Psychologie in Erziehung und Unterricht
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0342-183X
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/peu2025.art13d
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Empirische Arbeit: Zur Inanspruchnahme psychologischer Versorgungsangebote von Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Eine Momentaufnahme aus dem Frühjahr 2021
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Franziska Häse
Anna Marie Neuhäußer
Susanne Knappe
In einer Gelegenheitsstichprobe wurden im Frühjahr 2021 263 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 25 Jahren anonym und online zu psychischen Beschwerden, Inanspruchnahme von gesundheitsbezogenen Versorgungsangeboten sowie individuellen und strukturellen Barrieren für das Hilfesuchen befragt. Mit zunehmender Symptomlast wurden häufiger formelle (als informelle) Hilfen aufgesucht. Im Vergleich zu Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren nahmen junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren mehr informelle Hilfen (z.B. durch nahestehende Personen) in Anspruch, zugleich nahmen junge Erwachsene marginal mehr formelle Hilfen in Anspruch. Junge Erwachsene nannten signifikant mehr strukturelle Barrieren bei der Inanspruchnahme als Jugendliche. Die Ergebnisse liefern erste Hinweise zu den Besonderheiten des Hilfesuchverhaltens im Übergang vom Jugend- zum jungen Erwachsenenalter und können dazu beitragen, Maßnahmen zur Verbesserung der Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten zu gestalten. Sie bedürfen jedoch einer umfassenderen Prüfung in größeren, diverseren Stichproben und unter Berücksichtigung weiterer potenzieller Einflussfaktoren auf das Hilfesuchverhalten.
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n Empirische Arbeit Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2025, 72, 197 -210 DOI 10.2378/ peu2025.art13d © Ernst Reinhardt Verlag Zur Inanspruchnahme psychologischer Versorgungsangebote von Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Eine Momentaufnahme aus dem Frühjahr 2021 Franziska Häse 1 , Anna Marie Neuhäußer 1 & Susanne Knappe 1, 2 1 Technische Universität Dresden, Dresden 2 Evangelische Hochschule Dresden, Dresden Zusammenfassung: In einer Gelegenheitsstichprobe wurden im Frühjahr 2021 263 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 25 Jahren anonym und online zu psychischen Beschwerden, Inanspruchnahme von gesundheitsbezogenen Versorgungsangeboten sowie individuellen und strukturellen Barrieren für das Hilfesuchen befragt. Mit zunehmender Symptomlast wurden häufiger formelle (als informelle) Hilfen aufgesucht. Im Vergleich zu Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren nahmen junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren mehr informelle Hilfen (z. B. durch nahestehende Personen) in Anspruch; zugleich nahmen junge Erwachsene marginal mehr formelle Hilfen in Anspruch. Junge Erwachsene nannten signifikant mehr strukturelle Barrieren bei der Inanspruchnahme als Jugendliche. Die Ergebnisse liefern erste Hinweise zu den Besonderheiten des Hilfesuchverhaltens im Übergang vom Jugendzum jungen Erwachsenenalter und können dazu beitragen, Maßnahmen zur Verbesserung der Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten zu gestalten. Sie bedürfen jedoch einer umfassenderen Prüfung in größeren, diverseren Stichproben und unter Berücksichtigung weiterer potenzieller Einflussfaktoren auf das Hilfesuchverhalten. Schlüsselbegriffe: Individuelle/ strukturelle Barrieren, informelle/ formelle Inanspruchnahme, Adoleszente/ Jugendliche, junge Erwachsene Help-Seeking for Mental Care in Adolescents and Young Adults: A Snap Shot Taken in Spring 2021 Summary: An online questionnaire was administered anonymously in a convenience sample of 263 adolescents and young adults aged 14 to 25 years in spring 2021 in order to assess mental health problems, help-seeking as well as individual and structural barriers for help-seeking. Higher levels of mental symptoms were positively associated with higher rates of seeking formal help, and negatively associated with non-formal help-seeking. Compared to adolescents aged 14 to 17 years, young adults aged 18 to 25 years more often sought non-formal help (e. g. family or friends), and marginally more often sought formal help. Young adults reported more structural barriers for care than adolescents. Results provide preliminary evidence for the characteristics of help-seeking during the transition from adolescence towards young adulthood, and may inform strategies to promote health care utilization. More evidence is however needed in larger, more diverse samples and with regard to putative predictors for help-seeking. Keywords: Individual/ structural barriers, health care utilization, adolescents, young adults Menschen jeden Geschlechtes und jeder Herkunft sind von psychischen Störungen betroffen (Kessler et al., 2005; Jacobi & Kessler-Scheil, 2013). Bis zum Lebensalter von vierzehn Jahren haben sich knapp die Hälfte aller psychischen Störungen erstmals manifestiert, mit vierundzwanzig Jahren sind es Dreiviertel aller Erkrankungsfälle (Klasen, Meyrose, Otto, Reiss & Ravens-Sieberer, 2017). So werden für bis zu 17 % der Kinder und Jugendlichen in Deutsch- 198 Franziska Häse, Anna Marie Neuhäußer, Susanne Knappe land psychische Beschwerden berichtet (Klipker, Baumgarten, Göbel, Lampert & Hölling, 2018), was auch annähernd internationalen Befunden zur Lebenszeitprävalenz psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter entspricht (Beesdo-Baum, Knappe, Asselmann et al., 2015). Diese Raten fielen für den Zeitraum der COVID-19-Pandemie höher aus und fielen nur teilweise auf das prä-pandemische Niveau zurück (Napp, Gilbert, Kaman et al., 2024). Unerkannt bzw. unbehandelt unterliegen psychische Beschwerden bzw. Störungen einem hohen Risiko für eine Chronifizierung, die Entwicklung sekundärer (psychischer) Erkrankungen sowie für hohe individuelle und gesellschaftliche Kosten (Jacobi & Kessler-Scheil, 2013; Kruse & Herzog, 2012). Je später eine fachgerechte Diagnostik und Therapie beginnt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung des Zustandes der Betroffenen (Edbrooke-Childs & Deighton, 2020). Zugleich besteht gerade in Deutschland eine vergleichsweise vielschichtige Versorgungslandschaft von niederschwelligen zu höherschwelligen Versorgungsangeboten (Kruse & Herzog, 2012). Niederschwellige Versorgungsangebote zielen auf eine unmittelbare und freiwillig gewährte Unterstützung, Entlastung oder Hilfestellung ab, um Belastungserleben oder Leiden zu lindern. „Schwelle“ bezieht sich dabei auf die Symptomlast, aber auch auf die Zugänglichkeit der Versorgungsangebote (z. B. terminoffene, weniger spezifische Beratungsangebote vs. Facharzt oder stationäre Versorgung). Höherschwellige Hilfsangebote sind dagegen weniger leicht zugänglich und zielen auf eine Symptomreduktion, Heilung oder Linderung ab. Sie werden zumeist von Leistungserbringern im ambulanten, teilstationären und stationären Setting angeboten, z. B. (Fach-, Haus-)Ärzt: innen, (Fach-)Therapeut: innen. Weiterhin kann unterschieden werden in informelle Hilfen, die von An- und Zugehörigen, dem Freundes-, Bekannten- oder Kollegenkreis gewährt werden und weniger planvoll sind als formelle Hilfen, denen bestenfalls ein Behandlungsauftrag bzw. -plan zugrunde liegt. Etwa höchstens 10 % der von psychischen Störungen betroffenen Erwachsenen nahmen mindestens einmal in den letzten 12 Monaten Kontakt mit einem Anbieter von kassenfinanzierten Hilfsangeboten auf (Grabenhofer- Eggerth, Tanios, Sagerschnig, Kern & Valady, 2019); im pädiatrischen Setting sind die Inanspruchnahmeraten mit 21,6 % unter Kindern und Jugendlichen mit Hinweisen auf psychische Auffälligkeiten ähnlich moderat (Klasen et al., 2017). Daher kommt niederschwelligen und informellen Hilfsangeboten eine besondere Bedeutung zu, auch weil Jugendliche und junge Erwachsene eher den Austausch mit Freund: innen oder Angehörigen im Vergleich zu professionellen Versorgungsangeboten präferieren (Ebert et al., 2019; Salaheddin & Mason, 2016). Für (psychisch erkrankte) Jugendliche und junge Erwachsene stellt allerdings der Übergang von der pädiatrischen in die Erwachsenen-Versorgung eine Herausforderung innerhalb des Gesundheitssystems dar (Paul, Street, Wheeler & Singh, 2015). Während die Prävalenzraten psychischer Störungen deutlich mit der Adoleszenz zunehmen, sinkt die Inanspruchnahme psychologischer Hilfsangebote mit Erreichen der Volljährigkeit (Copeland et al., 2015). Die geringe Inanspruchnahme wird u. a. auf eine erschwerte und nicht einheitlich geregelte Transition innerhalb der Versorgungssysteme zurückgeführt. Niedrigschwellige Angebote entfallen häufig mit dem Übergang ins 18./ 21. Lebensjahr; auch werden Schulen und Jugendtreffs, welche als Schnittstelle zwischen den Lebenswelten und dem Gesundheitssystem fungieren können, mit Beendigung der Schullaufbahn bzw. Erlangen der Volljährigkeit nicht mehr aufgesucht (Copeland et al., 2015). Bei niedergelassenen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut: innen ist z. B. eine ambulante Versorgung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 21 Jahre möglich, bei Institutsambulanzen hingegen endet der Versorgungsanspruch mit 18 Jahren und darf nur in besonderen Ausnahmefällen fortgeführt werden (Fegert et al., 2017). Zudem verlieren junge Erwachsene mit Erlangen der Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten für psychische Beschwerden 199 Volljährigkeit teilweise den Anspruch auf eine Teilnahme an staatlich geförderten Gesundheitsprogrammen oder die Zugehörigkeit in der Familienversicherung (Copeland et al., 2015). Auch der Auszug von zu Hause und die räumliche Trennung von den Eltern werden assoziiert mit einer geringeren Inanspruchnahme psychologischer Hilfsangebote und einer erschwerten Transition (Singh & Tuomainen, 2015). Höherschwellige bzw. formelle Versorgungsangebote werden von jüngeren Patient: innen oftmals als komplex und nicht passend empfunden (Loos & Becker, 2019), vor allem wenn alterssensitive Themen wie das Erleben erster Beziehungen, das Distanzieren von der Familie, Berufsfindung und die Auswirkungen einer psychischen Erkrankung auf all diese Lebensbereiche keine Berücksichtigung finden. Ferner stehen individuelle Barrieren, wie die Angst vor Stigmatisierung (Heinig, Wittchen & Knappe, 2021; Pepin, Segal & Coolidge, 2009), fehlendes Wissen über psychische Störungen und Behandlungsmöglichkeiten (Heinig et al., 2021), der Wunsch, das Problem selbst zu lösen (Bruwer et al., 2011; Chen et al., 2013) sowie eine als gering wahrgenommene Notwendigkeit zur Behandlung (Andrade et al., 2014, Bruwer et al., 2011) in einem negativen Zusammenhang mit Hilfesuchverhalten. Mitunter besteht die Sorge, dass eine diagnostizierte psychische Erkrankung offiziell dokumentiert und somit zu einem Nachteil für den weiteren Karriereweg werden könnte (Jennings et al., 2017). Bei Barrieren handelt es sich folglich um ein Zusammenspiel individueller, sozialer und struktureller Faktoren, welche dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit einer Inanspruchnahme zu reduzieren oder gar zu verhindern (Vidourek, King, Nabors & Merianos, 2014). Fragestellungen Vor diesem Hintergrund wurden Jugendliche und junge Erwachsene im Frühjahr 2021 zu psychischen Beschwerden, ihrem Inanspruchnahmeverhalten sowie individuellen und strukturellen Barrieren für das Hilfesuchen befragt. Es wurde erwartet, dass Jugendliche im Vergleich zu jungen Erwachsenen häufiger informelle Hilfen in Anspruch nehmen. Es sollte exploriert werden, ob sich Jugendliche und junge Erwachsene in den berichteten Barrieren unterscheiden. Die Vergleiche der Alterskohorten können Herausforderungen infolge des Überganges vom Jugendins Erwachsenenalter abbilden und Ansatzpunkte aufzeigen, um langfristig die Schwelle für die Inanspruchnahme psychologischer Hilfs- und Versorgungsangebote zu senken. Methode Von Februar bis April 2021 wurde eine Gelegenheitsstichprobe von N = 286 Jugendlichen und jungen Erwachsenen (davon gültig: N = 283 gesamt, weiblich N = 227, männlich N = 54, divers N = 2) mit einem durchschnittlichen Alter von M = 19.63 Jahren (SD = 3.57; Range 14 bis 25 Jahre) ausgehend vom Studienort Dresden unter dem Studientitel „Untersuchung der Versorgungslage und InanSpruchnahme von HIlfsangeboTen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen (ViSiT)“ dazu befragt, „wohin sich Jugendliche und junge Erwachsene wenden, wenn sie Hilfe für seelische Beschwerden suchen“. Die Verbreitung des online-Fragebogens erfolgte über die sozialen Medien WhatsApp und Facebook, um eine breite Gruppe von möglichen Studienteilnehmer: innen zu erreichen. Ergänzend wurde über den Kontakt mit psychologischen/ psychotherapeutischen Kliniken und Praxen, Schulen und dem Kreiselternrat Dresden um Verbreitung des Studienlinks gebeten. Zudem wurde mit Flyern in verschiedenen Geschäften des Einzelhandels, in Apotheken sowie therapeutischen Praxen in Dresden auf die anonyme online-Befragung aufmerksam gemacht. Es wurde ein 15-minütiges Fragebogen-Set via RedCap (Harris et al., 2009) eingesetzt (s. Abbildung 1). Alle Proband: innen wurden vor Teilnahmebeginn über Ziel, Zweck und Nutzen der Studie aufgeklärt sowie über ihr Recht, die Befragung jederzeit und ohne Angabe von Gründen oder das Entstehen von Nachteilen abbrechen zu können. Die Teilnahme erfolgte freiwillig und ohne finanzielle oder sachbezogene Entlohnung. Studierende des Faches Psychologie konnten für die Studiendurchführung eine Versuchspersonenstunde erhalten. 200 Franziska Häse, Anna Marie Neuhäußer, Susanne Knappe Erhebungsinstrumente Erfragt wurden Alter und Geschlecht. Emotionale und verhaltensbezogene Auffälligkeiten in den letzten 4 Wochen wurden mit der Selbstbeurteilungsversion des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ; Goodman, 1997) erfasst. Für die Gruppe der minderjährigen Proband: innen wurde der SDQ 11 - 17 verwendet, für die Gruppe der volljährigen Teilnehmer: innen der SDQ 18+. Anmerkung: n Anzahl, SDQ11 - 17 Symptom Screening Questionnaire für 11 - 17-Jährige, SDQ18+ Symptom Screening Questionnaire für 18-Jährige und älter (SDQ, Goodmann, 1997) Abb. 1: Studienablauf und eingesetzte Erhebungsinstrumente Bisher kein Angebot in Anspruch genommen: „Hast du jemals gedacht, dass du Hilfe für emotionale oder verhaltensbezogene Probleme benötigst? “ Mindestens ein Angebot in Anspruch genommen: „Erhältst du ausreichend Hilfe für seelische Beschwerden? “ Studienaufklärung sowie Einwilligung der Teilnehmer: innen Soziodemographie: Alter und Geschlecht N = 263/ 283 gültig Perceived Need for Care Questionnaire Abfrage der Barrieren: n = 62/ 263 Studienende SDQ 11 -17 SDQ 18+ Ja 14 -17 Jahre ≥18 Jahre Nein Nein Ja Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten für psychische Beschwerden 201 Der SDQ erlaubt keine klinische Diagnose; vielmehr werden Summenscores der fünf Subskalen (Emotionale Probleme, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität, Verhaltensprobleme mit Gleichaltrigen und prosoziales Verhalten) sowie ein Gesamtproblemwert gemäß Normierung den Kategorien „unauffällig“, „grenzwertig“ oder „auffällig“ zugeordnet (Goodman, 1997). Zur Erhebung der lebenszeitbezogenen Inanspruchnahme von psychologischen Hilfsangeboten wurde der modifizierte Perceived Need for Care Questionnaire (PNCQ, Schnyder et al., 2019) ins Deutsche übersetzt. Die Abfrage der jemals genutzten Hilfsangebote wurde um die ersten vier Items des General Help-Seeking Questionnaire (GHSQ; Wilson, Deane, Ciarrochi & Rickwood, 2005) ergänzt. Im PNCQ wird außerdem zwischen fünf individuellen (attitudinalen) und vier strukturellen Barrieren bei irgendeiner bisherigen Inanspruchnahme unterschieden. Um weitere mögliche Barrieren zu erfassen, ergänzten ausgewählte Items der Barriers to Access to Care Evaluation (Items 9, 12, 13 und 15; BACE) Scale (Clement et al., 2012) und des Composite International Diagnostic Interviews (Items Q1 - B, Q2 - A, Q3 - A und Q - 5; CIDI) des DEGS1 - MH (Version 3.1) (Jacobi, Siegert, Gerschler, Scholl & Wittchen, 2010) die Abfrage der Barrieren. Das Item 20 der BACE Scale wurde angepasst zu „Unzufriedenheit mit den vorhandenen Angeboten“ und als weitere Barriere hinzugefügt. Die endgültige Liste der Barrieren umfasste neun individuelle und sieben strukturelle Barrieren (Neuhäußer, 2021). Für Auswertungszwecke wurden Summenwerte gebildet, sodass pro Proband: in jeweils ein Gesamtwert der berichteten individuellen sowie strukturellen Barrieren vorliegt. Datenaufbereitung und Datenanalyse Die Datenaufbereitung und -analyse erfolgt mittels IBM SPSS Statistics 27. Neben deskriptiven Parametern (N, %, M, SD, Mdn) wurden Gruppenunterschiede zwischen beiden Alterskohorten und Geschlechtern mittels t-Test, ANOVA bzw. nonparametrischen Verfahren (Mann-Whitney-U-Test; Fishers exact Test, Kruskall-Wallis-Test) getestet. Der Zusammenhang zwischen dem Schweregrad der psychischen Symptome und der Zahl berichteter individueller und struktureller Barrieren wurde korrelativ (Spearman oder Pearson) untersucht (Field, 2018). Ungültige Fälle (n = 3/ 286), unvollständig ausgefüllte Fragebögen (n = 17/ 286) und Teilnehmende, welche die Alterskriterien nicht erfüllen (n = 4/ 286), bzw. sich dem diversen Geschlecht zugehörig fühlen (n = 2/ 286), wurden in der Analyse nicht berücksichtigt; damit beruhen die Analysen auf Daten von n = 263/ 286 Teilnehmenden. Teilnehmende, die jemals daran dachten, Hilfe für emotionale oder verhaltensbezogene Probleme zu benötigen oder unzureichende Versorgung berichteten (s. Abbildung 1), wurden zu Barrieren für die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten befragt (n = 62/ 283 gültige Fällen). Diese Filterführung während der Datenerhebung wurde eingeführt, um die Beanspruchung der Teilnehmenden zu begrenzen und einer hohen Abbruchrate der Befragung vorzubeugen. Ergebnisse Im Mittel berichteten 5,7 % (n = 15/ 263) der Befragten, bislang keine Hilfe bei psychischen Beschwerden in Anspruch (weder informelle, noch formelle) genommen zu haben; 89,0 % (n = 234/ 263) der Teilnehmenden nahmen informelle Hilfe in Anspruch und 58,2 % (n = 153/ 263) nahmen formelle Hilfe in Anspruch. Inanspruchnahme nach Geschlecht und Alter Jungen/ Männer (n = 45/ 263) und Mädchen/ Frauen unterschieden sich nicht im Hinblick auf irgendeine Inanspruchnahme oder die Inanspruchnahme formeller oder informeller Hilfen. Auch bezüglich der Alterskohorte wurden zunächst keine globalen Unterschiede in Bezug auf irgendeine Inanspruchnahme gefunden. Allerdings nahmen Jugendliche (n = 83/ 263) signifikant seltener informelle Hilfen in Anspruch als junge Erwachsene (U = 637.50, Z = -2.81, p = .005); für die Inanspruchnahme formeller Hilfen konnte ein marginaler Trend für eine geringere Inanspruchnahme bei Jugendlichen im Vergleich zu jungen Erwachsenen beobachtet werden (U = 2008.00, Z = -1.91, p = .056). 202 Franziska Häse, Anna Marie Neuhäußer, Susanne Knappe Tab. 1: Inanspruchnahmeraten für Hilfs- und Versorgungsangebote bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen Alterskohorte Geschlecht Jugendliche (14 bis 17 Jahre) gültige N = 83 junge Erwachsene (18 bis 25 Jahre) gültige N = 180 U-Test p Mädchen/ Frauen gültige N = 218 Jungen/ Männer gültige N = 45 U-Test p n % n % n % n % Irgendeine Hilfe 76 91,6 172 95,6 Fisher’s exact, p = 0.252 208 95,4 40 88,9 Fisher’s exact, p = 0.147 Informelle Hilfe a 66 79,5 168 93,3 U = 637.50, Z = -2.81, p = 0.005 199 91,3 35 77,8 U = 537.00, Z = -0,98, p = 0.330 Formelle Hilfe b 46 55,4 107 59,4 U = 2008.00, Z = -1.91, p = 0.056 129 59,2 24 53,3 U = 1442.50, Z = -0.56, p = 0.575 N % N % Chi 2 p N % N % Chi 2 p (Teil-)stationäre Angebote 19 22,9 25 30,1 1,42 0,233 41 18,6 12 25,0 1,04 0,309 Psychiatrische Klinik oder Abteilung 9 10,8 14 16,9 21 9,5 3 6,4 Neurologische Klinik oder Abteilung 2 2,4 9 10,8 10 4,5 1 2,1 Psychotherapeutische Klinik oder Psychosomatische Klinik/ Abteilung 9 10,8 22 26,5 27 12,2 5 1,6 Einrichtung für Alkoholabhängige oder Abhängigkeiten von Medikamenten oder Drogen 0 0,0 1 1,2 1 0,5 0 0,0 Tagesklinik 4 4,8 1 1,2 10 4,5 2 4,3 Reha-Klinik 4 4,8 8 9,6 9 4,1 4 8,3 Andere stationäre Einrichtungen 4 4,8 0 0,0 2 0,9 2 4,3 Ambulante Angebote 33 39,8 77 42,8 0,32 0,573 94 42,7 18 38,3 0,31 0,576 Hausärzt: in (wegen psychischer Probleme) 16 19,3 41 22,8 50 22,7 8 17,0 Psychiater: in/ Nervenärzt: in/ Neurolog: in (auch für Kinder und Jugendliche) 10 12,0 26 14,4 33 15,0 4 8,5 Psychotherapeut: in (auch für Kinder und Jugendliche) 20 24,1 62 34,4 69 31,4 14 29,8 Psychiatrische oder Psychotherapeutische Ambulanz/ Medizinisches Versorgungszentrum 4 4,8 17 9,4 19 8,6 2 4,3 (Sozial-)Psychiatrischer Dienst (gemeinnütziger Dienst) 9 10,8 8 4,4 15 6,8 2 4,3 Andere 4 4,8 3 1,7 6 2,7 1 2,1 Beratende Angebote 31 37,3 55 30,6 3,69 0,055 31 17,5 10 23,8 0,88 0,347 Erziehungsberatung (Kinder/ Jugendliche/ Eltern) 15 18,1 3 1,7 16 7,3 2 4,3 Ehe/ Partnerschaft/ Lebens-Beratung 1 1,2 3 1,7 4 1,8 0 0,0 Sexualberatung 2 2,4 3 1,7 3 1,4 2 4,3 ▲ Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten für psychische Beschwerden 203 Anmerkungen: a umfasst: persönliche Unterstützung durch Partner: in, Freund: in, der Eltern bzw. eines Elternteils, andere Verwandte oder Familienmitglieder oder andere b umfasst: irgendeine stationäre, ambulant ärztliche oder therapeutische Hilfsmaßnahme, eine andere ambulante Hilfsmaßnahme, ein Beratungsangebot, telefonische oder internetbasierte Hilfsmaßnahme (ausgeschlossen: Medikation, alternative Angebote) n Anzahl, n. b. nicht berechnet, p < .05 AIDS-Hilfen 0 0,0 2 1,1 0 0,0 2 4,3 Suchtberatungsstelle 1 1,2 1 0,6 2 0,9 0 0,0 Schüler- oder Studierendenberatung 19 22,9 45 25,0 58 26,4 9 19,2 Andere Beratungsstellen 1 1,2 8 4,4 7 3,2 2 4,3 Weitere Angebote 6 7,2 11 6,1 0,09 0,761 17 7,7 0 0,0 3,88 0,049 Selbsthilfegruppen 2 2,4 10 5,6 12 5,5 0 0,0 Andere 4 4,8 2 1,1 6 2,7 0 0,0 Online- und telefonbasierte Angebote 11 13,3 25 13,9 0,00 0,955 29 13,2 8 17,0 0,48 0,489 Telefonseelsorge 5 6,0 6 3,3 8 3,6 3 6,4 E-Mail- oder Online-Beratung 6 7,2 19 10,6 22 10,0 4 8,5 Andere 2 2,4 2 1,1 1 0,5 3 6,4 Alternative Hilfsangebote 15 18,1 49 27,2 1,31 0,253 41 18,6 6 12,8 0,92 0,337 Heilpraktiker: in 8 9,6 23 12,8 29 13,2 2 4,3 Traditionelle Chinesische Medizin 2 2,4 7 3,9 7 3,2 2 4,3 Spirituelle (Lebens-)Hilfe 1 1,2 6 3,3 7 3,2 1 2,1 Coaching (z. B. für spezifische Lebensfertigkeiten, dein Selbstwertgefühl oder mehr Motivation) 6 7,2 22 12,2 n. b. n. b. Andere 7 8,4 7 3,9 7 3,2 1 2,1 Private Kontakte 66 79,5 168 93,3 8,42 0,004 200 90,9 36 76,6 7,73 0,005 Partner: in 19 22,9 118 65,6 119 54,1 19 40,4 Freund: in 56 67,5 154 85,6 181 82,3 29 61,7 Eltern bzw. Elternteil 51 61,4 122 67,8 146 66,4 28 59,6 Andere Verwandte/ Familienmitglieder 28 33,7 73 40,6 90 40,9 12 25,5 Andere 6 7,2 14 7,8 18 8,2 2 4,3 Medikamentöse Behandlung 26 31,3 41 22,8 3,16 0,075 55 25,0 12 25,5 0,06 0,939 Antidepressiva 7 8,4 13 7,2 19 8,6 1 2,1 Beruhigungsmittel 10 12,0 14 7,8 21 9,6 3 6,4 Schlafmittel 10 12,0 12 6,7 18 8,2 4 8,5 Neuroleptika 1 1,2 4 2,2 4 1,8 1 2,1 Schmerzmittel 16 19,3 17 9,4 29 13,2 4 8,5 Andere 3 3,6 7 3,9 8 3,6 2 4,3 ▲ 204 Franziska Häse, Anna Marie Neuhäußer, Susanne Knappe Inanspruchnahme nach Symptomlast Die Zahl der aufgesuchten formellen Hilfsangebote korrelierte positiv mit dem SDQ- Gesamtwert zu ρ = 0,24 (p < .001); die Zahl der aufgesuchten informellen Hilfsangebote korrelierte dagegen negativ mit dem SDQ-Gesamtwert ( ρ = -0.20; p < .001). Tabelle 2 zeigt die Häufigkeit der Inanspruchnahme formeller und informeller Hilfsangebote nach kategorialer Auswertung des Strengths and Difficulties Questionnaire. Gemäß Mann-Whitney-U-Test bestand ein signifikanter Unterschied in der Anzahl der informellen Inanspruchnahme zwischen Teilnehmenden im unauffälligen Bereich gemäß SDQ zu Teilnehmenden im grenzwertigen Bereich des SDQ (U = 3671.50, Z = -2.11, p = .035) bzw. im auffälligen Bereich (U = 2194.50, Z = -2.25, p = .025). Es zeigte sich, dass Teilnehmende im unauffälligen Bereich mehr informelle Hilfsangebote in Anspruch nahmen als Teilnehmende im grenzwertigen oder auffälligen Bereich des SDQ. Die beiden letztgenannten Gruppen unterschieden sich jedoch nicht voneinander. Im Hinblick auf die Inanspruchnahme formeller Hilfsangebote bestanden keine Unterschiede zwischen Teilnehmenden im unauffälligen vs. grenzwertigen Bereich (U = 4231.00, Z = -0.74, p = .457), wohl aber zwischen Teilnehmenden im unauffälligen vs. auffälligen Bereich (U = 1845.50, Z = -3.44, p < .001). Zudem nahmen Teilnehmende im grenzwertigen Bereich weniger formelle Hilfsangebote in Anspruch als Teilnehmende im auffälligen Bereich (U = 566.00, Z = -2.30, p = .021). Individuelle und strukturelle Barrieren für die Inanspruchnahme Teilnehmende, die einen subjektiven Bedarf für psychologische Hilfs- und Versorgungsangebote angaben (n = 62/ 263), berichteten ein höheres Ausmaß psychischer Beschwerden (SDQ- Gesamtproblemwert; M = 17.55; SD = 0.68) als Teilnehmende ohne Bedarf (M = 10.97; SD = 0,37; T = 8.09, p < .001). Diejenigen mit subjektivem Bedarf wurden auch zu Barrieren für eine Inanspruchnahme befragt (n = 62/ 283, davon n = 25/ 62 Jugendliche). Anzahl Symptomlast gemäß SDQ Gesamtproblemwert (N = 263) unauffällig (n = 181) grenzwertig (n = 50) auffällig (n = 32) n % von n % von N n % von n % von N n % von n % von N informelle Hilfsangebote a 012345 17 15 43 61 423 9,4 8,3 23,8 33,7 23,2 1,7 6,5 5,7 16,3 23,2 15,9 1,1 6 9 12 1751 12 18 24 34 102 2,3 3,4 4,6 6,5 1,9 0,4 668732 18,8 18,8 25,0 21,9 9,4 6,3 2,3 2,3 3,0 2,7 1,1 0,8 M (SD) 2,58 (1,24) 2,18 (1,26) 2,03 (1,47) formelle Hilfsangebote b 012345 80 48 34 1531 44,2 26,5 18,8 8,3 1,7 0,6 30,4 18,2 12,9 5,7 1,1 0,4 21 11 10521 42 22 20 10 42 8,0 4,2 3,8 1,9 0,8 0,4 937751 28,1 9,4 21,9 21,9 15,6 3,1 3,4 1,1 2,7 2,7 1,9 0,4 M (SD) 0,98 (1,10) 1,18 (1,30) 1,97 (1,55) Anmerkungen: a umfasst: persönliche Unterstützung durch Partner: in, Freund: in, der Eltern bzw. eines Elternteils, andere Verwandte oder Familienmitglieder oder andere b umfasst: irgendeine stationäre, ambulant ärztliche oder therapeutische Hilfsmaßnahme, eine andere ambulante Hilfsmaßnahme, ein Beratungsangebot, telefonische oder internetbasierte Hilfsmaßnahme (ausgeschlossen: Medikation, alternative Angebote) M Mittelwert, SD Standardabweichung, n/ N Anzahl Tab. 2: Inanspruchnahme nach kategorialer Auswertung des Strength and Difficulties Questionnaire Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten für psychische Beschwerden 205 Alterskohorte (N = 62) Geschlecht (N = 60/ 62) a Jugendliche (14 bis 17 Jahre) (n = 25/ 62) junge Erwachsene (18 bis 25 Jahre) (n = 37/ 62) Test b p Mädchen/ Frauen (n = 51/ 60) Jungen/ Männer (n = 9/ 60) Test b p N % N % N % N % Individuelle Barrieren 1. Ich möchte meine Probleme selbst lösen. 9 25,7 7 30,4 14 28,6 2 25,0 2. Ich war mir nicht sicher, ob ich Hilfe benötige. 8 22,9 5 21,7 9 18,4 4 50,0 3. Ich wusste nicht, wo ich Hilfe bekommen kann. 18 51,4 14 60,9 27 55,1 4 50,0 4. Ich dachte, es würde von allein besser werden. 9 25,7 3 13,0 11 22,5 1 12,5 8. Ich war besorgt, was andere darüber denken würden/ ich wollte nicht mit einem Fremden darüber reden. 18 51,4 8 34,8 22 44,9 3 37,5 10. Ich war unzufrieden mit den vorhandenen Angeboten. 24 68,6 18 81,8 36 75,0 5 62,5 11. Ich habe mich geschämt. 19 54,3 13 59,1 26 54,2 5 62,5 12. Ich denke, die Leute könnten mich für verrückt halten. 23 65,7 13 59,1 31 64,6 4 50,0 13. Ich denke, dass die professionelle Behandlung vermutlich nicht hilft. 28 80,0 14 63,6 36 75,0 5 62,5 mittlere Anzahl (M, SD) 4,46 (0,36) 4,13 (0,39) 0,594 0,723 4,33 (0,28) 4,13 (0,91) 0,256 0,601 Strukturelle Barrieren 5. Ich habe Probleme, das passende Angebot zu finden. 19 54,3 18 78,3 29 59,2 7 87,5 6. Ich konnte es mir nicht leisten. 25 71,4 22 95,7 38 77,6 8 100,0 7. Ich habe keinen Termin bekommen, als ich ihn brauchte. 24 68,6 20 87,0 37 75,5 6 75,0 9. Für Schüler: innen: ich habe bei meinem Lehrer um Hilfe gebeten, bekam aber keine. 35 100,0 21 91,3 48 98,0 7 87,5 14. Ich finde keine Ansprechpartner: innen aus meinem Kulturkreis. 33 94,3 19 86,4 43 89,6 8 100,0 15. Die Wartezeit für das Hilfsangebot war zu lang. 23 65,7 20 90,9 36 75,0 6 75,0 16. Es gab Probleme mit meiner Krankenkasse/ Versicherung. 31 88,6 21 95,5 43 89,6 8 100,0 mittlere Anzahl (M, SD) 5,43 (0,25) 6,13 (0,24) 1,9263 0,030 5,59 (0,20) 6,25 (0,41) 1,247 0,109 Irgendeine der genannten Barrieren mittlere Anzahl (M, SD) 9,88 (0,46) 10,26 (0,49) 0,5408 0,295 9,92 (0,38) 10,37 (0,66) 0,464 b 0,322 Tab. 3: Barrieren für die Inanspruchnahme bei subjektivem Hilfebedarf, dargestellt nach Alter und Geschlecht Anmerkungen: N Anzahl, p < .05; M Mittelwert, SD Standardabweichung a N = 62 Fälle, davon n = 1 divers, n = 1 keine Angabe, n = 60 gültig b T-Test 206 Franziska Häse, Anna Marie Neuhäußer, Susanne Knappe Lediglich n = 4/ 62 hatten (trotz subjektiven Bedarfes) noch keine Hilfen in Anspruch genommen; n = 58/ 62 hatten mindestens ein Angebot genutzt, aber als unzureichend bewertet. Tabellen 3 und 4 zeigen die Häufigkeit individueller und struktureller Barrieren nach Geschlecht, Alter sowie Symptomlast. Es wurden keine Geschlechts- oder Kohortenunterschiede in der mittleren Zahl individueller Barrieren berichtet (Kohorte: T = 0.54, p = .723; Geschlecht: T = 0.26, p = .601). Für strukturelle Barrieren fanden sich keine Geschlechterunterschiede (T = 1.25, p = .109), wohl aber berichteten junge Erwachsene im Mittel mehr strukturelle Barrieren als Jugendliche (T = 1.92, p = .030). In Bezug auf die Symptomlast gemäß SDQ- Gesamtproblemwert (Tabelle 4) ergaben sich keine Gruppenunterschiede für individuelle oder strukturelle Barrieren. Diskussion In der hier berichteten anonymen online-Befragung einer Gelegenheitsstichprobe Jugendlicher und junger Erwachsener stand die Inanspruchnahme verschiedenster Versorgungsangebote bei psychischen Beschwerden im Fokus, wobei neben Unterschieden zwischen beiden Altersgruppen und binären Geschlechtern denkbare Barrieren für eine Inanspruchnahme betrachtet wurden. Im Ergebnis zeigte sich, dass junge Erwachsene (18 bis 25 Jahre) mehr informelle Hilfen nutzten als Jugendliche (14 bis 17 Jahre), sowie marginal mehr formelle Hilfen aufsuchten. In Bezug auf die binären Geschlechter konnten keine Unterschiede in der berichteten Inanspruchnahme formeller oder informeller Angebote beobachtet werden. Es wurde auch beobachtet, dass nur ein Bruchteil der Befragten (5.7 %) bislang gar keine Hilfe bei psychischen Beschwerden in Anspruch nahm. Je höher die Symptomlast gemäß SDQ-Gesamtproblemwert war, umso mehr formelle Hilfen wurden aufgesucht. Zwischen psychischen Beschwerden und informellen Hilfen bestand dagegen ein geringer negativer Zusammenhang. Demzufolge werden mit zunehmendem Schweregrad psychischer Auffälligkeiten mehr formelle Hilfen aufgesucht, informelle Hilfen entfallen aber nicht gänzlich: Bei beiden Geschlechtern ist der Anteil der aufgesuchten informellen Hilfen recht hoch, wobei Mädchen/ Frauen häufiger private Kontakte aufsuchen als Jungen/ Männer. Anders als erwartet berichteten jedoch junge Erwachsene (im Vergleich zu Jugendlichen) eine höhere Inanspruchnahme informeller Hilfen. Denkbar ist an dieser Stelle die Rolle des Untersuchungszeitpunktes im Frühjahr 2021, bei dem Jugendliche von 14 bis 17 Jahren möglicherweise noch deutlicher von den COVID-Schutzmaßnahmen wie Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen betroffen waren oder diese als einschränkender Psychische Beschwerden gemäß SDQ (N = 61/ 62) a Test b unauffällig (n = 20/ 61) grenzwertig (n = 24/ 61) auffällig (n = 17/ 61) N M (SD) N M (SD) N M (SD) Individuelle Barrieren Jugendliche junge Erwachsene 6 14 4,33 (2,25) 4,21 (2,33) 7 17 4,29 (1,70) 4,35 (1,80) 11 6 5,10 (1,45) 5,33 (2,66) F (2, 21) = .604, p = .556 F (2, 34) = .606, p = .551 Strukturelle Barrieren Jugendliche junge Erwachsene 6 14 0,33 (0,52) 1,93 (1,64) 7 17 0,57 (0,79) 1,06 (1,25) 11 6 0,91 (1,14) 2,00 (1,41) F (2, 21) = .805, p = .406 F (2, 13.72) = 1.797, p = .203 Tab. 4: Barrieren für die Inanspruchnahme unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen nach Symptomlast Anmerkungen: N, n Anzahl, p < .05; M Mittelwert, SD Standardabweichung a N = 62 Fälle, davon n = 1 keine Angabe, n = 61 gültig b einfaktorielle ANOVA, Modellvoraussetzungen für Normalverteilung und Varianzhomogenität erfüllt Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten für psychische Beschwerden 207 erlebten als junge Erwachsene. Ebenso ist denkbar, dass junge Erwachsene einen besseren Überblick oder mehr Kenntnis über bestehende Angebote haben. Beachtenswert ist, dass in beiden Alterskohorten etwa ein Viertel der Befragten die Schüler- und Studierendenberatung aufsuchten; dies ist unter den niederschwelligen Angeboten das am häufigsten genannte Hilfsangebot nach privaten Kontakten. Diese Beobachtung macht deutlich, dass pädagogischen Fachkräften in den Lebenswelten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Schlüsselrolle im Erkennen und möglicherweise auch in der Beratung und Zuweisung zu formellen Hilfsangeboten zukommen kann. Im Unterschied zu Vorstudien (z. B. Singh, Zaki & Farid, 2019; Grabenhofer-Eggerth et al., 2019) ergaben sich zunächst keine Hinweise auf eine Nicht-Inanspruchnahme bei psychischen Beschwerden. Im Gegenteil, die hier vorliegenden Ergebnisse deuten auf eine hohe Nachfrage der bestehenden Hilfen hin und unterstreichen somit die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung psychologischer Versorgungsangebote. Diese Forderung erscheint umso dringlicher, weil zwar der Anteil von Kindern und Jugendlichen in der Allgemeinbevölkerung sinkt, zugleich aber die Zahl der zu versorgenden minderjährigen Patient: innen stetig steigt (Groschwitz, Fegert & Plener, 2017). Dies könnte darauf hindeuten, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dieser Stichprobe zumindest um Hilfsangebote wissen oder bereits ein Problembewusstsein für psychische Beschwerden entwickelt haben. Unter denjenigen, die mit Symptomlast mindestens ein Hilfsangebot aufsuchten, berichteten jedoch bis zu 80 %, dass sie glauben, eine professionelle Behandlung helfe nicht (Jugendliche) oder sie waren unzufrieden mit den vorhandenen Angeboten (junge Erwachsene). Hier wäre zu überlegen, inwieweit edukative Maßnahmen zur Information und Aufklärung über psychische Beschwerden und zugehörige Hilfsangebote, auch in den Lebenswelten der Zielgruppen, zum Abbau der Barrieren beitragen können. So werden z. B. in den Lehrplänen der Sekundar- und Berufsschulen präventive bzw. gesundheitsförderliche Maßnahmen zum Gesunden Aufwachsen, Gesunde Schule oder Gesunde Lebenswelten gefordert; einige solcher Programme sind bundesweit in der sog. Grünen Liste (https: / / gruene-liste-praevention.de) oder auf den Bildungsportalen der Schulverwaltungsbehörden einzelner Länder gelistet. Ein flächendeckender, stetiger Einsatz solcher edukativer Maßnahmen wäre lohnenswert. Laut vertragsärztlicher Bedarfsplanung besteht aktuell weder im ambulanten noch im stationären pädiatrischen Setting in Deutschland eine deutliche Unterversorgung für psychische Erkrankungen, der Erhalt der bestehenden Angebote sei jedoch gefährdet, z. B. wenn Versorgungsangebote nicht nachbesetzt werden können oder deren grundständige Finanzierung nicht erhalten werden kann. Die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten in der Stichprobe erscheint auch bei Betrachtung der berichteten Barrieren hoch. Dies mag zum einen daran liegen, dass die Barriere einer mangelnden Problemerkennung (Cauce et al., 2002; Andersen, Davidson & Baumeister, 2007) in dieser Stichprobe nicht beobachtet wurde. Alternativ mag diese Stichprobe ausreichend Hilfsangebote erhalten oder aber die verfügbaren/ zugänglichen Angebote als (noch) hilfreich oder ausreichend erleben. Es ist auch denkbar, dass psychische Beschwerden auf die Covid-19- Pandemie attribuiert wurden („Die Pandemie geht vorüber“) oder Hilfsangebote als nicht notwendig für das eigene Befinden („Anderen geht es auch so“) erachtet wurden. Zum Erhebungszeitpunkt der vorliegenden Studie waren aufgrund der COVID-19-Pandemie vielfach neue Belastungen im Leben von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufgetreten. Der Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen unterlag erheblichen Rupturen (Imram, Zeshan & Pervaiz, 2020) und es wurden in hohem Maße Stress, Unsicherheit und Angst erlebt (Deolmi & Pisani, 2020; Magson et al., 2021; RKI 2022; Kaman et al. 2023). Versorgungsangebote waren teilweise gar nicht 208 Franziska Häse, Anna Marie Neuhäußer, Susanne Knappe oder nur ausschnittweise zugänglich. Entsprechend berichten andere Autor: innen von erhöhtem Hilfesuchen und zugleich zusätzlichen Barrieren (z. B. Plötner, Moldt, In-Albon & Schmitz, 2022). In dieser Befragung haben 89 % bzw. 52,2 % der Befragten mindestens ein informelles bzw. formelles Hilfsangebot in Anspruch genommen. Sofern diese Raten das infolge der Pandemie gesteigerte Hilfesuchverhalten abbilden, würde damit die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung von Versorgungsstrukturen deutlich werden, zumal jüngst eine über die Pandemie hinausgehende, anhaltende psychopathologische Krankheitslast bei Kindern und Jugendlichen beschrieben wurde (Napp et al. 2024) und mit zunehmender Symptomlast professionelle Hilfsangebote in den Vordergrund rücken. Unter der Annahme, dass die Stichprobe auch aus Studienteilnehmenden aus psychologischen/ psychotherapeutischen Kliniken und Praxen besteht, würde die tatsächliche (wahre) Inanspruchnahme von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Symptomlast überschätzt und die Rolle von Barrieren noch unterschätzt werden, denn die Teilnehmenden haben Barrieren zum Eintritt in mindestens ein Versorgungsangebot überwunden, wenn sie dort für die Befragung rekrutiert werden konnten. Die Ergebnisse zu Barrieren für die Inanspruchnahme mögen gar noch deutlicher ausfallen, wenn nicht nur Teilnehmende mit subjektivem Bedarf befragt würden. Durch die Filterführung wurden Teilnehmende ohne subjektiven Bedarf, also jene, die angaben, keinen Bedarf bzw. ausreichend Unterstützung zu haben, auch nicht zu Barrieren befragt. Im günstigsten Fall erleben sie keine Barrieren, im ungünstigen Falle jedoch besteht eine Symptomlast, die als solche nicht erkannt wird. In dieser Studie berichteten junge Erwachsene mehr strukturelle Barrieren als Jugendliche. Deutlich wird dies z. B. in Kohortenunterschieden zur Kostenübernahme und Wartezeiten (vgl. Tabelle 3). Bis zum Zeitpunkt der Datenerhebung waren die Wartezeiten für Kinder und Jugendliche tatsächlich häufig geringer als für Erwachsene, wenngleich teils erhebliche regionale Unterschiede bestanden (vgl. Rabe- Menssen, Hentschel & Ruhe, 2017). Dieser Befund könnte aber auch den erschwerten Übergang von der pädiatrischen in die Erwachsenenversorgung widerspiegeln; zum anderen ist denkbar, dass zunächst unabhängig vom Alter (nicht jedoch vom Geschlecht) individuelle Barrieren erlebt werden. Erst mit dem Übergang von der pädiatrischen in die Erwachsenenversorgung würden strukturelle Barrieren erlebt oder nicht überwunden; dies könnte unmittelbar zu einer verminderten Inanspruchnahme, langfristig zu einer Aufrechterhaltung und Chronifizierung der Beschwerden führen. Die Ergebnisse geben einen moderaten Einblick in die Versorgung psychischer Beschwerden bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, jedoch basieren sie auf einer Gelegenheitsstichprobe, zu der außer Alter und Geschlecht keine weiteren beschreibenden Merkmale vorliegen. Zu betonen ist allerdings, dass zwei Altersgruppen direkt und mit gleichen Instrumenten miteinander verglichen wurden, während frühere Studien häufig nur eine der beiden Gruppen fokussierten und Vergleiche infolge unterschiedlicher Assessments somit erschwert sein könnten. Daher ist eine Replikation der Ergebnisse in größeren und bestenfalls repräsentativen Stichproben wünschenswert, auch um regionale Aspekte wie die Art der Versorgungsangebote und -dichte, einzelne Zielgruppen (Diversität, Migrationsstatus) sowie andere denkbare Barrieren (z. B. familienbezogene Merkmale) stärker berücksichtigen zu können. Des Weiteren erlaubt die querschnittliche Betrachtung keine Aussagen darüber, ob die Nutzung formeller Hilfen bei gleichzeitig erlebten strukturellen Barrieren tatsächlich zu Versorgungsabbrüchen in der Gruppe der jungen Erwachsenen führte. Derartige Befunde könnten für die Bewältigung von Übergängen in der Versorgung psychischer Beschwerden (Störungen) relevant sein; ebenso wäre auch eine Betrachtung erfolgreicher Inanspruchnahmen notwendig, um die Inanspruchnahme psychologischer Hilfs- und Versorgungsangebote zu verbessern. Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten für psychische Beschwerden 209 Literatur Andersen, R. M., Davidson, P. L. & Baumeister, S. E. (2007). Improving access to care in America. Changing the US health care system: key issues in health services policy and management. 3rd edition (pp. 3 - 31). San Francisco: Jossey-Bass. Andrade, L. H., Alonso, J., Mneimneh, Z., Wells, J. E., Al- Hamzawi, A., Borges, G. et al. (2014). Barriers to mental health treatment: Results from the WHO World Mental Health (WMH) Surveys. 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