eJournals Psychologie in Erziehung und Unterricht54/2

Psychologie in Erziehung und Unterricht
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0342-183X
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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2007
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Bindungssicherheit fördern - eine wesentliche Aufgabe der Erziehungs- und Familienberatung

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2007
Hermann Scheuerer-Englisch
Die entwicklungspsychologische Bindungstheorie stellt wichtiges Grundlagenwissen für die Arbeit der Erziehungsberatungsstellen bereit. Eine bindungsorientierte Diagnostik in der Beratung erfasst die Feinfühligkeit der Eltern, bestehende Bindungsmuster und die Bindungsgeschichte der Familienmitglieder sowie weitere relevante Einflussgrößen auf die Bindungsdynamik im Familiensystem, z.B. aktuelle Stresssituationen, traumatische Erfahrungen etc. Der Fokus wird auf Beziehungen und die Regulation von Belastungen im Rahmen der Bindungsbeziehungen gelegt. Interventionen verfolgen das Ziel, die Eltern dabei zu unterstützen, für das Kind ein sicherer Hafen und eine sichere Basis zu sein, da sichere Bindungen für das Kind eine Grundlage für Resilienz, Selbstregulationsfähigkeit und Eigenständigkeit bilden. Es werden allgemeine Interventionen und bindungsmusterspezifische Interventionsziele dargestellt. Ein Fallbeispiel rundet die Darstellung ab.
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Nach 50 Jahren intensiver Bindungsforschung (Bowlby, 1975, 1995; Ainsworth, Blehar, Waters & Wall, 1978; Cassidy & Shaver, 1999; Grossmann & Grossmann, 2004; Sroufe, Egeland, Carlson & Collins, 2005) finden die gewonnenen Erkenntnisse auch in Deutschland eine breite Anwendung in Jugendhilfe und Gesundheitswesen. Erziehungsberatungsstellen sind als Fachdienste der Jugendhilfe besonders qualifiziert und methodisch ausgerichtet, um bei Beziehungsprozessen, Entwicklungs- und Erziehungsproblemen in der Familie diagnostisch, beratend und therapeutisch tätig zu werden (SGB VIII; Hundsalz, 1995). Die entwicklungspsychologische Bindungstheorie hat deshalb in diesem Bereich bereits besonders breit Fuß gefasst (Suess & Pfeifer, 1999; Suess, Scheuerer-Englisch & Pfeifer, 2001; Scheuerer- Englisch, Suess & Pfeifer, 2003). Darüber hinaus gibt es weitere Veröffentlichungen in Promoting Attachment Security - A Central Task of the Child-Guidance-Clinic Summary: Attachment theory provides fundamental knowledge for the work of child guidance clinics. Attachment guided diagnosis is assessing the parental sensitivity, the patterns of attachment and the attachment history of the family members as well as other relevant domains influencing the attachment dynamic in the family, for example actual life stress, traumatic experiences, intergenerational transmissions and so on. Relationships and the regulation of stressful feelings and situations in relationships are in the focus of the work. Interventions aim at supporting parents in their function as a secure haven and a secure base for the child, because secure attachments are a basis of children’s resiliency, self regulation skills and autonomy. General interventions and pattern-specific goals of intervention are presented. A case example completes the presentation. Keywords: Attachment, Child-Guidance-Clinic, attachment-based intervention, parenting Zusammenfassung: Die entwicklungspsychologische Bindungstheorie stellt wichtiges Grundlagenwissen für die Arbeit der Erziehungsberatungsstellen bereit. Eine bindungsorientierte Diagnostik in der Beratung erfasst die Feinfühligkeit der Eltern, bestehende Bindungsmuster und die Bindungsgeschichte der Familienmitglieder sowie weitere relevante Einflussgrößen auf die Bindungsdynamik im Familiensystem, z.B. aktuelle Stresssituationen, traumatische Erfahrungen etc. Der Fokus wird auf Beziehungen und die Regulation von Belastungen im Rahmen der Bindungsbeziehungen gelegt. Interventionen verfolgen das Ziel, die Eltern dabei zu unterstützen, für das Kind ein sicherer Hafen und eine sichere Basis zu sein, da sichere Bindungen für das Kind eine Grundlage für Resilienz, Selbstregulationsfähigkeit und Eigenständigkeit bilden. Es werden allgemeine Interventionen und bindungsmusterspezifische Interventionsziele dargestellt. Ein Fallbeispiel rundet die Darstellung ab. Schlüsselbegriffe: Bindung, Erziehungsberatung, bindungsgeleitete Intervention, Erziehung Praxis Psychologischer Beratung Bindungssicherheit fördern - eine wesentliche Aufgabe der Erziehungs- und Familienberatung Hermann Scheuerer-Englisch Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Kathol. Jugendfürsorge Regensburg Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2007, 54, 161 - 174 © Ernst Reinhardt Verlag München Basel 162 Hermann Scheuerer-Englisch Deutschland, die Erkenntnisse der internationalen Bindungsforschung für die klinische Anwendung nutzbar machen oder Ergebnisse einer klinischen Bindungsforschung berichten (z.B. Brisch, Grossmann, Grossmann & Köhler, 2002; Brisch & Hellbrügge, 2003). Weitere Veröffentlichungen berichten aus der Perspektive von Praktikern über Anwendungen und Erfahrungen eines bindungsgeleiteten Vorgehens (z. B. Wood, 2002; Oppenheim, 2004; Brisch, 1999; Endres & Hauser, 2000; Sameroff, McDonough & Rosenblum, 2004). Der Theorie-Praxis-Bezug wird bislang in erster Linie durch eine Anwendung der Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zum besseren Verständnis kindlicher Entwicklung, von Beziehungsprozessen und zur Ausrichtung und Zielsetzung von Interventionen hergestellt. In der Regel wird der Nutzen der Bindungstheorie für die Praxis durch Fallbeispiele verdeutlicht. Noch gibt es wenig gezielte Interventionsstudien. Ein Beispiel stellt die Intervention von Marvin bei psychogenem Schmerz bei Jugendlichen dar, allerdings mit einer nur geringen Fallzahl (Marvin, 2003). Praktiker betonen, dass der Wert der Forschung weniger in der reinen Anwendung der entwickelten Kategorien und Messinstrumente aus der Forschung liegt, sondern mehr in einer Sensibilisierung für elementare Bindungs- und Regulationsprozesse (Slade, 2004). Bindungssicherheit und angemessenes Fürsorgeverhalten wiederum beeinflussen wesentliche Entwicklungsprozesse positiv: Den Aufbau und die gelingende Gestaltung von Gleichaltrigenbeziehungen (Suess, Grossmann & Sroufe, 1992; Vaughn, Heller & Bost, 2001), die Fähigkeit, über eigene Gefühle und Empfindungen Auskunft zu geben und negative Gefühle zuzulassen und eine ausgewogene Balance zwischen Selbstöffnung und Selbstbeherrschung herzustellen (Main, Kaplan & Cassidy, 1985; Grossmann & Grossmann, 2004) oder ein geringeres Risiko für soziale Verhaltensauffälligkeiten in Kindergarten und Schule zu haben (Suess, Grossmann & Sroufe, 1992; Lyons-Ruth & Jacobvitz, 1999). Es scheint aus dieser Perspektive in hohem Maße sinnvoll, sichere Bindungen in Beratung und Therapie zu fördern, um gelingende Entwicklungsprozesse von Kindern zu unterstützen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Bindung zwar einen Schlüsselbereich für die Beeinflussung menschlicher Entwicklung darstellt, dass für eine gelingende Beratungsarbeit in Diagnostik und Intervention aber die Einbeziehung der individuellen Anlagen und Ressourcen des Kindes und der Eltern, der Umwelt des Kindes und seiner Familie, der Erziehungshaltungen der Eltern, der Möglichkeiten der Einrichtung und des Beraters und vieles mehr zusätzlich eine Rolle spielen (Scheuerer-Englisch, 2001). Nach Überzeugung der Bindungsforschung (Bowlby, 1975) hat sich das Bindungsverhaltenssystem des Menschen evolutionär entwickelt, um das Individuum angesichts einer gefahrvollen Umwelt und damit verbundenen Herausforderungen handlungsfähig zu machen und zu erhalten. Alle Kinder bringen die angeborene Bereitschaft zum Bindungsaufbau an wenige Bindungspersonen mit und bei Gefahr sucht das Kind bei aktiviertem Bindungsverhaltenssystem die Nähe und damit den Schutz und die Sicherheit bei seinen Bindungspersonen. Komplementär zum kindlichen Bindungssystem verfügen die Erwachsenen über verschiedene Formen der Fürsorge und Zuwendung (Fürsorgesystem). Das elterliche Verhalten wird dabei unter dem Blickwinkel der Förderung eines sicheren Bindungsaufbaues eingeschätzt. Ainsworth und Kollegen haben dazu Skalen zur Einschätzung von Feinfühligkeit, Kooperation und Annahme des Kindes gebildet (deutsch in Grossmann & Grossmann, 2003). Für den Umgang der Eltern mit dem Kind in Herausforderungssituationen beim Problemlösen entwickelte eine Arbeitsgruppe um Karin Grossmann (2002) eine Skala zur Spielfeinfühligkeit. Elterliches Fürsorgesystem und kindliches Bindungsverhaltenssystem zusammen führen in der jeweiligen Eltern-Kind-Beziehung zu unterschiedlichen Bindungsmustern mit einem unterschiedlichem Ausmaß an Sicherheit und Autonomie beim Kind. Bindungsrelevante Er- Bindungssicherheit fördern 163 fahrungen werden vom Kind internalisiert und bilden als so genannte internale Arbeitsmodelle die handlungsleitende psychische Repräsentation der Bindungsorganisation (Bowlby, 1975; Bretherton, 2001). Neben der angeborenen Bereitschaft zum Bindungsaufbau hat jedes Kind auch die Bereitschaft, die Welt zu erkunden, Neues kennenzulernen und Autonomie und Eigenständigkeit zu erreichen (Explorationssystem). Das Bindungs-/ Fürsorgesystem zum Aufbau von Vertrauen und das Explorationssystem zur Entwicklung einer gesunden Autonomie stehen in einer wechselseitigen Beziehung. Das Kind nutzt die Eltern als sicheren Hafen, um bei Bedrohungen, Belastung und Überforderung Trost und Schutz zu erhalten und Sicherheit zu tanken, um sich von der Bindungsperson als „sicherer Basis“ aus dann wieder dem Spiel und der Erkundung zuzuwenden. Marvin, Cooper, Hoffmann und Powell (2003) haben dies im „Kreis der Sicherheit“ für die Intervention bei Eltern anschaulich dargestellt. Für sein Funktionieren kommt es wesentlich darauf an, dass die Eltern als „Größere, Stärkere und Weisere“ eine belastbare Anlaufstelle für das Kind bilden. Eltern dabei zu unterstützen ist grundsätzlicher Bestandteil jeder Erziehungs- und Beziehungsberatung von Familien. Während Kleinkind- und Vorschulkinder in ihrem Bindungsverhalten direkt auf die verfügbaren Bindungspersonen und das Ausmaß der Feinfühligkeit und Fürsorge orientiert sind, stützen sich Kinder mit zunehmendem Alter gleichzeitig auf ihre inneren Arbeitsmodelle von sich, der Welt und den Bindungsbeziehungen. Diese steuern und beeinflussen das Verhalten der Kinder auch in Abwesenheit der Bindungspersonen und sind bei der therapeutischen Arbeit in der Reflektion über Bindungserfahrungen ab der mittleren und späten Kindheit von besonderer Bedeutung (Grossmann & Grossmann, 2001). Ein Hauptziel der Beratung von Familien mit Kindern aus Sicht der Bindungsforschung sollte es sein, die elementaren Bindungen als Kernvoraussetzung von Resilienz, Autonomie und gelingender sozio-emotionaler Entwicklung zu stärken. Die in diesem Beitrag angestellten Überlegungen sind aus der Verwendung relevanter Ergebnisse der Bindungsforschung und aus den Erfahrungen in der Beratungspraxis entstanden. Das genutzte entwicklungspsychologische Wissen wird dabei als Leitfaden für die Entwicklung von Beratungszielen genutzt, aber es werden keine therapeutischen Interventionen direkt aus der Theorie abgeleitet. Bindungs-Entwicklungsdiagnostik und Intervention Diagnostik Bei vielen Anmeldungen an den Beratungsstellen wegen kindlichen Symptomen und Entwicklungsproblemen besteht ein enger Zusammenhang zur Bindungsthematik: Im Säuglings- und Kleinkindalter stehen Probleme beim Aufbau von Bindungen und dem angemessenen Umgang mit dem Kind im Vordergrund. Im Vorschulalter bestehen bei Auffälligkeiten v. a. im Bereich der Freundschaftsbeziehungen, der Gefühle und des Selbstwertes ebenfalls noch direkte Zusammenhänge zur erlebten Sicherheit in den Eltern-Kind-Beziehungen und können entsprechend durch Beziehungsinterventionen in der Familie beeinflusst werden. Mit zunehmendem Alter besonders ab dem Schulalter wird das Kind dann mit vielen Herausforderungen außerhalb des Familiensystems konfrontiert. Hier stellt sich neben der Frage der individuellen Kompetenzen des Kindes und des Einflusses der außerfamiliären Systeme (Schule, Hort etc.) immer auch die Frage, inwieweit die Bindungs- und Familienbeziehungen des Kindes es ihm ermöglichen, auftretende Belastungen in der Schule, im Freundeskreis und in der Familie zu verarbeiten. In jeder Alterstufe bleibt so die Bindungsthematik eine zentrale Größe zur Beeinflussung einer gelingenden kindlichen Entwicklung. Die bindungsgeleitete Diagnostik versteht sich als Prozess- und Entwicklungsdiagnostik und betrachtet verschiedene Bereiche (Scheuerer-Englisch, 2001): 164 Hermann Scheuerer-Englisch Beim Kind wird zunächst untersucht, welche wesentlichen Entwicklungsthemen 1 (vgl. Abb. 1) es bereits durchlaufen hat, inwieweit es altersgemäß entwickelt ist und in welchen Bereichen es Probleme gibt. Hier werden bekannte und bewährte Verfahren der psychologischen Entwicklungs-, Persönlichkeits-, Intelligenz- und Leistungsdiagnostik im Kindes- und Jugendalter eingesetzt. Im Rahmen der Exploration wird geprüft, wie belastend die Probleme in einzelnen Entwicklungsthemen vom Kind erlebt werden. Hier leistet neben der Verhaltensbeobachtung das Bindungsinterview für die späte Kindheit (BISK; Zimmermann & Scheuerer- Englisch, 2003) gute Dienste. Häufig ziehen Probleme in einem Entwicklungsthema Probleme in den darauf folgenden nach sich. Wichtig ist auch eine genaue Erfassung der Bindungsgeschichte des Kindes und einschneidender Erfahrungen, z. B. Trennung und Verlust, Wechsel von Bindungspersonen etc. Je älter das Kind ist, desto eher wirkt auch sein eigenständig handlungsleitendes internales Bindungsmodell, mit dem es auf die Welt zugeht und seine neuen sozialen Erfahrungen mit beeinflusst. Eine Erfassung des inneren Bindungsmodells wird deshalb mit zunehmendem Alter wichtig. Ab dem Vorschulalter kann man dieses mit verschiedenen Verfahren erfassen, zum Beispiel mit der sogenannten „Attachment- Story-Completion-Task“, wo Kinder bindungsrelevante Geschichten mit Puppen präsentiert bekommen, die sie zu Ende spielen sollen (Bretherton, Suess, Golby & Oppenheim, 2001; Gloger-Tippelt & König, 2000) oder mit dem bereits erwähnten Bindungsinterview für die späte Kindheit für 8 - 12-jährige Kinder (BISK: Zimmermann & Scheuerer-Englisch, 2003; Scheuerer-Englisch, 2003), bei dem das Bild der Eltern und deren Unterstützung in Belastungssituationen, die Handlungsstrategien der Kinder unter emotionalem Stress und die Gefühlsoffenheit und -regulation während des Interviews erfasst werden. Für Jugendliche wird in der 1 Die Annahme von zentralen Entwicklungsthemen einer jeden Altersstufe hat die Vorstellung von Entwicklungsaufgaben (Havighurst, 1948) abgelöst und betont eher den Entwicklungsprozess und die Beeinflussung späterer Entwicklungsthemen durch gelungene oder nicht gelungene Anpassung bei früheren Entwicklungsthemen. Jedes Entwicklungsthema bleibt zudem in der weiteren Entwicklung relevant, wenn auch nicht immer an prominenter Stelle (Sroufe, 1989; Spangler & Zimmermann, 1999). Alter des Entwicklungsthemen Elterliche Aufgaben Kindes (J) 10 + Identität, eigene emotionale Beziehungen Ablösung und Abgrenzung bei gleichzeitigem Vertrauen ermöglichen 7 - 10 Körperliche, Leistungs- und Sozial- Verantwortungsübernahme, Leistung, kompetenz gleichgeschlechtliche Gruppenbildung, moralische Entwicklung fördern 4 - 7 Peerbeziehungen, Impulskontrolle Ermutigung und Förderung Klare Rollen, Regeln und Grenzen 1 - 4 Erkundung, Autonomie Sichere Basis, stärkende Unterstützung für eigene Erfahrungen und herausfordernde Feinfühligkeit 0 - 3 Bindung Feinfühlige Antwortbereitschaft und Verfügbarkeit; Annahme des Kindes und Kooperation 0 - 0.5 Physiologische Regulierung Sanfte Pflegeabläufe und Fürsorge Abbildung 1: Kindliche Entwicklungsthemen und elterliche Aufgaben Bindungssicherheit fördern 165 Regel das adaptierte Erwachsenenbindungsinterview (Adult Attachment Interview: George, Kaplan & Main, 2001; Gloger-Tippelt, 2001; Zimmermann & Becker-Stoll, 2001) verwendet. Bei den Eltern als Bindungspersonen stehen diagnostisch die Einschätzung ihrer Feinfühligkeit im Umgang mit den kindlichen Bedürfnissen, ihrer Kooperation mit dem Kind und der Annahme des Kindes (Skalen deutsch in: Grossmann & Grossmann, 2003), ihrer Fähigkeit als Bindungsperson zu wirken (Verhaltensbeobachtung in bindungsrelevanten Situationen - siehe unter Dyade Eltern - Kind) und ihres Erziehungsverhaltens im Mittelpunkt. Beim elterlichen Erziehungsverhalten gibt es noch keine Untersuchungen zum Zusammenhang zu Bindungsqualitäten und -sicherheit. Dies wäre für die Zukunft ein wichtiger Schritt, um eine Lücke zwischen zwei wesentlichen Forschungsbereichen, die sich der kindlichen Entwicklung und ihren Förderbedingungen widmen, zu schließen. Immerhin weisen Grossmann und Grossmann (2004, S. 204) darauf hin, dass die geäußerten Erziehungsvorstellungen von sicher gebundenen Kindern dem „autoritativen“ Erziehungsstil nach Diana Baumrind (1989) nahe kommen, während Eltern unsicherer Kinder eher einen „autoritären“ oder „nachgiebigen“ Stil aufweisen. Aus der Praxis der Beratung ist es auch nahe liegend, dass Eltern mit einem „autoritativen“ Stil bzw. mit Verhaltensmustern, die Schneewind (2001) als „Freiheit in Grenzen“ beschrieben hat, die Beziehung zu ihren Kindern emotional am wenigsten belasten und damit auch sichere Bindungserfahrungen und -muster befördern. Darüber hinaus sind auch alle Faktoren von Interesse, die auf das elterliche Verhalten in diesen Bereichen Einfluss haben, z. B. aktueller Stress und Überforderung im Alltag, Konflikte der Eltern, aktuell wirksame schwierige Kindheitserfahrungen, familiäre Beziehungsprobleme in der erweiterten Familie, psychische Probleme und Verunsicherungen der Eltern etc. Marvin, Cooper, Hoffmann und Powell (2003) haben aufgezeigt, dass solche Faktoren zu psychischen Abwehrprozessen führen, die die Sensibilität und Wahrnehmungsfähigkeit der Eltern gegenüber den kindlichen Bindungsbedürfnissen deutlich herabsetzen und zu unsicheren Bindungsmustern führen. Außerdem kann als weiteres Element der Bindungsdynamik die Bindungsrepräsentation der Eltern im Hinblick auf die eigenen Bindungserfahrungen als Kind im sogenannten Erwachsenenbindungsinterview (Adult Attachment Interview; George, Kaplan & Main, 2001) erhoben werden. Diese steht in enger Beziehung zur Bindungsgestaltung zum eigenen Kind, zu Erziehungsvorstellungen und gibt Hinweise auf relevante Bereiche der Intervention. Bei den Eltern-Kind-Dyaden sind die beobachtbaren Bindungsmuster in Trennungs- und Wiedervereinigungssituationen bei Kleinkindern (Ainsworth, Blehar, Waters & Wall, 1978; siehe auch Darstellung weiter unten) und bei Sechsjährigen (Wartner, Grossmann, Fremmer-Bombik & Suess, 1994) und die dabei erreichte Regulation der Gefühle und Bedürfnisse auch in anderen auftretenden Belastungssituationen von entscheidender Bedeutung (Zimmermann, 2000). Daneben richtet sich der diagnostische Blick auch auf die mögliche Sicherheit im Familiensystem (Byng-Hall, 1999): Intergenerationenbeziehungen, Paardynamik und -konflikte, der Lebensalltag und die Zufriedenheit der Eltern können die Bindungsdynamik und Sicherheit erheblich beeinflussen, wie es z. B. auch das Modell von Dorothy Heard (1982) beschreibt: Demnach führen erfüllte Bindungsbedürfnisse bei den Familienmitgliedern zu Zufriedenheit, einer entspannten Atmosphäre in der Familie, zur Bereitschaft, Neues auszuprobieren und zu einer sogenannten „offenen Familienstruktur“ (vgl. Scheuerer-Englisch, 1993). Im erweiterten sozialen Umfeld des Kindes werden die Beziehungen des Kindes zu wichtigen Erwachsenen und zu Freunden und Gleichaltrigen ebenfalls daraufhin betrachtet, inwieweit in diesen problematische Beziehungsmuster weitergetragen werden oder sie dem Kind helfen könnten, Vertrauen und Sicherheit zur Meisterung seiner Entwicklungsaufgaben aufzubauen. 166 Hermann Scheuerer-Englisch Im Zentrum der diagnostischen Gesamtschau steht aus Bindungssicht die Frage, inwieweit das Kind Belastungen gegenüber den Bindungspersonen offen kommunizieren kann bzw. von sich aus kommuniziert, inwieweit die Bindungspersonen kindliche Belastungen und Bedürfnisse erkennen (können) und angemessen emotional unterstützend verfügbar sind sowie wertschätzende und haltgebende Erziehungshaltungen verfolgen, sodass eine Regulation von Belastungen im Sinne eines sicheren Bindungsmodells gelingt und das Kind offen für die Bewältigung seiner Entwicklungsthemen ist. So einfach diese Überlegungen klingen, so vielfältig und komplex stellt sich diese Aufgabe in der konkreten, einzigartigen Familie dar. Wesentlich ist damit die Diagnose der familiären Bindungs- und Fürsorgemuster und eine daraufhin abgestimmte Intervention. Allgemeine Interventionen Erziehungsberatung als psychologischer und pädagogischer Fachdienst kann in folgenden Bereichen besonders gut Angebote entwickeln und vorhalten, die als Intervention allgemein dem Ziel dienen, sichere Bindungsmuster zu fördern: • Entwicklungspsychologische Beratung und Information über kindliche Entwicklung, Grundbedürfnisse, Verhaltensweisen etc. (z. B. Ziegenhain, Fries, Bütow & Derksen, 2004) sowie über Bindungsdynamik allgemein (z. B. die Bedeutung von tragfähigen Beziehungen, die Nichtaustauschbarkeit von Bindungspersonen, die Folgen von Verlust, Trennungen und Einflüsse von traumatischen Beziehungserfahrungen auf die Entwicklung des Einzelnen), • Anleitung der Eltern zu genauer Beobachtung ihrer Kinder, der Wahrnehmung kindlicher Signale und angemessener Reaktionen und damit Erhöhung der Feinfühligkeit im Umgang mit dem Kind, • Hilfe zur Selbstreflektion des Beziehungsverhaltens (z. B. positive Integration und Bewältigung eigener Kindheitserfahrungen und Gefühle; Folgen im Erziehungsverhalten) bei Eltern und Kind, • Förderung beziehungsorientierter Strategien, einer gefühlsoffenen Kommunikation in Belastungssituationen, • Anleitung der Eltern zu einer gefühlsregulierenden, förderlichen Haltung gegenüber dem Kind, wenn dieses überfordert ist, außer sich oder im Bereich der Erkundung und Autonomie blockiert ist, • Hilfen zur Reorganisation problematischer Lebenssituationen (z. B. Stressabbau, Knüpfen von unterstützenden Netzwerken, Stabilisierung der Partnerschaft und Elternschaft, Hilfen bei Trennung). Viele dieser Interventionen finden sich in bindungsgeleiteten Frühinterventionsprogrammen, z.B. STEEP ™ (Suess & Kißgen, 2005) oder dem Projekt „Kreis der Sicherheit“ (Marvin, Cooper, Hoffman & Powell, 2003). Spezifische Interventionen in Abhängigkeit von unterschiedlichen Bindungsmustern Interveniert man aus einer Bindungsperspektive, ist es natürlich das Ziel, unsichere Bindungsmodelle und -qualitäten beim Individuum, in den Eltern-Kind-Beziehungen und in der ganzen Familie in Richtung höherer Sicherheit zu unterstützen. Dabei sind vor allem die Beziehungsprozesse im Blickpunkt und Veränderungen werden sowohl im Verhalten als auch bei den inneren Arbeitsmodellen der Familienmitglieder angestrebt. Dazu werden im Folgenden die Charakteristika und Probleme der bekannten Bindungsqualitäten und inneren Bindungsmodelle (Ainsworth, Blehar, Waters & Wall, 1978; deutsch im Überblick: Grossmann & Grossmann, 2004) sowie das dazu korrespondierende Fürsorgeverhalten kurz erläutert. Spezifische Interventionsziele und Erfahrungen aus der Praxis, die sich bei den unterschiedlichen Bindungsmustern in der Familie ergeben, werden vorgestellt: Bindungssicherheit fördern 167 Sicheres Modell und unterstützende elterliche Fürsorge: Bindungssichere Kinder haben aufgrund ihrer Erfahrungen die Vorstellung, dass ihre Bindungspersonen bei Belastung emotional und physisch verfügbar sind. Sie suchen bei Belastung Nähe und Trost und erhalten ihn in der Regel auch. Ihre Gefühle von Belastung zeigen sie offen. Auch bindungssichere Kinder können in ernsthafte Entwicklungskrisen geraten. So kann ein Verlust, die Trennung der Eltern oder eigene Beeinträchtigungen, z. B. eine Teilleistungsstörung, das Kind aus seiner Bahn werfen. Im Rahmen sicherer Beziehungen teilt das Kind jedoch in der Regel seine Belastungen offen mit und die Bezugspersonen haben eine relativ gute Einschätzung über die kindlichen Probleme. Die Eltern sind in der Regel bereit, Hilfe und Anregungen bereitwillig in Anspruch zu nehmen und aktiv an der Unterstützung für das Kind mitzuwirken. Die Beratung verfolgt dann gemeinsam mit den Eltern das Ziel, angemessene Lösungen für die Probleme zu finden. Eine direkte Arbeit an den Beziehungen ist dabei weniger erforderlich, jedoch sind Eltern und Kind bei Beziehungsproblemen bereit, aufeinander zuzugehen und die Beziehung zu „reparieren“. Häufig steht jedoch die Unterstützung und Förderung für das Kind selbst im Mittelpunkt der Beratung. Das sichere Modell stellt einen wesentlichen Schutzfaktor für die kindliche Entwicklung dar, da auftretende Belastungen schnell erkannt werden, das Kind sich bei den Eltern trotz bestehender Probleme geborgen fühlen kann und die Erfahrung macht, dass Probleme bewältigbar bleiben. Unsicher-vermeidendes Modell und unfeinfühlige Fürsorge: In der vermeidenden Beziehung werden Gefühle und Belastungen in der Regel vom Kind nicht offen kommuniziert und von den Eltern nicht wahrgenommen. Dies führt zu gegenseitigen Enttäuschungen und Missverständnissen. Auf Seiten des Kindes entsteht Bindungsärger aufgrund nicht erfüllter Bedürfnisse sowie eine Überforderung des Kindes, wenn es auftretende Probleme allein zu lösen versucht, diese den Eltern nicht mitteilen kann und alleine damit aber nicht mehr zurechtkommt. Die Eltern ihrerseits zeigen eine geringe Aufmerksamkeit gegenüber den kindlichen Gefühlen und Bedürfnissen, sie sind eher an einem „normalen Funktionieren“ interessiert. Bei kindlichen Symptomen und Problemen reagieren sie überrascht, da sie aufgrund der eingeschränkten emotionalen Kommunikation damit nicht gerechnet haben. Kindliche Belastungen werden so in der Familie nicht reguliert und Probleme erst spät erkannt und lange bagatellisiert oder verdrängt. Ein unsicher-vermeidendes Modell stellt zunächst noch kein Risiko für die kindliche Entwicklung dar, solange nicht so gravierende Belastungen auftreten, dass sie das Kind auf Grund seines Entwicklungsstandes und seiner eigenen Fähigkeiten nicht mehr alleine bewältigen kann. Treten solche Bedingungen jedoch auf, dann bleibt das Kind mit seinen Problemen allein. Die Interventionen in der Erziehungsberatung zielen bei diesen Familien zunächst auf eine Öffnung in den Beziehungen ab, sodass Gefühle und Bedürfnisse wieder offen mitgeteilt werden können, das kindliche Verhalten für die Eltern besser verstehbar wird und die kindliche Zufriedenheit in der Familie sowie seine gefühlte Sicherheit erhöht wird. Dazu ist es wichtig, das Kind und seine Belastungen und Gefühle zu verstehen und gerade wegen seiner Vermeidungshaltung sehr aufmerksam auf mögliche Stressfaktoren in Familie, Kindergarten, Schule oder Freundeskreis zu achten. Werden solche identifiziert, ist es die Aufgabe der Beratung, das Verständnis der Eltern für diese Gefühle und Belastungen zu wecken und ihnen zu helfen, für das Kind Verständnis, Trost und Unterstützung im Sinne einer sicheren Beziehung zu entwickeln. Daneben hat die Beratung natürlich auch die Aufgabe, das Kind selbst in seinen Entwicklungsthemen zu fördern und ihm auch erforderliche Interventionen anzubieten (z.B. die Teilnahme an einer Gruppe zur Förderung sozialer Fertigkeiten oder eine Förderung beim Lesen oder Rechtschreiben etc.). Vermeidende Eltern und Kinder erwarten zunächst kein intensives Beziehungsangebot und geben sich auch mit 168 Hermann Scheuerer-Englisch wenig Beratung schnell zufrieden. Es ist wichtig, dass die Beratung in kleinen Schritten erfolgt und die Erfahrung von hilfreichen Beziehungen in der Beratung sowie das Werben für mehr Gefühlsoffenheit und Wertschätzung von Beziehungen feinfühlig und respektvoll geschieht. Unsicher-ambivalentes Modell und wenig einschätzbare Fürsorge: Aufgrund der Erfahrung, dass die Eltern nur wenig vorhersagbar feinfühlig sind, ist das Bindungssystem dieser Kinder überaktiviert. Durch intensiven Gefühlsausdruck, Anklammern und Vermeiden von Autonomie sowie später durch eine Aufmerksamkeit erzwingende angespannte Beziehungshaltung besteht beim unsicher-ambivalenten Beziehungsmodell das Problem, dass die Versorgung des Kindes von den Eltern als sehr anstrengend und die Kinder als wenig autonom erlebt werden. Die Eltern erleben so viel Ambivalenz von Fürsorgebereitschaft und Ärger, wenn sie für ihre Kinder sorgen sollen. Sie reagieren zunehmend ärgerlich, fordernd und auch unsicher gegenüber dem Kind, da sie angestrengt sind, aber wegen der vom Kind gezeigten Anhänglichkeit nicht wissen, wie viel Eigenständigkeit dem Kind zumutbar ist. Dies führt nicht selten zu einer Verstärkung des bestehenden Musters. Da die Kinder sich nicht sicher fühlen und das Bindungssystem überaktiviert ist, werden Chancen für die Autonomieentwicklung des Kindes übersehen. Die Kinder ihrerseits lassen sich trotz aktiviertem Bindungssystem von den Eltern nicht trösten, sodass die Eltern sich wiederum hilflos fühlen. Vom Kind erlebte subjektive Belastungen werden dann in den familiären Beziehungen nicht reguliert. Interventionen bei diesen Beziehungsmustern zielen darauf ab, den Eltern zu helfen, ein konsistentes und unterstützendes Fürsorgeverhalten zu entwickeln, zwischen bindungsrelevanten Bereichen und Autonomiebereichen unterscheiden zu lernen, als sichere Basis für ihre Kinder zur Verfügung zu stehen und den Kindern zu helfen, positive Autonomieerfahrungen und mehr Offenheit in den Eltern-Kind-Beziehungen zu erreichen. Dazu brauchen sie Anleitung und Hilfe zu einer genauen Beobachtung der Kinder und Hilfe, um den Bindungsbedürfnissen der Kinder gelassen zu begegnen. Desorganisation von Bindungen und aufgebende, abdankende oder bedrohliche Eltern: Desorganisation von Bindungen bedeutet aus Sicht des Kindes, dass es die Eltern nicht als Bindungs- und Vertrauenspersonen nutzen kann, da diese aufgrund eigener ungelöster Konflikte, psychischer Krankheit, aufgrund aktueller überfordernder Stresssituationen oder unverarbeiteter traumatischer Erfahrungen in der Kindheit keine sichere Basis darstellen (Main & Hesse, 1990; Lyons-Ruth & Jacobvitz, 1999). Die elterliche Fürsorge zeichnet sich entweder durch hilflos-ängstlichen Rückzug, durch feindselighilfloses oder durch aggressives Verhalten gegenüber dem Kind aus (Lyons-Ruth, Melnick & Bronfman, 2002). In der Säuglings- und Kleinkinderzeit haben diese Kinder keine geordnete Strategie für ihr Bindungsverhalten, sondern sind bei Belastung in einem Annäherungs-/ Vermeidungs-Konflikt gefangen. Sie bräuchten eigentlich Sicherheit und wollen Nähe, gleichzeitig empfinden sie Angst und Irritationen mit der Bindungsperson und bleiben auf Distanz. Dies schlägt sich in beobachtbarem desorganisierten Verhalten in Anwesenheit der Bindungsperson, z. B. Sterotypien, widersprüchlichem Verhalten, eingefrorenem Verhalten bis zur Erstarrung oder direkten Anzeichen von Furcht gegenüber der Bindungsperson, nieder (Main & Solomon, 1990). Mit zunehmendem Alter übernehmen diese Kinder in der Regel die Kontrolle über die Beziehungen, da sie damit ihre gefühlte Sicherheit am ehesten erhöhen können. Ihre eigentlichen Bindungsbedürfnisse bleiben jedoch unerfüllt und in den familiären Beziehungen entwickeln sich Anspannung, Rollenumkehr und negative Teufelskreise. Desorganisation von Bindung stellt nach Meinung der Fachleute einen starken Risikofaktor für die kindliche Entwicklung dar. Frühkindliche Desorganisation steht mit externalisierenden Verhaltensproblemen in Kindergarten und Schule in Verbindung (Lyons-Ruth Bindungssicherheit fördern 169 & Jacobvitz, 1999). In den Familien herrscht ein hoher Leidensdruck, da die Kinder eine Menge Probleme bei ihren Entwicklungsthemen aufweisen, gleichzeitig aber aufgrund der Rollenumkehr häufig sehr dominant wirken. Die Eltern fühlen sich sehr hilflos. Sie haben das Gefühl, mit ihrer Erziehung ihre Kinder nicht mehr steuern und erreichen zu können. Die Regulation kindlicher Belastungen findet nicht statt. Interventionen haben das Ziel, zunächst die Eltern zu stärken, um belastende und unwirksame Erziehungsmaßnahmen (z. B. Schläge, Drohungen, Liebesentzug; Inkonsequenz etc.) zu minimieren und zu beenden. Darüber hinaus brauchen die Kinder häufig gleichzeitig individuelle Zuwendung und Entlastung, z. B. in einer Spieltherapie. In einem nächsten Schritt kann dann an der Veränderung der Beziehungsmuster gearbeitet werden, z. B. an der Wiederherstellung der Familienhierarchie und der Nutzung der Eltern als sichere Basis durch das Kind. Nicht selten benötigen die Eltern zusätzlich Therapie, um ungelöste eigene Kindheitserfahrungen, Traumata und deren Auswirkung auf das Elternverhalten zu reflektieren. Bei einem kleinen, besonders hoch belasteten Teil dieser Familien sind weitere teilstationäre und stationäre Erziehungshilfen, z. B. Betreuung in einer heilpädagogischen Tageseinrichtung oder eine Fremdunterbringung, erforderlich, um eine Veränderung der belastenden Beziehungsmuster, eine Veränderung bei den Eltern und eine erforderliche Entwicklungsförderung der Kinder parallel zu ermöglichen. Aus Bindungssicht ist es dabei unbedingt erforderlich, dass gerade bei den weiterführenden Hilfen zur Erziehung die Bindungsdynamik in der Familie besonders berücksichtigt wird und die Arbeit an den Familienbeziehungen einen großen Stellenwert erhält, z. B. durch einen Schutz der gewachsenen Bindungen, durch positive Botschaften an das Kind bei einer Herausnahme aus der leiblichen Familie oder durch die Gestaltung gleitender Übergänge. Grundsätzlich verfolgen beratende oder therapeutische Interventionen beim Kind, einzelnen Elternteilen oder in der Familie das Ziel, bei den Individuen und in den Beziehungsstrukturen an der (Wieder-)Herstellung von sicheren Modellen zu arbeiten, da damit die grundlegende Bewältigungsmöglichkeit von zukünftigen emotionalen Belastungen für das Kind und die Familie hergestellt wird. Die Arbeit mit den Eltern umfasst dabei die Reflexion eigener Kindheitserfahrungen, der resultierenden inneren Arbeitsmodelle von sich, der Erziehungs- und Beziehungshaltungen, der daraus resultierenden Paardynamik und der Fähigkeit, für das Kind Sicherheit in der Beziehung bereitzustellen. Gleichzeitig werden die Einflüsse der aktuellen Lebenssituation dabei betrachtet. Es spielen aber auch die Bearbeitung und die Integration von traumatischen Erfahrungen und von daraus resultierenden Verstrickungen in den Familienbeziehungen eine wesentliche Rolle. In der Arbeit mit dem Kind kann mit zunehmendem Alter und damit einhergehender kognitiver Entwicklung - etwa ab dem Schulalter - mit Spieltherapie und Gesprächen bereits eigenständig an den inneren Modellen des Kindes gearbeitet werden. Dabei geht es neben dem symbolischen Ausdruck von Gefühl und Erleben im Spiel zunehmend darum, die Sprache als Mittel zur Integration besonders belastender oder widersprüchlicher Erfahrungen des Kindes in seinen Beziehungen zu nutzen, damit es ein kohärentes „Narrativ“ der eigenen Erfahrungen und Geschichte entwickeln kann (z. B. „Ich habe viele Herausforderungen zu bestehen oder lebe in schwierigen Verhältnissen, aber ich bin dennoch ein liebenswerter Mensch“). Im Gespräch kann das Kind auch neue Überzeugungen und Erwartungen gegenüber sich selbst und der Welt entwickeln und so zunehmend seine Entwicklung aktiv positiv steuern (Grossmann & Grossmann, 2001). Darüber hinaus kann das Kind speziell in den relevanten Entwicklungsbereichen (Schule, Gleichaltrigenbeziehungen, körperlich-motorische Fähigkeiten etc.) gefördert werden und damit sein eigenständiger Entwicklungsweg unterstützt werden. 170 Hermann Scheuerer-Englisch Fallbeispiel: Das folgende Fallbeispiel illustriert die Entstehung von Bindungsdesorganisation, Störungen der Sicherheit und damit verbundener Probleme in der Regulation kindlicher Belastungen durch die Eltern sowie Problemen im Verhalten des Kindes und im erzieherischen Umgang der Eltern mit dem Kind. Der Fokus auf die Bindungsprozesse im Rahmen der Beratung ermöglicht es den Eltern, die Entstehung der Probleme besser zu verstehen, sich neu in ihrer Elternrolle zu definieren und durch angemessenes Verhalten als Bindungspersonen zu einer Beruhigung und Lösung der Probleme zu kommen. Die 8-jährige Stefanie 2 ist seit massiven gesundheitlichen Problemen im ersten Lebensjahr schwierig im Verhalten. Nur durch zwei Notoperationen konnte sie überleben, für die Eltern war dies damals ein Schock. Stefanie war in der fremden Klinikumgebung den schmerzhaften Behandlungen ausgeliefert. Die Eltern waren bei den Behandlungen anwesend, fühlten sich aber als Bindungspersonen hilflos, weil sie sie nicht vor den Schmerzen der notwendigen Behandlungen schützen konnten. Schuldgefühle und Angst waren die nächsten Jahre ihre Begleiter, auch wenn die Genesung vollständig gelang. Stefanie war in der Folge immer sehr ängstlich und anhänglich in neuen unbekannten Situationen, die Eltern mussten sie überall mit hinbegleiten und z. B. akzeptieren, dass Stefanie nicht freiwillig zur Turnstunde oder zu den Nachbarn ging. Im Kindergarten weigerte sie sich, bei allen größeren Veränderungen mitzumachen. Zu Hause wurde sie aber umso fordernder, fing an, die Eltern herumzukommandieren. Sie spielte ungern alleine und schläft bis heute nicht allein in ihrem Bett. Sie wurde ein Jahr später eingeschult. Die Eltern meldeten sich an der Beratungsstelle, weil die Hausaufgaben bis zu vier Stunden dauern, Stefanie nörgelt und trödelt, schließlich weint und auf die Mutter wütend wird, die ihrerseits dann wütend wird. Schließlich weinen beide. Beim Vater zeigt sich das Problem weniger, allerdings kann er beruflich bedingt nur sehr selten mit ihr die Hausaufgaben machen. Nach dem Erstgespräch wurde mit Stefanie das Bindungsinterview für die späte Kindheit durchgeführt, um ihre Bindungshaltungen, für sie belastende Situationen und ihr Bild der Eltern kennenzulernen. Im Bindungsinterview redet Stefanie z. T. recht offen über ihre Gefühle, sie kann gut Auskunft geben und empfindet ihre Eltern auch in vielen Situationen als unterstützend. Sie zeigt aber wenig Anzeichen von Eigenständigkeit und eigenen Interessen, sondern wirkt sehr auf die Eltern bezogen. Sie wird konfus, wechselt das Thema und wird unklar, wenn es um die Themen Krankenhaus, Hausaufgaben sowie die Gefühle der Mutter dabei geht. Hier wirkt sie sehr angespannt und belastet und berichtet, dass sie den Eltern hier nicht zeigen würde, wie es ihr geht, da sie diese selbst als belastet empfindet. Nach der Analyse der Bindungsgeschichte und der aktuellen Bindungsdynamik von Stefanie und ihren Eltern wird folgende Arbeitshypothese gebildet: Stefanie konnte vermutlich aufgrund der medizinisch notwendigen, aber sehr belastenden Behandlung in der frühen Kindheit keine ausreichende Unterstützung und Schutz im Krankenhaus durch die Eltern erfahren. Diese konnten ihrerseits als Bindungspersonen nicht entsprechend ihrem Gefühl von Fürsorge und Unterstützungsbereitschaft handeln, da die Behandlung ja erforderlich war, auch wenn sie das Kind ängstigte und belastete. In der Folge entstanden bei den Eltern Schuldgefühle, Irritationen in ihrer Rolle als sichere Basis und Verunsicherung über das Ausmaß an notwendiger Unterstützung und Grenzsetzung in der Beziehung zu Stefanie, welche in den ersten Jahren tatsächlich ängstlicher und irritierbarer war. Es entwickelte sich ein unsicher desorganisiertes Bindungsmuster mit teilweiser Gefühlsvermeidung, aber auch sicheren Anteilen in wenig belasteten Bereichen. Stefanie nutzte in ernsten Belastungssituationen aufgrund ihrer traumatischen Erfahrungen die Eltern nicht als Trost- und Sicherheitsquelle. Sie tendierte dazu, die Beziehung zu den Eltern zu kontrollieren. Sie vermied aber auch ängstlich neue Situationen und Herausforderungen, was ihr durch die Verunsicherung der Eltern auch gelang. So konnte sie gleichzeitig keine ausreichende innere Sicherheit für eine gesunde Autonomie entwickeln. Dies führte auch dazu, dass sich Stefanie in Situationen, die ihr eigenes Engagement erfordern, z. B. den Hausaufgaben verweigerte, in unproduktive Kämpfe mit der Mutter verstrickte, die ihrerseits zunehmend ärgerlich und überfordert reagierte. Die Regulation von Sicherheit und Autonomie gelang somit nicht ausreichend, die Entwicklung Stefanies ist dadurch trotz guter, bereits bestehender Fähigkeiten und Gesundheit gefährdet. 2 Namen und Umstände aus Datenschutzgründen verändert. Bindungssicherheit fördern 171 Ziel der Interventionen war es demnach, den Eltern Unterstützung und Informationen zu geben, damit sie eine klarere Haltung gegenüber Stefanie als sichere Basis für die Erkundung und als sicheren Hafen bei Belastung einnehmen können. Dies bedeutet, dass die Eltern unterscheiden lernen, wann Stefanie tatsächlich Schutz und Zuwendung im Bindungsbereich benötigt und wann sie zwar Unterstützung aber auch Konfrontation mit der eigenen Verantwortung im Erkundungsbereich (Schule, Freunde, Freizeit) benötigt. Wichtig ist dabei auch die Reflexion der Eltern, in welchen Situationen sie aufgrund der eigenen intensiven Gefühle das bisherige Muster aufrechterhalten haben. In Stefanies Familie lernte die Mutter zunächst in Erziehungsberatungsgesprächen zusammen mit dem Vater, mit Ruhe und Klarheit die Haltung einer sicheren Basis für Stefanie bei Entwicklungsherausforderungen einzunehmen, ihr bei der Regulation von Wut und Ärger zu helfen, z. B. durch ruhiges Spiegeln ihrer Gefühle, ohne ihr die eigenen Aufgaben (z.B. Schularbeiten) abzunehmen und ohne die Verantwortung für die Gefühle von Stefanie zu übernehmen. Stefanie darf Gefühle haben, die Mutter beobachtet und begleitet Stefanies Gefühle, aber braucht sich dadurch nicht bedroht zu fühlen. Die Hausaufgabensituation wurde so konkret besprochen und die einzelnen Schritte erarbeitet. Für die Eltern war es sehr unterstützend zu hören, wie wichtig sie im Bindungsbereich für Stefanie sind, aber dass zur weiteren Entwicklung der Autonomie auch die Eigenverantwortung und die elterliche Weigerung, sich verstricken zu lassen, gehören. Auch die gegenseitige Unterstützung der Eltern bei dieser nicht einfachen Aufgabe war ein wichtiges Thema, da die Eltern in der Vergangenheit durch die Forderungen und Gefühlsausbrüche von Stefanie häufig in Streit gerieten, da der Vater Stefanie anders erlebte als die Mutter. Ein weiterer wesentlicher Schritt bestand dann in der nochmaligen Auseinandersetzung der Eltern mit der bedrohlichen Geschichte der Anfangsjahre, ihres Schocks über die medizinischen Diagnosen und Behandlungen und des Einflusses dieser Erfahrung auf ihr Erziehungsverhalten und das Bindungsverhalten Stefanies in den folgenden Jahren. Sie begannen, die damalige eigene Verunsicherung, die resultierende Verwöhnung gegenüber dem Kind, die Verstrickungsfolgen etc. zu reflektieren und zu erkennen, dass dadurch Stefanie einerseits primäre Bindungsbedürfnisse nicht kommunizierte oder Nähe sogar zurückwies, andererseits aber durch Überbehütung nicht ausreichend Autonomie entwickeln konnte. Die Eltern bekamen Informationen über die Bindungsdynamik und den Kreis der Sicherheit. Bei den Eltern entstand neues Vertrauen in die eigene Rolle und Aufgaben. Sie begannen zunehmend zu unterscheiden, inwieweit Stefanie in Situationen belastet war und Schutz und Zuwendung brauchte und wann sie von den Eltern Anregung, Ansporn oder Grenzen erleben sollte. Sie konnten die Gefühle von Stefanie nun gelassener beobachten, empfanden sie weniger als unangenehm, sondern als wichtige Signale für die Beziehungsgestaltung. Stefanie war durch das Interview und eine Familiensitzung in die Beratung einbezogen. Die Hauptveränderung in der Beziehung und schließlich auch im Verhalten bei den Hausaufgaben und auch in weiteren Bereichen wurde aber durch die Eltern angestoßen. Stefanie wurde zunehmend eigenständiger und ruhiger. Die Eltern nahmen sie nun als „normales Kind“ wahr. Der Alltag, v.a. die Hausaufgaben wurden von Mutter und Kind zunehmend als bewältigbar erlebt. Die Beratung dauerte 8 Monate. Es fanden 9 Erziehungsberatungsgespräche mit den Eltern, ein Bindungsinterview mit dem Kind und eine Familiensitzung statt. Obwohl der Anmeldegrund die problematische Hausaufgabensituation war, wurde durch die Bindungsorientierung in der Beratung die gesamte Entwicklung, die Beziehungsdynamik und die Bindungsmuster in der Familie in die Betrachtung und Behandlung einbezogen. Dadurch wurden die Eltern in die Lage versetzt, über die konkrete Einzelsituation hinaus eine neue reflektierende Haltung bezüglich ihrer Rolle einzunehmen, sie bekamen Informationen über die Bedürfnisse ihres Kindes und einen neuen Blick auf ihre Beziehungen sowie eine Orientierung für den Umgang mit zukünftigen Belastungssituationen. Die Bindungstheorie schreibt keine spezifischen Interventionsmethoden, therapeutischen Verfahren und auch keine Settings oder bestimmte Erziehungshilfen vor, sondern stellt eine integrative Grundlagentheorie für das Verständnis von Beziehungen, Bedürfnissen und Motivationen des Individuums sowie sein Verhalten in Beziehungen dar. Verschiedene Therapierichtungen, wie z. B. die Verhaltenstherapie (Borg-Laufs, 2002), die Familien- und Paartherapie (Byng-Hall, 1999; Wood, 2002; Marvin, 2003) oder die Psychoanalyse (Fonagy, 2003) haben begonnen, die Bindungstheorie in ihr Verständnis von Intervention zu integrieren. 172 Hermann Scheuerer-Englisch Die Bindungstheorie legt dabei den Fokus auf die Gestaltung von Beziehungsprozessen zur resilienten Bewältigung belastender Entwicklungsherausforderungen. Neben der Förderung sicherer Bindungsbeziehungen als Regulationshilfe für das Kind wird mit zunehmendem Alter auch die Selbstregulationsfähigkeit des Kindes gefördert. Alle Interventionsformen können unter diesem Blickwinkel das vorhandene Bindungswissen nutzen. Wertvolle Beiträge der Bindungstheorie in spezifischen Anwendungsgebieten Die Erkenntnisse der Bindungstheorie leisten auch wertvolle Beiträge zur Gestaltung von Schnittstellen der Erziehungsberatung mit anderen Jugendhilfeangeboten (Krappmann, 2001) und bei der Ausgestaltung der Hilfen in speziellen Bereichen: Zu nennen sind hier z. B. die Fremdunterbringung im Heim und bei Pflegeeltern (z. B. Hedervary, 1996; Unzner, 1999; Schleiffer, 2001; Scheuerer-Englisch, 2004), der Umgang mit traumatisierten Kindern (Brisch & Hellbrügge, 2003) oder Hilfen bei Trennung und Scheidung (z. B. Suess, Scheuerer-Englisch & Grossmann, 1999). Für die Zukunft sollten Ergebnisse der klinischen Bindungsforschung bei Jugendhilfemaßnahmen, in Beratung und Psychotherapie an Bedeutung gewinnen. Positive Erfahrungen von einzelnen Praktikern bei der Anwendung von Wissen aus der Forschung können eine fundierte Praxis- und Interventionsforschung nicht ersetzen. Diese wäre eine lohnende Anstrengung angesichts der ermutigenden Ergebnisse der Bindungsforschung. Literatur Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E. & Wall, S. (1978). Patterns of attachment. A psychological study of the Strange Situation. Hillsdale, NJ: Erlbaum. Baumrind, D. (1989). Rearing competent children. In W. Damon (Hrsg.). Child development today and tomorrow (pp. 349 - 378). San Francisco: Jossey-Bass. Borg-Laufs, M. (2002). Die Rolle der Bindungstheorie in der Verhaltenstherapie. Ein Werkstattbericht. Verhaltenstherapie und Psychosoziale Praxis, 34. Jg. (3), 583 - 596. Bowlby, J. (1975). Bindung. München: Kindler. Bowlby, J. (1995). Elternbindung und Persönlichkeitsentwicklung. Therapeutische Aspekte der Bindungstheorie. Heidelberg: Dexter Verlag. Bretherton, I. (2001). 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