eJournals Psychologie in Erziehung und Unterricht56/3

Psychologie in Erziehung und Unterricht
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0342-183X
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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2009
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Inkonsistenz im Erziehungsverhalten zwischen Müttern und Vätern und Verhaltensprobleme des Kindes

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2009
Stefanie Jaursch
Friedrich Lösel
Andreas Beelmann
Mark Stemmler
In einer prospektiven Studie wird untersucht, inwieweit Inkonsistenz in der Erziehung beider Elternteile zu kindlichen Verhaltensproblemen beiträgt. Im Rahmen der Erlangen-Nürnberger Entwicklungs- und Präventionsstudie (Lösel et al., 2006) wurden 504 Elternpaare und ihre Kinder im durchschnittlichen Alter von 6.6 Jahren untersucht. Das selbst berichtete Erziehungsverhalten der Mütter und Väter wurde in den beiden Grunddimensionen der Emotionalen Wärme und Ablehnung und Strafe mit einem Fragebogen von Jaursch (2003) operationalisiert. Zwei Jahre später wurden externalisierende und internalisierende Verhaltensprobleme der Kinder mit dem Social Behavior Questionnaire von Tremblay et al. (1992) erfasst. Die Daten wurden sowohl in variablenbezogenen Moderatoranalysen als auch typologischen Gruppenvergleichen ausgewertet. In beiden Ansätzen ergaben sich signifikante Zusammenhänge zwischen elterlicher Inkonsistenz und Verhaltensproblemen des Kindes. Dies galt insbesondere für ablehnend-strafende Erziehung und kindliche Störungen des Sozialverhaltens sowie die Verhaltensprobleme insgesamt. Bei Inkonsistenz zwischen den beiden Eltern konnte das positive Erziehungsverhalten des einen Elternteils das ungünstige des anderen nicht kompensieren. Es zeigte sich aber auch, dass inter-parentale Konsistenz nicht nur positive, sondern auch negative Effekte haben kann. Letzteres galt für solche Eltern, die sich übereinstimmend strafend und ablehnend verhielten.
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n Empirische Arbeit Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2009, 56, 172 - 186 © Ernst Reinhardt Verlag München Basel Inkonsistenz im Erziehungsverhalten zwischen Müttern und Vätern und Verhaltensprobleme des Kindes* Stefanie Jaursch 1 , Friedrich Lösel 1,2 , Andreas Beelmann 3 , Mark Stemmler 4 1 Universität Erlangen-Nürnberg 3 Universität Jena 2 University of Cambridge, UK 4 Universität Bielefeld Inconsistency in Parenting Between Mothers and Fathers and Children’s Behaviour Problems Summary: Inconsistency in parenting between parents was investigated in a longitudinal prospective study with regard to children’s problem behavior. As part of the Erlangen-Nuremberg Development and Prevention Study (Lösel et al., 2006) 504 parents together with their children were studied; the average age of the child was 6.6 years. The self-reported parenting behavior of mothers and fathers was based on the two basic dimensions emotional warmth and rejection/ punishment operationalized through a questionnaire developed by Jaursch (2003). The children’s externalizing and internalizing behavior was assessed two years later with the Social Behavior Questionnaire by Tremblay et al. (1992). The data was analyzed within a variable-centered moderator approach as well as within a typological group comparison approach. There were significant correlations between parental inconsistency and the child’s problem behavior in both approaches. These correlations were especially high for harsh-punitive parenting and the child’s antisocial behavior as well as for the overall problem behavior. In the case of inconsistency in parenting, the positive parenting of one parent was not able to compensate for the negative parenting of the other parent. It was also shown that consistency in parenting does not only reveal positive effects, also negative effects were possible. This was true for those mothers and fathers who displayed a punishing together with a rejecting parenting. Keywords: Parenting behavior, children’s problem behavior, aggression, hyperactivity, anxiousness Zusammenfassung: In einer prospektiven Studie wird untersucht, inwieweit Inkonsistenz in der Erziehung beider Elternteile zu kindlichen Verhaltensproblemen beiträgt. Im Rahmen der Erlangen-Nürnberger Entwicklungs- und Präventionsstudie (Lösel et al., 2006) wurden 504 Elternpaare und ihre Kinder im durchschnittlichen Alter von 6.6 Jahren untersucht. Das selbst berichtete Erziehungsverhalten der Mütter und Väter wurde in den beiden Grunddimensionen der Emotionalen Wärme und Ablehnung und Strafe mit einem Fragebogen von Jaursch (2003) operationalisiert. Zwei Jahre später wurden externalisierende und internalisierende Verhaltensprobleme der Kinder mit dem Social Behavior Questionnaire von Tremblay et al. (1992) erfasst. Die Daten wurden sowohl in variablenbezogenen Moderatoranalysen als auch typologischen Gruppenvergleichen ausgewertet. In beiden Ansätzen ergaben sich signifikante Zusammenhänge zwischen elterlicher Inkonsistenz und Verhaltensproblemen des Kindes. Dies galt insbesondere für ablehnend-strafende Erziehung und kindliche Störungen des Sozialverhaltens sowie die Verhaltensprobleme insgesamt. Bei Inkonsistenz zwischen den beiden Eltern konnte das positive Erziehungsverhalten des einen Elternteils das ungünstige des anderen nicht kompensieren. Es zeigte sich aber auch, dass interparentale Konsistenz nicht nur positive, sondern auch negative Effekte haben kann. Letzteres galt für solche Eltern, die sich übereinstimmend strafend und ablehnend verhielten. Schlüsselbegriffe: Elterliches Erziehungsverhalten, kindliche Probleme des Sozialverhaltens, Aggression, Hyperaktivität, Ängstlichkeit * Die Studie wurde durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Inkonsistenz im Erziehungsverhalten zwischen Müttern und Vätern 173 Inkonsistenz in der elterlichen Erziehung gilt als ein wichtiger Risikofaktor für kindliche Verhaltensprobleme, insbesondere im externalisierenden Bereich (vgl. Farrington, 1992; Gottfredson & Hirschi, 1990; Hawkins, Herrenkohl, Farrington, Brewer, Catalano & Harachi, 1998; Loeber & Dishion, 1983; Lösel, Toman & Wüstendörfer, 1976). Inkonsistentes Erziehungsverhalten kann sowohl intraparental als auch interparental bestehen. Im ersten Fall verhält sich ein Elternteil in verschiedenen Situationen inkonsequent, im zweiten Fall handeln die beiden Elternteile gegensätzlich oder stimmen in ihren Erziehungseinstellungen nicht überein (vgl. Chamberlain & Patterson, 1995). In beiden Konstellationen wird es nach sozialen Lerntheorien erschwert, ein angemessenes Sozialverhalten aufzubauen. Zum Beispiel beschreibt Patterson (1982) als Verstärkerfalle („reinforcement trap“) einen Prozess, bei dem kurzfristige Ziele der Eltern, wie momentane Ruhe, zu Inkonsistenz und einer Verstärkung des Problemverhaltens des Kindes führen. Das Kind erfährt demnach negative Verstärkung, wenn die Eltern sich beispielsweise durch einen Wutanfall des Kindes dazu zwingen lassen, ihre Forderungen und Anweisungen aufzugeben. Das inkonsequente Verhalten der Eltern hat zur Folge, dass das Kind lernt, sich auf diese Weise durchzusetzen, was die Wahrscheinlichkeit für künftiges problematisches Verhalten erhöht. Teilweise reagieren die Eltern darauf mit eigener Aggression, sodass sich ein Kreislauf von Zwangsinteraktionen ergibt (Patterson, Reid & Dishion, 1992). Neben dieser prozessualen Inkonsistenz kann noch eine inhaltliche Inkonsistenz unterschieden werden (Rossman & Rea, 2005). Hier ist der Inhalt einer Regel oder Anweisung für das Kind widersprüchlich, zum Beispiel wenn Notlügen oder bestimmte Tischmanieren unter Erwachsenen sozial akzeptiert, für Kinder aber nicht erlaubt sind. Dies erschwert das Lernen durch Einsicht in normative Regelungen. Inkonsistentes elterliches Erziehungsverhalten kann auch zur Erfahrung einer wenig strukturierten sozialen Umwelt führen und damit zum Beispiel die Entwicklung einer sicheren Bindung (Ainsworth, Blehar, Waters & Wall, 1978) oder des Kohärenzgefühls im Sinne von Antonovsky (1997) behindern. Während intraparentale Inkonsistenz relativ häufig untersucht wurde, hat man sich mit der interparentalen Inkonsistenz weniger befasst (vgl. Gable, Crnic & Belsky, 1994; Lindsey & Mize, 2001). Konzeptionell ist interparentale (In-)Konsistenz ein Merkmal des „Coparenting“. Nach Feinberg (2002) geht es dabei um die Kooperation der (Ehe-)Partner in ihrer Rolle als Eltern, insbesondere um Unterstützung versus Untergrabung der Rolle des anderen Elternteils, um Unterschiede in Erziehungsfragen, um die Aufteilung von Erziehungspflichten sowie um die Familieninteraktion einschließlich interparentaler Konflikte. Inkonsistenz in der Erziehung kann eine Folge allgemeinerer Partnerkonflikte sein (z. B. Belsky, 1984; Belsky, Youngblade & Pensky, 1989). Partnerkonflikte belasten das Familienleben, schränken die emotionale Verfügbarkeit der Eltern ein, führen zu inkonsistenten Erziehungsstrategien und gefährden letztlich die gesunde Entwicklung des Kindes (Cummings & Davies, 1994, 1996, 2002; Davies & Cummings, 1994; Erel & Burman, 1995; Gjerde, 1988; Krishnakumar & Buehler, 2000). Neben solchen „Spillover-Effekten“ kann es aber auch zu Kompensationseffekten kommen (vgl. Engfer, 1988). Nach der Forschung zur Resilienz kann zum Beispiel das emotional positive und unterstützende Verhalten eines Elternteils teilweise das negative Verhalten des anderen Partners kompensieren und so protektive Effekte entfalten (Lösel & Bender, 2003). Auch in der Bindungsforschung wird den positiven Erfahrungen mit zumindest einer Bezugsperson eine zentrale Bedeutung zugeschrieben, die gegen negative andere Einwirkungen in der Familie abpuffern kann (vgl. Rutter, 1987). Diese und andere Konzepte legen nahe, dass nicht nur die Inkonsistenz als solche, sondern deren spezifische inhaltliche Gestaltung von Bedeutung ist. Dies führt zu der Frage, 174 Stefanie Jaursch et al. wie interparentale Inkonsistenz in der Forschung erfasst wird. Zum Teil werden Erziehungskonflikte direkt erfragt (z. B. Dadds & Powell, 1991; Jouriles, Murphy, Farris, Smith, Richters & Waters, 1991; O’Leary & Vidair, 2005), was allerdings stark mit allgemeinen Partnerkonflikten konfundiert sein kann. Ein differenzierterter Ansatz besteht in Verhaltensbeobachtungen, die direkt das den Partner unterstützende oder unterminierende Erziehungsverhalten erfassen (Gable et al., 1994; McHale & Rasmussen, 1998). Bei den Inkonsistenzen geht es hierbei primär um den Ausdruck bewusster Erziehungskonflikte. Relativ häufig werden Selbstberichte über das Erziehungsverhalten der beiden Partner erhoben und Übereinstimmungsmaße berechnet. Dabei zieht man dyadische Intraclass-Korrelationen heran (Block, Block & Morrison, 1981; Deal, Halverson & Wampler, 1989, 1999; Lindsey & Mize, 2001) oder bildet Differenzwerte zwischen dem mütterlichen und väterlichen Erziehungsverhalten (Russell & Russel, 1994; Stoneman, Brody & Burke, 1989). Zwar konnten bei diesem Vorgehen wiederholt Zusammenhänge mit dem externalisierenden und internalisierenden Problemverhalten oder der sozialen Kompetenz des Kindes nachgewiesen werden (z. B. Block et al., 1981; Dadds & Powell, 1991; Deal et al., 1989, 1999; Jouriles et al., 1991; Lindsey & Mize, 2001; O’Leary & Vidair, 2005), unklar bleibt jedoch die inhaltliche Ausrichtung. So könnte es bei guter Übereinstimmung auch sein, dass beide Eltern ihr Kind ähnlich negativ erziehen, zum Beispiel mit wenig emotionaler Wärme. Paare, die eine ähnlich geringe Ausprägung an emotionaler Wärme zeigen, erhalten denselben Wert wie Paare, die sich in einem hohen Ausmaß an emotionaler Wärme ähnlich sind (Maguire, 1999). Anhand der korrelativen Übereinstimmungswerte bzw. der Differenzwerte ist es auch nicht möglich, zwischen Paaren zu differenzieren, in denen entweder die Mutter höhere Werte hat als der Vater oder umgekehrt. Damit wird der Komplexität der verschiedenen familiären Konstellationen nicht ausreichend Rechnung getragen. Vor diesem Hintergrund befasst sich die vorliegende Studie mit differenzierteren Analysen ähnlicher oder unterschiedlicher Erziehungsmuster zwischen beiden Eltern. In einem prospektiv-längsschnittlichen Design geht es um den Zusammenhang zwischen elterlichen Diskrepanzen/ Ähnlichkeiten in grundlegenden Erziehungsdimensionen (Emotionale Wärme, Ablehnung und Strafe) und externalisierenden und internalisierenden kindlichen Verhaltensproblemen. In einem variablenbezogenen Ansatz wird überprüft, inwieweit der prädiktive Effekt des Erziehungsverhaltens des einen Elternteils jeweils von der Übereinstimmung bzw. Inkonsistenz zum Erziehungsverhalten des anderen Partners abhängt. In einem personenbezogenen Vorgehen werden Gruppen mit verschiedenen Konfigurationen der elterlichen Übereinstimmung bzw. Inkonsistenz verglichen. Da Eltern durchaus unterschiedlich erziehen können, ohne sich dessen bewusst zu sein, oder die abweichende Erziehung des Partners akzeptieren können, stehen die konkreten Erziehungsmuster und nicht eventuelle Partner- und Erziehungskonflikte im Vordergrund. Methode Die Daten der vorliegenden Untersuchung entstammen der Erlangen-Nürnberger Entwicklungs- und Präventionsstudie (Lösel, Beelmann, Jaursch, Koglin & Stemmler, 2005). Bei diesem Projekt handelt es sich um eine kombinierte Entwicklungs- und Präventionsstudie, die im Kindergartenalter begann. Die prospektiv angelegte Längsschnittuntersuchung erfolgte bisher an fünf, etwa jährlich aufeinander folgenden Messzeitpunkten, zu denen ein breites Spektrum von Daten über die Kinder und ihre Eltern erhoben wurde (vgl. Lösel, Beelmann, Jaursch & Stemmler, 2004). Im Folgenden wird über Ergebnisse aus der Entwicklungsstudie berichtet; Daten zur Wirksamkeit der eltern- und kindbezogenen Präventionsprogramme finden sich bei Lösel, Beelmann, Stemmler und Jaursch (2006) sowie Beelmann, Jaursch, Lösel und Stemmler (2006). Inkonsistenz im Erziehungsverhalten zwischen Müttern und Vätern 175 Stichprobe Die annähernd repräsentive Gesamtstichprobe der Erlangen-Nürnberger Studie besteht aus 609 Familien des städtischen Großraums Erlangen-Nürnberg, die zum ersten Messzeitpunkt 675 Kinder in den örtlichen Kindergärten hatten. Die Instrumente der vorliegenden Studie beziehen sich auf das Erziehungsverhalten zum dritten Messzeitpunkt (U 3) und die Verhaltensprobleme der Kinder cirka zwei Jahre später (U 5). Hierbei wurden entsprechend der Fragestellung nur jene Familien der Gesamtstichprobe einbezogen, bei denen Mütter und Väter die Fragebögen beantwortet hatten. Die Stichprobengröße zu U 3 betrug N = 504 Kinder (252 Jungen, 252 Mädchen) aus 450 Familien. Die Kinder waren zu U 3 im Durchschnitt 79.2 Monate bzw. 6.6 Jahre alt (SD = 9.9 Monate). Das Durchschnittsalter der Mütter betrug zu diesem Zeitpunkt 36.7 Jahre (SD = 4.0 Jahre), das der Väter 39.2 Jahre (SD = 5.1 Jahre). Von den Eltern waren 98 % leibliche Mütter und 96 % leibliche Väter. 97 % der Mütter und 98 % der Väter waren verheiratet bzw. lebten mit ihrem Partner/ ihrer Partnerin zusammen. Drei Prozent der Mütter waren alleinerziehend, doch lagen bei ihnen die Angaben der Väter vor. In der Gesamtstichprobe war der Anteil der alleinerziehenden Mütter mit 13 % deutlich höher. Der Ausländeranteil (bezogen auf die Staatsangehörigkeit) machte bei den Müttern und Vätern jeweils 11 % aus. 95 % der Väter waren zum dritten Messzeitpunkt voll berufstätig. Von den Müttern waren nur 8 % voll berufstätig, der Großteil war teilzeit-beschäftigt (55 %) oder zur Zeit im Erziehungsurlaub (33 %). Der sozioökonomische Status der Familien wurde in Anlehnung an Geißler (1994) mit einem Index erfasst, in den das Einkommen, die Schulbildung und der Beruf der Eltern sowie die Wohnsituation und das Wohnumfeld eingingen. Danach waren 8 % der Eltern der Unterschicht zuzuordnen, 26 % der unteren Mittelschicht, 41 % der mittleren Mittelschicht, 22 % der oberen Mittelschicht und 3 % der Oberschicht. Instrumente Verhaltensprobleme des Kindes: Auffälligkeiten im Sozialverhalten der Kinder wurden mit dem von uns ins Deutsche adaptierten Social Behavior Questionnaire (Tremblay, Vitaro, Gagnon, Piché & Royer, 1992) erfasst. Aus den 48 Items, die von den Eltern auf einer dreistufigen Antwortskala beurteilt werden, können sieben Primärskalen gebildet werden (sechs Problemskalen und eine Skala mit zehn Items zu Prosozialem Verhalten). Wir beschränkten uns in dieser Studie auf die wichtigsten externalisierenden und internalisierenden Probleme und bezogen folgende Skalen ein: Störung des Sozialverhaltens mit Problemen der physischen Aggression und der Zerstörung/ Delinquenz (zwölf Items; Beispielitems: „Es zerstört seine eigenen Sachen“, „Es kämpft oft mit anderen Kindern“) sowie Emotionale Störung/ Ängstlichkeit (acht Items; Beispielitems: „Es weint sehr oft“, „Es ist sehr furchtsam oder ängstlich“). Übergreifend wurde noch der Gesamt-Problemwert, der aus den 38 Problemitems des SBQ besteht, ausgewertet. Die Reliabilität (Cronbach’s Alpha) variierte je nach Beurteiler (Mutter/ Vater), Alter und Geschlecht des Kindes (Lösel, Beelmann & Stemmler, 2002). Sie betrug bei der Gesamtskala im Mittel a = .83, bei der Störung des Sozialverhaltens .75 und bei der Ängstlichkeit .62. Um Informanteneffekte zu vermindern (siehe Achenbach, Howell, Quai & Conners, 1991; Lösel, Stemmler, Beelmann & Jaursch, 2005) verwendeten wir als Indikator des kindlichen Problemverhaltens die jeweils z-transformierten und über beide Elternteile gemittelten SBQ- Skalenwerte. Erziehungsverhalten der Eltern: Der Erziehungsstil der Mütter und Väter wurde mit dem Fragebogen zum aktuellen Erziehungsverhalten (FAE; Jaursch, 2003) erfasst.Wir verwendeten die zwei Skalen zu den grundlegenden Erziehungsdimensionen „Emotionale Wärme“ und „Ablehnung und Strafe“. Die Items sind jeweils vierstufig zu beantworten (1 = nein, niemals, 2 = ja, gelegentlich, 3 = ja, oft, 4 = ja, ständig). Die Skala zur Emotionalen Wärme umfasst acht Items (Beispiel: „Ich zeige meinem Kind mit Worten und Gesten, dass ich es gern habe“) und hat eine interne Konsistenz von a = .81 für Mütter und a = .87 für Väter. Die Skala zur Ablehnung und Strafe enthält ebenfalls acht Items (Beispiel: „Es kommt vor, dass ich mein Kind bestrafe, ohne dass es etwas getan hat“). Die Reliabilität liegt mit a = .66 für Mütter und a = .69 für Väter niedriger als in der emotionalen Dimension. Weiterhin weisen insbesondere die verwendeten Skalen des FAE eine sehr gute faktorielle Validität auf; so laden alle Items auf denjenigen Faktoren am höchsten, denen sie a priori zugeordnet worden waren. Hinsichtlich der 176 Stefanie Jaursch et al. konvergenten Validität werden ebenfalls gute Übereinstimmungen mit dem „Alabama Parenting Questionnaire“ von Shelton, Frick und Wootton (1996), einem Instrument zur Erfassung spezifischer Erziehungspraktiken, berichtet (Jaursch, 2003). Ergebnisse Bivariate Zusammenhänge zwischen dem mütterlichen und väterlichen Erziehungsverhalten Tabelle 1 zeigt die Interkorrelationen der Erziehungsskalen und der verschiedenen SBQ-Skalen sowie die Zusammenhänge zwischen dem elterlichen Erziehungsverhalten und dem Sozialverhalten der Kinder. Die beiden Erziehungsskalen korrelierten bei den Müttern zu r = -.23 (p < .001) und bei den Vätern zu -.28 (p < .001). Sie waren somit zwar nicht faktoriell unabhängig, bildeten aber doch deutlich unterschiedliche Dimensionen des Erziehungsverhaltens ab. Zwischen den entsprechenden Skalen der beiden Elternteile gab es ebenfalls hoch signifikante Zusammenhänge. Die Korrelationen zwischen den Angaben der Mütter und Väter betrugen bei der Emotionalen Wärme r = .17 (p < .001) und bei der Ablehnung und Strafe .35 (p < .001). In den negativen Reaktionen waren sich somit die beiden Elternteile etwas ähnlicher. Trotz der Ähnlichkeiten unterschieden sich jedoch auch Mütter und Väter signifikant in den beiden Erziehungsskalen. Bei der Emotionalen Wärme betrug der Mittelwert bei den Müttern M = 27.51 (SD = 2.85) und bei den Vätern 25.91 (SD = 3.47); t(503) = 8.74, p < .001. Bei der Ablehnung und Strafe betrugen die entsprechenden Mittelwerte M = 10.82 (SD = 1.92) und 10.55 (SD = 1.99); t(503) = 2.68, p < .01. Die Mütter erzogen somit ihre Kinder sowohl etwas liebevoller als auch etwas mehr strafend als die Väter. Bivariate Zusammenhänge zwischen elterlicher Erziehung und kindlichem Problemverhalten Sämtliche Zusammenhänge waren in der Richtung erwartungsgemäß und bis auf eine Ausnahme (Emotionale Wärme des Vaters - Ängstlichkeit des Kindes) statistisch signifikant. Emotionale Wärme ging jeweils mit weniger und Ablehnung und Strafe mit mehr Verhaltensproblemen einher. Tendenziell waren die Koeffizienten bei Ablehnung und Strafe etwas höher, doch fielen sie insgesamt moderat und bei beiden Elternteilen ähnlich aus 1 . Ablehnung und Strafe Mutter Emotionale Wärme Mutter Ablehnung und Strafe Vater Emotionale Wärme Vater Gesamt- Problemwert Störung des Sozialverhaltens Emotionale Wärme Mutter -.23*** Ablehnung und Strafe Vater .35*** -.12** Emotionale Wärme Vater -.15*** .17*** -.28*** Gesamt-Problemwert .25*** -.15*** .29*** -.15*** Störung des Sozialverhaltens .16*** -.14*** .20*** -.12** .73*** Emotionale Störung/ Ängstlichkeit .20*** -.11** .17*** -.09 + .66*** .33*** Tabelle 1: Korrelationen zwischen den mütterlichen und väterlichen FAE-Erziehungsskalen (zu U 3) und den verschiedenen SBQ-Skalen (Einschätzung der Eltern zu U 5) Anmerkungen: N = 456 - 504; FAE = Fragebogen zum aktuellen Erziehungsverhalten; SBQ = Social Behavior Questionnaire; + p < .10; ** p < .01; *** p < .001; U 3 = dritter Untersuchungszeitpunkt; U 5 = fünfter Untersuchungszeitpunkt. Inkonsistenz im Erziehungsverhalten zwischen Müttern und Vätern 177 Neben den Erziehungsskalen der beiden Elternteile erfassten wir auch deren Unterschiede. Hierzu wurden jeweils die z-Werte für Mütter und Väter berechnet und deren Differenz gebildet. Die Korrelationskoeffizienten der Differenzen mit den drei SBQ- Skalen des kindlichen Problemverhaltens variierten zwischen r = -.04 und .03 und waren in keinem Fall signifikant. Die mittels Differenzmethode operationalisierte Inkonsistenz in der Erziehung hing somit nicht mit dem kindlichen Problemverhalten zusammen. Regressions- und Moderatoranalysen Die aufgeklärte Gesamtvarianz durch alle vier Erziehungsskalen (mütterlich und väterlich) betrug für den Gesamt-Problemwert R 2 = .14, für die Störung des Sozialverhaltens R 2 = .08 und für Emotionale Störung/ Ängstlichkeit R 2 = .06. Um das Zusammenwirken von mütterlichem und väterlichem Erziehungsverhalten differenzierter zuprüfen,wurdenhierarchischeRegressionsanalysen gerechnet (vgl. Baron & Kenny, 1986; Cohen & Cohen, 1983). Im ersten Schritt wurden die Werte in den Erziehungsskalen des einen Elternteils sowie die Werte des anderen Elternteils ein- Schritt Prädiktoren (FAE) b R 2 ΔR 2 Kriterium: Gesamt-Problemwert (SBQ) 1 Emotionale Wärme - Vater -.13** Emotionale Wärme - Mutter -.12** .04*** 2 Wärme Vater x Wärme Mutter .01 .04*** .00 Kriterium: Störung des Sozialverhaltens (SBQ) 1 Emotionale Wärme - Vater -.10* Emotionale Wärme - Mutter -.12** .03* 2 Wärme Vater x Wärme Mutter .00 .03** .00 Kriterium: Emotionale Störung/ Ängstlichkeit (SBQ) 1 Emotionale Wärme - Vater -.08 Emotionale Wärme - Mutter -.10* .02* 2 Wärme Vater x Wärme Mutter .00 .02* .00 Kriterium: Gesamt-Problemwert (SBQ) 1 Ablehnung und Strafe - Vater .23*** Ablehnung und Strafe - Mutter .17*** .10*** 2 Strafe Vater x Strafe Mutter -.09* .11*** .01* Kriterium: Störung des Sozialverhaltens (SBQ) 1 Ablehnung und Strafe - Vater .17*** Ablehnung und Strafe - Mutter .10* .05*** 2 Strafe Vater x Strafe Mutter -.14** .07*** .02** Kriterium: Emotionale Störung/ Ängstlichkeit (SBQ) 1 Ablehnung und Strafe - Vater .11* Ablehnung und Strafe - Mutter .16*** .05*** 2 Strafe Vater x Strafe Mutter -.05 .05*** .00 Anmerkungen: N = 458; FAE = Fragebogen zum aktuellen Erziehungsverhalten; SBQ = Social Behavior Questionnaire. * p < .05; ** p < .01; *** p < .001; U 3 = dritter Untersuchungszeitpunkt; U5 = fünfter Untersuchungszeitpunkt. a Die Koeffizienten werden zum Zeitpunkt ihres Eintritts in das Regressionsmodell dargestellt. Tabelle 2: Schrittweise Regressionsanalysen zur Vorhersage des Sozialverhaltens des Kindes (U 5) durch das mütterliche und väterliche Erziehungsverhalten (U 3) sowie zu Überprüfung der Moderatoreffekte des jeweils komplementären Erziehungsverhaltens a 178 Stefanie Jaursch et al. gegeben. Im zweiten Schritt fügten wir den multiplikativ gebildeten Interaktionsterm beider Variablen hinzu 2 . Die Prädiktoren wurden zuvor zentriert, um dem Problem der Multikollinearität zu begegnen. Die Ergebnisse enthält Tabelle 2. In fünf der sechs Analysen leisteten die mütterlichen und väterlichen Erziehungsskalen jeweils einen unabhängigen Beitrag zur Varianzaufklärung des Problemverhaltens. Die Effekte waren bei Ablehnung und Strafe größer als bei Emotionaler Wärme und beim Gesamt- Problemwert sowie den Problemen des Sozialverhaltens wiederum größer als bei Emotionaler Störung/ Ängstlichkeit. Nur für Störungen des Sozialverhaltens und den Gesamt-Problemwert gab es auch signifikante Interaktionseffekte zwischen dem mütterlichen und väterlichen ablehnenden und strafenden Erziehungsverhalten, die einen Moderatoreffekt anzeigen. Diese sollen im Folgenden näher beleuchtet werden. Die Interaktionseffekte zeigen an, dass der Prädiktor (das Erziehungsverhalten des einen Elternteils) und der Moderator (das Erziehungsverhalten des anderen Elternteils) nicht im Sinne konstanter Effekte interpretiert werden können. Nach dem Verfahren von Jaccard, Turrisi und Wan (1990) untersuchten wir den prädiktiven Zusammenhang zwischen dem mütterlichen bzw. väterlichen Erziehungsverhalten und dem kindlichen Problemverhalten auf drei Stufen des Moderators: gering (eine SD unterhalb M), mittel (am Mittelwert) sowie hoch (eine SD oberhalb M). 3 Der Zusammenhang zwischen dem Erziehungsverhalten der Mutter bzw. des Vaters und dem Problemverhalten des Kindes veränderte sich demnach in Abhängigkeit vom Verhalten des anderen Elternteils. Ablehnung und Strafe durch den Vater sagte den Gesamtproblemwert des Kindes signifikant vorher, wenn das Ausmaß an Ab- Abbildung 1: Darstellung der Interaktionseffekte Inkonsistenz im Erziehungsverhalten zwischen Müttern und Vätern 179 lehnung und Strafe durch die Mutter moderat war (b = 0.10, t = 5.26, p < .001). Wenn die Mutter weniger ablehnend und strafend war, war der Zusammenhang zwischen Ablehnung und Strafe durch den Vater und dem Gesamtproblemwert des Kindes höher, b = 0.13, t = 5.05, p < .001. Wenn die Mutter dagegen sehr ablehnend und strafend war, war die Beziehung zwischen Ablehnung und Strafe durch den Vater und dem Gesamtproblemwert des Kindes schwächer, b = 0.08, t = 3.84, p < .001 (siehe Abbildung 1 a). Wurde das Verhalten der Mutter als Prädiktor und das des Vaters als Moderator konzipiert, stellte sich der Moderatoreffekt entsprechend dar (siehe Abbildung 1 b). Für die Skala Störung des Sozialverhaltens waren die Moderatoreffekte noch deutlicher: Kinder von ablehnenden und strafenden Vätern haben weniger Störungen im Sozialverhalten, wenn ihre Mütter besonders ablehnend und strafend waren (b = 0.05, t = 2.12, p < 0.5). Wendeten die Mütter hingegen ein durchschnittliches (b = 0.09, t = 4.01, p < 0.001) bzw. geringes (b = 0.13, t = 4.54, p < 0.001) Ausmaß an Ablehnung und Strafe an, so war der Zusammenhang zwischen Ablehnung und Strafe durch die Väter und dem negativen Sozialverhalten des Kindes hoch signifikant (siehe Abbildung 1 c). Im umgekehrten Fall, wenn also das Verhalten der Mutter als Prädiktor und das des Vaters als Moderator aufgefasst wurde, zeigten sich ähnliche Moderatoreffekte (siehe Abbildung 1 d). Die Interaktionseffekte verdeutlichen für alle abgebildeten Konstellationen, dass das ablehnende und strafende Verhalten des einen Elternteils für das Kind umso gravierender ist, je weniger ablehnend sich der andere Elternteil verhält, d. h. je unterschiedlicher die Eltern ihr Kind erziehen. Typologischer Gruppenvergleich Um die Reliabilität der Ergebnisse im Sinne eines multimethodalen Vorgehens zu überprüfen, wurden in einem familienbezogenen Ansatz vier Gruppen gebildet und einander gegenübergestellt: (1) Mütter und Väter, die wenig Ablehnung und Strafe (unterhalb des Medians) ihrem Kind gegenüber zeigten, sich also positiv verhielten (Mütter positiv = M pos , Väter positiv = V pos ), (2) Mütter, die viel Ablehnung und Strafe (oberhalb des Medians) sowie Väter, die wenig Ablehnung und Strafe ihren Kindern gegenüber anwendeten (M neg V pos ), (3) Mütter, die wenig Ablehnung und Strafe sowie Väter, die viel Ablehnung und Strafe zeigten (M pos V neg ) und (4) Eltern, die beide viel Ablehnung und Strafe anwendeten (M neg V neg ). Entsprechend wurden die Eltern am Median der Erziehungsskala Emotionale Wärme eingeteilt. Auf diese Weise wurden die Eltern identifiziert, die nicht kongruentes, inhomogenes (Gruppen 2 und 3) bzw. übereinstimmendes, homogenes Erziehungsverhalten (Gruppen 1 und 4) anwendeten. In Tabelle 3 sind die Mittelwerte der Gruppenvergleiche dargestellt. Um die Stabilität des Problemverhaltens zu kontrollieren, wurden Indikatoren des Problemverhaltens zu U 3 in die Analysen als Kontrollvariable einbezogen. Für Ablehnung und Strafe ergaben sich auf allen Skalen signifikante bzw. hochsignifikante Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Einzelvergleiche zeigten, dass sich die Gruppe 1 jeweils signifikant von den anderen Gruppen abhob. Die Kinder, die von beiden Eltern mit wenig Ablehnung und Strafe erzogen wurden, hatten zwei Jahre später den geringsten Gesamtproblemwert. Auch auf den Einzelskalen zeigten sich diese Unterschiede: die Kinder, deren Eltern beide einen wenig ablehnenden und strafenden Erziehungsstil realisierten, hatten am wenigsten Auffälligkeiten im Sozialverhalten und waren am wenigsten ängstlich. Hingegen unterschieden sich die Kinder, deren Eltern beide viel Ablehnung und Strafe anwendeten, nicht von den Kindern, die von wenigstens einem Elternteil positiv, d. h. mit wenig Ablehnung und Strafe erzogen wurden. Für Emotionale Wärme waren die Muster entsprechend, erreichten jedoch nicht die Signifikanzgrenze. 180 Stefanie Jaursch et al. Diskussion Die Zusammenhänge zwischen dem mütterlichen und väterlichen Erziehungsverhalten waren auf den jeweils korrespondierenden Dimensionen zwar signifikant, doch nicht sehr ausgeprägt. Dies entspricht weitgehend den in der Literatur berichteten Beziehungen (Belsky & Fearon, 2004; Floyd, Gilliom & Costigan, 1998; Lindsey & Mize, 2001). Zumindest im Selbstbericht in Fragebögen sind sich beide Elternteile in ihrem Erziehungsverhalten somit nur mäßig ähnlich. Die Ähnlichkeit ist allerdings beim Ausmaß des strafenden Verhaltens größer als bei der emotionalen Wärme. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die emotionale Dimension weniger konkret verhaltensbezogen ist. Es können auch Effekte der sozialen Erwünschtheit eine Rolle spielen, die allgemein bei Selbstberichten der Eltern zu berücksichtigen sind. Dem entspräche, dass die meisten Werte unserer Eltern bei der emotionalen Wärme im mittleren bis oberen Skalenbereich liegen; beim strafenden Verhalten ist es tendenziell umgekehrt. Allerdings legen Untersuchungen an verschiedenen Elterngenerationen nahe, dass in Deutschland tatsächlich ein Trend zu einer liebevolleren und weniger strengen häuslichen Erziehung besteht (vgl. Jaursch, 2003; Schneewind & Ruppert, 1995). Die Ähnlichkeit zwischen den Eltern könnte in diesem Sinn auch als eine „stereotype Übereinstimmung“ im Sinne eines kulturell definierten Standards von Erziehungsverhaltensweisen interpretiert werden (vgl. Deal et al., 1989; 1999). Die Korrelationen zwischen Skalenwerten beider Eltern bilden aber nur die Ähnlichkeit in den Rangreihen ab. Bei Betrachtung der Mittelwertsdifferenzen zeigen sich zwischen den Partnern auch signifikante Unterschiede. Die Mütter schätzten ihre Erziehung einerseits als liebevoller ein als dies die Väter taten. Zugleich Gruppe 1 Gruppe 2 Gruppe 3 Gruppe 4 Eltern U5 M pos V pos N = 145 M pos V neg N = 72 M neg V pos N = 96 M neg V neg N = 144 F-Wert Kriterium Emotionale Wärme Gesamt-Problemwert -.08 (.07) .00 (.07) -.05 (.06) .01 (.05) 0.45 Störung des Sozialverhaltens -.10 (.08) .00 (.07) -.07 (.06) .04 (.05) 0.93 Emotionale Störung/ Ängstlichkeit -.10 (.08) .00 (.07) .00 (.07) .05 (.06) 0.74 Kriterium Ablehnung und Strafe N = 79 N = 98 N = 116 N = 163 Gesamt-Problemwert -0.19 a (0.06) 0.19 b (0.08) 0.01 b (0.07) 0.04 b (0.06) 5.80*** Störung des Sozialverhaltens -.16 a (.06) .10 b (.08) -.01 (.07) .08 b (.06) 3.45* Emotionale Störung/ Ängstlichkeit -0.24 a (0.06) 0.16 b (0.08) 0.12 b (0.07) 0.10 b (0.06) 8.27*** Tabelle 3: Mittelwerte und Standardabweichungen (in Klammern) des kindlichen Sozialverhaltens (Einschätzung der Eltern zu U 5) in Abhängigkeit vom Erziehungsverhalten der Mütter und Väter (zu U 3), kontrolliert für das Sozialverhalten zu U 3 Anmerkungen: ‚pos‘ = positives Erziehungsverhalten (wenig Ablehnung und Strafe bzw. viel Emotionale Wärme); ‚neg‘ = negatives Erziehungsverhalten (viel Ablehnung und Strafe bzw. wenig Emotionale Wärme). Werte mit unterschiedlichen Indizes sind signifikant verschieden (p < .05, LSD-Test); * p < .05; *** p < .001; U 3 = dritter Untersuchungszeitpunkt; U 5 = fünfter Untersuchungszeitpunkt a z-transformierte und über beide Elternteile gemittelte SBQ-Skalenwerte. Hohe Werte indizieren hohe Problemwerte. Inkonsistenz im Erziehungsverhalten zwischen Müttern und Vätern 181 berichteten sie über mehr ablehnendes und strafendes Verhalten als die Väter. Da beide Dimensionen negativ miteinander korrelieren, spricht dies für echte Verhaltensunterschiede und nicht nur sozial erwünschte Angaben. Die Ergebnisse stimmen mit anderen Untersuchungen überein (vgl. McBride & Rane, 1997; Pleck, 1997). Sie dürften darauf zurückzuführen sein, dass nach wie vor die Mütter mehr an der emotionalen Fürsorge und Kindererziehung beteiligt sind als die Väter, die mehr die Rolle des Versorgers oder auch Spielpartners übernehmen (Thompson & Walker, 1989). Allerdings waren die von uns festgestellten Mittelwertsunterschiede zwischen den Müttern und Vätern nur bei der emotionalen Wärme ausgeprägt (Effektstärke d = .50), während sie beim Strafen sehr gering ausfielen (d = .14). Die jeweils höheren Werte der Mütter in der emotional warmen und strafenden Erziehung deuten an, dass sie etwas stärker einen autoritativen Erziehungsstil realisieren (vgl. Baumrind, 1971; 1989), wie dies auch in anglo-amerikanischen Studien gefunden wurde (z. B. Rosen & Rothbaum, 1993; Smetana, 1995; Winsler, Madigan & Aquilino, 2005). Trotz des vermutlich etwas geringeren Engagements der Väter in der Kindererziehung korrelieren die Werte in den Erziehungsskalen bei beiden Elternteilen in ähnlicher Weise mit dem kindlichen Problemverhalten. Eine stärker ablehnende und strafende Erziehung geht zwei Jahre später mit insgesamt mehr Verhaltensproblemen des Kindes einher. Dies gilt sowohl für die externalisierenden als auch die internalisierenden Auffälligkeiten. Die Zusammenhänge zwischen geringer emotionaler Wärme und den Verhaltensproblemen waren ebenfalls zumeist signifikant, jedoch weniger ausgeprägt. Bei beiden Erziehungsskalen war allerdings kein bivariater Korrelationskoeffizient größer als r = .30 und in den Regressionsanalysen zu den einzelnen Dimensionen wurden zwischen 2 % und 11 % der Varianz aufgeklärt. Beide Erziehungsskalen von beiden Elternteilen klärten zwischen 6 % und 14 % der Kriteriumsvarianz in den kindlichen Verhaltensstörungen auf, wobei jeweils die höchsten Werte beim SBQ-Gesamt-Problemwert erzielt wurden. Auf den ersten Blick mögen diese Zusammenhänge als gering erscheinen, im internationalen Vergleich liegen sie jedoch in einer typischen Größenordnung (Beelmann, Stemmler, Lösel & Jaursch, 2007; Lösel, 2002; Rothbaum & Weisz, 1994). Dabei ist zum einen zu berücksichtigen, dass in den beiden Skalen nur ein kleiner Ausschnitt des Erziehungsverhaltens aus der Sicht der Eltern erfasst wird. Zum andern handelt es sich um eine weitgehend repräsentative Stichprobe, in der extrem negative Formen der häuslichen Erziehung eher selten sind. Wie Scarr (1992; Scarr & Deater-Deckard, 1997) auf verhaltensgenetischer und evolutionsbiologischer Basis argumentiert, sind graduelle Varianten des Erziehungsverhaltens für die Persönlichkeits- und Sozialentwicklung des Kindes dann weniger bedeutsam, wenn grundlegende Merkmale der häuslichen Förderung gegeben sind. Auch aus der Sicht von Harris (1995, 2000) ist der Einfluss des elterlichen Erziehungsverhaltens auf das Verhalten der Kinder gering, da multiple Lernumwelten und insbesondere die Gleichaltrigengruppe eine bedeutsamere Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund sind die von uns beobachteten Zusammenhänge durchaus realistisch. Selbst bei relativ gut voraussagbaren Verhaltensproblemen wie Aggressivität und Delinquenz korrelieren die meisten Prädiktoren nur niedrig mit den Kriterien (vgl. Hawkins et al., 1998; Lösel, 2002). Die Vorhersage oder - bei theoretisch fundierten Ansätzen - Erklärungskraft verbessert sich erst durch die Kumulation einzelner Faktoren (Farrington et al., 2001; Lösel & Bender, 2006). Hinsichtlich der spezifischen Frage der interparentalen Inkonsistenz erwies sich unser methodisches Vorgehen als fruchtbar. Während die Differenzwerte zwischen Mutter und Vater nicht signifikant mit dem kindlichen Problemverhalten korrelierten, ergaben sich sowohl in den Moderatoranalysen als auch in den typologischen Auswertungen Effekte der Inkonsistenz. Diese sind aber erwartungsgemäß differenziert und zeigen, dass Konsistenz in Abhängigkeit 182 Stefanie Jaursch et al. von der jeweiligen Ausprägung von Erziehungsmerkmalen beurteilt werden muss. Inhaltlich erweist sich vor allem die Inkonsistenz im Strafverhalten als bedeutsam. Dies gilt sowohl für den SBQ-Gesamt-Problemwert als auch für die Probleme des Sozialverhaltens. In den Moderatoranalysen ging hohe Ablehnung und Strafe durch den Vater vor allem dann mit mehr kindlichen Verhaltensproblemen einher, wenn die Mutter wenig strafte. Analog hing die mütterliche Ablehnung und Strafe vor allem dann mit starken kindlichen Problemen zusammen, wenn die Väter nachgiebig waren. Konsistenz zwischen den Eltern war aber auch insofern nicht grundsätzlich positiv, als die Kinder, bei denen beide Eltern ihre Kinder viel ablehnten und straften, mehr Verhaltensprobleme hatten als jene Kinder, bei denen beide Eltern konsistent wenig straften. In den typologischen Analysen zeigte sich diese Tendenz insgesamt. Hier bestand sie auch nicht nur hinsichtlich des Gesamt-Problemwerts im SBQ und den Störungen des Sozialverhaltens, sondern auch - sogar stärker ausgeprägt - bei den internalisierenden Problemen. In den Familien, in denen beide Elternteile überdurchschnittlich wenig straften, hatten die Kinder zwei Jahre später die weitaus geringsten Erlebens- und Verhaltensprobleme. Dagegen hatten die Familien, in denen die Väter ihre Kinder überdurchschnittlich ablehnend und strafend erzogen, die Mütter aber besonders wenig Ablehnung und Strafe anwandten, die Kinder mit den stärksten Verhaltensproblemen. Sie unterschieden sich aber nur signifikant von der Gruppe, in der beide Eltern konsistent wenig Ablehnung und Strafe anwandten und nicht von der Gruppe, in der beide Eltern ihre Kinder konsistent viel ablehnten und straften. Bei der emotionalen Wärme bestand eine ähnliche Tendenz, die aber weniger ausgeprägt war als beim ablehnenden und strafenden Erziehungsverhalten. Unsere Ergebnisse sprechen somit klar dafür, dass interparentale Konsistenz in der Erziehung nur dann günstig für die Entwicklung des Kindes ist, wenn sie in positiven bzw. förderlichen Aspekten des elterlichen Verhaltens besteht. Konsistenz in ungünstigen Erziehungsmustern ist dagegen gleichzusetzen mit Inkonsistenz zwischen den Eltern und steigert eher das Risiko für die Entstehung von Verhaltensproblemen des Kindes. Die Befunde der Untersuchung legen nahe, dass man nicht von kompensatorischen Prozessen ausgehen kann: Das positive Erziehungsverhalten des anderen Elternteils - hier insbesondere der Mutter - kann demnach nicht als protektiver Faktor begriffen werden, sondern vielmehr scheint die mangelnde Übereinstimmung zwischen den Eltern einen Risikofaktor darzustellen (vgl. Jaursch, 2003). Der fehlende Konsens zwischen den Eltern könnte von den Kindern als Familiendefizit wahrgenommen werden, das möglicherweise Unsicherheit bei den Kindern verursacht. Zudem könnten Modellmechanismen für den Zusammenhang zwischen elterlichen Konflikten und Verhaltensproblemen des Kindes verantwortlich sein (McHale & Rasmussen, 1998). Die interparentale Inkonsistenz scheint es den Kindern schwerer zu machen, Verhaltensregeln im Umgang mit anderen zu lernen, da sie sich auf keine klaren Verhaltensweisen ihrer Eltern einstellen können. Entsprechend sind die Problemwerte der Kinder, die von ihren Eltern mit unterschiedlich viel Ablehnung und Strafe erzogen werden, sogar höher, als wenn beide Eltern ihr Kind mit viel Ablehnung und Strafe erziehen. Wenngleich unsere Studie prospektiv-längsschnittlich angelegt ist, kann natürlich nicht von kausalen Effekten der untersuchten Erziehungsmuster gesprochen werden. Vielmehr muss von Wechselwirkungen zwischen der elterlichen Erziehung und dem Verhalten des Kindes ausgegangen werden (z. B. Bronfenbrenner, 1981; Holden & Miller, 1999; Krohne, 1988). Diese deuten sich vor allem in unseren Ergebnissen zum Zusammenhang zwischen elterlichem Strafen und kindlichen Problemen des Sozialverhaltens an. Da wir in unserer Längsschnittstudie beim kindlichen Problemverhalten hoch signifikante Korrelationen über die Zeit beobachteten (vgl. Lösel Inkonsistenz im Erziehungsverhalten zwischen Müttern und Vätern 183 et al., 2004), ist davon auszugehen, dass die Kinder mit deutlichen Verhaltensproblemen auch bereits zu der Zeit mehr Probleme aufwiesen, als das elterliche Erziehungsverhalten erfasst wurde. Das strafende Erziehungsverhalten beider Elternteile oder eines Elternteils kann demnach teilweise auch als eine Reaktion auf das Verhalten ihrer Kinder aufgefasst werden. Allerdings finden sich die ungünstigen konsistent negativen oder inkonsistenten Erziehungsmuster nicht nur bei den Kindern mit aggressivem und dissozialem Verhalten, sondern auch bei den Kindern mit internalisierenden Problemen, die normalerweise weniger offensichtlich und für die Eltern störend sind. Dies legt doch nahe, dass das negative Elternverhalten nicht unwesentlich zur Entstehung und vor allem Verfestigung der kindlichen Probleme beiträgt. Im Sinne von Zwangsinteraktionen (Patterson et al., 1992) scheint das primär ablehnendstrafende Verhalten der Eltern analoge Reaktionen der Kinder zu fördern. Selbst wenn beide Elternteile konsistent auf diese Weise reagieren, wird kein positives Verhaltensrepertoire aufgebaut, das auf andere Situationen generalisiert werden kann (Lösel et al., 1976). Bei inkonsistentem Strafverhalten zwischen den Eltern sind die zu erwartenden Effekte ähnlich und das Kind erfährt wahrscheinlich auch noch Konflikte im Co-Parenting (vgl. McHale & Rasmussen, 1998). In beiden Konstellationen lernt das Kind darüber hinaus Zwangsverhalten am Modell (Patterson et al., 1992). Die Eltern- Kind-Konflikte können sich in Wechselwirkung mit Streitigkeiten zwischen den Eltern verfestigen (vgl. Block et al., 1981) und die Wahrnehmung ihres „schwierigen“ Kindes kann das positive Engagement in der Kindererziehung weiter reduzieren (McBride, Schoppe & Rane, 2002). Frühe kindliche Verhaltensauffälligkeiten im externalisierenden Bereich sind oft über mehrere Jahre stabil (Loeber & Farrington, 1998). Wenn sie durch die in dieser Studie beschriebenen unangemessenen elterlichen Erziehungsmuster verfestigt werden, besteht die Gefahr, dass sich die betroffenen Kinder zu jener kleinen Teilpopulation entwickeln, die als „Early starters“ eine Kerngruppe der langfristig dissozialen Jugendlichen und Erwachsenen darstellen (vgl. Loeber & Farrington, 1998; Lösel & Bender, 2003). Die von uns aufgezeigten Zusammenhänge mit interparental inkonsistenter oder konsistent negativer Erziehung unterstreichen die Notwendigkeit früher Prävention und Intervention. Mit dem Programm EFFEKT ® (Entwicklungsförderung in Familien; Eltern- und Kindertraining) haben wir deshalb ein Programm entwickelt, das auch am Erziehungsverhalten der Eltern ansetzt. Die bisherigen Ergebnisse der kurz- und längerfristigen Evaluation sind ermutigend (vgl. Lösel et al., 2006; Stemmler, Beelmann, Jaursch & Lösel, 2007). In unserem eigenen wie auch in anderen Elterntrainings ist die Verminderung inkonsistenter Erziehung ein zentrales Thema. Die hier vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass dabei nicht nur die intraparentale Inkonsistenz reduziert werden muss, sondern auch die interparentale Inkonsistenz sowie die Übereinstimmung in ungünstigen Erziehungsmustern. Zu diesem Zweck ist es sinnvoll, Elterntrainings nicht nur auf „verhaltenstechnische“ Aspekte der Erziehung zu beschränken, sondern sie in allgemeinere Ansätze zum Co-Parenting und zur Interaktion einzubetten. Darüber hinaus ist es angezeigt, vermehrt beide Elternteile in Präventionsprogramme einzubeziehen. Dies ist gerade bei Risikopopulationen besonders schwierig. Es besteht deshalb nicht nur ein großer Bedarf an kontrollierter Forschung zur Wirkung von Präventionsmaßnahmen, sondern auch zu ihrer Implementierung und Qualitätssicherung (Beelmann, 2006; Beelmann & Lösel, 2007; Lösel, Schmucker, Plankensteiner & Weiss, 2006). Anmerkungen 1 Da in die Stichprobe auch Familien aus der Präventionsgruppe einbezogen wurden, wurden die Korrelationen zwischen elterlicher Erziehung und kindlichem Problemverhalten der Gruppe, die ein Eltern- oder Kindertraining erhalten hatte, mit der Gruppe, die kein Training erhalten hatte, mittels Fisher’s Z-Werten verglichen. Es besteht lediglich ein knapp signifikanter Unterschied: der Zusammenhang zwi- 184 Stefanie Jaursch et al. schen Ablehnung und Strafe der Väter und Störungen des Sozialverhaltens ist in der Präventionsgruppe schwächer ausgeprägt als in der Gruppe ohne Training. Im Mittel liegen die Werte bei Z = 1.25; im Folgenden wird daher weiterhin die Gesamt-Stichprobe berücksichtigt. 2 Zur Kontrolle des Problemverhaltens zu U 3 wurden die Analysen noch einmal durchgeführt mit der Eingabe der SBQ-Werte zu U 3 im ersten Schritt, der Werte der Erziehungsskalen im zweiten Schritt und des Interaktionsterms im dritten Schritt. Da die Befunde auch weiterhin Bestand hatten, wurde für die Darstellung die Variante ohne Eingabe des Problemverhaltens zu U 3 gewählt, da dieses einen naturgemäß hohen Einfluss auf das Problemverhalten zu U 5 hat und somit zu einer Varianzaufklärung von .23 bis .40 führt. 3 Zur Berechnung des t-Wertes, welcher Auskunft über die Signifikanz der jeweiligen Regressionsgeraden gibt (Abweichung von Null), wird folgende Gleichung zur Bestimmung der Regressionsgeraden der vorhergesagten Effekte von X auf Y an einem bestimmten Wert des Moderators Z benötigt: b 1 (Z) = b 1 + b 3 Z. Zusätzlich kann der Standardfehler nach folgender Formel berechnet werden: s(b 1 (Z)) = [(var(b 1 ) + Z 2 var(b 3 ) + 2Zcov(b 1 , b 3 )] 1/ 2 . Hieraus ergibt sich dann über b 1 (Z)/ s(b 1 (Z)) der t-Wert. Literatur Achenbach, T. M., Howell, C. T., Quay, H. C. & Conners, C. K. (1991). National survey of problems and competencies among fourto sixteen-year-olds: Parents’ reports for normative and clinical samples. 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