eJournals Psychologie in Erziehung und Unterricht72/2

Psychologie in Erziehung und Unterricht
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0342-183X
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/peu2025.art09d
3_072_2025_2/3_072_2025_2.pdf41
2025
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Empirische Arbeit: Medienkonsum und deutscher Wortschatz bei Kindergartenkindern mit Migrationshintergrund: Der Einfluss der Mediensprache, Nutzungsdauer und der familiären Sprachumgebung

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2025
Johanna Landvogt
Jan Lenhart
Kinder mit Migrationshintergrund besitzen häufig geringere deutsche Sprachfertigkeiten als Kinder ohne Migrationshintergrund. Für den Zweitspracherwerb ist der Input in der Landessprache eine wichtige Determinante. Dieser ist bei Kindern mit Migrationshintergrund im familiären Umfeld jedoch teilweise nur bedingt gegeben. Die vorliegende Studie untersucht daher, ob bei Kindern mit Migrationshintergrund der Konsum von deutschsprachigem Fernsehen und Audiomedien förderlich für den deutschen Wortschatz ist. Hierfür wurden die Dauer und Sprache des Medienkonsums, die familiäre Sprachumgebung und der deutsche Wortschatz von 637 Kindergartenkindern mit und ohne Migrationshintergrund erfasst. Bei Berücksichtigung der familiären Sprachumgebung ergab sich für Kinder mit Migrationshintergrund ein positiver Zusammenhang der Dauer des Audiomedienkonsums mit dem deutschen Wortschatz. Dieser war bei Kindern mit beidseitigem Migrationshintergrund stärker, je mehr auf Deutsch konsumiert wurde. Die familiäre Sprachumgebung war hingegen kein Moderator. Für das Fernsehen zeigten sich keine entsprechenden Zusammenhänge.
3_072_2025_2_0004
n Empirische Arbeit Dieser Beitrag steht open access online unter https: / / dx.doi.org/ 10.2378/ peu2025.art09d Audiomedien (z.B. Hörspiele oder Musik) werden als förderlich für die kindliche Sprachentwicklung angesehen (vgl. Ritterfeld & Niebuhr-Siebert, 2020; Sallat, 2020). Im Gegensatz hierzu gelten audiovisuelle Medien, insbesondere das Fernsehen, als wenig förderlich, ja sogar schädlich, für die kindliche Entwicklung und nationale sowie internationale Fachkommissionen empfehlen eine strikte Beschränkung der täglichen Bildschirmzeit für junge Kinder (z. B. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2011; Canadian Paediatric Society, 2017; World Medienkonsum und deutscher Wortschatz bei Kindergartenkindern mit Migrationshintergrund: Der Einfluss der Mediensprache, Nutzungsdauer und der familiären Sprachumgebung Johanna Landvogt, Jan Lenhart Otto-Friedrich-Universität Bamberg Zusammenfassung: Kinder mit Migrationshintergrund besitzen häufig geringere deutsche Sprachfertigkeiten als Kinder ohne Migrationshintergrund. Für den Zweitspracherwerb ist der Input in der Landessprache eine wichtige Determinante. Dieser ist bei Kindern mit Migrationshintergrund im familiären Umfeld jedoch teilweise nur bedingt gegeben. Die vorliegende Studie untersucht daher, ob bei Kindern mit Migrationshintergrund der Konsum von deutschsprachigem Fernsehen und Audiomedien förderlich für den deutschen Wortschatz ist. Hierfür wurden die Dauer und Sprache des Medienkonsums, die familiäre Sprachumgebung und der deutsche Wortschatz von 637 Kindergartenkindern mit und ohne Migrationshintergrund erfasst. Bei Berücksichtigung der familiären Sprachumgebung ergab sich für Kinder mit Migrationshintergrund ein positiver Zusammenhang der Dauer des Audiomedienkonsums mit dem deutschen Wortschatz. Dieser war bei Kindern mit beidseitigem Migrationshintergrund stärker, je mehr auf Deutsch konsumiert wurde. Die familiäre Sprachumgebung war hingegen kein Moderator. Für das Fernsehen zeigten sich keine entsprechenden Zusammenhänge. Schlüsselbegriffe: Fernsehen, Audiomedien, Migrationshintergrund, Wortschatz, Kindergartenkinder Media consumption and German vocabulary in kindergarten children with a migration background: The influence of media language, duration of use and the home language environment Summary: Children with a migration background often exhibit lower proficiency in the German language compared to their peers without a migration background. Language exposure is a crucial factor in second language acquisition. However, this exposure is sometimes limited in the family of these children. This study investigated whether consuming German-language television and audio media benefits children’s German vocabulary. To do so, the study assessed the duration and language of media consumption, family language, and German vocabulary of 637 preschool children with and without a migration background. When considering the family's language environment, children with a migration background showed a positive association between their German vocabulary and the duration of audio media consumption. This association was stronger for children with a twosided migration background, the more they consumed in German. In contrast, the family language environment did not moderate the results and no correlations were found for television. Keywords: Television, audio media, migration background, vocabulary, preschool children Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2025, 72, 102 -117 DOI 10.2378/ peu2025.art09d © Ernst Reinhardt Verlag Medienkonsum und deutscher Wortschatz bei Kindergartenkindern mit Migrationshintergrund 103 Health Organization, 2019). Diese Empfehlungen beruhen auf empirischen Befunden, die negative Zusammenhänge zwischen Fernsehkonsum und der kognitiven, sozial-emotionalen und sprachlichen Entwicklung von jungen Kindern aufzeigen (zusammenfassend: Kostyrka- Allchorne, Cooper & Simpson, 2017; Madigan, McArthur, Anhorn, Eirich & Christakis, 2020). Allerdings gibt es auch Hinweise, dass Fernsehen unter bestimmten Bedingungen zur Förderung von sprachlichen Kompetenzen, insbesondere des Wortschatzes, beitragen kann. Dies gilt einerseits für qualitativ hochwertiges Fernsehen (definiert u. a. durch edukative Inhalte und aktives Co-Viewing mit den Eltern) (Diergarten & Nieding, 2012; Madigan et al., 2020). Andererseits sind aus theoretischer Perspektive prinzipiell förderliche Effekte von Sprachinput durch Medien für die Sprachentwicklung von Kindern, die in einer wenig anregenden sprachlichen Umwelt aufwachsen, denkbar (z. B. Mainstreaming- Hypothese; Fetler, 1984). In einer Zuwanderungsgesellschaft betrifft dies in zunehmendem Umfang auch Kinder mit Migrationshintergrund, bei denen ein Teil vonseiten der Eltern wenig bis gar keinen Input in der Landessprache erhält (vgl. z. B. Schnoor, 2022). In der vorliegenden Studie wird daher untersucht, ob unterschiedliche Arten des eher passiven Medienkonsums (audiovisuelle Medien und Audiomedien), die keine Anforderungen an die Sprachkompetenzen der Eltern stellen, bei Kindern mit Migrationshintergrund einen förderlichen Effekt auf den deutschen Wortschatz haben. Der landessprachliche Wortschatz eines Kindes ist nicht nur eine zentrale Komponente der Sprache und ein wichtiger Prädiktor für spätere schulische Leistungen (Sénéchal, Ouellette & Rodney, 2006), sondern auch stark vom umgebungsbedingten Sprachinput abhängig (Hammer et al., 2014). Zudem wird in der vorliegenden Studie untersucht, ob mögliche förderliche Effekte des deutschsprachigen Medienkonsums bei Kindern mit Migrationshintergrund von der Dauer der Mediennutzung sowie von der familiären Sprachumgebung abhängen. Migrationshintergrund und Sprachkompetenz bei Kindergartenkindern Der Begriff Migrationshintergrund wird in Literatur und Forschung nicht einheitlich verwendet (vgl. Dubowy et al., 2011; Kemper, 2010). Häufig, wie zum Beispiel bei PISA, wird das Geburtsland von Mutter und Vater als zentral für die Definition angesehen (OECD, 2023). Es existieren zudem alternative Begriffe und Konzepte, die eine Überlappung zum Begriff Migrationshintergrund aufweisen. Ein Beispiel ist das Konzept Mensch mit Einwanderungsgeschichte, welches nur Menschen berücksichtigt, die selbst oder deren beide Eltern seit 1950 eingewandert sind (Fachkommission Integrationsfähigkeit, 2021). Empirisch zeigt sich über verschiedene Studien und unter Verwendung unterschiedlicher Klassifikationen von Migrationshintergrund hinweg, dass ein Migrationshintergrund in Deutschland negativ mit den sprachlichen Fähigkeiten (u. a. Wortschatz) von Kindern in der deutschen Sprache assoziiert ist (Caspar & Leyendecker, 2011; Dubowy et al., 2011; Dubowy, Ebert, von Maurice & Weinert, 2008; Eisenwort, Aslan, Yesilyurt, Till & Klier, 2018; McElvany et al., 2023; Niklas, Schmiedeler, Pröstler & Schneider, 2011). Zudem konnten Dubowy und Kollegen (2011) zeigen, dass bei Kindern mit ausschließlich nicht-deutschem Hintergrund (operationalisiert über unterschiedliche Aspekte wie das Geburtsland der Eltern oder die Familiensprache) die geringsten deutschen Sprachkompetenzen (u. a. Wortschatz) zu beobachten waren. Kinder mit „gemischtem Hintergrund“, eine Bezeichnung bei Dubowy et al. (2011) für Kinder, die weder einen ausschließlich deutschen noch einen ausschließlich nicht-deutschen Hintergrund hatten, ordneten sich hingegen sprachlich zwischen Kindern der beiden anderen Gruppen ein. Aus diesem Grund wird auch in der vorliegenden Arbeit die Differenzierung zwischen einseitigem (ein Elternteil im Ausland geboren) und beidseitigem Migrationshintergrund (beide Eltern im Ausland geboren) berücksichtigt. Es sind 104 Johanna Landvogt, Jan Lenhart darüber hinaus auch deutliche interindividuelle Unterschiede im Erwerb der Zweitsprache innerhalb der Gruppe von Kindern mit Migrationshintergrund zu beobachten (De Houwer, 2011). Medienkonsum als sprachlicher Input für Kinder mit Migrationshintergrund Es werden unterschiedliche Faktoren als mögliche Einflussfaktoren auf den Zweitspracherwerb diskutiert. So kann zwischen internen Faktoren (z. B. individuelle kognitive Fähigkeiten oder phonologische Bewusstheit) und externen Faktoren (z. B. Häufigkeit und Vielfalt der Sprachexposition) unterschieden werden (Paradis, 2023). Ein wichtiger externer Faktor, der interindividuelle Unterschiede teilweise erklären kann, ist der Input in der jeweiligen Sprache. Je mehr Kinder mit einer Sprache in Berührung kommen, desto besser sind üblicherweise ihre sprachlichen Fähigkeiten in dieser Sprache (De Houwer, 2011, 2018; Hammer et al., 2014; Paradis & Grüter, 2014). Dabei scheint die Dauer des Sprachinputs insbesondere für den Wortschatz in der Zweitsprache prädiktiv zu sein (Vaahtoranta, Suggate, Lenhart & Lenhard, 2021). Neben Kontakten im sozialen Umfeld und damit einer in der Regel aktiven Förderung der Sprachkompetenzen kommt in unserer modernen Gesellschaft Medien beim Sprachinput eine eher passive, aber nicht zu unterschätzende Rolle zu. Kinder mit Migrationshintergrund sehen im Vergleich zu Kindern ohne Migrationshintergrund länger fern (Caspar & Leyendecker, 2011; Leyendecker, Citlak, Schräpler & Schölmerich, 2014; Valcárcel Jiménez, Wirth, Birtwistle & Niklas, 2023) und tun dies häufig in deutscher Sprache (Caspar & Leyendecker, 2011). Insbesondere für Kinder, deren Eltern kein oder nur wenig Deutsch sprechen, scheint somit deutschsprachiges Fernsehen eine gut verfügbare Quelle von Input für die zu lernende Sprache zu sein. Gleiches gilt bezüglich der Verfügbarkeit deutschsprachiger Audiomedien, auch wenn diese in Deutschland häufiger von Kindern ohne Migrationshintergrund genutzt werden und es bei Kindern mit Migrationshintergrund Nutzungsunterschiede hinsichtlich der Häufigkeit und der Sprache innerhalb dieser Kategorie gibt. Während beispielsweise Radio und Hörspiele vor allem auf Deutsch konsumiert werden, wird Musik etwas häufiger in der Familiensprache angehört (Ritterfeld, Pahnke & Lüke, 2012). Audiovisuelle Medien und sprachliche Kompetenzen bei Kindern mit Migrationshintergrund Obwohl audiovisuelle Medien (es wurde bisher vor allem das Fernsehen untersucht) in der überwiegenden Mehrheit von Studien negativ mit sprachlichen Kompetenzen assoziiert sind (vgl. Kostyrka-Allchorne et al., 2017; Madigan et al., 2020), könnte dies für die Gruppe von Kindern mit Migrationshintergrund und wenig deutschem Input durch die Eltern umgekehrt sein. Eine verwandte Idee findet sich in der Literatur für den Effekt von Fernsehen bei geringem sozioökonomischem Status. Die sogenannte Mainstreaming-Hypothese besagt, dass Fernsehkonsum zu einer Nivellierung der Unterschiede zwischen sozialen Schichten beitragen kann, indem er fehlenden Input bei wenig anregender Umgebung (niedrigem sozioökonomischem Status) zumindest teilweise kompensiert und bei anregenden Umgebungen (hohem soziökonomischem Status) förderlichen Input in negativer Weise ersetzt (Fetler, 1984). Im Sinne der Hypothese konnte ein positiver Zusammenhang von Fernsehdauer bei Kindern mit einem niedrigen sozioökonomischen Status mit deren Wortschatz gezeigt werden, während bei Kindern mit höherem sozioökonomischen Status ein negativer Zusammenhang bestand (Farangi & Mehrpour, 2022). Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass die Befundlage für negative Auswirkungen bei hohem sozioökonomischen Status konsistenter ist als für positive Auswirkungen bei niedrigem sozioökomischen Status (vgl. z. B. Ennemoser, Schiffer, Reinsch & Schneider, 2003). Medienkonsum und deutscher Wortschatz bei Kindergartenkindern mit Migrationshintergrund 105 Bisherige Befunde zum Zusammenhang von Fernsehkonsum und sprachlichen Kompetenzen bei Kindern mit Migrationshintergrund zeichnen kein eindeutiges Bild. Während die Mehrzahl der Studien keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Fernsehdauer und dem Wortschatz in den jeweiligen Sprachen bei bilingual aufwachsenden Kindern fanden (Sprache des Fernsehkonsums nicht berücksichtigt: Hudon, Fennell & Hoftyzer, 2013; Sprache des Fernsehkonsums berücksichtigt: Patterson, 2002; Scheele, Leseman & Mayo, 2010), war die Fernsehdauer (Sprache nicht berücksichtigt) bei Caspar und Leyendecker (2011) sowohl bei deutschen als auch bei türkischen Kindergartenkindern negativ mit der deutschen Sprachkompetenz assoziiert. Eine weitere Studie, die allerdings die absolute Dauer des Fernsehkonsums nicht berücksichtigte, wurde in Singapur mit Kindergartenkindern mit chinesischem, malaysischem und indischem Sprachhintergrund durchgeführt (Dixon, 2011). Unter Berücksichtigung anderer Variablen (Bildungsgrad der Mutter, Familieneinkommen, Sprache der primären Bezugsperson, Wortschatz in der Muttersprache) war ein höherer relativer Anteil englischsprachigen Fernsehens für den rezeptiven englischen Wortschatz der Kinder prädiktiv. Weitere positive Befunde ergeben sich für die Aneignung fremdsprachigen Wortschatzes durch audiovisuelle Formate aus Experimentalstudien (Kirch & Speck-Hamdan, 2007; Uchikoshi, 2006; Silverman et al., 2019; Verhallen & Bus, 2010). In einer Studie (Kirch & Speck- Hamdan, 2007) wurden beispielsweise vier verschiedene edukative Fernsehsendungen (u. a. Die Sendung mit dem Elefanten), die englischen Wortschatz und Hörverstehen bei deutschsprachigen Kindergartenkindern fördern sollen, miteinander verglichen. Alle vier gewählten Sendungen konnten den englischen Wortschatz der Kinder vergrößern. In einer anderen Studie mit spanischsprachigen Kindern (Uchikoshi, 2006) wurde gezeigt, dass sich das Anschauen englischer Fernsehsendungen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe förderlich auf den rezeptiven und produktiven Englischwortschatz auswirkte. Allerdings wurden die audiovisuellen Inhalte in diesen Studien gezielt für das Zweitsprachlernen konzipiert, sodass sie kaum mit regulären Fernsehinhalten vergleichbar sein dürften und somit eine Übertragbarkeit der Befunde auf alltäglichen Konsum audiovisueller Medien (z. B. Fernsehen) fraglich ist. Audiomedien und sprachliche Kompetenzen bei Kindern mit Migrationshintergrund Im Gegensatz zu audiovisuellen Medien werden Audiomedien hinsichtlich ihres Potenzials für förderliche Effekte auf die Sprachentwicklung deutlich positiver eingeschätzt (vgl. Ritterfeld & Niebuhr-Siebert, 2020). Beispielsweise konnten mithilfe von deutschsprachigen Hörspielen die deutschen Sprachkompetenzen von Grundschulkindern mit Migrationshintergrund gefördert werden (Ritterfeld & Lüke, 2021). In einer weiteren Untersuchung konnte zudem gezeigt werden, dass das Hören von Liedern in einer Zweitsprache den rezeptiven Wortschatz in der Zweitsprache erhöhte (Coyle & Gómez Gracia, 2014). Die vorliegende Studie In der vorliegenden Untersuchung sollen audiovisuelle Medien und Audiomedien als Quellen für den Input in der Zweitsprache (Deutsch) bei Kinder mit Migrationshintergrund untersucht werden, da die Nutzung dieser Medien keine deutschen Sprachkompetenzen der Eltern voraussetzt. Während Input per se zum Erwerb einer Sprache notwendig ist (De Houwer, 2011, 2018; Hammer et al., 2014), ist unklar, ob die eher passive alltägliche Nutzung von audiovisuellen Medien und Audiomedien den Erwerb der deutschen Sprache bei Kindern mit Migrationshintergrund unterstützen kann. Während experimentelle Studien zu Hörspielen positive Effekte von Audiomedien nahelegen (z. B. Ritterfeld & Lüke, 2021), fehlen naturalistische Studien zum Zusammenhang zwischen Audiomediennutzung und dem deutschen Wortschatz bei Kindern mit Migrationshintergrund. Die 106 Johanna Landvogt, Jan Lenhart Befundlage zum Einfluss audiovisueller Medien (vor allem des Fernsehens) auf den Wortschatzerwerb von Kindergartenkindern mit Migrationshintergrund ist umfangreicher. Gleichzeitig sind die Befunde höchst gemischt. Während Experimentalstudien prinzipiell positive Effekte erwarten lassen (z. B. Uchikoshi, 2006), deuten korrelative Studien in der Mehrheit eher auf keine Zusammenhänge zwischen Konsumdauer und Wortschatz bei bilingual aufwachsenden Kindern hin (z. B. Hudon et al., 2013). Berücksichtigt man die Sprache des Medienkonsums, gibt es hingegen teilweise Hinweise für einen positiven Effekt des Fernsehens in der Zweitsprache auf die Zweitsprache (z. B. Dixon, 2011). In Anlehnung an die zuvor dargestellten Befunde und theoretischen Überlegungen zur Bedeutung des Sprachinputs (z. B. De Houwer, 2011), ist davon auszugehen, dass die förderlichen Effekte von audiovisuellen Medien und Audiomedien auf den deutschen Wortschatz bei Kindern mit Migrationshintergrund dann auftreten, wenn sie vor allem auf Deutsch und mit langer Dauer konsumiert werden. Darüber hinaus ist bislang unklar, inwiefern potenziell förderliche Effekte audiovisueller Medien und von Audiomedien von der familiären Sprachumgebung abhängen. Entsprechend der Input-Hypothese (De Houwer, 2011) sowie der Mainstreaming-Hypothese (Fetler, 1984) wird angenommen, dass ein förderlicher Effekt von längerer Mediennutzung in deutscher Sprache vor allem bei Kindern mit Migrationshintergrund auftreten sollte, bei denen zu Hause wenig oder gar nicht Deutsch gesprochen wird, da der Input durch Medien den fehlenden sprachlichen Input durch das häusliche Umfeld zumindest teilweise kompensieren könnte. Dies könnte insbesondere für Kinder mit beidseitigem Migrationshintergrund relevant sein, da hier in Anbetracht der deutlich schlechteren deutschen Sprachkompetenzen (z.B. Dubowy et al., 2011) von einem geringeren und vermutlich qualitativ schlechterem deutschen Sprachinput ausgegangen werden kann als bei Kindern mit einseitigem Migrationshintergrund. Somit ergeben sich folgende Fragestellungen: Fragestellung 1: Ist der deutsche Wortschatz von Kindern mit einseitigem/ beidseitigem Migrationshintergrund mit der Sprache und Dauer des Medienkonsums assoziiert? Fragestellung 2: Hängt der Zusammenhang zwischen deutschem Wortschatz und der Dauer des Medienkonsums von der Sprache des Medienkonsums ab? Fragestellung 3: Hängt der Zusammenhang zwischen deutschem Wortschatz und Dauer des Medienkonsums in deutscher Sprache bei Kindern mit einseitigem/ beidseitigem Migrationshintergrund von der häuslichen sprachlichen Umgebung der Kinder ab? Methode Stichprobe Die Stichprobe setzte sich aus Daten von fünf voneinander unabhängigen, bereits publizierten Interventionsstudien zusammen, in denen zusätzlich im Rahmen eines Elternfragebogens der Medienkonsum, die Sprache des Medienkonsums und die familiäre Sprachumgebung miterfasst worden waren (Lenhart, Lenhard, Vaahtoranta & Suggate, 2018, 2019, 2020; Lenhart, Suggate, Lenhard & Vaahtoranta, 2020; Suggate, Lenhart, Vaahtoranta & Lenhard, 2021). Die Daten wurden zwischen 2015 und 2017 erhoben, wobei nur Daten aus den Elternfragebögen sowie den jeweiligen Prätests verwendet wurden, sodass die Zuordnung zu den Interventionsbedingungen nicht berücksichtigt werden musste. Insgesamt bestand die gepoolte Gesamtstichprobe aus 637 Kindergartenkindern, davon 307 männlich und 317 weiblich (13 ohne Angabe des Geschlechts). Das durchschnittliche Alter der Kinder lag bei 62.12 Monaten (SD = 9.60), wobei die Altersspanne zwischen 32 Monaten und 85 Monaten lag. Jeweils 56 % der Mütter und 57 % der Väter in dieser Stichprobe gaben an, mindestens die Hochschulreife erlangt zu haben, was etwa 10 % über dem Durchschnitt der deutschen Bevölkerung in diesem Zeitraum lag (Referenzgruppe 35bis 40-Jährige, Statistisches Bundesamt, 2018). In der vorliegenden Studie wurde der Migrationshintergrund über das Geburtsland der Eltern definiert und die Kinder für die Analysen in drei Gruppen eingeteilt. Kein Migrationshintergrund lag vor, wenn beide Elternteile in Deutschland ge- Medienkonsum und deutscher Wortschatz bei Kindergartenkindern mit Migrationshintergrund 107 boren waren, einseitiger Migrationshintergrund, wenn ein Elternteil in einem anderen Land geboren war, und beidseitiger Migrationshintergrund, wenn beide Elternteile in einem anderen Land als Deutschland geboren waren. Etwas mehr als die Hälfte der Kinder (n = 366) hatte keinen Migrationshintergrund, 106 hatten einen einseitigen Migrationshintergrund und 145 einen beidseitigen Migrationshintergrund. Bei 20 Kindern fehlten Angaben zu einer eindeutigen Einordnung. Damit lag die Stichprobe etwas über dem Durchschnitt der Bevölkerung, so hatten 2021 laut Mikrozensus 31 % der Kita-Kinder ab 3 bis Schuleintritt mindestens ein Elternteil, das ausländischer Herkunft ist (Autor: innengruppe Bildungsberichterstattung, 2022). Als Geburtsland der Kinder gaben 92 % Deutschland und 7 % ein anderes Land an. Eine detaillierte Übersicht demografischer Daten für die drei Teilstichproben ist Tabelle 1 zu entnehmen. Variablen Demografische Variablen Von den Eltern wurden mehrere demografische Variablen des Kindes (Geschlecht, Geburtsdatum, Geburtsland, Kindergartenbesuch, Anzahl der Geschwister) sowie der Eltern (Geburtsland, Aufenthaltsdauer in Deutschland bei Geburt außerhalb von Deutschland, höchster Bildungsabschluss) erfragt. Der höchste Bildungsabschluss der Eltern wurde entsprechend dem deutschen Schulsystem erhoben (1 = kein Schulabschluss, 2 =Hauptschulabschluss, 3 =Mittlere Reife/ Berufsschulabschluss, 4 = Hochschulreife, 5 = Hochschulabschluss). Beim Kindergartenbesuch wurde sowohl der Zeitraum (in Monaten) als auch die derzeitige tägliche Dauer (in Stunden) erhoben. Dauer und Sprache des Medienkonsums der Kinder Der tägliche Medienkonsum der Kinder wurde für drei Medientypen (Fernsehen, Audiomedien und Computer) getrennt per Elternfragebogen erhoben, wobei nur die Medientypen Fernsehen und Audiomedien für die vorliegende Studie relevant sind. Die Angaben wurden auf einer 5-stufigen Skala (1 = nie, 2 = bis 30 Minuten, 3 = 30 Minuten bis eine Stunde, 4 = 1 bis 2 Stunden, 5 = mehr als 2 Stunden) gemacht. Die Sprache des Medienkonsums pro Medientyp wurde anhand einer 5-stufigen Skala (1 = immer Deutsch bis 5 = immer in einer anderen Sprache) erfragt. Familiäre Sprachnutzung Im Elternfragebogen wurde erfragt, ob Deutsch die einzige Sprache ist, die zu Hause gesprochen wird. Zudem wurde bei zusätzlichem Gebrauch einer anderen Sprache differenzierter nach der Sprache der Kommunikation der Eltern untereinander, der Mutter zum Kind, des Vaters zum Kind, des Kindes gegenüber der Mutter und gegenüber dem Vater gefragt. Geantwortet wurde für jeden Aspekt auf einer 5-stufigen Skala (1 = nur Deutsch bis 5 = nur andere Sprache). Zur Bestimmung der familiären Sprachumgebung, die die Kinder als Input erleben, wurde ein Durchschnittswert aus der Sprache der Eltern untereinander sowie der Sprachverwendung von Mutter und Vater gegenüber dem Kind berechnet. Wurden nicht alle drei Variablen beantwortet, wurde der Mittelwert aus den vorhandenen Variablen gebildet, um Informationsverlust zu vermeiden. Deutscher Wortschatz Der deutsche rezeptive Wortschatz wurde mithilfe der deutschen Adaptation des Peabody Picture Vocabulary Test 4 (PPVT-IV) (Lenhard, Lenhard, Segerer & Suggate, 2015) erfasst. Der PPVT-IV ist ein standardisiertes, adaptives und normiertes Testverfahren und umfasst 228 Items. Es kommen altersabhängige Einstiegspunkte und feste Abbruchkriterien zum Einsatz, die eine ökonomische Erfassung des rezeptiven Wortschatzes ermöglichen. Die Split-Half Reliabilität beträgt laut Manual .97, womit es sich um ein sehr reliables Messinstrument handelt. Die altersabhängigen Normen liegen als T-Werte vor (M = 50, SD = 10). Datenaufbereitung und Datenanalyse Die statistische Datenaufbereitung und Datenanalyse erfolgte mit SPSS 29. Der p-Wert wurde auf .05 gesetzt. Es wurde durchgängig das zweiseitige Signifikanzniveau berichtet. Die Variablen wurden im Vorfeld der Analysen hinsichtlich ihrer Verteilung geprüft. Für die Konsumdauer von Audiomedien und Fernsehen zeigten sich deutlich rechtsschiefe Verteilungen, weshalb eine Quadratwurzel-Datentransformation durchgeführt wurde. Personen mit fehlender Angabe zum Migrationshintergrund wurden ausgeschlossen (n = 20). Aufgrund der substanziellen Anzahl fehlender Werte 108 Johanna Landvogt, Jan Lenhart auf den zentralen Variablen Nutzungsdauer Fernsehen (n = 51), Nutzungsdauer Audiomedien (n = 61), PPVT (Normwert) (n = 19) sowie bei Kindern mit ein- und beidseitigem Migrationshintergrund Sprachumgebung (n = 6) und Sprache der Mediennutzung (Fernsehen n = 24 und Audiomedien n = 46) sowie der Variablen Alter (n = 17), Kindergartenbesuch Monate (n = 33), Kindergartenbesuch täglich (n = 9), Bildungsgrad der Mutter (n = 4) und des Vaters (n = 16), die in den Regressionsmodellen als Kontrollvariablen verwendet wurden, wurden die fehlenden Daten in SPSS imputiert. Da das SPSS Process Macro (Version 4.2; Model 3) (Hayes, 2022) für die Berechnung der Regressionsmodelle verwendet wurde, wurden die fehlenden Werte durch Expectation-Maximization (EM) geschätzt (unter Einbezug der oben genannten Variablen sowie mit Geschlecht als zusätzlichem Prädiktor). Im Rahmen vorausgehender Analysen wurden zur Untersuchung von Gruppenunterschieden hinsichtlich familiärer Sprachumgebung, Wortschatz und Mediennutzung Zweistichproben-t-Tests oder analoge non-parametrische Verfahren berechnet. Zur Untersuchung des Zusammenhangs der Sprache und Dauer des Medienkonsums mit dem deutschen Wortschatz innerhalb der Gruppen der Kinder mit einseitigem und beidseitigem Migrationshintergrund (Fragestellung 1) wurden bivariate Produkt- Moment-Korrelationen berechnet. Zur Untersuchung der Abhängigkeit der Medieneffekte von der Interaktion aus Dauer und Sprache des Medienkonsums (Fragestellung 2) sowie von der familiären Sprachumgebung (Fragestellung 3) wurden für die Gruppen der Kinder mit einseitigem und beidseitigem Migrationshintergrund getrennt Regressionsmodelle berechnet, in die alle Haupteffekte, alle Zweifach- Interaktionen sowie die Dreifach-Interaktion zwischen den Variablen Sprache und Dauer des Medienkonsums und familiäre Sprachumgebung zur Vorhersage des deutschen Wortschatzes (als Normwert) gleichzeitig aufgenommen wurden. Das Alter der Kinder (in Monaten), der höchste Bildungsabschluss von Vater und Mutter sowie die Kindergartenbesuchsdauer (in Monaten) und die tägliche Kindergartenbesuchsdauer (in Stunden) wurden in Anlehnung an das Vorgehen in früherer Forschung (z. B. Dixon, 2011) als Kontrollvariablen in die Regressionsmodelle aufgenommen. Für die Berechnung der Regressionsmodelle wurde das SPSS Process Macro (Version 4.2; Model 3) (Hayes, 2022) verwendet, wobei alle drei Prädiktorvariablen zentriert wurden, um non-essenzielle Kollinearität zu vermeiden. Es wurden robuste Standardfehler (HC3) berechnet, um Verletzungen der Homogenitätsannahme entgegenzuwirken. Gründe für die Berechnung getrennter Modelle für die Gruppen der Kinder mit einseitigem und beidseitigem Migrationshintergrund waren zum einen der Fokus auf Unterschiede innerhalb der Gruppen der Kinder mit einseitigem und beidseitigem Migrationshintergrund, zum anderen die leichtere Verständlichkeit und Interpretierbarkeit der Ergebnisse. In allen Analysen wurde der Normwert des deutschen Wortschatzes (T-Wert) anstelle des Rohwertes verwendet, um Alterseffekte zu kontrollieren. Ergebnisse Vorausgehende Analysen: Familiäre Sprachumgebung und Sprachkompetenzen in Abhängigkeit des Migrationshintergrunds In der vorliegenden Stichprobe war ein Großteil der Kinder in Deutschland geboren (siehe Tabelle 1). Während dies auf alle Kinder ohne Migrationshintergrund und fast alle Kinder mit einseitigem Migrationshintergrund zutraf, war der Anteil bei Kindern mit beidseitigem Migrationshintergrund etwas niedriger (Z = -4.59, p < .001, r = -.29). Erwartungsgemäß wurde in Familien ohne Migrationshintergrund in der Regel nur Deutsch gesprochen. Ein Unterschied bestand jedoch auch zwischen Kindern mit einseitigem und beidseitigem Migrationshintergrund hinsichtlich der familiären Sprachumgebung. Während bei Kindern mit einseitigem Migrationshintergrund in der Regel Deutsch oder vor allem Deutsch gesprochen wurde (M = 1.80), wurde bei Kindern mit beidseitigem Migrationshintergrund im Schnitt etwas häufiger in einer anderen Sprache als in Deutsch kommuniziert (M = 3.46; t (244.74) = -13.14, p < .001, d = -1.63). Wie erwartet, hatten Kinder ohne Migrationshintergrund einen signifikant größeren rezeptiven deutschen Wortschatz (M = 52.96, Normwert des PPVT-IV) als Kinder mit ein- Medienkonsum und deutscher Wortschatz bei Kindergartenkindern mit Migrationshintergrund 109 Kein Migrationshintergrund (n = 366) Einseitiger Migrationshintergrund (n = 106) Beidseitiger Migrationshintergrund (n = 145) Miss a Originale Daten Imputierte Daten Miss a Originale Daten Imputierte Daten Miss a Originale Daten Imputierte Daten M SD M SD M SD M SD M SD M SD Geburtsland Kind (DE) 3 99 % - - - 0 96 % - - - 0 75 % - - - Geburtsland Mutter (DE) 0 100 % - - - 0 44 % - - - 0 0 % - - - Geburtsland Vater (DE) 0 100 % - - - 0 56 % - - - 0 0 % - - - Sprache zu Hause (nur DE) 0 97 % - - - 0 43 % - - - 1 4 % - - - Geschlecht (weiblich) 7 46 % - - - 1 51 % - - - 4 60 % - - - Alter (Monate) 9 61.52 9.63 61.45 9.57 1 60.31 8.92 60.32 8.88 7 64.59 9.38 64.66 9.26 Anzahl Geschwister 6 1.09 0.81 - - 1 1.03 0.88 - - 0 1.23 1.06 - - Kindergarten Zeitraum (Monate) 22 31.96 12.89 31.91 12.66 6 27.24 10.67 27.71 10.47 5 28.86 13.47 26.94 13.33 Kindergarten pro Tag (Stunden) 6 6.50 1.14 6.50 1.13 2 6.68 1.00 6.68 0.99 1 7.21 1.06 7.21 1.05 Bildung Mutter b 2 3.95 1.11 3.96 1.11 0 3.74 1.20 - - 2 3.44 1.32 3.44 1.31 Bildung Vater b 7 3.99 1.14 3.97 1.14 1 3.82 1.22 3.81 1.21 8 3.39 1.23 3.37 1.20 Aufenthalt DE Mutter (Jahre) - - - - - 47 18.94 8.82 - - 8 12.02 8.33 - - Aufenthalt DE Vater (Jahre) - - - - - 62 19.69 11.78 - - 13 14.98 9.36 - - Sprachumgebung c - - - - - 4 1.81 0.92 1.80 0.90 2 3.46 1.09 3.46 1.09 PPVT Rohwert d 9 109.18 26.94 - - 1 99.06 24.63 - - 6 82.87 27.81 - - PPVT Normwerte 11 53.00 8.68 52.96 8.58 1 49.52 8.89 49.47 8.87 7 40.33 9.47 39.96 9.52 Fernsehdauer f 33 2.56 0.83 - - 11 2.67 0.83 - - 7 3.29 1.06 - - Fernsehdauer (transformiert) g 33 1.58 0.26 1.58 0.25 11 1.61 0.26 1.61 0.25 7 1.79 0.30 1.78 0.30 Audiomediendauer f 35 2.64 0.92 - - 12 2.59 0.94 - - 14 2.18 0.99 - - Audiomediadauer (transformiert) g 35 1.60 0.27 1.60 0.26 12 1.58 0.28 1.58 0.27 14 1.44 0.33 1.44 0.31 Fernsehsprache h - - - - - 12 1.67 0.91 1.70 0.88 12 2.14 1.04 2.18 1.02 Audiomediensprache h - - - - - 19 1.71 0.89 1.74 0.83 27 2.22 1.12 2.23 1.06 Tab. 1: Deskriptive Statistiken der demografischen Variablen, der familiären Sprachumgebung, des Wortschatzes und der Mediennutzung Anmerkungen: Die Prozentzahlen bei den demografischen Variablen beziehen sich wie in der Stichprobenbeschreibung auf die Gesamtzahl der Fälle inklusive der fehlenden Werte. Damit weicht die kumulierte Prozentzahl der gültigen Werte bei den einzelnen Variablen teilweise leicht von 100 % ab. a Anzahl fehlender Werte pro Variable; b 5-stufige Skala (1 = kein Schulabschluss, 2 = Hauptschulabschluss, 3 = Mittlere Reife/ Berufsschulabschluss, 4 = Hochschulreife, 5 = Hochschulabschluss); c 5-stufige Skala (1 = nur Deutsch bis 5 = nur andere Sprache) MW aus der Sprache der Eltern untereinander sowie der Sprachverwendung von Mutter und Vater gegenüber dem Kind; d Skalierung von 0 bis 228; e T-Wert (M = 50, SD = 10); f 5-stufige Skala (1 = nie, 2 = bis 30 Minuten, 3 = 30 Minuten bis eine Stunde, 4 = 1 bis 2 Stunden, 5 = mehr als 2 Stunden); g Angabe der Werte der Konsumdauer nach Quadratwurzeltransformation. Die fehlenden Daten wurden mithilfe der Expectation-Maximization Funktion in SPSS geschätzt und imputiert; h 5-stufige Skala (1 = immer Deutsch bis 5 = immer in einer anderen Sprache). 110 Johanna Landvogt, Jan Lenhart seitigem (M = 49.47; t (470) = 3.66, p ≤ .001, d = 0.40) und mit beidseitigem Migrationshintergrund (M = 39.96; t (509) = 14.96, p < .001, d = 1.47). Kinder mit einseitigem Migrationshintergrund schnitten zudem im Wortschatztest signifikant besser ab als Kinder mit beidseitigem Migrationshintergrund (t (249) = 8.04, p < .001, d = 1.03). Der Anteil nicht-deutscher Sprache in der familiären Umgebung war negativ mit dem rezeptiven deutschen Wortschatz bei Kindern mit beidseitigem Migrationshintergrund assoziiert (r = -.38, p ≤ .001). Bei Kindern mit einseitigem Migrationshintergrund zeigte sich hingegen kein signifikanter Zusammenhang (r = -.12, p = .206) (siehe Tabelle 2). Vorausgehende Analysen: Medienkonsum in Abhängigkeit des Migrationshintergrunds Hinsichtlich des Medienkonsums (siehe Tabelle 1) zeigte sich, dass die tägliche Fernsehdauer bei Kindern mit beidseitigem Migrationshintergrund (M = 1.78) signifikant höher war als bei Kindern mit einseitigem Migrationshintergrund (M = 1.61, t (249) = -4.89, p < .001, d = -0.63) und ohne Migrationshintergrund (M = 1.58); t (509) = -7.93, p < .001, d = -0.78). Zwischen Kindern ohne oder mit einseitigem Migrationshintergrund fand sich hingegen kein signifikanter Unterschied (t (470) = -1.19, p = .236, d = -0.13). Bei Audiomedien war ein gegensätzliches Bild zu beobachten. Kinder mit beidseitigem Migrationshintergrund konsumierten täglich signifikant weniger Audiomedien (M = 1.44) als Kinder ohne (M = 1.60; t (509) = 5.93, p < .001, d = 0.58), oder mit einseitigem Migrationshintergrund (M = 1.58; t (249) = 3.70, p < .001, d = 0.47). Kinder ohne Migrationshintergrund und mit einseitigem Migrationshintergrund unterschieden sich hingegen nicht signifikant (t (470) = 0.74, p = .458, d = 0.08). Kinder mit beidseitigem Migrationshintergrund sahen Fernsehen zudem signifikant häufiger in einer anderen Sprache (M = 2.18) im Vergleich zu Kindern mit einseitigem Migrationshintergrund (M = 1.70; t (242.16) = -4.04, p < .001, d = -0.50). Weiterhin hörten Kinder mit beidseitigem Migrationshintergrund auch Audiomedien häufiger in einer anderen Sprache (M = 2.23) als Kinder mit einseitigem Migrationshintergrund (M = 1.74; t (247.81) = -4.12, p ≤ .001, d = -0.51). Fragestellung 1: Bivariate Zusammenhänge des deutschen Wortschatzes mit der Sprache und Dauer des Medienkonsums bei Kindern mit Migrationshintergrund Zur Beantwortung der Fragestellung 1 wurden bivariate Korrelationen zwischen Sprache und Dauer des Medienkonsums und dem deutschen Wortschatz (Normwert) der Kinder mit Migrationshintergrund berechnet. Der relative Anteil nichtdeutschsprachiger Inhalte von Audiomedien war bei Kindern mit einseitigem und beidseitigem Migrationshintergrund signifikant negativ mit dem deutschen Wortschatz (Normwert) korreliert (einseitig: r = -.24, p = .013, beidseitig: r = -.23, p = .005) (siehe Tabelle 2). Für den Anteil der deutschen Sprache am Fernsehkonsum ergab sich hingegen kein signifikanter Zusammenhang mit dem deutschen Wortschatz (einseitiger Migrationshintergrund r = -.08, p = .414; beidseitiger Migrationshintergrund r = .04, p = .633). Während die Dauer des täglichen Fernsehkonsums bei Kindern ohne Migrationshintergrund signifikant negativ mit dem deutschen Wortschatz korrelierte (r = -.25, p < .001), zeigten sich bei Kindern mit einseitigem Migrationshintergrund (r = .03, p = .787) und beidseitigem Migrationshintergrund (r = -.05, p = .517) keine signifikanten Zusammenhänge. Für die Dauer des Audiomedienkonsums zeigte sich bei Kindern ohne Migrationshintergrund kein signifikanter Zusammenhang, (r = .07, p = .204). Bei Kindern mit einseitigem und beidseitigem Migrationshintergrund ergab sich ein signifikant positiver Zusammenhang (einseitig: r = .31, p > .001; beidseitig: r = .20, p = .018). Medienkonsum und deutscher Wortschatz bei Kindergartenkindern mit Migrationshintergrund 111 Fragestellung 2 und 3: Vorhersage des deutschen Wortschatzes bei Kindern mit Migrationshintergrund durch die Sprache der Mediennutzung in Abhängigkeit der Dauer der Mediennutzung und des familiären sprachlichen Umfelds Zur Beantwortung der Fragestellung 2 und 3 wurden mithilfe des Process Marco (Model 3) Regressionsmodelle getrennt für die Kinder mit einseitigem und beidseitigem Migrationshintergrund berechnet, in denen der Wortschatz (Normwert) durch die Sprache und Dauer der Mediennutzung sowie die familiäre Sprachumgebung und deren Interaktion vorhergesagt wurde. Als Kontrollvariablen wurden Alter, der Bildungsgrad der Mutter und des Vaters sowie die Dauer des Kindergartenbesuchs (Monate und tägliche Stundenanzahl) einbezogen (siehe Tabelle 3). Es zeigte sich für Audiomedien bei Kindern mit einseitigem Migrationshintergrund (B = 11.51, t = 3.20, p = .002) und mit beidseitigem Migrationshintergrund (B = 8.02, t = 3.13, p = .002) ein positiver Effekt der Nutzungsdauer (siehe Tabelle 3). Ebenso zeigte sich sowohl bei Kindern mit einseitigem (B = -2.86, t = -2.03, p = .045) als auch mit beidseitigem (B = -2.63, t = -2.91, p = .004) Migrationshintergrund ein positiver Effekt des Anteils deutschsprachiger Audiomedien. Bei Kindern mit beidseitigem Migrationshintergrund wurden diese Haupteffekte zudem durch eine Interaktion der beiden Variablen modifiziert (B = -5.10, t = -1.98, p = .050). Ein langer Konsum war vor allem dann förderlich, wenn in deutscher Sprache Audiomedien konsumiert wurden. Bei Kindern mit einseitigem Migrationshintergrund zeigte sich keine entsprechende Interaktion (B = -4.68, t = -0.99, p = .327). Anders als erwartet, zeigte sich hingegen für das Fernsehen weder bei Kindern mit beidseitigem noch mit einseitigem Migrationshintergrund ein signifikanter Effekt von Nutzungsdauer (einseitig: B = 6.46, t = 1.59, p = .115; beidseitig: B = 2.31, t = 0.79, p = .434) oder Sprache (einseitig: B = -1.57, t = -1.31, p = .194; beidseitig: B = 0.28, t = 0.34, p = .735) oder eine Interaktion 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 1 Alter - -.08/ -.09 -.15/ -.12 -.20*/ -.15 .55**/ .60** .24*/ .12 -.04/ .05 .23*/ .09 -.11/ -.32** -.12/ -.18* -.11/ -.12 2 PPVT (Normwert) .12* - .23*/ .21* .39**/ .13 .10/ .28** .01/ -.24** .03/ -.05 .31**/ .20* -.08/ .04 -.24*/ -.23** -.12/ -.38** 3 Bildung Mutter -.06 .22** - .60**/ .46** .07/ .08 -.16/ .12 -.25**/ -.26** -.20/ .15 .17/ .36** .04/ .17* .10/ .01 4 Bildung Vater -.06 .24** .69** - .10/ -.01 -.17/ -.11 -.24*/ -.20* -.06/ .18* .15/ -.04 .06/ -.11 .12/ .05 5 Kindergarten (Monate) .69** .14** .08 .03 - -.04/ .10 -.21*/ -.10 .14/ .10 .13/ -.17* .05/ -.23** .09/ -.33** 6 Kindergarten (Stunden) .09 .03 -.17** -.14** .21** - .15/ -.02 .11/ -.08 -.12/ .13 -.17/ -.03 -.15/ .01 7 Fernsehdauer .14** -.25** -.35** -.42** .05 .22** - .15/ .08 .02/ -.04 -.05/ -.02 -.13/ .00 8 Audiomediendauer .11* .07 -.21 -.24** .11* .10 .16** - -.02/ .10 -.09/ .25** -.27**/ .-02 9 Fernsehsprache - - - - - - - - - .75**/ .57** .60**/ .14 10 Audiomediensprache - - - - - - - - - - .61**/ .41** 11 Sprachumgebung - - - - - - - - - - - Tab. 2: Bivariate Korrelationen der Variablen Anmerkungen: Unterhalb der Diagonale sind die Werte für Kinder ohne Migrationshintergrund dargestellt, oberhalb der Diagonale für Kinder mit einseitigem (vor dem Schrägstrich) und mit beidseitigem Migrationshintergrund (nach dem Schrägstrich). Fernsehdauer und Audiomediendauer wurden mithilfe einer Quadratwurzeltransformation transformiert. Beim deutschen Wortschatz handelt es sich um den Normwert. * p < .05, ** p < .01 (zweiseitig). 112 Johanna Landvogt, Jan Lenhart zwischen Nutzungsdauer und Sprache (einseitig: B = 5.84, t = 1.49, p = .140; beidseitig: B = 4.75, t = 1.52, p = .131). Schließlich gab es weder für das Fernsehen (einseitig: B = -3.61, t = -0.64, p = .523; beidseitig: B = -2.84, t = -1.11, p = .268) noch für Audiomedien (einseitig: B = -3.69, t = 0.69, p = .880, p = .491; beidseitig: B = 0.36, t = 0.16, p = .874) eine signifikante Dreifach-Interaktion mit der familiären Sprachumgebung. B 95 % CI SE t p Fernsehen (Kinder mit einseitigem Migrationshintergrund; n = 106) Konstante Sprache Dauer Sprachumgebung Sprache X Dauer Sprache X Sprachumgebung Dauer X Sprachumgebung Sprache X Dauer X Sprachumgebung 37.24 -1.57 6.46 -0.92 5.84 0.36 -5.09 -3.61 [20.78; 53.69] [-3.94; 0.81] [-1.59; 14.51] [-3.20; 1.36] [-1.95; 13.62] [-2.56; 3.28] [-13.37; 3.20] [-14.79; 7.57] 8.29 1.20 4.06 1.15 3.92 1.47 4.17 5.63 4.49 -1.31 1.59 -0.81 1.49 0.25 -1.22 -0.64 < .001 .194 .115 .423 .140 .806 .226 .523 F (12, 93) = 2.67, p = .004, R 2 = .23 Audiomedien (Kinder mit einseitigem Migrationshintergrund; n = 106) Konstante Sprache Dauer Sprachumgebung Sprache X Dauer Sprache X Sprachumgebung Dauer X Sprachumgebung Sprache X Dauer X Sprachumgebung 44.37 -2.86 11.51 1.09 -4.68 -1.06 2.05 3.69 [27.04; 61.69] [-5.65; -.07] [4.36; 18.66] [-1.28; 3.46] [-14.12; 4.75] [-3.23; 1.10] [-5.08; 9.17] [-6.91; 14.28] 8.73 1.41 3.60 1.19 4.75 1.09 3.59 5.34 5.09 -2.03 3.20 0.92 -0.99 -0.97 0.57 0.69 < .001 .045 .002 .362 .327 .333 .570 .491 F (12, 93) = 4.27, p < .001, R 2 = .37 Fernsehen (Kinder mit beidseitigem Migrationshintergrund; n = 145) Konstante Sprache Dauer Sprachumgebung Sprache X Dauer Sprache X Sprachumgebung Dauer X Sprachumgebung Sprache X Dauer X Sprachumgebung 65.37 0.28 2.31 -2.59 4.75 -0.44 -1.80 -2.84 [52.10; 78.64] [-1.33; 1.88] [-3.52; 8.14] [-3.99; -1.20] [-1.43; 10.93] [-1.83; 0.95] [-7.30; 3.71] [-7.89; 2.21] 6.71 0.81 2.95 0.71 3.13 0.70 2.78 2.55 9.75 0.34 0.79 -3.68 1.52 -0.63 -0.65 -1.11 < .001 .735 .434 < .001 .131 .529 .520 .268 F (12, 132) = 8.38, p < .001, R 2 = .36 Audiomedien (Kinder mit beidseitigem Migrationshintergrund; n = 145) Konstante Sprache Dauer Sprachumgebung Sprache X Dauer Sprache X Sprachumgebung Dauer X Sprachumgebung Sprache X Dauer X Sprachumgebung 70.21 -2.63 8.02 -1.59 -5.10 0.36 4.57 0.36 [57.85; 82.58] [-4.42; -0.84] [2,95; 13.10] [-3.05; -0.14] [-10.21; 0.00] [-1.11; 1.83] [-0.12; 9.25] [-4.13; 4.85] 6.25 0.90 2.56 0.74 2.58 0.74 2.37 2.27 11.23 -2.91 3.13 -2.17 -1.98 0.49 1.93 0.16 < .001 .004 .002 .032 .050 .626 .056 .874 F (12, 132) = 9.76 p < .001, R 2 = .44 Tab. 3: Vorhersage des deutschen Wortschatzes durch die Sprache und Dauer des Medienkonsums sowie die familiäre Sprachumgebung unter Einbezug zentraler Kontrollvariablen Anmerkungen: Die Prädiktoren wurden zentriert. Es wurden robuste Standardfehler berechnet (HC3). Beim deutschen Wortschatz handelt es sich um den Normwert. Als Kontrollvariablen wurden das Alter (in Monaten), Bildungsgrad Mutter, Bildungsgrad Vater, Kindergartenbesuch (in Monaten) und Kindergartenbesuch (tägliche Dauer) einbezogen. Die Kontrollvariablen sind aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht dargestellt. Medienkonsum und deutscher Wortschatz bei Kindergartenkindern mit Migrationshintergrund 113 Diskussion In der vorliegenden Studie wurde untersucht, ob der Konsum von Fernsehen und Audiomedien positiv mit dem deutschen Wortschatz bei Kindern mit Migrationshintergrund assoziiert ist. Hierbei wurde auch die Abhängigkeit vom familiären Sprachumfeld analysiert, also ob deutschsprachiger Medienkonsum vor allem bei geringem deutschen Sprachinput durch die familiäre Umgebung eine förderliche Wirkung auf den deutschen Wortschatz hat. Im Rahmen von vorausgehenden Analysen wurden zudem die Kinder ohne, mit einseitigem und mit beidseitigem Migrationshintergrund hinsichtlich ihres rezeptiven deutschen Wortschatzes sowie ihrer Mediennutzung verglichen. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse Wie in früheren Studien (z. B. Caspar & Leyendecker, 2011; Dubowy et al., 2008, 2011) zeigte sich, dass Kinder mit beidseitigem Migrationshintergrund deutlich schlechtere deutsche Sprachkompetenzen - in der vorliegenden Studie gemessen über den rezeptiven deutschen Wortschatz - als Kinder ohne Migrationshintergrund aufwiesen. Die Kinder mit einseitigem Migrationshintergrund, d. h. mit einem in Deutschland geborenen Elternteil, waren zwischen den beiden anderen Gruppen zu verorten. Zudem zeigte sich, wie auch schon in früheren Studien (z. B. Caspar & Leyendecker, 2011; Ritterfeld et al., 2012), ein Unterschied in der Dauer der Mediennutzung in Abhängigkeit des Migrationshintergrundes. Kinder mit beidseitigem Migrationshintergrund sahen mehr fern, nutzten aber weniger Audiomedien als Kinder ohne Migrationshintergrund und Kinder mit einseitigem Migrationshintergrund. Während bei Kindern ohne Migrationshintergrund der häufig berichtete negative Zusammenhang zwischen Dauer des Fernsehkonsums und Wortschatz zu beobachten war (vgl. Reviews von Kostyrka-Alchorne et al., 2017; Madigan et al., 2002), zeigte sich kein solch negativer bivariater Zusammenhang für Kinder mit einseitigem oder beidseitigem Migrationshintergrund. Bei Kindern mit einseitigem oder beidseitigem Migrationshintergrund zeigten sich auch bei Einbezug der Sprache der Mediennutzung sowie der familiären Sprachumgebung weder positive noch negative Zusammenhänge. Dieser Befund deckt sich mit der Mehrzahl der Studien, die auch bei Kontrolle diverser anderer Variablen ebenfalls keinen Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Wortschatz in der Zweitsprache finden konnten (Hudon et al., 2013; Patterson, 2002; Scheele et al., 2010). Für Audiomedien war hingegen bei Kindern mit einseitigem und beidseitigem Migrationshintergrund ein positiver Zusammenhang von Nutzungsdauer und deutschem Wortschatz zu beobachten. Bei Kindern mit beidseitigem Migrationshintergrund war dieser Effekt zudem von der Nutzungssprache abhängig, sodass deutschsprachiger Audiomedienkonsum vor allem bei langer Nutzung mit guten rezeptiven Wortschatzkompetenzen einherging. Dieser Befund macht Sinn, da Kinder mit beidseitigem Migrationshintergrund nicht über ein in Deutschland geborenes Elternteil verfügen, zu Hause deutlich seltener Deutsch gesprochen wird (was sich auch in unseren Daten zeigt) und somit Medien eine wichtige Quelle für die deutsche Sprache sein können. Die positiven Zusammenhänge zwischen Nutzungsdauer von Audiomedien und Wortschatz passen auch zur Studie von Ritterfeld und Lüke (2021), die förderliche Effekte von deutschen Hörspielen auf die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern mit Migrationshintergrund nachweisen konnte. Denkbar ist jedoch auch die andere Wirkrichtung und zwar, dass Kinder, die über einen besseren deutschen Wortschatz und damit vermutlich insgesamt über bessere deutsche Sprachkompetenzen verfügen, eher dazu tendieren, deutsche Audiomedien zu konsumieren. Eine mögliche Erklärung für die unterschiedlichen Zusammenhänge von Wortschatz mit der Konsumdauer von Audiomedien und Fernsehen könnte sein, dass Audiomedien die Fantasie und das Vorstellungsvermögen der Kinder mehr fordern, den Fokus auf den auditiven Input legen, und Audiomedien dadurch anregen- 114 Johanna Landvogt, Jan Lenhart der und potenziell auch förderlicher für sprachliche Kompetenzen sein könnten als audiovisuelle Medien (vgl. Ritterfeld & Lüke, 2021). Limitationen und Ausblick Es muss jedoch auch auf bedeutsame Limitationen der vorliegenden Studie hingewiesen werden, die die Generalisierbarkeit der Ergebnisse einschränken. Erstens wurde in der vorliegenden Studie innerhalb der Medientypen Fernsehen und Audiomedien nicht nach Inhalten differenziert und es wurde nur nach Fernsehen gefragt, womit andere Formen des Konsums von Filmen und Serien möglicherweise nicht erfasst wurden. Dies ist problematisch, da zahlreiche Studien aufzeigen, dass die Inhalte bzw. die Qualität der Inhalte prädiktiv für Effekte von Fernsehkonsum sind (z. B. Hudon et al., 2013; Scheele et al., 2010). Zweitens stammen die erhobenen Daten aus den Jahren 2015 bis 2017. Es ist durchaus möglich, dass sich der Medienkonsum durch fortschreitende Technologien oder Einschnitte wie die Covid-19- Pandemie verändert haben könnte (Langmeyer, Guglhör-Rudan, Naab, Urlen & Winklhofer, 2020). Drittens ist unklar, inwiefern soziale Erwünschtheit die Antworten der Eltern im Fragebogen beeinflusst haben könnte. Beispielsweise ist es möglich, dass Eltern eine kürzere Fernsehdauer angegeben haben, als es der Realität entspricht. Viertens ist die Repräsentativität der Stichprobe eingeschränkt, da nur Kinder teilnehmen konnten, deren Eltern in der Lage waren, den deutschsprachigen Elternfragebogen auszufüllen. Zwar ist es möglich, dass die Eltern Hilfe vonseiten der Kindergärten oder anderen Bekannten in Anspruch genommen haben. Allerdings dürfte dies höchstens für einen Teil der Stichprobe zutreffen. Daher fehlen in der vorliegenden Stichprobe mit hoher Wahrscheinlichkeit die Kinder, deren Eltern überhaupt kein Deutsch oder ganz schlecht Deutsch sprechen und lesen können. Dies wird auch gestützt durch die geringe Anzahl von Kindern in der Stichprobe, die selbst im Ausland geboren wurden und deren Eltern somit noch nicht lange in Deutschland sind. Hier sind geringe deutsche Sprachkompetenzen aufseiten der Eltern mit höherer Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Dies könnte einerseits dazu führen, dass förderliche Effekte von Medien unterschätzt werden. Andererseits könnte es möglicherweise auch erklären, warum die familiäre Sprachumgebung keinen signifikanten moderierenden Einfluss auf den Zusammenhang zwischen Medienkonsum und deutschem Wortschatz der Kinder hatte, da Kinder mit sehr geringem oder gar keinem Input in deutscher Sprache möglicherweise unterrepräsentiert waren. Zudem ist die Repräsentativität der Stichprobe auch deshalb eingeschränkt, da die Rekrutierungen und Erhebungen in Kindertageseinrichtungen stattfanden und daher nur ein Teil der Kinder überhaupt erreicht wurde und davon auszugehen ist, dass auch der Besuch der Einrichtung sprachförderlich ist. Allerdings wurde in den der vorliegenden Untersuchung zugrunde liegenden Primärstudien der sprachliche Anregungsgehalt innerhalb der Kindertagesstätten nicht erhoben. Fünftens sind die finalen Stichprobengrößen der Kinder mit einseitigem Migrationshintergrund und mit beidseitigem Migrationshintergrund trotz des Zusammenfügens der Daten aus fünf Studien mit 106 und 145 Kindern begrenzt. Dies liegt daran, dass in den Interventionsstudien, die die Datengrundlage für die vorliegende Auswertung lieferten, Kinder mit Migrationshintergrund nicht gezielt in den Fokus genommen wurden. Schließlich ist die Alterszusammensetzung der Stichprobe als heterogen zu bezeichnen, was möglicherweise das Auffinden von Zusammenhängen erschwert, da diese möglicherweise altersabhängig sind. In zukünftigen Studien sollten daher gezielt Kinder mit Migrationshintergrund aus einem homogeneren Altersspektrum rekrutiert werden. Daneben bedarf es Studien, die eine Differenzierung hinsichtlich der Inhalte innerhalb der Medientypen vornehmen und deren spezifische Zusammenhänge mit einer größeren Breite deutscher Sprachkompetenzen (u. a. Wortschatz, Grammatik, Hörverstehen, Erzählkompetenz) untersuchen. Medienkonsum und deutscher Wortschatz bei Kindergartenkindern mit Migrationshintergrund 115 Implikationen für die Praxis Aus praktischer Perspektive ist demnach die Verwendung deutscher Audiomedien als eine kostengünstige Möglichkeit zur Förderung des deutschen Wortschatzes bei Kindern mit Migrationshintergrund zu empfehlen. Eltern, Erzieher: innen und andere an der sprachlichen Entwicklung des Kindes interessierte Personen könnten diese Medien also durchaus in Kombination mit anderen zeit- und personalintensiveren Methoden (z. B. dialogisches Lesen) nutzen, um den Wortschatz der Kinder zu fördern. Eine entsprechende Empfehlung lässt sich aufgrund der Datenlage für das Fernsehen nicht formulieren. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass aus den Ergebnissen der vorliegenden Studie sowie einem Großteil der bereits vorliegenden Studien (z. B. Hudon et al., 2013; Patterson, 2002; Scheele et al., 2010) auch keine negativen Effekte von deutschsprachigem Fernsehen auf den deutschen Wortschatz bei Kindern mit Migrationshintergrund zu erwarten sind. In Kombination mit positiven Befunden zu audiovisuellen Fördermaßnahmen im Rahmen des Zweitsprachenlernens (z. B. Uchikoshi, 2006) ist eher davon auszugehen, dass eine gezielte Auswahl von Inhalten zentral sein dürfte und der Blick auf die reine Dauer des Medienkonsums zu einer verkürzten und zu vereinfachenden Debatte um Effekte von Medienkonsum (v. a. des Fernsehkonsums) führt. Literatur Autoren: innengruppe Bildungsberichterstattung. (2022). Bildung in Deutschland 2022: ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zum Bildungspersonal. Bielefeld: wbv Publikation. https: / / doi.org/ 10.3278/ 6001820hw. 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Die zweite Auflage wurde vollständig überarbeitet und aktualisiert sowie um die Kapitel „Literacy in digitaler Form“ und „Einsatz mehrsprachiger Bilderbücher“ erweitert.