eJournals mensch & pferd international17/3

mensch & pferd international
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1867-6456
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Forum: Kleine Ponys, große Herzen: Wie Miniatur-Ponys im Hospiz Trost und Hoffnung schenken

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Carola Weidemann
Es ist ein ruhiger Morgen im Hospiz. Die Bewohner:innen sitzen im Aufenthaltsraum, manche mit einem Buch in der Hand, andere in Gedanken versunken. Eine vertraute Stimme kündigt etwas Besonderes an: Die Ponys sind da. Die Ankündigung sorgt für Aufregung, ein Flüstern geht durch den Raum und die Stimmung verändert sich. Erwartung liegt in der Luft.
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130 | mup 3|2025|130-132|© Ernst Reinhardt Verlag, DOI 10.2378 / mup2025.art18d Forum Kleine Ponys, große Herzen: Wie Miniatur-Ponys im Hospiz Trost und Hoffnung schenken Carola Weidemann Es ist ein ruhiger Morgen im Hospiz. Die Bewohner: innen sitzen im Aufenthaltsraum, manche mit einem Buch in der Hand, andere in Gedanken versunken. Eine vertraute Stimme kündigt etwas Besonderes an: Die Ponys sind da. Die Ankündigung sorgt für Aufregung, ein Flüstern geht durch den Raum und die Stimmung verändert sich. Erwartung liegt in der Luft. Dann treten sie ein, eines nach dem anderen. Kleine, sanfte Wesen mit weichem Fell, ruhigen Augen und einem unvergleichlichen Charme. Die Miniatur-Ponys bewegen sich vorsichtig, fast so, als wüssten sie genau, wie sensibel der Moment ist. Ein Bewohner, der vorher still vor sich hinsah, lächelt. Eine Frau hebt langsam ihre Hand, um das Pony zu streicheln. Es sind kleine Gesten, aber sie haben eine große Bedeutung. Die besondere Magie der Miniatur-Ponys Miniatur-Ponys haben etwas, das Worte schwer beschreiben können. Es ist ihre Ausstrahlung, ihre stille Präsenz, die etwas im Raum verändert. Anders als große Pferde wirken sie zugänglich und einladend. Ihre geringe Größe erlaubt es selbst Menschen, die im Bett liegen oder im Rollstuhl sitzen, Kontakt aufzunehmen. Für viele Bewohner: innen eines Hospizes ist die Begegnung mit einem Pony eine Reise in die Vergangenheit. Erinnerungen an Kindheitstage, an eigene Tiere oder an Momente in der Natur kommen zurück. Ein Mann streichelt das Pony und flüstert leise, wie er früher auf seinem Hof die Pferde versorgte. Eine Frau, die sich lange in sich zurückgezogen hat, beginnt plötzlich, über ihre Jugend zu sprechen. Das Pony sagt nichts. Es hört einfach zu - still und geduldig. Diese Momente zeigen, wie tiefgreifend die Verbindung zwischen Mensch und Tier sein kann. Behutsame Vorbereitung für sensible Begegnungen Die Arbeit mit Miniatur-Ponys im Hospiz ist kein Zufall. Sie erfordert eine lange und sorgfältige Vorbereitung. Jedes Pony wird über zwei Jahre hinweg ausgebildet, um in sensiblen Umgebungen wie Pflegeeinrichtungen oder Hospizen eingesetzt zu werden. Im ersten Jahr lernen die Tiere, die Umgebung aufzunehmen und zu verstehen. Rollstühle, Rollatoren, elektrische Hilfsmittel und fremde Geräusche gehören zu den Eindrücken, die sie verarbeiten müssen. Dabei geht es nicht um Leistung, sondern darum, Vertrauen und Gelassenheit zu entwickeln. Im zweiten Jahr wird die Ausbildung intensiver. Die Ponys lernen, ruhig neben Rollstühlen zu stehen, sich der Geschwindigkeit eines Rollators anzupassen oder in engen Räumen sicher zu navigieren. Besonders wichtig ist, dass sie lernen, sich den Bedürfnissen der Menschen anzupassen. Es sind nicht die Ponys, die den Ton angeben, es sind die Menschen. Forum: Weidemann - Kleine Ponys, große Herzen mup 3|2025 | 131 Ein Besuchstag im Hospiz Ein Besuchstag beginnt früh. Die Ponys werden morgens gefüttert, gestriegelt und liebevoll vorbereitet. Im Pferdetransporter geht es dann zur Einrichtung. Schon bei der Ankunft ist die Freude spürbar. Bewohner: innen und Mitarbeiter: innen warten gespannt auf die Tiere, die so viel Wärme und Nähe mitbringen. Jeder Besuch ist individuell. Manche Bewohner: innen freuen sich, das Pony zu streicheln, andere genießen es, mit ihm spazieren zu gehen. Für Rollstuhlfahrer: innen werden die Tiere so positioniert, dass sie direkten Kontakt aufnehmen können. Es gibt keine Regeln, keine Erwartungen nur die Verbindung zwischen Mensch und Tier zählt. Nach zwei Stunden endet der Besuch. Die Ponys kehren nach Hause zurück, wo sie ausreichend Zeit haben, sich auf der Weide zu erholen. Es ist wichtig, dass auch die Tiere Momente der Ruhe und Entspannung erleben. Emotionale Unterstützung auf leisen Hufen Die Ponys bringen nicht nur physische Nähe, sondern auch eine emotionale Tiefe mit, die in einer Umgebung wie einem Hospiz von unschätzbarem Wert ist. Sie schaffen eine Atmosphäre von Akzeptanz und Geborgenheit, in der sich viele Bewohner: innen öffnen. Selbst Menschen, die zuvor still und in sich gekehrt waren, reagieren auf die Tiere. Ein Mann, der seit Tagen kaum gesprochen hat, streichelt vorsichtig das Pony und beginnt leise zu erzählen. Es sind keine großen Geschichten, nur kleine Erinnerungen aber sie bedeuten alles. Die Ponys nehmen keine Lasten ab, aber sie teilen sie. In ihrer Nähe fühlen sich viele Menschen weniger allein. Es ist, als ob die Tiere die Emotionen der Menschen spüren und einfach nur da sind - ohne zu urteilen, ohne etwas zu fordern. Das Wohl der Tiere an erster Stelle So viel die Ponys auch geben, ihr eigenes Wohl steht immer an erster Stelle. Die Arbeit im Hospiz ist auch für sie emotional fordernd, weshalb die Abb. 1: klein aber Oho - die besondere Magie der Miniatur-Ponys (alle Abb.: Carola Weidemann) Abb. 2: wichtige Erholung auf weiter Koppel Abb. 3: sanfte Berührung - Momente der Hoffnung 132 | mup 3|2025 Forum: Weidemann - Kleine Ponys, große Herzen Einsätze sorgfältig geplant werden. Kein Pony wird über seine Belastungsgrenze hinaus eingesetzt und zwischen den Besuchen haben die Tiere ausreichend Zeit zur Regeneration. Auf der Weide können sie frei laufen, mit anderen Ponys interagieren und einfach sie selbst sein. Diese Balance ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Tiere nicht nur gesund bleiben, sondern auch weiterhin die Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen, die sie zu idealen Begleitern macht. Hoffnung in einer schweren Zeit In einer Umgebung, die oft von Abschied geprägt ist, bringen die Ponys etwas Unermessliches: Hoffnung. Sie erinnern daran, dass das Leben auch in den letzten Tagen noch schöne Momente bereithält. Ein Pony im Hospiz zu erleben, bedeutet mehr als nur eine tierische Begegnung. Es ist ein Moment der Verbundenheit, der Freude und des Friedens ein Augenblick, der bleibt. Die Tiere bringen Lebendigkeit in Räume, die oft von Stille geprägt sind und schenken den Menschen etwas, das unbezahlbar ist: ein Stück Trost. Die Verbindung zwischen Mensch und Tier zeigt sich in diesen Momenten in ihrer reinsten Form. Kein Urteil, keine Erwartungen nur bedingungslose Nähe. Es ist diese stille Magie, die die Arbeit der Miniatur-Ponys im Hospiz so besonders macht und die Menschen tief berührt. Die Autorin Carola Weidemann ist seit über 30 Jahren als Reitlehrerin und Ausbilderin in der Dressur tätig und hat eine besondere Leidenschaft für Therapie-Ponys. Mit viel Geduld bildet sie ihre Miniatur-Ponys zu liebevollen Begleitern für Senioren und Kinder aus und sorgt dabei stets für ihr Wohlbefinden. Ihre Ponys schaffen es, Freude und besondere Momente in das Leben der Menschen zu bringen. Kontakt ka-weidemann@t-online.de Mit Tieren Zugang finden Kinder und Jugendliche haben eine besondere Beziehung zu Tieren. Das kann man in der Therapie von psychischen Erkrankungen nutzen. Das Buch vermittelt dazu die notwendigen Grundlagen: Wie kann man Hund und Pferd gezielt einsetzen? Wann ist die Arbeit mit Tieren sinnvoll? Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden? Auf Basis des aktuellen Forschungsstandes werden Therapieziele und Interventionen vorgestellt. Dabei wird die tiergestützte Arbeit in den verschiedenen Therapierichtungen - von Verhaltenstherapie zu systemischer und tiefenpsychologisch fundierter Therapie - beschrieben. Fallvignetten zu den wichtigsten Störungsbildern schaffen den Bezug zur Praxis. Diana Ladner / Georgina Brandenberger Tiergestützte Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen Hund und Pferd therapeutisch einbeziehen (mensch & tier) 2., überarbeitete Auflage 2020. 185 Seiten. 18 Abb. (978-3-497-03008-8) kt a w