eJournals mensch & pferd international16/4

mensch & pferd international
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1867-6456
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mup2024.art21d
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Praxistipp: ADHS-Training mit Pferd

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Annette Gomolla
Die Behandlung von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen sieht – neben einer medikamentösen Begleitung und der Beratung von Eltern – Einzel- und Gruppeninterventionen für Kinder vor. Hierbei handelt es sich vielfach um Angebote aus dem verhaltenstherapeutischen Spektrum. Besonders etabliert in der Praxis sind das „Marburger Konzentrationstraining“ (Krowatschek et al. 2019), das „Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern“ (Lauth / Schlottke 2009) sowie das neuropsychologische Gruppenprogramm „ATTENTIONER“ (Jacobs / Petermann 2013).
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mup 4|2024|167-173|© Ernst Reinhardt Verlag, DOI 10.2378 / mup2024.art21d | 167 Annette Gomolla Praxistipp ADHS-Training mit Pferd Praxistipps für eine verhaltenstherapeutisch orientierte Begleitung für Kinder mit ADHS am Pferd Die Behandlung von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen sieht - neben einer medikamentösen Begleitung und der Beratung von Eltern - Einzel- und Gruppeninterventionen für Kinder vor. Hierbei handelt es sich vielfach um Angebote aus dem verhaltenstherapeutischen Spektrum. Besonders etabliert in der Praxis sind das „Marburger Konzentrationstraining“ (Krowatschek et al. 2019), das „Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern“ (Lauth / Schlottke 2009) sowie das neuropsychologische Gruppenprogramm „ATTEN- TIONER“ (Jacobs / Petermann 2013). Weiterhin haben sich das Neurofeedback (vgl. Holtmann et al. 2019) sowie achtsamkeitsbasierte Verfahren etabliert (vgl. Linderkamp 2020). Die pferdegestützte Therapie kann durch ihre Handlungsorientierung sehr gut kombiniert werden mit den Grundkonzepten verhaltenstherapeutischer Trainings. Es gibt viele Handlungsabläufe rund um das und mit dem Pferd, bei welchen Konzentration und Aufmerksamkeit benötigt und trainiert werden können. Weiterhin müssen Menschen im Umgang mit dem Pferd als sozialem und sensiblem Tier auf die eigenen Verhaltensweisen und Impulse bedacht sein, denn Pferde reagieren besonders auf Unruhezustände. Sie dienen sozusagen als „Biofeedback“, was in der Literatur als „Spiegelungseffekt“ oder „affektives Mitschwingen“ (Gomolla 2014) beschrieben wird. Die Regungen des Pferdes auf das eigene Verhalten wahrzunehmen, benötigt ein hohes Maß an Achtsamkeit gegenüber dem Lebewesen und seinen präzisen und feinen Feedbacks. Dies geschieht bereits vom Boden aus. Sitzt der Mensch auf dem Pferd und wird von diesem getragen, wird die pferdegestützte Intervention zu einem körpertherapeutischen Ansatz. Beim passiven Sitzen auf dem Pferd steht das „Getragenwerden“ im Mittelpunkt, in dem die verschiedenen Gangarten eine Entspannung, Lockerung und Belebung bewirken können (Gomolla et al. 2011). Das triadische Setting (TherapeutIn-Pferd-KlientIn) nutzt die Motivation des Klienten / der Klientin für das Zusammensein mit dem Pferd, wodurch auch anstrengende Lerninhalte bewältigt werden. Immer sollte beachtet werden, dass Kinder mit einer Volldiagnose einer ADHS ärztliche, psychiatrische und psychotherapeutische Abklärung und Therapie in Anspruch nehmen und die pferdegestützte Therapie in der Regel ein Begleitverfahren darstellt. Es kann additiv zu einer bestehenden Versorgung angeboten oder auch nach einer bereits erfolgten Behandlung zur Aufrechterhaltung der Therapieerfolge eingesetzt werden. Bei einer therapeutischen Begleitung, die speziell auf Kinder mit ADHS ausgerichtet ist, sollte eine gute Befundung vorangestellt werden, um ein Verständnis aufzubauen, wie es dem Kind zum Zeitpunkt des Interventionsbeginns geht. Dabei können die Impulsivität, Impulskontrolle, allgemeine Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit auf Störreize, Frustrationstoleranz, motorische 168 | mup 4|2024 Praxistipp: Gomolla - ADHS-Training mit Pferd Unruhe, Entspannungsfähigkeit, Gefahreneinschätzung sowie das Einhalten von Regeln eingestuft werden. Ein Befundungsbogen für die pferdegestützte Intervention findet sich bei Gomolla und Ringleb (2023). Werden Kinder in der pferdegestützten Therapie vorgestellt, die neben dem ADHS weitere Diagnosen aufweisen (z. B. Störung des Sozialverhaltens, Traumafolgestörung oder Autismus- Spektrum-Störung), sollte von der Fachkraft eingeschätzt werden, ob ein reines, auf die ADHS-Symptomatik ausgerichtetes Training mit dem Pferd sinnvoll ist. Selbstverständlich kann eine pferdegestützte Therapie über längere Zeiträume hinweg als additives Verfahren auch mit komplexeren Störungshintergründen sinnvoll arbeiten, dies kann in diesem Praxistipp jedoch nicht weiter ausgeführt werden. Die pferdegestützte Therapie kann in ihrer Zielsetzung die Hauptsymptomatik der beim Kind bestehenden Diagnose in den Mittelpunkt stellen oder an allgemeinen Entwicklungsthemen wie der Stärkung des Selbstwertes, Umgang mit Gefühlen (Abb. 1), Aufbau von Sozialkompetenz, Einfühlungsvermögen oder emotionaler Stabilität arbeiten. Soll eine Reduzierung der Hauptsymptomatik im Vordergrund stehen, kann ein Einzel- und Gruppentraining sinnvoll sein, welches sich an den oben genannten gängigen Trainingsprogrammen orientiert, welche wissenschaftlich evaluiert sind. Als wesentliches Element findet sich dort neben einer Psychoedukation, also der Aufklärung der Kinder über die AHDS-Symptomatik, das Verstärken von erwünschten Verhaltensweisen durch das Sammeln von Punkten, sogenannte Verstärkerpläne. In diesen wird ein Ziel festgelegt, welches das Kind erreichen soll, und es erhält Punkte für die erfolgreiche Umsetzung (Abb. 2). Auch wenn das Zusammensein mit dem Pferd für viele Kinder eine Grundmotivation darstellt, kann das Training einer längeren Aufmerksamkeitsspanne, das Erinnern und korrekte Umsetzen von Handlungsabläufen (wie z. B. das Putzen) oder das langsame und achtsame Bewegen rund um das Pferd für einige Kinder mit ADHS eine große Herausforderung darstellen. Hierbei kann es wichtig sein, dass die Kinder, wie in anderen Trainings sowie im Alltag in der Schule oder zu Hause, durch einen Verstärkerplan bewusster die gewünschten Verhaltenswei- Abb. 1: Umgang mit Gefühlen als Entwicklungsthema in der pferdegestützten Therapie (Alle Abb.: Melanie Kotsch@seppiswelt) Abb. 2: Punkteplan Praxistipp: Gomolla - ADHS-Training mit Pferd mup 4|2024 | 169 sen aufbauen. In der pferdegestützten Therapie hat sich in der Praxis gezeigt, dass Kinder Punkte an vielen Stellen im Ablauf der Einheit sammeln können, um diese dann entweder in ein kleines Geschenk einzutauschen oder für einen großen Ausritt oder eine „Wunsch-Stunde“ zu sammeln. So können Kinder über viele Stunden hinweg in einer positiven Lernmotivation gehalten werden, sodass sie sich auch anstrengenden Inhalten zuwenden. Punkte können zum Beispiel für folgende Bereiche gesammelt werden: ■ Putzen des Pferdes eigenständig mithilfe eines Ablaufplans ■ Erinnern der benötigten Materialien zum Reiten des Pferdes und ihrer Reihenfolge beim Satteln ■ das Führen des Pferdes durch einen vorgegebenen Parcours ■ das eigenständige Versorgen des Pferdes am Ende der Einheit ■ die Einhaltung von Regeln am Hof ■ ein freundlicher und höflicher Umgang mit dem Pferd und der Fachkraft ■ die Bewältigung von Aufmerksamkeitsübungen in der Einheit Als besonderer Schwerpunkt in Anlehnung an etablierte ADHS-Trainings ist die Schulung der Exekutivfunktionen zu nennen. Hierunter fällt das Planen von Handlungsabläufen (z. B. durch die Ordnung von Bildkarten, die danach als Hilfestellung für den Ablauf dienen können, Abb. 3) und die Anleitung von Handlungen durch das „innere Sprechen“. Bei diesem lernt das Kind nach und nach sich selbst bei einer Handlung zu instruieren. Zum Beispiel spricht es erst laut, dann leise und dann nur noch innerlich den Ablauf beim Auskratzen der Hufe: „Jetzt nehme ich den Hufkratzer aus der Putzkiste. Ich stelle mich neben den Vorderhuf des Pferdes, beuge mich ein wenig nach unten und berühre das Pferd am Bein. Dann nehme ich den Huf des Pferdes und halte ihn mit der linken Hand hoch. Die rechte Hand hält den Hufkratzer und ich kratze den Huf ordentlich aus. Links vom Strahl und rechts vom Strahl. Danach bürste ich mit der kleinen Bürste den Huf noch einmal ordentlich sauber. Danach stelle ich den Huf ab. Ich verstaue den Hufkratzer wieder in der Putzkiste.“ Als weitere Exekutivfunktion hat sich das Einführen eines „Stoppsignals“ zur Impulssteuerung als sinnvoll herausgestellt. Das Kind lernt spielerisch, beim Zeigen oder Benennen eines Stoppsignals innezuhalten und erst über die Handlung nachzudenken, bevor diese ausgeführt Abb. 3: Bildkarten als Hilfestellung für den Ablauf Abb. 4: Stoppschild zum Innehalten vor einer Handlung 170 | mup 4|2024 Praxistipp: Gomolla - ADHS-Training mit Pferd Element Aufgabenbeschreibung Einsatzbereich Fokussierte Aufmerksamkeit Das Kind soll das Pferd mit den Händen langsam von vorne nach hinten und von oben nach unten abstreifen. Es benennt, wo das Pferd sich kühl anfühlt und wo wärmer, wo es harte und weiche Stellen hat, wo das Fell dichter ist und wo es sich flauschiger anfühlt. Einsatz im Rahmen des Kennenlernens des Pferdes, im Handlungsablauf Vorbereitung / Putzen, zur Wahrnehmungs- und Achtsamkeitsschulung Fokussierte Aufmerksamkeit Säckchen oder Socken werden mit verschiedenen kleinen Gegenständen befüllt - jeweils zwei gleiche. Das Kind ertastet den Inhalt der Säckchen und findet die Paare. Einsatz während des Reitens im Schritt auf dem Reitplatz zur Schulung der Wahrnehmung und Konzentration Geteilte Aufmerksamkeit Unter mehreren Pylonen / Hütchen werden Dinge zusammen mit dem Kind versteckt. Danach werden die Pylonen nacheinander abgeritten und die Kinder sollen sagen, was unter dem Hütchen versteckt ist. Gleichzeitig soll das Kind während des Reitens und des Ratens einen einfachen Rhythmus klopfen oder klatschen. Das Spiel wird an die Aufmerksamkeitsspanne des Kindes adäquat angepasst. So können 4-8 Gegenstände unter den Hütchen verteilt werden. Es wird eine motorische mit einer kognitiven Aufgabe verbunden. Daueraufmerksamkeit Dem Kind wird eine Geschichte erzählt, in dem ein bestimmtes Wort immer wieder vorkommt. Das Kind soll die Geschichte nacherzählen und sagen, wie oft das Zielwort im Text vorkam. Die Aufgabe eignet sich für einen Spazierritt. Entspannung Bei der Aufgabe „Bodyscan“ wird die Aufmerksamkeit des Kindes auf die einzelnen Körperregionen gelenkt. Beginnend beim Kopf mit Stirn, Wangen und Kinn wird das Kind den Körper entlang geleitet über die Schultern, Arme, Rücken und Bauchbereich, Po, Ober- und Unterschenkel bis in die Füße. Ein tiefes Ein- und Ausatmen am Ende leitet den Atem aus Händen und Füßen aus und bewirkt so noch eine Vertiefung der Ruhe und Erdung. Die Übung sollte auf dem stehenden Pferd durchgeführt werden und eignet sich nach einer Aktivitätsphase, um das Kind zur Ruhe zu bringen. Es kann sein, dass die Kinder sich zu Beginn schwertun, die Ruhe und Fokussierung auf den eigenen Körper auszuhalten. Das Biofeedback des Pferdes ist hierbei besonders wichtig, um die wirkliche Entspannung des Kindes einzuschätzen und für das Kind erkennbar zu machen. Impulssteuerung Dem Kind werden verschiedene Karten mit Voltigierübungen gezeigt. Es sucht sich eine Übung aus. Bevor es beginnt, die Übung auszuführen, erfolgt das „Stoppsignal“. Das Kind beschreibt zuerst, was es tun wird und führt dann erst die Übung aus. Während des Reitens auf dem Reitplatz. Wird dies bei 3-4 Übungen wiederholt, wird zugleich die Daueraufmerksamkeit geschult. Tabelle 1: Beispiele für Aufgaben im ADHS-Training mit Pferd wird. Hierdurch soll verhindert werden, dass das Kind ohne Plan in eine Aktion „hineinstolpert“ und impulsiv auf Situationen reagiert. Eingeübt wird ein „Stoppschild“, das von der Fachkraft hochgehalten werden kann bzw. dem Kind gezeigt wird, bevor es mit einer Handlung beginnt, oder wenn es etwas gerne schnell erledigen möchte (z. B. rennt es schon los, um das Pferd zu holen, vergisst dabei jedoch jedes Mal, den Strick mitzunehmen, Abb. 4). Das Stoppsignal wird so lange genutzt, bis das Kind von selbst beginnt, erst innezuhalten und dann in die Handlung zu gehen. Die Impulssteuerung lässt sich in einer weiteren Trainingsphase auch auf das impulsive Reagieren in emotionalen Situationen (vor allem bei Wut) erarbeiten. Praxistipp: Gomolla - ADHS-Training mit Pferd mup 4|2024 | 171 Beim Einsatz der Pferde hat sich bei Kindern als sinnvoll erwiesen, erst in einem Einzeltraining am und auf dem Pferd zu arbeiten, um später in ein Gruppensetting überzugehen (Abb. 5). Das Einzeltraining kann folgende Elemente umfassen (Gomolla / Ringleb 2023): Einschätzung der Stimmung und des Erregungslevels, Psychoedukation, Verstärkerpläne, Training von fokussierter-, Dauer- und geteilter Aufmerksamkeit, Training der Exekutivfunktionen, Impulssteuerung, Entspannungsübungen sowie der Schulung zur Erkennung von Emotionen. Tabelle 1 gibt Beispiele für Aufgaben der verschiedenen Elemente im Training bei Kinder im Altersbereich von sechs bis etwa 12 Jahren. Es eignet sich bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit im Grundschulalter bis etwa 12 Jahre, die Einheiten auf 50 Minuten zu planen. Doppelstunden von 90 Minuten können etwa ab der achten oder zehnten Einheit gut mit eingeplant werden, um hin und wieder einen längeren Ausflug in die Natur zu machen. Exemplarisch soll in Tabelle 2 eine Einheit im Ablauf vorgestellt werden. Ein Gruppensetting im Rahmen eines ADHS- Trainings mit Pferd sollte von der Fachkraft gut überlegt werden. Es sollten nur Kinder einbezogen werden, die bereits im Einzelsetting mit dem Pferd vertraut gemacht wurden, am besten schon ein Einzeltraining durchlaufen haben. Besonders muss die Fachkraft einschätzen, ob ihr ein geeignetes Pferd für eine solche Gruppe zur Verfügung steht. Sensiblere Pferde reagieren häufig schon im Einzelsetting bei Kindern mit ADHS mit Stressanzeichen, mehrere Kinder mit einer erhöhten inneren Unruhe können dazu führen, dass das Pferd deutlich in Unruhe kommt und es im schlimmsten Fall auch zu Unfallsituationen aufgrund des erhöhten Spannungslevels kommen kann. Die Ausbildung der Fachkraft im Rahmen einer Weiterbildung sollte sicherstellen, dass genügend Wissen und Kompetenz in der Einschätzung bezüglich der Pferde und Schulung der Tiere vorhanden ist. Das Wohl der Pferde sollte immer im Vordergrund stehen und Stress entgegengewirkt werden. Im Gruppentraining können zwei oder drei Kinder zu einem Pferd kommen. Jedes Pferd mit Kindern sollte von einer Fachkraft oder einem / einer sehr gut geschulten HelferIn begleitet werden. Mehr als zwei Pferde sollten nicht eingebunden werden, damit es nicht zu problematischen Situationen kommt. Im Fokus steht das gemeinsame Tun rund um das Pferd als Lernfeld für kooperative soziale Situationen. Viele Inhalte und Abläufe aus dem Einzeltraining können auch in Bezug auf die Aufmerksamkeitsschulung und Impulskontrolle wieder aufgegriffen werden. Durch eine Form von „Wettstreit“ zum Beispiel bei Aufgaben zur Daueraufmerksamkeit, kann es zu einer erhöhten Leistungsbereitschaft bei den Kindern kommen. Es hat sich auch in den Gruppenstunden der Einsatz von Punkteplänen als sinnvoll herausgestellt, wobei die Kinder gemeinsam die Punkte sammeln. Weiterhin hat sich der Einsatz sogenannter „Rollenkarten“ bewährt. Jedes Kind der Gruppe bekommt eine Rolle zugeteilt. Es gibt den „Zeitwächter“, der immer die Uhr im Blick behält, Abb. 5: Gruppensetting als Entwicklungsschritt nach dem Einzelsetting 172 | mup 4|2024 Praxistipp: Gomolla - ADHS-Training mit Pferd Eingangsphase 10 Minuten Die Fachkraft begrüßt das Kind. Gefühle des Kindes zu Beginn der Stunde werden mithilfe einer Visualisierungshilfe (z. B. über Smileys oder Stimmungskarten) erfragt. Der Punkteplan für die Einheit wird besprochen. Hauptteil 1 10 Minuten Das Pferd wird begrüßt und zum Putzplatz gebracht. Das Kind sucht eine Lieblingsstelle am Pferd und beschreibt diese. Durch „inneres Sprechen“ angeleitet, kratzt das Kind die Hufe aus. Die Fachkraft macht vor, wie der Gurt richtig geschlossen wird, das Kind soll dabei aufmerksam zuschauen und es dann nachmachen. Hauptteil 2 25 Minuten Das Kind führt das Pferd zwei Runden auf dem Reitplatz an einer Reihe Hütchen / Pylonen vorbei. An jeder zweiten Pylone hält das Kind das Pferd an, indem es tief ausatmet und langsam „Ho“ sagt. Danach darf das Kind auf dem Reitplatz ohne Pferd (wird von der Fachkraft oder HelferIn gehalten) herumhüpfen. Sobald die Fachkraft ein „Stoppzeichen“ hochhält, bleibt das Kind stehen und zählt laut bis drei, danach darf es weiter hüpfen. Anschließend steigt das Kind auf den Pferderücken und reitet einige ruhige Runden im Schritt. Es folgen kurze Trab-Sequenzen, danach wieder ruhiger Schritt. Das Kind macht die Wahrnehmungsaufgabe mit den Fühl-Säckchen und ordnet immer zwei gleiche zusammen. Das Kind sitzt mit offenen oder geschlossenen Augen im Grundsitz oder legt sich nach hinten, mit dem Bauch über die Kruppe gedreht, und hört eine Entspannungsgeschichte. Es werden noch zwei Runden mit offenen Augen im Schritt geritten, dann steigt das Kind ab und das Pferd wird gemeinsam zurück in den Stall gebracht. Abschluss 5 Minuten Der Punkteplan wird zusammen mit dem Kind ausgewertet. Das Kind schätzt noch einmal seine Gefühle am Ende der Einheit ein. den „Ermunterer“, der alle anderen Kinder und das Pferd für die Leistungen lobt, einen „Materialwächter“, der immer schaut, dass alle Materialien für das Pferd und die Spiele beisammen sind und beispielsweise bei einer eher lauten Gruppe den „Lautstärkewächter“, der die anderen daran erinnert, in angemessener Lautstärke bei den Pferden und im Stall zu sprechen. Das gesamte pferdegestützte ADHS-Training mit Beschreibung zu allen Einheiten im Einzel- und Gruppensetting und einer Anleitung für eine begleitende Elternarbeit ohne und mit Pferd findet sich bei Gomolla und Ringleb (2023) mit Visualisierung und Arbeitsmaterialien von Kotsch (2023). Literatur ■ Gomolla, A., Ringleb, Z. (2023): Pferdegestützte Intervention bei ADHS - Trainingsmanual für Einzel- und Gruppenintervention. Verlag Books on Demand, Norderstedt ■ Gomolla, A. (2020): Pferdegestützte Therapie und Förderung, Band 1: Grundlagen reittherapeutischer Interventionen. Verlag Books on Demand, Norderstedt ■ Gomolla, A. (2014): Pferde haben Spiegelfunktion. Deutsches Ärzteblatt, 12 (8), 356357 ■ Gomolla, A., Appelles, L., Fischer, J. (2011): Auswirkungen der Bewegungsimpulse vom Pferd auf den Reiter. Wissenschaftliches Poster, Great - German Research Center for Equine Assisted Therapy, Konstanz Tabelle 2: Exemplarische Beschreibung einer Einheit Praxistipp: Gomolla - ADHS-Training mit Pferd mup 4|2024 | 173 ■ Holtmann, M., Grasmann, D., Cionek-Szpak, E., Hager, V., Panzner, N., Beyer, A., Poustka, F., Stadler, C. (2009): Spezifische Wirksamkeit von Neurofeedback auf die Impulsivität bei ADHS. Kindheit und Entwicklung, 18(2), 95-104, https: / / doi.org / 10.1026 / 0942-5403.18.2.95 ■ Jacobs, C., Petermann, F. (2013): Training für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen: Das neuropsychologische Gruppenprogramm ATTENTIO- NER (3. Aufl.). Hogrefe Verlag, Göttingen ■ Kotsch, M. (2023): Großes Materialpaket ADHS-Einzeltraining und Gruppentraining in der Reittherapie. Seppis Welt, eduki ■ Krowatschek, D., Krowatschek, G., Reid, C. (2019): Marburger Konzentrationstraining (MKT) für Schulkinder (11. Auflage). Verlag Modernes Lernen, Dortmund ■ Lauth, G. W., Schlottke, P. F. (2009): Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern (6., vollst. überarb. Auflage). Beltz, Weinheim ■ Linderkamp, F. (2020): Die Effektivität achtsamkeitsbasierter Therapieverfahren bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS - ein systematisches Review. Lernen und Lernstörungen, 9(1), 25-35, https: / / doi.org / 10.1024 / 2235-0977 / a000265 Die Autorin Dr. rer. nat. Annette Gomolla Diplom- Psychologin, M. A. Erwachsenenbildung, Geschäftsführung des gemeinnützigen Forschungszentrums GREAT, Leiterin des Instituts für Pferdegestützte Therapie, Vorstandsmitglied im Berufsverband für Fachkräfte Pferdegestützter Interventionen e. V., seit über 20 Jahren in der Pferdegestützten Therapie und Pädagogik tätig Anschrift Dr. Annette Gomolla Bruder-Klaus-Str. 8 · 78467 Konstanz A.Gomolla@great-horses.org