mensch & pferd international
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Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mup2026.art13d
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Pferde als Ressource für die Resilienz von Reiter:innen
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Manuela Kesselmann
In der folgenden, explorativen Studie wurde der Frage nachgegangen, inwieweit und in welcher Form der Kontakt mit Pferden eine förderliche Wirkung auf die Resilienz von Reiter:innen entfalten kann. Zur Beantwortung der Forschungsfrage im Rahmen einer quantitativen Querschnittsstudie kamen sowohl Zusammenhangsanalysen (Korrelationen) als auch Unterschiedsanalysen (Mittelwertvergleiche) zum Einsatz. Die Ergebnisse zeigen, dass Reiter:innen, die ihr Pferd als Ressource und Kraftquelle wahrnehmen, insgesamt höhere Resilienzwerte aufweisen. Kein Unterschied fand sich in Bezug auf die Häufigkeit des Kontaktes zum Pferd. Die Ergebnisse machen die Bedeutung von Pferden als Ressource für die psychische Widerstandskraft von Reiter:innen deutlich.
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88 | mup 3|2026|88-95|© Ernst Reinhardt Verlag, DOI 10.2378 / mup2026.art13d Manuela Kesselmann Schlüsselbegriffe: Reitsport, Resilienz, Pferd als Ressource, Pferdekontakt In der folgenden, explorativen Studie wurde der Frage nachgegangen, inwieweit und in welcher Form der Kontakt mit Pferden eine förderliche Wirkung auf die Resilienz von Reiter: innen entfalten kann. Zur Beantwortung der Forschungsfrage im Rahmen einer quantitativen Querschnittsstudie kamen sowohl Zusammenhangsanalysen (Korrelationen) als auch Unterschiedsanalysen (Mittelwertvergleiche) zum Einsatz. Die Ergebnisse zeigen, dass Reiter: innen, die ihr Pferd als Ressource und Kraftquelle wahrnehmen, insgesamt höhere Resilienzwerte aufweisen. Kein Unterschied fand sich in Bezug auf die Häufigkeit des Kontaktes zum Pferd. Die Ergebnisse machen die Bedeutung von Pferden als Ressource für die psychische Widerstandskraft von Reiter: innen deutlich. Pferde als Ressource für die Resilienz von Reiter: innen Kesselmann - Pferde als Ressource für die Resilienz von Reiter: innen mup 3|2026 | 89 Theoretischer Hintergrund Die positive Wirkung von Pferden ist bereits lange bekannt. Sie werden seit mehr als 50 Jahren in der (heil-) pädagogischen, ergo- und physiotherapeutischen Arbeit eingesetzt (Gomolla 2014). In jüngerer Zeit auch immer mehr als Therapiepartner, was die verstärke Zunahme an professionalisierten, pferdegestützten Therapie- und Coachingangeboten erklärt. Verschiedene positive Effekte dieser Arbeit konnten bereits wissenschaftlich nachgewiesen werden. So tragen Pferde zur Reduktion von Ängsten bei (Hediger 2020), fördern die emotionale Öffnung (Gomolla 2014) und haben verschiedene andere positive Effekte auf psychische Störungen (Opgen-Rhein et al. 2018). Im Zuge von pferdegestützten Interventionen rücken positive Wirkungen auf die Selbstwirksamkeit zunehmend in den Fokus (Brämig 2022; Schütz 2019). Kaum untersucht sind bisher allerdings die Effekte von Pferden auf die menschliche Resilienz. Einzelne qualitative Befragungen (n < 10) und Beobachtungen geben erste Hinweise auf mögliche, positive Effekte (Bober 2023; Beck 2024), lassen aber noch keine allgemeingültigen Aussagen zu (Craig et al. 2020). Begriffsbestimmung Resilienz Der Begriff Resilienz (lat. resilere: zurückspringen, zurückprallen) steht im Fachbereich der Psychologie ganz allgemein für die psychische Widerstandskraft eines Menschen (Wustmann 2011). Mittlerweile haben sich verschiedene Begriffsbestimmungen und Definitionen herausgebildet, wobei die Literatur zwischen enger und weiter gefassten Begriffsauslegungen differenziert (Fröhlich-Gildhoff 2022). Während die eng gefasste Auslegung Resilienz auf die Bewältigung von Hochrisikosituationen beschränkt, wird bei weiter gefassten Bestimmungen eine Kompetenz verstanden, bestehend aus verschiedenen Resilienzfaktoren (ebd.). Beiträgen zur psychologischen Resilienzforschung seit 2006 zufolge ist Resilienz ein multidimensionales Konstrukt, das sowohl konstitutionelle Persönlichkeitsmerkmale als auch Fähigkeiten zur Belastungsbewältigung umfasst (Luther 2020). Welter-Enderlin und Hildenbrand betonen die Anpassung an widrige Lebensumstände über die Lebensspanne (2006, 13): Unter Resilienz würde einerseits die Fähigkeit von Menschen verstanden, Krisen unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen. Andererseits stehen nicht nur Krisen und Belastungssituationen im Mittelpunkt, sondern auch die „erfolgreiche Bewältigung von altersspezifischen Entwicklungsaufgaben“ (Wustmann 2011). Aktuelle Ansätze der Resilienzforschung gehen davon aus, dass hierfür Resilienzfaktoren relevant sind: psychosoziale Ressourcen auf Ebene des Individuums oder sozialer Systeme, wobei eine Vielzahl dieser Faktoren diskutiert wird (Schäfer et al. 2024). Die amerikanische Entwicklungspsychologin Werner hatte schon früh die Bedeutung einer positivstärkenden Beziehung zu Menschen aus dem Umfeld als grundlegende Voraussetzung resilienter Entwicklung identifiziert (Werner 2011). Grundsätzlich herrscht dabei weitgehend Einigkeit darüber, dass das Phänomen der psychischen Widerstandskraft, als Fähigkeit oder dynamischer Prozess verstanden, grundsätzlich veränderbar ist und trainiert werden kann (z. B. Chmitorz et al. 2018; Joyce et al. 2018). Resilienzkonstrukt in vorliegender Studie und die Bedeutung von Bindung In vorliegender Arbeit wird das Konstrukt Resilienz als psychische Widerstandskraft betrachtet. Das Konzept basiert zum einen auf Block & Block (1980), die Konstrukte der Ego-Kontrolle (Affekt- und Impulskontrolle) und der Ego-Resilienz Psychische Widerstandskraft ist als Fähigkeit oder dynamischer Prozess veränderbar und trainierbar. 90 | mup 3|2026 Kesselmann - Pferde als Ressource für die Resilienz von Reiter: innen (Ausprägung positiver Affekte, stärkerem Selbstbewusstsein und der dynamischen Fähigkeit, das Kontrollniveau flexibel an die Anforderungen der Situation anzupassen) entwickelten. Zum anderen auf Wagnild & Young (1993), die Resilienz als Persönlichkeitsmerkmal mit moderierendem Einfluss auf negative Gefühle und Stress sowie flexibler Anpassung beschreiben. Ihre Resilienzskala erfasst intrapersonale Ressourcen und deren Beitrag zur positiven Bewältigung von Lebensereignissen, wobei ihr Konstrukt in ein Zwei-Faktoren-Modell überführt wurde: persönliche Kompetenz (Eigenständigkeit, Unabhängigkeit, Bestimmtheit, Beherrschung, Ausdauer) und Selbstbzw. Lebensakzeptanz (Anpassungsfähigkeit, Balance, Flexibilität, Perspektivenwechsel). Die in vorliegender Studie angewendete Resilienzskala RS-13 von Leppert (2008) nutzt diese Zweifaktorenstruktur als Unterteilung in „Akzeptanz des Selbst“ und „Persönliche Kompetenz“ (Wagnild / Young 1993). Die bereits nachgewiesene Bedeutung positiver Bindung für die Resilienz (Werner 2011; Wunsch 2018) wird ebenfalls aufgegriffen. Nach der Bindungstheorie von Bowlby (1995) ist die Bindung zwischen Kind und Bezugsperson biologisch verankert, entwicklungsrelevant und auf Sicherheit ausgerichtet. Sichere Bindung stärkt Vertrauen, Stressregulation und Exploration, wobei frühkindliche Bindung emotionale Regulation, soziale Beziehungen und Coping prägt. Zahlreiche Modelle betonen, dass sichere Bindungen Ressourcen für Stressbewältigung, Regulation und positive Bewältigungsstrategien liefern (Fröhlich-Gildhoff 2022). Eine spezielle Bindung zum Pferd kann in diesem Zusammenhang ähnliche Funktionen erfüllen, indem sie Verlässlichkeit, Nicht-Urteilsfreiheit und emotionale Unterstützung bietet und das Pferd als ergänzender Interaktionspartner Stress reduziert und positive Emotionen fördert (Schütz 2022). Mehrere Studien zeigen positive Effekte von Pferden auf die Bindung von Kindern und Erwachsenen (vgl. Julius 2017; Otterstedt 2019; Heintz 2021). Vor diesem Hintergrund widmet sich die vorliegende, explorative Studie der Frage, ob und in welcher Form der Kontakt mit Pferden eine förderliche Wirkung auf die Resilienz von Reiter: innen entfalten kann. Methodik An der Datenerhebung nahmen 609 Reiter: innen teil. Nach Exklusion unabgeschlossener Fragebögen und Teilnehmenden unter 16 Jahren ergab sich eine Stichprobengröße von n = 484. 60,7 % der Befragten waren zwischen 16 und 36 Jahre alt, 98 % weiblich, 2 % männlich. Davon sind 76 % Freizeitreiter: innen, 16 % Turnierreiter: innen (Amateur) und 4 % Berufsreiter: innen (Abbildung 1). Täglichen Kontakt mit ihren Pferden hatten 76 % der Teilnehmer: innen, ein bis dreimal Mal pro Woche immerhin noch 23 % der Befragten. Die vorliegende Untersuchung wurde als quantitative Querschnittsstudie konzipiert. Querschnittsstudien als Momentaufnahmen zu einem Zeitpunkt sind geeignet bei Forschungsinteresse an der Das Pferd kann als Interaktionspartner Stress reduzieren und positive Emotionen fördern. Freizeitreiter: innen: 75,62 % Turnierreiter: innen (Amateur): 16,12 % Turnierreiter: innen (Profi): 3,72 % Berufsreiter: innen: 1,65 % Reittrainer oder -therapeut: innen: 2,69 % Reiterlicher Status (n=484) Abb. 1 Kesselmann - Pferde als Ressource für die Resilienz von Reiter: innen mup 3|2026 | 91 aktuellen Struktur und nutzen verschiedene statistische Verfahren, wie deskriptive Statistik und Korrelationsanalysen. Zur Datenerhebung wurde ein Online-Fragebogen eingesetzt, der von den Teilnehmenden zu einem einzigen Messzeitpunkt ausgefüllt wurde. Die Befragung wurde zwischen dem 24.3.2025 und 15.4.2025 durchgeführt und über die Social- Media-Kanäle Instagram und Facebook unter Reiter: innen geteilt. Dabei wurde die Befragung gezielt über die Reitsport-Accounts von privaten und beruflichen Nutzer: innen sowie Reitvereinen verteilt, um die Repräsentativität zu erhöhen und die Selektionsverzerrung zu reduzieren. Der Fragebogen umfasste 27 Items. Im ersten Teil wurden soziodemografische Daten wie Alter und Geschlecht erfragt, der reiterliche Status (Freizeitreiter: in, Turnierreiter: in, Amateur und Berufsreiter: in), die Erfahrung als Reiter: in und im Umgang mit Pferden, die Reitdisziplin (wie Freizeitreiten, Dressur, Springen u. a.) und die Häufigkeit des Pferdekontaktes. Im zweiten Teil des Fragebogens sind Items inkludiert, die auf die Erfassung der Konstrukte Pferd als Ressource und Resilienz als psychische Widerstandskraft abzielen. Diese Items konnten auf Basis einer Siebenpunkt-Likert-Skalierung beantwortet werden. Das Konstrukt „Pferd als Ressource“ wurde durch drei selbst formulierte Items erfasst, die die emotionale Bedeutung des Pferdes als Freund und Coping Ressource abbilden: die emotionale Bindung, der Besuch des Pferdes als Art Copingstrategie bei psychischer Belastung und eine emotionale Entlastung während des Pferdekontaktes erhielten dabei Einzug in die Itemformulierung. Zur Erhebung der „Resilienz“ wurde die validierte RS-13-Skala verwendet (Leppert et al., 2008). Die erhobenen Daten wurden aufbereitet und analysiert, Häufigkeiten, Lage- und Streumaße zur Darstellung der deskriptiven Statistiken berechnet. Zur Auswertung der erhobenen Daten hinsichtlich der Forschungsfrage wurden unterschiedliche statistische Verfahren eingesetzt, um Gruppenunterschiede und Zusammenhänge zwischen den erhobenen Konstrukten zu analysieren. Die Auswahl der jeweiligen Verfahren richtete sich nach den zugrunde liegenden Skalenniveaus sowie der Erfüllung statistischer Voraussetzungen wie Varianzhomogenität, Normalverteilung und Unabhängigkeit der Beobachtungen. Für den Vergleich von Mittelwerten bei intervallskalierten und normalverteilten abhängigen Variablen mit gleichmäßiger Varianzverteilung wurde die einfaktorielle Varianzanalyse (ANOVA) verwendet. Bei Verletzung einer oder mehrerer Voraussetzungen - beispielsweise einer nicht gegebenen Normalverteilung, heterogenen Varianzen oder stark ungleich großen Gruppen - wurde auf den Kruskal-Wallis-Test als nichtparametrische Alternative zurückgegriffen. Dieses Verfahren ist robuster gegenüber Ausreißern und eignet sich insbesondere bei ordinalskalierten Daten oder kleinen Stichprobenumfängen. Zur Analyse von Zusammenhängen zwischen den erhobenen Konstrukten wurden Korrelationsanalysen durchgeführt. Der Pearson- Koeffizient wurde eingesetzt, wenn die zugrunde liegenden Skalen intervallskaliert und die Daten näherungsweise normalverteilt waren. In Fällen, in denen diese Voraussetzungen nicht erfüllt waren, wurde der Spearman-Koeffizient als robustere, nichtparametrische Alternative verwendet. Ergebnisse Repräsentativität der Stichprobe Bei 2,3 Millionen Reitern in Deutschland (FN 2019) werden circa 384 Teilnehmende benötigt, um mit 95 % Konfidenzniveau und einer Fehlertoleranz Personen, die ihr Pferd als Ressource persönlicher Stärke wahrnehmen, wiesen höhere Resilienzwerte auf. 92 | mup 3|2026 Kesselmann - Pferde als Ressource für die Resilienz von Reiter: innen von + / - 5 % repräsentative Aussagen machen zu können. Mit 484 Personen kann formal von einer repräsentativen Stichprobe ausgegangen werden. Eine gewisse Einschränkung der Repräsentativität ist durch die Online-Datenerhebung festzustellen. Weiterhin ist zu bemerken, dass insbesondere in Bezug auf das Geschlecht der Teilnehmenden ein sehr hoher Anteil an weiblichen Reiterinnen (97.9 %) vorliegt. Auch hat der Großteil der Teilnehmenden bereits mehr als 10 Jahre Erfahrung im Umgang mit Pferden (86.4 %). Dies könnte die Repräsentativität der Ergebnisse ebenfalls einschränken, da sie nicht die gesamte Zielpopulation in gleicher Weise abbildet. In der vorliegenden Untersuchung wurde analysiert, inwieweit die Art und das Ausmaß des Pferdekontaktes sich in Unterschieden im Resilienzniveau der Reiter: innen widerspiegelt. Zur Beantwortung der Forschungsfrage kamen sowohl Zusammenhangsanalysen (Korrelationen) als auch Unterschiedsanalysen (Mittelwertvergleiche) zum Einsatz. In Tabelle 1 findet sich eine Übersicht der deskriptiven Statistik. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, den Einfluss unterschiedlicher Formen und Intensitäten des Kontaktes mit Pferden auf die individuelle Resilienz der Reitenden zu analysieren. Zunächst zeigte sich hinsichtlich der Dauer der bisherigen Erfahrung mit Pferden kein signifikanter Unterschied zwischen den untersuchten Gruppen (H(3) = 1.70, p = 0.636). Auch im Hinblick auf den reiterlichen Status, differenziert nach Freizeitreiter: innen, Amateur-Turnierreiter: innen und Gruppen von Berufsreiter: innen, konnten keine signifikanten Gruppenunterschiede festgestellt werden (H(5) = 6.72, p = 0.243). Bezüglich der Häufigkeit des Pferdekontakts wurde aufgrund der geringen Fallzahl in der Kategorie „seltener als einbis zweimal pro Monat“ diese Gruppe mit den Teilnehmenden zusammengefasst, die einbis zweimal monatlich Kontakt mit Pferden haben. Auch hier ergab die Analyse keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen (H(2) = 4.13, p = 0.127). Ein anderes Bild zeigte sich jedoch bei der Einschätzung des eigenen Pferdes als persönliche Ressource (Tabelle 2). Die Überprüfung des Zusammenhangs zwischen dieser subjektiven Einstellung und der individuellen Resilienz mittels Spearman-Korrelationsanalyse ergab einen statistisch hoch signifikanten positiven Zusammenhang. Personen, die ihr Pferd in höherem Maße als Ressource persönlicher Stärke wahrnahmen, wiesen signifikant höhere Resilienzwerte auf (Spearman’s rho = 0.293, p < 0.001). Tabelle 1: Übersicht der deskriptiven Statistik Konstrukt N Mdn M SD min max Resilienz 484 5.62 5,54 ,74 2,00 7,00 *Pferd als Ressource 484 6,33 6,20 ,77 3,00 7,00 M = Mittelwert; SD = Standardabweichung; Md = Median *Diese Konstrukte und Items wurden in der anschließenden statistischen Analyse als ordinal skaliert behandelt. Tabelle 2: Ergebnisse der Korrelationsanalyse Pferd als Ressource und Resilienz Spearman’s rho rs p Pferd als Ressource 0.293 < 0.001 Kesselmann - Pferde als Ressource für die Resilienz von Reiter: innen mup 3|2026 | 93 Diskussion Die positiven Effekte von Pferden auf Selbstwert und Selbstwirksamkeit, v. a. im therapeutischen oder zunehmend auch Coaching-Kontext, sind nachgewiesen (Schütz 2019). Inwieweit allerdings Reiter: innen ihre Pferde selbst als Ressource und wirksame Copingstrategie zur Bewältigung von Stressoren nutzen, ist bislang kaum untersucht worden. In der vorliegenden Untersuchung geben die Reiter: innen, die ihr Pferd als besten Freund und Kraftquelle wahrnehmen, höhere Resilienzwerte an als die übrigen. Die vorliegende Arbeit gibt erste Hinweise, dass die Überzeugung, das Pferd sei eine persönliche Ressource, mit einer höheren Ausprägung der Resilienz verbunden sein könnte. Die aktuelle Studie unterstreicht somit die Bedeutung des Pferdes als wertvolle Ressource und Copingstrategie und dessen positiven Zusammenhang mit der Resilienz der Reitenden. Kein Einfluss auf die Resilienz konnte hingegen für die Dauer und Häufigkeit des Pferdekontakts sowie des Kontextes (beruflich oder im Hobbybereich) gefunden werden. Entscheidend ist somit vielmehr, dass das Pferd als Ressource wahrgenommen wird, wodurch die subjektbezogene Perspektive auf das Tier eine zentrale Rolle einnimmt. Bisherige Studien zeigen, dass Interaktionen mit Tieren, insbesondere Pferden, emotionale Regulation, Selbstwirksamkeit und Stressabbau fördern können (vgl. Schütz 2022; Charry-Sánchez 2018). Darüber hinaus können eine starke Bindung Zugehörigkeit und Vertrauen fördern, was die Resilienz erhöht (Fröhlich-Gildhoff 2022). Die Wahrnehmung des Pferdes als Kraftquelle könnte darüber hinaus das Gefühl erhöhen, autonom handeln zu können, was wiederum die Resilienz stärken kann (Obermeier 2024). Limitationen Querschnittliche Studiendesigns ermöglichen die Identifikation von Zusammenhängen zwischen Variablen, liefern jedoch keine Informationen zur zeitlichen Entwicklung oder Veränderung dieser Zusammenhänge. Darüber hinaus geben Korrelationen zwar die Stärke und Richtung von Beziehungen an, können jedoch kausale Verläufe oder Mechanismen nicht belegen. Potentielle Bias-Risiken sind die Anfälligkeit für Stichprobenfehler und Erinnerungsverzerrungen, was die Validität der Messwerte beeinträchtigen kann. Fazit Um das Potenzial der Effekte von Pferden auf die Resilienz der Reiter: innen zu nutzen, scheint die individuelle Bewertung des Stellenwerts des Pferdes im persönlichen Lebenskontext eine zentrale Rolle einzunehmen. Während die positiven Wirkungen von Pferden im therapeutischen Bereich lange bekannt sind und zum Einsatz kommen, sind diese außerhalb professioneller Settings noch weitestgehend unbekannt und könnten bewusster genutzt werden. Vor diesem Hintergrund bieten sich gezielte Sensibilisierungsimpulse und die Integration des Themas in reguläre Fort- und Ausbildungen an, um Reitende dabei zu unterstützen, den Stellenwert ihrer Pferde als Ressource bewusster wahrzunehmen und eine partnerschaftliche Beziehung zu fördern. Literatur ■ Beck, R. (2024): Forum / Praxistip: Resilienz durch Körperarbeit mit und auf dem Pferd. In: mensch & pferd international, 15 (1) ■ Block, H. J., Block, J. (1980): The role of egocontrol and ego-resiliency in the organization of behaviour. In W. A. Collins (Ed.). Development of cognition, affect and social relations: The Minnesota symposia on child psychology, 13, 39102 ■ Bober, Lucia (1.4.2023): Fachbeitrag: Positive (Ver-)Stärkung für die Seele. In: mensch & pferd international, 15 (2). ■ Bowlby, J. (1995): Bindung: Historische Wurzeln, theoretische Konzepte und klinische Relevanz. In: Spangler, G. / Zimmermann, P. (Hrsg.): Die Bindungstheorie. 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Springer, Berlin, Heidelberg. https: / / doi. org/ 10.1007/ 978-3-662-64510-9_3 ■ Wagnild, G. M., Young, H. M. (1993): Development and psychometric evaluation of the resilience scale. Journal of Nursing Measurement. Vol. 1 (2), 165-78 ■ Welter-Enderlin, R., Hildenbrand, B. (2006): Resilienz - Gedeihen trotz widriger Umstände. Carl-Auer Verlag ■ Werner, E. E. (2011): Risiko und Resilienz im Leben von Kindern aus multiethnischen Familien. In: Zander, M. (eds) Handbuch Resilienzförderung. VS Verlag für Sozialwissenschaften. https: / / doi. org / 10.1007 / 978-3-531-92775-6_2 ■ Wunsch, A. (2018): Welche Faktoren fördern bzw. behindern die Entwicklung von Resilienz? In: Mit mehr Selbst zum stabilen ICH! . Springer, Berlin, Heidelberg. https: / / doi. org / 10.1007 / 978-3-662-56130-0_3 ■ Wustmann, C. (2004): Resilienz: Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern. Beiträge zur Bildungsqualität, hrsg. von W. E. Fthenakis. Beltz, Weinheim, Basel ■ Wustmann, C. 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