eJournals Psychologie in Erziehung und Unterricht57/1

Psychologie in Erziehung und Unterricht
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0342-183X
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/peu2010.art04d
3_057_2010_1/3_057_2010_1.pdf11
2010
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Sozioökonomischer Status, mütterliches Erziehungsverhalten, erhöhter Medienkonsum und die Sprach- und Rechenfertigkeiten von Kindergartenkindern

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2010
Enno Edo Maaß
Kurt Hahlweg
Annett Kuschel
Sebastian Naumann
Heike Bertram et al.
Ziel der vorliegenden Studie war eine Bestandsaufnahme der Medienverfügbarkeit und -nutzung deutscher Kindergartenkinder unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, sozioökonomischen Variablen und mütterlichem Erziehungsverhalten (N=748 Familien). Weiterhin wurden querschnittlich Zusammenhänge zwischen der Nutzung unterschiedlicher Medien und den Sprach- und Rechenfertigkeiten im Kindergartenalter exploriert (N=468 Familien). Hier wurden relevante Kovariaten, wie sozioökonomischer Status, IQ oder Verhaltensauffälligkeiten kontrolliert. Ergebnisse: Kindergartenkinder haben Zugang zu zahlreichen elektronischen Medien, die mit steigendem Alter, niedrigem sozioökonomischem Status und männlichem Geschlecht länger genutzt werden. Ein ungünstiges elterliches Erziehungsverhalten zeigte unabhängig vom sozioökonomischen Status positive Zusammenhänge mit vermehrter Fernseh- und Spielkonsolennutzung sowie negative Zusammenhänge mit vermehrter Hörspielnutzung. Geringere Sprachfertigkeiten hingen positiv mit vermehrter Spielkonsolen- und geringerer Hörspiel- und Computernutzung zusammen, geringere Rechenfertigkeiten hingegen mit höheren Fernseh- und Spielkonsolennutzungszeiten, sowie geringeren Hörspiel- und Computernutzungszeiten. Die Ergebnisse stimmten zum Teil im Sinne einer "socioeconomic-mainstreaming" Hypothese überein.
3_057_2010_1_0004
n Empirische Arbeit Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2010, 57, 46 - 61 DOI 10.2378/ peu2010.art04d © Ernst Reinhardt Verlag München Basel Sozioökonomischer Status, mütterliches Erziehungsverhalten, erhöhter Medienkonsum und die Sprach- und Rechenfertigkeiten von Kindergartenkindern Enno Edo Maaß, Kurt Hahlweg, Nina Heinrichs, Annett Kuschel, Sebastian Naumann, Heike Bertram, Dagmar Ständer Institut für Psychologie, Technische Universität Braunschweig Manfred Döpfner Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität zu Köln Socioeconomic Status, Mothers’ Parenting Style, High Media Use, and the Language and Maths Skills of Kindergarten Children Summary: The aim of the present study was to describe the current use of and access to electronic media of kindergarten children, with regard to age, gender, socioeconomic status, and mother’s parenting style (N = 748 families). Furthermore cross-sectional links between different media use and the children’s language and maths skills were explored (N = 468 families). Relevant covariates were controlled, e. g. socioeconomic status, IQ or behavior problems. Results: Kindergarten children had access to various electronic media and showed higher media use predominantly with growing age, lower socioeconomic status and male gender. An unfavorable parenting style was linked independently from the socioeconomic status with higher television and videogame use, as well as lower audiotape use. Lower language skills were linked positive with higher videogame use, as well as lower audiotape and computer use. On the other hand lower maths skills were linked with higher television and videogame use, as well as lower computer and audiotape use. The results agreed in part with a “socioeconomic-mainstreaming” hypothesis. Keywords: Electronic media, kindergarten children, parenting style, language and maths skills, socioeconomic status Zusammenfassung: Ziel der vorliegenden Studie war eine Bestandsaufnahme der Medienverfügbarkeit und -nutzung deutscher Kindergartenkinder unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, sozioökonomischen Variablen und mütterlichem Erziehungsverhalten (N = 748 Familien). Weiterhin wurden querschnittlich Zusammenhänge zwischen der Nutzung unterschiedlicher Medien und den Sprach- und Rechenfertigkeiten im Kindergartenalter exploriert (N = 468 Familien). Hier wurden relevante Kovariaten, wie sozioökonomischer Status, IQ oder Verhaltensauffälligkeiten kontrolliert. Ergebnisse: Kindergartenkinder haben Zugang zu zahlreichen elektronischen Medien, die mit steigendem Alter, niedrigem sozioökonomischem Status und männlichem Geschlecht länger genutzt werden. Ein ungünstiges elterliches Erziehungsverhalten zeigte unabhängig vom sozioökonomischen Status positive Zusammenhänge mit vermehrter Fernseh- und Spielkonsolennutzung sowie negative Zusammenhänge mit vermehrter Hörspielnutzung. Geringere Sprachfertigkeiten hingen positiv mit vermehrter Spielkonsolen- und geringerer Hörspiel- und Computernutzung zusammen, geringere Rechenfertigkeiten hingegen mit höheren Fernseh- und Spielkonsolennutzungszeiten, sowie geringeren Hörspiel- und Computernutzungszeiten. Die Ergebnisse stimmten zum Teil im Sinne einer „socioeconomic-mainstreaming“ Hypothese überein. Schlüsselbegriffe: Elektronische Medien, Kindergartenkinder, Erziehungsverhalten, Sprach- und Rechenfertigkeiten, Sozioökonomischer Status Elektronische Medien 47 Neuere Untersuchungen zur Verbreitung und Nutzung von digitalen und analogen Medien im Kindesalter zeigen, dass bereits Kinder im Kleinkindalter Kontakt zu zahlreichen elektronischen Medien haben (Feierabend & Klingler, 2006; Grüninger & Lindemann, 2000; Rideout & Hamel, 2006). Ein erhöhter Medienkonsum wird für Kinder und Jugendliche mit negativen Entwicklungsfolgen, wie z. B. schlechteren Schulleistungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Übergewicht in Zusammenhang gebracht (für eine Übersicht siehe Spitzer, 2005). In den letzten Jahren wächst daher auch das Interesse herauszufinden, welche Faktoren einen vergleichsweise hohen Medienkonsum bedingen. Die Nutzungszeiten, der Besitz eigener Geräte und das zu erreichende Medienrepertoire nehmen mit dem Alter der Kinder stetig zu (Feierabend & Klingler, 2006; Feierabend & Mohr, 2004). Rideout und Hamel (2006) zeigten, dass Vorschulkinder aus Familien mit geringem Haushaltseinkommen und Bildungsstatus häufiger bzw. länger fernsehen und Videospiele konsumieren als sozioökonomisch besser gestellte Kinder (vgl. auch Grüninger & Lindemann, 2000). Außerdem verfügten diese Kinder auch häufiger über eigene Spielkonsolen und Fernsehgeräte, während sozioökonomisch günstig gestellte Kinder häufiger lasen und einen Computer nutzten. Unterschiede in der Schulbildung der Eltern zeigten sich eher bei der Spielkonsolen- und Printmediennutzung sowie der Medienreglementierung, während Einkommensunterschiede eher mit der Computer- und Fernsehnutzung in Zusammenhang standen. Die in Deutschland durchgeführte „Kinder und Medien-Studie“ (KIM-Studie) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (2005) bestätigt für ältere Kinder (6 - 13 Jahre) ebenfalls, dass die meisten elektronischen Medien (v. a. Computer) in den Haushalten besser verdienender Familien verfügbar sind. Unabhängig von sozioökonomischen Variablen wurde das Verhalten der Eltern relativ häufig im Sinne einer Medienreglementierung in Zusammenhang mit geringeren Mediennutzungszeiten, kindgerechten Medieninhalten und fröhlicheren Kindern gebracht (Barkin et al., 2006; Institut für Demoskopie Allensbach, 2004; Rideout & Hamel, 2006). Nach unserem Kenntnisstand wurde an Vorschul- und Kindergartenkindern bisher nicht untersucht, inwieweit die allgemeine Erziehungsqualität mit dem kindlichen Medienkonsum zusammenhängt und somit einen zusätzlichen Beitrag zur Erklärung der Nutzungsbedingungen des kindlichen Medienkonsums leisten kann. Nach Urie Bronfenbrenners ökologischem Entwicklungsmodell wird das elterliche Erziehungsverhalten durch den sozioökonomischen Status mitbedingt (Jordan, 2006). Das elterliche Erziehungsverhalten ist damit eine wichtige Verbindung zwischen sozioökonomischem Status und dem kindlichen (Medien-) Verhalten (Jordan, 2006). So könnte beispielsweise eine erhöhte Nachgiebigkeit in Bezug auf die Regeleinhaltung zu Hause oder auch ein feindseliges, unangemessenes Erziehungsverhalten eine höhere Medienzuwendung von Kindern bedingen (Sharif & Sargent, 2006). Kindlicher Medienkonsum und kognitive Fertigkeiten. Der Großteil der Forschungsarbeiten zur Überprüfung des Zusammenhangs zwischen kindlichem Medienkonsum und den kognitiven Leistungen von Kindern bezieht sich auf den Fernsehkonsum und dessen Auswirkungen auf die Lesekompetenzen im Grundschulalter (Ennemoser & Schneider, 2007; Ennemoser, Schiffer, Reinsch & Schneider, 2003). Hier finden sich überwiegend geringe negative Zusammenhänge zwischen einem erhöhten Fernsehkonsum und verschiedenen Indikatoren für kindliche Schulleistungen; auch unter Kontrolle zahlreicher Kovariaten, wie dem sozioökonomischen Status oder Intelligenzquotienten der Kinder (Ennemoser et al., 2003; Hancox, Milne & Poulton, 2005; Jordan, 2006; Schiffer, Ennemoser & Schneider, 2002). Dabei bedingen sich Fernsehkonsum und Schulleistungen vermutlich wechselseitig (Koolstra, van der Voort & van der Kamp, 1997; Wright et al., 2001). 48 Enno Edo Maaß et al. Studien zum Fernsehkonsum sehr junger Kinder (< 5 - 6 Jahre) zeigten ebenfalls, dass für Unterhaltungssendungen (z. B. Zeichentrickfilme) negative Effekte für die kognitive Entwicklung und spätere Grundschulleistungen bestehen (Wright et al., 2001). Dem gegenüber steht das entwicklungsförderliche Potenzial von kindgerechten edukativen Programminhalten, wie z. B. „Sesamstraße“ oder „Blue Cues“ (Williams, Haertel, Haertel & Walberg, 1982; Wright et al., 2001). Diese können durch eine altersentsprechende Gestaltung und zugrundeliegende Lerncurricula die kognitiven Fertigkeiten durch angeregte Lernprozesse erhöhen. Dazu zählen z. B. die Förderung des Wortschatzes und des Zahlen- und Mengenverständnisses, sowie die Anregung des allgemeinen Interesses für andere kognitiv anspruchsvolle Aufgaben (Wright et al., 2001). Zimmerman und Christakis (2005) zeigten, dass Kleinkinder unter 3 Jahren in Abhängigkeit des Fernsehkonsums im Alter von 6 - 7 Jahren schlechtere Lese-, Mathematik- und Kurzzeitgedächtnisleistungen aufwiesen. Diese Ergebnisse blieben auch unter Kontrolle des sozioökonomischen Status und der allgemeinen kognitiven Fähigkeiten der Kinder bestehen. Ohne Berücksichtigung der rezipierten Inhalte ergaben sich negative Effekte erhöhter Fernsehnutzungszeiten bezüglich der kognitiven Fertigkeiten. Dies deutet an, dass überwiegend Unterhaltungssendungen konsumiert werden bzw. deren vermutlich negative Effekte gegenüber den positiven Effekten edukativer Sendungen überwiegen. Feierabend und Klingler (2006) zeigten, dass deutsche Kindergartenkinder in 3/ 4 der gesamten Fernsehzeit fiktive Zeichentrickfilme und nur in 11 % der Fernsehzeit informative Inhalte rezipieren. Gerade für fiktive Unterhaltungssendungen sind allerdings negative Effekte für die kindliche Entwicklung zu erwarten (Paik & Comstock, 1994; Wright et al., 2001). In der Literatur finden sich drei grundlegende Hypothesen darüber, wie die Fernsehbzw. Video/ DVD-Nutzung die kognitiven Leistungen bzw. Schulleistungen negativ beeinflussen könnte. Die sogenannte Verdrängungshypothese besagt, dass die zeitliche Beschäftigung mit dem Fernsehen andere entwicklungsförderliche Interaktionen und kognitiv stimulierende Aktivitäten schlichtweg zeitlich verdrängt, wie z. B. Lesen, kreatives Spielen oder soziale Interaktion (Beentjes & Van der Voort, 1988; Vandewater, Bickham & Lee, 2006). Die Hypothese der Abwertung kognitiver Leistungen besagt, dass durch das verhältnismäßig gering kognitiv anspruchsvolle Fernsehen (i. Allg. Unterhaltungssendungen) eine negative Einstellung gegenüber eher anstrengenden und kognitiv fordernden Aktivitäten, wie Lesen, Zählen etc. entsteht und diese deshalb eher vermieden werden (Beentjes & Van der Voort, 1988). Die sogenannte Konzentrationsabbau-Hypothese beschreibt, dass durch schnelle Bild- und Szenenwechsel, emotional erregende Inhalte oder aber durch das schlichte Fokussieren eines Stimulus in einer bestimmten Richtung für lange Zeit (Fernsehbildschirm) bestimmte Hirnregionen ungünstig stimuliert werden und es so zu einer Abnahme der Konzentrationsfähigkeit, Störungen der Lernkonsolidierungsphasen und Aufmerksamkeitsproblemen kommen kann (Beentjes & Van der Voort, 1988; Pfeiffer, Mößle, Rehbein & Kleimann, 2005; Zimmerman & Christakis, 2005). Bisher konnte keine der Hypothesen hinreichend belegt werden (Ennemoser et al., 2003). In letzter Zeit wird zunehmend das steigende Medienrepertoire der Kinder berücksichtigt, da sich durchaus Unterschiede in den Auswirkungen einzelner elektronischer Medien zeigten (Borzekowski & Robinson, 2005). So berichten Li und Atkins (2004) in einer der ersten Untersuchungen für Kindergartenkinder, dass die Verfügbarkeit eines Computers und tendenziell auch die Nutzungsfrequenz mit besseren kognitiven Fähigkeiten (IQ) und Schulfertigkeiten einherging. Es fanden sich keine signifikanten Zusammenhänge zwischen dem Zugang zu Videospielen und den kognitiven Leistungen der Kinder. Diese Ergebnisse galten auch unter Berücksichtigung sozioökonomischer Variablen. Untersuchungen an Grundschulkindern zeigten allerdings, dass ein erhöhter Konsum von ge- Elektronische Medien 49 walthaltigen Videospielen auf Spielkonsole oder Computer schlechtere Schulleistungen, z. B. in Mathematik und Deutsch, sowie kindliche Verhaltensauffälligkeiten bedingt (z. B. Pfeiffer et al., 2005). Die von Li und Atkins (2004) berichteten Ergebnisse deuten an, dass unterschiedliche Effekte der PC- und Videospielnutzung auf die kognitiven Fertigkeiten von Kindergartenkindern vorliegen. Wie bei der Fernsehnutzung lassen sich diese Unterschiede vermutlich auf unterschiedliche Programmformate zurückführen. So nutzen Vorschulkinder nach einer repräsentativen US-amerikanischen Untersuchung den Computer überwiegend zu edukativen Zwecken (> 85 %) und werden von ihren Eltern in der Nutzung unterstützt (National Center for Education Statistics, 2003). Hingegen sind für Videospielkonsolen (z. B. Sony Playstation, Nintendo Gameboy) weitaus weniger edukative Programme verfügbar, und die Kinder werden weniger häufig bei der Nutzung von den Eltern begleitet. Daher vermuten wir, dass mit der Spielkonsole häufiger nicht kindgerechte Unterhaltungsprogramme genutzt werden, die die Entwicklung von Kindergartenkindern negativ beeinflussen können (Anderson & Bushman, 2001; Paik & Comstock, 1994; Pfeiffer et al., 2005; Wright et al., 2001). Mögliche negative Auswirkungen der Computer- und Videospielnutzung auf die kognitiven Leistungen von Kindern werden in der Literatur analog zu den negativen Auswirkungen des Fernsehkonsums erklärt, obwohl hier bisher überwiegend Befunde für ältere Kinder vorliegen (Pfeiffer et al., 2005; Sharif & Sargent, 2006). Im Gegensatz dazu kann durch interaktive Lernprozesse die Nutzung von kindgerechten edukativen Computer- und Spielkonsolenprogrammen u. a. die kindliche Buchstabenerkennung, die mathematischen Fertigkeiten (z. B. Zählen, Rechnen, Verständnis mathematischer Konzepte) und die allgemeine kognitive Entwicklung fördern (Li & Atkins, 2004; Shute & Miksad, 1997; Williams, 1984). Hörspielkassetten werden von Kindergartenkindern nach dem Fernsehen am häufigsten genutzt (Feierabend & Mohr, 2004), sind allerdings selten in ihren Auswirkungen auf Kinder untersucht (Vorderer, Böcking, Klimmt & Ritterfeld, 2006). Die Hörspielnutzung hat einen positiven Effekt auf die Sprachentwicklung von Kindergarten- und Vorschulkindern. Dabei bestimmt das Unterhaltungspotenzial des Medieninhaltes die auditive Aufmerksamkeit der Kinder, welche wiederum die Nachhaltigkeit der sprachlichen Informationsverarbeitung und damit das hörspielbezogene Sprachlernen positiv beeinflusst (Ritterfeld, Niebuhr, Klimmt & Vorderer, 2006; Vorderer et al., 2006). Bisher wurde kaum untersucht, inwieweit die Rezeption von Hörspielen auch mit besseren mathematischen Fertigkeiten einhergeht; obwohl auch hier aufgrund der Verbesserung der sprachlichen Informationsverarbeitung entsprechend effektivere Lernprozesse hinsichtlich mathematischer Konzepte zu vermuten wären. Bei der differenzierten Betrachtung der Zusammenhänge einzelner Medien mit kognitiven Leistungen von Kindern ist es wichtig, relevante Drittvariablen zu kontrollieren, die mit den fokussierten Variablen konfundiert sein könnten. So kann beispielsweise eine erhöhte Mediennutzung Ausdruck eines unangemessenen Erziehungsverhaltens sein. Gleichzeitig steht ein unangemessenes Erziehungsverhalten auch im Zusammenhang mit schlechteren Schulleistungen und Entwicklungsschwierigkeiten von Kindern (Sharif & Sargent, 2006). Ähnliche Konfundierungen bestehen ebenfalls für Verhaltensauffälligkeiten, sozioökonomische Variablen und den IQ (Comstock & Scharrer, 1999; Hancox et al., 2005; Morgan & Gross, 1980). In Bezug auf die sozioökonomischen Variablen soll in der vorliegenden Arbeit ebenfalls untersucht werden, ob im Sinne einer „socioeconomicmainstreaming“ Hypothese vor allem Kinder aus besseren sozioökonomischen Verhältnissen bei hohem Medienkonsum schlechtere kognitive Fertigkeiten zeigen und ob der umgekehrte Schluss für Kinder mit niedrigem sozioökonomischen Status zutrifft (Comstock & Scharrer, 1999; Ennemoser et al., 2003; 50 Enno Edo Maaß et al. Fetler, 1984; Wright et al., 2001). Dabei ist es unserer Meinung nach auch wichtig, die Nutzung der jeweils nicht betrachteten Medien zu kontrollieren. So könnten beispielsweise die Auswirkungen des Fernsehkonsums dadurch mitbedingt sein, dass diese Kinder ebenfalls häufig Spielkonsolen nutzen und dies die jeweiligen Zusammenhänge eigentlich bedingt. Medienkonsumstudien mit einer umfangreichen Berücksichtigung dieser relevanten Drittvariablen existieren für deutsche Kindergartenkinder nach unserem Kenntnisstand bisher nicht. Zielsetzung der vorliegenden Studie. Neben der Deskription der kindlichen Medienverfügbarkeit und -nutzung sollten u. a. folgende Fragestellungen bzw. Hypothesen untersucht werden: (1) Die Nutzung elektronischer Bildschirmmedien nimmt unter Berücksichtigung relevanter Kovariaten mit steigendem Alter und männlichem Geschlecht der Kinder zu (Feierabend & Mohr, 2004; Grüninger & Lindemann, 2000). (2) Nutzen Kinder mit hohem Fernsehkonsum auch die hinsichtlich bestimmter Entwicklungsfolgen negativ bewerteten Videospielkonsolen (Gameboy; Spielkonsole) (Anderson & Bushman, 2001; Grüninger & Lindemann, 2000; Pfeiffer et al., 2005)? (3) Ein niedriger Schulabschluss, niedriges monatliches Haushaltseinkommen und Migrationsstatus gehen mit vergleichsweise erhöhten Nutzungszeiten von Fernseher, Video/ DVD, Gameboy, Spielkonsole und geringerer Computer- und Hörspielnutzung einher (Rideout & Hamel, 2006). (4) Bedingt das Erziehungsverhalten der Mutter unabhängig von sozioökonomischen Maßen die Nutzung elektronischer Medien (Jordan, 2006; Rideout & Hamel, 2006; Sharif & Sargent, 2006)? (5) Bedingen mangelnde Konsequenz bei der Einhaltung von Regeln („Nachsichtigkeit“), erhöhte Feindseligkeit bzw. Reizbarkeit („Überreagieren“) oder ineffektive verbale „Weitschweifigkeit“ im Umgang mit dem Kind einen vergleichsweise erhöhten Konsum von Fernsehen und Videospielen? (6) Bestehen unter Kontrolle von Verhaltensauffälligkeiten, sozioökonomischen Variablen, mütterlichem Erziehungsverhalten, kindlichen kognitiven Fähigkeiten (IQ) und dem anderweitigen kindlichen Medienkonsum: [6 a] negative Zusammenhänge zwischen Fernseh-, Gameboy- und Spielkonsolenkonsum und den Rechen- und Sprachfertigkeiten (Ennemoser et al., 2003; Pfeiffer et al., 2005; Wright et al., 2001; Zimmerman & Christakis, 2005), [6 b] positive Zusammenhänge zwischen Computernutzung, Hörspielnutzung und den Rechen- und Sprachfertigkeiten (Li & Atkins, 2004; Ritterfeld et al., 2006)? (7) Finden sich negative Zusammenhänge vor allem bei sozioökonomisch besser gestellten Kindern und positive Zusammenhänge vor allem bei sozioökonomisch schlechter gestellten Kindern (Comstock & Scharrer, 1999; Ennemoser et al., 2003)? Methode Stichprobe Die Daten der Studie entstammen einem Kooperationsprojekt an den Standorten Köln und Braunschweig, in dem in den Jahren 2001 bis 2002 Familien über Kindertagesstätten rekrutiert wurden (Freund-Braier et al., 2003; Heinrichs, 2006; Heinrichs, Kuschel, Bertram & Hahlweg, 2005). Ziel des Projektes war es, neben epidemiologischen Fragestellungen, Präventionssmaßnahmen (universelle Prävention: Triple P; Heinrichs et al. (2006) und indizierte Prävention: PEP; Hanisch et al. (2006); Heinrichs (2006)) hinsichtlich ihrer Effektivität und Dissemination zu überprüfen. Aufnahmekriterien waren das Alter des Kindes (2; 6 bis 6 Jahre), die Betreuung des Kindes in einer Kindertagesstätte und ausreichende Deutschkenntnisse. Für die indizierte Stichprobe wurden zum einen sozial benachteiligte Kinder rekrutiert (Heinrichs, 2006) und zum anderen wurden von den Eltern und Erzieherinnen mithilfe eines Screenings zusätzlich externalisierende Verhaltensauffälligkeiten (aggressives, oppositionelles und hyperaktives Problemverhalten) erhoben, welche Eingangskriterien für die Zuteilung waren (Plück et al., 2006). Insgesamt liegen für unsere Untersuchung Daten von N = 748 Familien vor, von denen n = 504 (67.4 %) in Braunschweig und n = 244 (32.6 %) in Köln lebten. Elektronische Medien 51 50.5 % (n = 378) zählten zu der indizierten Stichprobe. Für die Untersuchung der kognitiven Fertigkeiten der Kinder liegen Daten von N = 468 Familien vor, da in der Jacobs-Studie (Heinrichs, 2006) keine Intelligenzmessungen vorgenommen wurden (Missings K-ABC insgesamt: n = 280). Das durchschnittliche Alter der Kinder betrug zum Untersuchungszeitpunkt 4.27 Jahre (SD = .99; range = 2 - 6), das Alter der Mütter 34.2 Jahre (SD = 5.45; range = 20 - 57). 73.6% (n = 544) der Mütter waren verheiratet bzw. in fester Partnerschaft und lebten gemeinsam mit ihren (Ehe-) Partnern. 26.4 % (n = 195) der Mütter waren geschieden, verwitwet oder lebten getrennt vom Partner. 27 % der Mütter besaßen einen Hauptschulabschluss, 32.5 % einen Realschulabschluss und 40.5 % das Abitur oder Fachabitur. Das durchschnittliche monatliche Nettohaushaltseinkommen der Familien lag zwischen 1500 und 3000 Euro. 13.6 % (n = 102) der Mütter besaß keine deutsche Staatsbürgerschaft. Trotz des relativ hohen Anteils nicht-deutscher Mütter entsprechen die Bildungs- und Einkommensverhältnisse weitestgehend dem deutschen Bundesdurchschnitt (Statistisches Bundesamt, 2007). Damit genügen die Daten überwiegend dem Anspruch einer repräsentativen Untersuchung. In den folgenden Analysen werden die zwei- und dreijährigen Kinder aufgrund der geringen Stichprobengröße der zweijährigen zusammengefasst betrachtet. Messinstrumente Die Datenerhebung erfolgte im Rahmen eines ca. zweistündigen Hausbesuches. Mit den Müttern wurde zunächst ein Interview durchgeführt, während das Kind an einer testpsychologischen Untersuchung zur Einschätzung der intellektuellen Leistungsfähigkeit teilnahm. Die Kaufman-Assessment Battery for Children (K-ABC) in der deutschsprachigen Fassung von Melchers und Preuß (2001) ist eine Testbatterie zur Beurteilung der Intelligenz und des Niveaus der Fertigkeiten von Kindern im Alter von 2; 6 bis 12; 5 Jahren. Die Intelligenzskalen sind ein Maß für die kindliche Fähigkeit, Probleme einzel- und ganzheitlich zu lösen und legen den Schwerpunkt auf den Prozess (Verarbeitung), der zu richtigen Lösungen führt und nicht auf den Inhalt der Aufgaben. Dagegen prüft die davon unabhängige Fertigkeitenskala der K-ABC das Wissen, das ein Kind zu Hause oder im Kindergarten hat erlangen können, sowie die Anwendung von Fertigkeiten. Zur Erfassung der Rechenleistung wurde die Fertigkeitenskala Rechnen verwendet, die die Fertigkeit des Kindes, Zahlen zu erkennen, zu rechnen und allgemein das Verständnis mathematischer Konzepte erfasst. Zur Erfassung der Sprachfertigkeit des Kindes wurde die Fertigkeitenskala Rätsel verwendet, die die Fertigkeit des Kindes misst, aus wenigen vorgegebenen Informationen Begriffe zu finden. Hier wird eine Kombination aus Allgemeinwissen, Wortschatz und Verständnis komplexer grammatikalischer Strukturen sowie Konzentration und auditive Aufmerksamkeit erfasst. Der kindliche Medienkonsum wurde mithilfe eines standardisierten Interviews von den Eltern eingeschätzt. Es wurde u. a. erfragt, ob das jeweilige elektronische Medium im Haushalt vorhanden ist und wie hoch die täglichen Nutzungszeiten der Kinder ausfallen. Fernseher (TV), Video/ DVD (V- DVD), Gameboy (GB), Spielkonsole (SK), Hörspielkassetten (HSK) und Computer (PC) sind in folgende Kategorien eingestuft worden: „gar keine Nutzung“, „bis zu einer Stunde täglich“, „ein bis zwei Stunden täglich“, „zwei bis vier Stunden täglich“, „mehr als vier Stunden täglich“. Weiterhin wurden hier sozioökonomische Daten erfasst. Zur Erfassung des mütterlichen Erziehungsverhaltens wurde der Erziehungsfragebogen (EFB) benutzt. Der Erziehungsfragebogen ist die deutsche Übersetzung der Parenting Scale (PS; Arnold, O’Leary, Wolff & Acker, 1993). In 35 Items wird elterliches Erziehungsverhalten bei problematischem Kindverhalten bipolar (effektiv vs. ineffektiv) beschrieben und das eigene Verhalten bezüglich der letzten zwei Monate auf einer siebenstufigen Antwortskala zwischen den beiden Verhaltensweisen eingestuft. Die Antworten lassen sich zu den drei Skalen Überreagieren (12 Items; a = .81), Nachsichtigkeit (11 Items; a = .71) und Weitschweifigkeit (6 Items; a = .64) sowie zu einem Gesamtwert ( a = .81) zusammenfassen. Eltern mit hoher Ausprägung auf der Skala Nachsichtigkeit geben sehr schnell nach, lassen die Kinder oft gewähren, achten wenig auf die Einhaltung von Regeln und Grenzen oder verstärken Problemverhalten des Kindes positiv. Die Aussagen der Skala Überreagieren erfassen „Erziehungsfehler“ wie zum Beispiel Zorn, Wut und Ärger zeigen und übermäßige Reizbarkeit oder Gemeinheit. Eltern mit hoher Ausprägung auf der Skala Weitschweifigkeit führen mit ihren Kindern immer wieder langatmige und ermüdende Diskussionen über das Problemverhalten ihres Kindes. Sie reden viel, obwohl dies in entsprechenden Situationen wenig effektiv ist. 52 Enno Edo Maaß et al. Kindliche Verhaltensauffälligkeiten wurden mit der CBCL 1 ½ - 5 (Arbeitsgruppe Deutsche Child Behavior Checklist, 2000 a) erfasst. Die CBCL ist eine deutsche Übersetzung der international etablierten Verfahren der Child Behavior Checklist von Achenbach (Achenbach & Rescorla, 2000). In 100 Items werden verschiedene Verhaltens- und emotionale Auffälligkeiten beschrieben und sollen von den Eltern hinsichtlich der Häufigkeit bzw. des Zutreffens beurteilt werden. In den weiteren Analysen wurde der CBCL-Gesamtwert als Kovariate verwendet. Datenanalyse Die Zusammenhänge zwischen den untersuchten Variablen wurden mit binär logistischen Regressionen berechnet. Dieses Vorgehen bietet sich an, um sowohl kategoriale als auch kontinuierliche Variablen nebeneinander berücksichtigen zu können. Eine binäre abhängige Variable „Medienkonsum“ erschien angebracht, da die Gameboy-, Spielkonsolen- und Computernutzungszeiten aufgrund mangelnder Varianz bereits weitestgehend binären Variablen entsprachen, die zwischen der täglichen Nutzung bis zu einer Stunde und keiner täglichen Nutzung differenzieren. Hinsichtlich der Fernseh-, Video/ DVD- und Hörspielnutzung wurden in Anlehnung an das Vorgehen von Ennemoser et al. (2003) Vielnutzer gegenüber Wenigbzw. Normalnutzern abgegrenzt, wenn deren Nutzungszeiten im Vergleich zu den Peers im oberen Drittel der Stichprobe lagen. Dies bedeutete aufgrund der kategorialen Erfassung des Medienkonsums eine Trennung in Viel- und Wenigbzw. Normalnutzer bei einem täglichen Konsum von 1 - 2 Stunden und mehr. Der auf diese Weise identifizierte Vielnutzer zeigt somit eine vergleichsweise erhöhte Nutzung des jeweiligen elektronischen Mediums, für die vermutlich negative bzw. positive Effekte zu erwarten sind. Ergebnisse Medienprävalenz und -nutzung Tabelle 1 gibt differenziert nach dem Alter der Kinder einen Überblick über die Nutzungszeiten und die Verfügbarkeit elektronischer Medien in deutschen Haushalten. Deutlich wird, dass ein Fernseher in fast allen Haushalten (99.1 %) vorhanden war, dicht gefolgt von Hörspielkassetten (91.4 %) und Video-/ DVD-Rekordern (86.2 %). 2/ 3 aller Haushalte verfügten über einen Computer (64.8 %) und ca. 1/ 3 über einen Gameboy (32.2 %) oder eine Spielkonsole (27.3 %). Die Nutzungszeiten der einzelnen elektronischen Medien zeigen, dass der Fernseher das meist genutzte elektronische Medium war. 29.2 % der untersuchten Kinder sahen täglich mindestens 1 - 2 Stunden fern. Dies traf bereits für 19.4 % der Zweibis Dreijährigen zu. Keine tägliche Nutzung fand sich nur bei 9.1 % aller Kinder. Hörspielkassetten wurden am zweithäufigsten genutzt. 13.7 % der Kinder konsumierten diese täglich 1 - 2 Stunden und länger, wobei die Fünfjährigen tendenziell den höchsten Konsum zeigten. Direkt danach rangierte die Nutzung von Videos und DVDs, welche von 12.0 % der Kinder täglich mindestens 1 - 2 Stunden konsumiert wurden. Gameboy (0.8 %, ≥ 1 - 2 Stunden/ Tag), Spielkonsole (0.9 %, ≥ 1 - 2 Stunden/ Tag) und Computer (0.6 %, ≥ 1 - 2 Stunden/ Tag) wurden in diesem Altersbereich nur sehr selten zeitintensiv genutzt. Allerdings nutzten im Schnitt ca. 10 % der Kinder Gameboy und Spielkonsole täglich bis zu einer Stunde sowie 35.5 % den Computer (22.7 % der Zweibis Dreijährigen! ). An dieser Stelle ist hervorzuheben, dass eine tägliche Nutzung für Kindergartenkinder bereits eine vergleichsweise hohe Nutzungsfrequenz darstellt (vgl. Feierabend & Mohr, 2004). Sozioökonomischer Status, mütterliches Erziehungsverhalten und erhöhter Medienkonsum Bei der Betrachtung der nachfolgenden Ergebnisse der binär logistischen Regressionen ist zu berücksichtigen, dass diese immer unter Kontrolle der jeweils anderen Variablen berechnet wurden (Tabelle 2). Zusätzlich wurde der Einfluss der indizierten Stichprobe statistisch kontrolliert. Da es an dieser Stelle darum ging, die vergleichsweise hohen Nutzungszeiten der Kinder zu erklären, wurden nur diejenigen Kinder untersucht, die potenziell ein entsprechendes Gerät im Haushalt verfügbar hatten. Elektronische Medien 53 Die Wahrscheinlichkeit, täglich länger als eine Stunde fernzusehen, wuchs mit jedem zusätzlichen Lebensjahr um durchschnittlich 25.9 %. Eine Gameboynutzung von bis zu einer Stunde täglich (und mehr) wurde mit jedem zusätzlichen Geburtstag zweimal wahrscheinlicher (OR = 2.24), die Computernutzung hingegen um den Faktor 1.6. Die Jungen der Stichprobe nutzten im Vergleich mit 4 bis 5mal höherer Wahrscheinlichkeit Gameboys und Spielkonsolen, während die Wahrscheinlichkeit einer vergleichsweise erhöhten Fernsehnutzung um den Faktor 1.5 anstieg. Zusätzlich berechnete Varianzanalysen zeigten, dass sich die Mädchen im Bereich der Fernsehnutzung mit steigendem Alter tendenziell den Jungen annäherten, während die Kluft beim Gameboy (Alter * Geschlecht; F = 12.006, p ≤ .01) und der Spielkonsole (Alter * Geschlecht; F = 10.908, p ≤ .01) größer wurde. Medien Alter Keine Nutzung N (%) Bis zu 1 Stunde N (%) 1 bis 2 Stunden N (%) Mehr als 2 Stunden N (%) Gerät vorhanden in % TV 2bis 3-Jährige 25 (13.5) 124 (67.0) 30 (15.7) 7 (3.7) 100.0 4-Jährige 20 (8.8) 138 (60.5) 58 (25.4) 12 (5.2) 98.2 5-Jährige 17 (6.4) 164 (61.9) 62 (23.4) 21 (8.3) 99.2 6-Jährige 6 (8.5) 37 (52.1) 25 (35.2) 3 (4.2) 98.6 Gesamt 68 (9.1) 463 (61.7) 175 (23.3) 44 (5.9) 99.1 V-DVD 2bis 3-Jährige 83 (44.3) 87 (47.0) 18 (8.6) - 82.0 4-Jährige 72 (31.6) 127 (55.7) 26 (11.4) 3 (1.3) 85.0 5-Jährige 80 (30.2) 153 (57.7) 28 (10.6) 4 (1.5) 89.7 6-Jährige 23 (32.4) 35 (49.3) 13 (18.3) - 87.3 Gesamt 258 (34.4) 402 (53.6) 83 (11.1) 7 (0.9) 86.2 GB 2bis 3-Jährige 180 (97.3) 5 (2.7) - - 21.9 4-Jährige 208 (91.2) 18 (7.9) 2 (0.9) - 29.1 5-Jährige 219 (82.6) 46 (17.4) - - 38.3 6-Jährige 53 (74.6) 14 (19.7) 4 (5.6) - 47.1 Gesamt 661 (88.1) 83 (11.1) 6 (0.8) - 32.2 SK 2bis 3-Jährige 177 (95.1) 9 (4.9) - - 19.1 4-Jährige 202 (88.6) 24 (10.5) 2 (0.9) - 23.3 5-Jährige 228 (86.0) 37 (14.0) - - 31.2 6-Jährige 50 (70.4) 16 (22.5) 4 (5.6) 1 (1.4) 47.1 Gesamt 657 (87.6) 86 (11.5) 6 (0.8) 1 (0.1) 27.3 PC 2bis 3-Jährige 142 (76.2) 42 (22.7) 1 (0.5) 1 (0.5) 59.6 4-Jährige 143 (62.7) 84 (36.9) 1 (0.4) - 66.1 5-Jährige 157 (59.2) 107 (40.4) 1 (0.4) - 65.8 6-Jährige 37 (52.1) 33 (46.5) 1 (1.4) - 71.8 Gesamt 479 (63.9) 266 (35.5) 4 (0.5) 1 (0.1) 64.8 HSK 2bis 3-Jährige 52 (28.1) 115 (62.2) 16 (8.6) 2 (1.1) 88.8 4-Jährige 53 (23.2) 143 (62.7) 22 (9.6) 10 (4.3) 91.9 5-Jährige 71 (26.8) 149 (56.2) 32 (12.1) 13 (4.9) 93.2 6-Jährige 24 (33.8) 40 (56.3) 5 (7.0) 2 (2.8) 89.9 Gesamt 200 (26.7) 447 (59.6) 76 (10.1) 27 (3.6) 91.4 Tabelle 1: Verfügbarkeit und tägliche Nutzungszeiten elektronischer Medien (N = 748). Anmerkungen: Diejenigen, die kein Gerät zur Verfügung hatten, sind unter „keine Nutzung“ eingeordnet. TV= Fernseher, V - DVD= Video/ DVD-Rekorder, GB = Gameboy, SK = Spielkonsole, PC = Computer, HSK = Hörspielkassetten 54 Enno Edo Maaß et al. Die Wahrscheinlichkeit eines vergleichsweise hohen Fernsehkonsums war umso höher, je geringer das Haushaltseinkommen und der Bildungsstatus waren. Bei der Video/ DVD-Nutzung fand sich ein ähnliches Muster, allerdings vorwiegend zwischen hohem und niedrigem Einkommen bzw. Bildungsstatus. Weiterhin zeigte sich, dass Kinder nicht deutscher Mütter zweimal wahrscheinlicher einen vergleichsweise hohen Fernsehkonsum aufwiesen als Kinder deutscher Mütter (OR = 2.14). Eine tägliche Gameboynutzung und tendenziell auch eine tägliche Spielkonsolennutzung fanden sich mit größerer Wahrscheinlichkeit bei Kindern weniger gebildeter Mütter. Weiterhin galt, dass Kinder aus gut verdienenden Familien wahrscheinlicher tägliche Gameboynutzungszeiten aufwiesen als Kinder aus gering verdienenden Familien (OR = 2.83). Die Nutzung eines Computers fand sich bei Kindern hoch gebildeter Mütter zweimal wahrscheinlicher als bei Müttern mittlerer Bildung (OR = 2.13 (e -lnOR - 1) * 100)). Für die Nutzung von Hörspielkassetten fanden sich keine Abhängigkeiten vom sozioökonomischen Status. Insgesamt wird deutlich, dass vor allem bei der Fernsehnutzung auch geringe sozioökonomische Unterschiede entscheidend für die Nutzungszeiten waren. Zusätzlich berechnete Korrelationen zeigten, dass ein vergleichsweise erhöhter Fernsehkonsum vor allem mit vergleichsweise erhöhten Video/ DVD-Nutzungszeiten (r = .36; p ≤ .01), aber auch mit täglichen Gameboy- (r = .19; p ≤ .01) und Spielkonsolennutzungszeiten (r = .19; p ≤ .01) einherging. Für die Hörspiel- und PC-Nutzung konnten keine signifikanten Zusammenhänge mit der Fernsehnutzung identifiziert werden. Das mütterliche Erziehungsverhalten zeigte Zusammenhänge mit den Nutzungszeiten von Mediennutzungszeiten 1) TV OR CI (95 %) n = 735 V-DVD OR CI (95 %) n = 639 GB OR CI (95 %) n = 238 SK OR CI (95 %) n = 201 PC OR CI (95 %) n = 480 HSK OR CI (95 %) n = 656 Alter d. Kinder 1.259* 1.039 -1.526 - 2.224** 1.650 - 2.998 - 1.626** 1.317 - 2.009 - Männliches Geschlecht 1.459* 1.003 - 2.122 - 4.464** 2.337 - 8.523 5.315** 2.566-11.001 - - Geringe vs. hohe Schulbildung 3.983** 2.434 - 6.518 1.789 + .957 - 3.346 3.360** 1.672 - 6.751 - - Geringe vs. mittlere Schulbildung 2.128** 1.375 - 3.295 2.372** 1.283 - 4.383 2.087* 1.130 - 3.856 1.872 + .919 - 3.814 - - Mittlere vs. hohe Schulbildung 1.911** 1.196 - 3.056 - - - .469* .001 - .936 - Geringes vs. hohes Haushaltseinkommen 2.507* 1.162 - 5.410 3.302* 1.152 - 9.462 .922* .065 -1.778 - - - Geringes vs. mittleres Haushaltseinkommen - - - - - - Mittleres vs. hohes Haushaltseinkommen 3.246** 1.571 - 6.706 2.832* 1.050 - 7.633 - - - - Nicht deutsche Nationalität 2.144** 1.291 - 3.561 - - - - - Ungünstiges Erziehungsverhalten (EFB) 1.638** 1.184 - 2.265 - - 1.712 + .955 - 3.069 - .425* .024 - .825 Tabelle 2: Zusammenhänge zwischen soziodemografischen Variablen, Erziehungsverhalten und Mediennutzungszeiten (N = 748). Anmerkungen: Es werden nur signifikante Ergebnisse berichtet. TV = Fernseher, V - DVD = Video/ DVD-Rekorder, GB = Gameboy, SK = Spielkonsole, PC = Computer, HSK = Hörspielkassetten. OR = Odds Ratio; CI (95 %) = 95 % Konfidenzintervall. 1) AV = 1, bei TV, V - DVD und HSK ≥ 1 - 2 Stunden/ Tag; bei GB, SK und PC > 0 Stunden/ Tag. Der Einfluss der indizierten Stichprobe wurde statistisch kontrolliert. + p ≤ .10; * p ≤ .05; ** p ≤ .01. Elektronische Medien 55 Fernseher, Spielkonsole und Hörspielen unabhängig von sozioökonomischen Variablen. Je ungünstiger das Erziehungsverhalten der Mutter, desto ausgeprägter die Fernseh- und Spielkonsolennutzung. Für jede Rohwerterhöhung des ungünstigen Erziehungsverhaltens (M = 3.33; SD = .59) erhöhte sich das Risiko einer vergleichsweise hohen Fernsehnutzung um 63.8 % und in der Tendenz für eine tägliche Spielkonsolennutzung um 71.2 %. Bei der Hörspielnutzung zeigte sich der umgekehrte Zusammenhang. Die Wahrscheinlichkeit, Hörspiele nicht oder nur vergleichsweise gering täglich zu nutzen, erhöhte sich je zusätzlichem Rohwert (EFB) um 135 %. Getrennte Regressionsanalysen zeigten, dass in allen Fällen eine erhöhte bzw. bei den Hörspielen eine geringere Nachsichtigkeit im Erziehungsverhalten der Mutter die gefundenen Zusammenhänge erklärte. Erhöhter Medienkonsum und kognitive Fertigkeiten Tabelle 3 zeigt, dass unter Kontrolle von Bildungsstatus, Haushaltseinkommen, Migrationsstatus, Erziehungsverhalten, kindlichen Verhaltensauffälligkeiten (CBCL-Gesamtwert: M = 36.8; SD = 22.1), Intelligenzquotienten (M = 99.2; SD = 13.2) und sonstigem Medienkonsum sowohl signifikant negative Zusammenhänge zwischen Spielkonsolennutzung und den Sprachfertigkeiten bestanden, als auch signifikant positive Zusammenhänge für die Hörspiel- und tendenziell für die PC-Nutzung. Weitere Berechnungen an jeweiligen Teilstichproben (getrennt nach sozioökonomischem Status) zeigten für die Spielkonsolennutzung negative Zusammenhänge be- TV-DVD 1) OR CI (95 %) GB 1) OR CI (95 %) SK 1) OR CI (95 %) PC 1) OR CI (95 %) HSK 1) OR CI (95 %) Sprachfertigkeiten (M = 95.1; SD = 17.0) Kontrolle IQ/ SES - - .964* .937 - .992 1.014 + .997 -1.032 1.032* 1.006 -1.059 Niedriger SES (N =111) - - - 1.034 + .997 -1.072 1.072* 1.004 -1.145 Mittlerer SES (N =174) - - .910** .854 - .971 - - Hoher SES (N =183) - - - - - Rechenfertigkeiten (M = 102.4; SD = 15.8) Kontrolle IQ/ SES .978* .958 - .999 - .973 + .942 - 1.005 - 1.041** 1.015 -1.069 Niedriger SES (N =111) - - - - - Mittlerer SES (N =174) .946** .913 - .980 - .946 + .889 -1.006 - 1.062** 1.017 -1.110 Hoher SES (N =183) - - - 1.026 + .997 -1.057 1.053* 1.007 -1.102 Tabelle 3: Zusammenhänge zwischen Medienkonsum und Sprach- und Rechenfertigkeiten in Abhängigkeit vom sozioökonomischen Status (N = 468). Anmerkungen: Es werden nur signifikante Ergebnisse berichtet. SES = Sozioökonomischer Status; TV - DVD = Fernsehen & Videofilme, GB = Gameboy, SK = Spielkonsole, PC = Computer, HSK = Hörspielkassetten. OR = Odds Ratio; CI (95 %) = 95 % Konfidenzintervall. Statistisch berücksichtigte Kovariaten: Alter, Geschlecht, Bildungsstatus der Mutter, Haushaltseinkommen, Migrationsstatus der Mutter, Erziehungsverhalten der Mutter, kindliche Verhaltensauffälligkeiten (CBCL-Gesamtwert), Intelligenzquotient und sonstiger Medienkonsum. 1) AV = 1, bei TV - DVD und HSK ≥ 1 - 2 Stunden/ Tag; bei GB, SK und PC > 0 Stunden/ Tag. + p ≤ .10; * p ≤ .05; ** p ≤ .01. 56 Enno Edo Maaß et al. sonders für Kinder mit mittlerem sozioökonomischen Status (OR = .91). Die PC- und Hörspielnutzung zeigte vor allem für Kinder mit niedrigem sozioökonomischen Status positive Zusammenhänge mit den Sprachfertigkeiten im Kindergartenalter (OR = 1.03; OR = 1.07). Die Fernseh- und Video/ DVD-Nutzung wurde aufgrund der gleichartigen Darbietungsform (Fernsehbildschirm bzw. Filme) zusammengefasst betrachtet (TV - DVD). Unter Berücksichtigung der zuvor genannten Kovariaten konnten signifikant negative Zusammenhänge zwischen Fernseh-/ Videofilmnutzung, tendenziell Spielkonsolennutzung und den kindlichen Rechenfertigkeiten identifiziert werden (OR = .98; OR = .97). Die Hörspielnutzung zeigte hingegen einen signifikant positiven Zusammenhang mit den Rechenfertigkeiten (OR = 1.04). Für die Fernseh-/ Videofilm- und Spielkonsolennutzung galten diese negativen Zusammenhänge besonders für Kindergartenkinder mit mittlerem sozioökonomischen Status (OR = .95; OR = .95), währenddessen die positiven Zusammenhänge zwischen Rechenfertigkeiten und vermehrtem Hörspielkonsum besonders für Kinder mit mittlerem und hohem sozioökonomischen Status galten (OR = 1.06; OR = 1.05). In der Tendenz wiesen Kinder mit hohem sozioökonomischen Status bei täglicher Computernutzung ebenfalls bessere Rechenfertigkeiten auf (OR = 1.03). Diskussion Mediennutzung und -verfügbarkeit in Deutschland. Im Vergleich zu den Ergebnissen von Feierabend und Mohr (2004) fanden sich hier überwiegend ähnliche Verfügbarkeiten und Nutzungszeiten von Fernseher, Video/ DVD und Hörspielkassetten, was die Repräsentativität der weiteren Ergebnisse stützt. Allerdings zeigte sich im Gegensatz zu den Ausführungen von Feierabend und Mohr deutlich, dass auch schon Kinder unter 6 Jahren vergleichsweise oft bis zu einer Stunde täglich Spielkonsolen (12.4 %), Gameboys (11.9 %) oder Computer (36.1 %) nutzten. Damit nähern sich die deutschen Kinder in diesem Bereich immer mehr den US-amerikanischen Kindern an (vgl. Rideout & Hamel, 2006). Alter, Geschlecht, sozioökonomischer Status, mütterliches Erziehungsverhalten und erhöhter Medienkonsum. Für die Fernseh-, Gameboy- und Computernutzung konnte unter Kontrolle sozioökonomischer Variablen bestätigt werden, dass diese mit dem Alter der Kinder stetig zunimmt (vgl. Rideout & Hamel, 2006). Allerdings traf dies entgegen den Erwartungen nicht für die Spielkonsolennutzung zu. Zusätzliche Berechnungen zeigten aber, dass die Verfügbarkeit von Spielkonsolen im Haushalt entscheidend mit höherem Alter der Kinder zunahm. Den Erwartungen entsprechend nutzten Jungen häufiger Fernseher, Gameboy und Spielkonsolen als gleichaltrige Mädchen. Allerdings holten die Mädchen mit steigendem Alter beim Fernsehen auf, während die Unterschiede bei der Nutzung von Videospielen größer wurden (vgl. Rideout & Hamel, 2006). Entgegen den in der Literatur berichteten Ergebnissen fand sich keine höhere Computernutzung bei den Jungen (Grüninger & Lindemann, 2000; Rideout & Hamel, 2006). Dies lag vermutlich an den recht großen Zeiteinheiten bei der Erfassung der Mediennutzung in der vorliegenden Arbeit und den in der Literatur berichteten eher geringen Nutzungsunterschieden. Erwartungsgemäß zeigten sich keine geschlechtsspezifischen Effekte bei der Videofilm- und Hörspielnutzung (Rideout & Hamel, 2006). In der vorliegenden Arbeit konnte ebenfalls bestätigt werden, dass eine vergleichsweise erhöhte Fernsehnutzung signifikant mit erhöhten bzw. täglichen Videofilm-, Gameboy- und Spielkonsolennutzungszeiten einhergeht. Entgegen den Erwartungen zeigten sich hier keine vergleichsweise geringeren Hörspiel- und höhere Computernutzungszeiten (vgl. Grüninger & Lindemann, 2000). Die weiteren Ergebnisse bestätigen im Großen und Ganzen die in den USA identifizierten Zusammenhänge zwischen Bildungs- Elektronische Medien 57 status, Haushaltseinkommen, Migrationsstatus bzw. Ethnie und (früh-) kindlichem Medienkonsum (Rideout & Hamel, 2006). Je geringer die mütterliche Schulbildung, desto höher war die Fernseh-, Videofilm-, Spielkonsolen- und Gameboynutzung (vgl. Grüninger & Lindemann, 2000; Rideout & Hamel, 2006). Das Gleiche galt für die Fernseh- und Videofilmnutzung auch hinsichtlich des Nettohaushaltseinkommens. Im Gegensatz zu den Ergebnissen aus der deutschsprachigen Literatur fanden sich hier unter Berücksichtigung des mütterlichen Erziehungsverhaltens höhere Nutzungszeiten des Gameboys für einkommensstärkere Familien und höhere Computernutzungszeiten bei besser gebildeten Müttern (vgl. Grüninger & Lindemann, 2000). In den USA zeigten sich ebenfalls höhere Computernutzungszeiten mit steigendem sozioökonomischen Status (Rideout & Hamel, 2006). Im Gegensatz zu Grüninger und Lindemann (2000) fand sich keine höhere Hörspielnutzung mit steigendem Alter, weiblichem Geschlecht und höherem sozioökonomischen Status. Hier spielt vermutlich das Erziehungsverhalten der Mutter eine ausschlaggebende Rolle, da nur dieses deutliche Zusammenhänge mit dem Hörspielkonsum aufwies. Hinsichtlich der Staatsangehörigkeit bzw. ethnischen Gruppenzugehörigkeit der Mutter kann übereinstimmend mit den Befunden aus den USA und Deutschland berichtet werden, dass Kinder ausländischer Mütter mehr Zeit vor dem Fernseher verbrachten (vgl. Grüninger & Lindemann, 2000; Rideout & Hamel, 2006). Eine vergleichsweise erhöhte bzw. tägliche Nutzung von Videospielen durch Migrantenkinder (vgl. Rideout & Hamel, 2006) sowie eine im Vergleich geringere Nutzung von Hörspielen konnte nicht bestätigt werden (vgl. Grüninger & Lindemann, 2000). Wichtig ist, dass in der vorliegenden Untersuchung besonders bei der Fernsehnutzung auch für eher geringe sozioökonomische Unterschiede (geringer vs. mittlerer vs. hoher sozioökonomischer Status) Variationen im kindlichen Medienkonsum beobachtet wurden. Das bedeutet für zukünftige Untersuchungen, dass globale Einschätzungen in hohe und niedrige sozioökonomische Status hier nicht ausreichend sind. Der Einfluss eines ungünstigen Erziehungsverhaltens im Sinne von Überreagieren, Weitschweifigkeit und Nachsichtigkeit fand sich unabhängig von sozioökonomischen Variablen für die Fernseh- und Hörspielnutzung sowie tendenziell für die Spielkonsolennutzung. Kinder, deren Mütter ungünstiges Erziehungsverhalten zeigten, nutzten länger Spielkonsole und Fernseher und seltener Hörspiele. Die gefundenen Zusammenhänge wurden vor allem durch eine erhöhte Nachsichtigkeit bedingt und gingen so vermutlich mit einer geringeren Medienreglementierung der Eltern einher. Rideout und Hamel (2006) zeigten, dass je höher der mütterliche Bildungsstatus, desto wahrscheinlicher bestehen angemessene Regeln für die Nutzung und die Programminhalte von elektronischen Medien, vor allem für den Fernsehkonsum. Unabhängig davon kommt es anscheinend darauf an, adäquat auf die Umsetzung dieser Regeln zu achten. Je besser dies gelingt, desto weniger werden Fernseher und Videokonsole und desto häufiger Hörspiele genutzt. Zukünftige Untersuchungen, die die Auswirkungen elektronischer Medien untersuchen, sollten diese Befunde berücksichtigen. Ungünstiges (allgemeines) Erziehungsverhalten beeinflusst nämlich sowohl den kindlichen Medienkonsum als auch die kindliche Entwicklung. Erhöhter Medienkonsum und kindliche Sprachfertigkeiten. Die Ergebnisse bestätigen erwartungsgemäß, dass eine vermehrte Nutzung von Hörspielen und tendenziell von Computern mit besseren Sprachleistungen einhergeht (vgl. Li & Atkins, 2004; Ritterfeld et al., 2006). Diese positiven Effekte zeigten sich im Sinne einer „socioeconomic-mainstreaming“ Hypothese vor allem für Kinder mit geringem sozioökonomischen Status. Weiterhin zeigten sich entgegen den Ergebnissen von Li und Atkins (2004) bei einer täglichen Spielkonsolennutzung schlechtere Sprachfertigkeiten der Kin- 58 Enno Edo Maaß et al. der. Dies entspricht allerdings den Befunden von Pfeiffer et al. (2005) zur Auswirkung der Videospielnutzung auf die Deutschleistung von Grundschülern. Diese Zusammenhänge galten besonders für Kinder aus Familien mit mittlerem sozioökonomischen Status. Entgegen den Erwartungen zeigten sich keine Zusammenhänge mit der Sprachleistung für eine vergleichsweise hohe Fernseh-/ Videofilmnutzung oder täglichen Gameboykonsum (vgl. Pfeiffer et al., 2005; Zimmerman & Christakis, 2005). Alle Ergebnisse gelten unter Kontrolle relevanter Drittvariablen wie kindlichem IQ, sonstigem Medienkonsum, Verhaltensauffälligkeiten und mütterlichem Erziehungsverhalten. Erhöhter Medienkonsum und kindliche Rechenfertigkeiten. Schlechtere Rechenfertigkeiten fanden sich erwartungsgemäß bei erhöhter Fernseh-/ Videofilmnutzung und in der Tendenz auch bei täglicher Spielkonsolennutzung (vgl. Pfeiffer et al., 2005; Zimmerman & Christakis, 2005). Hier zeigten sich die Zusammenhänge ebenfalls besonders für Kinder mit mittlerem sozioökonomischen Status; dies entspricht einer „socioeconomic-mainstreaming“-Hypothese insofern, als dass diese negativen Effekte zumindest nicht für Kinder mit geringem sozioökonomischen Status galten. Weiterhin fanden sich erwartungsgemäß bei vermehrter Hörspielnutzung Zusammenhänge mit besseren Rechenfertigkeiten. Vermutlich profitieren die Kinder von der durch die Hörspielrezeption trainierte auditive Aufmerksamkeit (Ritterfeld et al., 2006) auch bei der Aneignung von Rechenfertigkeiten. Entgegen den Erwartungen der „socioeconomic-mainstreaming“ Hypothese zeigten sich hier vor allem für mittlere und hohe sozioökonomische Status positive Zusammenhänge. Für eine vermehrte Computernutzung zeigten sich in der Tendenz sogar nur für Kinder mit hohem sozioökonomischen Status positive Zusammenhänge. Die gefundenen Zusammenhänge zwischen der Mediennutzung und den kindlichen kognitiven Fertigkeiten lassen, trotz Nicht- Erfassung der rezipierten Inhalte, Rückschlüsse darüber zu, wie deutsche Kindergartenkinder unterschiedliche elektronische Medien in der Regel nutzen. So deuten die positiven Zusammenhänge zwischen den kognitiven Fertigkeiten und der PC- und Hörspielnutzung an, dass deutsche Kinder hier vor allem informativ-edukative und kindgerechte Inhalte rezipieren. Beziehungsweise scheint deren Förderpotenzial gegenüber möglichen negativen Effekten von nicht kindgerechten Inhalten zu überwiegen. Bei der Spielkonsolennutzung werden aufgrund der gefundenen negativen Zusammenhänge mit den Sprach- und Rechenfertigkeiten scheinbar vor allem ungünstige Inhalte, wie z. B. Gewaltspiele oder andere fiktive Genres, konsumiert. Bei der Fernseh/ DVD-Nutzung halten sich vermutlich die förderlichen (z. B. kindgerechte, gesprochene Sprache) und entwicklungshinderlichen (z. B. Verdrängung von angemessenen Aktivitäten) Einflüsse auf die sprachlichen Fertigkeiten die Waage. Für die kindlichen Rechenfertigkeiten bestanden allerdings signifikant negative Zusammenhänge mit einer vergleichsweise hohen Fernseh-/ Videofilmnutzung. Hier scheinen die Kinder z. B. durch die Verdrängung anderer kognitiver Aktivitäten durch das Fernsehen oder aber durch die Entwicklung von Konzentrationsproblemen stärker in ihren Rechenals in ihren Sprachfertigkeiten beeinträchtigt zu werden. Zur weiteren Abklärung dieser Vermutung wären weitere Forschungsarbeiten überaus wünschenswert. Eine bedeutende Einschränkung der vorliegenden Untersuchung ist sicherlich, dass der kindliche Medienkonsum durch die Eltern eingeschätzt und nicht die rezipierten Inhalte erfasst wurden. So könnten im Gegensatz zu Tagebuchaufzeichnungen deutliche Verzerrungen auftreten, wie beispielsweise die Missachtung von unterschiedlichen Nutzungszeiten nach Wochentag und Jahreszeit oder die mangelnde Einsicht bzw. Erinnerung des Medienverhaltens durch die Eltern. Allerdings bleiben anscheinend die Rangfolgen der Nutzung trotz Elektronische Medien 59 saisonaler Schwankungen bestehen (Ennemoser et al., 2003) und vergleichende Untersuchungen zur Erfassung des kindlichen Medienkonsums zeigten weiterhin, dass sehr genaue Tagebuchaufzeichnungen und ökonomischere post-hoc-Einschätzungen der Eltern ausreichend miteinander korrelieren, z. B. r = .77 (van der Voort & Voojis, 1990; siehe auch Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2005). Es bleibt darüber hinaus festzuhalten, dass aus den Ergebnissen der vorliegenden Untersuchung keine kausalen Zusammenhänge postuliert werden können. Die Ergebnisse könnten auch so zu verstehen sein, dass Kinder mit schlechteren kognitiven Fertigkeiten bestimmte Medien als Freizeitbeschäftigung bevorzugen. Schlussfolgerungen. Bisherige Forschungsarbeiten zeigten im Einklang mit den hier vorliegenden Ergebnissen, dass sich vermutlich schon im Kindergartenalter in Abhängigkeit von der Mediennutzung Unterschiede in relevanten Schulvorläuferfertigkeiten ergeben (Li & Atkins, 2004; Zimmerman & Christakis, 2005). Diese Vorläuferfertigkeiten prädiktieren deutlich die weiteren schulischen Leistungen und gerade deswegen ist deren frühzeitige Entwicklung besonders wichtig (Ennemoser et al, 2003). Die Vorhersagen der „socioeconomic-mainstreaming“ Hypothese konnten in der vorliegenden Untersuchung vor allem für die kindlichen Sprachleistungen (zum Teil) bestätigt werden. Gerade für benachteiligte Kinder mit niedrigem sozioökonomischen Status empfiehlt sich vermutlich der vermehrte Einsatz von Hörspielen zur Verbesserung der Sprachfertigkeiten (Ritterfeld et al., 2006). Ein täglicher Fernseh-/ Videofilmkonsum von 1 - 2 Stunden oder mehr scheint hingegen ebenso wie die tägliche Nutzung von Spielkonsolen mit schlechteren kognitiven Fertigkeiten einherzugehen. Diese Medien sollten daher im zeitlichen Ausmaß und den rezipierten Inhalten (v. a. Unterhaltungsprogramme/ Zeichentrickfilme) reglementiert werden. Hier deutet sich in der Bundesrepublik Deutschland ein Nachholbedarf für circa jedes vierte Kindergartenkind an. An dieser Stelle sind unserer Meinung nach die Eltern der Kinder, sowie Lehrer und das pädiatrische Fachpersonal gefordert, diese Art des Medienkonsums kindgerecht zu reglementieren bzw. die Eltern darin zu unterstützen. Gerade wenn man bedenkt, dass vergleichsweise hohe Nutzungszeiten dieser Medien durch ein ungünstiges und zu nachsichtiges Erziehungsverhalten mitbestimmt werden. Weitere Forschungsarbeiten sollten unserer Meinung nach gerade für Kindergartenkinder im Längsschnitt weiter untersuchen, ob der Konsum relevanter Medien, wie Spielkonsole oder Hörspielkassetten, unterschiedliche Entwicklungsverläufe bei Kindern und Jugendlichen mit bedingt. Denn gerade diese Zeit ist kritisch für den Aufbau wichtiger Entwicklungsleistungen. Literatur Achenbach, T. M. & Rescorla, L. A. (2000). Manual for the ASEBA Preschool Forms & Profile. Burlington: University of Vermont, Department of Psychiatry. Anderson, C. A. & Bushman, B. J. (2001). Effects of violent video games on aggressive behavior, aggressive cognition, aggressive affect, physiological arousal, and prosocial behavior: A meta-analytic review of the scientific literature. Psychological Science, 12, 353 - 359. 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