eJournals mensch & pferd international12/1

mensch & pferd international
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1867-6456
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mup2020.art02d
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2020
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Positive Psychologie in pferdegestützten Coachings

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2020
Kathrin Schütz
Die Positive Psychologie ist eine Teildisziplin der Psychologie und befasst sich mit dem psychischen Wohlbefinden von Menschen und wie diejenigen positive Konsequenzen in ihrem Handeln erleben. Das noch recht junge Forschungsgebiet fokussiert dabei menschliche Stärken und Ressourcen sowie deren Auswirkungen. Dass Pferde eine positive Wirkung auf Menschen haben, wurde ebenfalls bereits nachgewiesen. In diesem Artikel wird beschrieben, wie pferdegestützte Coachings und die Positive Psychologie kombiniert werden können, um so Synergien zu schaffen und KlientInnen zu stärken.
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4 | mup 1|2020|4-15|© Ernst Reinhardt Verlag München Basel, DOI 10.2378 / mup2020.art02d Kathrin Schütz Schlüsselbegriffe: Positive Psychologie, pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung, Pferde, Coaching Die Positive Psychologie ist eine Teildisziplin der Psychologie und befasst sich mit dem psychischen Wohlbefinden von Menschen und wie diejenigen positive Konsequenzen in ihrem Handeln erleben. Das noch recht junge Forschungsgebiet fokussiert dabei menschliche Stärken und Ressourcen sowie deren Auswirkungen. Dass Pferde eine positive Wirkung auf Menschen haben, wurde ebenfalls bereits nachgewiesen. In diesem Artikel wird beschrieben, wie pferdegestützte Coachings und die Positive Psychologie kombiniert werden können, um so Synergien zu schaffen und KlientInnen zu stärken. Positive Psychologie in pferdegestützten Coachings Schütz - Positive Psychologie in pferdegestützten Coachings mup 1|2020 | 5 Positive Psychologie Die Positive Psychologie beschäftigt sich mit positiven subjektiven Erfahrungen, persönlichen Eigenschaften und „positiven Institutionen“ (z. B. Verantwortung, Toleranz, Altruismus), mithilfe derer die Lebensqualität verbessert und Krankheiten vermieden werden können. Dabei betrachtet man u. a. die Bereiche Glück, Hoffnung, Kreativität, Zukunftsorientierung, Mut, Verantwortung und Weisheit (Seligman / Csikszentmihalyi 2000, 5). Es geht somit um die wissenschaftliche Sicht auf die persönliche Entwicklung im Sinne eines erfüllten und gelingenden Lebens sowie das psychische Wohlbefinden (Seligman / Csikszentmihalyi, 5). Als Forschungsgebiet der akademischen Psychologie ist der Bereich der Positiven Psychologie noch vergleichsweise jung (Blickhan 2015, 11). In der Positiven Psychologie wird davon ausgegangen, dass die optimale menschliche Leistungsfähigkeit auf der biologischen, erfahrungsbezogenen, persönlichen, beziehungsrelevanten, gesellschaftlichen, kulturellen und globalen Ebene betrachtet werden kann (Sheldon et al. 2000). Initiiert von Martin Seligman, hat sie sich seit Ende der 1990er Jahre als eine neue, eigenständige Forschungsrichtung etabliert. Seligman wurde im Jahr 1998 zum Präsidenten der American Psychological Association (APA) gewählt und vertrat die Meinung, dass sich die Psychologie mehr auf die positiven Aspekte des Lebens konzentrieren solle. Als formaler Beginn dieser Forschungsrichtung kann die Herausgabe eines Sonderheftes zur Positiven Psychologie im American Psychologist (2000) gesehen werden. Seligman und Csikszentmihalyi beschrieben darin, dass dem Ungleichgewicht in der Psychologie entgegengewirkt werden solle. ForscherInnen und AnwenderInnen sollten Stärken und Ressourcen der Menschen und deren Förderung mehr fokussieren. Dies bedeutet aber nicht, dass psychische Erkrankungen nicht mehr erforscht oder behandelt werden sollen, sondern dass die Beschäftigung mit den positiven Aspekten ein ebenso großes Gewicht einnehmen sollte. Laut Blickhan (2015, 15) steht im Rahmen von (klinischen) psychologischen Angeboten auch heute noch der Abbau der negativen Symptome von Klienten im Vordergrund, um den persönlichen Leidensdruck zu minimieren und die Bewältigung des Alltags besser zu gestalten. Der Ursprung der Positiven Psychologie lässt sich jedoch weiter zurückverfolgen Aristoteles schrieb bereits über Glück, Sinn und Tugend; Maslow verwendete um 1950 als erster den Begriff der Positiven Psychologie. Auch Carl Rogers prägte diese Forschungsrichtung mit seinem Menschenbild, wobei er den Menschen als leistungsfähig und positiv ansah. Sein Konzept einer „fully functioning person“ (im Sinne des Nutzens der vollen psychischen Leistungsfähigkeit, wobei das eigene Potenzial gemeint ist) ist vergleichbar mit Seligmans „Flourish“ („Aufblühen“, Prozess der psychischen Entwicklung) und beschreibt einige Kernpunkte der Positiven Psychologie. In der amerikanischen Literatur finden diese Ursprünge aufgrund angeblicher fehlender empirischer Validierung allerdings wenig Beachtung (nach Blickhan 2015, 13 ff., 18; Seligman 2011, 49). In den letzten 20 Jahren hat sich der Bereich der Positiven Psychologie zunehmend organisiert und professionalisiert. Dies zeigt sich beispielsweise in der Bildung fachspezifischer Gesellschaften, der Einrichtung eines internationalen Kongresses, der Herausgabe von Lehrbüchern und Fachzeitschriften und damit einhergehend einer steigenden Anzahl an Publikationen (Harzer 2017, 253). Ziele der Positiven Psychologie Die Positive Psychologie hat das Ziel, „mit wissenschaftlichen Methoden die Bedingungen und Konsequenzen des Wohlbefindens, menschlicher Stärken und positiv gestalteter Institutionen zu untersuchen und Interventionen zu entwickeln und zu evaluieren, die der Förderung einer positiven, individuellen, institutionellen und gesellschaftlichen Entwicklung dienen“ (Eid 2011, 9). 6 | mup 1|2020 Schütz - Positive Psychologie in pferdegestützten Coachings Die Forschungs- und Anwendungsrichtung bezieht sich demnach sowohl auf die individuelle als auch auf die gesellschaftliche Ebene. Der Forschungsbereich in der Positiven Psychologie beschäftigt sich mit drei großen Themen. Zum einen soll ein Augenmerk auf das positive, subjektive Erleben (das eigene Erleben positiver Dinge) gelegt werden. Ein Teil hiervon sind beispielsweise das Flow-Erleben, positive Gefühle sowie die Arbeits- und Lebenszufriedenheit. Weiterhin soll eine nähere Beschäftigung mit positiven Eigenschaften erfolgen. Hier werden Charakter, Tugenden und Begabungen hervorgehoben. Im dritten Bereich werden positive Institutionen beleuchtet, zu denen beispielsweise Unternehmen, Schule, Partnerschaft und die Gesellschaft gehören (Seligman / Csikszentmihalyi 2000). Hier wird erforscht, wie sich Institutionen auszeichnen, die Individuen persönliches Wachstum und positives Erleben ermöglichen (Peterson 2006, 8). Übergeordnete Ziele der Forschung in der Positiven Psychologie sind die Entwicklung von Messinstrumenten und eines gemeinsamen Vokabulars (Harzer 2017). Zentrale Begriffe der Positiven Psychologie Die Positive Psychologie ist eine breite Forschungsrichtung, die viele verschiedene Elemente bzw. Facetten umfasst. Positive Emotionen sind ein wichtiger Teil der Positiven Psychologie, da es häufig ein Teilziel aller Interventionen ist, letztere hervorzurufen. Emotionen im Allgemeinen entstehen laut Fredrickson (2001) als eine Reaktion auf die kognitive Bewertung einer Situation. Sie können positiv oder negativ sein oder auch anhand ihrer Valenz und dem körperlichen Erregungsniveau beschrieben werden (Barrett 1998). Positive und negative Gefühle unterscheiden sich nicht nur in ihrer Valenz, sondern auch in ihrer Intensität und Dauer. Obwohl positive Emotionen durchschnittlich häufiger auftreten, bleiben sie gleichzeitig eher unbemerkt und gehen ineinander über oder überschneiden sich mit anderen Gefühlen. Gleichzeitig erweitern sie das Denken, die Problemlösefähigkeit sowie die Kreativität und führen zu stabilen sozialen Beziehungen. Negative Emotionen hingegen werden schnell und häufig sehr stark wahrgenommen mit einer längerfristigen Wirkung. Sie sind leichter wieder abrufbar als positive Emotionen, da sie länger im Gedächtnis bleiben. Außerdem können negative Gefühle zu einer Einengung des Denkens und somit zu einer Einschränkung der Verhaltensalternativen führen. Evolutionär gesehen ist dieser Mechanismus durchaus sinnvoll, da er ein lösungsorientiertes Denken im Sinne von Kampf oder Flucht bewirkt, wodurch das Überleben gesichert ist. Bei positiven Emotionen kommt es weniger auf die Intensität als auf die Häufigkeit und Regelmäßigkeit an (Fredrickson 2011, 11, 39, 221 f.; Fredrickson / Losada 2005). Die Broaden-and-Build-Theory (Fredrickson 2001) nimmt an, dass positive Interventionen zu einer Erweiterung des Denkens (Broaden) und somit zu einem Aufbau von Ressourcen (Build) führen. In einer Studie von Kok und Fredrickson (2010) zeigte sich außerdem, dass positive Emotionen einen direkten Einfluss auf die Gesundheit haben können, wobei regelmäßige positive Gefühle das Erleben und die Gesundheit unterstützen. Das Konzept der Salutogenese (Entstehung von Gesundheit) findet man in diesem Kontext der Grundidee der Positiven Psychologie ebenfalls wieder; es wurde bereits in den 1970er Jahren von Antonovsky entwickelt. Er beschreibt Gesundheit und Krankheit nicht als zwei gegensätzliche Pole, sondern als ein Kontinuum, auf dem sich alle Menschen bewegen. Grundlage des Konzeptes war eine Studie mit israelischen Frauen, von denen eine Gruppe in jungen Lebens- Der Forschungsbereich in der Positiven Psychologie beschäftigt sich mit drei großen Themen. Schütz - Positive Psychologie in pferdegestützten Coachings mup 1|2020 | 7 jahren in einem Konzentrationslager gelebt hatte. Trotz der von einigen als traumatisch erlebten Erfahrung war ein Drittel der Frauen in dieser Gruppe psychisch gesund. Die Salutogenese stellt also ein Gegenmodell beziehungsweise eine Ergänzung zur krankheitsorientierten Wissenschaft (Pathogenese) dar und stellt Fragen, wie Menschen gesund bleiben. Antonovsky stellte dabei die Annahme auf, dass alle Menschen über generalisierte Widerstandsressourcen verfügen, die die Bewältigung (Coping) von Stresssituationen positiv beeinflussen. Hierbei geht es um „ein durchdringendes, andauerndes, aber dynamisches Gefühl des Vertrauens“ (Antonovsky / Franke 1997, 36), dass die Anforderungen des Lebens verstehbar, handhabbar und bedeutsam beziehungsweise sinnhaft sind (Antonovsky / Franke 1997). Ein weiterer zugehöriger, relevanter Begriff ist der der Resilienz. Diese wird als psychische Widerstandskraft bezeichnet, die Menschen dazu befähigt, sich an schwierige Lebenssituationen anzupassen und diese zu bewältigen (Fredrickson / Losada 2005; Salewski / Renner 2009). Der Begriff der Resilienz ist demnach als ein Gegenbegriff zur Vulnerabilität zu sehen. Fredrickson (2011) definiert Resilienz als Fähigkeit, neben negativen Aspekten einer Situation immer auch etwas Positives zu sehen. Resiliente Menschen unterscheiden sich also von weniger resilienten Menschen in der Art und Weise, wie sie Erfahrungen wahrnehmen und bewerten. Das bereits genannte Flourishing, welches ebenfalls im Vokabular der Positiven Psychologie auftaucht, bedeutet wörtlich übersetzt Aufblühen und bezieht sich auf das subjektive Wohlbefinden, das persönliche Wachstum und die psychische Leistungsfähigkeit. Das Konzept ist eines der zentralen in der Positiven Psychologie und beinhaltet emotionale, kognitive und verhaltensbezogene Prozesse. Die Grundannahme des Flourishings ist, dass sich der menschliche Organismus selbst aktualisieren, d. h. weiterentwickeln kann (Blickhan 2015, 39; Fredrickson / Losada 2005). Positive Interventionen Bei positiven Interventionen handelt es sich um Strategien, die Gedanken, Gefühle sowie Handlungen glücklicher Menschen spiegeln (Layous et al. 2011). Sie konzentrieren sich im Gegensatz zu klassischen psychologischen und psychotherapeutischen Interventionen nur auf positive Gefühle. Im klinischen Kontext können KlientInnen positive Interventionen als eine Art Puffer einsetzen, um einen besseren Umgang mit Belastungen durch Symptome bzw. Beschwerden und einen Schutz vor späteren Rückfällen zu bewirken. Menschen ohne eine klinische Diagnose profitieren durch eine Verbesserung ihres Wohlbefindens und ihrer psychischen Leistungsfähigkeit (Blickhan 2015). Positive Interventionen lassen sich laut Parks und Biswas-Diener (2013) an drei Merkmalen erkennen: ■ Ziel der positiven Intervention ist es, positive Variablen (positive Gedanken, Gefühle und Verhaltensweise) aufzubauen. ■ Die Grundlage der positiven Intervention sind empirische Ergebnisse. ■ Positive Interventionen führen bei klinischen und nicht-klinischen Populationen zu Veränderungen. Positive Interventionen haben u. a. das Ziel, positive Emotionen hervorzurufen (Gander et al. 2013). Die Broaden-and-Build-Theory liefert einen Erklärungsansatz zur Wirkweise positiver Interventionen und beschäftigt sich mit der Relevanz positiver Emotionen. Evolutionär betrachtet bieten diese im Gegensatz zu negativen Emotionen zunächst weniger Vorteile. Negative Emotionen, wie beispielsweise Angst, führen zu klaren Handlungen (Flucht), die der Erhaltung der Art dienen. Die Einengung des Verhaltensrepertoires durch negative Emotionen führt zu einer erhöhten Verfügbarkeit lebensrettender Handlungsweisen. Positive Emotionen wirken zunächst weniger nützlich, da sie nicht in lebensgefährlichen 8 | mup 1|2020 Schütz - Positive Psychologie in pferdegestützten Coachings Situationen auftreten und auch nicht direkte Handlungstendenzen nach sich ziehen (Harzer 2017). Die Broaden-and-Build-Theory besagt dabei, dass positive Emotionen zu einer Erweiterung des Verhaltensrepertoires führen (Broaden) und damit auch den Aufbau neuer Ressourcen (Build) fördern. Durch das Erleben positiver Gefühle kann beispielsweise die Wahrnehmung erweitert werden, was in Studien zu visueller Aufmerksamkeit und Reaktionszeiten nachgewiesen werden konnte. Eine breitere Wahrnehmung befähigt Menschen auch, mehr mentale Verbindungen zu schaffen, und fördert so Kreativität und Flexibilität (Davis 2009, 25; Rowe et al. 2007). Bei einem häufigen Auftreten positiver Emotionen bauen Menschen persönliche Ressourcen auf, die jegliche Bereiche des Verhaltens und Erlebens umfassen können. Zum einen werden körperliche Ressourcen (z. B. die Immunstärke, eine geringere Krankheitsdauer und eine geringere Stärke der Symptome bei Krankheiten) positiv beeinflusst (Fredrickson, 2013, 816). Außerdem können soziale Ressourcen wie eine positive Beziehungsqualität und soziales Feingefühl verbessert werden. Positive Emotionen haben weiterhin einen Effekt auf emotionale, intellektuelle und handlungsbezogene Ressourcen. Dies können Eigenschaften wie Selbstwirksamkeit, Selbstakzeptanz, Optimismus, Flexibilität im Verhalten, Sinnerleben und Achtsamkeit sein (Fredrickson 2001, 218, 221). Für eine Zusammenfassung der Studienlage siehe auch Blickhan (2015) und Fredrickson (2013). Zusammenfassend kann das regelmäßige Erleben positiver Emotionen (bspw. durch die Durchführung positiver Interventionen) zum Aufbau persönlicher Ressourcen führen. Positive Gefühle sind also nicht nur ein Zeichen für eine positive menschliche Entwicklung, sondern tragen zum Flourishing bei, indem die gebildeten Ressourcen in schwierigen Lebenssituationen eingesetzt werden können. Dabei haben die positiven Emotionen keinen unmittelbaren, sondern einen langfristigen indirekten Nutzen, da die neu erlernten Fähigkeiten und Ressourcen auch nach dem Erleben der positiven Emotion erhalten bleiben (Fredrickson 2001). Übungen aus der Positiven Psychologie Zu den angewandten positiven Interventionen zählt beispielsweise ein Dankbarkeitsbesuch, bei dem die Teilnehmenden aufgefordert werden, innerhalb einer Woche einen Brief an eine Person zu schreiben und abzuschicken, die ihnen geholfen hat oder besonders freundlich zu ihnen war, bei der sie sich aber nie bedankt haben (Seligman et al. 2005). Bei der Übung Best-Possible-Self werden die Teilnehmenden aufgefordert, über ihr bestmögliches Selbst in der Zukunft zu schreiben. Hier kann eine mögliche Hilfestellung sein, erst einmal zu erfragen, wie die Personen am Ende ihres Lebens erinnert werden möchten. Außerdem kann die Übung in verschiedene Themenbereiche unterteilt werden, wie beispielsweise das bestmögliche Selbst in persönlicher Hinsicht, in Beziehungen und im beruflichen Kontext. Dann werden die Teilnehmenden gebeten, aus jedem Themenbereich die beiden wichtigsten Punkte herauszuarbeiten und diese als zukunftsbezogene Aussagen zu formulieren (zum Beispiel: „In Zukunft werde ich kleinen Hindernissen gelassen und ruhig begegnen.“). Diese Aussagen sollen dann eine Woche lang jeden Tag laut vorgesagt werden (Peters et al. 2013). Eine weitere positive Intervention ist die Identifizierung von Charakterstärken. Seligman (2002) erstellte eine Liste von 24 persönlichen Stärken, die in sechs Kategorien zusammengefasst werden können: Weisheit und Wissen, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Durch das regelmäßige Erleben positiver Emotionen können persönliche Ressourcen aufgebaut werden. Schütz - Positive Psychologie in pferdegestützten Coachings mup 1|2020 | 9 Transzendenz. Die Intervention besteht darin, dass die Teilnehmenden einen Selbsttest durchführen, der die Charakterstärken misst (Peterson / Seligman 2005). Die fünf am höchsten ausgeprägten Stärken sollen notiert und in der darauffolgenden Woche häufiger angewandt werden (Seligman et al. 2005). Die Drei-gute-Dinge-Übung nach Seligman (2011) wird auch die Was-gut-gelaufen-ist- Übung genannt. Menschen neigen aus evolutionären Gründen dazu, negativen Ereignissen mehr Aufmerksamkeit zu widmen als positiven. Das lässt sich damit erklären, dass diese Eigenschaft den Vorfahren der heutigen Menschheit das Überleben sicherte. In der heutigen Zeit ist das Analysieren negativer Ereignisse aber oft der Grund für Angst und Depressionen. Ziel der Übung soll es sein, die Gedanken mehr auf positive Erfahrungen auszurichten. Seligman entwickelte dazu die folgende Anleitung: „Nehmen Sie sich in den folgenden Wochen jeden Abend, bevor Sie ins Bett gehen, zehn Minuten Zeit für diese Übung. Schreiben Sie drei Dinge auf, die heute gut gelaufen sind und warum sie gut gelaufen sind.“ (Seligman 2011, 57) Es ist wichtig, dass diese Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben und notiert werden, wobei der Inhalt der Ereignisse objektiv bedeutend sein kann, aber nicht muss. Die Übung soll dazu führen, dass die ProbandInnen glücklicher und weniger deprimiert sind (Seligman 2011). Neben den wirksamen Methoden der Positiven Psychologie wird nachfolgend auf die positiven Effekte, die Pferde auf Menschen haben können, eingegangen, um die beiden Bereiche anschließend miteinander zu verbinden. Studien im Bereich der Positiven Psychologie Im Bereich der Positiven Psychologie wurden bereits zahlreiche Studien mit klinischen und nicht-klinischen Stichproben durchgeführt, von denen nachfolgend exemplarisch einige dargestellt werden. In einer Meta-Analyse von Bolier et al. (2013) wurde festgestellt, dass positive Interventionen einen signifikanten Effekt auf das subjektive und psychische Wohlbefinden sowie die Linderung depressiver Symptome haben. Bei Follow-up-Untersuchungen nach drei bis sechs Monaten war noch immer ein Effekt nachweisbar. Außerdem stellte sich heraus, dass die Interventionen effektiver waren, wenn sie länger andauerten. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass der Prozess der Randomisierung in einigen der Studien nicht transparent war. Meevissen et al. (2011) untersuchten die Wirkung der Best-Possible-Self-Übung auf den Optimismus. Zudem wurden der Affekt und Neurotizismus erfasst. Während die Experimentalgruppe (EG) über einen Zeitraum von zwei Wochen eine positive Intervention durchführte, sollte sich die Kontrollgruppe (KG) in diesem Zeitraum ihre täglichen Aktivitäten vorstellen (Imaginationsübungen). Die Ergebnisse zeigten, dass die EG im Gegensatz zu der KG eine signifikant höhere Steigerung ihres Optimismus erfuhr. Weiterhin hatte ein hoher dispositioneller Optimismus vor der Intervention keinen Einfluss auf den Effekt der Intervention. Teilnehmende mit einem hohen Optimismuswert konnten von der Übung genauso gut profitieren wie weniger optimistische Personen. Die Forschenden stellten die Annahme auf, dass Optimismus, ähnlich wie in der Broadenand-Build-Theory (Fredrickson 2001), ein selbsterhaltender und sich selbst steigernder Mechanismus sei. Seligman et al. (2005) beschäftigten sich in ihrer Studie mit der empirischen Validierung von positiven Interventionen. Die untersuchten Personen sollten im Zeitraum von einer Woche entweder eine von fünf positiven Interventionen oder eine Placebo-Intervention durchführen. Eine der Interventionen bezog sich auf Dankbarkeit, zwei auf das Bewusstwerden positiver Eigenschaften und zwei weitere auf die Identifizierung von Charakterstärken. Die Placebo-Intervention bestand im Aufschreiben von frühen Kindheitserinnerungen. Es wurden depressive Symptome sowie das Glücksempfinden erfasst. In der Post-Testung 10 | mup 1|2020 Schütz - Positive Psychologie in pferdegestützten Coachings nach einer Woche hatten alle positiven Interventionen und die Placebo-Intervention einen positiven Effekt auf das Empfinden von Freude und einen negativen Effekt auf depressive Symptome. In der zweiten Post-Testung nach einer weiteren Woche hatten die Personen, die die Placebo-Intervention durchführten, wieder ähnliche Werte wie vor der Intervention. Eine Langzeitwirkung nach sechs Monaten konnte lediglich bei der Drei-gute-Dinge-Übung und der Charakterstärken-Übung nachgewiesen werden. Diese ist damit zu begründen, dass die Teilnehmenden dieser Interventionen die Übungen freiwillig länger als eine Woche durchgeführt hatten. Daraus zogen die Forschenden einerseits den Schluss, dass die Interventionen einen selbstverstärkenden Charakter haben und andererseits, dass die Dauer der Interventionen verlängert werden sollte. Was in der Forschung bislang nicht geklärt werden konnte, ist, ob mehr positive Interventionen auch zu einem größeren Effekt führen (Seligman et al. 2005). In einer Studie von Proyer et al. (2015) wurden Indikatoren für die Wirksamkeit von positiven Interventionen in einer Follow-up-Untersuchung beleuchtet, die dreieinhalb Jahre später stattfand. Es wurden Indikatoren untersucht, welche Glück und depressive Symptome vorhersagten. Die Stichprobe führte eine von neun positiven Interventionen durch. Hier standen die Indikatoren Vorliebe, Bemühen, (freiwillige) fortgesetzte Übung und frühe Reaktivität auf die Intervention im Fokus, die alle eine langfristige, positive Veränderung des Glücksempfindens vorhersagten. Die Indikatoren (freiwillige) fortgesetzte Übung und frühe Reaktivität sagten langfristige Veränderungen der depressiven Symptomatik vorher. Daraus lässt sich schließen, dass die individuelle Einstellung von Teilnehmenden zu Positiver Psychologie und den durchgeführten Interventionen von großer Bedeutung für die Effektivität letzterer ist (Proyer et al. 2015). Die positive Wirkung von Pferden auf Menschen Tiere können in verschiedener Hinsicht positive Wirkungen auf Menschen haben, wobei die Interaktion mit diesen als emotional öffnend, stresssenkend sowie handlungsmotivierend wahrgenommen wird und sich positiv auf Lernprozesse auswirken kann (Greiffenhagen / Buck-Werner 2007, 49; Rockenbauer 2010, 106). Gerade Pferde werden seit Jahrzehnten in der Psychotherapie, im Therapeutischen Reiten sowie auch im Coaching eingesetzt. Weitere positive Effekte zeigen sich in einer höheren Selbstachtung und gesteigerten Kontrolle, weshalb Pferde auch im Coaching immer mehr Anwendung finden (Greiffenhagen / Buck-Werner 2007, 49; MacDonald 2004; Otterstedt 2001, 23; Schütz 2018, 25). Pferde können auf Menschen und ihre Verhaltensweisen sowie möglicherweise auf deren Emotionen eingehen. Im Rahmen pferdegestützter Interventionen können Pferde Hinweise auf emotionale Zustände bei KlientInnen liefern, auf die in nachfolgenden Gesprächen genauer eingegangen werden kann (Krüger 2018). Reagiert ein Pferd beispielweise mit Unruhe auf eine / n KlientIn, so kann diese / r gefragt werden, wie es ihm / ihr gerade geht und auf mögliche Unruhegefühle der Person eingehen. Ebenso können Pferde mit Ruhe und Entspannung (z. B. geschlossene Augen, herabhängende Unterlippe) auf entspannte Personen reagieren. Im Coaching mit Pferden können außerdem neue (positive) Verhaltensweisen aufgezeigt und somit die Möglichkeiten des Verhaltensrepertoires erweitert werden (Schütz et al. 2018; Schütz 2017, 21). Die positiven Eigenschaften von Pferden auf Menschen und die wissenschaftlich fundierte Disziplin der Positiven Psychologie lassen sich gut miteinander verbinden, um KlientInnen zu stärken. Die Interventionen der Positiven Psychologie können einen selbstverstärkenden Charakter haben. Schütz - Positive Psychologie in pferdegestützten Coachings mup 1|2020 | 11 Positive Psychologie in pferdegestützten Coachings Die Positive Psychologie lässt sich gut in pferdegestützte Interventionen einbauen, indem positive Emotionen und Verhaltensweisen fokussiert werden. Kombiniert mit einem ressourcenorientierten Feedback können Stärken und Fähigkeiten hervorgehoben sowie Potenziale gefördert werden. Ein Bereich, der durch das pferdegestützte Coaching gestärkt werden kann, ist die Selbstwirksamkeitserwartung, welche direkte Auswirkungen auf das menschliche Verhalten haben kann (Bandura 1997). Unter Selbstwirksamkeitserwartung versteht man die subjektive Überzeugung, unbekannte, schwierige Anforderungssituationen aufgrund der eigenen Kompetenzen zu bewältigen (Warner 2017). Das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung basiert auf der sozial-kognitiven Theorie von Bandura (1997) und gilt innerhalb dieser als eine zentrale Komponente, da gemäß dieser Theorie Denken, Motivation, Gefühle und Verhalten durch persönliche Überzeugungen gesteuert werden (Jerusalem 2005). In einer Studie von Schütz (2019) konnte bereits gezeigt werden, dass die Selbstwirksamkeitserwartung mithilfe des pferdegestützten Coachings erhöht werden kann. Dabei gehörten die untersuchten Versuchspersonen (N = 106) entweder der Versuchsgruppe an und erhielten ein pferdegestütztes Coaching oder der Kontrollgruppe ohne Coaching, wobei die Selbstwirksamkeitserwartung zu zwei Messzeitpunkten gemessen wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass sich sowohl die Selbstbewertung als auch die Selbstwirksamkeitserwartung durch ein pferdgestütztes Coaching hoch signifikant positiv veränderten und mittlere bis starke Effekte aufwiesen. Weiterhin konnte ein mittlerer Zusammenhang zwischen der Selbstbewertung und der Selbstwirksamkeitserwartung festgestellt werden. Menschen mit und ohne Pferdeerfahrung unterschieden sich zudem im ersten Messzeitpunkt signifikant voneinander, während sie sich im zweiten Messzeitpunkt eher anglichen. Die Selbstwirksamkeitserwartung stieg bei Menschen ohne Pferdeerfahrung mehr an als bei Menschen mit Pferdeerfahrung. Weitere Studien im Rahmen pferdegestützter Coachings, in denen die Übungen der Positiven Psychologie explizit eingesetzt werden, werden aktuell durchgeführt. Welche Übungen im pferdegestützten Coaching u. a. eingesetzt werden können, wird nachfolgend erläutert. Übungen der Positiven Psychologie mit Pferden Neben ressourcenorientierten Fragetechniken, die im Coaching genutzt werden können, um positive Aspekte zu fokussieren, lassen sich die Übungen der Positiven Psychologie ebenfalls mit der pferdegestützten Arbeit kombinieren. Hierfür kann beispielsweise der folgende Parcours mit Pylonen, einer Plastikplane und zwei Stangen aufgebaut werden, um die Drei-gute- Dinge-Übung in die pferdegestützte Arbeit zu integrieren (Abb. 1). Abb. 1: Aufbau der Übung I 12 | mup 1|2020 Schütz - Positive Psychologie in pferdegestützten Coachings Die Instruktion an die zu coachende Person kann dabei wie folgt lauten: Instruktion für Übung I: Bitte nimm Kontakt zu dem Pferd auf und absolviere den Parcours in einer beliebigen Reihenfolge. Die Pylonen dienen dabei dazu, einen Slalom zu gehen, die Plastikplane soll mit dem Pferd überquert werden und zwischen den Stangen soll das Pferd dazu gebracht werden, rückwärts zu gehen. Dabei werden die Formulierungen möglichst offengelassen, damit die zu coachende Person die Ausführung nach den eigenen Vorstellungen gestaltet und sich ein möglichst großer Spielraum ergibt. Beobachtet werden kann hier die (klare) Kommunikation zwischen Person und Pferd, der Umgang mit komplexen Situationen oder auch das Anwenden von Flexibilität (falls eine Aufgabe nicht auf Anhieb funktioniert, Abb. 2). Nach dem Absolvieren der Übung wird die Person gefragt, wie sie die Aufgabe erlebt hat. Dabei sollen drei Aspekte, die der zu coachenden Person positiv aufgefallen sind (z. B. dass das Pferd bereitwillig mitgegangen ist, dass das Rückwärtsgehen leichter war als gedacht…), genannt werden. Weiterhin kann gefragt werden, wie die Person das Pferd wahrgenommen hat - hatte dieses Freude an der Aufgabe, war die Kommunikation klar? Coachees neigen häufig dazu, die eigene Leistung schlechter zu bewerten als sie eigentlich ist. Mit dem Fokussieren der positiven Dinge kann dem entgegengewirkt und die Selbstwirksamkeitserwartung gestärkt werden. Basierend auf eigenen Erfahrungswerten sollten nicht mehr als drei Aspekte abgefragt werden, da es leichter ist, wenige positive Dinge zu erinnern als viele, wie beispielsweise fünf. Würde man mehr Aspekte abfragen, bestünde die Gefahr, dass sich die Person schlechter einschätzt, weil ihr womöglich nur drei statt fünf Bereiche einfallen. Die Best-Possible-Self-Übung kann ebenfalls in der pferdegestützten Arbeit eingesetzt werden. Instruktion für Übung II: Beschreibe dein bestmögliches Selbst in der Zukunft - wie möchtest du sein (je nach Kontext - z. B. in persönlicher Hinsicht, in Beziehungen oder beruflich)? Wie möchtest du in 10 Jahren sein / am Ende deines Lebens erinnert werden? Bitte notiere die beiden wichtigsten Punkte auf einem Zettel und formuliere diese als zukunftsbezogene Aussagen. Bei den zukunftsbezogenen Aussagen kann es sich zum Beispiel um die folgenden handeln: „In Zukunft werde ich kleinen Hindernissen ruhig und gelassen begegnen.“ „Ich begegne neuen Herausforderungen mutig.“ Diese Aussagen sollen auf einem Zettel (als Anker) notiert werden und dann eine Woche lang jeden Tag laut vorgesagt werden. Nachdem die / der Coachee ihr / sein bestmögliches Selbst herausgearbeitet hat, baut sie / er sich einen Parcours auf, der die jeweiligen Punkte / Elemente / Eigenschaften enthält. Ein Ball kann dabei für „Wertschätzung“ stehen, ein Slalom für „Gelassenheit“ und ein Regenschirm für „Mut“. Der Parcours soll anschließend bewusst absolviert werden (Abb. 3). Um die positiv bewerteten oder auch zunächst als weniger positiv bewerteten Situationen transparenter darzustellen, können die Inter- Abb. 2: Mensch-Pferd-Interaktion in Übung I (Foto: Daniel Kuhl, Vettweiß) Schütz - Positive Psychologie in pferdegestützten Coachings mup 1|2020 | 13 aktionen mit dem Pferd mittels Videokamera gefilmt sowie im Anschluss analysiert werden. Basierend auf Erfahrungswerten lässt sich hier sagen, dass sich Coachees nach der Übung mit dem Pferd teilweise schlechter einschätzen, als es von außen betrachtet war. Die Videoanalyse bietet hier eine gute Möglichkeit, insbesondere positives Feedback, welches zunächst vom Klienten nicht angenommen werden kann, anhand des objektiven Videomaterials zu verdeutlichen, sodass es besser angenommen werden kann. Fallbeispiel Ein Klient hatte im Rahmen eines pferdegestützten Gruppen-Coachings die Aufgabe, mit einem Pferd einen Parcours zu absolvieren. Neben einer Plastikplane, die überquert werden sollte, und Pylonen, die im Slalom umrundet werden sollten, gab es auch eine Stange, über der das Pferd zum Stehen gebracht werden sollte. Nachdem er ohne Probleme die einzelnen Stationen des Parcours bewältigt hatte, begab er sich an die Stange, bei der die Vorderbeine des Pferdes vor und die Hinterbeine des Pferdes hinter der Stange zum Stehen gebracht werden sollten. Das Pferd wollte zunächst gar nicht über die Stange gehen, woraufhin der Coachee flexibel andere Strategien wählte, sich der Stange zu nähern. Dies gelang ihm; als die Stute dann jedoch bei jedem weiteren Versuch komplett über die Stange ging, ohne darüber stehen zu bleiben, verlor der Coachee bald seine Geduld, zeigte sich genervt und etwas verzweifelt (Mimik, Gestik). Die darauffolgende angebotene Unterstützung von außen wollte er nicht annehmen, sondern es „alleine schaffen“. Nach weiteren vier Versuchen gab er auf und kam enttäuscht aus der Übung zur Feedbackrunde. Der Coachee bewertete sich hier bezogen auf den gesamten Parcours schlecht (obwohl die anderen Bestandteile des Parcours hervorragend geklappt hatten - teilweise besser als bei den anderen anwesenden Coachees). An dieser Stelle erhielt er die Aufgabe, drei Dinge, die im Parcours gut gelaufen waren, zu nennen. Dies irritierte ihn zunächst sehr, da ja „alles nicht wirklich gut“ gelaufen war, wie er meinte. Ihm fiel dann aber ein, dass das Pferd recht bereitwillig mitgegangen sei, die Plane auch - anders als bei einer anderen Teilnehmerin - direkt überquert werden konnte und dass das Pferd am Schluss bei den Streicheleinheiten am Kopf die Augen geschlossen hatte. Im Transfer auf den Alltag gab der Coachee an, dies aus diversen anderen Situationen zu kennen - „eigentlich läuft alles super und dann gibt es da diese eine Kleinigkeit, die plötzlich alles schlecht aussehen lässt“. Ein wichtiger Bestandteil des Coachings war hier die Videoanalyse, da er dort sehen und verstehen konnte, dass eigentlich alles - bis auf die Station mit der Stange - hervorragend geklappt hatte. Im Alltag wollte er sich nun mehr darauf fokussieren, was alles gut klappt (und dabei ab jetzt drei Dinge „finden“) und den meist kleineren negativen Ereignissen einen geringeren Wert beimessen. Fazit Sowohl in der Positiven Psychologie als auch im pferdegestützten Coaching werden die Ressourcen und Stärken der zu coachenden Person fokussiert. Hierdurch bietet es sich an, diese beiden Bereiche miteinander zu kombinieren, die klassischen Übungen aus der Positiven Abb. 3: Mensch-Pferd-Interaktion in Übung II (Foto: Daniel Kuhl, Vettweiß) 14 | mup 1|2020 Schütz - Positive Psychologie in pferdegestützten Coachings Psychologie auf Pferd-Mensch-Interaktionen anzuwenden und so für KlientInnen den Mehrwert aus beiden zu generieren. Positive Erlebnisse und Gefühle sowie die Selbstwirksamkeitserwartung lassen sich so steigern. Die dargestellten Übungen sowie das Fallbeispiel beziehen sich auf den Coaching-Kontext; es handelt sich hierbei nicht um psychotherapeutische Elemente. Literatur ■ Antonovsky, A., Franke, A. (1997): Salutogenese: Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Forum für Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis: Vol. 36. DGVT, Tübingen ■ Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control. New York: Freeman. ■ Barrett, L. F. (1998): Discrete emotions or dimensions? The role of valence focus and arousal focus. Cognition & Emotion 12, 579-599, http: / dx.doi.org/ 10.1080/ 026999398379574 ■ Blickhan, D. (2015): Positive Psychologie - ein Handbuch für die Praxis. Junfermann, Paderborn ■ Bolier, L., Haverman, M., Westerhof, G. J., Riper, H., Smit, F., Bohlmeijer, E. (2013): Positive psychology interventions: a meta-analysis of randomized controlled studies. 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