eJournals Psychologie in Erziehung und Unterricht72/4

Psychologie in Erziehung und Unterricht
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0342-183X
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/peu2025.art21d
3_072_2025_4/3_072_2025_4.pdf101
2025
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Übersichtsartikel: "Evidenzbasierte Praxis" in der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland - eine Untersuchung zur Implementierung von zehn empirisch gestützten Programmen

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2025
Rabea Theobald
Sigrid James
Bianca Albers
Im Rahmen dieses narrativen Review wird untersucht, ob und wie empirisch gestützte Programme, die im Ausland entwickelt und evaluiert wurden, in Deutschland in der Kinder- und Jugendhilfe (KJH) implementiert werden. Hierbei steht die Frage im Vordergrund, welche Aspekte der Implementierung in der Literatur untersucht und diskutiert werden und inwieweit sich daraus Schlussfolgerungen über Implementierungsprozesse und ihre Barrieren in Deutschland ziehen lassen. Die Untersuchung umfasste drei methodische Phasen: (1) ein Review von empirisch gestützten Programmen, die in einem international anerkannten Programmregister für die Kinder- und Jugendhilfe aufgeführt werden und Anwendung in der KJH in Deutschland finden, (2) ein Review von programmbezogenen Publikationen, die die Implementierung von Programmen adressieren, (3) eine Auswertung der Publikationen zur Implementierung der Programme. Zehn Programme wurden in die Analyse einbezogen. Fünfundzwanzig relevante Publikationen konnten für diese Programme identifiziert und analysiert werden. Ergebnisse werden im Lichte des aktuellen Standes der internationalen Implementierungsforschung sowie der methodischen Einschränkungen diskutiert.
3_072_2025_4_0007
Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2025, 72, 306 -327 DOI 10.2378/ peu2025.art21d © Ernst Reinhardt Verlag n Übersichtsartikel „Evidenzbasierte Praxis“ in der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland - eine Untersuchung zur Implementierung von zehn empirisch gestützten Programmen * Rabea Theobald 1 , Sigrid James 2 , Bianca Albers 3 1 Allgemeiner Sozialer Dienst Landkreis Gießen 2 Universität Kassel 3 Universität Zürich Zusammenfassung: Im Rahmen dieses narrativen Review wird untersucht, ob und wie empirisch gestützte Programme, die im Ausland entwickelt und evaluiert wurden, in Deutschland in der Kinder- und Jugendhilfe (KJH) implementiert werden. Hierbei steht die Frage im Vordergrund, welche Aspekte der Implementierung in der Literatur untersucht und diskutiert werden und inwieweit sich daraus Schlussfolgerungen über Implementierungsprozesse und ihre Barrieren in Deutschland ziehen lassen. Die Untersuchung umfasste drei methodische Phasen: (1) ein Review von empirisch gestützten Programmen, die in einem international anerkannten Programmregister für die Kinder- und Jugendhilfe aufgeführt werden und Anwendung in der KJH in Deutschland finden; (2) ein Review von programmbezogenen Publikationen, die die Implementierung von Programmen adressieren; (3) eine Auswertung der Publikationen zur Implementierung der Programme. Zehn Programme wurden in die Analyse einbezogen. Fünfundzwanzig relevante Publikationen konnten für diese Programme identifiziert und analysiert werden. Ergebnisse werden im Lichte des aktuellen Standes der internationalen Implementierungsforschung sowie der methodischen Einschränkungen diskutiert. Schlüsselbegriffe: Evidenzbasierte Praxis, empirisch gestützte Programme, Implementierung, Wirkungsforschung, Kinder- und Jugendhilfe “Evidence-based practice” in German child welfare - a study of the implementation of ten empirically supported programs Summary: This narrative review examines whether and how empirically supported programs that were developed and evaluated abroad are being implemented in the German child and youth welfare system (CYWS). The focus is on aspects of implementation being studied or discussed in the literature and conclusions that can be drawn for program implementation and its barriers in Germany. The investigation encompassed three consecutive phases: (1) a review of empirically supported programs that were listed in an internationally recognized clearinghouse for child welfare programs and have been implemented in the German CYWS; (2) a review of program-relevant publications that address aspects of implementation; (3) an analysis of publications addressing program implementation. Ten programs were included for analysis. Twenty-five relevant publications could be identified for these programs and were subsequently analyzed. Results are discussed in light of international developments in implementation science as well as methodological limitations. Keywords: Evidence-based practice, empirically-supported programs, implementation, outcome research, child and youth welfare * Dieser Beitrag basiert auf der Masterarbeit von Rabea Theobald, die 2022 im Studiengang MA-Diversität, Forschung, Soziale Arbeit an der Universität Kassel geschrieben wurde. Die Arbeit wurde von Sigrid James und Bianca Albers betreut und wurde für Zwecke dieses Beitrags überarbeitet und weiterentwickelt. Die Implementierung empirisch gestützter Programme in der Kinder- und Jugendhilfe 307 Die Themen Evidenzbasierung, Wirkungsorientierung und Wirksamkeit von Angeboten in der deutschen Kinder- und Jugendhilfe (KJH) 1 werden seit Langem diskutiert (Albus, 2022; Borrmann & Thiessen, 2016; Otto, Polutta & Ziegler, 2010; Polutta, 2013). Während der Übergang vom Professions-Modell zur Wirkungsorientierung zunächst mit Skepsis betrachtet wurde, gilt die Forderung nach einer empirischen Grundlage in der KJH und der Evaluation sozialpädagogischer Programme mittlerweile als legitim und ist aus der KJH kaum noch wegzudenken (Albus, Micheel & Polutta, 2017). In dieser Debatte haben empirisch gestützte Programme (EGP) stets eine besondere Rolle eingenommen. EGP sind Interventionen, deren Wirksamkeit durch Forschungsstudien belegt ist und die deshalb die Entwicklung von evidenzbasierter Praxis in der KJH unterstützen können, wenn sie - zusammen mit dem professionellen Fachwissen von Sozialarbeiter: innen und den Präferenzen von Kindern, Jugendlichen und Familien - in die fallbezogene Entscheidungsfindung integriert werden. Die „Multisystemische Therapie - MST“ (Eigenheer, Rhiner, Schmid & Schramm, 2016) oder „Positive Parenting Program - Triple P“ (Cina, Bodenmann, Hahlweg, Dirscherl & Sanders, 2006) sind Beispiele von EGP, die im deutschsprachigen Raum seit Längerem präsent sind. Ihren Ursprung haben diese Programme häufig im Ausland. Vor allem in den USA sind EGP dazu eingesetzt worden, die Landschaft der KJH zu verändern, u. a. durch zielgerichtete föderale und staatliche finanzielle Anreize, die darauf abzielen, die Implementierung von EGP zu erleichtern - in der Hoffnung, Evidenzbasierung zum Standard zu machen (Haskins & Margolis, 2015; Walker, Bumbarger & Phillippi, 2015) und damit die Wahrscheinlichkeit von positiven Ergebnissen für KJH-involvierte Kinder und Familien zu erhöhen. Obgleich die Evidenzbasierung von EGP nicht unumstritten ist (Fonagy et al., 2018; Littell, Pigott, Nilsen, Green & Montgomery, 2021; Littell, Pigott, Nilsen, Roberts & Labrum, 2023; Van der Stouwe, Asscher, Stams, Deković & Laan, 2014), löste diese Entwicklung auch außerhalb der USA markantes Interesse aus und führte zu Versuchen EGP in andere Länder zu importieren und hier unter anderen kontextuellen Bedingungen zu implementieren. Unter anderem Großbritannien (Waterman, 2021), Norwegen (Baran & Jones, 2018; Hukkelberg, Ogden & Thøgersen, 2022) und Australien (Albers et al., 2020; Economidis, Farnbach, Falster, Eades & Shakeshaft, 2023; McCarthy & Griffiths, 2021) leiteten umfassende, zum Teil weiterhin andauernde Implementierungsversuche ein, um damit die Entwicklung der KJH in Richtung Wirkungsorientierung voranzutreiben. Auch in Deutschland hat sich in den letzten zwanzig Jahren ein verstärktes Interesse für EGP gezeigt. Dies spiegelt sich unter anderem in einer Reihe von wissenschaftlichen Studien zur Wirksamkeit von EGP in Deutschland wider (Baldus et al., 2016; Heinrichs, Kliem & Hahlweg, 2014; Röding et al., 2022; Stemmler, Beelmann, Jaursch & Lösel, 2007) aber auch in der Etablierung von „Grüne Liste Prävention“ 2 , einem Evidenzregister für Programme, die die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen fördern sollen (Brender, Bremer, Kula, Groeger- Roth & Walter, 2024). Im Rahmen eines solchen „Programmtransports“ über geografische und kulturelle Grenzen hinweg nimmt die Implementierung, hier definiert als bewusst geplante Aktivitäten, um die Anwendung und Umsetzung von EGP innerhalb realer Praxisbedingungen von Serviceanbietern zu ermöglichen (Albers, 2014), eine zentrale Rolle ein. In den letzten knapp zwanzig Jahren hat sich mit der Implementierungswissenschaft ein selbstständiges Forschungsfeld entwickelt (Albers, Shlonsky & Mildon, 2020), 1 Die Abkürzung KJH bezieht sich in diesem Beitrag nicht ausschließlich auf das deutsche Kinder- und Jugendhilfesystem, sondern wird allgemein als Abkürzung für Kinder- und Jugendhilfesysteme genutzt. Unterschiede in den diversen Systemen sind nicht Gegenstand dieses Beitrags und bedürfen einer separaten Betrachtung. 2 https: / / www.gruene-liste-praevention.de/ nano.cms/ datenbank/ information 308 Rabea Theobald, Sigrid James, Bianca Albers das sich diesem Thema widmet und auch im Bereich der KJH zunehmend Studien zur Implementierung von EGP hervorbringt. Während diese Studien zeigen, dass EGP in andere Länder überführt werden können (Bonell, Prost, Melendez-Torres, Davey & Hargreaves, 2021; Gardner, Montgomery & Knerr, 2015; Maciel, Gomis-Pomares, Day & Basto-Pereira, 2023), unterstreichen sie auch, dass eine Anpassung der Programme und eine gut geplante Implementierung notwendig sind, um eine solche Überführung in einen anderen kulturellen Kontext bzw. ein anderes Kinder- und Jugendhilfesystem zu ermöglichen (Olsson, Schwarz, Hasson, Vira & Sundell, 2023; Sundell, Beelmann, Hasson & Schwarz, 2015). Aufbauend auf Erkenntnissen der Implementierungswissenschaft sind zentrale Charakteristika einer solchen „gut geplanten“ Implementierung (i) die transparente Anwendung eines theoretischen oder konzeptuellen Modells; (ii) die explizite Ausformulierung von Implementierungsstrategien, d. h., jener Aktivitäten, die darauf abzielen, ein EGP in der Praxis der KJH zu verankern; und (iii) der Definition von angestrebten Implementierungsresultaten. Zu diesem Zweck hat die Implementierungswissenschaft eine breite Palette von Rahmenmodellen entwickelt (Nilsen, 2015), Taxonomien zu Implementierungsstrategien erstellt (Powell et al., 2015; Waltz et al., 2015), und Zielgrößen zur Implementierung (Implementierungsoutcomes) benannt (Proctor et al., 2023; Proctor et al., 2011). 3 Solche Entwicklungen werfen die Frage auf, inwieweit die Anwendung und Implementierung von im Ausland entwickelten EGP in der deutschen KJH bisher empirisch untersucht worden sind. Das zentrale Ziel dieser Studie ist deshalb, ebensolche Programme und deren Implementierungsstudien zu identifizieren und diese in Bezug auf relevante Aspekte der Implementierung auszuwerten. Die Forschungsfragen, die diese Studie geleitet haben, sind: - Inwieweit werden etablierte EGP, die im Ausland entwickelt und evaluiert wurden, in Deutschland in der KJH genutzt? - Wie gestaltet sich die Implementierung und inwieweit wird in Publikationen zu den EGP auf Aspekte der Implementierung (u. a. Rahmenmodelle, Strategien, Implementierungsresultate) eingegangen? Methodischer Ansatz Methodisch umfasste diese Studie drei Phasen: (i) ein Review zu EGP und ihrer Anwendung in Deutschland; (ii) ein Review zu programmbezogenen Publikationen, die die Implementierung der EGP adressieren; (iii) eine Auswertung der Publikationen hinsichtlich ihrer Bezugnahme auf relevante Dimensionen der Implementierung. Die Auswahl von EGP (Phase 1) und programmbezogenen Publikationen (Phase 2) erfolgte in einem mehrstufigen systematisch durchgeführten Auswahlprozess, der sich in einer vorherigen Studie zu EGP bewährt hatte (James, Alemi & Zepeda, 2013). Dieser hatte gezeigt, dass ein stringenter Scoping Review für diese Art von Review nicht geeignet ist, da programmbezogene Literatur nicht ausreichend unter systematischen Suchstrings indexiert ist. Nichtsdestotrotz folgte die Suche einer grundlegenden, transparenten Systematik, inklusive der a-priori-Bestimmung von Ein- und Ausschlusskriterien, einer zielgerichteten Literaturrecherche (in diversen Datenbanken und Quellen unter Einbindung von Suchstrings) und der Verfolgung von Treffern. Phase 1: Review - Auswahl von Programmen Einschluss- und Ausschlusskriterien Die Suche richtete sich auf KJH-relevante Programme, die auf der Basis anerkannter wissenschaftlicher Gütekriterien als ‚evidenzbasiert‘ bzw. empirisch gestützt eingestuft wurden und somit einen entsprechenden wissenschaftlichen Bewertungsprozess durchlaufen haben. Von Interesse waren Programme in unterschiedlichen Implementierungsstadien - Programme in der Planung ebenso wie Programme, die in Deutschland bereits vollständig etabliert waren. Ausgeschlossen wurden Programme, die ein primär psychotherapeutisches Behandlungsangebot ohne un- 3 Diese sind teilweise auch auf Deutsch zugänglich (Gutt et al., 2018; Kien, Schultes, Szelag, Schoberberger & Gartlehner, 2018; Regauer et al., 2021) Die Implementierung empirisch gestützter Programme in der Kinder- und Jugendhilfe 309 mittelbaren Bezug zur KJH darstellten. Diese Unterscheidung ist aufgrund der verbreiteten interdisziplinären Aufstellung vieler Arbeitsbereiche in Deutschland nicht trennscharf. Differenziert wurde anhand der ausgewiesenen notwendigen Qualifikation, ob Sozialarbeiter: innen die Qualifikation zur Anwendung eines jeweiligen empirisch begründeten Programms in Deutschland erwerben können. Suche 1: EGP für die Kinder- und Jugendhilfe Zur Identifizierung etablierter EGP wurde ein für die KJH relevantes und international anerkanntes Programmregister herangezogen. Das California Evidence- Based Clearinghouse for Child Welfare (CEBC) fasst auf seiner Webseite Informationen und Forschungsergebnisse zu EGP, die Relevanz für die KJH (auf internationaler Ebene) haben, zusammen. 4 Die Wahl fiel auf die Programmauflistung des CEBC, da diese sehr umfangreich ist, regelmäßig aktualisiert wird und Programme einbindet, die international Anwendung finden. Das CEBC umfasst detaillierte Informationen zu den jeweiligen Programmen und ihren Zielen und Elementen, Anleitungen zur Implementierung sowie weiterführende Quellen zu Seminaren, Leitlinien und Handreichungen und relevanten Kontakten und fungiert somit als „Suchmaschine“ sowie auch als „Handwerkskoffer“. Programme im CEBC durchlaufen einen umfassenden Begutachtungsprozess durch Expert: innen und werden auf einer fünfstufigen Skala bewertet: „Well-Supported by Research Evidence“ (Stufe 1), „Supported by Research Evidence“ (Stufe 2), „Promising Research Evidence“ (Stufe 3), „Evidence Fails to Demonstrate Effect“ (Stufe 4), „Concerning Practice“ (Stufe 5). Weiterhin gibt es eine Kategorie, die Programme erfasst, für die unzureichende Information zur Verfügung steht („NR - Not able to be Rated“). Programme der Stufen eins und zwei sind durch randomisierte kontrollierte Untersuchungen (RCT) in üblichen Betreuungs- oder Praxisfelder evaluiert worden und haben positive Wirkungen erzielt, die über einen gewissen Zeitraum aufrechterhalten blieben (1 Jahr für Stufe 1, 6 Monate für Stufe 2). 5 Weitere grundlegende Bedingungen für eine positive Bewertung beinhalten die Verfügbarkeit von Manualen oder Handlungsleitfäden, die Veröffentlichung von wirkungsbezogenen Forschungsergebnissen im Peer- Review-Verfahren und die Einbindung von validen und reliablen Instrumentarien für KJH-relevante Zielgrößen. Die vorliegende Studie beschränkte sich auf Programme der Stufen 1 und 2 - zum einen um die empirische Fundierung von Programmen zu gewährleisten und zum anderen, um eine überschaubare Anzahl an Programmen auswerten zu können. Zum Zeitpunkt der Recherche (Frühjahr/ Sommer 2022) waren 575 Programme auf der CEBC-Webseite gelistet, davon 46 der Stufe 1 und 61 Programme der Stufe 2. Suche 2: EGP in Deutschland Ein nächster Schritt der Recherche beinhaltete die Bestimmung des Anteils der 107 Programme, die in Deutschland Anwendung finden. Konventionelle Suchen über elektronische Literaturdatenbanken waren für diese Recherche nicht hilfreich, da wie schon zuvor angedeutet, programmbezogene Literatur unter systematischen Suchstrings nur bedingt identifiziert werden kann. Stattdessen wurden Programme über Google, Homepages von Programmen und via Schneeballsystem 6 geortet. Teilweise verwiesen die originären internationalen Webseiten der Entwickler auf die Implementierung in Deutschland. Vereinzelt gab es Organisationen für die Implementierung eines Programms in Deutschland. 7 Darüber hinaus waren Standortbestimmungen in den Programmbeschreibungen auf der CEBC-Webseite hilfreich. Auf diese Weise konnten 13 Programme identifiziert werden, die in Deutschland angewandt werden und auf Webseiten von Anbietern und Trägern sowie deutschen Ausgaben der Programmseiten als sozialpädagogisches Angebot ausgewiesen wurden. Variationen eines Programms, wie im Fall der Triple-P- Programme, wurden als zusammengehörend in der Untersuchung berücksichtigt und nicht getrennt voneinander betrachtet. Somit wurden final zehn Programme in die nachfolgende Analyse einbezogen, die in Tabelle 1 mit ausgewählten Eckdaten skizziert werden. 4 Ein in kleinerem Umfang vergleichbares Angebot in Deutschland stellt die schon oben erwähnte „Grüne Liste Prävention“ dar, die programmatische Angebote für präventive Programme für Kinder und Jugendliche auflistet und anhand eines vergleichbaren wissenschaftlichen Maßstabs bewertet. 5 Für die genauen Bewertungsprozesse und -kriterien des CEBC siehe www.cebc4cw.org/ ratings/ scientificrating-scale/ 6 Bei der Literaturrecherche nach dem Schneeballsystem werden ausgehend von einer relevanten Quelle deren Quellenverweise und das Literaturverzeichnis genutzt, um weitere geeignete Literatur zu identifizieren. 7 Z. B. https: / / impuls-familienbildung.de/ fuer-fachkraefte/ programme/ hippy/ 310 Rabea Theobald, Sigrid James, Bianca Albers Programm Zielgruppe Ziele Programmelemente Präsenz in Deutschland (ausgewählte Eckdaten) Attachment and Biobehavioral Catch-up (ABC) ◾ Eltern (Biologische/ Pflege-/ Adoptiv-) mit Kindern, 6 M. -2 J., mit erhöhten Risikofaktoren ◾ Eltern: Sensitivität, Verständnis und Kompetenzen fördern; negative Verhaltensweisen verringern ◾ Kinder: Bindungssicherheit, biologische und Verhaltensregulation fördern ◾ 1 Std./ Woche; 10 (Haus-)Besuche ◾ Coaching ◾ „Skillstraining“ ◾ Modelllernen ◾ Videoaufzeichnung ◾ Beobachtung ◾ Seit ca. 2017 ◾ Unterstützt durch Dietmar Hopp Stiftung, Neumüller Becker Unternehmerstiftung, Odenwald-Institut der Karl Kübel Stiftung ◾ Evaluiert durch das Deutsche Jugendinstitut Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters (HIPPY) ◾ Kinder, 3 -5 J. ◾ Eltern mit Kindern, 3 -5 J. ◾ Eltern unterstützen und partnerschaftlich einbinden, um den Schulerfolg von Kindern zu erhöhen ◾ Wöchentliche Hausbesuche: 1 Std. Einzelfallarbeit ◾ Eltern machen pädagogische Aufgaben mit den Kindern 5 ×/ Woche ◾ Lern- und Spielmaterialien ◾ Minimal 30 Wochen, mindestens 6 ×/ Jahr ◾ Gruppentreffen (2 Std.) mit den Eltern ◾ Seit 1992 als Modellversuch in Bremen und Nürnberg ◾ Mehrere Standorte ◾ 2002 ausgezeichnet mit dem Integrationspreis des Bundespräsidenten ◾ HIPPY der Kinder- und Jugendhilfe gGmbH des Deutschen Roten Kreuzes (DRK-KiJu) Hamburg ◾ IMPULS Deutschland Stiftung e.V. ist 2014 aus der HIPPY-Opstapje Deutschland gGmbH hervorgegangen Motivational Interviewing (MI) ◾ Für Eltern von Kindern in der KJH ◾ Anwendung mit Jugendlichen ◾ Internale Motivation fördern und verstärken ◾ Veränderungen gezielt bewirken ◾ 1 -3 Einzelsitzungen, 30 -50 Min. pro Sitzung ◾ Anwendung in diversen Settings ◾ Seit ca. 2000 als Modellversuch in fünf Modellregionen (NRW) ◾ Mehrere Programme, die auf MI basieren und u. U. andere „Bausteine“ hinzufügen, u. a. ◾ MOVE, Kita-MOVE (ginko Stiftung für Prävention) ◾ FreD, HaLT (Landschaftsverband Westfalen- Lippe) Multidimensional Family Therapy (MDFT) ◾ Jugendliche, 11 -18 J. alt mit Sucht-/ Verhaltensproblemen, Delinquenz, internalisierenden/ externalisierenden Problemen ◾ Eltern/ Betreuende der Jugendlichen ◾ Emotionale Regulation, Bewältigungsstrategien, Problemlösungs- und Kommunikationsfähigkeiten fördern; Sucht- und Verhaltensprobleme verringern ◾ Elternkompetenz, Bindung und Kohäsion in der Familie fördern ◾ Zu Beginn: 1-3 Sitzungen/ Woche à 45 -90 Min.; dann 1 Std./ Woche, ca. 3 -6 Monate ◾ Setting: zu Hause, Heimeinrichtung, Schule etc. ◾ Sitzungen mit Jugendlichen, Eltern, Familien; Telefonkontakte; Kontakte mit Schulen, KJH etc.; Supervision ◾ Seit 2004 Modellversuch in Berlin ◾ Standorte: Hamburg, Dresden, Köln, München ◾ Teil der europäischen INCANT Studie Tab. 1: KJH-relevante EGP in Deutschland ▶ Die Implementierung empirisch gestützter Programme in der Kinder- und Jugendhilfe 311 Programm Zielgruppe Ziele Programmelemente Präsenz in Deutschland (ausgewählte Eckdaten) Multisystemic Therapy (MST) ◾ Jugendliche, 12 -17 J. alt mit Suchtund/ oder Verhaltensproblemen, Delinquenz; erhöhtes Risiko für Platzierung in der stationären KJH ◾ Eltern/ Betreuende der Jugendlichen Jugendliche: ◾ Bewältigungs- und Problemlösungsstrategien fördern ◾ Häufigkeit u. Grad der Probleme verringern Eltern/ Betreuende: ◾ Fähigkeit erlernen, um pos. Bewältigungsstrategien der Jugendlichen zu unterstützen ◾ Parentale Bewältigungsstrategien und Kompetenzen verbessern ◾ 3 -5 Monate, Intensität variiert je nach Bedarf ◾ Setting: zu Hause, in der Schule ◾ MST-CAN ◾ 6 -9 Monate, hohe Intensität (3 -7 × die Woche) ◾ Setting: zu Hause ◾ Seit 2016 ◾ Standorte: Mainz, Heilbronn und Hamburg ◾ Pilotprojekt Heilpädagogium Schillerhain, Mainz (Projektphase 2015/ 2016) ◾ Seit 2017 im Friedensgemeindehaus Heilbronn Positive Peer Culture (PPC) ◾ Für Jugendliche, 11 -22 J. ◾ Soziale Kompetenzen verbessern ◾ Altruismus, Verantwortung, Autonomie fördern ◾ Neg. Peereinflüsse verringern ◾ Soziales Interesse und Engagement durch Mentoring von Erwachsenen erlernen ◾ 60 -90 Min. Gruppensitzungen, ca. 5 ×/ Woche ◾ Zeitraum: 4 -9 Monate ◾ Ambulante und stationäre Settings, Schule ◾ Seit 2002 ◾ Pilotprojekt im St. Augustinusheim Ettlingen ◾ Weitere Standorte, u. a., evangelische Stiftung Loher Nocken, Ennepetal; Internat Argo, Bonn Bad Godesberg Strengthening Families Program: For Parents and Youth 10 -14 (SFP10 -14) ◾ Jugendliche mit Risikoverhalten, 10-14 J. alt, und Familien Jugendliche: ◾ Risikoverhalten verringern ◾ Prosoziales Verhalten fördern ◾ Bewältigungs-/ Problemlösungsstrategien erlernen Eltern/ Betreuende: ◾ Parentale Kompetenzen verbessern ◾ Beziehung zum Jugendlichen stärken ◾ 2 Std./ Woche, 7 Wochen ◾ Setting: Träger, Schule ◾ Sitzungen in Gruppen mit 7 -10 Familien, Sitzungen mit den Jugendlichen und der Familie ◾ Nutzung eines Curriculums, „Hausarbeit“ zur Einübung von „Skills“ ◾ Seit 2009 ◾ Pilotprojekt am Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ◾ Deutscher Programmname: Familien (achtsam) stärken ◾ Standorte: Hamburg, Hannover, Schwerin, München ▶ ▶ 312 Rabea Theobald, Sigrid James, Bianca Albers Phase 2: Review zu programmbezogenen Publikationen in Deutschland In der zweiten Phase wurde ein Review durchgeführt, um in Deutsch oder Englisch verfasste Publikationen zu den jeweiligen Programmen zu finden, die Bezug auf ihre Implementierung nahmen. Die Auswahl der Literatur wurde vor dem Hintergrund der Annahme vorgenommen, dass nicht alle Publikationen die Thematik Implementierung explizit verfolgten, sondern andere Zielsetzungen im Vordergrund stehen konnten wie bspw. die Untersuchung der Wirkung eines Programms. Gesucht wurden empirische Studien zu EGP, publiziert zwischen 2005 (Beginn der Implementierungswissenschaft) und 2022, die spezifisch - durch empirische Daten oder in der Diskussion - Bezug auf Implementierung nahmen. Ausgeschlossen wurden Beiträge, die lediglich eine Übersicht über ein jeweiliges Programm vermittelten sowie Manuale und deren Übersetzungen. Auch für diesen Review mussten diverse Suchstrategien eingesetzt werden, um entsprechende Publikationen zu finden. So begann die Recherche mit manueller Suche auf Google und Entwicklerhomepages. Konventionelle Datenbankrecherchen (u. a. Fachportal Pädagogik, Web of Science, BASE, PubMed, SocioHb, Bielefeld Academic Search Engine, GoogleScholar) nutzten Suchstrings, die den Namen des Programms, ggf. den deutschen Namen des Programms sowie deutsch* beinhalteten. Ergänzende Suchen fanden über Projektnamen oder über Autor: innen statt, die zu einem Programm publiziert hatten. Für einige Programme wurden Programmentwickler angeschrieben, um Zugang zu Literatur zu erhalten; d. h. die Suche umfasste konventionelle wissenschaftliche Quellen sowie graue Literatur. Der beschriebene Prozess generierte 81 Beiträge, die hinsichtlich ihrer Bezugnahme auf Implementierung wie beispielsweise die Planung des Prozesses, das Erwähnen von Implementierungsphasen, -strategien und/ oder -modellen, gesichtet wurden. Literatur über eine potenzielle Programmanwendung wurde einbezogen, da Planung und Sondierung Teil des Implementierungsprozesses sind. Das Flow-Diagramm in Abbildung 1 vermittelt einen Überblick über diesen Prozess. Am Ende blieben 25 Beiträge zu den zehn Programmen, die die Grundlage für die Auswertung in Phase 3 bildeten. Programm Zielgruppe Ziele Programmelemente Präsenz in Deutschland (ausgewählte Eckdaten) Triple P Positive Parenting Program - Level 4® Level 3 Discussion Group Triple P Online ◾ Für Eltern mit Kindern, 0 -12 J. ◾ Parentale Skills und Kompetenzen erhöhen; Erziehungsstrategien erhöhen ◾ Strafende Strategien reduzieren ◾ Selbstwirksamkeit/ Selbstvertrauen erhöhen, Stress reduzieren ◾ Verringerung der Verhaltensprobleme der Kinder Unterschiedliche Modi für die diversen Programme, z. B.: ◾ 2-3 Monate in unterschiedlichen Formaten, z. B. Gruppensitzungen, (5 × 2 Std., 3 × 20 Min.) & Telefonkonsultationen für 8 Wochen; 2 Online-Versionen; Arbeitsbuch, etc. ◾ Unterschiedliche Settings (ambulante oder stationäre KJH, Schule etc.) ◾ Seit ca. 2004 ◾ Seit 2015 kostenloses Onlineangebot von Triple P (Landkreis Osnabrück) ◾ Triple P Online (Kreis Düren) ◾ Forschungsprojekt FAMOS (Familien Optimal Stärken) in der Stadt Paderborn ab 2009/ 2010 Tuning in to Kids (TIK) ◾ Eltern mit Kindern, 3 -12 J. ◾ Fähigkeiten zum Emotionscoaching erlernen ◾ Negative Emotionen im Umgang mit dem Kind verringern ◾ Bewusstsein für Emotionen und emotionale Regulation verbessern ◾ Beziehung zum Kind verbessern. ◾ 2 Std./ Woche ◾ 6 -8 Sitzungen je nach Setting ◾ Booster-Sitzungen empfohlen ◾ Seit 2019 Pilotprojekt zur Implementierung von TIK ◾ Seit Januar 2024 „Einfühlen in Kinder - Tuning in to Kids“ im Raum Trier mit Begleitforschung ▶ Die Implementierung empirisch gestützter Programme in der Kinder- und Jugendhilfe 313 Abb. 1: PRISMA-Flussdiagramm zum Verlauf der Studienauswahl Volltextdurchsicht von empirischen Publikationen mit Bezug zur Implementierung des Programms in DE Ausschluss von rein konzeptionellen Publikationen zum EGP, Übersichten sowie (übersetzten) Manualen Ausgeschlossen: n =56 Einschluss: Publikationen mit Implementierungsbezug in DE auf Deutsch und Englisch Ausgeschlossen: n =50 Publikationen einbezogen nach Volltextdurchsicht: ABC n =2 HIPPY n =2 IY n =0 MI n =2 MDFT n =5 MST n =0 PPC n =2 SF n =6 Triple P n =5 TIK n =1 Gesamt: n =25 Publikationen einbezogen nach Durchsicht: ABC n = 2 HIPPY n = 9 IY n = 1 MDFT n =18 MI n = 8 MST n = 8 PPC n = 5 SF n =12 Triple P n =17 TIK n = 1 Gesamt: n =81 Publikationen identifiziert über andere Quellen: ABC n = 2 HIPPY n = 2 IY n = 7 MDFT n =11 MI n = 2 MST n =10 PPC n =14 SF n = 4 Triple P n =28 TIK n = 1 Gesamt: n =81 Publikationen identifiziert über Datenbanken: ABC n = 2 HIPPY n = 8 IY n = 1 MDFT n = 8 MI n = 6 MST n = 9 PPC n = 3 SF n =10 Triple P n = 2 TIK n = 1 Gesamt: n =50 Durchsicht Publikationen mit Bezug auf Implementierung Publikationen identifiziert: n =131 Identifizierung von Publikationen über Datenbanken Einbezogen Identifizierung von Publikationen über andere Quellen Identifizierung Durchsicht 314 Rabea Theobald, Sigrid James, Bianca Albers Phase 3: Eine Analyse zur Implementierung der EGP in Deutschland In der letzten Phase wurde untersucht, inwieweit die ausgewählten Publikationen auf Aspekte der Implementierung eingingen. Die Auswertung umfasste sowohl induktive als auch deduktive Teile. Induktiv wurde erfasst, welche Themen im Bereich der Implementierung in den jeweiligen Publikationen aufgegriffen wurden. A priori Interesse galt spezifischen Aspekten der Implementierungsforschung, u. a. Outcomes (Proctor et al., 2011), Strategien (Powell et al., 2015) und Rahmenmodellen (Nilsen, 2015), um einschätzen und vergleichen zu können, wie spezifisch im deutschen Kontext auf diese eingegangen wurde. Zwei Autorinnen (RT & SJ) vollzogen eine Volltextdurchsicht der 25 Beiträge und extrahierten alle Aussagen, die sich auf Ergebnisse oder Erkenntnisse zur Implementierung bezogen. Konflikte in der Bewertung wurden durch Konsensverfahren gelöst. Eine inhaltsanalytische Auswertung folgte. Resultate Ein Überblick über in Deutschland angewendete EGP Die ausgewählten Programme (s. Tabelle 1) verfolgen grundlegend ähnliche Ziele, d. h. vornehmlich die Stärkung von Elternkompetenzen und Bewältigungsstrategien, um Feinfühligkeit und den Umgang mit den Bedarfen ihrer Kinder und Jugendlichen zu erhöhen und positive Veränderungen in ihrer emotionalen Entwicklung und ihren Verhaltensweisen zu bewirken. Mit der Ausnahme von Positive Peer Culture (PPC), welches die sozialen Kompetenzen von Jugendlichen durch positive Peereinflüsse und Mentoring stärken soll, beziehen alle Programme aktiv Eltern oder Betreuende mit ein, und im Fall von Attachment and Biobehavioral Catch-Up (ABC), Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters (HIPPY), Incredible Years (IY), Triple P und Tuning into Kids (TIK) liegt der Fokus sogar hauptsächlich auf den Eltern bzw. Betreuenden. Einige der Programme fallen in den Bereich der Prävention (ABC, HIPPY, IY, Strengthening Families Program [SFP] 10 - 14, Triple P, TIK), während andere darauf ausgerichtet sind, bereits bestehende Probleme zu verringern oder zu bewältigen (Multidimensional Family Therapy [MDFT], Multisystemic Therapy [MST], PPC). Mehrere Programme sind gezielt auf besonders vulnerable Gruppen ausgerichtet. Das Programm Attachment and Biobehavioral Catch-Up adressiert Pflegefamilien, während Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters als Familienbildungsprogramm speziell für Familien mit Fluchterfahrung konzipiert ist. Motivational Interviewing (MI) unterscheidet sich insofern, als dass die Fokussierung auf der Aktivierung von Motivation liegt, und das Programm im Kontext der KJH gewöhnlich mit anderen Programmen kombiniert wird und somit nur ein Element darstellt. Die Programme kombinieren häufig Einzelfallarbeit mit Gruppenund/ oder Familiensitzungen, setzen diverse Strategien ein - u. a. Kompetenztraining, Hausbesuche, Beobachtungen, Gruppentreffen, Fallarbeit, Videoaufzeichnungen, Coaching - und sind in der Mehrzahl von relativ kurzer Dauer (ca. 3 - 6 Monate). Allein HIPPY betont eine minimale Dauer von 30 Wochen und für PPC wird eine Dauer bis zu neun Monaten angegeben. Die Implementierung der Programme in Deutschland erstreckt sich von 1992 (HIPPY) bis rezent (TIK). Einige Programme scheinen sich bisher nur bedingt über Modellphasen hinaus entwickelt zu haben (u. a. ABC, IY, MST), andere EGP (MDFT, Triple P) weisen Weiterentwicklungen auf. Eine breite Nutzung in der deutschen KJH ist bei keinem der angeführten Programme erkenntlich. Beschreibung der Studien Zuerst erfolgt eine kurze methodische Einordnung der Publikationen, gefolgt von einer Synthese von implementierungsrelevanten Ergebnissen und Erkenntnissen. Die 25 Publikationen wurden im Zeitraum von 2005 (Beginn der Recherche) bis 2022 veröffentlicht (s. Tabelle 2). Für die Programme IY und MST konnten keine Publikationen gefunden werden, die den Einschlusskriterien entsprachen. Zum Teil erschienen Beiträge in ein oder zwei Publikationsjahren (ABC, HIPPY, Die Implementierung empirisch gestützter Programme in der Kinder- und Jugendhilfe 315 Programm/ Publikation „Studientyp“ Design Erhebung Imp Effekt Eval Pilot RCT Quasi Andere Quan Qual ABC Costello et al. 2021 a b × × × Zimmermann et al. 2021 a (×) × × × × HIPPY Bierschock et al. 2008 × × × Korntheuer 2021 × × × MDFT Gantner 2006 a × × × × Tossmann et al. 2010 c × × × × Rigter et al. 2010 a b c (×) (×) (×) (×) Rigter et al. 2013 a b c × × × × Rowe et al. 2013 a b c × × × MI Marzinzik & Fiedler 2005 × × × × × Marzinzik 2007 × × × × × PPC Steinebach & Steinebach 2007 d × × × × Steinebach & Steinebach 2009 a b d × × × × SFP Stolle et al. 2011 a b e × × × Stappenbeck et al. 2013 e × × × × Baldus et al. 2016 a b e × × × × Bröning et al. 2017 a b e × × (×) × × Arnaud et al. 2020 a b e (×) (×) (×) (×) Franz et al. 2022 a × × (×) × × Triple P Heinrichs et al. 2006 a × × (×) × × Briegel et al. 2013 a × × × × Frantz & Heinrichs 2013 f × × (×) × × × × Frantz & Heinrichs 2014 a f × (×) (×) × × × × Frantz et al. 2015 f × (×) (×) × × × × TIK Otterpohl et al. 2019 a × × × × Tab. 2: Ein methodischer Überblick über 25 Studien von EGP in Deutschland Anmerkungen: Imp - Implementierungsstudie; Effekt - Effektivitäts- oder Wirkungsstudie; Eval - Evaluationsstudie; Pilot - Pilotstudie; RCT- randomisierte kontrollierte Untersuchung; Quasi - Quasiexperimentelle Studie; „andere“ - nicht experimentelle oder observationale Designs etc.; Quan - quantitative Methoden; Qual - qualitative Methoden a Peer Review; b Englisch; c INCANT Projekt; d PPC Evaluation; e multizentrische SFP Studie; f FAMOS Projekt Angaben in Klammern beinhalten u. a. Berichte von geplanten Studien oder weisen darauf hin, dass eine Studie - als Teil eines größeren Projekts - auf eine spezifische Kategorie nicht einging. 316 Rabea Theobald, Sigrid James, Bianca Albers MI, PPC, TIK); für andere Programme gab es mehrere Publikationen über einen längeren Zeitraum hinweg (SFP: 2011 - 2022; Triple P: 2006 - 2015; MDFT: 2006 - 2013). Siebzehn der 25 Artikel sind in Fachzeitschriften mit Peer Review veröffentlicht - zehn davon in englischer Sprache, sieben in Deutsch. Beiträge ohne offizielles Peer Review beinhalten zumeist längere Evaluations- oder Studienberichte. Die meisten Beiträge mit Peer Review liegen für MDFT (4/ 5), SFP (5/ 6) und Triple P (4/ 5) vor. Die wenigen und eher rezenten Publikationen für ABC und TIK durchliefen alle ein Peer Review. Die 25 Publikationen können 15 Studienprojekten zugeordnet werden, d. h. für einige Programme liegen mehrere Publikationen mit unterschiedlichen Ziel- oder Schwerpunktsetzungen zu einem Projekt vor, die z.T. Entwicklungen in der Methodik (MDFT, SFP, Triple P) oder Subanalysen zu einem Projekt abbilden (z. B. Bröning et al., 2017/ SFP 8 ). Einige Beiträge wurden für den deutschen sowie für den englischsprachigen Raum - mit leicht verändertem Fokus - verfasst (Steinebach & Steinebach, 2007, 2009/ PPC). In sechs Publikationen werden Projekte beschrieben, die primär Zielgrößen zur Implementierung erfassten wie Akzeptanz, Wiedergabetreue und Übertragbarkeit. Elf Studien fokussierten auf Wirkungs- oder Gelingensfragen in Verbindung mit Fragen zur Implementierung und beinhalteten somit einen hybriden Studientypus; jedoch beschrieben zwei dieser Beiträge (Arnaud et al., 2020/ SFP; Rigter et al., 2010/ MDFT) eher die Konzipierung der Studie mit ersten Überlegungen zur Implementierung. Eine Studie (Zimmerman, Németh & Kindler, 2021/ ABC) untersuchte zuvörderst Fragen der Wirkung und reflektierte Implementierungsprozesse in der Diskussion; eine Studie von Gantner (2006/ MDFT) wurde als „Pilotstudie“ beschrieben. Weitere sechs Studien beinhalteten Evaluationen bzw. wissenschaftliche Begleitungen mit zumeist prozessorientierten Methoden (s. Tabelle 2). 9 Einige Programme wurden im Kontext eines kontrollierten randomisierten (RCT) (MDFT, SFP, Triple P, TIK) oder quasiexperimentellen Designs untersucht (Triple P). Andere methodische Ansätze beinhalteten diverse nicht-experimentelle Designs (z. B. Prä-Post-, Differential- oder Sekundäranalysen). Die meisten Studien waren quantitativ angelegt, aber es wurden auch qualitative bzw. Mixed Methods genutzt. Ergebnisse zur Implementierung Die erfassten Programme wurden an diversen Standorten in Deutschland implementiert. Einige waren Teil von multizentrischen Studien oder Projekten (Zimmerman, Németh & Kindler, 2021/ ABC; Rigter et al., 2010/ MDFT), die an mehreren Standorten in Deutschland und/ oder im Ausland stattfanden. Das größte Projekt involvierte fünf europäische Länder und untersuchte die Implementierung von MDFT in unterschiedlichen Kontexten (u. a. Rigter et al., 2010) (s. Tabelle 2 für alle Studien). Implementierungsoutcomes Relevante Zielgrößen (Outcomes) der Implementierung umfassen laut Proctor et al. (2011) Akzeptanz, Annahme, Angemessenheit, Kosten, Machbarkeit, Wiedergabetreue, Durchdringung und Nachhaltigkeit (Gutt et al., 2018). Adaptierungen erhalten vermehrt Beachtung in der Literatur und gelten als bedeutsame Zielgröße (Baumann, Stirman & Cabassa, 2023). Weiterhin werden in der Literatur häufig Barrieren zur Erreichung dieser Outcomes thematisiert. Diese Zielgrößen wurden teilweise in Studien, die als Implementierungs- oder Hybridstudien bezeichnet werden, direkt methodisch erfasst. Andere Studien generierten Erkenntnisse zur Implementierung auf der Basis erhobener Daten sowie Beobachtungen, die dann größtenteils in der Form von Kommentierungen und Empfehlungen in der Diskussion erschienen (s. Tabelle 3). 8 Wo es im Sinne der Leseleitung angemessen ist, wird von der traditionellen Zitierweise abgewichen, indem die Abkürzung des Programms in der Zitation aufgeführt wird, auf die sich die Quelle bezieht. 9 Die Studien von Frantz und Heinrichs (2013, 2014) und Frantz, Stemmler, Hahlweg, Plück und Heinrichs (2015) beschreiben Ausführungen zur groß angelegten FAMOS „Evaluation“, die aber in erster Linie eine Implementierungsstudie ist. Die Implementierung empirisch gestützter Programme in der Kinder- und Jugendhilfe 317 Studie Ort „Outcomes“ Messung Ergebnisse, Diskussion und Empfehlungen zur Implementierung ABC Costello et al. 2021 DE Norwegen Russland Wiedergabetreue Adaptierung* Machbarkeit „Microanalytic behavioral coding“ von Wiedergabetreue; Reliabilitätswerte ◾ Intensives Training der Supervisor: innen zur Wiedergabetreue; Supervision zur Wiedergabetreue in der Muttersprache; Übersetzung aller Materialien; Konsultation durch Entwickler; Involvierung lokaler Partner & Multiplikatoren ◾ Rigoroses Adhärenztraining führte zu Ergebnissen wie in den USA; gut genug für Zertifikation Zimmermann et al. 2021 3 Orte in DE Akzeptanz Machbarkeit Zufriedenheit mit dem Training ◾ Das Programm konnte mit positiven Ergebnissen implementiert werden und wurde positiv von den Pflegeeltern angenommen; Schwerpunkt lag auf Ergebnissen zur Intervention HIPPY Bierschock et al. 2008 4 Orte in Bayern Wiedergabetreue Adaptierung* Machbarkeit Elternbefragungen; Interviews mit Expert: innen etc. ◾ Das Programm wird insgesamt positiv bewertet. Modifikationen werden erwähnt, u. a. verkürzte Versionen, Nutzung als Krisenintervention, „Quereinsteiger“; d.h. Schwierigkeiten bei der Einhaltung der Programmtreue werden kritisch diskutiert Korntheuer 2021 39 HIPPY Standorte in DE Kosten Adaptierung* Barrieren* Fragen zu Ablauf, Flexibilität, Kosten etc. ◾ Für HIPPY: unsichere und unzureichende Kosten als Barriere; Personalwechsel kein Problem ◾ Adaptierungen: Notwendigkeit der Verbesserung/ Vereinfachung der Lernmaterialien; Verkürzung des Programms als Vorschlag; Notwendigkeit weiterer Schulung der Hausbesucher: innen MDFT Gantner 2006 Berlin Wiedergabetreue Adaptierung* Machbarkeit Barrieren* Auswertung von Sitzungsprotokollen zur Überprüfung von Wiedergabetreue etc. ◾ Implementierung von MDFT ist grundlegend umsetzbar, aber es gab Herausforderungen ◾ Anwendung einer „neu gelernten ‚manualisierten‘ Methode… vor dem Hintergrund der eigenen langjährigen Berufspraxis“ war schwierig; Grenzen der „Methodentreue“ ausloten ◾ Im Vergleich zu den USA unterschiedliche Kontexte und Konstrukte von Störungsbildern ◾ Notwendigkeit der klientenspezifischen Adaptierung und Flexibilisierung hinsichtlich „Settingmix“ und „Sitzungsfrequenz“; „engmaschige Supervision“ notwendig Tossmann et al. 2010 5 Länder/ Berlin Wiedergabetreue Adaptierung* Akzeptanz Kosten Barrieren* Überprüfung der Wiedergabetreue (Videos, Supervision) Zufriedenheitsskala etc. ◾ Große Akzeptanz von MDFT und TAU, höher für MDFT vonseiten der Eltern ◾ Detaillierte Diskussion zum Transfer; Betonung der Notwendigkeit eines adaptierten Manuals, Bewusstsein für Schnittstellenproblematik; Benennung institutioneller Voraussetzungen sowie unterstützender und hindernder Faktoren (Arbeiten im Team, Kosten etc.); MDFT wird als flexibler und adaptiver Ansatz beschrieben Rigter et al. 2010 Berlin Wiedergabetreue Machbarkeit Geplante Erfassung der Wiedergabetreue durch Monitoring, Tracking u. Training ◾ Geplante Erfassung der Wiedergabetreue: 1. Tracking der Behandlungskontakte (Anzahl, Dauer etc.). Monitoring durch Entwickler (CTRADA, Universität Miami). 2. 25% der Sitzungen werden transkribiert und bzgl. Adhärenz überprüft 3. Training und Konsultation - (unterschiedliche Trainingmodelle) ◾ Transfer des Modells von USA nach Europa war grundlegend möglich Tab. 3: Implementierungsrelevante Ergebnisse und Erkenntnisse ▶ 318 Rabea Theobald, Sigrid James, Bianca Albers Studie Ort „Outcomes“ Messung Ergebnisse, Diskussion und Empfehlungen zur Implementierung Rigter et al. 2013 Berlin Wiedergabetreue Machbarkeit Kosten Überprüfung der Wiedergabetreue durch Monitoring, Tracking u. Training ◾ Halbunabhängige („semi-independent“) Entwicklung von MDFT; Monitoring von Wiedergabetreue (als Teil der Wirkungsstudie); Initialtraining durch Entwickler ◾ Kosten sind hoch und deuten darauf hin, dass MDFT für Jugendliche mit geringer symptomatischer Ausprägung nicht indiziert sein mag Rowe et al. 2013 BE, NL, DE, FR, CH Wiedergabetreue Akzeptanz Rigorose Erfassung von Wiedergabetreue durch Beobachtung, Bewertung etc. ◾ Wiedergabetreue wurde an allen Standorten demonstriert und konnte (im Vergleich zu Ergebnissen aus den USA) mit Outcomes in Verbindung gebracht werden ◾ Herausforderungen werden thematisiert: Variabilität in Rezeptivität durch Therapeut: innen, Koordination mit anderen Systemen; Herausforderungen konnten durch Supervision, Monitoring und Beratung adressiert werden; Rezeptivität erhöhte sich mit der Zeit MI Marzinzik & Fiedler 2005 5 Orte in NRW Akzeptanz Durchdringung Machbarkeit Barrieren* Expertenworkshops mit Multiplikator: innen Erfassung von Akzeptanz durch Interviews und Befragungen ◾ Hohe Akzeptanz bei Fachkräften ◾ Gute Durchdringung von Hauptschüler: innen und schulfernen Jugendlichen ◾ Übertragbarkeit der Kurzintervention auf unstrukturierte „Tür-und-Angel“-Gespräche, beobachtete Anwendung der Prinzipien der Kurzintervention in längeren Beratungsgesprächen ◾ Umsetzbarkeit der Intervention in der KJH kann nicht abschließend beantwortet werden, vermutete Hindernisse bei der Umsetzung auf institutioneller Ebene ◾ Einbinden bereits vorhandener Strukturen förderlich für die (breite) Umsetzung der Intervention ◾ Einbinden einer Organisationsberatung förderlich für die Kooperation einzelner Akteur: innen verschiedener Arbeitsfelder ◾ Einsatz von Multiplikatorentandems förderlich für Kooperation zwischen KJH und Suchtprävention Marzinzik 2007 NRW Akzeptanz Adaptierung Gruppendiskussion; Fragebögen ◾ Gute Resonanz und Akzeptanz der Kitamitarbeiterinnen, MI wird als hilfreich für die Arbeit mit Eltern empfunden; Weiterentwicklungen zur besseren Passung für das Arbeitsfeld Kita werden angeregt PPC Steinebach & Steinebach 2007 St.Augustinusheim Machbarkeit - ◾ Ergebnisse belegen die Übertragbarkeit des in den USA entwickelten Ansatzes für den deutschen Sprachraum. Wichtige Kernannahmen des PPC-Ansatzes werden bestätigt Steinebach & Steinebach 2009 Akzeptanz Machbarkeit Fragebögen Interviews ◾ Zunehmende Akzeptanz von PPC und der Peergruppenmethode aus Sicht der Jugendlichen sowie der Fachkräfte ◾ Übertragbarkeit des PPC-Programms aus dem US-Kontext in ein Setting in Deutschland ▶ ▶ Die Implementierung empirisch gestützter Programme in der Kinder- und Jugendhilfe 319 Studie Ort „Outcomes“ Messung Ergebnisse, Diskussion und Empfehlungen zur Implementierung SFP Stolle et al. 2011 Hamburg Schwerin München Adaptierung* Gruppeninterviews Überarbeitung des Manuals ◾ Hinweise zur kultursensitiven Adaptierung: 1. an regionale soziale Strukturen der Zielgruppe, 2. an deutsche (Umgangs-)Sprache, 3. bzgl. kulturabhängiger Normen zur Rolle von Eltern und Kindern sowie zu Konstruktionen von problematischen Verhaltensweisen, 4. bzgl. adäquater Integration in lokale Dienstleistungsstrukturen Stappenbeck et al. 2013 Hamburg Schwerin München Hannover Akzeptanz Fragebögen zur Zufriedenheit mit Programm ◾ „breite Akzeptanz … bei sowohl den teilnehmenden Familien als auch den durchführenden Trainern … und sich gut in das bisherige Angebot der Sucht- und Familienberatungsstellen eingliedern lässt“ Baldus et al. 2016 Wiedergabetreue Adaptierung* Wiedergabetreue erfasst durch Video, Tracking etc. ◾ Adaptierung des Programms wich nicht weit vom US-„Original“ ab (Äquivalenz von Manual, Videomaterialien, Aktivitäten) ◾ Da die Studie (sowie andere in Europa) nicht die gleichen Effekte von SFP 10 -14 erzielte, werden Empfehlungen für weitere kulturelle Adaptierungen und die Untersuchung von Kontext für verbesserte Implementierung formuliert Bröning et al. 2017 Adaptierung* Fokusgruppen ◾ Beschreibung des Prozesses der kulturellen Adaptierung durch Fokusgruppen ◾ Diskussion über weitere notwendige Anpassungen des Programms Arnaud et al. 2020 Hamburg Wiedergabetreue Akzeptanz Geplante Erfassung der Wiedergabetreue durch Video etc. ◾ Geplante Studie: Prozedere wurden etabliert, um Wiedergabetreue zu etablieren und Programmakzeptanz zu erhöhen und zu erfassen Franz et al. 2022 Hamburg Adaptierung* Adoption Umsetzung der adaptierten Variante ◾ Adaptierung der dt. Version von SFP aufgrund eines veränderten Bedarfs (Pandemie) ◾ Veränderungen der Rekrutierungswege aufgrund der Pandemiebedingungen ◾ Unterstützung des Zugangs zum Programm Triple P Heinrichs et al. 2006 Braunschweig Akzeptanz Adaptierung* Machbarkeit Erfassung von Kurszufriedenheit ◾ Kritikpunkte zur mangelnden Transferierbarkeit von Elterntrainings konnten nicht bestätigt werden ◾ Triple P war auch für Eltern mit geringerem sozialen Status attraktiv ◾ Kurszufriedenheit war unabhängig vom Trainer, sofern diese lizensiert waren ◾ Das Elterntraining schien keiner kulturellen Adaptierung für Eltern mit Migrationshintergrund zu bedürfen Briegel et al. 2013 Schweinfurt Wiedergabetreue Adaptierung* Akzeptanz Erfassung von Zufriedenheit Tracking von Wiedergabetreue ◾ Implementierung richtete sich „strikt nach dem aktuellen Gruppenarbeitsbuch“ ◾ Gute Annahme einer zeitlich adaptierten Version des Programms im Rahmen der kinderpsychiatrischen Behandlung, auch von Eltern mit niedrigem sozioökonomischen Status ◾ Hohe Akzeptanz des Programms in einem kinderpsychiatrischen Setting ▶ ▶ 320 Rabea Theobald, Sigrid James, Bianca Albers Studie Ort „Outcomes“ Messung Ergebnisse, Diskussion und Empfehlungen zur Implementierung Frantz & Heinrichs 2013 Paderborn Adoption Durchdringung Adaptierung* Barrieren* Erfassung der Zufriedenheit, Anzahl der erreichten Familien etc. ◾ Der populationsbasierte Ansatz führte zu größerer Durchdringung ◾ Fortbildungen alleine reichen nicht dazu aus, Fachkräfte zur Anwendung des Programms zu motivieren ◾ Notwendigkeit einer „engmaschigen Begleitung der Trainer „on the job“ ◾ Enge Beratung zum Abbau von Barrieren ◾ Eine systematische Erfassung von Implementierungsfaktoren wird diskutiert und empfohlen Frantz & Heinrichs 2014 Paderborn Wiedergabetreue Adoption Machbarkeit Durchdringung Barrieren* Nachhaltigkeit Erfassung der Zufriedenheit, Anzahl der erreichten Familien etc. ◾ Implementationsstrategie, die eine EGP mit einem populationsbasierten Ansatz verband ◾ Integration in die existierende Infrastruktur, zur Verringerung von Ressourcen ◾ Einsatz eines Koordinators in der Installationsphase ◾ Wiedergabetreue durch Manuale und kontinuierliches Coaching und Training ◾ Erfolgreiche Implementierung in Routinesettings, positive Ergebnisse für unterschiedliche Familien ◾ 82 % der geschulten Fachkräfte nutzten das Programm ◾ 30 % der Bevölkerung nutzte eines der Programme ◾ Implementierungsprozesse dauerten 1 Jahr länger als geplant; hoher Wechsel bei Fachkräften ◾ wichtige Studie, da übliche translationale Barrieren adressiert wurden ◾ detaillierte Empfehlungen bzgl. Implementierungsstrategien (Unterstützung der Fachkräfte, Nutzung von Performanzdaten, Koordination etc.) ◾ Diskussion von Nachhaltigkeit der Progammimplementierung Frantz et al. 2015 Paderborn Durchdringung Machbarkeit Barrieren* Erfassung von Teilnahmeraten ◾ Ein Jahr nach der Durchführung der Werbekampagne war die Teilnahmerate in der Modellstadt deutlich höher; nach zwei Jahren unterschieden sich die Teilnahmeraten nicht mehr; Teilnahmeraten waren geringer als geplant ◾ Der verwendete Ansatz zur Programmimplementierung und die Werbekampagne waren nur bedingt in der Lage, Barrieren zur Teilnahme zu reduzieren ◾ Integration der Programme in den Arbeitsalltag verlief schwieriger als geplant ◾ Strategien: Broschüren/ Flyer, Zeitung und Freunde/ Verwandte/ Nachbarn waren erfolgreicher als Informationskanäle im Vergleich zu Fernsehen, Radio, durch den Arzt oder religiöse Organisationen ◾ Naturalistisches Studiendesign erhöht Übertragbarkeit ▶ ▶ Die Implementierung empirisch gestützter Programme in der Kinder- und Jugendhilfe 321 In den 25 Studien waren Wiedergabetreue und Adaptierung der häufigste Gegenstand der Untersuchung und/ oder Kommentierung; d. h. es ging darum zu untersuchen, inwieweit ein Programm adhärent umgesetzt wurde bzw. welche Adaptierungen im Prozess der Implementierung notwendig waren, gemacht oder nachfolgend empfohlen wurden, um ein Programm effizient umsetzen zu können. In diesem Zusammenhang wurde mehrfach kommentiert, dass ein Programm annähernd wie das ‚US-Original‘ umgesetzt wurde oder dass es abweichend war. In vielen Studien eröffnete sich die Notwendigkeit von Adaptierungen, insbesondere kulturbedingten Modifikationen (u. a. TIK), während in einigen Studien (u. a. zu Triple P) Adaptierungen von vorneherein das explizierte Studienziel darstellten, da davon ausgegangen wurde, dass solche für eine erfolgreiche Implementierung im deutschen Kontext notwendig sein würden. Dies beinhaltete bspw. die Übersetzung eines Manuals in die deutsche Sprache und die Dokumentierung von Abweichungen, wie der zeitlichen Anpassung eines Programms (u. a. HIPPY, MDFT), sprachlichen Anpassung (u. a. SFP) oder der Veränderung von Prozessen (u. a. Triple P). Weitere häufig erfasste Zielgrößen betrafen die Akzeptanz des Programms vonseiten der Adressat: innen und des Fachpersonals, die durch (Gruppen)Interviews und Zufriedenheitsskalen erfasst wurde. Sowohl große (z. B. Stappenbeck, Wendell & Thomasius, 2013/ SFP; Tossmann, Jonas, Weil & Gantner, 2010/ MDFT), zunehmende (Steinebach & Steinebach, 2009/ PPC) als auch verhaltene (Rowe et al., 2013/ MDFT) Akzeptanz wurden festgestellt. Drei Studien adressierten EGP Kosten (Korntheuer, 2021/ HIPPY; Rigter et al., 2013/ MDFT; Tossmann et al., 2010/ MDFT). Die generelle Machbarkeit oder Übertragbarkeit des EGP im deutschen Kontext wurde wiederholt betont und ging häufig einher mit einer Diskussion über bestehende Barrieren. Weiterhin wurden die Durchdringung (gemessen an der Erhöhung der Teilnehmer: innenzahl) sowie die Nachhaltigkeit (die bestehende Anwendung) im Zusammenhang mit der Implementierung des Triple-P-Programms erwähnt. Studie Ort „Outcomes“ Messung Ergebnisse, Diskussion und Empfehlungen zur Implementierung TIK Otterpohl et al. 2019 Nicht benannt Adaptierung Akzeptanz Machbarkeit Übersetzung und Anpassung des Manuals und Training ◾ Übersetzung und Anpassung des Manuals (Schwächung von Übungen, die emotionale Offenheit erforderten) in Kooperation mit Entwicklern ◾ Training durch Psychologiestudierende mit Supervision durch das Autorenteam hinsichtlich von Übungen ◾ Hinweise in der Diskussion auf kulturell bedingte Unterschiede in der Weise, wie Eltern vom Training profitieren und wie dies in der kulturellen Adaptierung des Programms zu berücksichtigen ist ◾ Notwendigkeit der Identifikation von Merkmalen, die Akzeptanz etc. beeinflussen ◾ Grundlegende Übertragbarkeit des Programms in DE Anmerkung: * Adaptierung und Barrieren werden in Proctor et al.s (2011) Auflistung von Implementierungsoutcomes nicht separat aufgeführt, werden aber als „Gegenstücke“ zu Wiedergabetreue und Machbarkeit wiederholt in den Beiträgen dieses Reviews erfasst und/ oder diskutiert. ▶ 322 Rabea Theobald, Sigrid James, Bianca Albers Implementierungsstrategien In den letzten zwanzig Jahren sind in der Implementierungsforschung viele Strategien entwickelt worden, die gezielt eingesetzt werden können/ sollen, um Implementierungsprozesse zu unterstützen und Outcomes zu verbessern. Powell et al. (2015) entwickelte die viel zitierte ERIC-Taxonomie mit 73 Strategien, die neun Kategorien (Waltz et al., 2015) zugeordnet werden können (s. Tabelle 4). Kategorien Strategien 1: Evaluative und iterative Strategien nutzen Bereitschaft beurteilen und Hindernisse und begünstigende Faktoren ermitteln; Prüfen und Feedback geben; die Implementierung gezielt überprüfen; Instrumente zur Qualitätskontrolle entwickeln und implementieren; Qualitätskontrollsysteme entwickeln und organisieren; ein formales Konzept für die Implementierung (Blueprint) entwickeln; eine lokale Bedarfsanalyse durchführen; die Implementierung nach oben skalieren (Scale-Up); Feedback von Adressat: innen und Angehörigen einholen und nutzen; kleine Testläufe regelmäßig durchführen (10) 2: Interaktive Hilfen anbieten Förderung/ Vereinfachung; technische Hilfe vor Ort bereitstellen; (klinische) Supervision anbieten; technische Hilfe zentralisieren (4) 3: Adaptieren und auf den Kontext zuschneiden Strategien zuschneiden; Anpassungsfähigkeit fördern; Datenexpert: innen einsetzen; Techniken für Datenerhalt (Data Warehousing) einsetzen (4) 4: Stakeholder Beziehungen entwickeln Vorreiter (Champions) identifizieren und vorbereiten; Sitzungen für Fachkräfte des Implementierungsteams organisieren; Führungskräfte rekrutieren, ernennen und ausbilden; lokale Multiplikatoren (Opinion Leaders) informieren; eine Koalition/ Partnerschaft aufbauen; förmliche Verpflichtungserklärungen einholen; frühe Anwender (Early Adopters) identifizieren; Lokale Konsensgespräche führen; lokales Wissen erfassen und weitergeben; Beiräte und Arbeitsgruppen einsetzen; einen Berater für die Implementierung einsetzen; Veränderungen modellieren und simulieren; andere Standorte besuchen; Geschäftsführungen einbeziehen; ein Glossar für die Implementierung entwickeln; akademische Partnerschaften entwickeln; Netzwerkbildung fördern (17) 5: Stakeholder aus- und weiterbilden laufende Schulungen durchführen; laufende Beratung anbieten; Bildungs-/ Aufklärungsmaterialien entwickeln; Schulungen dynamisch gestalten; Bildungs-/ Aufklärungsmaterialien verteilen; Train-the-Trainer-Strategien einsetzen; Informationsveranstaltungen durchführen; aufsuchende Bildungsreisen durchführen; eine Lerngemeinschaft schaffen; bei anderen Fachkräften hospitieren; mit Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten (11) 6: Fachkräfte unterstützen Weitergabe von Daten an Anbieter erleichtern/ ermöglichen; Fachkräfte erinnern; Vereinbarungen zur gemeinsamen Nutzung von Ressourcen entwickeln; professionelle Rollen überarbeiten; neue Praxisteams schaffen (5) 7: Verbraucher einbeziehen/ ansprechen Adressat: innen und Familienangehörige einbeziehen; mit Adressat: innen zur Verbesserung der Aufnahme und Einhaltung (der Konzepte) arbeiten; Adressat: innen auf eine aktive Teilnahme vorbereiten; Nachfrage erhöhen; Massenmedien einsetzen (5) 8: Finanzielle Strategien nutzen (klinische) Innovation finanzieren und beauftragen; neue Finanzmittel erschließen; Innovationen in die Listen / Formulare für kostenpflichtige Dienste aufnehmen; Anreiz-/ Vergütungsstrukturen verändern; Abrechnungsmodalitäten vereinfachen; Gebühren für Adressat: innen verändern; andere Zahlungsoptionen nutzen; Abschreckungsmaßnahmen (Dis-Inzentiven) entwickeln; Kopfpauschalen verwenden (9) 9: Die Infrastruktur verändern Veränderungen anordnen; Dokumentationssysteme ändern; physische Struktur und Ausstattung ändern; Zulassungsund/ oder Lizenzierungsstandards schaffen oder ändern; Einsatzorte ändern; Akkreditierungs- oder Mitgliedschaftsanforderungen ändern; eine Organisation für die Disseminierung gründen; Haftungsvorschriften ändern (8) Tab. 4: Implementierungsstrategien - eine Taxonomie von Waltz et al. (2015) Die Implementierung empirisch gestützter Programme in der Kinder- und Jugendhilfe 323 Die Auswertung der 25 EGP-Studien zeigte, dass viele unterschiedliche Strategien zur Implementierung genutzt, aber größtenteils nicht benannt, systematisiert oder zugeordnet wurden. Zwar konnten inhaltsanalytisch diverse Strategien in fast allen neun Kategorien der ERIC-Taxonomie identifiziert werden, aber eine umfassende Analyse ist aufgrund fehlender Spezifizität in diesem Bereich nicht zielführend. Eine Ausnahme war die Studie von Costello, Schein, Roben und Dozier (2021) zum ABC-Programm, in der spezifische Strategien zur Förderung der Wiedergabetreue mit überzeugendem Resultat eingesetzt und benannt wurden. „Theorien, Konzepte, Modelle“ In der Implementierungsforschung haben sich zunehmend konzeptionelle Modelle entwickelt, die manchmal unter der Abkürzung TFM („Theory, Framework, Model“) in der Literatur erfasst und von Nilsen (2015) in fünf Kategorien zusammengefasst wurden: „Process Models“, „Determinant Frameworks“, „Classic Theories“, „Implementation Theories“ und „Evaluation Frameworks“. Keine der 25 inkludierten Studien nimmt grundsätzlich Bezug auf konzeptionelle Modelle. Erkennbar sind phasische Überlegungen, die Teil der von Nilsen identifizierten Process Models sind, d. h. in diesen Modellen wird Implementierung als iterativer - meist vierschrittiger - Prozess verstanden, von der Exploration bis zur nachhaltigen Implementierung. Illustrierend ist eine Triple-P-Studie (Frantz & Heinrichs, 2014), die den Einsatz eines Koordinators in der Installationsphase erwähnt sowie Überlegungen zur Länge des Implementierungsprozesses und der Nachhaltigkeit der Implementierung anstellt. Dies deutet auf ein phasisches Verständnis im Sinne des Active Implementation Frameworks (Metz et al., 2015) hin. Eine präzise Identifikation von Phasen ist ansonsten kaum möglich, aber generell kann festgestellt werden, dass die meisten Beiträge sich auf frühe Phasen der Implementierung beziehen, d. h. Exploration, Planung und initiale Implementierung. Weiterhin sind implizit Bezugnahmen auf „Determinant Models“ erkennbar, die sich auf eine Systematisierung von implementierungsförderlichen oder hinderlichen Faktoren beziehen. So reflektieren beispielsweise Frantz und Heinrichs (2013) eingehend relevante Faktoren für die Implementierung von Triple P. Barrieren Mehrere Publikationen identifizierten Barrieren für die Implementierung von EGP, die sich vor allem negativ auf eine manualgetreue Umsetzung auswirkten (u. a. Bierschock, Dürnberger & Rupp, 2008). Finanzierungsstrukturen bzw. unsichere oder unzureichende Finanzen werden mehrfach als Problematik thematisiert (u. a. Korntheuer, 2021; Tossman et al., 2010). Da viele EGP auf wiederholten Schulungen, engmaschiger Betreuung und Supervision sowie Arbeiten im Team über Trägerschnittstellen hinweg beruhen, werden sie z.T. als ressourcen- und zeitintensiv beschrieben und erfordern somit häufig Anpassungen. In einer Pilotstudie für MDFT diskutierte Gantner (2006) die Schwierigkeiten von Fachkräften mit langjähriger Berufspraxis, eine manualisierte Methode zu erlernen und adhärent anzuwenden. Auch Rowe et al. (2013) beobachteten Variabilität in der Rezeptivität der Fachkräfte. In Gantners Studie wurden zudem Unterschiede in den Kontexten sowie Äußerungsformen von Störungsbildern (wie der Genesis von Sucht und psychischen Erkrankungen) als hinderliche Faktoren thematisiert. Frantz et al. (2015), die im Zuge des populationsbasierten FAMOS von vorneherein auf die Implementierung des Triple-P-Programms in bestehende Strukturen abzielten, reflektierten Schwierigkeiten in der Integration des Programms in den Arbeitsalltag, was u. a. zu längeren Implementierungsprozessen als erwartet führte (Frantz & Heinrichs, 2014). 324 Rabea Theobald, Sigrid James, Bianca Albers Diskussion In dieser Studie sollte untersucht werden, inwieweit etablierte EGP in der deutschen KJH genutzt werden und inwieweit wissenschaftliche Beiträge auf relevante Aspekte der Implementierung eingehen. Rasante Entwicklungen in der Implementierungsforschung auf internationaler Ebene und die zögerliche Auseinandersetzung mit der Thematik in der deutschen Sozialen Arbeit motivierten u. a. die Ausgangsfragen. Als kritisches Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit und in Anbetracht steigender Anforderungen an die KJH ist eine solche Betrachtung zudem zugleich begründet als auch notwendig. Die Recherche beinhaltete klare Ein- und Ausschlusskriterien, die ihr Spezifizität verliehen, aber sie auch gleichzeitig einschränkten. Das internationale CEBC- Register, das eine umfassende und aktuelle Auflistung, Beschreibung und Begutachtung von EGP für die KJH beinhaltet, bot einen hilfreichen und passenden Rahmen für die Suche nach relevanten EGP. Zweifelsohne könnten andere Register und Quellen herangezogen werden und die Ergebnisse der Suche nach Programmen beeinflussen. Allerdings sei angemerkt, dass in Deutschland bisher nur die Grüne Liste Prävention eine vergleichbare, wenn auch weitaus weniger umfassende Ressource wäre. Auf der Basis der beschriebenen Einschränkungen erhebt der Beitrag nicht den Anspruch, ein erschöpfendes oder umfassendes Bild zur Implementierung von EGP in der deutschen KJH zu erstellen. Jedoch zeigen Ergebnisse, dass mehrere im Ausland entwickelte KJH-relevante EGP identifiziert werden konnten, die in Deutschland nicht nur Anwendung finden, sondern auch in Studien - mit unterschiedlicher Rigorosität - wissenschaftlich untersucht wurden. Darüber hinaus belegt dieser Review, dass Implementierungsbemühungen trotz beachtlicher und bleibender Herausforderungen als durchaus erfolgreich bewertet werden können. Mehrheitlich wird betont, dass EGP in die deutschen Dienstleistungsstrukturen übertragen und bestehende Bedarfe von Zielgruppen erfolgreich adressiert werden konnten. Zwei grundlegende methodische Ansätze wurden identifiziert: Der traditionelle Transfer beinhaltet vorbereitende Arbeit in der Form der Übersetzung (und kulturellen Adaptierung) eines bestehenden Manuals, eine Pilotstudie, die die Effektivität der etablierten EGP im deutschen Raum überprüft und zugleich Herausforderungen in der Implementierung kommentiert. Darauf folgen rigorosere Studien mit Vergleichsgruppen (quasi/ experimentelle Studien), die z.T. Wirkung und/ oder Implementierung fokussieren. MDFT und SFP entsprechen diesem Entwicklungspfad und auch die rezenten Untersuchungen zu den ABC- und TIK-Programmen haben so begonnen. Ein zweiter Ansatz war erkennbar in der Implementierung von Triple P. Das Evaluationsprojekt zum Triple-P-Programm unterschied sich insofern, als dass a priori das Bemühen einer flächendeckenden Implementierung bestand. Durch eine naturalistische (anstatt einer kontrollierten) Studie sollte die Reichweite des Programms und die Chance einer Integration der EGP in bestehende Strukturen erhöht werden - ein Ansatz, der grundlegend vielversprechende Resultate erzielte. Formative Evaluationen leisten einen wichtigen Beitrag, um die Implementierung von EGP zu begleiten. Auch wenn diesem Studientypus die notwendige methodische Rigorosität zur Etablierung von Effektivität fehlt, so ermöglichen die qualitativen und ‚gemischten‘ Methoden eine Erfassung von Kontext und Prozessen, die wichtige Erkenntnisse über mögliche Barrieren generieren. Ergebnisse dieser Studie zeigen weiterhin, dass die Zielgrößen Wiedergabetreue, Adaptierung sowie Akzeptanz primäre Foci in wissenschaftlichen Beiträgen zu den recherchierten EGP sind. Auch wenn diese Zielgrößen z. T. mit gängigen standardisierten Instrumentarien erfasst wurden, so ist das Spektrum der methodischen Möglichkeiten - im Vergleich zu internationalen Studien in der Implementierungsforschung - noch nicht ausgeschöpft. Größere Spezifizität in Bezug auf konzeptionelle Modelle sowie Strategien der Implementierung werden notwendig sein, um an die internationale Literatur anzuschließen. Die Implementierung empirisch gestützter Programme in der Kinder- und Jugendhilfe 325 Die insgesamt als vielversprechend bewerteten Implementierungsbemühungen eröffnen Alternativen zu bestehenden Angeboten der KJH und erweitern damit die Handlungsoptionen für sozialarbeiterische Fachkräfte. Damit könnte die Wahrscheinlichkeit passender und auch wirksamer Hilfen für Adressat: innen erhöht werden. Es ist jedoch anzunehmen, dass EGP für die limitierten personellen und ökonomischen Ressourcen der KJH eine Belastung darstellen würden und damit eine Verstetigung von EGP zum jetzigen Zeitpunkt eher fraglich ist. 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