eJournals Psychologie in Erziehung und Unterricht58/4

Psychologie in Erziehung und Unterricht
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0342-183X
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/peu2011.art14d
3_058_2011_4/3_058_2011_4.pdf101
2011
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Aggression in Umwelten frühadoleszenter Jungen und Mädchen. Vier Einzelfallstudien mit Kamerabrillen

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2011
Alexander Wettstein
Jana Bryjová
Gerhard Faßnacht
Mascha Jakob
Die meisten Jugendlichen zeigen beim Eintritt in die Pubertät nur moderate Probleme. Aggressive Frühadoleszente in Heimen für verhaltensauffällige Jugendliche sind allerdings einer Doppelbelastung ausgesetzt. Zusätzlich zu bereits bestehenden Verhaltensproblemen sind sie bei der Bewältigung normativer Entwicklungsanforderungen besonders gefordert. Sie verfügen nur über ein begrenztes Repertoire an Bewältigungsstrategien und leben oft in aversiven Umwelten. Aggressionsforschung fokussiert meist auf den Träger aggressiven Verhaltens. Wir richten in einer explorativen Studie den Blick auf die Umwelten aggressiver Frühadoleszenter im Alter von 12 Jahren und erheben mit Kamerabrillen ganze Tagesverläufe aus deren Perspektive. Dabei werden die Umwelten zweier Heimjugendlicher mit den Umwelten einer Kontrastgruppe zweier zu Hause lebender nicht aggressiver Frühadoleszenter in den Lebensbereichen Familie, Freizeit, Schule und Heimwohngruppe verglichen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die untersuchten Heimjugendlichen mehrfachen Entwicklungseinschränkungen unterworfen sind. Sie verfügen im Vergleich zur Kontrastgruppe über einen eingeschränkten Streifraum, weniger bedeutsame Interaktionspartner, eingeschränkten Peerkontakt und werden in Interaktionen mit Peers häufig selbst Opfer aggressiven Verhaltens.
3_058_2011_4_0005
n Empirische Arbeit Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2011, 58, 293 - 305 DOI 10.2378/ peu2011.art14d © Ernst Reinhardt Verlag München Basel Aggression in Umwelten frühadoleszenter Jungen und Mädchen. Vier Einzelfallstudien mit Kamerabrillen Alexander Wettstein 1 , Jana Bryjová 1 , Gerhard Faßnacht 2 , Mascha Jakob 1 1 Pädagogische Hochschule Bern 2 Universität Bern Aggression in Environments of Adolescent Boys and Girls. Four Single Case Studies with Camera-Glasses Summary: Most individuals pass adolescence without excessive problems. However, aggressive adolescents with severe behaviour disorders living in residential homes are confronted with a difficult twofold task. Besides behaviour disorders, they might have to cope with environmental challenges which, presumably, go beyond their social-behavioural skills. Based on this hypothesis we introduced an ambulatory methodology for recording environmental scenes in which aggressive behaviour possibly arises. By means of glasses with a built-in camera, which were worn by two adolescents with severe external behaviour disorders, aged 12 years, we recorded their daily environmental scenes and interactions. These recordings were compared with environmental recordings of two adolescents without behaviour disorders. The results indicate that adolescents in residential homes are more frequently exposed to aversive settings. They have less peer interaction, a reduced life space (Streifraum) and become more often victims of their peer’s aggressive behaviour than the contrast group. Keywords: Aggression, interaction, conflict, adolescence, ambulatory assessment Zusammenfassung: Die meisten Jugendlichen zeigen beim Eintritt in die Pubertät nur moderate Probleme. Aggressive Frühadoleszente in Heimen für verhaltensauffällige Jugendliche sind allerdings einer Doppelbelastung ausgesetzt. Zusätzlich zu bereits bestehenden Verhaltensproblemen sind sie bei der Bewältigung normativer Entwicklungsanforderungen besonders gefordert. Sie verfügen nur über ein begrenztes Repertoire an Bewältigungsstrategien und leben oft in aversiven Umwelten. Aggressionsforschung fokussiert meist auf den Träger aggressiven Verhaltens. Wir richten in einer explorativen Studie den Blick auf die Umwelten aggressiver Frühadoleszenter im Alter von 12 Jahren und erheben mit Kamerabrillen ganze Tagesverläufe aus deren Perspektive. Dabei werden die Umwelten zweier Heimjugendlicher mit den Umwelten einer Kontrastgruppe zweier zu Hause lebender nicht aggressiver Frühadoleszenter in den Lebensbereichen Familie, Freizeit, Schule und Heimwohngruppe verglichen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die untersuchten Heimjugendlichen mehrfachen Entwicklungseinschränkungen unterworfen sind. Sie verfügen im Vergleich zur Kontrastgruppe über einen eingeschränkten Streifraum, weniger bedeutsame Interaktionspartner, eingeschränkten Peerkontakt und werden in Interaktionen mit Peers häufig selbst Opfer aggressiven Verhaltens. Schlüsselbegriffe: Aggression, Interaktion, Konflikt, Adoleszenz, Ambulatory Assessment Entwicklungsaufgaben in der frühen Adoleszenz Mit der einsetzenden Pubertät in der frühen Adoleszenz (11 bis 14 Jahre) sind Jugendliche mit zahlreichen Entwicklungsaufgaben (Havighurst, 1982) konfrontiert (vgl. Arnett, 1999). Dadurch sind nicht nur die Jugendlichen, sondern auch deren Interaktionspartner gefordert. Eltern und Lehrpersonen nehmen die frühe Adoleszenz als schwierige Zeit wahr (Buchanan et al., 1990). Die Spannung zwi- 294 Alexander Wettstein et al. schen Autonomie und Abhängigkeit beherrscht den ganzen Lebenslauf. In der Adoleszenz müssen Autonomieansprüche in der Familie neu verhandelt werden. Die Häufigkeit von Konflikten mit Eltern und Geschwistern ist in der frühen Adoleszenz am höchsten. Die Intensität erreicht den Höhepunkt in der mittleren Adoleszenz (Laursen, Coy & Collins, 1998). Montemayor und Hanson (1985) befragten 15-Jährige und ihre Familienmitglieder zu Konflikten. Durchschnittlich wurden 0.64 Konflikte mit einem Familienmitglied pro Tag berichtet. Die Beziehung wird aber dadurch nicht überdauernd geschädigt. Autonomieansprüche werden vor allem mit den Müttern ausgehandelt. Kumulative Belastungen bei aggressiven Frühadoleszenten Die meisten Jugendlichen bewältigen die an sie gestellten Entwicklungsaufgaben ohne größere Probleme. Dabei stehen Akkommodation und Assimilation in einem Gleichgewicht oder Situationen der Meisterung werden sogar lustbetont erlebt. Einige Jugendliche sind jedoch mit der Bewältigung dieser Entwicklungsaufgaben überfordert. Entwicklungsprozesse werden abgewehrt oder fragmentiert (vgl. Herzog, 1991). Die einsetzende Pubertät kann bei Jugendlichen mit Verhaltensproblemen große Belastungen auslösen. Im Übergang der Frühadoleszenz bewähren sich gewohnte Formen der Passung zwischen Person und Umwelt nicht mehr und neue Strategien sind erst noch im Aufbau (vgl. Silbereisen, 1986; Silbereisen, Noack & Eyferth, 1986). Bewältigung kann als situationsspezifisches Bemühen, mit Forderungen umzugehen, die die persönlichen Ressourcen übersteigen, definiert werden (Herzog, 1991; Neuenschwander, 1996). Gerade bei aggressiven Frühadoleszenten steht einer Vielzahl von Entwicklungsanforderungen ein begrenztes Repertoire von Bewältigungsstrategien gegenüber (Fuhrer, 2008). Als besonders belastend erweist sich die Zeit vom 13. bis zum 15. Lebensjahr, weil sich die Probleme in diesem Alter zu kumulieren beginnen, ohne dass bereits ausreichend funktionale Bewältigungsstrategien erlernt worden sind (Fuhrer, 2008). Aggressive Frühadoleszente sind mit dem Einsetzen der Pubertät mit einer anspruchsvollen Doppelaufgabe konfrontiert. Ohnehin schon belastet durch die bestehenden Verhaltensprobleme, kann die einsetzende Pubertät kumulativ starke Belastungen auslösen. Soziale Interaktionen im Erziehungsheim Wenn Probleme in der Familie, Schule und Freizeit kumulieren, scheint eine Einweisung in eine Erziehungsmaßnahme oft der letzte Ausweg zu sein. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass es bei der Alterskategorie 12bis 15-jähriger Jugendlicher zu einer gehäuften Einweisung in stationäre Institutionen für Kinder und Jugendliche mit Verhaltens- und Schulschwierigkeiten kommt. Erziehungsheime können mit Graf (1993) als Agenten gesellschaftlicher Normierung verstanden werden. Abweichendes Verhalten soll behandelt und familiäre Risikofaktoren korrigiert werden, damit das Individuum wieder in das ursprüngliche Umfeld integriert werden kann. Heimerziehung kann durch die Arbeit professionell ausgebildeter Erzieher Familien vorübergehend entlasten und Hilfestellungen anbieten. Gerade im Hinblick auf die Bewältigung zentraler Entwicklungsaufgaben in der Pubertät, insbesondere dem Aufbau positiver Peerbeziehungen, sowie der Autonomie- und Identitätsentwicklung, können sich in der Heimerziehung unerwünschte Nebeneffekte ergeben (vgl. Wettstein, 2011). Peerbeziehungen: Der Aufbau von positiven Kontakten zu Gleichaltrigen ist eine zentrale Entwicklungsaufgabe in der frühen Adoleszenz. Mit der Heimeinweisung verändert sich das soziale Beziehungsnetz der Jugendlichen. Während neue Beziehungsmöglichkeiten mit professionell ausgebildeten Erziehern eine Chance darstellen und eine Entlastung von habitualisierten Konflikten in der Familie bieten können, gestaltet sich der Aufbau positiver Peerbeziehungen schwieriger (Wettstein, 2008 a). Mit der Heimplatzierung werden die Jugendlichen aus der Aggression in Umwelten 295 bisherigen Peergruppe ausgeschlossen und werden gemeinsam mit Jugendlichen untergebracht, welche ebenfalls erhebliche Verhaltensstörungen aufweisen. Ein Verhalten ist nicht an und für sich adaptiv, sondern immer nur in Bezug auf spezifische Umweltbedingungen (Archer, 2001; Hawley, 2003). Es ist zu vermuten, dass durch die Separation verhaltensauffälliger Jugendlicher in Heimen Peerkulturen entstehen, in denen positive Vorbilder in der Gleichaltrigengruppe weitgehend fehlen und aggressives Verhalten, welches in anderen Gruppen möglicherweise zum sozialen Ausschluss führt, den sozialen Status sichert. 1 Freundschaft mit dissozialen Peers ist ein erheblicher Risikofaktor. Durch die hohe Konzentration verhaltensauffälliger Frühadoleszenter in Heimen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Verhaltensstörungen verstärken (Dishion, Dodge & Lansford, 2008; Müller, 2010) und die Jugendlichen häufig indirekt negativen Interaktionen ausgesetzt sind oder selbst Opfer aggressiven Verhaltens werden (Wettstein, 2008 a). Identität: Im Jugendalter wird Identität erstmals zum Gegenstand bewusster Reflexion. In Interaktionen sind Individuen ständig bemüht, ihre Handlungen mit den Erwartungen der Interaktionspartner abzustimmen. Dabei vermitteln sie den Eindruck, „ständig jonglierende[r] und balancierende[r] Artisten“ (vgl. Krappmann, 2005, S. 56) im Spannungsfeld zwischen individuellen Bedürfnissen und divergierenden sozialen Erwartungen. Es ist anzunehmen, dass sich die mit der Heimeinweisung verbundene soziale Exklusion aus der normalen Peergruppe ungünstig auf die Entwicklung der Jugendlichen auswirkt (Goffman, 1975). So führt zumindest experimentell induzierte soziale Exklusion (Twenge, Baumeister, Tice & Stucke, 2001) zu aggressivem Verhalten, verminderter Kooperation, mehr selbstschädigenden Verhaltensweisen und schlechteren kognitiven Leistungen in komplexen Denkaufgaben, wobei aber negative emotionale Zustände defensiv verdrängt werden (vgl. Twenge & Baumeister, 2005). Autonomie und Anpassung: Jugendliche brauchen für die Autonomieentwicklung einen Gestaltungsspielraum. Die soziale Umwelt kann auf die erhöhten Autonomieansprüche der Jugendlichen mit einem übersteigerten Kontrollbedürfnis reagieren und so Entwicklungsprozesse gefährden (Eccles et al., 1993). Gerade in der Heimerziehung kann sich in der Pubertät ein Antagonismus zwischen der Entwicklungsaufgabe der Ausbildung persönlicher Autonomie und der geforderten Anpassung an die Gesellschaft ergeben (vgl. Graf, 1993). In Heimen sind Jugendliche höherer Beobachtung ausgesetzt und verfügen über weniger Rückzugsmöglichkeiten. Es ist zu vermuten, dass Jugendliche teilweise Schutzmechanismen entwickeln, um ihre Autonomie gegenüber dem Zugriff der Organisation zu bewahren, und eigentliche Gegenkulturen entwickeln, um die Kultur der Organisation zu unterlaufen. Unter den Peers bringen solche Widerstände einen Prestigegewinn. Gleichzeitig drohen ihnen Sanktionen durch die Organisation. Die Jugendlichen müssen dabei einen Balanceakt zwischen den Erwartungen der Peers und den Erwartungen der Erzieher vollbringen. Fragestellungen Die Fokussierung auf problematische Interaktionsmuster und Person-Umwelt-Beziehungen wird immer wieder gefordert (vgl. Krahé & Greve, 2002; Mummendey, 1984), jedoch nur selten empirisch umgesetzt (Benkmann, 1987; Krappmann & Oswald, 1995; Larson, Richards, Moneta, Holmbeck & Ducket, 1996; Patterson & Cobb, 1971). Forscher und Erzieher richten ihren Blick oft ausschließlich auf die aggressiven Frühadoleszenten. Wir kehren diesen Fokus um und untersuchen mit Kamerabrillen die sozialen und materiellen Umwelten von Heimjugendlichen aus deren räumlichen Perspektiven und vergleichen diese mit den Umwelten von nicht aggressiven Frühadoleszenten, welche in ihren Familien leben. 2 Im Zentrum stehen dabei nicht die Jugendlichen, sondern deren Umwelten. Die frühadoleszenten Kamerabrillenträger sind nicht in erster Linie Forschungsobjekt, sondern Forschungsinstrument. Sie erfassen für den Forscher schwer zugängliche Umwelten aus deren räumlichen Perspektive. Nebst den materiellen Umwelten interessieren uns die sozialen Umwelten, insbesondere die Interaktionen zwischen den Jugendlichen und Erwachsenen sowie ihren Peers. Wir verfolgen die Strategie des Ambulatory Assessment (Fahrenberg, Myrtek, Pawlik & Perrez, 2007; Faßnacht, 1995) und orientieren uns an konvergierenden Strömungen der Ethologie (de 296 Alexander Wettstein et al. Waal, 1991), der ökologischen Psychologie und der Umweltpsychologie (Barker, 1968; Barker & Wright, 1951; Lewin, 1951; Sommer, 1966). In einer explorativen Studie untersuchen wir exemplarisch den Nutzen der neuen Kamerabrillenmethode und gehen folgenden Fragestellungen nach: 1. In welchen sozialen und materiellen Umwelten bewegen sich die Jugendlichen? 2. Wie nehmen sie ihre Umwelt subjektiv wahr? 3. Welche Interaktionsmuster entwickeln sich in einzelnen Lebensbereichen? Mit der Studie sind zahlreiche Entwicklungsarbeiten verbunden. So gilt es, das Beobachtungssystem zur Analyse aggressiven Verhaltens in schulischen Settings BASYS (Wettstein, 2008 a) auf die Lebensbereiche Freizeit, Familie und Wohngruppe auszudehnen und noch stärker interaktional ausgerichtete Beobachtungskategorien zu entwickeln. Mit der Entwicklung einer Kamerabrillenmethodik wird schließlich ein innovativer Beitrag zur Erfassung interaktionaler Prozesse in pädagogischen Handlungsfeldern (vgl. Thommen & Wettstein, 2010; Wettstein & Thommen, 2009) geleistet. Methode Stichprobe Bisher wurden in einer explorativen Studie zur Entwicklung der Erhebungsinstrumente und Erprobung der Kamerabrillenmethodik die Umwelten von vier Jugendlichen im Alter von M = 12.5 Jahren während einer Beobachtungszeit von 68.5 Stunden untersucht. Die Heimjugendlichen und die zu Hause lebenden Frühadoleszenten leben in einer Vorstadtgemeinde mit etwa 12.000 Einwohnern. Die Gemeinde weist in ihrem Kern urbane Strukturen auf. Bahn und Autostraßen teilen den Dorfkern. Alle Jugendlichen stammen jedoch aus einer peripheren Wohngegend, welche an Grünflächen, Wälder und abgeschiedene bäuerliche Ortschaften grenzt. Umwelten zweier stationär betreuten Jugendlichen: Die Auswahl der Brillenträger erfolgte in Zusammenarbeit mit den Erziehern des Heims und orientierte sich an folgenden Kriterien: Hohe Frequenz aggressiven Verhaltens mit stark reaktiven Anteilen; keine Brillenträger; deutsche Familiensprache und Kooperationsbereitschaft des Umfeldes. Die Erzieher schlugen schließlich zwei Jugendliche mit einer ADHS-Symptomatik und stark ausgeprägtem oppositionellem Verhalten vor. Carla ist ein 12; 7 Jahre altes quirliges und kontaktfreudiges Mädchen. Ihre alleinerziehende Mutter ist selbst in einem Heim aufgewachsen und leidet unter einem Borderline Syndrom. Sie hat die Erziehung ihrer Tochter ans Heim delegiert. Zu ihrem leiblichen Vater hat Carla keinen Kontakt mehr. Ihr siebenjähriger Halbbruder lebt in einem anderen Erziehungsheim. David ist ein 12; 8 Jahre alter, eher fest gebauter Junge. Als er elf Jahre alt war, wurde bei seinem Vater Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Nach dem Tod des Vaters wurde er aufgrund seines problematischen Verhaltens in der Schule ins Heim eingewiesen. Dort fiel er den Erziehern wegen Provokationen gegen Jugendliche, Anstiftung zum Rauchen und zum Diebstahl sowie Gewaltanwendung auf. Umwelten zweier zu Hause lebender Jungen ohne Verhaltensstörungen: Die Jugendlichen der Kontraststichprobe wurden in Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen ausgewählt und wiesen nach Einschätzung der Lehrperson und der Eltern keine Verhaltensauffälligkeiten auf. Andreas ist ein 12; 3 Jahre alter aufgeweckter Junge und besucht die reguläre sechste Klasse. Er hat eine fünfjährige Schwester. Bastian ist ein 12; 4 Jahre alter ruhiger und etwas zurückhaltend wirkender Jugendlicher. Er hat zwei jüngere Schwestern, welche neun und fünf Jahre alt sind. Die Erfassung der Umwelt mit Kamerabrillen Die Jugendlichen erfassen mit Kamerabrillen ganze Tagesverläufe aus ihrer räumlichen Perspektive. Dies stellt einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre aller beteiligten Personen dar. Es galt deshalb, besonderes Augenmerk auf rechtliche und ethische Belange zu richten und die lokalen Datenschutzbestimmungen zu berücksichtigen (vgl. Wettstein & Jakob, 2010). Der Einsatz von Kameras im öffentlichen Raum erfordert die vorherige Information aller (potenziell) betroffenen Personen. Die Behörden, die Jugendlichen und deren Familien, Erzieher, Lehrer und Mitschüler wurden umfassend über das Projekt informiert und um Einwilligung ersucht. Aggression in Umwelten 297 Verletzungen der Intimsphäre können nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Wir vereinbarten deshalb mit allen Beteiligten, dass solche Aufnahmen sofort gelöscht werden können. Bisher musste von dieser Maßnahme noch nie Gebrauch gemacht werden. Aus pädagogischer Perspektive muss vermieden werden, dass die Brillenträger durch das Projekt negativ im Fokus der Erzieher und Mitbewohner stehen und sich dies ungünstig auf ihre ohnehin schon problematische Entwicklung auswirkt. Die Kamerabrille 3 wiegt nur 52 Gramm. Mikrophon, die 3,6 mm-Kamera, Lithium-Ionen-Batterien und Speichermedium sind im Brillengestell integriert. Die sichtbare Kameralinse ist kleiner als ein Stecknadelkopf. Der Bildwinkel der Kamerabrille beträgt 48 Grad und deckt den parafovealen Sehwinkel der Brillenträger vollständig ab. Die Kamerabrille wird von nicht informierten Personen meist als normale Sonnenbrille wahrgenommen. Bedient und gesteuert wird die Kamerabrille über zwei Druckknöpfe, die seitlich am Brillenbügel positioniert sind. Das im Brillengestell integrierte Stereomikrofon liefert im Nahbereich bis zwei Meter eine gute Tonqualität. Die Aufnahmedauer ist durch den Akku und die Speicherkapazität der Brille auf vier Stunden beschränkt. Dem anfänglich starken Interesse der Heimjugendlichen an der Kamerabrille begegneten wir mit einer Überinstruktion. Die Kamerabrille wurde durch den Forschungsleiter in schulischen Settings so erschöpfend und verschult eingeführt, dass die anfangs spannende technische Innovation zum unliebsamen Schulstoff wurde. Nach einer einwöchigen Eingewöhnungsphase erhoben die Jugendlichen drei vollständige Tagesverläufe, vom morgendlichen Aufstehen bis zum abendlichen zu Bett gehen (vgl. Barker, 1968). Durch die beschränkte Aufnahmekapazität mussten die Jugendlichen die Kamerabrillen alle vier Stunden auswechseln. Auswertung Die Registrierung ganzer Tagesverläufe mit Kamerabrillen führt zu einer überwältigenden Datenmenge, welche letztlich in ihrer Gesamtheit nur durch analytische Reduktion mit Kategoriensystemen bewältigt werden kann. Aufgrund theoretischer Überlegungen und induktiver Kategorienbildung wurde das niedrig inferente Beobachtungssystem BASYS (Wettstein, 2008 a) weiterentwickelt (vgl. Tabelle 1). Das Beobachtungssystem umfasst folgende Kategorien: Interaktion bezeichnet das wechselseitig aufeinander bezogene Verhalten zweier oder mehrerer Interaktionspartner. Konflikt wird mit Shantz (1987) als unvereinbares Verhalten oder unvereinbare Ziele zwischen zwei Interaktionspartnern definiert. Konflikte können sich sowohl positiv wie auch negativ auswirken und übernehmen in der kognitiven und sozialen Entwicklung eine wesentliche Funktion (Shantz, 1987). Wir unterscheiden mit Laursen, Finkelstein und Betts (2001) drei Konfliktstile: In Aushandlungen wird versucht, eine für beide Parteien akzeptable Lösung zu suchen. Coersion beschreibt den Versuch, sich durch Nötigung gegen die Interessen des Interaktionspartners durchzusetzen. Disengagement bezeichnet einen physischen Rückzug oder eine psychische Distanzierung, wobei der Konflikt fallen gelassen wird, ohne dass er gelöst wird. Konflikte stellen Kontexte dar, in denen Aggressionen auftreten können, aber nicht müssen. Aggression stellt ein mögliches Mittel dar, um sich in Konflikten durchzusetzen. Aggression wird als verbales oder physisches Verhalten definiert, welches absichtlich ausgeführt wird und zu einer Schädigung führt (Anderson & Bushman, 2002; Wettstein, 2008 a). Soziale Interaktionen werden durch situationale oder temporale Kontexte beeinflusst. Diese können im Sinne provokativer Ökologien die Auftretenshäufigkeit problematischer Interaktionsmuster erhöhen. Wir stützen uns auf das Konzept des Behavior Settings von Barker (1968) und untersuchen, welchen Einfluss physikalische Umwelten auf Aktivitätsmuster ausüben. Die Videoaufnahmen wurden im Event-sampling-Verfahren mit ELAN (Hulsbosch, 2009) kodiert. Zur Überprüfung der Interraterreliabilität wurden 10 % der gesamten Beobachtungszeit von einem zweiten unabhängigen Rater kodiert und mittels Cohen’s Kappa für Nominalskalen die exakt zeitgleichen Überschneidungen der Kategorienvergabe berechnet. Die Elan-Kodierungen wurden ins SPSS Camera Abbildung 1: Kamerabrille 298 Alexander Wettstein et al. Tabelle 1: Das erweiterte Beobachtungssystem BASYS (Wettstein, 2008 a) mit Angabe der Interraterreliabilität in Cohen’s Kappa ( k n ) Lebensbereiche k n = 0.99 Familie Freizeit Schule Wohngruppe Behavior Setting Aktivität (39 Kategorien) k n = 0.87 Milieu (40 Kategorien) k n = 0.75 Müßiggang Aktiv alleine Aktiv gemeinsam Essen Sich vorbereiten Unterwegs Fremdbestimmte Aufgabe Formelle Gespräche Organisierte Freizeit Unterricht Eigenes Zimmer Wohnzimmer Garten Quartierstraße Schulzimmer Korridore und Pausenhof Wohngruppe Erzieherbüro Heimgelände etc. Interaktion k n = 0.76 Ja, mit Nein Vater Mutter Lehrer Erzieher Geschwister Mitschüler Mitbewohner Freund Kontaktversuch Selbstgespräch Singen/ Pfeifen Keine verbalen Anteile Konflikt Laursen et al. (2001) k n = 0.67 Aushandlung Coersion Distanzierung Third party Intervention Aggression BASYS (Wettstein, 2008 a) k n = 0.72 Opfer Täter 1. Oppositionelles Verhalten gegen die Lehrkraft 2. Aktiv gegen Fremdperson; offen direkt 3. Aktiv gegen Fremdperson; verdeckt 4. Aggression gegen Gegenstände 5. Partei ergreifend gegen Fremdpersonen; offen direkt 6. Partei ergreifend gegen Fremdpersonen; verdeckt 7. Repression 1. Oppositionelles Verhalten gegen die Lehrkraft 2. Aktiv gegen Fremdperson; offen direkt 3. Aktiv gegen Fremdperson; verdeckt 4. Aggression gegen Gegenstände 5. Partei ergreifend gegen Fremdpersonen; offen direkt 6. Partei ergreifend gegen Fremdpersonen; verdeckt 7. Repression Aggression in Umwelten 299 exportiert und deskriptiv statistisch ausgewertet. Auf die Durchführung von Signifikanztests wurde aufgrund der geringen Stichprobengröße verzichtet. Ergänzende Datenerhebungen Ergänzend zu den Kamerabrillenaufnahmen wurden aufgrund bereits verfügbarer Berichte die Anamnesen erhoben und mit allen Jugendlichen drei Interviews durchgeführt. In Anlehnung an den Elternexplorationsfragebogen für aggressives Verhalten bei Kindern (Petermann & Petermann, 2008) wurden die Jugendlichen zu Geburtsdatum, Schulart, Geschwister, Alter der Eltern, formale Beziehung der Eltern zum Jugendlichen und zur Berufstätigkeit der Eltern befragt. Die Jugendlichen wurden zudem aufgefordert, vertraute Streifräume (vgl. Muchow & Muchow, 1998), welche sie öfters aufsuchen und welche sie sich gut vorstellen können, wenn sie ihre Augen schließen, auf einer Landkarte zu markieren. Schließlich wurden die Jugendlichen mit der Circle-Map- Technik (vgl. Edwards, Hadfield & Mauthner, 2005) nach für sie bedeutsamen Interaktionspartnern befragt. Die stark vereinfachte Darstellung sozialer Netzwerke besteht aus mehreren ineinanderliegenden Kreisen, welche nach den Lebensbereichen Schule, Familie, Freizeit und Wohngruppe in vier Sektoren aufgeteilt sind. Im Zentrum steht das Individuum. Die Jugendlichen wurden aufgefordert, alle Personen, die ihnen wichtig sind, den einzelnen Lebensbereichen zuzuordnen. Was aus Sicht des Individuums sein Verhalten steuert, sind seine einzigartigen Wahrnehmungen (Lewin, 1951). Für die Aggressionsforschung ist es entscheidend zu verstehen, wie Jugendliche ihre Umwelt wahrnehmen und deuten. Es ist zu vermuten, dass gerade bei aggressiven Frühadoleszenten beträchtliche Diskrepanzen zwischen den objektiven Merkmalen einer Situation und dem subjektiven psychischen Erleben auftreten können. Das Wahrnehmen und Erleben der Jugendlichen wurde durch ein Autofotografieinterview erschlossen. Die Jugendlichen wurden aufgefordert, sechs Fotografien von Gegenständen, Orten oder Personen zu machen, die ihnen wichtig sind und zu denen sie eine enge Beziehung haben (Fuhrer & Laser, 1997). Dieses Bildmaterial bildete die Ausgangslage für das anschließende Interview zur Erhebung der subjektiven Wahrnehmung von Abhängigkeit und Autonomie, Beziehung, Identität, Konflikt und Copingstrategien in protektiven und emotional belastenden Lebensbereichen. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf mögliche Neutralisierungs- und Legitimationsstrategien (vgl. Fellegi, 2005) gerichtet. Die Interviews wurden transkribiert und mittels rekonstruktiver Methoden (Geertz, 2003; Mayring, 2008) ausgewertet. Ergebnisse Die Ergebnisdarstellung erfolgt vorwiegend einzelfallorientiert. Im Hinblick auf die laufende Hauptstudie mit einer größeren Stichprobe wurden jedoch auch Gruppenaggregate gebildet, welche aufgrund der geringen Stichprobengröße entsprechend vorsichtig zu interpretieren sind. Reaktivität Kamerabrillen Die Jugendlichen gaben an, sie hätten die Brille über weite Strecken vergessen. Diese Aussagen werden gestützt durch die Beobachtung, dass sie die Brillen zeitweilig in Settings trugen, die aus Datenschutzgründen aus der Studie ausgeschlossen waren (z. B. Einkauf im Supermarkt). Während der gesamten Beobachtungszeit wurde während 1.3 % der Zeit über die Kamerabrille gesprochen. Dies entspricht einem Gesamtanteil von 3.1 % aller Gesprächsbeiträge (Kontrastgruppe 3.3 %; Heimjugendliche 2.9 %). In 17 % der Fälle brachten die Brillenträger das Thema ein, in 83 % der Fälle ihre Interaktionspartner. Compliance: Bei der Erfassung von Tagesverläufen im Heim-, Schul- und Freizeitbereich beobachteten wir eine sehr hohe Compliance. Weitaus schwieriger gestaltete sich die Datenerhebung an den Wochenenden in den Ursprungsfamilien der Heimjugendlichen. Diese verbringen jedes zweite Wochenende in ihren Familien, welche zum Teil stark sozial belastet sind. Hier hielten sich die Jugendlichen oft nicht an die Datenerhebungszeiten. Streifraum Die Heimjugendlichen bewegen sich in der Freizeit kaum im öffentlichen Raum und verbringen die meiste Zeit in der Wohngruppe. 300 Alexander Wettstein et al. Der Streifraum der Heimjugendlichen ist sowohl am Ursprungswohnort als auch in der Heimumgebung mit insgesamt 0.62 km 2 2.8mal kleiner als der in der gleichen Wohngegend wohnenden Jugendlichen (1.72 km 2 ). Andreas verfügt mit 2.25 km 2 über den größten Streifraum, gefolgt von Bastian mit 1.18 km 2 . Carla verfügt sowohl in der Heimumgebung mit 0.62 km 2 als auch am Wohnort der Mutter mit 0.11 km 2 über einen sehr kleinen Streifraum. David bewegt sich sehr begrenzt im Umfeld des Schulheims. Sein Aktionsradius beträgt nur 0.52 km 2 . Interaktion Die Jugendlichen der Kontrastgruppe, Andreas und Bastian, befinden sich während 40.7 % bzw. 36.6 % der Beobachtungsdauer in sozialer Interaktion (M = 38.6 %). Die Heimjugendlichen, Carla und David, interagieren in 54.5 % bzw. 37.6 % der Zeit (M = 46.1 %). Der Lebensbereich der Wohngruppe des Heims ist mit 65.5 % durch eine hohe Interaktionsdichte und eingeschränkte Rückzugsmöglichkeiten charakterisiert. Interaktionspartner: Andreas interagiert in 74.8 % der Dauer mit Peers, Bastian in 40.6 % (M = 57.7 %). Carla und David orientieren sich vor allem an Erwachsenen und interagieren nur in 24.7 % bzw. 35.9 % mit Peers (M = 30.3 %). Bedeutsame Interaktionspartner Andreas nennt 28 bedeutsame Interaktionspartner, Bastian 24. Carla und David je nur 16. Diese Differenzen spiegeln sich in allen Lebensbereichen (Familie 3-mal, Freizeitbereich 2-mal, Schule 1.3-mal weniger Partner) wider. Die Heimjugendlichen verlieren ihre außerfamiliären sozialen Netzwerke mit Peers am Ursprungswohnort bereits kurze Zeit nach der Heimeinweisung. Missglückte Kontaktaufnahme Eine Interaktion setzt eine Reaktion des Gegenübers voraus. Während eines Tagesverlaufs scheitert Andreas in 37 und Bastian in 22 Fällen bei einer versuchten Kontaktaufnahme mit Erwachsenen oder Peers (M = 29.5). Bei Carla erzeugen Kontaktversuche in 83 Fällen keine Resonanz, bei David in 71 Fällen (M = 77). Heimjugendliche scheitern 2.6-mal häufiger bei der Kontaktaufnahme. Bei beiden Gruppen findet sich kein Unterschied in der Erfolgsquote zwischen Kontaktversuchen mit Erwachsenen und Peers. Konflikte Andreas und Bastian sind in 1.6 % bzw. in 1.5 % der Interaktionszeit in soziale Konflikte verwickelt (M = 1.6 %). Carla und David weisen mit 5.2 % und 8.6 % eine um 4.4-fach erhöhte Konfliktdauer über alle Lebensbereiche auf (M = 6.9). Zudem generalisieren sich bei den Heimjugendlichen Konflikte häufig über Themen und Interaktionspartner. Konfliktstile Andreas und Bastian lösen Konflikte in 25 % bzw. 33 % der Fälle durch Aushandlung (M = 29.2 %). Coersion ist mit 40 % bzw. 50 % (M = 45 %) die häufigste Strategie, gefolgt von Distanzierung mit 35 % bzw. 16.7 % (M = 25.9 %). Carla und David handeln Konflikte mit 6.8 % bzw. 15.6 % deutlich weniger aus (M = 11.2 %), setzen mit 72.7 % bzw. Abbildung 2: Prozentuale Interaktionsdauer mit Erwachsenen und Peers der Kontrastgruppe (weiß) und der Heimjugendlichen (grau) Aggression in Umwelten 301 77.7 % primär auf coersive Strategien (M = 75.2 %) und wählen mit 20.5 % bzw. 6.7 % deutlich weniger die Strategie der Distanzierung (M = 13.6 %) als die Kontrastgruppe. Erfolg coersiver Strategien Die Heimjugendlichen greifen in drei von vier Konflikten auf coersive Strategien zurück. Coersion scheint in Heimsettings insbesondere gegenüber Erwachsenen eine sehr erfolgreiche Strategie zu sein. Hier können sich die Jugendlichen in 78 % gegen Erzieher und Lehrkräfte des Heims durchsetzen, gegenüber ihren Peers ist diese Strategie weitaus weniger erfolgreich (47 %). Die wenigen Versuche der Kontrastgruppe, sich gegenüber ihren Eltern mittels coersiver Strategien durchzusetzen, führten nie zum Erfolg (0 %). Aggression Die untersuchten Heimjugendlichen sind mit einer Frequenz von M = 1.1 Aggressionen pro Stunde 1.5-mal häufiger Täter als die Jugendlichen der Kontrastgruppe (M = 0.75). Das aggressive Verhalten von Carla und David richtet sich gegen Erzieher, Mitbewohner, Mitschüler und Gegenstände. Während Bastian ausschließlich dreimal aggressiv gegen seine fünfjährige Schwester vorgeht, richtet sich das aggressive Verhalten von Andreas elfmal gegen Mitschüler und zehn Mal gegen seine kleine Schwester (M = 12.5 pro Interaktionsstunde). Die Heimjugendlichen werden 13mal häufiger Opfer aggressiven Verhaltens durch ihre Mitschüler und Mitbewohner (M = 0.4) als die Jugendlichen der Kontrastgruppe (M = 0.03). Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Jugendlichen der Kontrastgruppe den größten Teil des Tages in Interaktion mit Freunden und Mitschülern verbringen. Diese Settings sind kaum mit Konflikten und Aggressionen belastet. Mit den Eltern finden vereinzelte moderate Aushandlungen statt. Beide fünfjährigen Schwestern werden häufig Ziel aggressiven Verhaltens ihrer Brüder. Die Heimjugendlichen interagieren vorwiegend mit den Erziehern der Wohngruppe. Die Interaktion mit den Erziehern, Mitbewohnern und Mitschülern ist durch einen großen Konfliktanteil und aggressives Verhalten charakterisiert. Als protektiv erwies sich die konfliktfreie Interaktion mit nicht pädagogisch geschulten Mitarbeitern des Heims aus der Wäscherei und Landwirtschaft (bekannte Erwachsene). Die Beziehung zu den Müttern der Ursprungsfamilie ist stark mit Konflikten belastet. Während die Kontrastgruppe einen Konfliktanteil mit Müttern von 2 % aufweist, sind die Heimjugendlichen in 42.3 % der Interaktionszeit im Konflikt mit ihren Müttern. Abbildung 3: Konfliktstile. Prozentuale Häufigkeit der Konfliktstile der Kontrastgruppe (weiß) und der Heimjugendlichen (grau) Abbildung 4: Aggression, Täter- und Opfererfahrung. Vergleich der relativen Häufigkeiten der Kontrastgruppe (weiß) und der Heimjugendlichen (grau) 302 Alexander Wettstein et al. Wie erleben die Frühadoleszenten ihre Umwelt? Carla und David erleben die Heimeinweisung als Stigma. Während Carla vorerst versucht, die behördlich verfügte Heimeinweisung neutralisierend zu beschönigen („Ich wollte mal ausprobieren, wie das so ist in einem Heim“), beschreibt sich David als Kind, „(…) das manchmal dumm tut gegen Erwachsene, das einfach ein Kind ist, das halt in einem Schulheim ist. Wie ein Kind sich verhält, wenn es in ein einem Schulheim ist (…). Was wollen die schon groß tun? Wir sind eben nachher nicht einfach normale Kinder, denen man sagen kann, du darfst nicht, du darfst nicht. Wir sind Kinder, die eigentlich machen, was wir wollen.“ Als besonders belastend erleben beide Heimjugendlichen die divergenten Erwartungen der Erzieher und Peers. Während die Erzieher eine schnelle Resozialisation und das Einhalten von Normen verlangten, herrsche unter den Peers die Erwartung, dass der Jugendliche „cool“ sein müsse, gegen die Erzieher rebelliere und Aufnahmerituale unter Peers mit delinquentem Hintergrund bestehe. Die Jugendlichen befinden sich somit in einer Zwickmühle und müssen sich zwischen der Akzeptanz der Peergruppe oder der Institution entscheiden. Diese Entscheidung ist verbunden mit Sanktionen entweder der Peer- oder eben der Erziehergruppe. Während beide Heimjugendlichen die Interaktionen mit Peers als unberechenbar und belastend erleben, sind für sie die Interaktionen mit Erziehern und Lehrkräften hochgradig prognostizierbar. Dieses Wissen über habituelle Reaktionen der Erzieher wird teilweise strategisch genutzt. So schildert David seine Reaktion auf einen von der Erzieherin verordneten Zimmerverweis wie folgt: D: „Halt die Fresse, möchtest ja selber auch nicht ins Zimmer gehen! “ I: Und was sagen sie? D: „Soll ich deine Mutter anrufen? “ (Tonfall der Erzieherin nachahmend) I: Und was sagst du? D: (schmunzelt) Ich sage einfach: „Ja, mach doch.“ Wenn sie meine Mutter anrufen, dann kostet es mich ja nichts, wenn ich nachher mit ihr telefoniere. Nachher kommen sie und sagen. „David komm mal ans Telefon.“ Und nachher gehe ich ans Telefon und dann kann ich frisch fröhlich mit meiner Mutter ein bisschen reden. I: Und was sagt deine Mutter? D: Scheißt mich zuerst mal zusammen und nachher fragt sie: „Ja, wie geht’s? “ Blablablablabla. Und Kontrastgruppe Heimjugendliche Interaktionspartner Dauer h: min Konflikt % Aggression ƒ Interaktionspartner Dauer h: min Konflikt % Aggression ƒ Opfer Täter Opfer Täter Freunde 1: 49 0 0 0.2 Erzieher 2: 54 9.2 0 1.8 Mitschüler 1: 44 2.1 0.2 2 Mitbewohner 1: 34 5.1 1.6 4.8 Mutter 1: 17 2 0 0 Bek. Erwachsene 0: 40 0 0 0 Vater 0: 22 1.4 0 0 Lehrer 0: 38 2.5 0 0 Geschwister 0: 13 12.5 0 35.2 Mitschüler 0: 38 4.7 6.15 3.3 Lehrer 0: 12 0 0 0 Mutter 0: 15 42.3 0 0 Bek. Erwachsene 0: 04 0 0 0 Vater 0: 03 41.9 0 0 Tabelle 2: Interaktionspartner im Tagesverlauf. Absolute Interaktionsdauer nach Partnern mit der mittleren prozentualen Auftretenswahrscheinlichkeit von Konflikten und der mittleren Aggressionshäufigkeit pro Interaktionsstunde Aggression in Umwelten 303 dann habe ich eine halbe Stunde geschindet (…) und nachher meinen die Erwachsenen, es habe jetzt etwas gebracht (gelangweilte Stimme) und dann sagen sie: „David gehst du jetzt bitte endlich ins Zimmer? “ Nachher sage ich immer noch nein und dann geht das ganze Theater wieder von vorne los. I: Und dann rufen sie noch einmal die Mutter an? D: Nein. Das machen sie nachher nicht mehr. Dann sagen sie: „Ja, soll ich zu Thomas (Standortleiter) gehen? “ (hohe, nachahmende Stimme). Und genau dann geh ich nachher ins Zimmer. Diskussion Die untersuchten Heimjugendlichen erleben die Heimeinweisung als Stigmatisierung und sind widersprüchlichen Erwartungen der Peers und Erzieher ausgesetzt. Sie verfügen über einen eingeschränkten Streifraum und bewegen sich vorwiegend in einem Setting, welches durch eine hohe Peer- und Konfliktdichte und wenig Rückzugsmöglichkeiten charakterisiert ist. Die geringe Interaktionsdauer mit Peers ist erstaunlich, da im Heim eine sehr hohe Peerdichte vorliegt. Es ist jedoch zu vermuten, dass die Heimjugendlichen konfliktgeladenen Situationen mit ihren Peers aus dem Weg gehen und primär die Interaktion mit pädagogisch geschulten Erwachsenen suchen bzw. die Erwachsenen aufgrund ihrer pädagogischen Aufgabe die Interaktion initiieren. Der Kontakt mit Peers stellt eine zentrale Entwicklungsaufgabe und gleichzeitig eine wichtige Quelle zur Bewältigung von altersspezifischen Entwicklungsaufgaben dar. Erfolgreiche Strategien zur Konfliktbewältigung entwickeln sich graduell, primär über den Austausch in weitgehend symmetrischen Beziehungen mit Peers. Die Heimjugendlichen interagieren jedoch vorwiegend mit ihren Erziehern. Fatalerweise erweisen sich gerade hier coersive Strategien in 78 % der Fälle als erfolgreich. Somit besteht für die Jugendlichen kaum Bedarf, alternative Konfliktstrategien einzuüben. Hier stellt sich die Frage, ob die Erzieher vor dem Hintergrund deeskalativer Strategien oder aus Überforderung nachgeben. Methodisch wurde mit der Entwicklung der innovativen Kamerabrillenmethode ein Beitrag für eine niedrig reaktive Erfassung von Interaktionsprozessen in Lebensbereichen geleistet. Setzt man die Ergebnisse der Einzelfallstudien in Bezug zu Befunden, die nicht mit der Kamerabrillenmethode gewonnen wurden, so lassen sich teilweise erhebliche Unterschiede identifizieren. Die mittels Kamerabrillenmethode erhobene Konflikthäufigkeit der Kontrastgruppe mit einem Familienmitglied beträgt 8 Konflikte pro Tag. Dieser Wert liegt 12.5-mal höher als die über telefonische Befragungen ermittelte Konflikthäufigkeit bei Montemayor und Hanson (1985). Dies ist umso bemerkenswerter, als dass wir mit Shantz (1987) von einer eher engen Konfliktdefinition ausgehen, während Montemayor und Hanson (1985) Konflikte sehr breit als „unangenehm erlebte Interaktion“ umschreiben. Es ist zu vermuten, dass die erheblichen Unterschiede zumindest teilweise auf die Erhebungsmethoden zurückzuführen sind und die Kamerabrillentechnik eine sensitive Erhebungsmethode ist, welche im Gegensatz zu Befragungen frei von Erinnerungseffekten ist. Als problematisch erwiesen sich allerdings die Erhebungen in den stark belasteten Familien der Heimjugendlichen. Hier war die Compliance und somit die Erhebungsdauer (M = 1 h 17 min) gering. Es entsteht der Eindruck, dass die Jugendlichen versuchten, diesen sensiblen Bereich vor dem Forschungszugriff zu schützen. Mit der vorliegenden Studie sind zahlreiche Einschränkungen verbunden. Der Zugang zu den Stichproben ist gerade bei den Heimjugendlichen und ihren Familien sehr heikel und erfordert ein behutsames Vorgehen. So ergaben sich gerade bei der Stichprobenauswahl zahlreiche Effekte (Geschlecht, Geschwister, Status). Eine umfassende Vortestung aller Jugendlichen wäre pädagogisch nicht vertretbar gewesen. Die Jugendlichen wurden deshalb aufgrund ihrer Kooperationsbereitschaft und des Erzieherurteils ausgewählt. Aufgrund von Vergleichswerten früherer Studien an der gleichen Heiminstitution zur Frequenz von aggressivem Verhalten im Schulunterricht und in unsuper- 304 Alexander Wettstein et al. vidierten Pausensituationen (Wettstein, 2008 b) gehen wir davon aus, dass die ausgewählten Heimjugendlichen den Erziehern primär durch offene, gegen sie gerichtete Verhaltensstörungen aufgefallen sind. Gegenüber ihren Peers zeigten sie nur moderate Aggressionsfrequenzen und nahmen einen eher tiefen sozialen Status ein. Aufgrund der aufwendigen Erhebungsmethoden und Entwicklungsarbeiten konnten wir bisher nur mit einer kleinen Stichprobe arbeiten. Das Projekt weist den Charakter von Einzelfallforschung auf. Interindividuelle generalisierbare Aussagen sind bisher nicht möglich. Die Ergebnisse der explorativen Studie werden zur Zeit in einer weiterführenden Hauptstudie während einer Beobachtungszeit von 320 Stunden bei zwölf Frühadoleszenten (sechs Mädchen und sechs Jungen) auf ihre Generalisierbarkeit überprüft. Dabei wurden auch Jugendliche mit proaktiver Aggression und hohem sozialen Status in die Untersuchungen einbezogen. Die bisherigen Auswertungen der laufenden Hauptstudie weisen in die gleiche Richtung wie die hier berichteten Einzelfalluntersuchungen. Mit der Identifikation protektiver und belastender sozialer Situationen wird die Ableitung von Interventionsansätzen ermöglicht. Damit erarbeiten wir Grundlagenwissen für Erziehungsberufe und weiterführende Forschung. Anmerkungen 1 Verhaltensauffällige Jugendliche können natürlich auch außerhalb des Heimes ausgeschlossen werden und deviante Peergruppen bilden. Dennoch haben die Jugendlichen vor dem Heimeintritt zumindest noch potenziell die Möglichkeit, in Kontakt mit nicht devianten Peers zu treten, während dem in der Erziehungsmaßnahme nicht einmal mehr die Möglichkeit besteht. 2 Jugendliche mit mehreren Risikofaktoren (ADHS, Heimunterbringung, soziale Verhältnisse) werden mit unbelasteten Jugendlichen verglichen. Dabei werden die Variablen „Erziehungsmaßnahme“ und „Verhaltensstörung“ konfundiert. Im Hinblick auf die Entwicklung des Beobachtungssystems waren wir jedoch an einer möglichst großen Variationsbreite interessiert. 3 Die Entwicklung der Kamerabrillenmethodik kann hier aus Platzgründen nicht dargestellt werden. Interessierte Leser verweisen wir auf Wettstein und Jakob (2010). Literatur Anderson, C. A. & Bushman, B. J. (2002). Human aggression. Annual Review of Psychology, 53, 27 - 51. Archer, J. (2001). A strategic approach to aggression. Social Development, 10, 267 - 271. Arnett, J. J. (1999). 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