mensch & pferd international
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Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Stichwort: Euthanasie beim Pferd - ein sensibles Thema für Besitzer:innen und Tierärzt:innen
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Barbara Dock
Die Entscheidung, ein Pferd einschläfern zu lassen, gehört zu den schwierigsten und emotional belastendsten Momenten im Leben von Pferdebesitzer:innen. Die Gründe für eine Euthanasie können vielfältig sein und reichen von unstillbaren Schmerzen über unheilbare Krankheiten bis hin zu schweren Verletzungen, die eine weitere artgerechte Lebensführung unmöglich machen. Dabei spielt aber nicht nur der körperliche Zustand des Tieres eine Rolle, sondern auch die emotionale Bindung zwischen Mensch und Tier.
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196 | mup 4|2025|196-199|© Ernst Reinhardt Verlag, DOI 10.2378 / mup2025.art27d Mag. Barbara Dock Stichwort Euthanasie beim Pferd - ein sensibles Thema für Besitzer: innen und Tierärzt: innen Die Entscheidung, ein Pferd einschläfern zu lassen, gehört zu den schwierigsten und emotional belastendsten Momenten im Leben von Pferdebesitzer: innen. Die Gründe für eine Euthanasie können vielfältig sein und reichen von unstillbaren Schmerzen über unheilbare Krankheiten bis hin zu schweren Verletzungen, die eine weitere artgerechte Lebensführung unmöglich machen. Dabei spielt aber nicht nur der körperliche Zustand des Tieres eine Rolle, sondern auch die emotionale Bindung zwischen Mensch und Tier. Unsere Pferde sind neben Freizeit- und Sportpartnern auch zu Familienmitgliedern geworden und meist steht bei der Behandlung eines Pferdes die Ausheilung einer Erkrankung im Vordergrund und nicht nur die Wiedereinsetzbarkeit im Sport. Die Abschätzung des „richtigen Zeitpunktes“, um ein geliebtes Tier gehen zu lassen, hängt viel mit der emotionalen Lage des Besitzers, dem seelischen und körperlichen Zustand des Pferdes und vor allem auch dem Vertrauensverhältnis zum: zur behandelnden Tierarzt: ärztin und letztlich teils auch von finanziellen Gegebenheiten ab. Besonders in Fällen, in denen das Tier noch eine gewisse Lebensqualität hat, aber absehbar ist, dass sich der Zustand nicht mehr verbessern wird, geraten viele Pferdehalter in einen emotionalen Konflikt. Die Einschätzung der Tierärzt: innen spielt hier eine entscheidende Rolle, da sowohl der Gesundheitszustand des Tieres als auch die Perspektiven für eine mögliche Heilung objektiv beurteilt werden müssen. Doch welche Kriterien zieht man zur Entscheidung für eine Euthanasie nun heran? Eindeutige Entscheidungen können in Fällen von schweren Traumen, wie massiven Knochenbrüchen, Weichteilverletzungen mit großen Substanzverlusten, festliegenden und moribunde Patient: innen, für die es offensichtlich und nach bestem Wissen und Gewissen keine Therapie mehr gibt, gefällt werden. Schwieriger wird es bei Erkrankungen, deren Verlauf sowohl emotional als auch finanziell belastend sind, wie zum Beispiel schwere Koliken. Wenn konservative Therapiemethoden nicht mehr anschlagen und eine chirurgische Behandlung aus finanziellen oder gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, kann die Euthanasie als letzter Ausweg in Betracht gezogen werden. Ist die finanzielle Aufwendung den Besitzer: innen nicht zumutbar, muss der Ist-Zustand des Pferdes als Entscheidungskriterium herangezogen werden. In jedem Fall ist das Töten von Tieren ohne triftigen medizinischen Grund nicht zulässig und muss als oberste Prämisse betrachtet werden (§ 6, Bundesgesetz über den Schutz der Tiere (Tierschutzgesetz - TSchG Österreich), Fassung 25.05.2025). Ein bloßes „Nicht-Wollen“ der Besitzer: innen reicht nicht aus, um ein Pferd zu euthanasieren. Grenzfälle können auch bei unheilbar verlaufenden Krankheiten, wie z. B. chronische Lungenerkrankungen wie schwerwiegendes Equines Asthma (früher COPD / RAO) oder chro- Stichwort: Dock - Euthanasie beim Pferd mup 4|2025 | 197 nische Hufrehe mit hohem Schmerzpotenzial entstehen. Solche Erkrankungen können das Leben der Tiere erheblich beeinträchtigen und in fortgeschrittenen Stadien zu dauerhafter Atemnot und unstillbaren Schmerzen führen. In solchen Fällen muss abgewogen werden, ob ein weiteres Leben unter diesen Bedingungen noch artgerecht ist. Auch orthopädische Erkrankungen können zu dauerhaften Problemen und erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität unserer Pferde führen. Das Pferd ist ein Fluchttier, das sich prinzipiell gerne bewegt und auch im Ranggefüge, z. B. bei Offenstallhaltung, eine gewisse Bewegungsleistung erbringen muss, um sich weiterhin behaupten zu können und noch ausreichend an Wasser und Futter zu gelangen. In schweren Fällen leiden solche Tiere trotz hochdosierter medikamentöser und / oder chirurgischer Intervention, wie z. B. Neurektomien, noch an starken körperlichen Schmerzen. Hier liegt es an den behandelnden Tierärzt: innen mit Erfahrung und Pferdekenntnis, die Besitzer: innen im Gespräch zu beraten und verständlich zu machen, falls der/ die jeweilige Patient: in einen Punkt erreicht hat, in dem die Erhaltung des Lebens nur mehr mit unzumutbaren Schmerzen oder unzumutbaren Lebensbedingungen verbunden ist. Ist dann die Entscheidung gefallen, sollte die Euthanasie ehestmöglich durchgeführt werden, um die emotionale Belastung der Besitzer: innen möglichst gering zu halten. Was bedeutet Euthanasie, wie läuft die Durchführung einer Euthanasie beim Pferd ab und welche Vorbereitungen sollten getroffen werden? Laut Definition ist eine Euthanasie eine beabsichtigte, schmerz- und stressfreie medikamentöse Tötung eines Tieres. Die mündliche Aufklärung und das Einholen des Einverständnisses zur Euthanasie müssen in jedem Fall vor der Durchführung mit dem: der Besitzer: in oder einer verantwortlichen Person erfolgen. Durch die Größe des Tieres Pferd, bedarf die Durchführung einer Euthanasie einer sogfältigen Überlegung, Planung und ausreichend Ruhe. Zu viele Menschen und teils auch emotional überforderte Besitzer: innen können die Tiere zusätzlich belasten. Im besten Fall sollten 1-2 erfahre Personen dem/ der Tierärzt: in helfend zur Seite stehen. In den meisten Fällen können sich die Tiere noch fortbewegen und somit an einen passenden Ort verbracht werden. Um eine möglichst stressfreie Euthanasie für Tier und Besitzer: in durchführen zu können, ist es wichtig, sich in eine ruhige Umgebung ohne Zuschauer: innen zu begeben. Die Tiere werden von Tierärzt: innen erst ausreichend sediert und je nach Bedarf nochmals mit Schmerzmedikation versorgt. Es sollte immer ein Venenzugang (in der Regel in eine der beiden Halsvenen) gelegt werden, um die vollständige Applikation der benötigten Substanzen jederzeit durchfüh- Abb. 1: Eingehende Untersuchungen ermöglichen eine fundierte Entscheidung. 198 | mup 4|2025 Stichwort: Dock - Euthanasie beim Pferd ren zu können. Zu bedenken ist, dass die Tiere nach Verabreichung der Medikamente zur Narkoseeinleitung teils unkoordiniert niedergehen und genügend Platz vorhanden sein sollte, um die Sicherheit der helfenden Personen zu gewährleisten. Sobald die Pferde tief in Narkose liegen, erfolgt die Durchführung der eigentlichen Euthanasie durch die Applikation von hochdosierten Barbituraten, die zu einer tiefen Bewusstlosigkeit und anschließendem Atem- und Herzstillstand führen. Auch hier ist es ratsam, dem Pferd genügend Zeit zu lassen, da sich die meisten Tiere in einem schlechten Kreislaufzustand befinden und die Medikamente somit länger brauchen, um vollständig zu wirken. Zuletzt sollte der/ die Tierärzt: in noch den ausbleibenden Herzschlag überprüfen, Reflexe der Muskulatur können auch nach dem bestätigten Tod noch vereinzelt vorkommen. In seltenen Fällen kommt es vor, dass sich Pferde bereits in einer Box oder einem schlecht zugänglichen Umfeld in Seitenlage befinden und nicht mehr fähig sind aufzustehen. Hier wird die oben beschriebene Methode der Euthanasie, genauso mit Venenzugang, Schritt für Schritt in Ruhe durchgeführt, um dem Pferd weiteren Stress möglichst zu ersparen. In solchen Situationen ist es wichtig zu wissen, dass die Verbringung nach der Durchführung der Euthanasie zeitnah durchgeführt werden muss, da nach Eintreten der Totenstarre es nahezu unmöglich ist, das Tier aus einer engen Box herauszuziehen. Wenn möglich, sollte der Ort der Durchführung so gewählt werden, dass der Tierkörper eine längere Zeit abgeschieden liegen kann, jedoch logistisch gut für den Abtransport der TKV (Tierkörperverwertung) zugängig ist. Eine Plane in Naturfarbe schützt vor neugierigen Blicken von Spaziergänger: innen. Weiters sollte darauf geachtet werden, dass Hufeisen - wenn es der Zustand des Tieres zulässt - vor bzw. sonst nach der Euthanasie abgenommen werden müssen. Venenzugänge sollten im Pferd belassen werden, um ungewollten Blutabfluss zu vermeiden. Wie geht man weiter vor - Entscheidung der Abholung des verstorbenen Tieres Es gibt heutzutage verschiedene Möglichkeiten, den Körper des verstorbenen Tieres verwerten zu lassen. Die allen bekannte Methode ist die telefonische Verständigung der sogenannten Tierkörperverwertung. Bei Abholung muss immer der Pass und somit die Identität des Tieres beigelegt werden. Die Tiere werden meist zeitnah, nur nicht an Wochenenden oder Feiertagen, abgeholt und zur nächsten TKV verbracht. Dort werden sie zusammen mit weiteren abgeholten Tierkörpern eingeäschert. Auf Wunsch kann der Pferdepass nach einer Wartezeit wieder zurückgefordert und als Andenken aufbewahrt werden. Ist der Pferdepass zum Zeitpunkt der Abholung nicht vor Ort, kann dieser an die zuständige Behörde nachgeschickt werden, andernfalls kann es zu einer Geldbuße kommen. Als weitere Möglichkeit stellen sogenannte Tierkrematorien ihre Leistungen zur Verfügung. Hier ist es möglich, das verstorbene Tier ebenfalls abholen zu lassen, es wird allerdings großen Die Autorin Mag. Barbara Dock Fachtierärztin für Pferde und Gründerin von Pferdemedizin DockVet; 3-jähriges Zoologie Studium; Studium der Veterinärmedizin - zahlreiche Praktika bereits während der Ausbildung. Nach erfolgreichem Studium 6 Jahre Assistenztierärztin in der Pferdeklinik Tillysburg. Im April 2025 erfolgreiche Prüfung zur Fachtierärztin für Pferde, seit Mai 2025 selbstständig unter dem Namen Pferdemedizin DockVet Kontakt Pferdemedizin DockVet · Mag.med.vet. Barbara Dock Ennslände 2a · 4470 Enns · Österreich Tel.: +43 (0)699 13336631 E-Mail: pferdemedizin@dockvet.at Homepage: www.dockvet.at Stichwort: Dock - Euthanasie beim Pferd mup 4|2025 | 199 Wert darauf gelegt, die Kadaver einzeln einzuäschern und den Besitzern je nach Wunsch die Asche in der gewünschten Urne, oder daraus gewonnene Schmuckstücke, zur Erinnerung zukommen zu lassen. Ein Begraben von Tierkörpern auf Weiden oder in Gärten ist nicht erlaubt. Viele Besitzer: innen lassen sich auch Andenken aus den Schweif- oder Mähnenhaaren ihrer geliebten Tiere nach deren Tod anfertigen. Fazit Die Entscheidung zur Euthanasie eines Pferdes ist eine der schwierigsten und emotionalsten Herausforderungen, denen sich Pferdehalter: innen und Tierärzt: innen stellen müssen. Dabei muss stets das Wohl des Tieres und die Frage, ob ein Weiterleben unter den gegebenen Umständen noch zumutbar ist, im Vordergrund stehen. Auch wenn die Euthanasie einen endgültigen Schritt darstellt, kann sie in vielen Fällen das Leiden des Tieres beenden und ihm einen würdevollen Abschied ermöglichen. Abb. 2: Die symbolische Regenbogenbrücke: Ein hoffentlich würdevoller Abschied von einem alternden Pferd Liebe Abonnentinnen und Abonnenten, der Bezugspreis der Zeitschrift mensch und pferd international (MuP) für private Direktkunden erhöht sich ab 2026 minimal auf € 58,-. 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