mensch & pferd international
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1867-6456
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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2026
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Medien & Materialien: Antonie Ebbesmeyer - Erlebnisse einer Reittherapeutin
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2026
Magdalena Muigg
Antonie Ebbesmeyer gewährt in ihrem Buch „Erlebnisse einer Reittherapeutin: Von heldenhaften Pferden und außergewöhnlichen Kindern“ einen sehr persönlichen Einblick in ihren Alltag als Reittherapeutin. Dabei verbindet sie Erfahrungen aus ihrem Leben mit fachlichem Hintergrundwissen und macht deutlich, wie eng ihr Familienleben, die Pflege und Haltung der Pferde sowie ihre therapeutische Arbeit miteinander verflochten sind.
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80 | mup 2|2026 Medien & Materialien Medien & Materialien Antonie Ebbesmeyer - Erlebnisse einer Reittherapeutin Antonie Ebbesmeyer gewährt in ihrem Buch „Erlebnisse einer Reittherapeutin: Von heldenhaften Pferden und außergewöhnlichen Kindern“ einen sehr persönlichen Einblick in ihren Alltag als Reittherapeutin. Dabei verbindet sie Erfahrungen aus ihrem Leben mit fachlichem Hintergrundwissen und macht deutlich, wie eng ihr Familienleben, die Pflege und Haltung der Pferde sowie ihre therapeutische Arbeit miteinander verflochten sind. So gibt sie am Anfang recht anschaulich eine Einsicht in ihre Ausbildung - Ablauf, Themenschwerpunkte und Praktika. Ihr Stil ist dabei sehr erzählerbetont, man darf hier keine theoretischen Inputs in dem Sinne erwarten, dennoch wird zum Beispiel der Aspekt „Qualitätssicherung“ im Sinne des Hinterfragens von notwendigen Qualifikationen und auch der Qualität von Ausbildungsträgern durchaus kritisch hinterfragt. Im Folgekapitel beschreibt Ebbesmeyer die Persönlichkeit sowie den „Werdegang“ ihrer Therapiepferde Donna Felicitas, Sternchen und Pares. Die Beschreibung der drei „Protagonisten“ ist sehr bildhaft und wirken teilweise ein wenig wie „Geschichten vom Süderhof“, dennoch - oder vermutlich gerade deswegen - spürt man die Beziehung der Autorin zu ihren Tieren. Auch im Folgekapitel, in dem Frau Ebbesmeyer über die Errichtung ihres Hofes spricht merkt man, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt. Erwähnenswert sind auch die Fallbeispiele, in denen sie schildert, wie Pferde Kindern und Erwachsenen helfen können, Blockaden zu überwinden, Vertrauen aufzubauen oder Zugang zu ihren Gefühlen zu finden. Ein zentrales Beispiel widmet sich der Arbeit mit Joscha, einem autistischen Kind. Die Autorin beschreibt hier zum einen kurz die Entwicklung, wie Joscha zu ihr zur PPT angemeldet wurde, den Erstkontakt, aber genauso auch die Wichtigkeit der Recherche, wenn man zuvor mit Krankheitsbildern nur wenig konfrontiert wurde. Die Autorin beschreibt in den folgenden Kapiteln sehr empathisch ihre Arbeit mit Joscha. Angefangen von der Zielsetzung, über den Austausch mit Joschas Mutter bis hin zu alltäglichen Schwierigkeiten wie lange Winterperioden oder Konfrontation mit Pferdebremsen im Sommer - banale Dinge, die aber zum Alltag in der Reittherapie dazu gehören und mit denen man lernen muss adäquat umzugehen. Sehr ehrlich beschreibt sie auch eine gewisse „Therapiemüdigkeit“ bei Joscha und ihre darauffolgenden Reaktionen, den ehrlichen Austausch mit Mutter und der Familienhelferin zu suchen. Anhand von Joscha beschreibt sie Höhen und Tiefen, Herausforderungen und alltägliche, aber auch nicht so alltägliche Aspekte, mit denen man in der Rolle als Fachkraft konfrontiert ist. Das Buch ist keineswegs eine wissenschaftliche Abhandlung und bearbeitet in auch keine neuen theoretischen Aspekte. Ebbesmeyer schreibt in einem einfühlsamen, leicht zugänglichen Stil, der die Atmosphäre von Stall, Tieren und Begegnungen lebendig werden lässt. Man spürt in jeder Geschichte ihre Leidenschaft für die Arbeit mit Menschen und Pferden. Allerdings bleibt die Darstellung eher an der Oberfläche, wenn man einen tiefen fachlichen Diskurs erwartet. Manche Leserinnen und Leser könnten sich eine kritischere Auseinandersetzung mit Grenzen und Schwierigkeiten wünschen und einen vielleicht etwas weniger „bunten“ Stil. Dennoch liegt die Stärke des Buches eindeutig in seiner menschlichen Wärme und Authentizität. Insgesamt ist „ Erlebnisse einer Reittherapeutin“ ein bewegendes, inspirierendes Werk, Kosmos, 176 Seiten, € 20,00 Medien & Materialien mup 2|2026 | 81 Handbuch Pferdeverhalten. Natürliches Verhalten, artgemäße Haltung, pferdegerechter Umgang, Problemverhalten (4., erweiterte und aktualisierte Auflage) In der vierten aktualisierten Auflage des Buches „Handbuch Pferdeverhalten“ implementieren die Autorinnen und Wissenschaftlerinnen Dr. Margit H. Zeitler-Feicht, Dr. Iris Bachmann, Dr. Miriam Baumgartner und Prof. Dr. Elke Hartmann die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um das Thema Pferdeverhalten. Den Autorinnen gelingt es sehr gut, die teils komplexen (natur-) wissenschaftlichen Vorgänge auf verständliche Art und Weise darzustellen. Zu Beginn behandelt das Buch die „Anpassungsfähigkeit des Pferdes an die Umwelt“, indem die Evolution und die Domestikation der Pferde erläutert werden. Diese Kenntnisse bilden die inhaltliche Basis für die nachfolgenden Kapitel. Die Autorinnen beschäftigen sich im zweiten und dritten Teil des Buches mit den „Angeborenen Verhaltensweisen“ sowie mit dem Problemverhalten der Pferde. Thematisiert werden hier beispielsweise das Fress- und Trinkverhalten, das Bewegungsverhalten, aber auch unerwünschtes Verhalten und Verhaltensstörungen. Den Leser: innen werden in beiden Kapiteln multiperspektivische, praxisbewährte sowie präventive Tipps für den Umgang mit Pferden an die Hand gegeben. Neben dem allgemeinen Inhalt geben die Autorinnen verschiedene Einblicke „Aus der Wissenschaft“ und stellen darin kurz, prägnant und verständlich konkrete wissenschaftliche Untersuchungen und Studienergebnisse vor. Die Autorinnen verdeutlichen ihre Erklärungen stets an Beispielen. Dies macht es den Leser: innen noch verständlicher und erleichtert das Adaptieren sinnvoller Verhaltensweisen für das eigene Handeln in Bezug auf Pferde. Allgemein wirken die Gestaltung und der Aufbau des Buches sehr logisch strukturiert, durchdacht und ansprechend, aber überhaupt nicht überladen. Zudem werden Querbezüge innerhalb des Buches hergestellt, damit die Leser: innen Informationen adäquat miteinander vernetzen können. Die Abbildungen in dem Buch sind anschaulich sowie passend gewählt und platziert, sodass sie den Leser: innen vielfältige Zugänge zu den Informationen eröffnen. Der angenehme Schreibstil der Autorinnen ermöglicht den Erwerb von wissenschaftlich fundiertem Wissen, ohne dass seitens der Leser: innen ein wissenschaftliches Vorverständnis erwartet wird. Für mich ist das Buch eine Pflichtlektüre für alle Menschen, die sich beruflich oder privat mit Pferden beschäftigen. Durch das Betrachten der fundamentalen Verhaltensweisen der Pferde ist dieses Buch, insbesondere im Kontext von pferdegestützten Interventionen, sehr zu empfehlen. Philipp Weimer das vor allem Pferdefreunde, interessierte Laien und Menschen anspricht, die sich für Themen wie Therapie, Inklusion und Autismus begeistern. Es vermittelt eindrücklich, welche Kraft Pferde als Partner in der Therapie entfalten können, und lässt zugleich erahnen, wie herausfordernd, aber auch erfüllend der Alltag in diesem Beruf ist. MM Ulmer, 336 Seiten, € 55,00
