mensch & pferd international
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1867-6456
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mup2021.art06d
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2021
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Praxistipp: Unterwegs mit Gimli dem Wiesenzwerg
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2021
Magdalena Bauer
Bevor man sich an die Vorbereitung der „Schatzkisten“ macht, welche bei dem Ausritt befüllt werden sollen, muss man sich als Fachkraft im Klaren sein, welcher Weg bei dem Ausritt beritten werden soll. Wald, Wiese oder anderweitiges Gelände – wenn man mit offenen Augen durch die Natur spaziert, findet man auf jedem Weg genügend Materialien, die von KlientInnen entdeckt werden können. Angefangen von bestimmten Blättern, über Tannenzapfen, Steine, bis hin zu Blumen und anderes. Wichtig ist es, vor allem bei saisonabhängigen Gegenständen, den Weg recht unmittelbar vor dem geplanten Ausritt abzugehen und die entsprechenden Materialien einzusammeln, sodass man sicher sein kann, dass sie auch von den KlientInnen gefunden werden können. [...]
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mup 1|2021|37-40|© Ernst Reinhardt Verlag München Basel, DOI 10.2378 / mup2021.art06d | 37 Magdalena Bauer Praxistipp Unterwegs mit Gimli dem Wiesenzwerg Spielerisches Aufmerksamkeitstraining in der Natur Ein Ausritt in der Natur ist für viele KlientInnen eines der Highlights in der pferdgestützten Arbeit. Und auch einen Ausritt kann man, mit ein wenig Vorbereitung, optimal nutzen, um Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Motorik zu fördern. Die Vorbereitung Benötigtes Material Eierkartons, Heißklebepistole, Naturgegenstände Bevor man sich an die Vorbereitung der „Schatzkisten“ macht, welche bei dem Ausritt befüllt werden sollen, muss man sich als Fachkraft im Klaren sein, welcher Weg bei dem Ausritt beritten werden soll. Wald, Wiese oder anderweitiges Gelände - wenn man mit offenen Augen durch die Natur spaziert, findet man auf jedem Weg genügend Materialien, die von KlientInnen entdeckt werden können. Angefangen von bestimmten Blättern, über Tannenzapfen, Steine, bis hin zu Blumen und anderes. Wichtig ist es, vor allem bei saisonabhängigen Gegenständen, den Weg recht unmittelbar vor dem geplanten Ausritt abzugehen und die entsprechenden Materialien einzusammeln, sodass man sicher sein kann, dass sie auch von den KlientInnen gefunden werden können. Nachdem der Weg von der Reittherapeutin bzw. dem -therapeuten abgegangen wurde und verschiedene Naturmaterialien eingesammelt wurden, geht es an die Vorbereitung der Schatz- Abb. 1: Vorbereiten der Eierkartons (Fotos: Islandpferde von Lichtegg) Abb. 2: Fertig befüllt: Zu finden galt es in diesem Fall ein Kleeblatt, Tannenzapfen, Maiskörner, die Spitze eines Tannenbaums sowie eine Schafgarbe Abb. 3: Schatzkisten mit Hinweisen 38 | mup 1|2021 Praxistipp: Bauer - Unterwegs mit Gimli dem Wiesenzwerg kisten, in unserem Fall also der Eierkartons: Jeweils in die obere Hälfte werden die gewählten Gegenstände eingeklebt, so können zum Beispiel bei 10er-Kartons fünf verschiedene Gegenstände gewählt werden. Die jeweilige Gegenseite bleibt frei, sodass die Kinder ihre „Schätze“ während des Ausritts in die Kartons legen können. Die meiste Vorbereitungsarbeit wurde damit schon getätigt. Je nach Lust und Laune lässt sich dieser Ausritt natürlich besonders gut in eine kleine Geschichte integrieren. Unterwegs mit Gimli, dem Wiesenzwerg In unserem Fall waren wir unterwegs mit Gimli, dem Wiesenzwerg. (Hier sind der Fantasie natürlich keine Grenzen gesetzt und aus Gimli, dem Wiesenzwerg, kann gerne auch Björn, der Hügelgnom oder Elfa, die Waldfee etc. werden.) Der Ausritt mit Gimli war der krönende Abschluss einer eintägigen Ferienfreizeit mit sechs Kindern zwischen drei und sechs Jahren und jeweils einer Begleitperson. Verpackt war der Ausritt außerdem in eine kleine Schnitzeljagd, bei der Gimli seine Hinweise am Hof und auch während des Ausritts versteckt hat. Die Stimme von Gimli war natürlich die durchführende Fachkraft, oder man könnte auch sagen, die auserwählte Gehilfin des Zwerges. Die erste Aufgabe begann bereits vor dem tatsächlichen Ausritt, denn es wurde auf der Tür zur Sattelkammer ein erster Hinweis von Gimli versteckt. (Kleiner Tipp: Bildern von Zwergen, Feen und Elfen findet man zu Genüge zum lizenzfreien Download auf Google.) „Liebe Kinder! Ich bin Gimli, der Wiesenzwerg und freue mich, euch heute auf eurem Ausritt begleiten zu dürfen. Heute haben wir etwas Besonderes vor. Bevor wir jedoch die Pferde satteln, bekommt ihr eine kleine Aufgabe. Überall am Hof sind kleine Schatzkisten versteckt. Findet sie! “ Die Schatzkisten wurden natürlich vor dem Ausschwärmen der Kinder am Hof verteilt, sodass sie nun gesucht und gefunden werden konnten. Auf den Schatzkisten waren die nächsten Hinweise von Gimli versteckt. So begleitete Gimli seine jungen TeilnehmerInnen und ihre erwachsenen Bezugspersonen zunächst durch den Stall und auch bei der Vorbereitung der Pferde. Dann gab er den ersten Hinweis, wohin der Ausritt führen sollte. Abb. 4: Vorbereiten der Pferde vor dem gemeinsamen Ausritt Abb. 5: Vielfältiges Gelände Abb. 6: Es geht los! Jetzt heißt es Augen auf und Schatzkiste befüllen! Praxistipp: Bauer - Unterwegs mit Gimli dem Wiesenzwerg mup 1|2021 | 39 Die Kinder waren in der Zwischenzeit natürlich instruiert, dass die Eierkartons am Ende des Ausritts mit denselben Gegenständen befüllt sein sollen, welche bereits in den Kartons klebten. Bereits beim Losreiten wurde der ein oder andere Schatz gefunden, der Spaß und die Freude der ReiterInnen (aber auch der BegleiterInnen) war nicht zu übersehen, vor allem dann, wenn ein Naturschatz gefunden wurde. Gemeinsam ritten wir etwa 25 Minuten, wobei in unserem Fall sehr abwechslungsreiches Gelände gewählt werden konnte. Gimli begegnete uns auch während des Rittes immer wieder und stellte verschiedene Aufgaben: „Macht ein gemeinsames Erinnerungsfoto“, „Pflückt einen Apfel für eure Pferde“, „Reite im leichten Sitz den Hügel hinauf“ etc. Auch hier sind der Kreativität in der Vorbereitung keine Grenzen gesetzt und man kann das Gelände- und die Naturbegebenheiten optimal nutzen, um verschiedene Übungen einzubauen, die auf spielerische Art und Weise auch die Motorik schulen. Nach dem erfolgreichen Ausritt und dem Versorgen der Pferde mussten die Schatzkisten natürlich inspiziert werden, denn für jeden erfolgreichen Schatzsucher hat Gimli eine Urkunde vorbereitet. Der Stolz in den Augen der TeilnehmerInnen war nicht zu übersehen, als diese übergeben wurde. Der Ausritt mit Gimli hat den TeilnehmerInnen unglaublich viel Spaß gemacht und auf spielerische Art und Weise verschiedene Aspekte der Entwicklung gefördert. Durch die Schatzkiste waren die Kinder angehalten, sehr aufmerksam durch die Natur zu reiten und verschiedene Naturschätze, welche sonst oft gar nicht mehr gesehen werden, bewusst wahrzunehmen. Je nach Wissen der Fachkraft Abb. 7: Ein gemeinsames Erinnerungsfoto darf nicht fehlen Abb. 8: Stolze Schatzkistenbesitzerin Abb. 9: Alles gefunden! 40 | mup 1|2021 Praxistipp: Bauer - Unterwegs mit Gimli dem Wiesenzwerg kann so auch spielerisch Wissen über die Natur vermittelt werden. Auch die Kommunikation wird geschult: Durch das Benennen der Dinge, Farben und Formen sowie das Äußern des Wunsches, an konkreten Stellen anzuhalten, um die Schätze aufzuheben (oder vom Pferdeführer aufheben zu lassen), müssen Wünsche und Wege sehr konkret beschrieben werden. Durch gezielte Bewegungsaufgaben wie zum Beispiel das Pflücken eines Apfels oder das Reiten im leichten Sitz werden außerdem motorische Fähigkeiten geschult und geübt. Die Vorbereitungszeit am Vortag des Rittes (Abgehen der Strecke, Sammeln der Materialien, Vorbereiten der Hinweisschilder sowie der sechs Eierkartons) betrug in etwa drei Stunden, die Vorbereitung am Tag selbst (Verstecken der Schatzkisten und Anbringen der Hinweisschilder an der Strecke) etwa 40 Minuten. Die gesamte Aktivität inklusive Suchen der Schatzkisten, Vorbereitung der Pferde und Verleihung der Urkunden nahm in etwa zwei Stunden in Anspruch. Natürlich kann die Schatzsuche auch ohne die Geschichte mit Gimli, dem Wiesenzwerg als reine Aufmerksamkeitsübung und auch in anderen Settings eingesetzt werden. Hier obliegt es der Fachkraft, die jeweiligen Vorbereitungen zu treffen und an die individuellen Begebenheiten anzupassen. Die Autorin Magdalena Bauer (staatliche Reitinstruktorin für Islandpferde, Fachkraft für Heilpädagogische Förderung mit Pferd, Lehrwartin für integratives Reiten), ist seit 10 Jahren tätig am Islandpferdehof Lichtegg (AT) und leitet neben breitensportlichen Einheiten und integrativem Reiten für Menschen mit Beeinträchtigung auch das Heilpädagogische Angebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Kontakt Magdalena Bauer · Lichtegg 1 · A - 4770 Andorf MagdalenaBauer@gmx.at Abb. 10: UrkundenträgerInnen Abb. 11: Auch die braven Pferde haben sich ein Dankeschön verdient
