mensch & pferd international
2
1867-6456
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mup2026.art20d
2_018_2026_4/2_018_2026_4.pdf101
2026
184
Forum: Professionalisierung in der Reittherapie
101
2026
Sabine Dell’mour
Es ist unbestritten, dass professionelle reittherapeutische Arbeit nicht nur Dokumentationspflichten zu erfüllen hat. Es bedarf auch einer entsprechenden Planung und letztlich einer Evaluierung, um mögliche Adaptierungen vornehmen zu können.
2_018_2026_4_0004
mup 4|2026|143-150|© Ernst Reinhardt Verlag, DOI 10.2378 / mup2026.art20d | 143 Sabine Dell’mour Forum Professionalisierung in der Reittherapie Der Pflegeprozess als nutzbares Strukturmodell? Es ist unbestritten, dass professionelle reittherapeutische Arbeit nicht nur Dokumentationspflichten zu erfüllen hat. Es bedarf auch einer entsprechenden Planung und letztlich einer Evaluierung, um mögliche Adaptierungen vornehmen zu können. Die Fülle der pferdegestützten Maßnahmen mit ihren unterschiedlichen Zugängen hinsichtlich der Lehrvermittlung - Zusatzqualifikationen, Ausbildungen, Weiterbildungen - über unterschiedliche Organisationen, wie Vereine und wenige universitäre, bzw. über das Hochschulgesetz geregelte, verlassen sich hauptsächlich auf die in den jeweiligen Grundberufen erlernten Strukturen, die dann auf die Arbeit mit dem Pferd übertragen werden sollen. Almasloukh und Fahs (2020, 5 ff) haben hierzu ein Review verfasst und insgesamt 52 wissenschaftliche Artikel bezüglich pferdebezogener Therapien im englischen Raum erfasst. Sie stellen fest, dass es sowohl in der Literatur sehr vielfältige Begriffe für den zielgerichteten Einsatz von Pferden gibt, als auch die unterschiedlichen Organisationen sehr unterschiedliche Herangehensweisen sowohl hinsichtlich der Lehrvermittlung als auch hinsichtlich der Einsatzbereiche von Pferden haben. Sie beurteilen den wissenschaftlichen Wert der Untersuchungen und Studien über eine Einteilung in die Evidenzklassen. Die meisten werden in den niedrigen Klassen verortet. Als möglicher Grund wird die geringe Stichprobengröße angegeben. In der Hippotherapie konnten die qualitativ hochwertigsten Studien aufgefunden werden. Als Lösungsansatz sehen sie das Heranziehen deutlich größerer Stichproben, aber auch das Hinterlegen von klar definierter Theorie. Sie empfehlen daher eine Anlehnung an Modelle für Dienste der gehobenen Gesundheits- und Krankenpflege, wie beispielsweise das Adaptionsmodell von Callista Roy (Almasloukh / Fahs 2020, 12). Wenn der Ansatz, Modelle aus der Pflege in reittherapeutischen Prozessen zum Einsatz kommen zu lassen, weiterverfolgt werden will, muss der Pflegeprozess bzw. die Pflegediagnosen selbst ins Auge gefasst werden. Pflegediagnosen - ein Meilenstein in der Gesundheits- und Krankenpflege Anfang der 1970er-Jahre entstand durch die Zusammenarbeit vieler Expertinnen und erfahrener Pflegepersonen die North American Nursing Diagnosis Association, kurz NANDA. 1973 wurde die erste Konferenz abgehalten, um die bis dahin vorliegenden Daten und Informationen auszutauschen. Um eine Terminologie und internationale Taxonomie für Pflegediagnosen (PD) zu entwickeln, wurden die am häufigsten auftretenden Pflegeprobleme ermittelt. Das von den Leidenszuständen der Menschen ausgegangen wird, war damals eine Innovation (Doenges et al. 2002, 7). Die Einschätzung der Patienten selbst bildet somit die Grundlage, um pflegerische Schritte einzuleiten und die Planungen zu erstellen. Es wird direkt vom Menschen ausgegangen 144 | mup 4|2026 Forum: Dell’mour - Professionalisierung in der Reittherapie und nicht über den Umweg medizinischer Diagnosen, Symptome oder Untersuchungsergebnisse (Doenges et al. 2002, 27). Diese stehen zwar im Hintergrund, aber Ausgangspunkt pflegerischer Planung und durchgeführter Maßnahmen ist der Patient selbst. Die NANDA-Pflegediagnosen werden von Zeit zu Zeit in Buchform veröffentlicht. Weltweit gilt die Aufforderung, dass jede Anwenderin und jeder Anwender Erfahrungen und Einsichten der NANDA mittteilen soll (Doenges et al. 2002, 16 f). Diese große Datenmenge kann nur erahnt werden! In der aktuellen deutschen Ausgabe werden 267 Pflegediagnosen beschrieben. Darunter fallen allgemeine Definitionen, Merkmale sowie Einfluss- und Risikofaktoren, um den Pflegebedarf jedes einzelnen Menschen individuell einschätzen zu können (Doenges et al. 2024, 24 f). Es werden vier Kategorien der Pflegediagnosen (PD) unterschieden: Problembezogene PD, Risiko-PD, Syndrom-PD und Gesundheitsförderungs-PD (Doenges et al. 2024, 94 f). Der jeweilige Einsatz der Pflegediagnosen unterliegt immer einer sogenannten PES-R-Struktur. P steht für Problem, bedingt durch (b / d) folgende Einflussfaktoren (E) / Ursachen angezeigt durch (a / d) Symptome (S). R steht für mögliche Risikofaktoren. Ein Problem XY wird beeinflusst durch (b / d) folgende Faktoren und ist angezeigt durch (a / d) folgende Symptome (S). Mögliche Risikofaktoren für eventuelle Maßnahmen werden erfasst (Doenges et al. 2002, 60). Um dies noch etwas anschaulicher einsehen zu können, beachten Sie den Infokasten unten. Das PES-R-Format kommt je Kategorie unterschiedlich zum Einsatz. Für eine mögliche Übertragbarkeit in reittherapeutische Prozesse und zur Anregung von Diskussionen sollen alle vier Kategorien diesbezüglich aufgezeigt werden. Welches Format ließe sich nun für die Reittherapie am besten übertragen? Oder sollten neue Strukturen entwickelt werden? Oder können alle vier je nach Zielsetzung angewandt werden? P = Problem Welches pflegerische Problem liegt vor? Beispiel: „Beeinträchtigte Mobilität“ E = Einflussfaktoren / Ursachen (Ätiologie) Wodurch wird das Problem verursacht oder begünstigt? Wird mit „bedingt durch (b / d)“ eingeleitet. Beispiel: „bedingt durch Schmerzen nach einer Hüftoperation“ S = Symptome Woran erkennt man das Problem? Wird mit „angezeigt durch (a / d)“ eingeleitet. Beispiel: „angezeigt durch unsicheren Gang, eingeschränkte Gehstrecke und Schmerzen bei Bewegung“ R = Risikofaktoren Welche Gefahren oder Risiken bestehen zusätzlich? Diese helfen bei der Planung vorbeugender Maßnahmen. Beispiel: „Risiko für Stürze aufgrund der eingeschränkten Mobilität“ Zusammengefasst: P: Beeinträchtigte Mobilität E: bedingt durch postoperative Schmerzen nach Hüftoperation S: angezeigt durch unsicheren Gang, verminderte Gehstrecke und Bewegungsvermeidung R: erhöhtes Sturzrisiko Veranschaulichung von PES-R anhand eines Beispiels Forum: Dell’mour - Professionalisierung in der Reittherapie mup 4|2026 | 145 Art der Pflegediagnose Fragestellung Format Bestandteile Problembezogene Pflegediagnose Was hat der / die Klient: in? Warum tritt das Problem auf? Woran ist es erkennbar? PES P = Problem, E = Einflussfaktoren / Ursachen, S = Symptome / Merkmale Risikopflegediagnose Welches Problem könnte entstehen? Warum besteht das Risiko? PR P = Risiko-Problem, R = Risikofaktoren Syndrompflegediagnose Welche Pflegediagnosen lassen sich aufgrund einer gemeinsamen Ursache zusammenfassen? PES oder PR Problemtitel enthält bereits die gemeinsame Ursache (z. B. Risiko eines Inaktivitätssyndroms). Einzelne Diagnosen werden zusätzlich aufgeführt, wenn unterschiedliche Maßnahmen erforderlich sind. Gesundheitsförderungsdiagnose Welche Fähigkeiten oder Ressourcen möchte der / die Klient: in weiterentwickeln? Woran ist die Bereitschaft erkennbar? GS G = Bereitschaft für ein verbessertes…, S = Symptome / Merkmale, die die Bereitschaft zeigen Tabelle 1: PES-R-Format am Beispiel unterschiedlicher Pflegediagnosen (PD) (Doenges 2024, 99) Abb. 1: Versuch einer Annäherung an NANDA-Pflegediagnosen in der Reittherapie: Beeinträchtigung der verbalen Kommunikation (alle Abb.: Sabine Dell’mour, Unterlungitz) Abbildung 1 zeigt den Versuch einer Annäherung an NANDA Pflegediagnose (PD): Beeinträchtigte verbale Kommunikation P (Problem) - Beeinträchtigte verbale Kommunikation E (Einflussfaktoren / Ursachen) - Kognitive Dysfunktion, Geringes Selbstwertgefühl S (Symptome / bestimmende Merkmale) - Verringerte Bereitschaft zur Teilnahme an sozialen Interaktionen Ziele - Der Klient nimmt zunehmend aktiv an sozialen Interaktionen teil; der Klient erlebt Freude an sozialen Kontakten; der Klient entwickelt ein positives Selbstwertgefühl; der Klient kommuniziert im Umgang mit Gleichaltrigen zunehmend sicherer. Maßnahmen - Positive gemeinsame Erlebnisse mit dem Pferd in der Gruppe ermöglichen; Teamaufgaben 146 | mup 4|2026 Forum: Dell’mour - Professionalisierung in der Reittherapie Die sechs Elemente von Pflegeprozessen Pflegeprozesse stellen die Basis zielgerichteter, strukturierter und überprüfbarer Elemente von Pflege dar. Sie dienen der Qualitätssicherung. Ein Pflegeprozess gliedert sich in sechs Bereiche, die jeweils dokumentiert werden. Assessment und Aufbau einer professionellen Beziehung Basis gelungener Pflege ist das Vertrauen zwischen Patient: in und den Angehörigen. In weiterer Folge steht die Anamnese am Beginn jedes Pflegeprozesses. Hier werden Informationen über die Person gesammelt. Diese Informationen entstammen einem Erstgespräch, bei dem auch die Informationen von Angehörigen Beachtung finden. Teil der Anamnese sind auch Beobachtungen und Untersuchungen (Doenges et. al. 2024, 99; Wiederhold / Villwock, 2007). Ebenso wichtige Informationen bieten Gespräche mit anderen Berufsgruppen. Dazu zählen auch schriftliche Berichte und Dokumentationen. Damit diese Informationen nicht verloren gehen, werden sie notiert. Dazu dienen Anamnesebögen oder Formblätter. Pflegediagnose Die Pflegediagnostik dient dazu, pflegerelevante Aspekte der gesammelten Informationen zu isolieren. Dabei stehen sowohl die Probleme als auch die Ressourcen im Vordergrund. Was kann selbständig gemacht werden, was kann gut gemacht werden? Aber auch Fragen der Motivation sind wichtig mit dem Fokus, was Erleichterung schaffen kann (Wiederhold & Villwock, 2007). Hierbei kann die NANDA-Pflegediagnose-Taxonomie hilfreich sein. In der Auseinandersetzung damit kommt, wie bereits angeführt, das PES-R-Format zur Anwendung. Auf Basis der NANDA-PD können anfängliche Verdachtsdiagnosen auf ihre Gültigkeit überprüft werden. Je nach Patienteninformation und nach Abgleich mit vorhandenen Daten können die passenden PD gesucht werden. Einflussfaktoren und Risikofaktoren können erkannt und gegebenenfalls auch verworfen werden. Mit Hilfe von NANDA können diagnostische Aussagen formuliert und nach Wichtigkeit geordnet werden (Doenges et.al. 2024, 99). Aus dieser Auseinandersetzung ergeben sich die Pflegeziele. Pflegeziele Anamnese und Diagnose ermöglichen ein umfassendes Bild des Menschen. Dadurch kann der Ist-Zustand beschrieben werden. Davon ausgehend werden Soll-Zustände als Zielformulierung festgelegt. Es werden Nah- und Fernziele formuliert. Diese Ziele sollen realistisch und positiv formuliert sein. Es geht darum, was erreicht werden kann und was nicht, was Abb. 2: Pflegeprozess (Wiederhold, 2007) Forum: Dell’mour - Professionalisierung in der Reittherapie mup 4|2026 | 147 vermieden werden soll. Die zeitliche Dimension darf dabei nicht vergessen werden. Die Pflegeziele sollen im Allgemeinen den betroffenen Personen bekannt sein und transparent gemacht werden (Wiederhold / Villwock, 2007). Maßnahmen planen und durchführen Das Planen der Maßnahmen stellt die eigentliche Pflegeplanung dar. Im Planungsprozess werden das Fachwissen, aber auch hausinterne Handlungsanweisungen, Richtlinien und Standards genützt. Weiterbildung über das Studium von Fachliteratur ist erwünscht. Es ist wichtig, auf dem Laufenden zu sein und die Pflegenden nach möglichst aktuellen Kennnissen zu unterstützen. Folgende Fragestellungen markieren die Pflegeplanung: Welche Maßnahme wird durchgeführt? Wie wird sie durchgeführt? Wer führt sie aus? Wie oft und wann erfolgt die Maßnahme und letztlich: Womit wird die Pflegemaßnahme durchgeführt? In der Pflegeplanung drückt sich das professionelle Handeln im Unterschied zur Laienpflege aus. Das Durchführen der geplanten Maßnahme ist jedoch kein starrer Handlungskreis. Es soll situativ entschieden werden, welcher Schritt als nächstes gesetzt wird. Je nach Reaktion der Pflegebedürftigen werden weitere Maßnahmen angepasst und neuerlich überprüft. Es entsteht eine Interpretations- und Handlungsspirale. Letztlich müssen die gesetzten Maßnahmen hinsichtlich der formulierten Ziele überprüft werden. Konnte ein Ziel nicht erreicht werden, muss überprüft werden, ob es eventuell unrealistisch war. Wenn Ziele erreicht wurden, muss überlegt werden, ob neue Ziele formuliert werden sollen. Der Pflegeprozess beginnt von vorn (Wiederhold / Villwock, 2007). Um treffsichere Diagnosen finden zu können, unterstützt eine thematische Gliederung die Wahrscheinlichkeit. Diese werden in 13 Problem- Abb. 3: Pflegediagnose: Beeinträchtigte Gehfähigkeit - Die Haflingerstute muntert auf: „Komm doch, gehen wir ein Stück gemeinsam! “ Abb. 3: Pflegediagnose (PD): Beeinträchtigte Gehfähigkeit P (Problem) - Beeinträchtigte Gehfähigkeit E (Einflussfaktoren) - Schmerzen S (Bestimmende Merkmale) - Schwierigkeiten beim Gehen einer erforderlichen Strecke Ziele: Die Klientin ist in der Lage, sich nach Bedarf oder wie gewünscht in den Grenzen ihrer Fähigkeiten oder mit geeigneten Hilfen zu bewegen Maßnahmen - Kurze Streckenbewältigung mit dem Pferd, Ermunterung zur Teilnahme längere Strecken gemeinsam mit dem Pferd zu bewältigen 148 | mup 4|2026 Forum: Dell’mour - Professionalisierung in der Reittherapie komplexe unterteilt, die ihrerseits in weitere Unterthemen aufgeteilt sind. Die Ergebnisse aus den Angaben der jeweiligen Klient: innen mitsamt den Beobachtungen der Pflegenden und Informationen aus der Krankengeschichte führen zu den PD. Ein erster Pflegeplan kann erstellt werden. Dieser sieht vor, PD nach ihrer Wichtigkeit im bereits beschriebenen PES-R-Format zu formulieren. Ein Musterpflegeplan kann erstellt werden. Dieser beinhaltet klare Zielformulierungen und Angabe der Maßnahmen samt Begründungen für die Maßnahme. Evaluation und Überprüfung Die Überprüfung der Ergebnisse ist eine unverzichtbare Vorgehensweise professioneller Pflege. Konnten die vorgenommenen Maßnahmen zur Verwirklichung gewählter Ziele beitragen? Konnten die Ziele nicht erreicht werden, müssen mögliche Gründe dafür gesucht werden. Adaptierungen können und müssen erfolgen. Beispielsweise kann ein Ziel fälschlicherweise als realistisch eingestuft worden sein. Nun muss es durch ein tatsächlich realistisches ersetzt werden. Konnten Ziele erreicht werden, erfolgt die nächste Überlegung, ob weiterreichende Ziele angestrebt werden sollen (Wiederhold / Villwock, 2007). Diskussion und Anregung Die Anwendung der Pflegediagnosen nach NANDA erfordert umfassendes Wissen und die Fähigkeit, das umfangreiche System korrekt einzusetzen. Dies ist bei Pflegekräften des gehobenen Gesundheits- und Krankheitsdienstes vorbehalten. Die Grundidee der pflegewissenschaftlichen Organisation NANDA, ein einheitliches System zu schaffen, kann für die reittherapeutische Community durchaus als vorbildhaft gesehen werden. Deren Ziel ist die Vereinheitlichung der pflegediagnostischen Terminologie und die Klassifizierung von Pflegediagnosen, um die Dokumentation zu vereinfachen und die Pflegeprozesse verbessern zu können. Die weltweite Sammlung von Daten ermöglicht statistisch auswertbare Ergebnisse. NANDA leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Pflegeforschung. Erfreulicherweise gibt es Organisationen, wie die IAHAIO (International Association of Human- Animal Interaction) und die PATH Intl. (Professional Association of Therapeutic Horsemanship International) sowie die Equine-Assisted Groth and Learning Association (EAGALA), die sich der Erforschung und Professionalisierung widmen. Auch Universitäten und Hochschulen leisten einen wichtigen Beitrag zur Forschung und Professionalisierung im Bereich der Reittherapie. Ein zentrales und wünschenswertes Ziel wäre die Bildung von Netzwerken zwischen allen Organisationen sowie der vertiefende Austausch untereinander. Thematische Gliederung der Pflegediagnosen nach Doenges ohne Unterthemen (Doenges et al. 2024, 59 ff) Aktivität und Ruhe Kreislauf Integrität der Person Ausscheidung Ernährung / Flüssigkeit Körperpflege / Selbstversorgung Wahrnehmung / Kommunikation Schmerz / Wohlbefinden Atmung Sicherheit Sexualität Soziale Interaktion Lehren und Lernen Forum: Dell’mour - Professionalisierung in der Reittherapie mup 4|2026 | 149 Pflegeassessment für die psychiatrische Pflege (Doenges, Moorhouse, & Geissler-Murr, 2002, S. 39-41)) Im Folgenden wird ein kurzer (nur bruchstückhafter) Auszug eines Pflegeassessements für die psychiatrische Pflege vorgestellt, das zur strukturierten Erhebung des psychischen Zustands einer Person dient. Dies soll als Anregung dienen zu hinterfragen, ob es Punkte / Aspekte gibt, die auch in der Reittherapie genutzt werden könnten. Alle Angaben werden aus subjektiver (Klient: innensicht) sowie auch objektiver (Pfleger: innen- Sicht) erhoben. 1. Integrität der Person - Subjektiv (Angaben der Person) Persönlichkeit und Selbstbild z. B.: Was denken Sie über Ihren Körper? z. B.: Wie hoch würden Sie Ihr Selbstwertgefühl einschätzen? (1- 10, 10 = sehr hoch) Stimmung und Gefühle z. B.: Apathie z. B.: Stimmungsschwankungen z. B.: Sind Sie ein nervöser Mensch? Stress und Belastungen z. B.: Finanzielle Sorgen Soziale und persönliche Situation z. B.: Familienstand Kulturelle Faktoren z. B.: Religiöse Praxis Lebensstil z. B.: Kürzliche Veränderungen Gefühle z. B.: Gefühl der Hilflosigkeit 1. Integrität der Person - Objektiv (Beobachtungen der Pflegenden / pflegerelevante Informationen aus der Krankengeschichte) Emotionaler Zustand (Überprüfen des Zutreffenden) z. B.: Kooperativ z.B: Wütend / feindselig Abwehrmechanismen z. B.: Projektion z. B.: Verleugnung z. B.: Somatisierung Verhalten z. B.: Konsistenz des Verhaltens z. B.: Verbal z. B.: Beobachtete physiologische Reaktion 2. Wahrnehmung / Kommunikation Subjektiv - (Angaben der Person) Wahrnehmung z. B.: Traumähnliche Zustände z. B.: Schlafwandeln Kognitive Fähigkeiten z. B.: Fähigkeit, Anweisungen zu folgen Neurologische Beschwerden z. B.: Ohnmachtsanfälle / Schwindel 2. Wahrnehmung und Kommunikation - Objektiv (Beobachtungen der Pflegenden / pflegerelevante Informationen aus der Krankengeschichte) Geistiger Zustand (notierte Dauer) z. B.: Orientierung / Desorientierung Bewusstseinslage (Zutreffendes bitte überprüfen) z. B.: Wach z. B.: Schläfrig z. B.: Halluzinationen Gedächtnis z. B.: Kurzzeitgedächtnis Denkprozesse (eingeschätzt über sprachliche Äußerungen) z. B.: Sprechmuster (spontan, plötzliche Pausen) z. B.: Illusionäre Vorstellungen Stimmung z. B.: Affekte z. B.: Intensität Bandbreite Kognitive Fähigkeiten z. B.: Einsichtsfähigkeit z. B.: Urteilsfähigkeit Körperliche Befunde z. B.: Brille z. B.: Hörhilfe z. B.: Körperhaltung 150 | mup 4|2026 Forum: Dell’mour - Professionalisierung in der Reittherapie Literatur ■ Almasloukh, K. B. & Fahs, P. S. (2020): Are Nurses Joining the Ride? Equine-Assisted Activities and Therapies Review. People and Animals: The International Journal of Research and Practice, 3(1) ■ Doenges, M. E., Moorhouse, M. F. & Geissler- Murr, A. C. (2002): Pflegediagnosen und Maßnahmen (3.Ausg.). Hans Huber, Bern ■ Doenges, M. E., Moorhouse, M. F. & Geissler- Murr, A. C. (2024): Pflegediagnosen und Pflegemaßnahmen (7. Ausg.). Hogrefe, Göttingen ■ Wiederhold, D. (2007): Checklisten AEDL. Elsevier, Münschen Die Autorin Sabine Dell’mour (M. Sc.) betreibt in der Steiermark (Österreich) eine reittherapeutische Praxis. Sie entwickelt Methoden für Reitpädagogik und Reittherapie und lehrt an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien und anderen Bildungseinrichtungen im In- und Ausland. Kontakt office@reitpaedagogik.at Weiterführende Internetquellen www. reitpaedagogik.at · www.reitpaedagogikdellmour.de www.haup.ac.at/ hochschullehrgang-hips-reittherapieheilsames-intuitives-pferdesetting/ Fröhlich rätseln mit Hund, Katze, Maus Redewendungen rund ums liebe Vieh eignen sich gut, um Erinnerungen zu wecken. Für Ältere und Hochbetagte spielten Haus-, Hof- und Waldtiere oft eine große Rolle. Heimtiere als Weggefährten und Lebensbegleiter können alte Menschen vor Einsamkeit und Rückzug bewahren. Solche emotional prägenden Erfahrungen lassen sich durch die Redensarten wiederbeleben. Außerdem kann sich häufiges, eingebettetes Spielen positiv auf die geistige Flexibilität auswirken und bei mentalem Rückzug in der Demenz helfen. Im Tagesablauf lassen sich die Tierweltsprüche als sprachliche Brücken einsetzen. In geselliger Runde regen sie zum Erzählen an. Wenn mehrere Generationen zusammen rätseln, können Jung und Alt voneinander lernen. Mit Ideen für die Spielegestaltung in der Familie und ambulanten Betreuung, in Wohngruppen und im (Pflege-)Heim. Stefan Gutensohn Tierisch gut geraten! Erinnerungsspiel mit 120 Sprüchen quer durch die Tierwelt Mit Spielbeschreibung. 2024. 124 Seiten. Farbige Karten in Kartonbox. (978-3-497-03246-4) Karten a w
