eJournals Psychologie in Erziehung und Unterricht71/4

Psychologie in Erziehung und Unterricht
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0342-183X
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/peu2024.art23d
3_071_2024_4/3_071_2024_4.pdf101
2024
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Empirische Arbeit: Was wünschen sich Eltern zur Unterstützung ihrer Kinder mit ADHS in der Schule? Eine qualitative und Mixed-Methods-Analyse offener Survey-Fragen

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2024
Anna Szép
Friederike Durlach
Mira-Lynn Chavanon
Jessica Schirl
Martina Zemp
Hanna Christiansen
Schüler:innen mit ADHS weisen deutliche Beeinträchtigungen im schulischen Bereich auf. Dennoch ist die schulische Unterstützung der betroffenen Kinder oftmals nicht zufriedenstellend. Aus diesem Grund untersuchte diese Studie Wünsche der Eltern zur schulischen Unterstützung ihrer Kinder mit ADHS. An der Studie nahmen n=441 Eltern von Kindern mit ADHS teil. Die Themen wurden durch eine inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse einer offenen Frage identifiziert. Die identifizierten Themen wurden mithilfe von Mixed-Methods-Analysen mit Einbezug von bestimmten demografischen Variablen wie Diagnose, Geschlecht und Schulform des Kindes sowie ADHS-Diagnose der Eltern weiter untersucht. Zu den am häufigsten beschriebenen Unterstützungswünschen gehörten mehr Wissen der Lehrkräfte über ADHS, mehr Verständnis des Umfeldes sowie ein personenzentrierter Umgang der Lehrkräfte. Es ergaben sich Unterschiede in den am häufigsten berichteten Unterstützungswünschen unter den Subgruppen.
3_071_2024_4_0004
n Empirische Arbeit Dieser Beitrag steht open access online unter https: / / dx.doi.org/ 10.2378/ peu2024.art23d Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2024, 71, 229 -242 DOI 10.2378/ peu2024.art23d © Ernst Reinhardt Verlag Was wünschen sich Eltern zur Unterstützung ihrer Kinder mit ADHS in der Schule? Eine qualitative und Mixed-Methods-Analyse offener Survey-Fragen Anna Szép 1 , Friederike Durlach 1 , Mira-Lynn Chavanon 1 , Jessica Schirl 2 , Martina Zemp 2 & Hanna Christiansen 1 1 Philipps-Universität Marburg 2 Universität Wien Zusammenfassung: Schüler: innen mit ADHS weisen deutliche Beeinträchtigungen im schulischen Bereich auf. Dennoch ist die schulische Unterstützung der betroffenen Kinder oftmals nicht zufriedenstellend. Aus diesem Grund untersuchte diese Studie Wünsche der Eltern zur schulischen Unterstützung ihrer Kinder mit ADHS. An der Studie nahmen n = 441 Eltern von Kindern mit ADHS teil. Die Themen wurden durch eine inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse einer offenen Frage identifiziert. Die identifizierten Themen wurden mithilfe von Mixed-Methods-Analysen mit Einbezug von bestimmten demografischen Variablen wie Diagnose, Geschlecht und Schulform des Kindes sowie ADHS-Diagnose der Eltern weiter untersucht. Zu den am häufigsten beschriebenen Unterstützungswünschen gehörten mehr Wissen der Lehrkräfte über ADHS, mehr Verständnis des Umfeldes sowie ein personenzentrierter Umgang der Lehrkräfte. Es ergaben sich Unterschiede in den am häufigsten berichteten Unterstützungswünschen unter den Subgruppen. Schlüsselbegriffe: ADHS, Schule, Intervention, Eltern, qualitativ What Kind of School Support do Parents Wish for Their Children With ADHD? A Qualitative and Mixed-Methods Analysis of Open-Ended Survey Questions Summary: Pupils with ADHD often experience school-related impairments. Nevertheless, the support of affected children in schools is often not satisfactory. Thus, the current study aimed to investigate parents’ wishes regarding the support of their children with ADHD in schools. The final sample consisted of n = 441 parents of children with ADHD. Themes were identified through qualitative content analysis of an open-ended question. Mixed methods were used to examine themes across demographic variables, such as the child’s diagnosis, gender and type of school, as well as the parents’ own ADHD diagnosis. The most frequently described needs for support were teachers’ greater knowledge of ADHD, more understanding from the child’s environment and a personcentred approach by teachers. Demographic subgroups differed in their most frequently reported wishes for support. Keywords: ADHD, school, intervention, parents, qualitative Die Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neuronale Entwicklungsstörung, die durch ein anhaltendes Muster von Unaufmerksamkeit und/ oder Hyperaktivität-Impulsivität gekennzeichnet ist (APA, 2013). Je nachdem, ob Unaufmerksamkeit und/ oder Hyperaktivität - Impulsivität vorherrschen, wird im DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, APA, 2013) und in der ICD-11 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, WHO, 2019) zwischen einem gemischten, einem überwiegend unaufmerksamen und einem überwiegend hyperaktiv-impulsiven Erscheinungsbild 230 Anna Szép et al. unterschieden. Schüler: innen mit ADHS zeigen im schulischen Bereich deutliche Beeinträchtigungen: ADHS wurde mit einem erhöhten Risiko für Klassenwiederholungen, schlechteren Schulleistungen, einem niedrigeren Bildungsniveau und Schulverweisen in Verbindung gebracht (Arnold, Hodgkins, Kahle, Madhoo & Kewley, 2020; Lawrence, Houghton, Dawson, Sawyer & Carroll, 2021). Die Kernsymptome von ADHS führen zudem häufig zu auffälligem Verhalten im Unterricht sowie zu negativen Interaktionen mit Lehrkräften und Mitschüler: innen (Ewe, 2019; Grygiel, Humenny, Rębisz, Bajcar & Świtaj, 2018). Angesichts der genannten Herausforderungen ist die Untersuchung von Unterstützungsmöglichkeiten zur Verbesserung der schulischen Leistungsfähigkeit von großer Bedeutung. Pharmakotherapie und (kognitive) Verhaltenstherapie zählen dabei zu den gängigsten Behandlungsmethoden für ADHS (Türk, Korfmacher, Gerger, van der Oord & Christiansen, 2023), zeigen jedoch nur begrenzte Effekte bei der Reduzierung schulischer Beeinträchtigungen (van der Oord, Prins, Oosterlaan & Emmelkamp, 2008). Im Gegensatz dazu weisen Klassenrauminterventionen eine mittlere bis hohe Effektivität für die Verbesserung des Verhaltens und der Leistung von Schüler: innen mit ADHS in der Schule auf (DuPaul, Eckert & Vilardo, 2012). Zu effektiven Klassenrauminterventionen gehören Maßnahmen mit Fokus auf Anpassungen im Lernumfeld, Modifikation der Lernaufgaben und/ oder des Unterrichts sowie Strategien zur Verhaltensmodifikation (DuPaul et al., 2012). Trotz nachgewiesener Evidenz werden diese Klassenrauminterventionen in der Praxis jedoch nur begrenzt eingesetzt (DuPaul, Chronis-Tuscano, Danielson & Visser, 2019). Der Einbezug von wichtigen Interessengruppen oder Stakeholdern mit praktischer Erfahrung ist vielversprechend, um anwendbares Wissen zu generieren (Brett et al., 2014). Diese Einbindung ermöglicht Einblicke in bestehende Herausforderungen und hilft Maßnahmen zu identifizieren, die in rein wissenschaftlichen Studien (ohne Vertretung der Interessengruppen) möglicherweise übersehen werden. Eltern von Kindern mit ADHS sind eine wichtige Interessengruppe, da sie eine wichtige Rolle in der Erziehung ihrer Kinder spielen. Dies kann sowohl außerhalb als auch innerhalb der Schule geschehen, beispielsweise bei Hausaufgaben und Schulausflügen. Des Weiteren sind sie von Bedeutung für die Kommunikation zwischen Schule und Familie (Mautone, Marcelle, Tresco & Power, 2015). Eltern von Kindern mit ADHS investieren im Vergleich zu Eltern von Schüler: innen ohne ADHS mehr Zeit in die Kommunikation über Schul- und Verhaltensprobleme ihrer Kinder sowie in die Kontrolle und Unterstützung bei den Hausaufgaben (Montes & Montes, 2021). Sie empfinden die Unterstützung ihrer Kinder als belastend und berichten über einen Mangel an Kooperation und Unterstützung seitens der Lehrkräfte (Harazni & Alkaissi, 2016). Daher kann angenommen werden, dass Eltern von betroffenen Schüler: innen akkurate Auskunft darüber geben können, wie sie ihre Kinder mit ADHS im schulischen Umfeld angemessen unterstützen können. Welche Unterstützung sich betroffene Eltern für den schulischen Erfolg ihrer Kinder wünschen, wurde bisher jedoch nur selten untersucht. In einigen Studien, die Eltern generell über ihre Erfahrungen mit und Einstellungen zur Schule befragten, kristallisierten sich einige wiederkehrende Themen heraus, die sich jeweils auf den Wunsch nach Unterstützungsangeboten beziehen. Eltern von Kindern mit ADHS äußerten diesbezüglich Änderungsvorschläge hinsichtlich der Gestaltung des Unterrichts und der Unterrichtsumgebung (z. B. mehr Zeit für die Bearbeitung von Aufgaben, individualisierte Interventionen, Einzelbetreuung, die Möglichkeit zum Arbeiten in eigenem Tempo sowie kleinere Klassen), um die schulische Situation für ihre Kindern bedarfsorientierter zu gestalten (Efron, Sciberras & Hassell, 2008; Krtkova et al., 2023; Sikirica et al., 2015). Elterliche Erwartungen hinsichtlich des Verhaltens der Lehrkräfte wurden ebenfalls immer wieder thematisiert. Dabei äußerten sie, dass Lehrkräfte über mehr Wissen zu ADHS verfügen sowie offener, freundlicher Was wünschen Eltern für ihre Kinder mit ADHS in der Schule? 231 und sensibler mit betroffenen Kindern umgehen sollten (Efron et al., 2008; Krtkova et al., 2023; Sikirica et al., 2015). Zudem wurde eine gute Zusammenarbeit zwischen Schule, Eltern und weiteren Fachpersonen (z. B. Psychotherapeut: innen und Psychiater: innen) von den betroffenen Eltern als hilfreich bewertet (Krtkova et al., 2023). Die bisherigen Studien liefern wichtige Hinweise, welche Maßnahmen laut Eltern die schulischen Probleme ihrer Kinder mit ADHS verringern würden. ADHS ist ein heterogenes Störungsbild, das sich abhängig von diversen Faktoren unterschiedlich präsentieren kann. Daher können je nach Merkmalen der betroffenen Schüler: innen und ihrer Umgebung unterschiedliche Unterstützungsmaßnahmen von Bedeutung sein. Kinder mit den verschiedenen klinischen Erscheinungsbildern sprechen unterschiedlich gut auf Interventionsmaßnahmen an (Luo, Weibman, Halperin & Li, 2019). Daher ist anzunehmen, dass sie auch im schulischen Kontext unterschiedliche Unterstützungsmaßnahmen benötigen. Je nachdem, ob die Betroffenen ein gemischtes, vorwiegend hyperaktiv-impulsives oder vorwiegend unaufmerksames Erscheinungsbild aufweisen und ob diese mit komorbiden Störungen einhergehen oder nicht, können unterschiedliche Interventionsmaßnahmen im schulischen Kontext hilfreich sein (Luo et al., 2019). Es existieren darüber hinaus geschlechtsspezifische Unterschiede: Während bei Mädchen vorwiegend Symptome der Unaufmerksamkeit auftreten, zeigen Jungen häufiger Symptome des hyperaktiven und impulsiven Erscheinungsbildes (Hinshaw, Nguyen, O’Grady & Rosenthal, 2022). Komorbid leiden Mädchen häufiger unter Ängsten, Depressionen und schwerwiegenden sozialen Problemen, während bei Jungen auffälligere, externalisierende Schwierigkeiten vorherrschen (Hinshaw et al., 2022). Es wird vermutet, dass viele Mädchen mit ADHS möglicherweise intensiv Bewältigungsstrategien einsetzen, um die durch ADHS verursachten Einschränkungen zu mildern (Mowlem, Agnew- Blais, Taylor & Asherson, 2019). Es ist zudem anzunehmen, dass Mädchen mit ADHS von anderer Unterstützung profitieren als Jungen, die allerdings bisher im Mittelpunkt der Forschung standen. Ein weiterer Faktor, der die Art der benötigten Unterstützungsmaßnahmen beeinflussen kann, ist die Schulform. Schüler: innen in der Sekundarstufe werden zunehmend mit erhöhten Anforderungen konfrontiert. Es wird vermehrt erwartet, dass sie eigenverantwortlich ihre Zeit einteilen, unabhängig ihre Aufgaben organisieren und zunehmend selbstständiger arbeiten. Die Bewältigung dieser Anforderungen ist für Schüler: innen mit ADHS erschwert, was zu einem zusätzlichen Bedarf bei betroffenen Schüler: innen in der Sekundarstufe führen kann. Ein weiterer Faktor, der möglicherweise dazu führen kann, dass Eltern über eine andere Art der Unterstützungsbedarfe berichten, ist das Vorhandensein einer ADHS-Diagnose bei den Eltern selbst. Untersuchungen haben gezeigt, dass Eltern von Kindern mit ADHS mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit auch selbst unter ADHS leiden (Starck, Grünwald & Schlarb, 2016). Da die ADHS der Eltern zusätzliche Belastungen verursachen kann (Garcia et al., 2012), ist es möglich, dass Eltern von Kindern mit ADHS, die selbst von der Störung betroffen sind, andere Unterstützungsmaßnahmen priorisieren als Eltern, die nicht betroffen sind. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS deutliche Einschränkungen im schulischen Bereich erleben (Arnold et al., 2020; Lawrence et al., 2021). Obwohl evidenzbasierte Maßnahmen vorliegen, die diesen Beeinträchtigungen effektiv entgegenwirken können, werden diese in der Praxis selten umgesetzt (DuPaul et al., 2012). Um diese Lücke zwischen Forschung und Praxis zu schließen, ist es sinnvoll, betroffene Zielgruppen mit Erfahrungen aus erster Hand, wie Eltern von Kindern mit ADHS, darüber zu befragen, was Schüler: innen mit ADHS in Schulen brauchen. Um ein differenzierteres Bild darüber zu gewinnen, welche Unterstützungsmaßnahmen bei welchen Betroffenen am sinnvollsten einzusetzen sind, ist die Untersuchung der Unterstützungswünsche der Eltern von Kindern mit ADHS in Unter- 232 Anna Szép et al. gruppen mit bestimmten Merkmalen sinnvoll. Aus diesem Grund untersucht die vorliegende Studie die folgenden Forschungsfragen: 1. Was wünschen Eltern für die schulische Unterstützung ihrer Kinder mit ADHS? 2. Gibt es Unterschiede in den primären Unterstützungswünschen der Eltern in Abhängigkeit davon, ob (a) das Kind ein gemischtes (GE) oder vorwiegend unaufmerksames (UE) Erscheinungsbild (b) mit oder ohne Komorbidität aufweist, (c) männlich oder weiblich ist, (d) eine Primär-, Sekundar- oder Förderschule besucht sowie (e) bei dem befragten Elternteil ein ADHS vorliegt? Methoden Stichprobe Die vorliegende Studie greift auf eine Stichprobe zurück, die im Rahmen eines größeren Forschungsprojektes Lehrkräfte, Schüler: innen und deren Eltern zu schulischen Schwierigkeiten und ADHS befragte. Die aktuelle Studie konzentriert sich ausschließlich auf die Perspektive der Eltern von Kindern mit AD(H)S (Verdacht oder bestätigte Diagnose nach Selbstbericht), unabhängig vom Erscheinungsbild (vorwiegend unaufmerksames Erscheinungsbild oder gemischtes Erscheinungsbild). Die Online-Umfrage wurde insgesamt von N = 587 Eltern aufgerufen, wovon 14 Personen keine informierte Zustimmung zur Teilnahme an der Studie gaben. Ausgeschlossen Frage beantwortet Frage nicht beantwortet Vergleich n 441 97 Alter des Elternteils M ± SD (Spannweite) 41.60 ± 6.16 (26 bis 61) 40.45 ± 6.67 (26 bis 56) t (131.04) = -1.55; p = .125 Alter des Kindes M ± SD (Spannweite) 10.72 ± 2.88 (6 bis 28) 10.77 ± 2.96 (6 bis 21) t (133.21) = .15; p = .882 Geschlecht des Elternteils n (%) - Weiblich - Männlich 422 (78,7 %) 19 (3,5 %) 90 (16,8 %) 5 (0,9 %) χ 2 (1) = 0.17; p = .683; BF 01 = 0.06 Geschlecht des Kindes n (%) - Mädchen - Junge 104 (19,4 %) 337 (62,8 %) 17 (3,2 %) 79 (14,7 %) χ 2 (1) = 1.56; p = .212 Diagnose des Kindes n (%) - GE - UaE - GE + Komorbid - UaE + Komorbid - Verdacht auf ADHS 168 (31,2 %) 66 (12,3 %) 147 (27,3 %) 28 (5,2 %) 32 (5,9 %) 49 (9,1 %) 17 (3,2 %) 25 (4,6 %) 3 (0,6 %) 3 (0,6 %) χ 2 (4) = 8.382; p = .079 Elternteil ADHS n (%) 78 (14,5 %) 7 (1,3 %) χ 2 (1) = 6.395; p = .011** Schulform n (%) - Vorschule - Primärschule - Sekundarschule - Förderschule - Andere 2 (0,4 %) 223 (41,8 %) 171 (32 %) 38 (7,1 %) 6 (1,1 %) 1 (0,2 %) 46 (8,6 %) 35 (6,6 %) 10 (1,9 %) 2 (0,4 %) χ 2 (4) = 1.26; p = .868; BF 10 = 6641.76 Land n (%) - Deutsch - Österreich - Schweiz - Andere 292 (54,3 %) 104 (19,3 %) 43 (8 %) 2 (0,4 %) 65 (12,1 %) 16 (3 %) 14 (2,6 %) 2 (0,4 %) χ 2 (3) = 6.21; p = .102; BF 10 = 71.33 Tab. 1: Vergleich der Antwortgebenden mit den Nicht-Antwort-Gebenden der offenen Frage Anmerkung: GE = Gemischtes Erscheinungsbild; UaE = Vorwiegend Unaufmerksames Erscheinungsbild Was wünschen Eltern für ihre Kinder mit ADHS in der Schule? 233 wurden weitere 6 Elternteile, da sie angaben, dass ihr: e Partner: in bereits an der Studie teilgenommen hat. Nach einem Plausibilitätscheck der Variable Alter der Eltern wurden weitere 3 Fälle aus den Analysen aufgrund von unwahrscheinlichen Angaben (z. B. Alter = 6666) ausgeschlossen. Aus den verbliebenen 564 Fällen mussten weitere 26 Fälle ausgeschlossen werden, weil sie bei der Frage nach der Diagnose des Kindes a) keine Angaben zur Diagnose ihres Kindes machten oder b) keine ADHS-Diagnose angaben. Aus den verbliebenen n = 538 Fällen beantworteten n = 441 Eltern die offene Frage, die den Fokus dieser Studie bildet. Um mögliche Verzerrungen in den Analysen aufzudecken, wurden die Teilnehmer: innen, die die offene Frage beantwortet haben, mit den Teilnehmer: innen, die diese Frage nicht beantwortet haben, verglichen (Tabelle 1). Die Analysen ergaben, dass Eltern mit eigener ADHS- Diagnose mit einer höheren Wahrscheinlichkeit die Frage beantwortet haben als Eltern ohne eine ADHS-Diagnose ( χ 2 (1) = 6.395; p = .011*). Die detaillierten soziodemografischen Informationen der Teilnehmer: innen können ebenfalls aus Tabelle 1 entnommen werden. Studiendesign Die vorliegende Studie war Teil einer größeren Studie, die das Open Innovation in Science-Rahmenwerk der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (https: / / ois. lbg.ac.at/ , abgerufen am 29. September 2023) verwendete, um die Einflussfaktoren der schulischen Unterstützung von Schüler: innen mit ADHS zu untersuchen. Die ausführliche Beschreibung des Studiendesigns kann aus Schirl et al. (2024) entnommen werden. Ablauf der Studie Die Rekrutierung der Proband: innen erfolgte über soziale Medien sowie über Psychotherapie-Ambulanzen, ambulante psychotherapeutische Praxen und Schulen. Letztere wurden zuerst per Telefon oder E-Mail kontaktiert und über die Ziele der Studie informiert und darum gebeten, Eltern von Kindern mit ADHS auf unsere Studie aufmerksam zu machen und einen Flyer mit Informationen über die Studie und den Link zu der Online-Erhebung an sie weiterzugeben. Über soziale Medien und in Internetforen wurde der Link zur Studie gemeinsam mit Informationen über die Erhebung verbreitet. Die erste Seite der Online-Umfrage enthielt eine kurze Beschreibung des Ziels unserer Studie sowie Informationen zur Datenerhebung und -speicherung. Die Teilnahme war freiwillig und erfolgte nur nach einer informierten Einwilligung der Proband: innen. Die Befragung wurde zwischen Juni 2020 und Februar 2022 durchgeführt. Die Teilnehmer: innen konnten als Anreiz an einer Verlosung teilnehmen, bei der sie wahlweise entweder eine Nintendo Switch oder einen Gutschein für ein Freizeiterlebnis ihrer Wahl (im Wert von ca. 350 €) sowie Gutscheine im Wert von 50 €, 20 € und 10 € gewinnen konnten. Erhebungsmethoden Soziodemografische Daten Eltern machten soziodemografische Angaben zu ihrer eigenen Person bezüglich Alter, Geschlecht, Wohnort (Land) und eigener ADHS-Diagnose. Zudem machten sie Angaben bezüglich Alter, Geschlecht, Diagnose (Vorliegen oder Verdacht auf ADHS sowie vorwiegend unaufmerksames oder gemischtes Erscheinungsbild), Vorliegen einer komorbiden Störung sowie Schulform ihres Kindes. Offene Fragen Die Umfrage für die Gruppe der Eltern von Kindern mit ADHS beinhaltete diverse Fragebögen, die auf die schulische Situation und Unterstützung ihrer Kinder abzielten. Am Ende der Umfrage folgte eine offene Frage, welche die Basis für die vorliegende Studie ist: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für die Unterstützung Ihres Kindes wünschen? Analytische Herangehensweise Häufigkeiten und Mittelwerte der demografischen Variablen wurden mit SPPS (Version 28) berechnet. Für die qualitative und Mixed-Methods-Analysen wurde die Software MAXQDA 2022 (VERBI Software, 2021) verwendet. Die Daten wurden entsprechend der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2022) ausgewertet. Die Kategorienbildung erfolgte induktiv, direkt am Material im Hinblick auf die Forschungsfragen, wobei alle offenen Antworten berücksichtigt wurden. Nach einer initiativen Text- 234 Anna Szép et al. arbeit, in der die Antworten sorgfältig gelesen und markiert wurden, erfolgte die Erstellung eines vorläufigen Kategoriensystems, das durch wiederholtes Lesen und Kodieren des Materials kontinuierlich angepasst wurde. Diese Phasen wurden durch die Erstautorin und eine Masterstudierende der Philipps-Universität Marburg (siehe Danksagung) getrennt bearbeitet. Anschließend wurden die so erstellten Kategorien verglichen und diskutiert. Das endgültige Kategoriensystem, bestehend aus Haupt- und Subkategorien und deren Definitionen, wurde durch die Erstautorin finalisiert. Um die Interrater- Reliabilität zu bestimmen, wurden die Antworten durch eine in qualitativer Forschung erfahrenen Ko- Autorin (F. D.) gegenkodiert. Der Kappa-Koeffizient lag bei 0.8. Die Frage, inwieweit sich Gruppen von Eltern von Kindern mit ADHS bezüglich der primären Unterstützungswünsche unterscheiden, wurde im Sinne eines Mixed-Methods-Ansatzes mit Kreuztabellen untersucht. Um die Ergebnisdarstellung übersichtlich zu halten, wurden über alle Subgruppen die drei am häufigsten kodierten Kategorien berichtet. Für die im Ergebnisteil berichteten Häufigkeiten und Prozentanteile wurden Kodierungen pro Teilnehmer: in nur einmal gezählt. Um einen besseren Vergleich der Gruppen mit unterschiedlich großen Anteilen in der Stichprobe (z. B. dreimal so viele Eltern von Jungen als Mädchen) zu ermöglichen, wurden bei den Kreuztabellen Spaltenprozente berichtet. Dabei wird ersichtlich, wie sich die Anzahl der Kodierungen bei den einzelnen Gruppen prozentual auf die Codes verteilt. Haupt- und Subkategorien Kodierhäufigkeit n % a Hauptkategorie 1: Wünsche bezüglich der Schule und des Schulsystems Wünsche bezüglich des Schulsystems Unterstützung in/ von der Schule Mehr Zeit Kleinere Klassen Zusätzliches schulisches Fachpersonal Vorschläge bezüglich Unterrichtsgestaltung Mehr Individualität in der Schule Chancengerechtigkeit und Rücksichtnahme Ressourcenorientierten Umgang Anderweitige Wünsche bzgl. der Schule Mehr Wissen und Weiterbildung der Lehrkräfte Personenzentrierter Umgang der Lehrkräfte Gute Zusammenarbeit 403 35 27 21 36 31 21 26 40 27 13 65 43 15 52,0 8,0 6,2 4,8 8,2 7,1 4,8 6,0 9,2 6,2 3 14,9 9,9 3,4 Hauptkategorie 2: Verständnis statt Stigma Mehr Verständnis Akzeptanz Anerkennung von ADHS Ernst genommen zu werden Weniger Stigmatisierung und Vorurteile Keine Ausgrenzung Mehr Aufklärung 194 52 21 23 18 29 20 29 25,0 12,0 4,8 5,3 4,1 6,7 4,6 6,7 Hauptkategorie 3: Wünsche bezüglich anderweitiger Unterstützungssysteme Mehr Möglichkeiten und Kapazitäten für Psychotherapie Unkomplizierte Unterstützungsmaßnahmen Kassenfinanzierte oder kostenlose Unterstützungsangebote Schneller anlaufende Hilfe Pharmakotherapie Wünsche für gutes psychisches Wohlbefinden der Kinder Unterstützungswünsche der Eltern für deren Entlastung Mehr Unterstützung 132 23 15 17 10 10 18 22 16 17,0 5,3 3,4 3,9 2,3 2,3 4,1 5,1 3,7 Tab. 2: Subkategorien der Hauptkategorien 1, 2 und 3 inkl. Kodierhäufigkeiten Anmerkung: a Die prozentualen Anteile beziehen sich auf die Summe aller Antworten. Was wünschen Eltern für ihre Kinder mit ADHS in der Schule? 235 Ergebnisse Fragestellung 1: Unterstützungswünsche von Eltern von Kindern mit ADHS Die Analyse der Antworten der Eltern ergibt fünf Hauptkategorien bezüglich der Unterstützungswünsche ihrer Kinder: (1) Wünsche bezüglich des Schulsystems, (2) Verständnis statt Stigmatisierung, (3) Wünsche bezüglich anderweitiger Unterstützungssysteme sowie (4) eine Restkategorie für sonstige Wünsche und Bemerkungen im Zusammenhang mit der Schule, (5) Bewertung der aktuellen schulischen Situation. Die ersten drei Hauptkategorien werden in weitere Subkategorien unterteilt (siehe Tabelle 2). Im Folgenden werden die Haupt- und Unterkategorien sowie deren Kodierhäufigkeiten in Klammern (in absoluten Zahlen) beschrieben. Auf eine detaillierte Beschreibung der Kategorien (3) und (5) im Fließtext wird verzichtet, da sich die Antworten nicht auf den schulischen Kontext beziehen, auf dem der Fokus dieser Studie liegt. Hauptkategorie 1: Wünsche bezüglich der Schule und des Schulsystems (403) Hier werden Wünsche zusammengefasst, die sich auf schulische Bereiche wie das Schulsystem, die Institution Schule, Unterrichtsgestaltung und Lehrkräfte beziehen. Es gibt 13 Subkategorien (siehe Tabelle 2). In der Subkategorie Wünsche bezüglich des Schulsystems (35) werden Aussagen kodiert, die auf Verbesserungen auf der Ebene des Schulsystems abzielen. Eltern wünschen für ihre Kinder ein Schulsystem mit mehr Ressourcen, mit weniger Leistungsdruck, weniger Fokus auf Benotung, einen kleineren Stoffumfang sowie mehr Freiheit und zeitliche Flexibilität. Einige Eltern fordern den Ausbau von Förder- oder auf ADHS spezialisierten Schulen. In der Subkategorie Unterstützung in/ von der Schule (27) werden Elternwünsche bezüglich mehr Unterstützung und Hilfe in diversen Formen in der oder seitens der Schule kodiert. Einige möchten zusätzliche Lernförderung oder Nachhilfe, andere wünschen sich psychotherapeutische Maßnahmen wie soziale Kompetenz- oder Konzentrationstrainings in der Schule. Auch der Wunsch nach Anwesenheit von Therapeut: innen in der Schule und einem Rückzugsort für die Kinder wird genannt. In der Subkategorie Mehr Zeit (21) wünschen viele Eltern einerseits, dass ihre Kinder mehr Zeit für die Bearbeitung der Aufgaben im Unterricht oder während der Prüfungen hätten. Andererseits möchten Eltern, dass die jeweilige Lehrkraft mehr Zeit für die einzelnen Kinder hat. Kleinere Klassen (36) werden ebenso als Mittel zur intensiveren Betreuung gesehen. Ein weiterer Vorschlag zur Verbesserung der Betreuung der Kinder ist die Anstellung zusätzlicher pädagogischer Fachkräfte (31). Eltern wünschen u. a. mehr Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter: innen, qualifiziertes Fachpersonal, Schulassistent: innen und -begleitung, Lernbegleitung für Kinder mit ADHS, Integrationslehrer: innen, Heil- oder Sonderpädagog: innen. Zusätzliche Fachkräfte werden oft als Mittel zur Ermöglichung der Einschulung der Kinder mit ADHS auf eine Regelschule angesehen. In der Subkategorie Vorschläge bezüglich Unterrichtsgestaltung (21) geben Eltern konkrete Empfehlungen, wie der Unterricht angepasst werden könnte, um Kinder mit ADHS besser in der Schule zu unterstützen. Sie plädieren für eine reizarme und ruhige Lernumgebung mit mehr Bewegungsmöglichkeiten und Pausen sowie klaren Strukturen und Regeln. Einige wünschen sich weniger Aufgaben und Hausaufgaben, alternative Lernformen mit Musik oder Bewegung oder die Möglichkeit für die Kinder, ihre Aufgaben selbst einzuteilen. Auch die Gestaltung der Arbeitsmaterialien soll ansprechender sein, mit spannenderen Aufgaben und praktischem Anschauungsmaterial anstelle von reinem Frontalunterricht. Zudem werden Techniken zum Verhaltensmanagement vorgeschlagen, wie vermehrtes Lob, das Ignorieren von Unterbrechungen und klare, präzise Anweisungen seitens der Lehrkräfte. Für den Umgang mit ihren Kindern werden folgende Wünsche geäußert: Individualität in der Schule (26) soll mehr Berücksichtigung finden. Eltern wünschen sich, dass Lernangebote 236 Anna Szép et al. und Unterricht stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler: innen ausgerichtet werden, anstatt sich an einer Durchschnittsnorm zu orientieren. Chancengerechtigkeit und Rücksichtnahme (40) sollen in Schulen ebenfalls gelebt werden. Eltern fordern, dass Einschränkungen, die durch ADHS bedingt sind, in der Schule stärker berücksichtigt werden. Sie plädieren für Maßnahmen wie Nachteilsausgleich oder Zusatzförderung, um Benachteiligungen abzubauen. Eltern wünschen einen Ressourcenorientierten Umgang (27) mit ihren Kindern, indem der Fokus von Schwächen und ungünstigen Verhaltensweisen auf die Stärken und positiven Seiten des Kindes gelegt wird. Viele Eltern teilen den Eindruck, dass die Stärken von Kindern mit ADHS im schulischen Kontext untergehen und wünschen daher, dass ihre Kinder die Möglichkeit bekommen, in der Schule ihre Stärken und Potenziale zu entfalten. In der Subkategorie Anderweitige Wünsche bzgl. der Schule (13) werden u. a. Wünsche nach einer guten Beziehung zu Mitschüler: innen, keinem Mobbing sowie verbessertem Umgang der Kinder mit Lernen und Lerndruck sowie Unterstützung der Eltern bei der Hausaufgabensituation deutlich. Ein beachtlicher Teil der Eltern äußert Wünsche, die sich auf Lehrkräfte beziehen. In erster Linie wünschen sich Eltern Mehr Wissen und Weiterbildung der Lehrkräfte (65) zum Thema ADHS. Eltern schlagen ebenfalls vor, das Thema ADHS im Curriculum des Lehramtsstudiums und in Weiterbildungen einzuschließen. Aus der Sicht der Eltern sind Kenntnisse über ADHS aus mehreren Gründen wichtig. Erstens sollen Lehrkräfte wissen, was ADHS bedeutet und womit dies einhergeht, um das Verhalten und die Leistung dieser Kinder richtig einordnen zu können: „Das die Lehrpersonen endlich begreifen das Adhs nicht von heute auf morgen verschwindet. Das adhs nicht nur was negatives ist und das diese Kinder nicht Absicht etwas vergessen sondern es einfach ein Teil der Diagnose ist…“. Zweitens sollen Lehrkräfte auch in der Lage sein, ADHS zu erkennen und entsprechende Hilfe in die Wege zu leiten. Letztlich ist Wissen über den richtigen Umgang mit Kindern mit ADHS in der Schule ebenfalls unerlässlich. Wünsche bezüglich der Haltung und Verhaltensmerkmale der Lehrkräfte werden in der Subkategorie Personenzentrierter Umgang (43) zusammengefasst. Lehrkräfte sollen sich bemühen, sich mit der Person und den Bedürfnissen des Kindes aktiv auseinanderzusetzen sowie liebevoll, unvoreingenommen, gelassen und empathisch sein. Lehrkräfte sollen die Kinder engmaschig begleiten und sie bei der Bewältigung ADHS-bezogener Schwierigkeiten unterstützen und ihnen im Umgang mit Mitschüler: innen helfen. Darüber hinaus sollen sie das Kind respektvoll und fair behandeln und nicht abwerten oder bestrafen. Eine Gute Zusammenarbeit (15) der Lehrkräfte/ Schule mit Eltern und Kindern sowie mit weiteren Fachkräften (z. B. Therapeuten) wird ebenso gewünscht. Dabei betonen viele Eltern, dass Lehrkräfte sowohl sie als auch ihre Kinder mit mehr Respekt behandeln sollen. Hauptkategorie 2: Verständnis statt Stigma (194) Über ein Drittel der Eltern äußert Wünsche, die über den Kontext Schule hinausgehen und häufig an die Gesellschaft als Ganzes adressiert werden. Diese werden in der Hauptkategorie Verständnis statt Stigma zusammengefasst und in sieben Subkategorien unterteilt (Tabelle 3). Eltern wünschen Mehr Verständnis (52) für ADHS-bedingte Auffälligkeiten und Besonderheiten und dafür, dass diese von Kindern mit ADHS nicht kontrollierbar und beabsichtigt sind. Als Adressat der Forderung nach mehr Verständnis werden Lehrkräfte, andere Eltern, aber auch das Umfeld, wie z.B. Nachbarn oder die Gesellschaft, genannt. Der Wunsch der Eltern nach mehr Akzeptanz (21) der Kinder mit ADHS von der Gesellschaft, der Schule, den anderen Schüler: innen oder auch von Freunden wird deutlich. Eltern wünschen ebenso die Anerkennung von ADHS (23) als eine existierende Störung und keine Modediagnose. Viele Eltern haben den Eindruck, dass entweder ihre Kinder oder Die Zitate der Teilnehmer: innen werden im Original wiedergegeben, ohne Grammatik- oder Rechtschreibfehler zu korrigieren. Was wünschen Eltern für ihre Kinder mit ADHS in der Schule? 237 sie selbst für die Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder verantwortlich gemacht werden, anstatt anzuerkennen, dass diese durch ADHS bedingt sind. Weiterhin möchten Eltern, dass sie vom Schul- oder medizinischen Personal Ernst genommen werden (18). Eltern von Kindern mit ADHS beschreiben den Wunsch nach mehr Gehör sowie dass ihre Expertise als Eltern anerkannt wird. Weiterhin wünschen Eltern ernst genommen zu werden, wenn sie über die Problematiken von und mit ihren Kindern erzählen. Viele Eltern äußern den Wunsch nach Weniger Stigmatisierung und Vorurteilen (29). Eltern berichten, dass nicht nur ihre Kinder, sondern auch sie selbst stigmatisierende Erfahrungen machen, v. a. in Form von Schuldzuweisungen: „Mehr Unterstützung für die Eltern. Man bekommt lediglich zu spüren das man an dem Verhalten des Kindes schuld sei. In unserem Fall 6 Kinder. Nur daran kann/ muss es ja liegen durch die hohe Kinderzahl werden die Kinder vernachlässigt…“. Eltern werden ebenfalls aufgrund ihrer Zustimmung zur medikamentösen Behandlung ihrer Kinder stigmatisiert. Ein Teil der Befragten beschrieb den Wunsch nach „Mehr Offenheit“, „Mehr Toleranz“ und „Keine Ausgrenzung“. Diese Aussagen wurden in der Subkategorie Keine Ausgrenzung (20) zusammengefasst. Dabei kam der Wunsch, dass Kinder mit ADHS wegen ihren Problemen nicht auf die Förderschule abgeschoben werden sollten, wiederholt vor. Um Stigmatisierung und Ausgrenzung entgegenzuwirken, sollte laut den Eltern mehr Aufklärung (29) über ADHS stattfinden. Die Aufklärung sollte auf Mitschüler: innen und deren Eltern oder auch auf die ganze Bevölkerung abzielen und Themen wie Ätiologie von ADHS oder medikamentöse Behandlung aufgreifen. Hauptkategorie 4: Anderweitige Wünsche (27) Einige Wünsche können nicht zu einer bestimmten Kategorie zugeordnet werden, wie z.B.Sorgen bezüglich der Zukunft des Kindes nach der Schule, der Wunsch nach weniger Lehrkräftewechseln, einer männlichen Begleitung in der Schule oder eine kostenlose App mit Wochenplaner. Fragestellung 2: Primäre Unterstützungswünsche in verschiedenen Gruppen Die am häufigsten kodierten Unterstützungswünsche, aufgeteilt in relevante Subgruppen (vgl. Fragestellung 2), können Tabelle 2 entnommen werden. Zu den am häufigsten genannten Subkategorien gehören mehr Wissen und Weiterbildung der Lehrkräfte, ein personenzentrierter Umgang der Lehrkräfte und mehr Verständnis. Chancengleichheit und Rücksichtnahme, kleinere Klassen, weniger Stigmatisierung und Vorurteile sowie Aufklärung werden durch mehrere Subgruppen häufig benannt. Diskussion Die vorliegende Studie untersuchte Antworten von Eltern von Kindern mit ADHS auf offene Fragen zu Unterstützungswünschen für ihre Kinder im Schulkontext. Im Einklang mit unserem ersten Ziel konnten mehrere Bereiche, in denen sich Eltern Unterstützung für ihre Kinder im Schulkontext wünschen, identifiziert werden. Der hohe Anteil der Eltern (über 80 % der Teilnehmenden der gesamten Umfrage), der die offene Frage beantwortete, zeugt von einem großen Mitteilungsbedarf. Die Unterstützungswünsche beziehen sich auf diverse Bereiche. Veränderungen sollen aus Perspektive der Eltern auf der Ebene der Schule, aber auch in der Gesellschaft und in den psychosozialen Unterstützungssystemen umgesetzt werden. Trotz des induktiven Analyseansatzes der vorliegenden Studie stimmen viele der identifizierten Themen mit früheren internationalen Studien überein (Krtkova et al., 2023; Sikirica et al., 2015). So wünschen sich Eltern hinsichtlich der Unterrichtsgestaltung mehr Zeit für die Aufgabenbearbeitung, kleinere Klassen und eine intensivere Betreuung. Wünsche, die sich auf die Lehrkräfte beziehen, gehören in dieser Studie ebenfalls zu einem der Hauptthemen. Eltern im deutschen Sprachraum wünschen sich mehr Fachwissen der Lehrkräfte zu ADHS sowie einen verständnisvollen und empathischen Umgang der Lehrkräfte mit ihren Kindern. 238 Anna Szép et al. Darüber hinaus konnten neue Themen identifiziert werden: Eltern von Kindern mit ADHS aus dem deutschsprachigen Raum wünschen u. a. mehr Anerkennung und Berücksichtigung der ADHS-bedingten Schwierigkeiten im Unterricht und bei der Leistungsbeurteilung sowie einen ressourcenorientierten Blick in Schulen. Zu den häufigsten Wünschen der Gesamtstichprobe gehören ein höherer Wissensstand der Lehrkräfte zu ADHS, mehr Verständnis für Gruppierung Platz 1 Platz 2 Platz 3 Gesamtstichprobe Wissen der Lehrkräfte (14,9 %) Verständnis (12,0 %) Personenzentrierter Umgang (9,9 %) Diagnose des Kindes ADHS Wissen der Lehrkräfte (9,0 %) Verständnis (7,2 %) Personenzentrierter Umgang (5,0 %) ADHS mit Komorbidität Wissen der Lehrkräfte (8,9 %) Chancengerechtigkeit und Rücksichtnahme (6,6 %) Personenzentrierter Umgang/ Verständnis (5,4 %) ADS Wissen der Lehrkräfte (10,3 %) Verständnis (6,9 %) a Zusätzliches Fachpersonal (6,9 %) a ADS mit Komorbidität Personenzentrierter Umgang (9,1 %) Verständnis (6,8 %) a Weniger Stigmatisierung/ Aufklärung (6,8 %) a Verdacht auf ADHS Personenzentrierter Umgang (9,1 %) a Verständnis (9,1 %) a Weniger Stigmatisierung/ Kleinere Klassen (7,6 %) a Geschlecht des Kindes Jungen Wissen der Lehrkräfte (9,3 %) Verständnis (6,9 %) Personenzentrierter Umgang/ Chancengerechtigkeit und Rücksichtnahme (5,0 %) Mädchen Personenzentrierter Umgang (7,7 %) Verständnis (6,6 %) a Chancengerechtigkeit und Rücksichtnahme/ Wissen der Lehrkräfte (6,1 %) a Schulform Primärstufe Wissen der Lehrkräfte (9,3 %) Verständnis (9,0 %) Personenzentrierter Umgang (5,8 %) Sekundarstufe Wissen der Lehrkräfte (9,3 %) Kleinere Klassen (6,3 %) a Chancengerechtigkeit und Rücksichtnahme/ Zusätzliches Fachpersonal (6,0 %) a Förderschule Keine Ausgrenzung (9,7 %) Verständnis (8,1 %) a Gutes psychisches Wohlbefinden des Kindes (8,1 %) a ADHS Eltern ja Wissen der Lehrkräfte (9,4 %) Anderweitige Wünsche (7,9 %) Aufklärung (7,2 %) nein Wissen der Lehrkräfte (8,3 %) Verständnis (7,1 %) Personenzentrierter Umgang (6,3 %) Tab. 3: Vergleich der primären Unterstützungswünsche der Eltern nach bestimmten Gruppierungen Anmerkung: a Die Subkategorien wurden in der Gruppe gleich häufig kodiert. Was wünschen Eltern für ihre Kinder mit ADHS in der Schule? 239 ADHS-bedingte Schwierigkeiten durch das Umfeld sowie ein personenzentrierter Umgang der Lehrkräfte mit den Kindern. Die primären Unterstützungswünsche in der Gesamtstichprobe sind vor allem durch überrepräsentierte Gruppen geprägt. Dazu gehören Eltern von Kindern mit einer ADHS-Diagnose (mit oder ohne Komorbidität), die männlich sind und die Primarstufe einer Regelschule besuchen, sowie Eltern ohne eigene ADHS-Diagnose. Diese Gruppen dominierten die Stichprobe, während andere, weniger in der Stichprobe vertretene Gruppen, häufig andere Unterstützungsbedarfe nannten. In der Subgruppe der Eltern von Kindern mit ADS ohne Komorbidität war der Wunsch nach zusätzlichem Fachpersonal wichtiger als der personenzentrierte Umgang. In der Gruppe mit ADS und komorbider Störung wurden weniger Stigmatisierung und Aufklärung betont als das Wissen. Obwohl die drei am häufigsten genannten Faktoren in der Gruppe der Eltern von Jungen und Mädchen identisch waren, ergab sich bei den Mädchen eine andere Reihenfolge: Die Eltern von Mädchen mit ADHS legten den Fokus auf einen personenzentrierten Umgang, während das Wissen der Lehrkräfte an dritter Stelle stand. Für Mädchen mit ADHS kann ein aufmerksamer und einfühlsamer Umgang wichtiger sein als ADHSspezifisches Wissen der Lehrkräfte. Nichtsdestotrotz scheinen ähnliche Aspekte bei der Unterstützung von Schüler: innen wichtig zu sein. Dies geht mit Befunden einher, die keine Geschlechtsunterschiede bei der Wirksamkeit von psychosozialen Interventionen für ADHS feststellen (Rucklidge, 2008). Da die Studienlage diesbezüglich mangelhaft ist, ist weitere Forschung nötig, um sichere Aussagen treffen zu können. Bei der Unterstützung von Schüler: innen mit ADHS in der Sekundarstufe scheinen personenzentrierte Verhaltensweisen der Lehrkräfte weniger eine Rolle zu spielen als kleinere Klassen, Rücksicht auf ADHS-bedingte Schwierigkeiten und zusätzliches schulisches Fachpersonal. Keine der primären Wünsche der Eltern von Kindern auf Förderschulen beziehen sich ausschließlich auf die Ebene der Schule. Dies kann einerseits darauf hindeuten, dass Förderschulen eine ausreichende Unterstützung für Kinder mit ADHS bieten; für diese Erklärung spricht eine Studie, die mehr Wissen bezüglich ADHS und positivere Einstellungen gegenüber Kindern mit ADHS bei Förderschullehrkräften im Vergleich zu Lehrkräften aus Regelschulen feststellte (Cueli, Cañamero, Rodríguez & González-Castro, 2023). Andererseits ist es auch vorstellbar, dass Kinder auf Förderschulen im Vergleich zu Kindern auf Regelschulen mehr Beeinträchtigungen und Belastungen aufweisen und diese von ihren Eltern als unterstützungsbedürftiger wahrgenommen werden. Eltern mit eigener ADHS-Diagnose scheinen ebenfalls spezifische Unterstützungsbedarfe zu haben. Die Aussagen der Eltern mit eigener ADHS-Diagnose wurden am zweithäufigsten in die Restkategorie ‚anderweitige Wünsche‘ kodiert, die sich u. a. mit der Zukunft des Kindes nach der Schule beschäftigten. Daneben erwähnen sie die Notwendigkeit der Aufklärung der Öffentlichkeit über ADHS ebenfalls häufiger. Praktische Implikationen Die Ergebnisse dieser Studie haben einige wichtige Implikationen für Präventions- und Interventionsbemühungen zur Reduktion schulischer Beeinträchtigungen von Schüler: innen mit ADHS. Es empfiehlt sich, Aus- und Weiterbildungen für Lehrkräfte verstärkt auf das Thema ADHS auszurichten, da gezeigt wurde, dass Schulungen zum Thema ADHS zu einem Wissenszuwachs führen (Both, Schmiedeler, Abelein & Schneider, 2016). Wichtige Themen und das Rational der Schulungen werden ebenfalls durch die Daten ersichtlich. Wie Lehrkräfte ADHS-Symptome bei ihren Schüler: innen akkurater erkennen sowie mit welchen konkreten Unterrichtsstrategien sie diese unterstützen können, sollte in Aus- und Weiterbildungen für Lehrkräfte thematisiert und trainiert werden. Solche Schulungen können möglicher- 240 Anna Szép et al. weise zu einem besseren Verständnis und zu einer einfühlsameren und engagierteren Haltung der Lehrkräfte führen, was von den befragten Eltern in dieser Studie ebenfalls häufig als wichtiger Bestandteil der schulischen Unterstützung von Kindern mit ADHS genannt wird. Weiterhin weisen unsere Ergebnisse darauf hin, dass die Heterogenität von ADHS bei der Implementierung von Unterstützungsmaßnahmen zu berücksichtigen ist und der Fokus darauf, welcher Bereich besonderer Unterstützung bedarf, in Abhängigkeit von dem ADHS-Erscheinungsbild, dem Geschlecht des Kindes sowie der Schulform individuell gesetzt werden muss. Limitationen Unsere Studie weist einige Einschränkungen auf. Die erste Limitation ist der qualitativen Forschung inhärent, bei der die Möglichkeit, Schlussfolgerungen aus den Daten zu ziehen, begrenzt ist. Dementsprechend können basierend auf unseren Ergebnissen keine Schlüsse gezogen werden, ob sich die Unterstützungswünsche der Eltern von Kindern mit ADHS in Abhängigkeit von bestimmten Merkmalen statistisch unterscheiden. Obwohl wir uns bemühten, mögliche systematische Verzerrungen in unserem Datensatz durch den Vergleich der Teilnehmer: innen, die die offenen Fragen beantwortet haben, mit denjenigen, die dies nicht taten, aufzudecken, können wir nicht ausschließen, dass Eltern, die mit der schulischen Situation ihrer Kinder mit ADHS unzufrieden sind, geneigter waren, die offene Frage überhaupt zu beantworten. Weiterhin wird in der vorliegenden Studie nur die Perspektive der Eltern von Kindern mit ADHS untersucht. Zukünftige Studien sollten ebenfalls die Sicht der betroffenen Schüler: innen und Lehrkräfte bei der Untersuchung von Unterstützungswünschen in der Schule berücksichtigen. Außerdem wurde die offene Frage nicht explizit auf die Schule bezogen. Einige Eltern beantworteten die Frage nach den Unterstützungswünschen ihrer Kinder im Allgemeinen, obwohl sich generell alle Fragen der Studie auf den schulischen Kontext bezogen. Bei der Analyse der Antworten wurde darauf geachtet, dass sich die kodierten Antworten auf die Schule bezogen. Antworten, die nicht auf den schulischen Kontext Bezug nahmen, wurden in den Hauptkategorien 3 und 5 kodiert und im Fließtext nicht weiter berücksichtigt. Einige Unterstützungswünsche aus Hauptkategorie 2 konnten jedoch nicht eindeutig zugeordnet werden, da Eltern manchmal nur ein einzelnes Wort als Antwort gaben. Daher sollten die Ergebnisse aus Hauptkategorie 2 mit Vorsicht interpretiert werden. Zusätzlich wurde versucht zu differenzieren, ob Schüler: innen mit bestimmten Komorbiditäten andere Unterstützungsbedarfe aufweisen als Betroffene ohne Komorbiditäten. Allerdings wurde die Art der komorbiden Störung nicht spezifisch berücksichtigt. Es ist beispielsweise anzunehmen, dass ein Kind mit ADHS, das zusätzlich eine oppositionelle Störung des Sozialverhaltens hat, andere Unterstützungsbedarfe aufweist als eines mit einer Autismus-Spektrum-Störung. Um diese Unterschiede genauer zu verstehen, bedarf es weiterführender Untersuchungen. Diese sollten die spezifischen Auswirkungen verschiedener Komorbiditäten auf die Unterstützungsbedarfe von Schüler: innen mit ADHS untersuchen. Konklusion Die vorliegende Studie liefert erste wichtige Hinweise darüber, welche Unterstützung Schüler: innen mit ADHS in den Schulen im deutschen Sprachraum aus Sicht der Eltern benötigen, um ihren Schulalltag besser meistern zu können. Auf diese Befunde können sich künftige quantitative Studien oder schulische Interventionsmaßnahmen stützen. Ein weiterer wichtiger Beitrag dieser Studie liegt in der Untersuchung der schulischen Unterstützungswünsche der Eltern von Kindern mit ADHS nach unterschiedlichen Gruppen, wodurch ein differenzierteres Bild von den Bedürfnissen der Eltern von Schüler: innen mit ADHS im schulischen Kontext gewonnen werden konnte. Was wünschen Eltern für ihre Kinder mit ADHS in der Schule? 241 Förderung Diese Forschung war Teil des Projekts „ADHS im Klassenzimmer“, das Teil des GRK 2271 ist und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, Projektnummer 290878970-GRK 2271, Projekt 1. Danksagung Einen herzlichen Dank an Janina Petri, eine Masterstudierende aus der Philipps-Universität Marburg, für ihre Unterstützung bei der Erstellung des Kategoriesystems für diesen Artikel. Literatur American Psychiatric Association. (2013). Diagnostic and statistical manual of mental disorders (5th ed.). https: / / doi. org/ 10.1176/ appi.books.9780890425596 Arnold, L. E., Hodgkins, P., Kahle, J., Madhoo, M. & Kewley, G. (2020). Long-term outcomes of ADHD: academic achievement and performance. Journal of attention disorders, 24 (1), 73 - 85. https: / / doi.org/ 10.1177/ 10870 54714566076 Brett, J., Staniszewska, S., Mockford, C., Herron-Marx, S., Hughes, J., Tysall, C., … Suleman, R. (2014). 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Dabei richtet sich der Fokus auf Interventionsmöglichkeiten in der Schule und auf die Unterstützung der Betroffenen im Alltag. Die ideale Seminarlektüre, mit der sich Studierende in Psychologie, Pädagogik und Lehramt effizient auf ihre Prüfung vorbereiten können. Grundwissen ADHS fürs Studium 3., aktualisierte Auflage 2023. 193 Seiten. utb-M (978-3-8252-5999-0) kt a www.reinhardt-verlag.de