eJournals Psychologie in Erziehung und Unterricht59/4

Psychologie in Erziehung und Unterricht
3
0342-183X
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/peu2012.art20d
3_059_2012_4/3_059_2012_4.pdf101
2012
594

Frühe Hilfen - Entwicklung eines neuen Praxisfeldes in Deutschland

101
2012
Alexandra Sann
Dieser Beitrag vermittelt einen Überblick über die Entwicklung der Frühen Hilfen, einem Praxisfeld, das in den letzten fünf Jahren in Deutschland einen großen Aufschwung erfahren hat. Eingangs wird beleuchtet, was überhaupt unter Frühen Hilfen zu verstehen ist und welche Systeme und Akteure daran beteiligt sind. Dabei wird auf den kritischen Diskurs zum Spannungsfeld Hilfe vs. Kontrolle eingegangen, in dem sich auch die Frühen Hilfen bewegen und positionieren müssen. Anschließend werden die beiden zentralen Handlungsfelder der Frühen Hilfen vorgestellt: der Aufbau von professionsübergreifenden Netzwerken und die Implementierung von Unterstützungs- und Hilfeangeboten für Familien. Zum derzeitigen Ausbaustand in beiden Bereichen werden Ergebnisse zweier bundesweiter Befragungen von Jugend- und Gesundheitsämtern vorgestellt. Unterschiedliche Formen von Interventionen im Bereich Früher Hilfen sind auch Gegenstand von zehn Modellprojekten in den Bundesländern. Die Projekte werden in einer Übersicht kurz vorgestellt und erste Befunde zu Wirkungsvoraussetzungen und Wirksamkeit Früher Hilfen referiert. Abschließend werden zentrale Entwicklungsbedarfe und Forschungsdesiderate für das Feld der Frühen Hilfen abgeleitet.
3_059_2012_4_0003
Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2012, 59, 256 - 274 DOI 10.2378/ peu2012.art20d © Ernst Reinhardt Verlag München Basel Das gesunde und gewaltfreie Aufwachsen von Kindern wird in Deutschland mehr denn je nicht nur als private Verantwortung von Eltern begriffen, sondern auch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen (siehe auch den 13. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung, Dt. Bundestag, 2009). Gemäß der UN Kinderrechtskonvention, die 2009 auch von Deutschland uneingeschränkt ratifiziert wurde, haben die Staaten dafür Sorge zu tragen, dass alle Kinder (unabhängig von ihrer Lebenslage) vor Gefahren geschützt werden, dass ihre n Übersichtsartikel Frühe Hilfen Entwicklung eines neuen Praxisfeldes in Deutschland Alexandra Sann Deutsches Jugendinstitut e.V. München Early Childhood Prevention and Intervention - Formation of a New Practical Field in Germany Summary: Early childhood prevention and intervention has gained much of interest in recent years in Germany. This article first outlines the core aspects of the term early childhood prevention and intervention as it is used in Germany, also pointing out the large scale of systems and actors supporting children and families involved. The ongoing discussion about positioning the new approach between the poles of help versus control is reflected. Two main areas of action are identified: building interdisciplinary networks in local communities and implementing new models supporting families in transition to parenthood and first years with a baby. Results of two surveys concerning these questions are reported. In addition first trends from evaluation of ten model projects with different forms of intervention are presented and discussed. The need for further efforts in practice and research is derivated from these results. Keywords: Early childhood prevention and intervention, interdisciplinary networks, model projects, evaluation Zusammenfassung: Dieser Beitrag vermittelt einen Überblick über die Entwicklung der Frühen Hilfen, einem Praxisfeld, das in den letzten fünf Jahren in Deutschland einen großen Aufschwung erfahren hat. Eingangs wird beleuchtet, was überhaupt unter Frühen Hilfen zu verstehen ist und welche Systeme und Akteure daran beteiligt sind. Dabei wird auf den kritischen Diskurs zum Spannungsfeld Hilfe vs. Kontrolle eingegangen, in dem sich auch die Frühen Hilfen bewegen und positionieren müssen. Anschließend werden die beiden zentralen Handlungsfelder der Frühen Hilfen vorgestellt: der Aufbau von professionsübergreifenden Netzwerken und die Implementierung von Unterstützungs- und Hilfeangeboten für Familien. Zum derzeitigen Ausbaustand in beiden Bereichen werden Ergebnisse zweier bundesweiter Befragungen von Jugend- und Gesundheitsämtern vorgestellt. Unterschiedliche Formen von Interventionen im Bereich Früher Hilfen sind auch Gegenstand von zehn Modellprojekten in den Bundesländern. Die Projekte werden in einer Übersicht kurz vorgestellt und erste Befunde zu Wirkungsvoraussetzungen und Wirksamkeit Früher Hilfen referiert. Abschließend werden zentrale Entwicklungsbedarfe und Forschungsdesiderate für das Feld der Frühen Hilfen abgeleitet. Schlüsselbegriffe: Frühe Hilfen, interdisziplinäre Netzwerke, Modellprojekte, Evaluation Frühe Hilfen in Deutschland 257 Entwicklung aktiv gefördert wird und dass sie an allen sie betreffenden Entscheidungen und Maßnahmen beteiligt werden (vgl. Maywald, 2009). Ziel ist die Verwirklichung umfänglicher Teilhabechancen in Bezug auf alle Lebensbereiche, vor allem aber in den Bereichen Gesundheit und Bildung. Alle Kinder und ihre Familien sollen deshalb uneingeschränkten Zugang zu den entsprechenden Unterstützungs- und Förderangeboten haben. Eltern wiederum haben laut Grundgesetz eine besondere - und aufgrund der historischen Erfahrungen im wiedervereinten Deutschland auch besonders geschützte - Position gegenüber ihren Kindern (vgl. Hölbing, 2010): Es ist laut § 6 Grundgesetz ihre „zuvörderste Pflicht“, für das Wohl ihrer Kinder zu sorgen. Über die Ausübung dieser Sorge wacht allerdings die staatliche Gemeinschaft und zwar in zweifacher Hinsicht: Sie soll Eltern jede notwendige Unterstützung anbieten, damit sie diese Verantwortung gut ausfüllen können; im Falle dass dies scheitert, ist sie jedoch befugt und verpflichtet, im Interesse des Kindeswohls einzugreifen, um Kinder vor schwerwiegendem Schaden zu bewahren. Hier entspringt auch der doppelte Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe: Unterstützung und Hilfe bei Problemen anbieten einerseits, kontrollieren und intervenieren bei einer Gefährdung des Kindeswohls andererseits. Die Überschreitung der Schwelle zu einer Kindeswohlgefährdung bedarf dabei im Einzelfall einer sorgfältigen fachlichen Prüfung (Münder, 2008). Die Vorstellung von einer gemeinsamen Verantwortung von Eltern und Gesellschaft für ein gelingendes Aufwachsen gilt zunehmend auch für den frühkindlichen Bereich, der hierzulande lange Zeit ausschließlich der Familie vorbehalten war. Dies lässt sich an zwei Entwicklungen ablesen: zum einen am Ausbau der Kindertagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren, welcher neben der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch das Ziel der Verbesserung der Bildungschancen vieler Kinder verfolgt (vgl. Peucker, Gragert, van Santen & Seckinger, 2010), und zum anderen am Auf- und Ausbau Früher Hilfen, welche vor allem der Prävention von Vernachlässigung und Misshandlung von Säuglingen und Kleinkindern dienen, dabei aber auch positive Entwicklungsbedingungen in der Familie fördern sollen (BMFSFJ, 2005). Ausgangspunkte der Entwicklung Früher Hilfen Grundlegend für das Konzept der Frühen Hilfen sind inzwischen gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zur großen Bedeutung früher Erfahrungen für den weiteren Entwicklungsverlauf von Kindern (Sroufe et al., 2011). Vor allem der Aufbau einer sicheren emotionalen Bindung zwischen Hauptbezugspersonen und Säugling spielt dabei eine entscheidende Rolle (Grossmann & Grossmann, 2005). Eine auf diese Weise hergestellte sichere Basis ist ein wichtiger Faktor sowohl für die sozio-emotionale als auch die kognitive Entwicklung von Kindern (ebd.). Gleichzeitig stellt eine sichere Bindung auch einen wichtigen Schutzfaktor gegen Vernachlässigung und Misshandlung dar (Ziegenhain & Fegert, 2007), welcher die negativen Effekte von psychosozialen Risiken mildern oder aufheben kann. Das Gelingen einer positiven Beziehungs- und Bindungsentwicklung ist jedoch von vielen Faktoren abhängig: Merkmale des Kindes, die individuelle Lebenslage sowie die biografischen Erfahrungen von Müttern und Vätern spielen dabei genauso eine Rolle wie die verfügbare soziale Unterstützung im weiteren Familiensystem und im sozialen Nahraum. Hier bieten sich geeignete Ansatzpunkte für präventive Maßnahmen, die von einer Erweiterung der sozialen Ressourcen eines Familiensystems bis hin zu einer einfühlsamen Förderung der Mutter-/ Vater-Kind-Interaktion reichen können. Unverkennbar hat aber auch die intensiv geführte Debatte um die Verbesserung des Kinderschutzes - die in Deutschland ab dem Jahr 2000 und nach Bekanntwerden besonders tragischer Kinderschutzfälle (u. a. Kevin in Bremen, Lea-Sophie in Schwerin) wieder verstärkt ab 2006 geführt wurde - dem Auf- und Ausbau 258 Alexandra Sann Früher Hilfen große Schubkraft verliehen. Der Fokus auf die Altersgruppe null bis drei Jahre begründet sich auch in der Tatsache, dass zum einen diese Altersgruppe bei den erzieherischen Hilfen bis dato deutlich unterrepräsentiert war (Fendrich & Pothmann, 2009), zum anderen darin, dass schwerwiegende Fälle von Vernachlässigung aufgrund der besonderen Vulnerabilität von Säuglingen und Kleinkindern in dieser Altersgruppe häufiger vorkommen und mit massiveren Schädigungen einhergehen (Münder et al., 2000). Die eingeleiteten gesetzlichen Reformen zur Verbesserung des Kinderschutzes konzentrierten sich zunächst auf eine Stärkung des staatlichen Wächteramtes, die 2005 ihren Ausdruck in der Einführung des § 8 a in das SGB VIII fand. Darin werden detailliert die Verfahrensschritte geregelt, die Fachkräfte in der Jugendhilfe bei einem Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung zu beachten haben. In der Folge waren deutliche Steigerungen der Fallzahlen im Bereich der Hilfen zur Erziehung und Schutzmaßnahmen (Rauschenbach & Pothmann 2010) und damit auch steigende Kosten für die Kinder- und Jugendhilfe zu verzeichnen. Eine vielversprechende Strategie zur nachhaltigen Verbesserung der Bedingungen des Aufwachsens von Kinder und Jugendlichen, und damit auch zur Reduzierung der Fallzahlen, verbunden mit der Hoffnung auf eine Stabilisierung der Ausgabenseite, bot sich mit der Etablierung frühpräventiver Angebotsstrukturen (Kindler, 2010 a). In Nordrhein- Westfalen wurden schon 2001 Modellversuche mit sogenannten „Sozialen Frühwarnsystemen“ (Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie NRW, 2005) gestartet, auch einzelne Kommunen wie Dormagen und Monheim stellten ihr Jugendhilfesystem sukzessive auf Prävention um. Im Jahr 2005 wurden dann auch auf Bundesebene mit dem Aktionsprogramm „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“ entsprechende Aktivitäten eingeleitet (BMFSFJ, 2006). Diesem Programm zufolge sollen sich Frühe Hilfen vor allem an Familien in besonders belastenden Lebenslagen richten und dazu beitragen, möglichst früh „die Voraussetzungen für eine tragfähige Eltern-Kind-Beziehung herzustellen, Risiken und Gefährdungen zu erkennen und durch wirksame Programme und unterstützende Hilfen Fehlentwicklungen vorzubeugen“ (BMFSFJ, 2006, S. 4). Folgende empirisch gesicherte Belastungsmerkmale werden derzeit zur Eingrenzung der spezifischen Zielgruppe aufsuchender Früher Hilfen herangezogen (Meysen et al., 2008): eigene Erfahrungen von Misshandlung und Vernachlässigung eines Elternteils, psychische Erkrankung eines Elternteils (bspw. Depression, Sucht), Gewalt in der aktuellen Partnerschaft, erhöhte Fürsorgeanforderungen durch ein krankes oder behindertes Kind, frühe Mutterschaft und/ oder ungewollte Schwangerschaft, Alleinerziehen in Kombination mit mangelnder sozialer Unterstützung, fehlendes Erziehungswissen und/ oder unrealistische Erwartungen an das Kind, Armut, Arbeitslosigkeit sowie geringe Bildung. Diese Faktoren erhöhen - vor allem wenn sie kumulativ auftreten - die Wahrscheinlichkeit einer später eintretenden Vernachlässigung und/ oder Misshandlung des Kindes, wobei keineswegs von einem deterministischen Zusammenhang die Rede sein kann (Kindler, 2010 b). In vielen Fällen würde auch ohne eine Hilfe keine Gefährdungssituation eintreten. Dennoch können diese Familien von den Unterstützungsangeboten profitieren, da sie Eltern Entlastung bieten, die Entwicklung der Kinder anregen und die Integration in den sozialen Nahraum verbessern. Im Rahmen des Aktionsprogramms wurden Evaluationsstudien zu insgesamt zehn unterschiedlichen Modellprojekten Früher Hilfen in den Ländern (NZFH, 2010 a) sowie ein Modellprojekt explizit zum Qualitätsmanagement im Kinderschutz (Gerber & Backes, 2010) gefördert. Zudem wurde 2007 das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) eingerichtet, das den Auf- und Ausbau Früher Hilfen bundesweit unterstützen soll, indem es Erkenntnisse und Erfahrungen aus den Modellprojekten, der Wissenschaft, Fachpraxis und Politik bündelt, systematisiert und einer breiten Frühe Hilfen in Deutschland 259 (Fach)Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Insgesamt soll das NZFH mit koordinierenden, aber auch Forschung initiierenden Aktivitäten zur wissensbasierten Weiterentwicklung Früher Hilfen beitragen. Begriffsbestimmung Früher Hilfen Der Begriff „Frühe Hilfen“ zeichnet sich seit seiner Einführung durch mangelnde definitorische Schärfe aus und bietet daher viel Raum für Interpretationen. Um diesem Problem zu begegnen, hat der wissenschaftliche Beirat des NZFH 2009 eine Begriffsbestimmung vorgelegt, die sich mit den Zielen Früher Hilfen, den unterschiedlichen Maßnahmen zur Zielerreichung und den dafür relevanten Akteuren und Hilfesystemen auseinandersetzt. Leitmotiv bei der Entwicklung dieser Arbeitsdefinition war auch, die zu Beginn des Aktionsprogramms im Vordergrund stehende einseitige Fokussierung Früher Hilfen auf Gefahrenabwehr zu überwinden und diese in ein umfassenderes Verständnis der Förderung positiver Entwicklungsbedingungen einzubetten. Gestalt und Ziele Früher Hilfen werden wie folgt beschrieben: „Frühe Hilfen bilden lokale und regionale Unterstützungssysteme mit koordinierten Hilfsangeboten für Eltern und Kinder ab Beginn der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren mit einem Schwerpunkt auf der Altersgruppe der 0bis 3-Jährigen. Sie zielen darauf ab, Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Eltern in Familie und Gesellschaft frühzeitig und nachhaltig zu verbessern. Neben alltagspraktischer Unterstützung wollen Frühe Hilfen insbesondere einen Beitrag zur Förderung der Beziehungs- und Erziehungskompetenz von (werdenden) Müttern und Vätern leisten. Damit tragen sie maßgeblich zum gesunden Aufwachsen von Kindern bei und sichern deren Rechte auf Schutz, Förderung und Teilhabe.“ (wiss. Beirat NZFH, 2009) Teil 1 der Begriffsbestimmung macht deutlich, dass mit Frühen Hilfen nicht vorrangig Einzelangebote der Kinder- und Jugendhilfe oder anderer Leistungssysteme gemeint sind, sondern dass es sich um komplexe Hilfesysteme in einem umschriebenen Sozialraum handelt. Die Zielgruppe wird zunächst über das biografische Alter der Kinder eingegrenzt, ohne schon nach Lebenslagen zu differenzieren. Die Ziele Früher Hilfen werden umfassend und in ihrer Konkretisierung positiv formuliert. Die Zielbeschreibung löst sich damit von dem isolierten Ziel der Vermeidung von Vernachlässigung bzw. Misshandlung und orientiert sich stärker an den Prinzipien einer ganzheitlichen Gesundheitsförderung, wie sie auch im 13. Kinder- und Jugendbericht (Dt. Bundestag, 2009) postuliert werden. Dies drückt sich auch in der Bezugnahme auf die UN-Kinderrechtskonvention (Recht auf Schutz, Förderung und Teilhabe) aus. Teil 2 der Begriffsbestimmung entwirft ein Stufenmodell von Präventionsmaßnahmen, das auf der Basis einer universellen Gesundheitsförderung für alle Kinder auch spezifische Angebote für Familien mit besonderen Unterstützungsbedarfen beinhaltet: „Frühe Hilfen umfassen vielfältige sowohl allgemeine als auch spezifische, aufeinander bezogene und einander ergänzende Angebote und Maßnahmen. Grundlegend sind Angebote, die sich an alle (werdenden) Eltern mit ihren Kindern im Sinne der Gesundheitsförderung richten (universelle/ primäre Prävention). Darüber hinaus wenden sich Frühe Hilfen insbesondere an Familien in Problemlagen (selektive/ sekundäre Prävention). Frühe Hilfen tragen in der Arbeit mit den Familien dazu bei, dass Risiken für das Wohl und die Entwicklung des Kindes frühzeitig wahrgenommen und reduziert werden. Wenn die Hilfen nicht ausreichen, eine Gefährdung des Kindeswohls abzuwenden, sorgen Frühe Hilfen dafür, dass weitere Maßnahmen zum Schutz des Kindes ergriffen werden.“ (wiss. Beirat NZFH, 2009) Frühe Hilfen befinden sich, wie andere Angebote der Kinder- und Jugendhilfe auch, in einem permanenten Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle, wobei die Gewichtung dieser beiden Pole in der Praxis ganz unterschiedlich ausfallen kann (Sann & Landua, 2010). Kontroversen entzündeten sich im fachpolitischen Diskurs vor allem an der Frage 260 Alexandra Sann der zu bevorzugenden Präventionsstrategie: Sollte zur Vermeidung von möglichen Stigmatisierungseffekten einer strikt universell-präventiven Strategie der Vorzug gegeben werden vor einer selektiven Ansprache besonders belasteter Zielgruppen? Oder könnte dies nicht im Gegenteil dazu führen, dass die Hilfen gerade da nicht ankommen, wo sie am meisten bewirken könnten, nämlich bei den besonders belasteten Eltern? Geht es mehr um eine allgemeine Förderung von elterlichen Kompetenzen oder doch eher um die gezielte, wenn auch vorbeugende und strikt freiwillige Vermeidung möglicher Gefährdungen des Kindeswohls? Der wissenschaftliche Beirat des NZFH schlägt hier ein „sowohl als auch“ in einem additiven Sinne vor. Mit einer breiten Basis universell-präventiver Angebote sollen die Verfügbarkeit von Information über und die ausreichende Versorgung mit allgemeinen Unterstützungs- und Hilfeangeboten im Sozialraum gesichert werden. Darin eingebettet bedarf es aber besonderer Bemühungen, um Familien in schwierigen Lebenslagen zu erreichen und bedarfsgerecht zu unterstützen. Denn gerade belasteten Familien fehlt oft das Wissen und auch die Kraft, sich Unterstützung aktiv zu erschließen. Sie benötigen spezifische, niedrigschwellige, meist aufsuchende Angebote, die ihre besondere Lebenslage berücksichtigen. Die Vermeidung von Stigmatisierung ist dabei in erster Linie eine Frage der Haltung, mit der Fachkräfte Müttern (und in geringem Maß bisher Vätern) gegenübertreten, um sie für die Teilnahme an den rein freiwilligen Angeboten der Frühen Hilfen zu motivieren. Eltern als potenzielle Gefährder ihres Kindes zu adressieren, bietet sicher keine gute Ausgangsbasis für den Aufbau einer Vertrauensbeziehung. Daher gilt es, in der Ansprache auch positive Ziele Früher Hilfen zu formulieren, wie bspw. die Förderung einer altersgemäßen Entwicklung des Kindes und das Erleben von mehr Sicherheit und Selbstwirksamkeit in der Elternrolle. Dies kommt in der Regel den Bedürfnissen und Wünschen von Eltern entgegen (Renner & Heimeshoff, 2010) und kann die Motivierung zur Inanspruchnahme einer Hilfe stützen. Mögliche Belastungen in der aktuellen Lebenssituation anzusprechen, sollte jedoch nicht tabuisiert sein, wichtig ist die Verknüpfung mit einem passenden Unterstützungsbzw. Hilfeangebot (Helming, 2008). Dennoch können auch im Verlauf einer Frühen Hilfe Situationen entstehen, in denen das Kindeswohl nicht mehr gewährleistet oder gar in akuter Gefahr ist. Verantwortliche Fachkräfte in den Frühen Hilfen müssen daher auch in der Lage sein, solche Situationen rechtzeitig zu erkennen und Maßnahmen zum Schutz des Kindes in die Wege zu leiten, auch wenn sie selbst nicht diejenigen sind, welche diese dann umsetzen. Frühe Hilfen bilden hier im Sinne eines Frühwarnsystems eine Brücke zum intervenierenden Kinderschutz (indizierte/ tertiäre Prävention). Als mindestens ebenso zentrales Handlungsfeld Früher Hilfen wie die Schaffung bedarfsgerechter Angebotsstrukturen wird die ressortübergreifende Vernetzung und Kooperation unterschiedlicher Hilfesysteme und ihrer Akteure angesehen: „Frühe Hilfen basieren vor allem auf multiprofessioneller Kooperation, beziehen aber auch bürgerschaftliches Engagement und die Stärkung sozialer Netzwerke von Familien mit ein. Zentral für die praktische Umsetzung Früher Hilfen ist deshalb eine enge Vernetzung und Kooperation von Institutionen und Angeboten aus den Bereichen der Schwangerschaftsberatung, des Gesundheitswesens, der interdisziplinären Frühförderung, der Kinder- und Jugendhilfe und weiterer sozialer Dienste. Frühe Hilfen haben dabei sowohl das Ziel, die flächendeckende Versorgung von Familien mit bedarfsgerechten Unterstützungsangeboten voranzutreiben, als auch die Qualität der Versorgung zu verbessern.“ (wiss. Beirat, NZFH, 2009) In Teil 3 der Begriffsbestimmung des NZFH sind neben dem Gesundheitswesen und der Kinder- und Jugendhilfe auch die Einrichtungen der Frühförderung sowie das rechtlich eigenständige System der Schwangerschaftsberatung als zentrale Kooperationspartner im Netzwerk Früher Hilfen genannt. Dem liegt Frühe Hilfen in Deutschland 261 die Erkenntnis zugrunde, dass die Kinder- und Jugendhilfe keinesfalls allein das Ziel erreichen kann, eine ausreichende Versorgung von Familien mit Säuglingen und Kleinkindern mit bedarfsgerechten Angeboten zu realisieren. Zugänge zu (werdenden) Eltern sind in der Schwangerschaft, rund um die Geburt und in der ersten Zeit mit dem Baby regelhaft im Bereich der medizinischen Versorgung (Gynäkologie, Geburtshilfe, Pädiatrie) vorhanden, diese sollen im Kontext Früher Hilfen systematischer genutzt werden, um neben medizinischen Risiken und Problemen auch psychosoziale Belastungen wahrzunehmen und Familien in entsprechende Hilfeangebote überzuleiten. Die Unterstützungsbedarfe von Kindern und Eltern in dieser frühen Phase des Familienlebenszyklus sind vielfältig und komplex, eine Trennung von medizinischen, psychologischen und sozialen Ursachen, die eine Zuordnung zu unterschiedlichen Leistungssystemen nach sich zieht, ist für die Adressaten oft wenig sinnvoll und im Einzelfall mit erheblichem Aufwand verbunden. Es gilt „maßgeschneiderte“ Lösungen zu finden und diesen hohen Anspruch im Netzwerk Früher Hilfen umzusetzen. Dabei wird aber nicht nur auf die professionellen Akteure Bezug genommen, sondern explizit auch der soziale Nahraum von Familien als wichtige Ressource benannt. Ziel aller Bemühung ist sowohl die Verbesserung des Versorgungsgrades mit frühpräventiven Angeboten als auch die (empirisch basierte) Steigerung der Qualität der Angebote. Kommunale Praxis Früher Hilfen Das Deutsche Institut für Urbanistik (DIfU) hat im Auftrag des NZFH eine bundesweite Bestandsaufnahme zu Frühen Hilfen durchgeführt, in deren Rahmen Jugend- und Gesundheitsämter als kommunale Steuerungsbehörden zu ihren Angebots- und Kooperationsstrukturen befragt wurden. Schwerpunkt der ersten Teiluntersuchung (Landua et al., 2009) war das Begriffsverständnis der Fachkräfte in den Jugend- und Gesundheitsämtern von „Frühen Hilfen“ sowie die Erfassung und Bewertung der bisher aufgebauten Kooperationsstrukturen im Bereich Früher Hilfen. Die zweite Teiluntersuchung (NZFH, 2011) befasste sich vor allem mit den lokalen Angebotsstrukturen zur frühen präventiven Unterstützung von Eltern und Kindern und der Ausgestaltung der Schnittstelle Frühe Hilfen/ Kinderschutz. Die Untersuchungen wurden als Vollerhebung bei allen Jugend- und Gesundheitsämtern in Deutschland angelegt, die Datenerhebung erfolgte über standardisierte, postalische Befragungen. Teiluntersuchung I fand von Dezember 2008 bis Januar 2009 statt, Teiluntersuchung II von Januar bis März 2010. Der Rücklauf der ersten Untersuchung betrug knapp unter 60 Prozent, bei der zweiten Untersuchung knapp 55 Prozent (Tab. 1). Dies ist für eine schriftliche Institutionenbefragung positiv zu bewerten (vgl. Pluto et al., 2007). Allerdings fiel die Teilnahmequote unter den Jugendämtern bei beiden Untersuchungen höher aus als unter den Gesundheitsämtern (Tab. 1). Dies ist auch in den unterschiedlichen gesetzlichen Aufträgen der jeweiligen Behörden begründet, die örtlichen Träger der Jugendhilfe werden daher zumeist als vorrangig zuständig angesehen. Zu beachten ist ferner, dass es sich um zwei Querschnittserhebungen handelt, nicht um eine Paneluntersuchung, d. h. die Befragten der ersten Untersuchung sind nicht identisch mit den Befragten der zweiten Untersuchung. Es können daher auch keine Zusammenhänge zwischen den beiden Datensätzen berechnet werden. Die teilnehmenden und nicht-teilnehmenden Ämter unterschieden sich hinsichtlich einer Reihe von strukturellen und geografischen Merkmalen nur unwesentlich (z. B. Größe des Amtsbezirks, Stadt/ Land, Ost/ West), es sind kaum Anhaltspunkte für signifikante Beeinträchtigungen der Repräsentativität der Befragungsdaten festzustellen (siehe Arlt, Landua & Sann, 2009). Die Aussagen der Untersuchungen können deshalb verallgemeinert und auf die Gesamtheit der Jugend- und Gesundheitsämter in Deutschland übertragen werden. 262 Alexandra Sann Nahezu jedes der 2009 befragten Jugendämter ist nach eigenen Angaben im Bereich Früher Hilfen aktiv (96 Prozent). Die öffentliche Jugendhilfe hat also erwartungsgemäß die Initiative zum Auf- und Ausbau Früher Hilfen in den Kommunen ergriffen. Doch auch ca. 79 Prozent der 2009 befragten Gesundheitsämter geben an, bereits Aktivitäten im Bereich Früher Hilfen entwickelt zu haben. Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme weisen somit auf eine unerwartet hohe Beteiligung von Gesundheitsämtern beim Auf- und Ausbau Früher Hilfen hin (Sann, 2010). Etwa 62 Prozent der befragten Jugendämter und 54 Prozent der befragten Gesundheitsämter geben an, dass sie aktuell (zum Jahresanfang 2010) eine hohe bis sehr hohe politische Priorität für die Frühen Hilfen in ihrer Kommune wahrnehmen, ca. 90 Prozent beider Behörden haben dabei in den letzten Jahren einen deutlichen Bedeutungszuwachs dieses Bereiches erlebt. Dies findet eine Entsprechung in politischen Beschlüsse zum Auf- und Ausbau Früher Hilfen bei mittlerweile drei von vier der Kommunen (NZFH, 2011). Die Steuerungsverantwortung für den Auf- und Ausbau Früher Hilfen liegt laut 72 Prozent aller Befragten beim Jugendamt - diese Einschätzung wird überdurchschnittlich oft von den Jugendämtern selbst (ca. 80 Prozent), aber auch von den Gesundheitsämtern (ca. 60 Prozent) vertreten. 20 Prozent der Befragten sehen Jugend- und Gesundheitsamt gemeinsam in der Pflicht - diese Position ist insbesondere unter Gesundheitsämtern (29 Prozent) zu finden, weniger unter den Jugendämtern (ca. 15 Prozent). Eine zentrale Steuerung durch ein Gesundheitsamt wird nur von einer Minderheit beschrieben (2 Prozent der Jugendämter, 9 Prozent der Gesundheitsämter). Ob ein Gesundheitsamt eine solche Aufgabe tatsächlich übernehmen kann, hängt maßgeblich von seiner Ausstattung ab, die von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlich sein kann. Auch ist die Aufgabenzuweisung je nach landesrechtlichen Regelungen unterschiedlich ausgestaltet. Praxisverständnis Früher Hilfen Eine zentrale Frage der ersten Teiluntersuchung war die nach dem Begriffsverständnis Früher Hilfen in den Kommunalbehörden. Dieses wurde mit einem Set von sechs Items erhoben (Abb. 1), welche die drei wesentlichen Stränge des zu diesem Zeitpunkt geführten fachlichen Diskurses abbilden sollten: 1. Zielgruppen: primäre Prävention für alle Familien vs. sekundäre Prävention für Familien in Risikolagen, 2. Maßnahmenbeginn: frühzeitig/ zu Beginn der Entwicklung eines Kindes vs. rechtzeitig/ zu Beginn der Entwicklung eines Problems, 3. Ziel der Maßnahme: Förderung der Erziehungskompetenz der Eltern bzw. der gesunden Entwicklung eines Kindes vs. Vermeidung von Überforderungssituationen bzw. einer möglichen Kindeswohlgefährdung. Die Befragten konnten jeder der sechs Aussagen jeweils auf einer fünfstufigen Skala zustimmen. Das auf diese Weise ermittelte Begriffsverständnis der kommunalen Steuerungsbehörden von „Frühen Hilfen“ stimmt auf den ersten Blick überwiegend mit dem des Aktionsprogramms der Bundesregierung überein (Abb. 1). So finden sowohl unter den befragten Jugendals auch unter den Gesundheitsämtern am ehesten diejenigen Aussagen Zustimmung, die Frühe Hilfen als biografisch früh einsetzende Unterstüt- Jugendämter Gesundheitsämter Gesamt Teiluntersuchung I (2009) N = 967 365 (62,7 %) 200 (51,9 %) 565 (58,4 %) Teiluntersuchung II (2010) N = 965 364 (61,3 %) 168 (45,3 %) 532 (55,1 %) Tab. 1: Teilnahmequoten der Jugend- und Gesundheitsämter (Netto-Rücklauf %) Frühe Hilfen in Deutschland 263 zung und als sekundäre Prävention für Risikogruppen verstehen. An dritter Stelle - bezogen auf den Grad der Zustimmung - steht die Beschreibung der Frühen Hilfen als Maßnahmen, welche auf die präventive Förderung der Erziehungskompetenz der Eltern abzielen, gefolgt von der Aussage, dass sich Frühe Hilfen im Sinne primärer Prävention an alle Eltern wenden sollen. Dem wird vor allem von Jugendämtern zugestimmt. Die geringste Zustimmung findet das Item, welches Frühe Hilfen als intervenierende Maßnahmen des Kinderschutzes beschreibt. Eine tiefer gehende Analyse der Zusammenhänge zwischen den einzelnen Variablen (Faktorenanalyse: Hauptkomponentenanalyse mit Varimax-Rotation, Faktorladungen > 0,5) offenbart jedoch, dass es zwei grundlegend verschiedene Auffassungen von Frühen Hilfen in der kommunalen Praxis gibt (Abb. 2). Ein statistisch gut abgrenzbares Antwortmuster (Faktor 1) kann als ein Verständnis Früher Hilfen im Sinne von „Früher Förderung“ interpretiert werden, welches Aspekte eines primär-präventiv ausgerichteten Unterstützungssystems für alle (angehenden) Eltern mit Kleinkindern bis drei Jahren und die Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern umfasst. Ein zweites Antwortmuster (Faktor 2) beinhaltet dagegen vor allem sekundär-präventive bzw. intervenierende Maßnahmen und eine Ausrichtung auf Risikogruppen, ein Verständnis Früher Hilfen, das man als „präventiven Kinderschutz“ bezeichnen könnte. Befragte aus den Gesundheitsämtern beziehen in ein solches Konzept auch Familien mit älteren Kindern im Sinne von rechtzeitiger Hilfe mit ein, was bei den Jugendämtern eher nicht der Fall ist. Diese Befunde zeigen deutlich die unterschiedlichen Facetten der Fachpraxis: Frühe Hilfen werden mancherorts sehr eng mit der präventiven Abwendung möglicher Kindeswohlgefährdungen verbunden und sind daher klar Bestandteil des Kinderschutzsystems, während es anderenorts aber auch eine Ausrichtung der Frühen Hilfen in Richtung universeller Prävention gibt und damit eher ein Ausbau von allgemeinen Förderangeboten für Familien im Sozialraum einhergeht. Viele Kommunen kombinieren jedoch auch beide Strategien (Sann & Landua, 2010). Unterstützung für alle angehenden Eltern Jugendämter Gesundheitsämter Spezielles Hilfesystem für Familien in Problemlagen Frühzeitige Unterstützung von Eltern mit Kindern 0 -3 Jahre Rechtzeitige Unterstützung von Eltern mit Kindern 3+ Jahre Präventive Maßnahmen zur Stärkung der Erziehungskompetenz Intervenierende Maßnahmen zum Kinderschutz 1 2 3 4 5 Mittelwerte von 1 („stimme gar nicht zu“) bis 5 („stimme voll zu“) „Frühe Hilfen sind in unserem Amt…“ Abb.1: Zustimmung von Jugend- und Gesundheitsämtern zu einzelnen Begriffsfacetten von Frühen Hilfen (Quelle: Landua et al., 2009) 264 Alexandra Sann Zwei Handlungsfelder haben sich als maßgebend für den Auf- und Ausbau Früher Hilfen herausgestellt: Der Aufbau von system- und professionsübergreifenden Netzwerken und die Implementierung von Angeboten für Familien. Diese Maßnahmen wurden in beiden Untersuchungen von den Jugend- und Gesundheitsämtern als zentrale Aktivitäten im Feld Früher Hilfen benannt (Sann, 2010, NZFH, 2011). Interdisziplinäre Kooperation und Vernetzung Mittlerweile sind in etwa zwei Drittel aller Kommunen Netzwerke Früher Hilfen aufgebaut worden, zumeist durch die Initiative des örtlichen Jugendamtes, weitere 25 Prozent planten dies ab 2010 (NZFH, 2011). Um die Quantität und Qualität der Kooperationen der kommunalen Steuerungsbehörden mit den verschiedenen Einrichtungen und Berufsgruppen, die im Feld Früher Hilfen relevante Beiträge leisten (können), zu erfassen, wurden die Untersuchungsteilnehmer gebeten, 35 mögliche Kooperationspartner hinsichtlich fünf verschiedener Parameter zu bewerten: die Bedeutung als (potenzieller) Kooperationspartner, das Vorhandensein tatsächlicher Kooperationsbeziehungen, die Häufigkeit der Kooperation, die wahrgenommene Qualität der Kooperationsbeziehung sowie die Verbindlichkeit der Kooperation (bspw. durch Abschluss eines Kooperationsvertrags). Die Ergebnisse zeigen, dass die Kooperationsbeziehungen der kommunalen Behörden sich äußerst heterogen darstellen. Verbindliche bzw. vertraglich abgesicherte Kooperationen der Ämter mit den unterschiedlichen Partnern im Bereich Früher Hilfen werden eher selten berichtet und wenn, dann vorwiegend zwischen dem Jugendamt und Akteuren aus dem Jugendhilfesektor, bspw. den Trägern sozialpädagogischer Familienhilfen, Erziehungsberatungsstellen oder Kindertageseinrichtungen (Landua et al., 2009). Beide Behörden schätzen Schwangerschaftsberatungsstellen und stationäre Geburtshilfeeinrichtungen als sehr wichtige Kooperationspartner im Bereich Früher Hilfen ein, geben jedoch Variablen Komponenten (Faktorladungen): 1 Frühe Förderung 2 Präventiver Kinderschutz JA GA JA GA Unterstützungsangebote für alle (angehenden) Eltern .76 .74 Ein spezielles Hilfesystem für Familien in besonderen Problemlagen .77 Frühzeitige Unterstützungsangebote für Eltern mit Kindern der Altersgruppe 0 -3 J. .75 .78 Rechtzeitige Unterstützungsangebote für Eltern mit Kindern (auch) 3+ J. .63 Eher präventive Maßnahmen, zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz .71 .79 Eher intervenierende Maßnahmen, zur Verbesserung des Kinderschutzes .78 .81 Hauptkomponentenanalyse; Eigenwertkriterium; Varimaxrotation; ausgewiesen werden nur Faktorladungen > 0.5 JA = „Jugendämter“; GA = „Gesundheitsämter“. Datenbasis: Bundesweite Bestandsaufnahme zu Kooperationsformen im Bereich Früher Hilfen, Deutsches Institut für Urbanistik, 2009 (leicht abgewandelt). Abb. 2: Begriffsverständnis Frühe Hilfen Frühe Hilfen in Deutschland 265 nur mittelmäßig häufig tatsächliche Kontakte mit diesen Einrichtungen an. Eine auffällige Diskrepanz zwischen hoher zugeschriebener Bedeutung und vergleichsweise niedriger wahrgenommener Qualität der Kooperation wird von beiden Behörden im Bereich der Geburtshilfe (Kliniken und niedergelassene Hebammen) und seitens der Jugendämter daneben hauptsächlich mit niedergelassenen Pädiatern erlebt. Dagegen wird von beiden Ämtern die aus ihrer Sicht gute Zusammenarbeit mit Familienberatungsstellen und Kindertageseinrichtungen hervorgehoben. Im unteren Drittel einer nach wahrgenommener Bedeutung und Häufigkeit der Kooperation geordneten Rangreihe der Kooperationspartner finden sich die Einrichtungen der Erwachsenenpsychiatrie und der Familienbildung (Landua & Sann, 2010). Dies ist als kritischer Befund zu werten, da zum einen psychische Erkrankungen von Eltern als Hauptrisikofaktor für Kindeswohlgefährdung angesehen werden und Kooperation mit therapeutischen Angeboten für Erwachsene in solchen Fällen wichtig sein können, um ein passgenaues Betreuungskonzept für Eltern und Kind entwickeln zu können. Zum anderen stellen die Angebote der Familien- und Elternbildung zur Förderung der Erziehungskompetenz einen wichtigen Baustein in einem Stufenmodell früher Präventionsangebote dar und sollten daher ebenfalls gut in die Netzwerkarbeit integriert sein. Auch die Kooperation mit weiteren Sozialleistungsträgern wie Sozialamt, Wohnungsamt oder ARGE spielt in den Augen der kommunalen Steuerungsbehörden nur eine untergeordnete Rolle. Diese könnten (bei entsprechender Schulung) ebenfalls Notsituationen von Eltern wahrnehmen, vor allem was die materielle Sicherung einer Familie anbelangt, und auch entsprechende Beiträge zur Stabilisierung einer familiären Situation und damit auch zur Sicherung des Kindeswohls leisten. Die Zusammenarbeit von Jugend- und Gesundheitsamt selbst weist eine starke Asymmetrie auf: das Jugendamt ist der wichtigste Partner für die Gesundheitsämter, wenn es um Frühe Hilfen geht, umgekehrt jedoch wird der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) von der Jugendhilfe kaum als relevanter Partner angesehen, er nimmt nur einen mittleren Rangplatz in Bezug auf die zugeschriebene Bedeutung ein. Die wahrgenommene Qualität der Kooperationsbeziehung wird von beiden Behörden im Mittel als vergleichsweise niedrig bewertet (Sann, 2010). Diese Befunde könnten auf einen möglichen Entwicklungsbedarf in den kommunalen Arrangements Früher Hilfen hinweisen: Potenziell könnte der öffentliche Gesundheitsdienst als Anlauf- und Koordinierungsstelle für diverse Akteure aus dem medizinischen Bereich, wie bspw. niedergelassene Ärztinnen und Ärzten oder Hebammen/ Familienhebammen dienen und auf diese Weise zu einer verbesserten Zusammenarbeit des Gesundheitssystems mit der Kinder- und Jugendhilfe beitragen. Voraussetzungen dafür wären aber seinerseits sowohl eine angemessene Ausstattung als auch entsprechende Befugnisse, um in der Kooperation mit dem Jugendamt diese Brückenfunktion auch wirklich wahrnehmen zu können. Die Netzwerkarbeit verbessert aus Sicht der Behörden vor allem das wechselseitige Verständnis und die Kommunikation der Akteure und wirkt sich zudem positiv sowohl auf die Zusammenarbeit im Einzelfall als auch auf die fallübergreifende Kooperation aus. Damit verbessern sich subjektiv auch die Möglichkeiten, zeitnah bei Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung zu reagieren. Die Auswirkungen eines verbindlich organisierten Netzwerks auf die Zielerreichung Früher Hilfen werden deutlich positiver erlebt als die eines unverbindlichen Netzwerks. Dies betrifft gerade auch die Inanspruchnahme der Angebote Früher Hilfen seitens der Familien - ein zentrales Anliegen der Netzwerkarbeit. Unter verbindlichen Netzwerken wurden dabei mittels Clusteranalyse solche zusammengefasst, bei denen die Befragten insbesondere regelmäßige Netzwerktreffen, Vorhandensein einer Koordinierungsstelle, verbindliche Vereinbarungen zur gemeinsamen Zielerreichung und Maßnahmen zur Qualitäts- 266 Alexandra Sann sicherung bejahten. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, ausreichende zeitliche, finanzielle und personelle Ressourcen für eine nachhaltige und verbindliche Netzwerkarbeit zur Verfügung zu stellen (Sann, 2010). Kommunale Angebotsstrukturen Früher Hilfen Die Bereitstellung von zusätzlichen Hilfeangeboten für Familien wird ebenfalls von zwei Drittel der Kommunen bejaht, ein weiteres Viertel plante ebenfalls den (weiteren) Ausbau ab 2010 (NZFH, 2011). Gemessen am Verwendungszweck der für Frühe Hilfen bereitgestellten finanziellen Mittel machen die Hilfeangebote mit durchschnittlich ca. 60 Prozent sogar den Löwenanteil an den kommunalen Aktivitäten im Bereich Früher Hilfen aus. Die verbleibenden Mittel werden vor allem für die Einrichtung von Koordinierungsstellen und Netzwerkveranstaltungen eingesetzt (NZFH, 2011). Um die kommunalen Angebotsstrukturen im Bereich Früher Hilfen abbilden zu können, wurden die Befragten in den Behörden gebeten, anhand einer Liste von 25 möglichen Angeboten anzugeben, welche davon in ihrem Amtsbezirk vorhanden sind und welche nicht. Das Spektrum reichte dabei von universellpräventiven bis zu tertiär-präventiven Angeboten, da eine Vorselektion durch die Untersucher aufgrund der Befunde aus der ersten Teiluntersuchung (vor allem zum Praxisverständnis Früher Hilfen) wenig sinnvoll erschien. Die Antworten zeigen, dass Kommunen in der Regel ein breites Spektrum von Angeboten für (werdende) Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern vorhalten. Dies beginnt bei Angeboten der universellen Prävention wie „Aufklärungsprojekte für Schüler/ innen“ (ca. 69 Prozent) und „Begrüßungsschreiben/ Informationspaket zur Geburt“ (ca. 71 Prozent). Zu den häufig genannten Leistungen gehören im Weiteren primär-präventive Unterstützungs- und Beratungsangebote wie „Gruppenangebote für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern“ (ca. 92 Prozent) und „Elternkurse/ -schulen/ -seminare“ (ca. 91 Prozent). In vielen Amtsbezirken vorzufinden sind auch „integrierte sozialraumorientierte Angebote für Familien mit Kindern von 0 - 3 Jahren“ (ca. 77 Prozent), die in der Regel ein breites Spektrum von Angeboten unter einem Dach umfassen. Die Palette reicht aber auch in den sekundärbis tertiärpräventiven Bereich hinein, z. B. „Beratungsstellen für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern“ (ca. 79 Prozent), „Hilfen zur Erziehung für Schwangere bzw. werdende Eltern“ (ca. 87 Prozent) oder „speziell qualifizierte Sozialpädagogische Familienhilfe für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern“ (ca. 65 Prozent). Stationäre Maßnahmen und therapeutische Intervention werden vergleichsweise selten angegeben, nur jeweils gut ein Drittel der Amtsbezirke verfügt bspw. über „Heilpädagogische Tagesgruppen für Kleinkinder mit Betreuung der Eltern“ (ca. 37 Prozent) oder „stationäre therapeutische Angebote für Eltern mit ihren Kleinkindern“ (ca. 38 Prozent). Dieser Befund deutet zumindest auf regionale Disparitäten in der Versorgung mit besonders intensiven Hilfen hin, wie sie auch schon von Cierpka et al. (2007) konstatiert wurden. Insgesamt wurden durchschnittlich 13 - 14 unterschiedliche Arten von Angeboten genannt. Die meisten Kommunen versuchen also, die unterschiedlichen Lebenslagen und Bedarfe von Familien mit Säuglingen und Kleinkindern mit unterschiedlich intensiven bzw. unterschiedlich zielgruppenspezifischen Angeboten und Maßnahmen aufzufangen (NZFH, 2011). Allerdings sind auf Basis dieser Informationen noch keine Aussagen zum Versorgungsgrad und zur Versorgungsqualität möglich, da nicht erhoben wurde, wie viele und welche Familien tatsächlich von den Angeboten erreicht und welche Effekte damit erzielt werden. In dieses breite Spektrum von Unterstützungsangeboten und Hilfen sind aber auch ganz spezifische „Frühe Hilfen“ eingebettet. Bei der Frage nach „besonders wichtigen Angeboten Früher Hilfen“ werden vor allem aufsuchende Angebote durch Familienhebammen sowie Gruppen- und Beratungsangebote für Frühe Hilfen in Deutschland 267 Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern genannt. Nur ein kleiner Anteil dieser Angebote (rund 21 Prozent) wird als ausschließlich „primär-präventiv“ beschrieben, d. h. sie richten sich ohne Unterschied an alle Familien. Die Mehrzahl (ca. 38 Prozent) ist jedoch eher „sekundär-präventiv“ ausgerichtet, d. h. sie richten sich gezielt an belastete Familien, oder integriert sowohl primärals auch sekundär-präventive Elemente (ca. 41 Prozent). 85 Prozent dieser Angebote sind dabei Bestandteil eines lokalen Netzwerks Früher Hilfen. Erwartungsgemäß handelt es sich bei den genannten Angeboten vorwiegend um solche, die bei der Familie zu Hause durchgeführt werden („homebased“, ca. 47 Prozent) bzw. um eine Kombination mit Angeboten, die in einer Einrichtung durchgeführt werden („home- und centerbased“, ca. 37 Prozent). Ausschließlich in den Räumen einer Einrichtung angesiedelte Angebote („center-based“) bilden eine Minderheit (ca. 16 Prozent). Sowohl die generelle Ausrichtung der als besonders wichtig erachteten Angebote Früher Hilfen als auch das Setting, in dem sie praktiziert werden, weisen darauf hin, dass die Zielgruppe der belasteten Familien, die eher mit aufsuchenden Angeboten erreicht werden kann, hier im Fokus der Bemühungen steht. Zwei von drei dieser Angebote sind schon jetzt in der Regelfinanzierung der Kommunen - eine positive Überraschung angesichts der zum Untersuchungszeitpunkt fehlenden gesetzlichen Verankerung Früher Hilfen und der klammen Haushalte der Kommunen (NZFH, 2011). Wirkungsvoraussetzungen und Wirksamkeit Früher Hilfen Im Aktionsprogramm Frühe Hilfen wurden bereits sechs Zieldimensionen für eine gute Praxis Früher Hilfen vorgegeben: systematisch Zugang zu Familien finden, familiäre Belastungen und Risiken für das Kindeswohl zuverlässig einschätzen, Eltern aktiv zur Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten motivieren, passgenau Hilfen bereitstellen, den Hilfeverlauf nachhaltig begleiten und die Hilfen im Regelsystem verankern (BMFSFJ, 2005). Die Ergebnisse einer ersten Feldstudie (Helming et al., 2007) ergänzten diese Aufzählung um einen weiteren Punkt: fachübergreifend zusammenarbeiten. Dieser Katalog von Anforderungen bildete die Basis für die Ausschreibung von Modellprojekten in den Ländern (NZFH, 2008), eine Übersicht bietet Tabelle 2. Die unterschiedlichen Praxisansätze, die im Rahmen der dann ausgewählten zehn Projekte erprobt wurden, konzentrierten sich mehrheitlich auf Unterstützungsangebote für Familien in belastenden Lebenslagen (Sekundärprävention). Zudem wurde in der Mehrzahl der Projekte auch der Aufbau von Netzwerken Früher Hilfen unterstützt und/ oder beforscht. Vom Bund gefördert wurde in erster Linie die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation der Praxisprojekte, welche wiederum vorwiegend durch Mittel der Länder und Kommunen sowie Stiftungsmittel finanziert wurden. Die Arbeit der Forschungsgruppen wurde vom NZFH koordiniert, sodass von Beginn an ein Austausch ermöglicht wurde. Die Forschungsansätze in den Projekten zeichnen sich durch eine große Heterogenität der Fragestellungen, Designs und Methoden aus, einen Überblick dazu gibt die Forschungsdatenbank FORKID, die als Kooperationsprojekt des Informationszentrums Kindesmisshandlung/ Kindesvernachlässigung (IzKK) mit dem NZFH betrieben wird. Erste Ergebnisse der Begleitforschung wurden bereits gemeinsam mit dem NZFH publiziert (Renner & Sann, 2010, Bundesgesundheitsblatt, 10/ 2010 und 11/ 2010, IzKK-Nachrichten, 1/ 2010). Das NZFH hat darüber hinaus die Praktiker/ innen und Forscher/ innen auch zu ihren Erfahrungen in den Projekten in Bezug auf die eingangs genannten Zieldimensionen befragt (Renner & Heimeshoff, 2010). Daraus lassen sich erste Trends und Empfehlungen für die Dimensionen „Zugang“, „Einschätzung von Belastungen/ Risiken“ und „Motivierung“ ableiten. Die Evaluationsergebnisse zeigen aber auch weitere Entwicklungsbedarfe sowie Forschungsdesiderate auf. 268 Alexandra Sann Projektname Bundesland Intervention Forschungsdesign Evaluatoren Guter Start ins Kinderleben (GSiK) BY, BW, RP, TH Entwicklungspsychologische Beratung Quasi-experimentelles Design Universitätsklinikum Ulm (Selbstevaluation) Wie Elternschaft gelingt (WiEge) BB STEEP™ Quasi-experimentelles Design, Fallstudien Fachhochschule Potsdam (Selbstevaluation) Wie Elternschaft gelingt (WiEge) HH STEEP™ Quasi-experimentelles Design HAW Hamburg (Selbstevaluation) „Soziale Frühwarnsysteme NRW“, „Schutzengel SH“ NW, SH Unterschiedlich je nach Kommune/ Träger Quasi-experimentelles Design („realistic evaluation“) Universität Münster (externe Evaluation) Frühstart ST Familienhebammen Verlaufsstudie (Pre-Post) Universität Halle-Wittenberg (externe Evaluation) Frühe Unterstützung - Frühe Stärkung? NI Familienhebammen Verlaufsstudie (Pre-Post) Universität Osnabrück (Selbstevaluation) Keiner fällt durchs Netz HE, SL Familienhebammen („Das Baby verstehen“) Quasi-experimentelles Design Universität Heidelberg (Selbstevaluation) Chancen für Kinder psychisch kranker/ suchtbelasteter Eltern MV Beratung und Vermittlung Verlaufsstudie (Pre-Post) Universität Greifswald (Selbstevaluation) Pro Kind HB, NI, SN Deutsche Version des NFP (Familienhebammen, Tandem mit Soz.Päd.) Experimentelles Design (RCT) Universität Rostock, KFN (externe Evaluation) (Soziales Frühwarnsystem Berlin-Mitte) (BE) (Evaluation des Vernetzungsprozesses) (Verlaufsstudie, Pre-Post) (ISIS Berlin e.V., externe Evaluation) Tab.2: Modellprojekte Früher Hilfen in den Bundesländern Frühe Hilfen in Deutschland 269 Befunde aus der Befragung der Modellprojekte (Renner & Heimeshoff, 2010) zeigen, dass in diesen Projekten der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe beim Zugang zu Familien eine bedeutende Rolle zukam: das Jugendamt stellte für die Praktiker/ innen in den Modellprojekten den wichtigsten und auch am besten bewerteten Partner dar, um Kontakt zu Familien mit Hilfebedarf zu bekommen. Dies widerspricht den Erwartungen des Aktionsprogramms, das einen nicht stigmatisierenden Zugang der Familien zum Hilfesystem vor allem über das Gesundheitssystem postulierte. Allerdings könnte dieser Befund auch aus den zum Teil erheblichen Startschwierigkeiten der Praxisprojekte bei der Implementation ihrer Angebote resultieren, die sie verstärkt Unterstützung bei der öffentlichen Jugendhilfe suchen ließ. Es bleibt abzuwarten, ob sich solche Befunde bei der Untersuchung der Regelpraxis Früher Hilfen wiederholen. Aus dem Gesundheitssektor galten vor allem die Hebammen als wichtige und offenbar gut akzeptierte Vermittlerinnen, gefolgt von den Geburtskliniken. Die Schwangerschaftsberatungsstellen sind den Ergebnissen zufolge ebenfalls als bedeutsame Vermittlungsinstanz zu betrachten. An die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte aus dem Bereich der Gynäkologie und Pädiatrie richten Praktiker/ innen offensichtlich hohe Erwartungen in Bezug auf die Vermittlung von Familien mit Unterstützungsbedarf, die jedoch in vielen Fällen nicht eingelöst werden (Renner & Heimeshoff, 2010). Dieser Befund stimmt mit den Ergebnissen der Bestandsaufnahme Früher Hilfen bei Jugend- und Gesundheitsämtern überein und weist auf einen deutlichen Entwicklungsbedarf hin. In den Modellprojekten wurden auch verschiedene Instrumente zur Einschätzung von familiären Belastungen und Risiken für das Kindeswohl entwickelt und erprobt. Beispiele sind der „Anhaltsbogen für ein vertiefendes Gespräch“ aus dem Projekt „Guter Start ins Kinderleben“, der für das Screening in Geburtskliniken konstruiert wurde (NZFH 2010), oder die „Heidelberger Belastungsskala“, die für den Einsatz der Familienhebammen im Projekt „Keiner fällt durchs Netz“ zusammengestellt wurde (Eickhorst et al., 2010). Derzeit kann jedoch noch keines dieser Instrumente eine gesicherte Validität reklamieren. Sensitivität und Spezifität als Maßstab für die Güte der Einschätzung schwanken nach Auskunft der Projektleiter noch erheblich. So konnten im Schnitt bei nur etwa 60 Prozent der Familien der Gesamtbelastungsgrad richtig eingeschätzt werden, d. h. die Einschätzung zu Beginn stimmte mit den Einschätzungen im weiteren Hilfeverlauf überein, bei 40 Prozent kam es zu gleichen Teilen zu einer Überbzw. Unterschätzung der Belastung. Dies bedeutet, dass 20 Prozent der Familien aufgrund einer falschen Einschätzung keine notwendige Hilfe bekommen hätten, und ebenso 20 Prozent die angebotene Hilfe nicht benötigten (Renner & Heimeshoff, 2010). Befunde aus dem Projekt „Soziale Frühwarnsysteme in NRW und Schutzengel in Schleswig-Holstein“ zeigten, dass die Risikoeinschätzung der Fachkräfte zu Beginn einer Hilfe nur zu 50 Prozent mit dem Belastungserleben der Familien selbst übereinstimmte. In ca. 42 Prozent aller Fälle gaben Eltern selbst eine hohe subjektive Belastung an, während die Fachkräfte nach dem Erstgespräch keine Anzeichen von Belastung bzw. Überforderung erkannten, bei ca. sieben Prozent verhielt es sich genau andersherum. In ca. 29 Prozent der Fälle wurde übereinstimmend von beiden Seiten eine Belastung/ Überforderung wahrgenommen und bei ca. 22 Prozent nahmen dies weder Eltern noch Fachkräfte wahr. Außerdem gab es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der ersten Risikoeinschätzung, der anschließend gewährten Hilfe und der retrospektiven Zufriedenheit der Familien mit dem Hilfeverlauf (Ziegler et al. 2010). Die Autorinnen und Autoren schließen daraus, dass es von großer Bedeutung ist, bei der Eingangsdiagnostik sowohl die Sichtweisen der Fachkräfte als auch der Eltern zu berücksichtigen. Da sich viele Familien erst im Verlauf einer Hilfebeziehung öffnen würden und den Fachkräften (weitere) Belastungen anvertrauen, sollte die Eingangs- 270 Alexandra Sann diagnostik aber auch nicht überbewertet werden. Man könnte die Befunde aus diesem Projekt jedoch auch dahingehend interpretieren, dass sowohl die Screeninginstrumente selbst als auch ihre Anwendung in der Praxis noch optimiert werden sollten. Einigkeit bestand bei allen Forschungsgruppen darüber, dass erprobte und praxistaugliche Einschätzungsinstrumente ein wichtiges Mittel zur transparenten Kommunikation zwischen Angehörigen unterschiedlicher Berufsgruppen und zwischen Fachkräften und Familien darstellen (Renner & Heimeshoff, 2010). In Bezug auf die Motivierung und Zusammenarbeit mit den Familien bestätigen die Erfahrungen aus den Modellprojekten, die vom NZFH in der eingangs erwähnten Untersuchung abgefragt wurden, bereits vorliegende Erkenntnisse für eine gelingende Ansprache (vgl. u. a. Böttcher et al., 2008, Bastian et al., 2008). So betonen alle Modellprojekte, dass vertrauensbildende Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Motivierung der Familien zur Hilfeannahme leisten. Eine positive, Neugier weckende Haltung den Eltern gegenüber, eine persönliche und wiederholte Einladung und die Zusicherung von Vertraulichkeit auch gegenüber dem Jugendamt, fördern die Bereitschaft der Eltern, die Hilfen anzunehmen. Die Teilnahme an den Angeboten sollte möglichst freiwillig bleiben. Wichtig ist aus Sicht der Befragten in den Modellprojekten zudem ein frühzeitiger Kontaktaufbau bereits während der Schwangerschaft und bei Zusage der Familie ein zeitnaher Beginn der Maßnahme. Das Angebot sollte für die Familien in der Regel nicht mit Kosten verbunden sein, denn dies stellt für einkommensschwache Gruppen in der Bevölkerung oft eine Hürde dar. Bewährt haben sich offenbar zudem zielgruppengerechte Werbematerialien (Flyer), die von den Modellprojekten als eine wichtige flankierende Maßnahme beschrieben werden (Renner & Heimeshoff, 2010). Die Daten zur Wirksamkeit der in den Modellprojekten eingesetzten Interventionen werden derzeit noch ausgewertet, erste Teilergebnisse wurden jedoch schon an unterschiedlichen Stellen publiziert (Renner & Sann NZFH, 2010, Bundesgesundheitsblatt 10/ 2010 und 11/ 2010, IzKK-Nachrichten 1/ 2010). Bei der Interpretation der Befunde ist zu beachten, dass die jeweils gewählten Forschungsdesigns eine unterschiedliche Güte bezogen auf die Aussagekraft der Daten aufweisen (siehe Tab. 2). Nur eine Studie (zum Programm „Pro Kind“) wurde als randomisierte Kontrollgruppenuntersuchung angelegt, welche aufgrund der höheren internen Validität eine relativ sichere kausale Interpretation des Zusammenhangs zwischen Intervention und Outcome ermöglicht. Vier weitere Studien sind in einem quasi-experimentellen Design durchgeführt worden („STEEP™ Hamburg“, „Keiner fällt durchs Netz“, „Guter Start ins Kinderleben“), eine davon („Soziale Frühwarnsysteme in NRW und Schutzengel in Schleswig-Holstein“) untersucht gezielt auch die im Feld gegebenen Variationen von Kontextfaktoren und ihre Zusammenhänge mit den aufgetretenen Effekten der Maßnahmen. Diese Studien haben eine höhere externe Validität, sie bilden die vorhandene Praxis realistischer ab, Kausalinterpretationen sind jedoch nur eingeschränkt möglich. Eine weitere Studie schließlich war ebenfalls als quasi-experimentelle Studie konzipiert worden („STEEP™ Brandenburg“), aufgrund unzureichender personeller Ressourcen und daraus resultierender Probleme bei der Rekrutierung sowohl der Interventionsgruppe als auch der Kontrollgruppe waren statistische Vergleiche zwischen den Gruppen kaum möglich bzw. nicht sinnvoll. Stattdessen wurden hier einige typische Fallverläufe ausführlich dokumentiert und insbesondere im Hinblick auf die Gestaltung der Hilfebeziehung analysiert. Zwei Studien zum Einsatz von Familienhebammen („Frühstart“, „Frühe Unterstützung - Frühe Stärkung? “) sind Verlaufsstudien ohne Kontrollgruppe mit einem Pre-Post-Design, genauso wie eine Studie zur Beratung und Vermittlung psychisch kranker bzw. suchtbelasteter Eltern („Chancen für Kinder“). Diese Studien sind als Machbarkeitsstudien bzw. formative Frühe Hilfen in Deutschland 271 Evaluationen zu werten und geben wichtige Hinweise zur Weiterentwicklung der Praxis. Das Modellprojekt in Berlin befasste sich ausschließlich mit Vernetzungs- und Kooperationsfragen und wird daher an dieser Stelle nicht einbezogen. Die untersuchten Hilfeansätze lassen sich grob drei Kategorien zuordnen: der eher gesundheitsfördernde Ansatz der Familienhebammen, eher interaktionszentrierte Beratungsansätze wie bspw. die Entwicklungspsychologische Beratung (EPB) nach Ziegenhain et al. (2004) oder das STEEP™-Modell nach Erickson & Egeland (2006) und eher psychoedukative Ansätze wie „Pro Kind“, das eine deutsche Adaption des „Nurse Family Partnership“ Programms nach Olds et al. (1999) darstellt. Bis auf die EPB fanden alle Angebote in einem aufsuchenden Setting statt, z.T. auch kombiniert mit einem Gruppenangebot (STEEP). Einige erste Trends aus den Begleitforschungen lassen sich derzeit schon erkennen. Die eher interaktionszentrierten Interventionen wie das STEEP™-Modell haben einen positiven Effekt auf die Bindungsentwicklung (Suess et al., 2010 a), d. h. Kinder der Interventionsgruppe wiesen nach einem Jahr einen signifikant höheren Anteil an sicheren Bindungsmustern auf, als die Kinder der Kontrollgruppe. Außerdem war der Anteil desorganisierter Bindungsmuster in der Interventionsgruppe signifikant niedriger. Der Bindungshintergrund der Familienbegleiterinnen hat dabei Einfluss auf die Wirksamkeit der Intervention: Beraterinnen mit sicheren Bindungsrepräsentationen gelingt es häufiger, bei den Kindern die Entwicklung sichere Bindungsmuster zu fördern, als Beraterinnen mit unsicheren Bindungsmustern (Suess et al., 2010 b). Der eher gesundheitsfördernde Ansatz der Familienhebammen ging mit einem positiven Selbstwirksamkeitserleben der Mütter (Ayerle et al., 2010), einer gesunden Entwicklung der Kinder (Makowsky u. Schücking, 2010) und einer Bereitschaft der Mütter zur Annahme weiterer Hilfen einher, unklar bleibt aufgrund des Forschungsdesigns jedoch, ob dies als Effekt der Intervention gewertet werden kann. Die Integration eines interaktionszentrierten Ansatzes in die Arbeit von Familienhebammen im Projekt „Keiner fällt durchs Netz“ erweist sich als viel versprechend: das Belastungserleben der Mütter ist im Vergleich zu einer Kontrollgruppe signifikant reduziert (siehe den Beitrag von Eickhorst in diesem Band). Der psycho-edukative Ansatz von „Pro Kind“ kann bislang die in ihn gesetzten Erwartungen nur teilweise erfüllen: die kognitive Entwicklung der Kinder wird tendenziell gefördert (Jungmann et al., 2010), die Erreichung der gesundheitsbezogenen Ziele des Programms lässt sich im Vergleich mit der Kontrollgruppe jedoch nicht gegen den Zufall absichern (Ziert et al., 2010). Fazit und Ausblick Die vorgestellten Befunde aus den Erhebungen bei Jugend- und Gesundheitsämtern sowie aus den Begleitforschungen der Modellprojekte zeigen eindrücklich die anhaltende Dynamik im Praxisfeld Früher Hilfen. Eine Besonderheit liegt auch darin, dass durch diese vielfältigen Forschungsaktivitäten sowohl erste Erfolge aufgezeigt, aber auch Entwicklungsbedarfe identifiziert werden können. Dies stellt ein Novum in der Geschichte der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland dar und eröffnet die Chance eines schrittweisen Lernprozesses hin zu einer optimierten Praxis. Fünf Bereiche sollten dabei im Mittelpunkt stehen: 1. Den Begriff „Frühe Hilfen“ schärfen: Es bestehen erhebliche Unklarheiten im Feld über Ziele, Zielgruppen und Maßnahmen Früher Hilfen, die zu einer breiten Streuung in der Praxis führen. Frühe Hilfen laufen hier Gefahr, in Beliebigkeit abzurutschen. Die Entwicklung von Qualitätskriterien ist notwendig, um Frühe Hilfen rahmen und gezielter in die Hilfelandschaft einpassen zu können. Dabei sollte die Unterstützung von Familien in belastenden Lebenslagen deutlicher als bisher ins Zentrum gerückt werden. 272 Alexandra Sann 2. Schwachstellen in den Kooperationsnetzwerken beheben: Eine regelhafte Verzahnung des Gesundheitsbereichs mit der Kinder- und Jugendhilfe kann trotz aller Bemühungen bislang keineswegs als erreicht angesehen werden. Gerade die Kooperation mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sollte dringend vorangebracht werden. Dazu sollten auch bewährte Instrumente aus dem Gesundheitsbereich, wie z. B. regionale Qualitätszirkel, genutzt werden. Der Öffentliche Gesundheitsdienst sollte wieder gestärkt werden, um neben dem Jugendamt als zweite Säule im Netzwerk Frühe Hilfen Koordinierungsaufgaben im Gesundheitsbereich übernehmen zu können. Des Weiteren sollten Kooperationen mit systemrelevanten Partnern wie der Erwachsenenpsychiatrie und der Familienbildung intensiviert werden. Auch der Einbezug eher mittelbar relevanter Institutionen wie ARGE oder Wohnungsamt ist zum Wohle der Kinder und Familien erforderlich. Dafür gilt es geeignete Verfahren zu finden. Bei der Steuerung der Netzwerke ist v. a. auf Verbindlichkeit zu achten, um die angestrebten positiven Effekte auch zu erreichen. 3. Versorgung mit Unterstützungs- und Hilfeangeboten sicherstellen: Kommunen und Landkreise in Deutschland sind in vielfältiger Weise beim Auf- und Ausbau Früher Hilfen aktiv geworden. Der Versorgungsgrad, d. h. die Verfügbarkeit von passenden Hilfen im Verhältnis zu den Bedarfslagen der Bevölkerung, ist jedoch bislang nicht erfasst worden. Hier sollten weitere Untersuchungen folgen, die sowohl die Prävalenz von familiären Belastungen in der frühen Kindheit (und deren regionale Verteilung) aufzeigen, als auch die Quote der mit den vorgehaltenen Angeboten erreichten Familien. Erst dann können Versorgungslücken identifiziert und gezielt geschlossen werden. Zumindest für den Bereich der tertiären Prävention können derzeit schon erhebliche regionale Disparitäten in der Versorgung festgestellt werden. Auch die Versorgungsqualität, d. h. das Eintreten angestrebter positiver Effekte der Angebote auf die Lebenslagen von Kindern und Familien, ist bislang noch nicht untersucht worden. 4. Bereitstellung von Instrumenten zur Einschätzung familiärer Belastungen: Die Validierung der bisher entwickelten Instrumente sollte vorangetrieben werden. Dabei gilt es auch, die Instrumente an die Voraussetzungen unterschiedlicher Settings des Einsatzes (Klinik, freiberufliche Praxis) und die Anwendung durch unterschiedliche Professionen (Ärzte/ Ärztinnen, Familien-/ Hebammen, Kinderkrankenschwestern usw.) anzupassen. Screeningverfahren zur Ersteinschätzung sollten ergänzt werden um Clearingverfahren im Hilfeverlauf. Neben der Optimierung der Instrumente sollte auch die Schulung der Fachkräfte in der sachgerechten Anwendung Beachtung finden. 5. Weiterentwicklung von Hilfekonzepten: Die ersten Befunde aus der Wirksamkeitsforschung sprechen vor allem für die interaktions-zentrierten Interventionsansätze. Elemente einer solchen Förderung sollten also möglichst im Repertoire aller Fachkräfte im Bereich Früher Hilfen verfügbar sein, gleich welcher Profession sie angehören. Zugleich zeigt sich, dass der Bindungsstil der Helferinnen und Helfer einen bedeutsamen Einfluss auf die Förderung einer sicheren Bindung zwischen Mutter und Kind hat. Dies gilt es in der Qualifizierung der Fachkräfte aktiv aufzunehmen und Möglichkeiten der Reflexion eigener Bindungserfahrungen zu schaffen. Der Einsatz von Familienhebammen sollte einer Wirksamkeitsprüfung mit kontrollierten Untersuchungsdesigns unterzogen und dabei mit anderen Interventionsansätzen verglichen werden. Literatur Arlt, M., Landua, D. & Sann, A. (2009). Methodenbericht (1. Teiluntersuchung) zum Projekt „Bundesweite Bestandsaufnahme zu Kooperationsformen im Bereich Früher Hilfen. Unveröffentlichtes Manuskript. Berlin: Deutsches Institut für Urbanistik. Ayerle, G. M., Luderer, C. & Behrens, J. (2010). Frühstart: Mütterliche Kompetenzen und Selbstwirksamkeitserleben. In: Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH), Ilona Renner, Alexandra Sann (Hrsg.). Forschung und Praxisentwicklung Früher Hilfen. Modellprojekte begleitet vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH). Köln, S. 67 - 87. Frühe Hilfen in Deutschland 273 Bastian, P., Diepholz, A. & Lindner, E. (Hrsg.) (2008). Frühe Hilfen für Familien und soziale Frühwarnsysteme. Münster: Waxmann. Böttcher, W., Bastian, P. & Lenzmann, V. (2008). Soziale Frühwarnsysteme. Evaluation des Modellprojekts in Nordrhein-Westfalen. Münster: Waxmann. Bundesgesundheitsblatt. Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz (2010). Frühe Hilfen zum gesunden Aufwachsen von Kindern. Interdisziplinäre und intersektorale Zusammenarbeit, Teil 1. Band 53, Heft 10, S. 989 - 1088. Bundesgesundheitsblatt. Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz (2010). Frühe Hilfen zum gesunden Aufwachsen von Kindern. Interdisziplinäre und intersektorale Zusammenarbeit, Teil 2. Band 53, Heft 11, S. 1117 - 1187. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (Hrsg.) (2006). Aktionsprogramm „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“. Berlin. Cierpka, M., Stasch, M. & Groß, S. (2007). Expertise zum Stand der Prävention/ Frühintervention in der frühen Kindheit in Deutschland. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Deutscher Bundestag (2009). Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland - 13. Kinder- und Jugendbericht - Drucksache 16/ 12860; Download unter: https: / shop.bundesanzeiger-verlag.de/ parlaments drucksachen/ 13-kinder-und-jugendbericht/ ? cHash=8 94c23b0cf755c630ada7fed2ec79d6e. Eickhorst, A., Schweyer, D., Köhler, H., Jelen-Mauboussin, A., Kunz, E., Sidor, A. & Cierpka, M. (2010). Elterliche Feinfühligkeit bei Müttern und Vätern mit psychosozialen Belastungen. In: Bundesgesundheitsblatt. Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz. Frühe Hilfen zum gesunden Aufwachsen von Kindern. Interdisziplinäre und intersektorale Zusammenarbeit, Teil 2. Band 53, Heft 11, S. 1126 - 1133. Erickson, M. F. & Egeland, B. (2006). Die Stärkung der Eltern-Kind-Bindung - Frühe Hilfen für die Arbeit mit Eltern von der Schwangerschaft bis zum zweiten Lebensjahr des Kindes durch das STEEP-Programm. Stuttgart: Klett-Cotta. Fendrich, S. & Pothmann, J. (2009). Gefährdungslagen für Kleinkinder in der Familie und die Handlungsmöglichkeiten der Kinder- und Jugendhilfe im Spiegel der Statistik. In: Neue Familialität als Herausforderung der Jugendhilfe, S. 160 - 169. Lahnstein: Verlag Neue Praxis. Forschungsdatenbank Frühe Hilfen FORKID: http: / / db.dji. de/ cgi-bin/ db/ default.php? db=22. Gerber, C. & Backes, J. (2010). Aus Fehlern lernen - Qualitätsmanagement im Kinderschutz. Köln: Nationales Zentrum Frühe Hilfen. Grossmann, K. & Grossmann, K. E. (2005). Bindungen: Das Gefüge psychischer Sicherheit. Stuttgart: Klett- Cotta. Helming, E. (2008): Alles im Griff oder Aufwachsen in gemeinsamer Verantwortung? Paradoxien des Präventionsanspruchs im Bereich Früher Hilfen. Schriftliche Fassung des Vortrags auf der Tagung „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder“ vom 19. 4. 2008 in der Evang. Akademie Tutzing. www.fruehehilfen.de/ fileadmin/ user_download/ fruehehilfen.de/ pdf/ Helming_Para doxien_der_Pr_vention_240408_01.pdf. Helming, E., Sandmeir, G., Sann, A. & Walter, M. (2007). Kurzevaluation von Programmen zu Frühen Hilfen für Eltern und Kinder und sozialen Frühwarnsystemen in den Bundesländern - Abschlussbericht. München: DJI. Hölbing, Pamela (2010). Wie viel Staat vertragen Eltern? Systematische Entfaltung eines gestuften Maßnahmenkonzepts vor dem Hintergrund des Elterngrundrechts. Schriften zum öffentlichen Recht. Berlin: Duncker & Humblot. Jungmann, T., Kurz, V., Brand, T., Sierau, S. & von Klitzing, K. (2010). Präventionsziel Kindergesundheit im Rahmen des Modellprojekts „Pro Kind“. Vorläufige Befunde einer längsschnittlichen, randomisierten Kontrollgruppenstudie. In: Bundesgesundheitsblatt. Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz (2010). Frühe Hilfen zum gesunden Aufwachsen von Kindern. Interdisziplinäre und intersektorale Zusammenarbeit, Teil 2. Band 53, Heft 11, S. 1180 - 1187. Kindler, H. (2010 a). Empirisch begründete Strategien zur Verbesserung des deutschen Kinderschutzsystems. In: Gerhard Suess, Wolfgang Hammer (Hrsg.). Kinderschutz: Risiken erkennen, Spannungsverhältnisse gestalten, S. 234 - 260. Stuttgart: Klett-Cotta. Kindler, H. (2010 b). Risikoeinschätzung und Diagnostik im Rahmen Früher Hilfen. In: IzKK-Nachrichten 1/ 2010, S. 53 - 56. Landua D., Sann A. & Arlt, M. (2009): Ergebnisbericht (1. Teiluntersuchung) zum Projekt „Bundesweite Bestandsaufnahme zu Kooperationsformen im Bereich Früher Hilfen“. Berlin: Deutsches Institut für Urbanistik GmbH. Makowsky, K. & Schücking, B. (2010). Familienhebammen. Subjektive Auswirkungen auf die kindliche und mütterliche Gesundheit aus der Perspektive begleiteter Mütter. In: Bundesgesundheitsblatt. Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz (2010). Frühe Hilfen zum gesunden Aufwachsen von Kindern. Interdisziplinäre und intersektorale Zusammenarbeit, Teil 1. Band 53, Heft 10, S. 1080 - 1088. Maywald, J. (2009). Die UN-Kinderrechtskonvention: Ihr Umsetzungsstand in Deutschland im Bereich des Kinderschutzes. In: UN-Kinderrechtskonvention - Impulse für den Kinderschutz; IzKK-Nachrichten, Heft 1, 2009, S. 4 - 9. Meysen, T., Schönecker, L. & Kindler, H. (2008). Frühe Hilfen im Kinderschutz. Rechtliche Rahmenbedingungen und Risikodiagnostik in der Kooperation von Gesundheits- und Jugendhilfe. Weinheim: Juventa-Verlag. Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie Nordrhein-Westfalen (2005). Soziale Frühwarnsysteme: Frühe Hilfen für Familien - Materialien zur Praxisentwicklung. Münster: Institut für Soziale Arbeit. Münder, J. (2008). Zur Balance von Elternrechten, Kindeswohl, Kinderschutz und Kinderrechten. In: Das Jugendamt, 6/ 2008, S. 294 - 299. Heidelberg: Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht. Münder, J., Mutke, B. & Schone, R. (2000). Kindeswohl zwischen Jugendhilfe und Justiz: Professionelles Handeln in Kindeswohlverfahren. Münster: Votum-Verlag. Nationales Zentrum Frühe Hilfen (2011). Bestandsaufnahme zur Entwicklung der kommunalen Praxis im Bereich Früher Hilfen - zweite Teiluntersuchung. Köln: NZFH. Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) (2010). Werkbuch Vernetzung. Chancen und Stolpersteine interdisziplinärer Kooperation und Vernetzung im Bereich der Frühen Hilfen und im Kinderschutz. Köln. 274 Alexandra Sann Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) (2008): Frühe Hilfen. Modellprojekte in den Ländern. Köln. Olds, D., Henderson, C. R. Jr., Kitzman, H. J., Eckenrode, J. J., Cole, R. E. & Tatelbaum, R. C. (1999): Prenatal and Infancy Home Visitation by Nurses: Recent Findings. In: The Future of Children. Home Visiting: Recent Program Evaluations Vol. 9, No. 1, S. 45 - 63. Peucker, C., Gragert, N., Pluto, L. & Seckinger M. (2010). Kindertagesbetreuung unter der Lupe. Befunde zu Ansprüchen an eine Förderung von Kindern. München: DJI Verlag. Pluto, L., Gragert, N., Santen, E. v. & Seckinger, M. (2007). Kinder- und Jugendhilfe im Wandel. Eine empirische Strukturanalyse. München: DJI Verlag. Rauschenbach, T. & Pothmann, J. (2010). Frühe Hilfen als aktiver Kinderschutz. In: KOMDAT Jugendhilfe 2/ 2010. Dortmund. Renner, I. & Heimeshoff, V. (2010). Modellprojekte in den Ländern. Zusammenfassende Ergebnisdarstellung. Köln: Nationales Zentrum Frühe Hilfen. Renner, I. & Sann, A. (Hrsg.) (2010) Forschung und Praxisentwicklung Früher Hilfen. Modellprojekte begleitet vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH). Köln. Sann, A. (2010). Kommunale Praxis Früher Hilfen. Teiluntersuchung 1: Kooperationsformen. Bestandsaufnahme. Köln: Nationales Zentrum Frühe Hilfen. Sann, A. & Landua, D. (2010). Konturen eines vielschichtigen Begriffs: Wie Fachkräfte Frühe Hilfen definieren und gestalten. In: IzKK-Nachrichten 1/ 2010, S. 47 - 52. Sroufe, L. A., Coffino, B. & Carlson, E. A. (2011). Die Rolle früher Erfahrungen für die kindliche Entwicklung. In: Frühförderung Interdisziplinär, Heft 4/ 2011, S. 184 -195. Suess, G. J., Bohlen, U., Mali, A. & Frumentia Maier, M. (2010 a). Erste Ergebnisse zur Wirksamkeit Früher Hilfen aus dem STEEP-Praxisforschungsprojekt „WiEge“. In: Bundesgesundheitsblatt. Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz (2010). Frühe Hilfen zum gesunden Aufwachsen von Kindern. Interdisziplinäre und intersektorale Zusammenarbeit, Teil 2. Band 53, Heft 11, S. 1143 - 1149. Suess, G. J., Mali, A. & Bohlen, U. (2010 b). Einfluss des Bindungshintergrunds der HelferInnen auf Effekte der Intervention - Erste Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Praxisforschungsprojekt „Wie Elternschaft gelingt (WiEge)“. In: I. Renner & A. Sann (Hrsg.) Forschung und Praxisentwicklung Früher Hilfen. Modellprojekte begleitet vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH). Köln, S. 147 - 162. Wissenschaftlicher Beirat des Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (2009). Begriffsbestimmung Frühe Hilfen. Internet-Quelle: http: / / www.fruehehilfen.de/ wissen/ fruehe-hilfen-grundlagen/ begriffsbestimmung/ . Ziegler, H., Derr, R., Sann, A. & Gerber, C. (2010). Erreichen die Frühen Hilfen ihre Zielgruppen? In: IzKK- Nachrichten 1/ 2010, S. 12 - 17. Ziegenhain, U. (2007). Förderung der Beziehungs- und Erziehungskompetenzen bei jugendlichen Müttern. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Ziegenhain, U. & Fegert, J. (2007). Kindeswohlgefährdung und Vernachlässigung. München: E. Reinhardt. Ziegenhain, U., Fries, M., Bütow, B. & Derksen, B. (2004). Entwicklungspsychologische Beratung für junge Eltern: Grundlagen und Handlungskonzepte für die Jugendhilfe. Weinheim: Juventa-Verlag. Ziert, Y., Kurtz, V. & Jungmann T. (2010). Gesundheit und Gesundheitsverhalten der Mütter in der Schwangerschaft - Ergebnisse der Modellprojekts „Pro Kind“. In: Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH), I. Renner & A. Sann (Hrsg.). Forschung und Praxisentwicklung Früher Hilfen. Modellprojekte begleitet vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH). Köln, S. 88 - 103. Alexandra Sann Deutsches Jugendinstitut e.V. Nockherstr. 2 81541 München Fax (0 89) 6 23 06-1 62 Fon (0 89) 6 23 06-3 23 E-Mail: sann@dji.de