mensch & pferd international
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Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Recht & Sicherheit: Präventionskonzept gegen sexualisierte Gewalt im Pferdesport " ein Leitfaden für Vereine, Betriebe und Trainer:innen
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Tobias Hederer
Sexualisierte Gewalt ist ein Thema, das niemand gern anspricht – und doch ist es essenziell, gerade im Pferdesport aktiv hinzusehen. Denn hier treffen häufig junge Menschen, Vertrauenspersonen und körpernahe Situationen aufeinander. Der Pferdesport bietet Kindern und Jugendlichen wertvolle Entwicklungschancen, aber nur dann, wenn er ein sicherer Raum bleibt. Ein professionelles Präventionskonzept schützt nicht nur Betroffene, sondern auch Vereine, Reitbetriebe und Trainer:innen. Dieser Artikel zeigt, wie ein wirksames Schutzsystem aussehen kann.
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mup 3|2026|117-119|© Ernst Reinhardt Verlag, DOI 10.2378 / mup2026.art17d | 117 Tobias Hederer Recht & Sicherheit Präventionskonzept gegen sexualisierte Gewalt im Pferdesport - ein Leitfaden für Vereine, Betriebe und Trainer: innen Sexualisierte Gewalt ist ein Thema, das niemand gern anspricht - und doch ist es essenziell, gerade im Pferdesport aktiv hinzusehen. Denn hier treffen häufig junge Menschen, Vertrauenspersonen und körpernahe Situationen aufeinander. Der Pferdesport bietet Kindern und Jugendlichen wertvolle Entwicklungschancen, aber nur dann, wenn er ein sicherer Raum bleibt. Ein professionelles Präventionskonzept schützt nicht nur Betroffene, sondern auch Vereine, Reitbetriebe und Trainer: innen. Dieser Artikel zeigt, wie ein wirksames Schutzsystem aussehen kann. Warum Prävention im Pferdesport besonders wichtig ist Pferdesport findet oft in emotional aufgeladenen Umgebungen statt: Vertrauen zwischen Mensch und Tier, körperliche Nähe beim Unterricht, lange Zeiträume ohne direkte Aufsicht (Putzen, Führen, gemeinsames Ausreiten). Zudem sind Reitbetriebe meist familiär organisiert - klare Strukturen fehlen häufig. Diese Faktoren begünstigen Nähe und Bindung, können aber ebenso missbraucht werden. Präventionsarbeit setzt daher nicht bei Misstrauen an, sondern bei Klarheit, Transparenz und professionellen Standards. Elemente eines wirksamen Präventionskonzepts 1. Verhaltenskodex für alle Beteiligten Ein schriftlicher Kodex definiert klare Regeln und Grenzen für den Umgang miteinander: ■ respektvolle Sprache und Körperkontakt nur im notwendigen Rahmen, ■ kein Alleinsein mit Minderjährigen in abgeschlossenen Räumen, ■ professionelle Distanz auch außerhalb des Reitbetriebs (z. B. Social Media), ■ Transparenz bei Trainingssituationen. Der Kodex wird von Trainer: innen, Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und - altersgerecht - auch von Jugendlichen unterschrieben. 2. Schulungen und Sensibilisierung Regelmäßige Fortbildungen fördern Aufmerksamkeit und Handlungssicherheit: ■ Erkennen von Warnzeichen, ■ Umgang mit Grenzverletzungen, ■ Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen, ■ Verhalten bei Verdachtsfällen. Schulung ist keine einmalige Aufgabe, sondern ein kontinuierlicher Prozess. 3. Klare Strukturen und Verantwortlichkeiten Ein funktionierendes Schutzkonzept braucht feste Ansprechpartner: innen: ■ Präventionsbeauftragte: r im Verein oder Stall, 118 | mup 3|2026 Recht & Sicherheit : Hederer - Präventionskonzept gegen sexualisierte Gewalt im Pferdesport ■ externe Meldewege (z. B. Beratungsstellen), ■ klare interne Abläufe bei Meldungen. Diese Transparenz schützt sowohl potenzielle Betroffene als auch Trainer: innen vor falschen Verdächtigungen. 4. Sicherer Unterrichts- und Stallalltag Alltagsregeln reduzieren Risiken: ■ Türen möglichst offen lassen, ■ Unterricht wird sichtbar durchgeführt, ■ keine privaten Treffen zwischen Trainer: innen und Minderjährigen, ■ Begleitung von Ausritten durch mehrere Aufsichtspersonen, ■ Eltern dürfen jederzeit zusehen. Auch bauliche Aspekte wie beleuchtete Wege, offene Sattelkammern oder einsehbare Bürobereiche tragen zur Sicherheit bei. 5. Prävention im digitalen Raum Soziale Medien sind im Pferdesport präsent, daher sind klare Richtlinien notwendig: ■ keine privaten Chats zwischen Trainer: innen und Minderjährigen, ■ Kommunikation nur über offizielle Kanäle, ■ keine Weitergabe privater Fotos, ■ sensibler Umgang mit Turnier- und Stallbildern. Digitale Nähe darf nicht zur kritischen Grauzone werden. 6. Beschwerde- und Meldesysteme Kinder und Jugendliche benötigen sichere Möglichkeiten, um Probleme anzusprechen: ■ niedrigschwellige Kontaktmöglichkeiten, ■ regelmäßige Feedbackgespräche, ■ externe Beratungsstellen sichtbar aushängen. Vertrauensvolle Kommunikation ist der Kern jeder Prävention. 7. Schutzmaßnahmen bei neuen Mitarbeitenden Standardisierte Abläufe bei der Personalauswahl: ■ erweiterte Führungszeugnisse für alle, die mit Minderjährigen arbeiten, ■ persönliche Gespräche mit klarem Fokus auf Haltung und Werte, ■ Probezeit mit fachlicher und sozialer Beobachtung. 8. Notfall- und Interventionsplan Wenn ein Verdacht entsteht, muss jeder Schritt klar sein: ■ Schutz der betroffenen Person hat oberste Priorität, ■ Dokumentation der Vorfälle, ■ Einbindung externer Fachstellen, ■ klare interne Kommunikation. Ein Interventionsplan schafft Sicherheit und verhindert Fehlentscheidungen aus Überforderung. Prävention braucht Menschen mit Haltung Ein Präventionskonzept ist mehr als ein Ordner im Vereinsbüro - es ist eine Haltung. Ein Stall, der aktiv hinsieht, klare Regeln hat und offen kommuniziert, schafft eine Atmosphäre, in der Kinder und Jugendliche sich sicher fühlen und wachsen können. Pferdesport lebt von Vertrauen - zwischen Mensch und Tier, aber auch zwischen den Menschen untereinander. Dieses Vertrauen verdient professionellen Schutz. Recht & Sicherheit : Hederer - Präventionskonzept gegen sexualisierte Gewalt im Pferdesport mup 3|2026 | 119 „Prävention beginnt im Alltag.“ Ein Blick aus der Praxis Für diesen Artikel wurde Tobias Hederer (31) interviewt, ausgebildeter Pferdewirt, der sich intensiv mit dem Thema Prävention im Pferdesport auseinandergesetzt und ein entsprechendes Präventionsseminar erfolgreich abgeschlossen hat. „Im Pferdesport entstehen schnell enge Vertrauensverhältnisse - das ist etwas Positives, bringt aber auch Verantwortung mit sich. Prävention heißt nicht Misstrauen, sondern klare Regeln, Offenheit und ein gemeinsames Verständnis dafür, wo Grenzen liegen.“ Im Gespräch wird deutlich, wie sehr ihn das Thema persönlich betrifft. Als männliche Fachkraft im überwiegend weiblich geprägten Pferdesport ist er sich der Vorurteile und Unsicherheiten mancher Eltern bewusst. „Gerade als Mann arbeite ich unter besonderer Beobachtung. Viele Eltern haben Vorbehalte, wenn ein männlicher Trainer mit ihren Töchtern arbeitet - das spürt man. Umso wichtiger sind klare Strukturen und Transparenz. Sie geben allen Beteiligten Sicherheit und zeigen, dass Professionalität im Mittelpunkt steht.“ Trotz dieser Herausforderungen beschreibt er die Möglichkeit, sich zu qualifizieren und Teil eines Präventionskonzepts zu werden, als sehr besondere Erfahrung: „Für mich war es ein unglaublich gutes Gefühl, mich offiziell weiterzubilden und die Verantwortung eines qualifizierten Ansprechpartners übernehmen zu dürfen. Das Vertrauen, das mir deshalb entgegengebracht wird, ist für mich etwas sehr Wertvolles.“ Weiterführende Literatur ■ https: / / www.pferd-aktuell.de / deutschereiterliche-vereinigung / verbandspositionen / schutz-vor-sexualisierter-gewalt/ schutzvor-sexualisierter-gewalt 09.03.2026 ■ https: / / www.pferdesportwestfalen.de / wirsind-westfalen / positionen / praevention-sexualisierte-gewalt 09.03.2026 Der Autor Tobias Hederer ist ausgebildeter Pferdewirt in Haltung und Service und bereits von Kindesbeinen an mit Pferden verbunden. Seit 2013 ist Tobias hauptberuflich im Pferdebereich tätig. Mit diesem Bericht setzt er sich für mehr Sensibilisierung, Aufklärung und Prävention sexualisierter Gewalt im Pferdesport ein. Kontakt Hederertobias@web.de
