eJournals mensch & pferd international18/4

mensch & pferd international
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1867-6456
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/mup2026.art25d
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Stichwort: Eine Zusammenfassung aktueller Studien zu pferdegestützten Interventionen mit Blick auf Wohlbefinden und Belastungen der eingesetzten Pferde und mögliche Einflussfaktoren

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Theresa F. Braun
Der Großteil der Studien im Bereich der pferdegestützten Interventionen (folgend mit PGI abgekürzt) befassen sich mit den Wirkungen der Pferde auf den Menschen. Deutlich weniger wird der Einfluss von PGI auf die Pferde selbst untersucht. Folgend werden fünf verschiedene Studien zwischen 2024-2025 vorgestellt und zusammengefasst. Ein Teil der Studien befasst sich mit den Effekten auf die in PGI eingesetzten Pferde im Kontext des Tierschutzes. Zentraler Ausgangspunkt ist hier das Wohlbefinden von Pferden. „Wohlbefinden“, wenngleich ein schwierig zu definierendes Konstrukt, da sehr komplex und subjektiv, wird derzeit vorrangig durch das Messen physiologischer Parameter (z. B. Atemfrequenz, Cortisolmessung) und / oder verhaltensbezogener Änderungen (z. B. Veränderungen der Körperhaltung) im Abgleich zum natürlichen Normalverhalten umgesetzt, um Aussagen über das Befinden der Pferde treffen zu können (siehe Abbildung 1).
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168 | mup 4|2026|168-174|© Ernst Reinhardt Verlag, DOI 10.2378 / mup2026.art25d Dr. Theresa F. Braun Stichwort Eine Zusammenfassung aktueller Studien zu pferdegestützten Interventionen mit Blick auf Wohlbefinden und Belastungen der eingesetzten Pferde und mögliche Einflussfaktoren Der Großteil der Studien im Bereich der pferdegestützten Interventionen (folgend mit PGI abgekürzt) befassen sich mit den Wirkungen der Pferde auf den Menschen. Deutlich weniger wird der Einfluss von PGI auf die Pferde selbst untersucht. Folgend werden fünf verschiedene Studien zwischen 2024-2025 vorgestellt und zusammengefasst. Ein Teil der Studien befasst sich mit den Effekten auf die in PGI eingesetzten Pferde im Kontext des Tierschutzes. Zentraler Ausgangspunkt ist hier das Wohlbefinden von Pferden. „Wohlbefinden“, wenngleich ein schwierig zu definierendes Konstrukt, da sehr komplex und subjektiv, wird derzeit vorrangig durch das Messen physiologischer Parameter (z. B. Atemfrequenz, Cortisolmessung) und / oder verhaltensbezogener Änderungen (z. B. Veränderungen der Körperhaltung) im Abgleich zum natürlichen Abb. 1: Forschungsbezogene Vorgehensweise zur Messung von Wohlbefinden bei Pferden (in pferdegestützten Interventionen) (eigene Darstellung) Aussagen über Wohlbefinden bei Pferden Verhaltensbezogene Parameter (z. B. Körperhaltung / -bewegung, Mimik, Interaktionen mit Menschen) Physiologische Parameter (z. B. Messung Herzfrequenz / Herzfrequenzvariabilität, Cortisol, ACTH im Plasma) Stichwort: Braun - Eine Zusammenfassung aktueller Studien zu pferdegestützten Interventionen mup 4|2026 | 169 Normalverhalten umgesetzt, um Aussagen über das Befinden der Pferde treffen zu können (siehe Abbildung 1). Zudem werden noch Studien vorgestellt, die sich spezifisch mit bedeutsamen Einflussfaktoren auf Wohlbefinden und Belastungen der Pferde befassen. Studie 1: „You Care So I Care“: Wie erleben Pferde pferdegestützte Interventionen? Die Fallstudie von Grandgeorge, Dornic, Beylie, Amiot Girard, Henry und Rochais (2025) untersuchte, wie Pferde ihre „ Arbeit“ in PGI wahrnehmen. Dazu wurde das Verhalten von Pferden in Settings der PGI mit dem Verhalten in „klassischen“ Reitstunden verglichen, um zu schauen, welche spezifischen Auswirkungen PGI haben. Untersucht wurde das Verhalten von fünf Pferden (4 männlich, 1 weiblich, 20-22 Jahre). Die Pferde haben im Rahmen der Studie an vier pferdegestützten Settings und vier „klassischen“ Reitstunden teilgenommen. Diese Sitzungen wurden videografiert und basierend auf ethologischen Grundlagen ausgewertet. Als relevante Verhaltensmerkmale bei den Pferden wurden Ohrenstellung, Hals- und Kopfhaltung sowie körperliche Indikatoren für Unbehagen (z. B. Kopf- und Schwanzbewegungen) betrachtet. Gleichzeitig wurde auch das Verhalten der jeweiligen Reiter: innen (PGI und Reitstunde) aufgezeichnet, wie z. B. der Zug am Zügel oder Bewegungen im Sattel. Die Ergebnisse der Videoanalysen zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Einsatzbereichen. Die Pferde legten die Ohren in PGI länger an und zeigten mehr Verhaltensweisen des Unwohlseins (z. B. Kopf- und Schwanzbewegungen), während in den Reitstunden die Hals- / Genickhaltung höher war. Zudem zogen die Teilnehmenden an den PGI stärker an den Zügeln und hüpften mehr im Sattel als die Reiter: innen in der „klassischen“ Reitstunde. Die Autor: innen der Studie schlussfolgern aus den Ergebnissen mit der Einschränkung des pilotierenden Charakters, dass beide Nutzungsformen Unwohlsein bei den Pferden hervorrufen, aber auf unterschiedliche Weisen. Sie betonen die Wichtigkeit der Beachtung feiner Kommunikationssignale der Pferde, um Rückschlüsse über ihr Wohlbefinden ziehen zu können und Einblicke zu erhalten, wie Pferde PGI wahrnehmen und ob diese Art des Einsatzes ihr Wohlbefinden langfristig einschränkt. Studie 2: Wohlbefinden und Stress bei Pferden in pferdegestützten Interventionen - eine systematische Überblicksarbeit Baxley, Rodriguez-Mori und Anderson (2024) führten eine systematische Literaturrecherche durch, um den Forschungsstand zum Wohlbefinden und zum Stresserleben von Pferden in PGI zu erfassen. Dazu wurden fünf wissenschaftlichen Datenbanken mit verschiedenen Schlagworten durchsucht. Aus dieser Suche wurden 28 Studien in die Analyse eingeschlossen, die zwischen 1999 und 2022 in Fachzeitschriften mit einem Begutachtungsverfahren (Peer-Review) veröffentlicht wurden. Alle Studien beschäftigten sich mit der Erfassung von Stress- und Wohlfahrtsindikatoren bei Pferden in pferdegestützten Angeboten. Von diesen 28 Studien untersuchten 24 physiologische und / oder verhaltensbezogene Parameter bei den Pferden. Davon untersuchten sieben Studien nur physiologische und drei Studien nur verhaltensbezogene Faktoren. Die anderen untersuchten beide Bereiche. Am häufigsten wurde physiologisch die Herzfrequenz / Herzfrequenzvariabilität gemessen, darauffolgend Cortisol (z. B. im Speichel oder Blut) sowie weitere Plasma-Untersuchungen (z. B. ACTH, ß-Endorphin). Bei der Analyse des Pferdeverhaltens wurde sich am häufigsten auf die Körperhaltung (z. B. Kopf- / Ohrenbewegung, Schweifhaltung / -bewegung) des Pferdes bezogen. Am zweithäufigsten wurden (positive) soziale Interaktionen in den hier beschriebenen Studien untersucht sowie anschließend Bewegungsverhalten. Ebenso beschrieben wurde Temperament und Reaktivität der Pferde. Die vier anderen 170 | mup 4|2026 Stichwort: Braun - Eine Zusammenfassung aktueller Studien zu pferdegestützten Interventionen einbezogenen Studien fokussierten Gangbildanalysen bzw. Fragebogenerhebungen zu den in PGI eingesetzten Pferden. Insgesamt berichteten einzelne Studien situativ über Stressreaktionen oder Verhaltensänderungen der eingesetzten Pferde; 60,7 % der hier betrachteten Untersuchungen zeigen jedoch keine signifikanten Unterschiede oder es konnten keine klaren Schlussfolgerungen über Stressreaktionen von Pferden im Vergleich zu Kontrollbedingungen gezogen werden. Die Autor: innen halten jedoch einschränkend für das Ergebnis fest, dass in 16 (57,1 %) der Studien die Stichprobengröße bei zehn oder weniger Pferden lag, was als kleine Stichprobe gilt, und die statistische Aussagekraft der Ergebnisse minimiert. Die Autor: innen merken ebenso an, dass die Vergleichbarkeit der Studien aufgrund unterschiedlicher Messgrößen und -Methoden, divergierender Studiendesigns, mangelnder Standardisierung und uneinheitlicher Terminologie im Feld der PGI eingeschränkt ist. Sie unterstreichen schlussfolgernd die noch bestehende Forschungslücke zum Wohlbefinden von Pferden in PGI und die Notwendigkeit robuster, methodisch standardisierter Forschung zur Bewertung des Wohlbefindens. Studie 3: Analyse der Verhaltensreaktionen von Pferden in pferdegestützten Interventionen: Ergebnisse einer Feldstudie Die Studie von Visser, Jens, Nieuwe Weme, Spaapen, Maarleveld, Enzerink, Tromp und Haven Pross (2025) untersuchte das Befinden von 98 Pferden (46 Stuten, 51 Wallache, 1 Hengst, 2-28 Jahre) in den Niederlanden, die in PGI eingesetzt werden, über einen Zeitraum von zwei Monaten hinweg (insgesamt 830 PGI-Einheiten). Von den 98 Pferden wurden 85 Pferde in pferdegestützten Coachings eingesetzt und 13 Pferde im Kontext therapeutischen Reitens. Pferde, die in Coaching-Programmen integriert waren, absolvierten durchschnittlich vier Einheiten in zwei Monaten (höchstens 10 Einheiten); diejenigen, die an therapeutischem Reiten teilnahmen, absolvierten durchschnittlich 31 Einheiten (höchstens 61). Zur Untersuchung des Befindens wurden basierend auf bestehenden Ethogrammen 21 Verhaltensmerkmale (z. B. nach vorne gerichtete oder angelegte Ohren, Kopfhaltung, Schweifhaltung, -bewegung) ausgewählt, die auf einen positiven oder negativen Zustand bei den Pferden schließen lassen. Die pferdegestützt arbeitende Fachkräfte wurden spezifisch geschult das Auftreten dieser Signale zu erkennen und ihre Häufigkeit einzuordnen (nicht vorhanden, gelegentlich beobachtet, häufig beobachtet), während parallel durch Pferdeverhaltensexpert: innen Verhaltens- Schwellenwerte, nach denen das Auftreten bestimmter Signale als Hinweis auf positive oder negative affektive Zustände bewertet werden konnte, festgelegt wurden. Diese Schwellenwerte wurden anschließend mit den Felddaten verglichen, um das Wohlergehen der Pferde in der Praxis zu bewerten. Zudem wurden Daten zu den Pferdeindividuen (z. B. Rasse, Alter, Geschlecht, Persönlichkeit „Equine Personality Test“, Haltung, Gesundheit), Merkmale der pferdegestützten Settings (z. B. Dauer, Art der Aktivität, Vertrautheit mit dem Pferd, Umgebung, Gleichgewichts Klient: in, Aufstiegsformat) sowie Informationen über die pferdegestützt arbeitenden Fachkräfte (z. B. Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Berufserfahrung). Als Ergebnis für die Analyse der affektiven Zustände der Pferde ist festzuhalten, dass „comfortable“ der am häufigsten beobachtete Zustand der Pferde war, sowohl im Coaching als auch beim therapeutischen Reiten. Ebenso beobachtet wurde bei beiden Einsatzformen, die Zustände „aufgeregt“ und „Spannung abbauend“. Beim therapeutischen Reiten wurde außerdem die Kategorie „Spannung aufbauend“ identifiziert, während im pferdegestützten Coaching noch „angespannt“, „unruhig“ und „distanziert“ festgestellt wurde. Es konnten also beim therapeutischen Reiten die von den Pferden gezeigten Verhaltensweisen in vier Bereiche eingeteilt werden und beim pferdegestützten Coaching in sechs. Insgesamt ist hier festzuhalten, dass Stichwort: Braun - Eine Zusammenfassung aktueller Studien zu pferdegestützten Interventionen mup 4|2026 | 171 viele Pferde die jeweilige Situation als neutral bis positiv bewerten, während Verhaltensweisen, die auf Stress, Unbehagen oder Vermeidungsverhalten hindeuten, seltener vorkamen. Diese neutrale / positive Bewertung seitens der Pferde wird von mehreren entscheidenden Faktoren (signifikante Variablen) bedingt. Dazu zählt u. a. der Gesundheitszustand der Pferde. Pferde mit klinischen Diagnosen (z. B. Kissing Spine, Cushing) zeigten im pferdegestützten Coaching mehr Verhaltensweisen, die für negative affektive Zustände sprachen als gesunde Pferde. Einen deutlichen Einfluss auf das Wohlbefinden der Pferde hatte auch die Passung des individuellen Pferdes zu seinem Einsatz. Positive affektive Zustände wurden dann erreicht, wenn die Pferde in Settings eingesetzt waren, die ihrer Persönlichkeit entsprachen. Die Untersuchung zeigte hier u. a., dass eher extrovertierte Pferde in Coaching- Sitzungen positivere affektive Zustände zeigten, als im therapeutischen Reiten. Als ebenso relevant wurde die Ausbildung der pferdegestützt arbeitenden Fachkraft beschrieben. Je höher das Bildungsniveau der Fachkräfte war, desto weniger negative affektive Zustände waren seitens der Pferde zu erkennen. Zudem schien die Anzahl an anwesenden Personen während der Settings einen Einfluss auf das Befinden der Pferde zu haben. Je mehr Personen anwesend waren, desto mehr Stresssignale zeigten die Pferde. Ebenso einen Einfluss auf die affektiven Zustände der Pferde hatten die Haltungsbedingungen. Z. B. zeigten Pferde, die mehr als 6 Stunden keinen Zugang zu Raufutter hatten, in den Einsätzen mehr Belastungssignale. Insgesamt hatten ca. ein Drittel der Pferde mehr als 6 h keinen Zugang zu Heu. Zusammenfassend betonen die Autor: innen, dass die Gesundheit der eingesetzten Pferde, angepasste Haltungs- und Managementstrategien sowie die geeignete Pferdeauswahl in Abhängigkeit vom Setting positive affektive Zustände der Pferde begünstigen und damit Wohlbefinden stärken können. Besonders die Frage der Eignung von Pferden kann an dieser Stelle betont werden, da durch die hier identifizierten subjektbetonten Ergebnisse aktuelle Eignungsdiskurse für das ideale Pferd in PGI auch aus Sicht des Tierschutzes erweitert werden kann. Die Forschenden halten fest, dass ihre Ergebnisse genutzt werden können, um Leitlinien für pferdegestützt tätige Fachkräfte zu formulieren, mit denen sich Tierschutzpraktiken an pädagogisch-therapeutischen Zielen ausrichten lassen, und dadurch auch die Wirkungen für die Klient: innen erhöht werden können. Studie 4: Die menschliche Wahrnehmung guter Tierschutzpraktiken am Beispiel pferdegestützter Arbeit Die Mixed-Methods-Studie von Grandgeorge, Lerch, Delarue und Hausberger (2024) untersucht, wie Managementpraktiken von „klassischen“ Reitschulen und Einrichtungen, die pferdegestützt arbeiten, mit dem Wohlbefinden von Pferden zusammenhängen. Ziel war es, zu ermitteln, in welchem Maße organisatorische Entscheidungen, die Pferdehaltung und spezifische Arbeitsmodalitäten die körperliche und psychische Gesundheit der Tiere beeinflussen. Dazu wurde einerseits eine Online-Fragebogenerhebung mit Leiter: innen (n=51) von Reitschulen und pferdegestützt tätigen Einrichtungen (teilweise fand in einer Einrichtung sowohl Reitunterricht als auch PGI statt) durchgeführt. Themenschwerpunkte im Fragebogen waren Haltungsbedingungen, Fütterungspraktiken, Auswahlkriterien für Pferde und organisatorische Arbeitsabläufe. Andererseits wurden in acht Einrichtungen (mit insgesamt 174 Pferden) objektive Indikatoren für das Wohlbefinden der Tiere erhoben, darunter Verhalten, Beschäftigungsmöglichkeiten und Reaktionen der Pferde in standardisierten Beziehungstests mit Menschen, um direkt Informationen über Management- und Arbeitspraktiken und deren Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Pferde zu erhalten. Die Ergebnisse zeigen deutliche Zusammenhänge zwischen Entscheidungen im Management und den Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Pferde. In den Ergebnissen 172 | mup 4|2026 Stichwort: Braun - Eine Zusammenfassung aktueller Studien zu pferdegestützten Interventionen wurden deutliche Unterschiede zwischen den drei untersuchten Einrichtungsformen (Reitschule, in PGI tätige Einrichtung, Einrichtung mit Reitschule und PGI) deutlich. In den Einrichtungen, in denen nur PGI umgesetzt wurden, war von Leiter: innen- Seite im Mittel ein erhöhtes Bewusstsein für die Bedürfnisse der Pferde vorhanden, was sich in der Art der Unterbringung (z. B. Gruppenhaltung im Freien mit Möglichkeit zu Sozialkontakt und Bewegung) sowie der Fütterung (z. B. Zugang zu Heu, reduzierte Kraftfutter-Fütterung). Die dort lebenden / eingesetzten Pferde zeigten insgesamt positivere Welfare-Profile (z. B. höhere Interaktivität mit Menschen, weniger negative Reaktionen auf Ausrüstung). Ein wichtiger Faktor, der das Wohlergehen und die Interaktionen zwischen Menschen und Pferden in den PGI beeinflusste, schien die Arbeitsweise zu sein. Der häufigere Einsatz von Bodenarbeit und gebisslosem Reiten stand in einem positiven Zusammenhang zu Welfare-Profilen. In Reitschulen mit überwiegend „klassischen“ Reitstunden war durchschnittlich mehr Einzelhaltungen im Stall zu verzeichnen sowie andere Fütterungspraktiken (z. B. weniger Heu). Insgesamt traten bei den Pferden häufiger negative Verhaltensreaktionen auf, die für ein geringeres Wohlbefinden sprachen. In Einrichtungen mit gemischten Aktivitäten, die sowohl PGI als auch „klassische“ Reitstunden durchführten, wiesen die Pferde die meisten negativen Welfare-Indikatoren auf und zeigten vermehrt stereotypes Verhalten (z. B. Koppen, Weben). Die Autor: innen halten als potenziellen Erklärungsansatz für dieses Ergebnis fest, dass die Pferde komplexere Belastungen (körperlich, psychisch) durch die Doppelnutzung in Reitstunde und PGI erfahren. Zur Einordnung der Ergebnisse ist hier noch wichtig anzumerken, dass es sich um einen Durchschnitt handelt und nicht für jede einzelne Einrichtung diese Ergebnisse gelten. Das heißt auch, dass nicht kausal rückgeschlossen werden kann, dass der Einsatz in PGI automatisch pferdefreundlicher ist im Vergleich zum Einsatz in Reitschulen. Es zeigen sich aber Zusammenhänge dahingehend, dass Managemententscheidungen (z. B. Haltungsform) und die konkreten Einsatzformen der Pferde (z. B. Einsatz Bodenarbeit) eine große Bedeutung für das Wohlbefinden der Pferde haben. Zudem ergab sich eine Diskrepanz in den Daten der Befragung versus der Daten der Beobachtung. Die Leitungspersonen gaben zwar an, dass Wohl der Pferde zu beachten, die direkten Beobachtungen zeigten jedoch, dass zwischen den wahrgenommenen „guten Praktiken“ und den tatsächlich umgesetzten Maßnahmen Unterschiede bestehen können. Eine interessante Erkenntnis war der Einfluss des „fachlichen“ Hintergrunds der Leiter: innen (z. B. Therapeut: in vs. Person aus dem Pferdesport) bezogen auf die in den Einrichtungen umgesetzte Pferdehaltung und organisatorischen Entscheidungen des Pferde-Einsatzes. Die Autor: innen empfehlen abschließend, dass pferdebezogene Fortbildungen stärker an wissenschaftlich fundierten Kriterien für das Pferdewohl ausgerichtet werden sollen, um die physische und psychische Gesundheit der Pferde zu sichern. Studie 5: Pferdegestützte Interventionen in Deutschland: Tierschutz- Wissen und -Praktiken von pferdegestützt arbeitenden Fachkräften Die Studie von Braun, Ameli und Krämer (2025) untersucht mithilfe eines Mixed-Methods-Methods- Design, welche Bedeutung pferdegestützt arbeitende Personen dem Tierschutz in PGI zuweisen und wie sie ihn umsetzen. Dazu wurden 111 Personen in Deutschland, die pferdegestützt arbeiten, mit Fragebögen (geschlossene und offene Fragen) zu ihrem Wissen über Tierschutz und zur individuellen Umsetzung von Tierschutzmaßnahmen bei ihren Pferden befragt. Zum Überblick über die befragten pferdegestützt arbeitenden Personen: Die hier befragten Fachkräfte ordneten sich zu 40 % der pferdegestützten Pädagogik, zu 32,6 % der pferdegestützten Therapie, zu 11,6 % der pferdegestützten Aktivität und zu 15,8 % der pferdegestützten Förderung zu. Die Hälfte der Befragten gab an, PGI in Teilzeit als selbstständige Tätigkeit auszuüben (51 %), während 30 % Pferde im Rahmen ihrer hauptberuflichen Tätigkeit einsetzen und 19 % führen die Arbeit in Vollzeit selbstständig aus. Drei Viertel der Personen hat eine Erlaubnis nach § 11 (Tierschutzgesetz). Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten pferdegestützt arbeitenden Fachkräfte im Bereich der PGI (96,6 %) dem Tierschutz im Kontext der PGI eine sehr hohe Bedeutung zuweisen. Das Wissen zu tierschutzrelevanten Aspekten unter den Befragten Stichwort: Braun - Eine Zusammenfassung aktueller Studien zu pferdegestützten Interventionen mup 4|2026 | 173 zeigt sich jedoch sehr unterschiedlich. Während die grundsätzlichen physischen und psychischen artspezifischen Bedürfnisse von Pferden häufig sehr differenziert beschrieben werden (z. B. Bewegung, Ernährung, Haltungsbedingungen, intraspezifische Kontakte, Ruhephasen), beziehen sich die Ausführungen zu körpersprachlichen Stresssignalen bei Pferden eher auf sehr deutliche Signale (z. B. angelegte Ohren), sodass die Autorinnen rückschließen, dass noch Verbesserungsbedarf bei der Erkennung subtilerer Kommunikationssignale seitens der pferdegestützt arbeitenden Personen (z. B. Kräuseln der Nüstern, Anspannung des Kiefers) bestehen könnte. Interessant ist an dieser Stelle, dass die Befragten selbst alle zustimmen, dass sie die Stresssignale ihrer Pferde erkennen und berücksichtigen. Die offenen Antworten zeigen dementsprechend eine Diskrepanz zwischen der Eigenwahrnehmung der Teilnehmenden und der Qualität der Antworten auf. Als weiteres Ergebnis ist festzuhalten, dass zur Stressreduktion der Pferde vor allem Ausgleichsarbeit (z. B. Bodenarbeit, Spazierengehen, Spielen, Reiten) und Entspannungsmaßnahmen (z. B. Massagen, Tellington Touch, Streicheln, Atem- / Entspannungsübungen (z. B. Absenken des Kopfes, Wälzenlassen) umgesetzt werden. Insgesamt zeigt die Studie, dass Tierschutz für pferdegestützt arbeitende Personen sehr wichtig ist und relevante tierschutzrelevante Aspekte von den Befragten im Gesamtbild dargelegt werden. Gleichzeitig zeigt sich, dass Wissen zu den feineren Stresssignalen bei Pferden noch ausgebaut werden sollte, um auch subtile Anzeichen von Belastung besser zu erkennen und darauf einzugehen. Dies zeigt sich hier besonders wichtig vor dem Hintergrund, dass die Selbsteinschätzung der durchführenden Personen nicht immer dem entspricht, was Fachexpert: innen zu Positive Einflussfaktoren auf das Wohlbefinden von Pferden in pferdegestützten Interventionen Haltungs- / Fütterungsmanagement auf Grundlage aktueller Forschung zu Wohlbefinden hohes Fach- / Handlungswissen der pferdegestützt tätigen Person Gesundheit der Pferde Passung der Pferde- Persönlichkeit zum Setting Bodenarbeit und gebissloses Reiten hauptsächlicher Einsatz der Pferde in pferdegestützten Interventionen Interaktionen mit wenigen Personen gleichzeitig für die Zielgruppe angepasste Einsatzform (z. B. Reiten ohne eigene Zügelhaltung) Abb. 2: Positive Einflussfaktoren auf das Wohlbefinden von Pferden in pferdegestützten Interventionen - eine Visualisierung der hier zusammengefassten Studienergebnisse (eigene Darstellung) 174 | mup 4|2026 Stichwort: Braun - Eine Zusammenfassung aktueller Studien zu pferdegestützten Interventionen Stress bei Pferden beurteilen würden. Die Autorinnen verweisen aber auch auf die Notwendigkeit von weiteren Studien, um weitere tierschutzrelevante Aspekte in PGI zu bewerten und die Umsetzung tierschutzbezogener Maßnahmen durch die durchführenden Personen zu untersuchen. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen Die Betrachtung von PGI mit Blick auf mögliche Einflüsse auf die eingesetzten Pferde beinhaltet auch aus wissenschaftlichen Perspektiven noch einige offene Fragen. Manche Studien finden keine negativen Einflüsse auf die eingesetzten Tiere, während andere kritische Belastungen der Pferde durch PGI identifizieren. Ursächlich für diese unterschiedlichen Ergebnisse kann hier auch die Vielfalt der pferdegestützten Settings (z. B. umgesetzte Methoden, unterschiedliche Zielgruppen, Art und Dauer des Pferde-Einsatzes) bzw. methodische Fragen des Forschungsdesigns sein (z. B. kleine Stichproben, qualitative vs. quantitative Daten, fehlende Standardisierungsmöglichkeiten). Nichtsdestotrotz stellt der Tierschutz und damit die Sicherung des Wohlbefindens der eingesetzten Pferde eine zentrale Gelingensbedingung von PGI dar, was auch von den pferdegestützt tätigen Fachkräften in den Studien so betont wird. In den vorliegenden Studien konnten verschiedene Einflussfaktoren auf das Wohlbefinden der eingesetzten Pferde und damit als tierschutzrelevant identifiziert werden. Diese sind in Abbildung 2 zusammengefasst. Wenngleich diese Faktoren nicht automatisch zu einem tierschutzgerechten Einsatz von Pferden in PGI führen, geben sie doch einen kleinen Einblick in die Komplexität tierschutzgerechter Rahmenbedingungen in PGI, die oft weit über die konkrete Einsatzsituation hinaus gehen. Literatur ■ Baxley, B. H., Rodriguez-Mori, H., Anderson, N. C. (2024): Welfare and stress of horses used for Equine-assisted services: A systematic review. Applied Animal Behaviour Science 280, 106424, https: / / doi.org/ 10.1016/ j. applanim.2024.106424 ■ Braun, T. F., Ameli, K., Krämer, S. (2025): Equineassisted interventions in Germany: Animal welfare knowledge and practices among equine-assisted professionals. Journal of Equine Veterinary Science 152, 105656, https: / / doi.org/ 10.1016/ j. jevs.2025.105656 https: / / doi.org/ 10.1016/ j. jevs.2025.105656 ■ Grandgeorge, M., Dornic, L., Beylie, A., Amiot Girard, S., Henry, S., Rochais, C. (2025): You Care So I Care: How do Horses Perceive Equine- Assisted Intervention? Animal Behaviour and Welfare Cases, https: / / doi.org/ 10.1079/ abwcases.2025.0001 ■ Grandgeorge, M., Lerch, N., Delarue, A., Hausberger, M. (2024): From Human Perception of Good Practices to Horse (Equus Caballus) Welfare: Example of Equine-Assisted Activities. Animals 14, 2548, https: / / doi.org/ 10.3390/ ani14172548 ■ Visser, E. K., Jens, A. L., Nieuwe Weme, L. E., Spaapen, A. A., Maarleveld, K. N., Enzerink, K. H., Tromp, P. N., Haven-Pross, S. C. (2025): Assessing Equine Behavioural Responses in Equine-Assisted Services: A Field Study Analysis. Animals 15, 671. https: / / doi.org/ 10.3390/ ani15050671 Die Autorin Dr. Theresa F. Braun Förderschulpädagogin, Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Förderpädagogik und Inklusive Bildung an der Justus-Liebig-Universität Gießen, Forschungs- / Arbeitsschwerpunkte: Mensch-Pferd-Interaktionen aus pädagogischen, mikrosoziologischen und ethologischen Perspektiven, tierschutzkonformer Einsatz von Tieren innerhalb der tiergestützten Pädagogik (in enger Zusammenarbeit mit der Veterinärmedizin), Resilienz(-förderung), außerschulische Lernorte, Erlebnispädagogik, Lernförderung bei Kindern mit Lernschwierigkeiten / -beeinträchtigungen (im inklusiven Unterricht), Pferdegestützte Therapeutin IVK, Dozentin in verschiedenen Weiterbildungen im Kontext der tiergestützten Interventionen Anschriften Justus-Liebig-Universität · Institut für Förderpädagogik und Inklusive Bildung · Karl-Glöckner-Straße 21 B 35394 Gießen · theresa.f.braun@erziehung.uni-giessen.de