mensch & pferd international
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1867-6456
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mup2026.art05d
2_018_2026_1/2_018_2026_1.pdf11
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Praxistipp: Heilpädagogisches Reiten (HPR) mit einem Kind mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
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Sven Colijn
In diesem Artikel wird die Anwendung des Heilpädagogischen Reitens bei Max, einem 10-jährigen Jungen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung beschrieben. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die durchgeführte Einheit des Handpferdereitens und dessen Verknüpfung mit der emotionalen Kontaktaufnahme (Gäng 2015) gelegt.
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mup 1|2026|29-34|© Ernst Reinhardt Verlag, DOI 10.2378 / mup2026.art05d | 29 Sven Colijn Praxistipp Heilpädagogisches Reiten (HPR) mit einem Kind mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) Eine Fallstudie mit Max (Name geändert) In diesem Artikel wird die Anwendung des Heilpädagogischen Reitens bei Max, einem 10-jährigen Jungen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung beschrieben. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die durchgeführte Einheit des Handpferdereitens und dessen Verknüpfung mit der emotionalen Kontaktaufnahme (Gäng 2015) gelegt. Vorstellung von Max Max ist ein Kind mit Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS), dessen Symptomatik sich vor allem durch ausgeprägte Hyperaktivität zeigt. Trotz impulsivem Verhalten und den daraus resultierenden Konflikten verfügt er über ausgeprägte soziale Kompetenzen und ein großes Interesse an Mitmenschen, was ihm ermöglicht, stabile Freundschaften zu pflegen. Aufgrund schulischer Herausforderungen durch die ADHS erfolgte ein Wechsel in eine kleinere Mehrstufenklasse, die ihm eine bessere individuelle Förderung und Orientierung ermöglicht. Eine medikamentöse Behandlung mit Methylphenidat (Ritalin) unterstützt seine Konzentrationsfähigkeit, wird jedoch auf seinen Wunsch vor heilpädagogischen Einheiten kontrolliert pausiert, um seine Eigenwahrnehmung der Symptome zu fördern. Max zeigt eine realistische Selbsteinschätzung seiner Schwierigkeiten und ist motiviert, seine Defizite zu kompensieren, obwohl die Wahrnehmung seiner inneren Unruhe für ihn herausfordernd bleibt. ■ Soziale Entwicklung Im sozialen Interaktionsverhalten äußert sich ADHS typisch durch Schwierigkeiten, eigene Impulse zu kontrollieren. Max fällt es schwer, Gesprächsbeiträge zu ordnen, auf Rückfragen zu warten und eigene Fragen zurückzustellen. Seine assoziative und fantasievolle Denkweise beeinflusst häufig den Gesprächsverlauf. Dennoch gelingt es ihm, soziale Beziehungen aufrechtzuerhalten und Konflikte zu bewältigen. ■ Emotionale Entwicklung Entgegen typischen ADHS-Profilen zeigt Max eine weitgehend stabile emotionale Regulation. Er kann Begeisterung zeigen und verarbeitet Enttäuschungen ohne impulsive Frustrationsreaktionen oder Wutausbrüche. Gelegentliche kurzfristige Rückzüge dienen der Emotionsregulation, werden jedoch durch anschließendes aktives Handeln überwunden. Sein Selbstwertgefühl ist durch die ADHS-Diagnose belastet, doch seine Empathiefähigkeit und sein Humor sind ausgeprägt. ■ Kognitive Entwicklung Neben ADHS liegen bei Max eine Lese- und Rechtschreibschwäche vor, die in der Schule durch individuelle Lernzielanpassungen berück- 30 | mup 1|2026 Praxistipp: Colijn - Heilpädagogisches Reiten mit einem Kind mit ADHS sichtigt wird. Er verfügt über ein solides Allgemeinwissen sowie differenzierte sprachliche Ausdrucksfähigkeiten. Seine kognitive Leistungsfähigkeit wird durch eine ausgeprägte Fantasie, musikalische Begabung und hohe Energie positiv beeinflusst. Max zeigt eine ausgeprägte Spontaneität, Anpassungsfähigkeit sowie Risikobereitschaft, insbesondere im Umgang mit Pferden, wo er seine Komfortzone bewusst verlässt. ■ Motorische Entwicklung Seine motorischen Fähigkeiten sind überdurchschnittlich ausgeprägt. Er ist sportlich aktiv, spielt Fußball und betreibt seit mehreren Jahren Voltigieren. Gleichgewichtssinn und Körperkoordination sind sehr gut ausgeprägt; motorische Auffälligkeiten, die bei ADHS häufig auftreten, sind bei ihm nicht erkennbar. Max’ Umgang mit Tieren und das genutzte therapeutische Potenzial Sein Interesse an Tieren geht über eine oberflächliche Zuneigung hinaus. Er setzt sich aktiv mit ihren Eigenschaften auseinander und reflektiert über ihre Beziehung zum Menschen. Diese Fähigkeit zur Reflexion deutet darauf hin, dass Max die Tiere verstehen will. Seine Überlegungen und Fragen können beispielsweise beinhalten: ■ Wie kommunizieren verschiedene Tierarten miteinander? ■ Welche Emotionen empfinden Tiere in bestimmten Situationen? ■ Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung der Welt bei verschiedenen Tieren? Seine Vorerfahrung im Voltigieren und Reiten zeigen sein aktives Engagement im Pferdesport. Voltigieren ist ein hervorragender Einstieg in den Reitsport, da es das Gleichgewicht schult und hilft, sich mit den Bewegungen des Pferdes vertraut zu machen. Auch diese Aktivitäten sind vorteilhaft für Kinder mit ADHS über folgende Aspekte: ■ Förderung der Konzentration und des Durchhaltevermögens ■ Verbesserung der motorischen Fähigkeiten ■ Stärkung des Selbstwertgefühls Dennoch steht Max im Umgang mit den Pferden vor einigen Herausforderungen: Seine stürmischen Begrüßungen und seine direkte Kontaktaufnahme zur Herde zeigen seine Begeisterung, aber auch seine Impulsivität. Diese Verhaltensweisen sind typisch für Kinder mit ADHS und erfordern im Umgang mit Pferden besondere Aufmerksamkeit: ■ Notwendigkeit, Grenzen zu setzen und Sicherheitsregeln zu befolgen ■ Lernen, die Körpersprache der Pferde zu lesen und angemessen zu reagieren ■ Entwicklung von Respekt und angemessenem Abstand zu den Tieren, insbesondere zu Pferden, zu welchen noch keine Beziehung besteht Auch Aktivitäten im Stallumfeld bieten Lernfelder: Sein Engagement bei Stallaktivitäten wie Putzen des Pferdes oder Reinigen des Abb. 1: Kommunikation mit dem Pferd verlangt Empathie Praxistipp: Colijn - Heilpädagogisches Reiten mit einem Kind mit ADHS mup 1|2026 | 31 Hofplatzes, wenn auch in der Regel eher nur kurz andauernd, zeigen seine Bereitschaft, Verantwortung mitzutragen. Diese Tätigkeiten sind therapeutisch wertvoll: ■ Förderung von Handlungsplanung und -steuerung ■ Verbesserung der Aufmerksamkeitsspanne ■ Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein Seine geringe Ausdauer bei diesen Aufgaben ist charakteristisch für ADHS und bietet Gelegenheiten für gezielte Förderung: ■ Strukturierung der Aufgaben in kleinere, überschaubare Einheiten ■ Regelmäßige Pausen und Wechsel der Aktivitäten ■ Positive Verstärkung für abgeschlossene Aufgaben Vorgegebene Fördermaßnahmen Die Eltern möchten, dass an seiner Wahrnehmung gearbeitet wird und er bewusster an die Tätigkeiten herangeht, mit dem Ziel, diese besser reflektieren zu können. Er soll während der HPR-Einheiten kein Ritalin benötigen, was ein möglichst reizarmes Umfeld voraussetzt. Dies ist dann gegeben, wenn nicht zu viele Menschen um ihn herum sind, mit ihm an klar vereinbarten Zielen gearbeitet werden kann und der Ablauf einer möglichst klaren Struktur folgt. Die Eltern wünschen sich eine Stärkung des Selbstwertgefühls von Max und würden sich freuen, wenn er ruhiger würde und die sozialen Interaktionen rund um die Regeleinhaltung durch weniger Konflikte geprägt wären. Zielformulierungen ■ Aufbauende Erfahrungen mit Erfolgserlebnissen, um den Selbstwert zu stärken ■ Beziehungsaufbau zum Pferd ermöglichen (Kontaktaufnahme) ■ Durchhaltewillen (Ausdauer) nach Vereinbarungen stärken Max selbst äußert folgende Wünsche: ■ Er würde selbst gerne ruhiger werden ■ Er will unbedingt ausreiten und dies möglichst ausgiebig ■ Er freut sich, wenn das Pferd auf ihn reagiert ■ Er will möglichst viel selbständig machen können Zielsetzung Über einen Zeitraum von acht Monaten und zehn Doppelstunden arbeitete ich mit Max an den nachfolgend ausgeführten Zielen. Das erste Grobziel ist es, den Selbstwert aufzubauen / zu verbessern. Dieses Ziel ist besonders wichtig, da das ADHS das Selbstwertgefühl von Max negativ beeinflusst. Die Feinziele und Lektionsziele in diesem Bereich sind darauf ausgerichtet, Max Erfolgserlebnisse zu ermöglichen und seine Selbstwirksamkeit zu stärken. Die praktischen Aufgaben wie das Auskratzen der Hufe und das Aufzäumen von Jasmin bieten konkrete, erreichbare Ziele, die Max in seinem Selbstvertrauen stärken können. Das Beachten von Sicherheitsvorgaben und die Körperkoordination beim Umgang mit dem Pferd fördern Abb. 2: Übernahme von Verantwortung im Umgang mit dem Pferd 32 | mup 1|2026 Praxistipp: Colijn - Heilpädagogisches Reiten mit einem Kind mit ADHS seine Aufmerksamkeit und Impulskontrolle, was zentrale Aspekte der ADHS-Behandlung sind. Die Vorbesprechung heikler Situationen und das Erkennen von Gefahren unterstützen Max in der Entwicklung von Selbstregulation und Risikobewusstsein, was für Kinder mit ADHS oft eine Herausforderung darstellt. Das zweite Grobziel ist die Kontaktaufnahme zum Pferd. Dieses Ziel adressiert die sozialen Herausforderungen und fördert seine emotionale Regulation. Das Beobachten und Verstehen von Jasmins Verhalten schult Max’ Empathie und soziale Wahrnehmung, die ihm auch im Umgang mit Menschen helfen kann. Die taktile Stimulation beim Streicheln und Abtasten des Pferdes kann beruhigend wirken und Max helfen, seine sensorische Wahrnehmung zu verbessern. Das Erlernen der Bodenarbeit fördert die Konzentrationsfähigkeit und lehrt ihn, klare, ruhige Signale zu geben. Dies wirkt seiner Impulsivität entgegen. Das dritte Grobziel bezieht sich auf den Durchhaltewillen und die Stärkung der Ausdauer. Dieses Ziel ist besonders relevant für die ADHS-bedingten Schwierigkeiten von Max mit Aufmerksamkeit und der Konzentration. Das „Zu- Ende-Bringen“ von Tätigkeiten hilft Max, seine Aufmerksamkeitsspanne zu verlängern und Aufgaben trotz möglicher Ablenkungen abzuschließen. Die Reflexion seiner Tätigkeiten fördert seine Selbstwahrnehmung. Das Erledigen von Routinearbeiten unterstützt die Entwicklung von Struktur und Disziplin, was für Kinder mit ADHS oft herausfordernd, aber sehr wichtig ist, damit sie ihre Pläne auch umsetzen können. Das Handpferdereiten als nutzbar gemachter Wirkfaktor und dessen Verknüpfung mit der emotionalen Kontaktaufnahme Handpferdereiten bietet im therapeutischen Kontext mit ADHS-Kindern ein großes Potenzial zur Förderung des Selbstwertes und zur Stärkung der Beziehungsebene. Indem Kind und Reitpädagoge Seite an Seite ausreiten, entsteht eine Atmosphäre der Gleichberechtigung und Partnerschaft, die sich deutlich von der klassischen Rolle des „Geführtwerdens“ unterscheidet. Das Kind erlebt sich als Mitreiter mit eigener Verantwortung. Dies stärkt das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Gerade für Kinder mit ADHS, die häufig mit Unsicherheiten und einem fragilen Selbstwert kämpfen, ist das Erleben dieses Vertrauensvorschusses besonders wertvoll. Während des gemeinsamen Ausritts kommt es zu natürlichen, oft beiläufigen Gesprächen, in denen das Kind eigene Beobachtungen und Gedanken äußern kann - etwa zum Verhalten der Pferde, aber auch zu Reitfertigkeiten oder Alltagserlebnissen. Da die Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet, werden soziale Kompetenzen wie Rücksichtnahme, Kooperationsfähigkeit und Empathie ganz nebenbei trainiert. Das Handpferdereiten fordert das Kind in besonderer Weise heraus: Es muss auf sein eigenes Pferd achten, gleichzeitig die Dynamik zwischen den beiden Pferden beobachten und den Reitpädagogen / die Reitpädagogin wahrnehmen. Diese komplexe Situation bietet eine wertvolle Übung im Umgang mit multiplen Reizen, eine klassische Für die Anwendung der Methode Handpferdereiten ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass das Kind bereits über grundlegende reiterliche Kompetenzen verfügen muss, insbesondere einen sicheren Sitz im Sattel. Ebenso ist entscheidend, dass sich die eingesetzten Pferde gut kennen und verstehen, da ihre Zusammenarbeit für einen sicheren Ablauf unerlässlich ist. Die Tiere sollten zudem über Erfahrung im Gelände verfügen, um auf unterschiedliche Situationen ruhig und sicher reagieren zu können. Für den Reitpädagogen ist es zu empfehlen, einen spezifischen Kurs zum Handpferdereiten zu absolvieren. Dies erweitert das Wissen um alle relevanten Aspekte dieser Methode, erhöht die Handlungssicherheit bei unterschiedlichen Eventualitäten und sorgt dafür, dass die Sicherheit jederzeit verantwortungsvoll gewährleistet werden kann. Hinweis Praxistipp: Colijn - Heilpädagogisches Reiten mit einem Kind mit ADHS mup 1|2026 | 33 herausfordernde Domäne für Kinder mit ADHS. Zudem führt die gemeinsame Bewältigung von Situationen unterwegs - sei es beim Überqueren schwierigen Geländes oder beim Reagieren auf unvorhergesehene Ereignisse - zu einem starken Gemeinschaftsgefühl und fördert die Problemlösungsfähigkeit. In ruhiger, naturnaher Umgebung erlebt das Kind ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Verlässlichkeit, während die Begleitung durch den Reitpädagogen / die Reitpädagogin stets Sicherheit gibt, ohne zu bevormunden. Praxisnah empfiehlt es sich, mit ruhigen, zuverlässigen Pferden zu beginnen und dem Kind nicht nur im Sattel, sondern auch bei der Pflege und Vorbereitung Verantwortung zu überlassen. Im Verlauf entwickelt sich der Austausch während des Ausritts häufig zu einem Reflektionsraum, in dem Herausforderungen und Erfolge angesprochen werden können - immer auf Augenhöhe, immer im Erleben von Partnerschaft mit Mensch und Tier. So unterstützt das Handpferdereiten nicht nur die Förderung von Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und sozialer Kompetenz, sondern trägt auf nachhaltige Weise zur Stärkung des Selbstvertrauens bei - und eröffnet Kindern mit ADHS neue Erfahrungsräume jenseits typischer therapeutischer Settings. Der Selbstwert stellt ein zentrales Element der Psyche dar (Stahl 2016). Dies lässt sich sehr gut auf die Erfahrungen der emotionalen Kontaktaufnahme (Gäng,2015) und dem Handpferdereiten mit ADHS-Kindern übertragen. Der Selbstwert beeinflusst maßgeblich, wie wir uns selbst sowie unsere Beziehungen und unsere Umwelt wahrnehmen - und dieser innere Kern wird in der Kindheit durch Zuwendung und Geborgenheit geformt. Ein empfindlicher Selbstwert, wie ihn Kinder mit ADHS häufig zeigen, entsteht insbesondere durch das Fehlen sicherer Bindungserfahrungen und erlebter Unsicherheit (Maté 2023). Viele dieser Kinder suchen Halt im Außen und bleiben oft in einem Modus innerer Unruhe, weil sie ihr eigenes Selbstwertgefühl nicht ausreichend entwickeln konnten. Hier setzen die emotionale Kontaktaufnahme und das Handpferdereiten an, das einen Raum schafft, in dem echte Verbindung und Gleichberechtigung auf neue, spürbare Weise erlebt werden können. Das Kind erfährt sich als kompetentes, mitverantwortliches Gegenüber - eine Erfahrung, die unmittelbar Selbstwert und Urvertrauen stärkt. Das Handpferdereiten bietet insbesondere solchen Kindern und Jugendlichen, die Schwie- Abb. 3: Handpferdereiten schafft neue Möglichkeiten Abb. 4: Eine neue Perspektive: Reiten auf Augenhöhe 34 | mup 1|2026 Praxistipp: Colijn - Heilpädagogisches Reiten mit einem Kind mit ADHS rigkeiten in der emotionalen Entwicklung oder in sozialen Beziehungen haben, ein hohes Potenzial zur Erfahrung von Bindung, emotionaler Akzeptanz und Selbstwirksamkeit. Die enge, begleitete Interaktion mit dem Pferd ermöglicht es, Gefühle zu erkennen, auszudrücken und zu regulieren. Gleichzeitig entsteht im heilpädagogischen Setting ein sicherer Raum, in dem Frustrationen verarbeitet und Empathie anders erlebt werden kann als in sozialen Interaktionen mit Menschen. Pferde nehmen ihr Gegenüber stets ohne Werturteil wahr und laden immer wieder zu einer neuen, offenen Beziehungsgestaltung ein. Sie reagieren sensibel auf Stimmungen und fordern Authentizität, sind aber zugleich verlässlich und präsent. Kinder erleben, dass sie - unabhängig von ihrem Verhalten oder ihrer Unruhe angenommen werden (bedingungsloses Beziehungsangebot) und etwas beitragen können, das Wirkung zeigt. Insbesondere beim Handpferdereiten, wenn das Kind Verantwortung für das eigene Pferd übernimmt und gleichzeitig den Reitpädagogen / die Reitpädagogin und die Dynamik zwischen den Pferden wahrnimmt, entstehen Erfolgserlebnisse, an denen der Selbstwert unmittelbar wächst. Literatur ■ Gäng, M. (2015): Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren: Ernst Reinhardt Verlag, München ■ Maté, G. (2023): Unruhe im Kopf. Über die Entstehung und Heilung der Aufmerksamkeitsdefizitstörungen ADHS. Narayana, Kandern ■ Stahl, S. (2016): Das Kind in dir muss Heimat finden. Kailash Verlag, München Der Autor Sven Colijn ist engagierter Pädagoge und Führungspersönlichkeit mit langjähriger Erfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe sowie im Kindes- und Erwachsenenschutz. Fundierte Kompetenzen in Beratung, Projekt- und Qualitätsmanagement, Organisationsentwicklung und Personalführung. Leidenschaft für nachhaltige Entwicklung sozialer Institutionen und Erwachsenenbildung. Kontakt sven.colijn@gmail.com · www.reittherapie-köniz.ch a w Tierisch gute Zuhörer Einigen Kindern fällt es besonders schwer, lesen zu lernen. Hunde können diesen Kindern wertvolle Unterstützer sein und dazu beitragen, sie zum Lesen zu motivieren und Ruhe, Konzentration sowie Spaß am Lesen zu fördern. Andrea Beetz und Meike Heyer führen in die verschiedenen Ansätze des „Lesens mit Hund“ ein und zeigen wichtige Voraussetzungen bei Leselernhund, pädagogischer Fachkraft, Kind und Setting auf. Neben den Grundlagen zur Lesekompetenz erörtern die Autorinnen die Indikationen und Hintergründe der positiven Effekte einer hundgestützten Leseförderung. Anschauliche Beispiele aus der Praxis runden das Buch ab. (mensch & tier) 3., unveränderte Auflage 2025. 131 Seiten. 18 Abb. 2 Tab. (978-3-497-03309-6) kt
