reiten 978-3-440-16185-2 32,00 € H.-P. Karp Gesunde Pferdefütterung 978-3-275-02131-4 19,95 € K. Obst Fitness-Studio für mein Pferd 978-3-440-15832-6 16,99 € Taschenhalter Motiv Pferd Nr. MetTP-1 9,95 € Anzeige_MPU_05_19_Anzeige_MPU1/ 8_5_17.qxd 20.05.19 19: 22 Seite