Psychologie in Erziehung und Unterricht
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0342-183X
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Das Selbstmanagement-Tagebuch: Ein webbasiertes Programm zur Unterstützung der Lernregulation im (Fern)Studium
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Claudia Winter
Manfred Hofer
Stefan Fries
In diesem Beitrag wird ein webbasiertes Selbstmanagement-Tagebuch (SMT) beschrieben, das ausgehend von Modellen des selbstregulierten Lernens darauf abzielt, die systematische Überwachung des Lernens zu erleichtern und Selbstorganisationskompetenzen zu verbessern. Das SMT hilft dabei, (1) eine realistische und effektive Lern- bzw. Arbeitsplanung vorzunehmen, (2) sich selbst kontinuierlich Rückmeldungen zu seinem Vorgehen zu geben, und (3) über sein Lernen kritisch zu reflektieren, um es langfristig zu optimieren.
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Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2008, 55, 152 - 158 © Ernst Reinhardt Verlag München Basel n Forum Das Selbstmanagement-Tagebuch: Ein webbasiertes Programm zur Unterstützung der Lernregulation im (Fern)Studium 1 Claudia Winter, Manfred Hofer, Stefan Fries Universität Mannheim 1 Das Selbstmanagement-Tagebuch entstand in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Praktische Informatik der Fernuniversität Hagen im Rahmen des BLK-Projekts „Förderung selbstgesteuerten Lernens in der virtuellen (Fern)Lehre durch ein Selbstmanagement-System“ (Förderkennzeichen: M 1795.00) und kann unter http: / / sirius.fernuni-hagen.de/ smt eingesehen werden. The Self-Management-Tool: A Web-Based Program to Support Self-Regulation in Distance and Higher Education Settings Summary: This article describes a web based Self-Management-Tool (SMT), which was devel-oped based on models of self-regulated learning and aims at facilitating systematic self-monitoring and continuous improvement of self-management competencies. In more detail the SMT helps (1) to set realistic and efficient goals, (2) to continuously self-evaluate learning activities and (3) to reflect on learning activities with the aim of long-term improvement. Keywords: Self-management, self-regulated learning, self-monitoring, learning diaries Zusammenfassung: In diesem Beitrag wird ein webbasiertes Selbstmanagement-Tagebuch (SMT) beschrieben, das ausgehend von Modellen des selbstregulierten Lernens darauf abzielt, die systematische Überwachung des Lernens zu erleichtern und Selbstorganisationskompetenzen zu verbessern. Das SMT hilft dabei, (1) eine realistische und effektive Lernbzw. Arbeitsplanung vorzunehmen, (2) sich selbst kontinuierlich Rückmeldungen zu seinem Vorgehen zu geben, und (3) über sein Lernen kritisch zu reflektieren, um es langfristig zu optimieren. Schlüsselbegriffe: Selbstmanagement, selbstreguliertes Lernen, Self-Monitoring, Lerntagebücher In Zeiten lebenslangen Lernens muss jeder in der Lage sein, sich für sein Lernen Ziele zu setzen, den Lern- und Arbeitsprozess zu planen, Fortschritte in Bezug auf die Erreichung von Zielen zu überwachen und das Vorgehen gegebenenfalls zu verändern, etwa die Ziele anzupassen oder das Lernverhalten zu verändern, wenn sich der gewünschte Erfolg nicht einstellt. Zudem gilt es, auch unangenehme Aufgaben anzupacken, Ziele gegen Widerstände zu verfolgen und sich selbst zu kontrollieren, wenn andere Ziele verlockender erscheinen (Kehr, 2002). All diese Facetten können unter den Begriffen Selbstmanagement oder Selbstregulation zusammengefasst werden. Obwohl viele Erwachsene auf eine erfolgreiche Lerngeschichte zurückblicken, weisen Untersuchungen auf Probleme im Selbstmanagement hin (Steel, 2007). Vor allem unsystematische Planung und mangelnde Überwachung des strategischen Vorgehens (sog. Monitoring) bei der Zielverfolgung scheinen weit verbreitete Defizite zu sein (vgl. De Jong, van Joolingen, Swaak, Veermans, Limbach, King & Gureghian, 1998; Zimmerman, 1998). So besteht die Gefahr der Überforderung, was zu oberflächlichem Lernen bzw. Arbeiten bis hin zum Abbruch einer Lernhandlung führen kann. Ausgehend von dieser Problemsituation und eigenen Vorarbeiten zur Analyse und Förderung der Selbstregulation im Studium wurde Das Selbstmanagement-Tagebuch 153 in Zusammenarbeit mit Informatikern der Fernuniversität Hagen ein webbasiertes Tagebuch zur systematischen Unterstützung der Selbstregulation im (Fern)Studium entwickelt. Im vorliegenden Beitrag werden Ziele, Aufbau und Inhalte des Selbstmanagement-Tagebuchs sowie bisherige Evaluationsergebnisse zusammenfassend beschrieben. Ziele des Selbstmanagement- Tagebuchs Das übergeordnete Ziel des Selbstmanagement- Tagebuchs (im Folgenden SMT genannt) besteht darin, Studierende (und andere Lerner) bei der Optimierung ihrer Fertigkeiten zur Selbstregulation zu unterstützen. Das SMT stellt Maßnahmen bereit, die den Nutzer anregen, seine Selbstmanagementstrategien kritisch zu hinterfragen und schrittweise zu verbessern. Es überlässt die Verantwortung für die Art und das Ausmaß seiner Anwendung dem Lernenden und ermöglicht damit Flexibilität und Anpassung an individuelle Bedürfnisse. Mit dem SMT sollen folgende spezifische Interventionsziele erreicht werden: • Erstens soll der Nutzer angeregt werden, seine zeitliche Organisation zu verbessern, indem er lernt, kurz-, mittel- und langfristig realistisch zu planen. • Zweitens soll das SMT den Nutzer anregen, sein Repertoire an Strategien (z. B. Lernstrategien, Selbstmotivationsstrategien) zu betrachten, die Effizienz der einzelnen Strategien zu prüfen und sein Strategierepertoire zu erweitern. • Drittens soll der Nutzer durch systematische Überwachung des eigenen Lernfortschritts zu einer Optimierung des Selbstmanagements im Hinblick auf eine realistischere Selbsteinschätzung des eigenen Wissensstandes und der persönlichen Zielerreichung angeregt werden. Bevor die Umsetzung der Ziele im SMT beschrieben wird, erfolgt eine Erläuterung dessen theoretischer Grundlagen. Grundprinzip und angestrebte Wirkungsweise Das SMT ist an gängige Tagebuchverfahren angelehnt und basiert auf der Methode der Selbstüberwachung. Sie hat sich in verschiedenen Bereichen der Psychologie als erfolgreiche Methode zur Optimierung zielgerichteten Verhaltens bewährt (vgl. Lan, 1996; Landmann & Schmitz, i. Dr.; Nückles, Schwonke, Berthold, & Renkl, 2004; Schmitz, 2006; Schmitz & Wiese, 2006; Webber, Scheuermann, McCall, & Coleman, 1993; Winter & Hofer, i. Dr.). Das Grundprinzip besteht darin, den Nutzer anhand von Leitfragen durch die einzelnen Phasen eines Lern- oder Arbeitszyklus zu führen, um dessen Aufmerksamkeit explizit auf die relevanten Aspekte des Selbstmanagements zu richten. Als Grundlage für die Ableitung geeigneter Fragen zur Unterstützung des Selbstmanagements dienten Modelle selbstregulierten Lernens, die beschreiben, welche Selbstregulationsprozesse vor, während und nach dem Lernen idealerweise stattfinden (vgl. Pintrich, 2000; Schmitz, 2001; Winne & Hadwin, 1998; Zimmerman, 2000). Das SMT unterscheidet sich von anderen Tagebüchern im Lernbereich durch drei Eigenschaften: (a) Es bezieht außer Lernzielen auch Ziele aus anderen Bereichen (Beruf und Freizeit) ein und nimmt somit eine ganzheitliche Sicht auf die Lernenden ein (vgl. Hofer, 2004). (b) Es unterstützt nicht nur die systematische Planung und Zielsetzung, sondern vor allem die differenzierte Analyse und Reflexion der eigenen Stärken und Schwächen beim Lernen. (c) Es ist webbasiert und ermöglicht damit nicht nur eine leichte Nutzbarkeit, sondern erlaubt auch die unmittelbare Auswertung und Rückmeldung zu relevanten Eingaben in Form von Statistiken und Grafiken. Im Falle des SMT sind wöchentliche Eintragungen vorgesehen. Der Lernende plant jede Woche (eine Woche wird als eine Lernepisode bezeichnet) vorab und bewertet an deren Ende seine Ergebnisse und sein Vorgehen. Der Lernende wird angehalten, Ziele auf verschiedenen 154 Claudia Winter et al. Ebenen zu formulieren: studiumsbezogene, berufsbezogene und private. Indem auch berufsbezogene und private Ziele in die Planung eingehen, ermöglicht das SMT, Ziele inhaltlich zu priorisieren und zeitlich zu reihen. Ziele, die sich ergänzen oder behindern, können frühzeitig erkannt und in die Zielplanung einbezogen werden. Um eine sukzessive Zielannäherung sicherzustellen, sieht das SMT vor, übergeordnete Ziele (z. B. Anfertigung einer Präsentation) und dazugehörige Unterziele (z. B. Literaturrecherche, Konzeptanfertigung, Ausformulierung) zu entwickeln und zeitlich zu definieren. Alle Ziele und Unterziele können in Form einer Zielhierarchie angezeigt werden und die wöchentliche Detailplanung erleichtern. Aufbau des Selbstmanagement- Tagebuchs Abbildung 1 gibt einen Überblick über den Aufbau des SMT. Es besteht aus drei Teilen: der erstmaligen Nutzung und den Grundeinstellungen, der wöchentlichen Planung und Analyse der Lernepisoden sowie der Startseite mit Zugriff auf die allgemeinen Grundfunktionen. Teil 1: Erstmalige Nutzung und Grundeinstellungen Nutzt man das SMT zum ersten Mal, sind einige Grundeinstellungen vorzunehmen, die im Folgenden kurz beschrieben werden. Einführung. Der Nutzer bekommt anfangs eine kurze Einführung in die wichtigsten Elemente des Tagebuchs. Um ihn bei der Planung zu unterstützen, können Dozenten oder andere Lehrpersonen veranstaltungsspezifische Hinweise oder Termine in das SMT einstellen. Diese können vom Nutzer wahlweise in seine Zielplanung aufgenommen werden. Veranstaltungen auswählen. Der Nutzer kann auswählen, ob und welche veranstaltungsspezifischen Informationen er in sein SMT übernehmen will, sofern Dozenten oder Weiterbildungsanbieter solche hinterlegt haben (z. B. Termine, Ziele, Meilensteine etc.). Abbildung 1: Grundaufbau des SMT Persönliche Einstellungen Zielsetzung und Zeitplanung Planung einer Lernperiode Analyse einer Lernperiode Die Startseite „Mein SMT“ I. Die erstmalige Nutzung des SMT - Veranstaltungen auswählen - Kalenderansicht festlegen - Individuelles Profil festlegen - Zielsetzung für ein Semester vornehmen II. Wöchentliche Planung und Analyse des Selbstmanagements - Fixe Termine setzen - Zielsetzung für eine Woche vornehmen - Zeitplanung für eine Woche festlegen - Zielkriterien definieren - Durchhalteplan entwickeln - Übersicht über die Woche - Zielsetzung bewerten - Strategisches Vorgehen beim Lernen evaluieren - Bewertung des Durchhalteplans vornehmen - Selbstmanagement reflektieren III. Allgemeine Funktionen Zugriff auf - Zielhierarchie - Terminkalender - Statistiken - Lernepisoden - Archiv Das Selbstmanagement-Tagebuch 155 Kalenderansicht festlegen. Als Nächstes legt der Nutzer seine Kalenderansicht fest, indem er Anfangs- und Endzeit eines typischen Arbeitstages bestimmt. Ziele bestimmen. In einem ersten Planungsschritt entwickelt der Nutzer eine Zielhierarchie, indem er seine langfristigen studiums-, berufsbezogenen sowie privaten Ziele für die nächsten Monate definiert und sie in Zwischenziele unterteilt. Für jedes über- und untergeordnete Ziel wird ein Termin festgelegt, zu dem das angestrebte Ziel erreicht sein sollte. Die Ziele werden automatisch in den im SMT integrierten Kalender übernommen und sind für die wöchentliche Planung nutzbar. Der Nutzer kann über die Zielhierarchie jederzeit auf seine Ziele zugreifen und sie modifizieren oder ergänzen. Abbildung 2 zeigt links die Zielhierarchie, in die nacheinander studienbezogene, berufsbezogene und private Ziele aufgelistet sind. Klickt man auf ein Oberziel, klappen sich die dazugehörigen Unterziele mit den geplanten Erledigungsterminen auf. Auf der rechten Hälfte der Seite kann der Lernende neue Ober- oder Unterziele eingeben und sie mit Hilfe des Kalenders datieren. Individuelles Profil festlegen. Der Nutzer kann sein individuelles Profil festlegen, indem er einzelne Funktionen der wöchentlichen Planung und Analyse an- oder abwählt. Das SMT umfasst stets Planung und Analyse des Selbstmanagements und damit die Kernelemente Zielsetzung, Terminplanung sowie Zielanalyse und Reflexion des Selbstmanagements. Dabei kann die Art von Zielen ausgewählt werden, die in die Planung einzubeziehen sind, und der Umfang der Planung und Analyse kann individuell festgelegt werden (z. B. mit oder ohne detaillierte Bewertung der Zielerreichung). Teil 2: Regelmäßige wöchentliche Planung und Analyse des Selbstmanagements Hat der Nutzer seine Grundeinstellungen und Zielsetzungen festgelegt, unterstützt ihn das SMT in seinem wöchentlichen Selbstmanagement, indem er anhand der folgenden acht Schritte zur systematischen Planung und Analyse seines Vorgehens zur Zielerreichung angeleitet wird. (a) Die Planung zu Beginn einer Lernepisode Fixe Termine. Als erstes trägt er fixe Termine in seinen Kalender ein (z. B. Veranstaltungen, Arbeitszeiten, Arzttermine). Wochenziele. Danach legt er fest, welche Ziele er während der Woche verfolgen möchte, priorisiert sie und schätzt die Zeit ein, die er für die Zielerreichung benötigen wird. Hierbei kann er auf bereits definierte Ziele zugreifen oder neue Ziele definieren. Abbildung 2: Zielhierarchie mit lang-, mittel- und kurzfristigen Zielen 156 Claudia Winter et al. Zeitplanung. In die noch freien Zeitfenster in seinem Kalender plant der Nutzer konkrete Zeiträume ein, in welchen er seine Ziele verfolgen möchte. Zieldefinition. In einem vierten Schritt wird er dazu angehalten, zu jedem Ziel (z. B. Lesen von Kapitel „xy“) Zielkriterien (z. B. Beantwortung der Prüfungsfragen zu Kapitel „xy“) zu formulieren, anhand derer er den Grad der Zielerreichung am Ende der Woche überprüfen kann. Durchhalteplan. Im fünften Schritt soll der Nutzer einen Durchhalteplan entwickeln, um sicherzustellen, dass er seine Ziele auch wie geplant umsetzt. Hierzu entwickelt er Strategien, um erfolgreich mit Hindernissen (z. B. Anrufe von Freunden) umzugehen, welche ihn von seinen Vorhaben ablenken könnten. Übersicht. Abschließend lässt er sich seinen Wochenplan mit allen Terminen und Zielen ausdrucken, um ihn während der Woche in Erinnerung zu behalten. (b) Die Analyse am Ende einer Lernepisode Am Ende einer Woche analysiert und reflektiert der Nutzer sein Vorgehen anhand der folgenden drei Schritte. Bewertung der Zielerreichung. Im sechsten Schritt wird der Nutzer zu Zeitmanagement, Motivation und Grad der Zielerfüllung in der zurückliegenden Woche befragt. Er soll einschätzen, wie viel Zeit er tatsächlich in die Zielverfolgung investiert und wie viel er davon effektiv genutzt hat. Zeiten, in denen er beispielsweise gedankenverloren vor seinem Lernmaterial gesessen oder den Schreibtisch aufgeräumt hat, sollen dadurch deutlich gemacht werden. Durchhalteplan. In Fragen zu seinem Durchhalteplan soll der Nutzer einschätzen, wie häufig befürchtete Hindernisse aufgetreten sind und wie oft er diesen erfolgreich Durchhaltebzw. Vermeidungsstrategien entgegensetzen konnte. Reflexion. Im letzten Schritt der Analyse soll der Nutzer seine Selbstmanagementkompetenz in den unterschiedlichen Phasen selbstregulierten Lernens bewerten. Dazu werden ihm die Bewertungen der letzten Woche vorgelegt, und er soll einen Vergleich über die Zeit vornehmen, um sich Veränderungen im Selbstmanagement bewusst zu machen. Teil 3: Allgemeine Funktionen Über die Startseite „Mein SMT“ erhält der Nutzer direkten Zugriff auf die fünf zentralen Funktionen Zielhierarchie, Terminkalender, Statistiken, Lernepisoden und Archiv, sodass er sich schnell einen Überblick über den aktuellen Stand seiner Lern-/ Arbeitsplanung verschaffen kann. Statistiken. Über die Startseite kann der Nutzer auf seine Statistiken zugreifen, die ihm Rückmeldung zu verschiedenen Aspekten seines Lernverhaltens geben (z. B. den Verlauf der Diskrepanz zwischen geplanter und tatsächlich aufgewendeter Lernzeit). Dadurch kann er Aufschluss über Entwicklungen in seinem Verhalten, seiner Motivation etc. gewinnen und sein Selbstmanagement situationsübergreifend vergleichen. Betrachtet man beispielsweise die nachfolgende Abbildung, so sieht man die Verläufe der geplanten, tatsächlichen und effektiv genutzten Zeit über zwei Lernepisoden (siehe Abbildung 3). Man kann erkennen, dass dieser Lernende seine tatsächliche Lernzeit tendenziell der geplanten Lernzeit annähert. In der ersten Lernepisode war die Diskrepanz vergleichsweise groß. In der zweiten Lernepisode wendete er ungefähr so viel Zeit für Lernaktivitäten auf, wie er sich vorgenommen hatte. Zielhierarchie und Terminkalender. Auf die Zielhierarchie und den Terminkalender kann der Nutzer ebenfalls stets zugreifen und beides als tägliche Organisationshilfe benutzen. Sowohl einmalige als auch wiederkehrende Termine können eingetragen werden. Nachdem Ziele, Aufbau und Inhalte des SMT beschrieben wurden, wird im folgenden Abschnitt kurz auf die bisherigen Evaluationsergebnisse eingegangen. Das Selbstmanagement-Tagebuch 157 Bisherige Evaluationsergebnisse Bisher sind zwei Versionen des SMT evaluiert worden. Eine erste Erprobung fand im Rahmen einer längsschnittlich angelegten Feldstudie statt, in der das SMT als fester Bestandteil in eine erziehungswissenschaftliche Methodenveranstaltung integriert wurde. Der Einfluss der Selbstüberwachung auf Merkmale selbstregulierten Lernens wurde an insgesamt 33 Studierenden überprüft, die während des gesamten Semesters mit dem webbasierten Lerntagebuch arbeiteten. Vor, während und am Ende des Semesters wurden neben Personenmerkmalen die Nutzung von Selbstregulationsstrategien durch Fragebogen und die Lernleistung durch Klausuren gemessen. Mittels Mehrebenenanalysen konnten erwartungsgemäß signifikante Trends für die Zielerreichung, die Effektivität der Zeitnutzung sowie den Einsatz von metakognitiven Strategien nachgewiesen werden (Winter, 2007). Insgesamt traten sehr wenige technische Störungen auf und es gab kaum inhaltliche Nachfragen. Der Großteil der Studierenden bewertete die Nutzung des Tagebuchs trotz der damit verbundenen Zusatzbelastung als sinnvoll und positiv. Um die Wirksamkeit des SMT besser beurteilen zu können, wurde der Einfluss der Trainingsmotivation auf die erzielten Effekte untersucht. Die entsprechenden Selbstauskünfte wurden anhand gespeicherter Logfiles zur Nutzungsdauer und Art der Nutzung überprüft. Es zeigten sich konsistent positive Haupteffekte für das durchschnittliche Lernverhalten sowie tendenziell für den Lernerfolg in den Klausuren. Aber auch diejenigen Studierenden, die wenig motiviert waren, aber zur Nutzung verpflichtet wurden, verbesserten ihr Lernverhalten über den Gesamtzeitraum. Basierend auf dieser erfolgreich verlaufenen Evaluation wurde das SMT weiter optimiert und seine Funktionalitäten erheblich erweitert. Eine erste Evaluation der beschriebenen, aktuellsten Version des SMT durch Studierende der Fernuniversität Hagen und Universität Mannheim führte zu dem Ergebnis, dass diejenigen Studierenden, die das SMT regelmäßig nutzen, positive Effekte in der Anleitung zur systematischen Zielsetzung und Planung ihres Vorgehens sehen. Auch bewerteten sie die Möglichkeit zum systematischen Vergleich des geplanten und tatsächlichen Verhaltens als sehr positiv. Allerdings empfanden einige Studierende den Aufwand, der zu Beginn in die Grundeinstellungen (langfristige Zielsetzung, Auseinandersetzung mit den Funktionen) investiert werden muss, als zu hohe Hemmschwelle, sodass sie die Nutzung frühzeitig abbrachen. Fazit. Die Bereitschaft, ein Mindestmaß an Zeit und Mühe in die Optimierung des Lern- Abbildung 3: Statistik zur geplanten, tatsächlich genutzten und effektiv genutzten Zeit bei der Zielverfolgung pro Lernepisode 158 Claudia Winter et al. verhaltens zu investieren, ist Voraussetzung dafür, dass das Verfahren seine Wirkung entfalten kann. Die Zeit zum regelmäßigen Ausfüllen eines Tagebuchs muss aufgebracht werden, um mittel- und längerfristig einen Gewinn zu erzielen. Dafür brauchen die Nutzer keine eigenen Kurse zum Thema „Lernen lernen“ besuchen. Obwohl im Gegensatz zu Präsenztrainings die webbasierte Form des Lerntagebuchs den Aufwand gering hält, sind viele Studierende nicht bereit, diesen Mehraufwand in Perioden intensiver Prüfungsvorbereitung zu investieren. Um der Gefahr einer geringen Partizipation vorzubeugen, enthält die aktuelle Version des SMT die Möglichkeit, einzelne Funktionsbereiche an- und abzuwählen, um den zeitlichen Aufwand variabel zu gestalten. 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Academic studying and the development of personal skill: A self-regulatory perspective, Educational Psychologist, 33, 73 - 86. Zimmerman, B. J. (2000). Attainment of self-regulation: A social cognitive perspective. In M. Boekaerts, P. R. Pintrich, & M. Zeidner (Eds.), Handbook of self-regulation (pp. 13 - 39). San Diego, CA: Academic Press. Dr. Claudia Winter, Dipl.-Psych. Prof. Dr. Manfred Hofer Dr. Stefan Fries Universität Mannheim Lehrstuhl Erziehungswissenschaften II/ Pädagogische Psychologie Seminargebäude A5 D-68131 Mannheim Tel: +49-6 21-1 81-35 70 Fax: +49-6 21-1 81-35 64 E-Mail: Claudia.Winter@paconsulting.com
