Psychologie in Erziehung und Unterricht
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0342-183X
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/peu2026.art06d
3_073_2026_2/3_073_2026_2.pdf41
2026
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Empirische Arbeit: Erleben und Bewältigung entwicklungstypischer Ängste während Jahr 2 der COVID-19-Pandemie
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2026
Katja Mackowiak
Anke Lengning
Entwicklungstypische Ängste sind im Kindesalter verbreitet und variieren in Art und Ausmaß. An ihrer Entstehung sind neben individuellen Faktoren (u.a. Geschlecht, Emotionsregulation) auch Umweltfaktoren (u.a. Stressoren wie die COVID-19-Pandemie) beteiligt. In der vorliegenden Studie wurden 386 Grundschulkinder (Klasse 2–4, 176 Jungen, 210 Mädchen, Altersdurchschnitt: 9,4 Jahre) während der COVID-19-Pandemie (1. Halbjahr 2021) mittels des BAV 3-11 (Mackowiak & Lengning, 2010) zu ihren Ängsten und Angstbewältigungsstrategien befragt und mit Normdaten (2010) von 533 Kindern (Klasse 2–4, 259 Jungen, 274 Mädchen, Altersdurchschnitt: 9,6 Jahre) verglichen. Die varianzanalytischen Ergebnisse belegen ein generell höheres Angsterleben während der Pandemie. Allerdings reagierten nicht alle Kinder mit erhöhter Angst, gleichwohl ließen sich 55 Kinder identifizieren, die hohe Angst vor der Pandemie angaben, im BAV 3-11 zur Risikogruppe der Kinder mit hohem Angsterleben (PR≥475) zählten und Angstbewältigungsstrategien nannten, die auf eine dysfunktionale Emotionsregulation hindeuteten. Die Befunde verdeutlichen die Relevanz früher Diagnostik und Prävention, um Entwicklungsrisiken bei Kindern mit ausgeprägten Ängsten zu vermeiden.
3_073_2026_2_0002
n Empirische Arbeit Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2026, 73, 73 -85 DOI 10.2378/ peu2026.art06d © Ernst Reinhardt Verlag Erleben und Bewältigung entwicklungstypischer Ängste während Jahr 2 der COVID-19-Pandemie Katja Mackowiak 1 & Anke Lengning 2 1 Leibniz Universität Hannover 2 Hochschule Döpfer Zusammenfassung: Entwicklungstypische Ängste sind im Kindesalter verbreitet und variieren in Art und Ausmaß. An ihrer Entstehung sind neben individuellen Faktoren (u. a. Geschlecht, Emotionsregulation) auch Umweltfaktoren (u. a. Stressoren wie die COVID-19-Pandemie) beteiligt. In der vorliegenden Studie wurden 386 Grundschulkinder (Klasse 2 - 4, 176 Jungen, 210 Mädchen, Altersdurchschnitt: 9; 4 Jahre) während der COVID-19-Pandemie (1. Halbjahr 2021) mittels des BAV 3-11 (Mackowiak & Lengning, 2010) zu ihren Ängsten und Angstbewältigungsstrategien befragt und mit Normdaten (2010) von 533 Kindern (Klasse 2 - 4, 259 Jungen, 274 Mädchen, Altersdurchschnitt: 9; 6 Jahre) verglichen. Die varianzanalytischen Ergebnisse belegen ein generell höheres Angsterleben während der Pandemie. Allerdings reagierten nicht alle Kinder mit erhöhter Angst; gleichwohl ließen sich 55 Kinder identifizieren, die hohe Angst vor der Pandemie angaben, im BAV 3-11 zur Risikogruppe der Kinder mit hohem Angsterleben (PR ≥ 75) zählten und Angstbewältigungsstrategien nannten, die auf eine dysfunktionale Emotionsregulation hindeuteten. Die Befunde verdeutlichen die Relevanz früher Diagnostik und Prävention, um Entwicklungsrisiken bei Kindern mit ausgeprägten Ängsten zu vermeiden. Schlüsselbegriffe: Angst, Grundschulalter, Emotionsregulation, COVID-19-Pandemie Experiencing and Coping With Developmental Anxiety During Year 2 of the COVID-19 Pandemic Summary: Developmental anxiety is common in childhood and varies in type and extent. Its etiology is influenced not only by individual factors (including gender, emotion regulation) but also by environmental factors (including stressors such as the COVID-19 pandemic). In this study, 386 primary school children (class 2 - 4, 176 boys, 210 girls, average age: 9; 4 years) were asked about their anxiety and coping strategies during the pandemic (2021) using the BAV 3-11 (Mackowiak & Lengning, 2010) and compared with norm data (2010) from 533 children (class 2 - 4, 259 boys, 274 girls, average age: 9; 6 years). The results show a generally higher level of anxiety during the pandemic. However, not all children reacted with increased anxiety; 55 children were identified who reported high anxiety about the pandemic, belonged to the risk group of children with high scores (PR ≥ 75) in the BAV 3-11, and named coping strategies that indicated dysfunctional emotion regulation. The findings highlight the relevance of early diagnosis and prevention in order to avoid developmental risks in children with severe anxiety. Keywords: Anxiety, primary school age, emotion regulation, COVID-19 pandemic Ängste sind im Kindesalter entwicklungstypisch; fast alle Kinder berichten über Situationen im Alltag, in denen sie Angst erleben (Husky et al., 2021; Mackowiak, 2007; Muris, Merckelbach, Gadet & Moulaert, 2000). Dabei variieren die Angstthemen (z. B. Dunkelheit, Verletzungen, Tiere, Leistungs-/ Bewertungssituationen) im Verlauf der Entwicklung sowohl intraals auch interindividuell (Gullone, 2000; Melfsen & Walitza, 2021). 74 Katja Mackowiak, Anke Lengning In der Literatur wird zwischen der Angst als aktueller Zustand („state anxiety“) und der dispositionellen Angst („trait anxiety“) unterschieden (Spielberger, 1972). Zustandsangst wird als komplexe emotionale Reaktion auf eine reale oder in der Vorstellung antizipierte (vermeintliche) Bedrohung beschrieben. Demgegenüber gilt dispositionelle Angst als überdauernde und je nach Person unterschiedlich ausgeprägte Tendenz, Situationen als bedrohlich einzuschätzen und entsprechend häufiger, schneller und intensiver mit Angst zu reagieren (Spielberger, 1972). Bei der Entstehung von Angst werden aufseiten des Kindes biologische Faktoren wie Temperamentsmerkale (z. B. leichte Erregbarkeit) diskutiert; geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich in der Weise, dass Mädchen mehr und intensivere Angst berichten als Jungen (Bender, Reinholdt-Dunne, Esbjørn & Pons, 2012; Gullone, 2000; Mackowiak, 2007). Darüber hinaus fallen typische emotionale und kognitive Besonderheiten bei ängstlichen Kindern auf (z. B. intensives körperliches Erleben von Angst; verzerrte kognitive Informationsverarbeitung von (vermeintlich) bedrohlichen Reizen; Besorgtheitskognitionen; Dippel & Asbrand, 2023; Spence & Rapee, 2016). Betont werden vor allem Probleme in der Emotionsregulation, insbesondere dysfunktionale Bewältigungsstrategien in Angstsituationen (z. B. Bender et al., 2012; Kullik & Petermann, 2013; Suveg & Zeman, 2004; Young, Sandman & Craske, 2019). Studien zeigen, dass vermeidende Strategien oder vermehrtes Grübeln mit einem negativen emotionalen Befinden einhergehen, während problemlösende Strategien mit einem geringeren Angsterleben assoziiert sind; bzgl. der Suche nach sozialer Unterstützung sind die Befunde uneinheitlich (Compas et al., 2017; Kertz & Woodruff-Borden, 2011). Auch bei der Wahl der Bewältigungsstrategien lassen sich Geschlechtseffekte nachweisen. Während Jungen häufiger angeben, ihre Angst eher selbstständig zu regulieren, nennen Mädchen weniger adaptive Regulationsstrategien und wollen häufiger Unterstützung von Bezugspersonen (Bender et al., 2012; Hampel & Petermann, 2017; Mackowiak, 2007; Suveg & Zeman, 2004). Bei der Entstehung von Angst spielen auch Einflüsse der Umwelt eine wesentliche Rolle, z. B. ein überbehütendes Erziehungsverhalten der Eltern oder Ausgrenzungs- und Viktimisierungserfahrungen in der Schule (Creswell, Waite & Hudson, 2020; Moore et al., 2017; Spence & Rapee, 2016). In neueren ätiologischen Modellen werden zunehmend auch globale und gesellschaftliche Stressoren (z. B. COVID-19-Pandemie, Klimakrise oder Kriege) berücksichtigt, die sowohl direkt (z. B. über Schulschließungen) als auch indirekt (z. B. Stress und Sorgen) das Angsterleben beeinflussen können (Dippel & Asbrand, 2023; Lass-Hennemann et al., 2024). So wird die COVID-19-Pandemie von Brakemeyer et al. (2020, S. 2) als ein „multidimensionaler und potentiell toxischer Stressfaktor“ bezeichnet, der zu einem Anstieg an psychischen Folgen führen kann. (Inter-)nationale Studien zum Einfluss der COVID-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit weisen entsprechend auf ein generell erhöhtes Ausmaß an pandemiebedingten psychischen Belastungen und Sorgen bei Kindern und Jugendlichen hin (Schlack et al., 2023). In Bezug auf das Angsterleben berichten Theberath et al. (2022) in ihrem internationalen Review zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Alter von 4 - 19 Jahren während der COVID-19-Pandemie, dass Ängste bei 28 % der Kinder und Jugendlichen auftraten. Deng et al. (2023) kamen in ihrer internationalen Metaanalyse zu ähnlichen Ergebnissen: Ängste wurden bei 31 % der Kinder und Jugendlichen (bis 18 Jahre) berichtet, wobei das Ausmaß der Angstsymptome variierte und Mädchen häufiger betroffen waren als Jungen. In Deutschland konnte die COPSY-Studie, die im Längsschnitt die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie bei Kindern und Jugendlichen (7 - 17 Jahre) in Deutschland untersuchte, ebenfalls einen Anstieg in den Angstsymptomen von Kindern und Jugendlichen während der Pandemie dokumentieren. Symptome einer generalisierten Ängstlichkeit lagen sowohl während als auch nach der Pandemie deutlich über dem Niveau vor der Pandemie (Ravens-Sieberer et al., 2021 a, 2021 b, 2022; 2023). Eine bundesweite Studie des DJI wies bei 23 % der Kinder Angsterleben und -bewältigung während der COVID-19-Pandemie 75 (3 - 15 Jahre) laut Elternangaben emotionale Probleme zu Beginn der Pandemie (Frühjahr 2020) auf. Mädchen waren in beiden Studien häufiger betroffen als Jungen (Langmeyer, Guglhör-Rudan, Naab, Urlen & Winklhofer, 2020). Weitere repräsentative Studien konnten ebenfalls einen Anstieg im Stresserleben von Kindern und Jugendlichen zu Beginn der Pandemie nachweisen (Christner et al., 2021; Paschke, Arnaud, Austermann & Thomasius, 2021). Ähnliche Trends zeigten sich auch in regional begrenzten Studien in Deutschland (z. B. Bantel, Buitkamp & Wünsch, 2021; Kurz, Braig, Genuneit & Rothenbacher, 2023; Roth, Uhlmann & Roessner, 2021; Vogel et al., 2021). Bei der Einordnung der Ergebnisse ist zu beachten, wann die Daten erhoben wurden, weil sich deutliche Schwankungen im Verlauf der Pandemie abzeichneten; dennoch ist ein pandemiebedingter Anstieg im Angsterleben zu verzeichnen, der auch im Verlauf nicht wieder auf das Niveau vor der Pandemie sank (z. B. Ravens-Sieberer et al., 2023). In diesen groß angelegten Studien wurden eher allgemein das Stresserleben, das psychische Wohlbefinden oder emotionale Probleme (oft mit dem SDQ; Goodman, 1997) erfragt oder es standen konkrete Sorgen/ Ängste in Bezug auf die Pandemie (u. a. eigene Ansteckung oder Erkrankung naher Verwandter; Ängste im Kontext sozialer Isolation) im Fokus (z. B. Christner, Essler, Hazzam & Paulus, 2021; Döpfner et al., 2021; Langmeyer et al., 2020; Vogel et al., 2021). In der COPSY-Studie wurden zudem klinisch relevante Angstsymptome (generalisierte Ängstlichkeit) mittels Fragebogen erhoben (Ravens-Sieberer et al., 2021 a). Zudem stammten die Informationen insbesondere zum Angsterleben von Kindern im Grundschulalter überwiegend von den Eltern; erst im Jugendalter wurde diese Zielgruppe stärker in die Befragungen einbezogen. Da internalisierte Symptome, wie sie bei Angst vorliegen, seltener von Bezugspersonen erkannt werden und Selbst- und Fremdurteil oft nur moderat übereinstimmen (z. B. Döpfner et al., 2021; Miller, Martinez, Shumka & Baker, 2014), wird bei der Diagnostik von Angst(-störungen) empfohlen, auch die Kinderperspektive einzubeziehen (Schneider & Seehagen, 2014). Allerdings liegen nur wenige kindgerecht gestaltete Verfahren für das Grundschulalter vor (Mackowiak, 2007). Wenn Kinder im Grundschulalter während der Pandemie zu ihren Ängsten und Sorgen befragt wurden, geschah das in der Regel schriftlich und oft auch nur über einzelne Items. In der Studie des DJI konnten Grundschulkinder sowohl mittels Fragebogen als auch (im Rahmen einer qualitativen Vertiefung) in Telefoninterviews ausführlicher über ihre Ängste im Kontext der Pandemie berichten (Langmeyer et al., 2020). Entwicklungstypische Ängste wurden während der Pandemie kaum untersucht, daher können keine Aussagen dazu getroffen werden, ob und wie sich diese während der Pandemie veränderten. Auch lassen sich in den Erhebungen selten Hinweise zur Angstbewältigung bzw. Emotionsregulation der Kinder und Jugendlichen finden. Einzelne Studien thematisieren (wegfallende) Stressregulationsstrategien insbesondere in Phasen des Lockdowns (u. a. gemeinsame Aktivitäten in der Familie; soziale Kontakte und Bewegungsmöglichkeiten; z. B. Fegert, Vitiello, Plener & Clemens 2020; Langmeyer et al., 2020). Eine systematische Erhebung von Strategien im Umgang mit den eigenen Ängsten ist aber kaum zu finden, obwohl die Fähigkeit zur Emotionsregulation eine entscheidende Rolle im Kontext von Angst spielt (Bender et al., 2012; Compas et al., 2017; Kullik & Petermann, 2013). Fragestellung: In der vorliegenden Studie stehen entwicklungstypische Ängste während der COVID-19-Pandemie aus Sicht von Grundschulkindern im Fokus. Es wird davon ausgegangen, dass die Pandemie - im Sinne eines globalen Stressors - zu einem erhöhten Angsterleben nicht nur in Bezug auf die Pandemie, sondern auch in vielen Alltagssituationen führen kann (Dippel & Asbrand, 2023). Vor diesem Hintergrund wird der Frage nachgegangen, ob sich Unterschiede im Angsterleben während der Pandemie (2021) im Vergleich zu einer vorpandemischen Erhebung (2010) nachweisen lassen. Dabei wird zum einen das Angsterleben insgesamt, zum anderen das Erleben bzgl. spezifischer entwicklungstypischer Angstthemen untersucht. Hypothesen dazu, welche Situationen während der Pandemie be- 76 Katja Mackowiak, Anke Lengning sonders angstauslösend waren, sind schwer abzuleiten. Da in dieser Zeit bei vielen Kindern vor allem Sorgen und Befürchtungen auftraten (Christner et al., 2021; Rothe et al., 2021), könnten kognitive Ängste höher ausgeprägt sein. Im Hinblick auf soziale Ängste weist die Befundlage darauf hin, dass soziale Isolation aufgrund der Kontaktbeschränkungen mit höherer sozialer Angst einherging (Loades et al., 2020). Vorhersagen zu weiteren entwicklungstypischen Angstthemen sind schwer zu treffen, im Sinne eines insgesamt erhöhten Angsterlebens könnte es auch in anderen Bereichen zu einem Anstieg kommen, allerdings zeigen sich - unabhängig von der Pandemie - große interindividuelle Unterschiede (Gullone, 2000). Da beim Thema Angst häufig Geschlechtseffekte berichtet werden (Mädchen weisen höhere Angstwerte auf als Jungen), müssen diese berücksichtigt werden. Die Studien zu psychischen Auswirkungen der Pandemie auf Kinder und Jugendliche haben gezeigt, dass viele Kinder sich große Sorgen während der Pandemie machen und sich belastet fühlen; allerdings werden nur bei einem Teil dieser Kinder auch erhöhte Angst oder gar klinisch relevante Angstsymptome berichtet (Ravens- Sieberer et al., 2023). Im Rahmen einer explorativen Analyse soll in einem zweiten Schritt geklärt werden, welche Kinder besonders stark von der Pandemie belastet waren und mit hoher Angst reagierten. Angenommen wird, dass insbesondere Kinder betroffen waren, die über geringe Emotionsregulationskompetenzen verfügten; diese werden als relevanter Einflussfaktor auf die Entwicklung von Ängsten diskutiert (Bender et al., 2012; Compas et al., 2017; Young et al., 2019). Dazu wird geprüft, ob die unterschiedlich ausgeprägte Angst vor der COVID-19-Pandemie mit den entwicklungstypischen Ängsten der Kinder zusammenhing und welche Rolle der Umgang mit der Angst (Emotionsregulation) dabei spielte. Methode Die Daten dieser Studie wurden im Rahmen eines Projekts an der Leibniz Universität Hannover und der Hochschule Döpfer erhoben 1 . Ein wesentliches Ziel war die Analyse entwicklungstypischer Ängste und Angstbewältigungsstrategien von Grundschulkindern während der COVID-19-Pandemie (1. Halbjahr 2021, Präsenzunterricht nach dem 2. Lockdown, RKI, 2021) sowie ein Vergleich mit Daten vor der Pandemie. Stichprobe Die Stichprobe für den vorliegenden Beitrag umfasste zum einen 386 Kinder (Klasse 2 -4) aus über 20 Grundschulen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die von April bis Juni 2021 an der Befragung mittels 1 Wir danken allen Studierenden, die uns engagiert bei der Datenerhebung unterstützt haben, sowie dem Hogrefe-Verlag, der sich finanziell an der Durchführung beteiligt hat. Normstichprobe (2010) Projektstichprobe (2021) Klassenstufe b Geschlecht N Alter in Jahren M (SD) N Alter in Jahren M (SD) Klasse 2 ◾ Jungen ◾ Mädchen 63 58 8; 2 (0; 10) 8; 1 (0; 10) 45 42 8; 4 (0; 5) 8; 2 (0; 4) Klasse 3 ◾ Jungen ◾ Mädchen 103 101 9; 6 (0; 8) 9; 6 (0; 8) 63 83 9; 2 (0; 5) 9; 3 (0; 5) Klasse 4 ◾ Jungen ◾ Mädchen 87 113 10; 7 (0; 8) 10; 6 (0; 7) 67 85 10; 4 (0; 5) 10; 1 (0; 5) Gesamt 525 9; 6 (1; 2) 385 9; 4 (0; 10) Tab. 1: Beschreibung der beiden Teilstichproben (N = 910 a ) Anmerkungen: Die beiden Teilstichproben unterschieden sich nicht hinsichtlich der Verteilung der Geschlechter (Pearson- Chi 2 (1) = 0.868, p < .352) und der Klassenzugehörigkeit (Pearson-Chi 2 (2) = 0.292, p < .864) a Von neun Kindern fehlten Altersangaben. b Die Klassenstufe 1 wurde nicht einbezogen, weil im Projekt weitere Erhebungsinstrumente genutzt wurden, die erst ab Klasse 2 einsetzbar sind. Angsterleben und -bewältigung während der COVID-19-Pandemie 77 des Bochumer Angstverfahrens für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter (BAV 3-11, Mackowiak & Lengning, 2010) teilnahmen. Zum anderen wurden die 2010 erhobenen Normdaten des BAV 3-11 von 533 Kindern (Klasse 2 - 4) aus Nordrhein-Westfalen einbezogen. Außer dem Geschlecht und Alter wurden keine weiteren demografischen Daten erfragt (vgl. Tab. 1). Datenerhebung Das BAV 3-11 (Mackowiak & Lengning, 2010) erfasst in Form eines halbstrukturierten Interviews das Angsterleben, die Angstbewältigungsstrategien sowie körperliche Angstsymptome von Kindern im Vorschul- und Grundschulalter. Mittels vier Angstskalen werden die Bereiche „Soziale Ängste“ (7 Items, z. B. ein Gedicht aufsagen), „Kognitive Ängste“ (8 Items, z. B. im Dunkeln einschlafen), „Angst vor Verletzungen und körperlichen Beeinträchtigungen“ (9 Items, z. B. auf einem Trampolin springen) sowie „Phobien“ (2 Items, z. B. einem großen Hund begegnen) thematisiert. Dem Kind werden 26 potenziell angstauslösende Alltagssituationen jeweils mithilfe eines Bildes und eines kurzen Textes mündlich präsentiert. In die Erhebung 2021 wurde zusätzlich ein sogenanntes „Corona-Item“ aufgenommen, um die Angst der Kinder bzgl. der Pandemie und deren Umgang damit zu ermitteln (vgl. Tab. 2). 2 Für jede Situation soll das Kind das eigene Angsterleben („Wie fühlst du dich, wenn dir so etwas passiert? “) anhand einer vorher eingeübten fünfstufigen Emotionsskala (positives Erleben, neutrales Erleben, geringe, mittlere, große Angst) einschätzen. In einem zweiten Schritt wird nach jeder Situation gefragt, was es konkret machen würde („Was tust du? “). Die Antworten werden möglichst wortwörtlich protokolliert und anschließend hinsichtlich der genannten Bewältigungsstrategien ausgewertet. Das Interview mit dem BAV 3-11 wurde in beiden Teilstichproben im Einzelsetting durch geschulte Studierende in den jeweiligen Schulen durchgeführt. In seltenen Fällen musste während der Pandemie auf ein Online-Interview ausgewichen werden. Datenauswertung Die Kennwerte zum Angsterleben beziehen sich zum einen auf die vier Angstskalen (Soziale Ängste, Kognitive Ängste, Angst vor körperlichen Beeinträchtigungen und Phobien) des BAV 3-11; zum anderen kann ein Gesamtwert über alle 26 Items gebildet werden (Gesamtangst). Dabei wird für jede Situation ein Wert von 0 bis 3 Punkten vergeben (0: positive und neutrale Reaktionen, 1: geringe, 2: mittlere, 3: hohe Angst; vgl. Tab. 2). Die Kennwerte berücksichtigen somit sowohl die Anzahl der genannten Angstsituationen als auch das Ausmaß der Angst (Mackowiak & Lengning, 2010). Sofern die Kinder in einer Situation Angst angegeben haben, wird die Angstbewältigung (Emotionsregulation) anhand der vom Kind genannten Reaktionen Manual-basiert codiert (Mackowiak & Lengning, 2010). Die insgesamt neun Strategien lassen sich drei übergeordneten Bewältigungsstilen zuordnen: Problemorientierte Strategien beinhalten aktive, selbstständige Bewältigungsversuche (z. B. trotz Angst das machen, was in der Situation gefordert wird), problemvermeidende Strategien weisen eher auf eingeschränkte (dysfunktionale) Bewältigungskompetenzen hin (z. B. aus der Situation fliehen) und die Suche nach sozialer Unterstützung beinhaltet Strategien, bei der die Situation entweder mit jemandem gemeinsam bewältigt wird (z. B. jemanden um Hilfe bitten) oder Schutz bei einer Bezugsperson gesucht wird (z. B. Nähe zur Bezugsperson suchen). Die Bewältigungsstile werden prozentual angegeben (Anteil der jeweiligen Strategie an der Gesamtzahl aller genannten Strategien), weil sie von der Anzahl der individuell genannten Angstsituationen abhängen. Für alle Kennwerte des BAV 3-11 liegen geschlechts- und altersspezifische Normen vor (Mackowiak & Lengning, 2010). 2 Wir danken Charlotte Hussing für die Illustration dieses Items. Die interne Konsistenz der Gesamtskala wurde durch das zusätzliche Item nicht negativ beeinflusst (Cronbachs Alpha mit dem Corona-Item: .85; ohne das Corona-Item: .84). Angsterleben: „Wie fühlst du dich, wenn du an Corona denkst? “ Angstbewältigung: „Was tust du? “ (offene Antwort) 0 0 1 2 3 Tab. 2: Corona-Item: Vorgehen nach Manual des BAV 3-11 (Mackowiak & Lengning, 2010) 78 Katja Mackowiak, Anke Lengning Die Bewältigungsstrategien wurden im Projekt von zwei geschulten Codiererinnen ausgewertet; die Übereinstimmung in der Codierung wurde auf der Basis von 40 Projekt-Interviews (ca. 10 % des Materials) berechnet und lag für die drei Bewältigungsstile im sehr guten Bereich (Cohens Kappa: zwischen .86 und .90). Ergebnisse Im BAV-Interview gaben die Kinder 2021 durchschnittlich 12.00 (SD: 4.67) von 26 Situationen an, in denen sie Angst erlebten; die Spanne war groß (0 - 25 Situationen). Auch die Angstintensität (Skala: 0 - 3) variierte stark, im Durchschnitt erzielten die Kinder 20.23 (SD: 9.47) von maximal 78 Punkten (Spanne: 1 - 51 Punkte). Zur Klärung der Frage, wie entwicklungstypische Ängste während der Pandemie bei Grundschulkindern ausgeprägt sind und ob sich ein höheres Angsterleben im Vergleich zur Normstichprobe von 2010 nachweisen lässt, wurden die beiden Teilstichproben - unter Berücksichtigung des Geschlechts - mittels Varianzanalysen verglichen. In die erste univariate Varianzanalyse gingen der Erhebungszeitpunkt (Normstichprobe 2010 vs. Projektstichprobe 2021) und das Geschlecht als unabhängige Faktoren sowie die Gesamtangst als abhängige Variable ein. Die Ergebnisse lieferten zwei signifikante Haupteffekte und keine Wechselwirkung (vgl. Tab. 3). Kinder, die 2021 interviewt wurden, wiesen signifikant höhere Werte im Angsterleben auf als Kinder der Normstichprobe von 2010; Mädchen erzielten signifikant höhere Werte als Jungen. In der zweiten (multivariaten) Varianzanalyse mit denselben Faktoren und den vier Angstskalen als abhängige Variablen zeigte sich ein ähnliches Bild. Für zwei der vier Variablen ließen sich signifikante Haupteffekte des Messzeitpunktes, Normstichprobe (2010) (N = 533) M (SD) Projektstichprobe (2021) (N = 386) M (SD) Jungen (N = 435) M (SD) Mädchen (N = 484) M (SD) (M)ANOVA F (1; 915) p part. η 2 Gesamtangst 19.29 (9.57) 21.51 (9.18) 18.36 (8.81) 21.90 (9.72) Zeit: 11.835 Sex: 31.206 WW: 0.046 < .001 < .001 .830 .013 .033 .000 Multivariate Tests Zeit: F (4; 912) = 9.929; p < .001, part. η 2 = .042 Sex: F (4; 912) = 10.932; p < .001, part. η 2 = .046 WW: F (4; 912) = 0.382; p = .822, part. η 2 = .002 Soziale Ängste 1 2.33 (2.14) 3.17 (2.09) 2.38 (1.98) 2.95 (2.28) Zeit: 34.047 Sex: 14.516 WW: 0.047 < .001 < .001 .829 .036 .016 .000 Kognitive Ängste 9.51 (4.60) 10.40 (4.36) 9.03 (4.25) 10.64 (4.63) Zeit: 8.257 Sex: 27.660 WW: 0.186 .004 < .001 .667 .009 .029 .000 Angst vor Verletzungen 5.04 (3.31) 5.41 (3.25) 4.79 (3.21) 5.55 (3.32) Zeit: 2.493 Sex: 12.228 WW: 0.176 .115 < .001 .675 .003 .013 .000 Phobien 2.41 (1.56) 2.53 (1.53) 2.14 (1.46) 2.76 (1.57) Zeit: 1.172 Sex: 34.454 WW: 0.426 .279 < .001 .514 .001 .036 .000 Tab. 3: Mittelwerte und Standardabweichungen für das Angsterleben (Gesamtskala und Unterskalen des BAV 3-11) in Abhängigkeit von Erhebungszeitpunkt und Geschlecht sowie Ergebnisse der (M)ANOVA (N = 919) 1 Aufgrund der Verletzung der Varianzhomogenität wurden die Ergebnisse mittels nonparametrischer Analysen abgesichert. Zeit: Haupteffekt Messzeitpunkt; Sex: Haupteffekt Geschlecht; WW: Wechselwirkung Messzeitpunkt × Geschlecht; part. η 2 : < .06 geringer Effekt; .06 - .13 mittlerer Effekt; > .13 großer Effekt Angsterleben und -bewältigung während der COVID-19-Pandemie 79 für alle vier signifikante Geschlechtseffekte nachweisen, Wechselwirkungen lagen dagegen nicht vor. Auf den Angstskalen Soziale Ängste und Kognitive Ängste waren die Werte im Angsterleben 2021 signifikant höher als 2010 (dies galt nicht für die Skalen Angst vor Verletzungen und Phobien); Mädchen wiesen auf allen Skalen höhere Werte auf als Jungen. In allen Analysen fielen die Effektstärken gering aus. In einem zweiten explorativen Schritt wurde geprüft, ob vor allem Kinder mit hoher dispositioneller Angst (trait; Spielberger, 1972) eine Gruppe darstellten, die sich besonders durch die Pandemie verunsichern ließ und mit einem stärkeren Angsterleben reagierte. Um diese Hypothese zu prüfen, wurde das Corona- Item herangezogen und die Stichprobe von 2021 in folgende vier Teilgruppen eingeteilt: Kinder ohne Angst vor Corona (Angsterleben: 0; n = 80; 43 Jungen, 37 Mädchen), Kinder mit geringer (Angsterleben: 1; n=112; 56 Jungen, 56 Mädchen), mittlerer (Angsterleben: 2; n = 87; 38 Jungen, 49 Mädchen) und hoher Angst vor Corona (Angsterleben: 3; n = 104; 39 Jungen, 65 Mädchen). Die Normstichprobe wurde als Vergleichsgruppe ebenfalls einbezogen (n = 533; 259 Jungen, 274 Mädchen). Mit diesen fünf Gruppen wurde eine univariate Varianzanalyse gerechnet, in die (neben dem Geschlecht als weiterer Faktor) die Gesamtangst im BAV 3-11 als abhängige Variable einging. Die Befunde zeigten signifikante Haupteffekte für das Geschlecht (wie oben beschrieben) und die Gruppe, aber keine Wechselwirkung (vgl. Tab. 4). Die Post-hoc-Analysen belegten, dass Kinder mit mittlerer und hoher Angst vor Corona signifikant höhere Werte im Angsterleben erzielten als Kinder aus den drei anderen Gruppen (Kinder mit nicht vorhandener oder geringer Angst vor Corona sowie Kinder der Normstichprobe). Es fiel ebenfalls auf, dass sich Kinder mit nicht vorhandener bzw. geringer Angst vor Corona nicht signifikant in ihrem Angsterleben von der Normstichprobe unterschieden, Kinder mit mittlerer bzw. hoher Corona-Angst dagegen deutlich. Dieser Effekt wies eine mittlere Stärke auf.Die Ergebnisse konnten eine Teilgruppe von Kindern identifizieren, die durch die Pandemie stark verängstigt war und insgesamt höhere Angstwerte erzielte als ihre Peers. Diese Gruppe mit hoher Corona-Angst (N = 104; 39 Jungen und 65 Mädchen) wurde vertiefend untersucht. Kinder mit mittlerer Corona-Angst wurden nicht einbezogen, weil diese sich in der Einzelanalyse in ihrem Angsterleben (Gesamtangst im BAV 3-11) ebenfalls signifikant von der Gruppe mit hoher Corona-Angst unterschieden (F (1; 189) = 7.095; p < .01; part. η 2 = .036.). Es sollte geklärt werden, ob Kinder mit hoher Corona-Angst in Bezug auf ihr generelles Angsterleben zur Risiko-Gruppe im BAV 3-11 (hierunter fallen Kinder, deren Angstgesamtwert einen Prozentrang PR ≥ 75 aufweist; Mackowiak & Lengning, 2010) gehörten. Beim Vergleich mit den Normwerten des BAV 3-11 fiel auf, dass mit 55 von 104 Kindern (52,8 %) deutlich mehr als 25 % (PR ≥ 75) der Kinder mit hoher Corona-Angst in die Risikogruppe einzuordnen waren. Normstichprobe (2010) (N = 533) M (SD) Projektstichprobe (2021) ANOVA Keine Corona-Angst (N = 80) M (SD) Geringe Corona-Angst (N = 112) M (SD) Mittlere Corona-Angst (N = 87) M (SD) Hohe Corona-Angst (N = 104) M (SD) F (4; 906) p part. η 2 Gesamtangst 19.29 a (9.57) 16.10 a (8.52) 19.19 a (7.44) 23.26 b (8.13) 26.62 b (9.10) Gruppe: 18.893 Sex: 12.381 WW: 0.687 < .001 < .001 .601 .077 .013 .003 Tab. 4: Mittelwerte und Standardabweichungen für das Angsterleben (Gesamtskala des BAV 3-11) in Abhängigkeit von der Corona-Angst sowie Ergebnisse der ANOVA (N = 916) Gruppe: Haupteffekt Angstgruppen; Sex: Haupteffekt Geschlecht; WW: Wechselwirkung Gruppe × Geschlecht a, b Post-hoc-Analysen: unterschiedliche Indizes weisen auf signifikante Unterschiede in den Untergruppen hin 80 Katja Mackowiak, Anke Lengning Um zu klären, ob diese Kinder möglicherweise eine Gruppe darstellten, die über eine weniger angemessene Emotionsregulation verfügte, wurden die mit dem BAV 3-11 erfassten drei Bewältigungsstile herangezogen. Es wurde untersucht, ob Kinder mit hoher Corona- Angst, welche zur BAV-Risikogruppe (PR ≥ 75) gehörten, weniger angemessene Bewältigungsstrategien nannten als Kinder mit hoher Corona-Angst, die nicht in die Risikogruppe fielen. Hierzu wurde eine multivariate Varianzanalyse mit dem unabhängigen Faktor Gruppe (Risikogruppe vs. Nicht-Risikogruppe im BAV 3-11) und den drei Angstbewältigungsstilen (Problemorientierung, Problemvermeidung und Suche nach sozialer Unterstützung) als abhängige Variablen durchgeführt (vgl. Tab. 5). Die Ergebnisse zeigten, dass sich die beiden Teilgruppen der Kinder mit hoher Corona-Angst in ihren Bewältigungsstilen signifikant unterschieden. Diejenigen, die bzgl. ihres Angsterlebens zur BAV-Risikogruppe gehörten, nannten weniger problemlösungsorientierte Strategien, mehr vermeidende Strategien und sie suchten mehr soziale Unterstützung in Angstsituationen als die Kinder, die zwar eine hohe Angst vor Corona angaben, aber in der Gesamtangst nicht zur BAV-Risikogruppe zählten. Insbesondere das Fehlen lösungsorientierter (funktionaler) Bewältigungsstrategien in Angstsituationen wies eine hohe Effektstärke auf und spricht für eine eingeschränkte Emotionsregulation in der Risikogruppe. Diskussion Im vorliegenden Beitrag wurden entwicklungstypische Ängste von Grundschulkindern während der COVID-19-Pandemie untersucht und mit Daten aus einer früheren Erhebung verglichen. Die Ergebnisse zeigen ein höheres Angsterleben während der Pandemie im Vergleich zur Erhebung von 2010. Dies deckt sich mit Ergebnissen aus anderen Studien, die ebenfalls höhere Werte im Bereich des Stress- und Angsterlebens ermittelten (Bantel et al., 2021; Christner et al., 2021; Kurz et al., 2023; Langmeyer et al., 202; Rothe et al., 2021). Insbesondere soziale Situationen und kognitive Themen waren während der Pandemie mit einem höheren Angsterleben assoziiert. Dies lässt sich möglicherweise damit erklären, dass soziale Situationen während der Pandemie zu einer Ansteckung führen konnten (also eine reale Gefahr darstellten) und daher weniger auftraten und geübt werden konnten (Asbrand & Brinkmann, 2022; Leopoldina, 2021). Erhöhte kognitive Ängste (z. B. Angst vor Dunkelheit) sprechen für eine mögliche Zunahme an Besorgtheitskognitionen (z. B. darüber, was in einer unvorhersehbaren oder bedrohlich wirkenden Situation passieren könnte; Kertz & Woodruff-Borden, 2011), wie sie auch in anderen Studien während der Pandemie nachgewiesen werden konnte (Rothe et al., 2021; Vogel et al., 2021). Keine höheren Angstwerte zeigten sich auf der Skala Angst vor Verletzungen; dies könnte BAV: Risikogruppe (2021) (PR ≥ 75) (n = 55) M (SD) BAV: Nicht-Risikogruppe (2021) (PR < 75) (n = 49) M (SD) MANOVA F (1; 102) p part. η 2 Multivariate Tests F (3; 100) = 11.187; p < .001, part. η 2 = .251 Problemorientierung (in %) 1 Problemvermeidung (in %) 1 Suche nach soz. Unterstützung (in %) 53.08 (13.10) 29.48 (14.44) 11.56 (6.95) 65.36 (13.04) 24.22 (12.33) 6.91 (8.23) 22.857 3.936 9.776 < .001 < .050 .002 .183 .037 .087 Tab. 5: Mittelwerte und Standardabweichungen für die Angstbewältigungsstile (BAV 3-11) der Kinder mit hoher Corona-Angst in Abhängigkeit von der Zugehörigkeit zur Risikogruppe im BAV 3-11 (PR ≥ 75 vs. < 75) sowie Ergebnisse der ANOVA (N = 104) 1 Aufgrund der Verletzung der Varianzhomogenität wurden die Ergebnisse mittels nonparametrischer Analysen abgesichert. Angsterleben und -bewältigung während der COVID-19-Pandemie 81 daran liegen, dass es im BAV 3-11 vor allem um Spielsituationen geht und nicht um Krankheiten und Infektionen. Bzgl. der Phobien waren ebenfalls keine höheren Werte im Angsterleben durch die Pandemie zu verzeichnen. Mädchen gaben in allen Bereichen signifikant höhere Werte im Angsterleben an als Jungen, was sich mit Ergebnissen anderer Studien deckt (z. B. Bender et al., 2012; Vogel et al., 2021; Ravens-Sieberer et al., 2023). Zu beachten ist aber auch, dass insgesamt nur kleine Effektstärken nachzuweisen waren, was auf eine geringe praktische Relevanz der Unterschiede im Angsterleben im Vergleich zur Normstichprobe hindeutet. Eine erste Anpassung an die Pandemie und ihre Herausforderungen, wie sie auch in der COPSY-Studie zwischen Welle 2 (12/ 20 bis 01/ 21) und Welle 3 (09 / 21 bis 10 / 21) 3 nachgewiesen werden konnte (Ravens-Sieberer et al., 2023), könnte auch in dieser Studie bereits wirksam geworden sein. In den weiteren Analysen fällt auf, dass nicht alle Kinder mit erhöhter Angst während der Pandemie reagierten. Es gab Kinder, die sich offensichtlich nicht (stark) durch die Pandemie bedroht fühlten und im Interview keine oder nur geringe Angst beim Gedanken an Corona angaben. In dieser Teilstichprobe war im BAV-Gesamtwert für das Angsterleben kein signifikanter Unterschied zur Normstichprobe von 2010 zu beobachten. Möglicherweise handelt es sich bei dieser Gruppe um Kinder mit einer hohen Resilienz (hierzu zählen u. a. aktive und flexible Bewältigungskompetenzen; Wustmann, 2005), die nach einer gewissen Zeit (die Pandemie dauerte zum Zeitpunkt der Erhebung bereits über ein Jahr) mit Krisen umgehen und ihre Bewältigungsfähigkeiten nutzen konnten und sich nicht massiv davon beeinträchtigen ließen. In der Stellungnahme der Leopoldina (2021) wird betont, dass viele Kinder und Jugendliche über eine hohe Resilienz verfügen und Döpfner et al. (2021) konnten in ihrer Studie eine große Anzahl von Fällen mit einer geringen bis moderaten Belastung während der Pandemie (Welle 2 / 3) nachweisen. Auf der anderen Seite gab es auch Kinder, die in dieser Krisenzeit von einem hohen Angsterleben berichteten. In einer Online- Befragung von Ortner, Kovacs und Jadin (2020) mit über 4.000 Kindern im Alter von neun bis 13 Jahren aus 42 Ländern gaben zu Beginn der Pandemie etwa 20 % der Kinder an, „sehr“ beunruhigt zu sein. In der vorliegenden Untersuchung berichteten 27 % der Kinder über eine hohe Angst vor Corona und gaben auch sonst mehr bzw. intensivere Alltagsängste an. Möglicherweise kann diese Gruppe als vulnerabel bzw. weniger resilient eingestuft werden (Brakemeier et al., 2020; Maldei-Gohring et al., 2022); allerdings zeigen die explorativen Analysen, dass auch hier eine differenzierte Perspektive notwendig ist. Gut die Hälfte der Kinder mit hoher Angst vor Corona erzielte im BAV 3-11 überdurchschnittliche Werte im Angsterleben und fiel im Vergleich zur Normstichprobe in die Risikogruppe (PR ≥ 75). Diese Kinder nannten im Vergleich zu den Kindern mit hoher Corona-Angst, die nicht in die BAV- Risiko-Gruppe fielen, weniger Strategien zur Angstbewältigung und mehr vermeidende Strategien. Sie wiesen also insgesamt ein weniger funktionales Bewältigungsrepertoire auf. Immerhin gaben sie auch häufiger an, sich soziale Unterstützung zu holen, was als positiver Bewältigungsversuch gewertet werden kann, insbesondere wenn nicht nur Trost gesucht, sondern auch gemeinsam eine Bewältigung der Situation angestrebt wird (beides wurde von diesen Kindern zu ungefähr gleichen Anteilen geäußert). In der Angstforschung wird eine dysfunktionale Emotionsregulation (insbesondere vermeidende Strategien) als ein relevanter Risikofaktor bei der Entstehung von Angst und Angststörungen diskutiert (Bender et al., 2012; Compas et al., 2017; Kullik & Petermann, 2013; Spence & Rapee, 2016). Die vorliegenden Befunde können in diese Richtung interpretiert werden. 3 Die vorliegende Erhebung fand genau zwischen diesen beiden Erhebungswellen statt. 82 Katja Mackowiak, Anke Lengning Eine weitere Schlussfolgerung, die sich aus den Ergebnissen ableiten lässt, ist, dass Unterschiede im Angsterleben zumindest teilweise mit der Pandemie assoziiert sein könnten und nicht allein als Kohorteneffekt (Lindenberger, 2000) zu interpretieren sind. Auch in der BELLA-Studie konnten über vier Erhebungszeitpunkte keine Kohorteneffekte in Bezug auf die kindlichen Angstsymptome nachgewiesen werden (Klasen et al., 2016). Es scheinen also eher differenzielle Effekte in bestimmten Kindergruppen als ein genereller Trend bzgl. des Angsterlebens vorzuliegen. Hier sind Kinder mit einer hohen dispositionellen Angst (im Sinne eines trait-ähnlichen Merkmals) hervorzuheben, weil sie besonders anfällig für bedrohliche Ereignisse sind (Kertz & Woodruff- Borden, 2011). Limitationen Die vorliegenden Ergebnisse basieren nicht auf Beobachtungen, sondern auf Interviews mit Kindern zu ihrem Erleben und Verhalten in potenziell angstauslösenden Alltagssituationen. Selbstauskünfte werden zwar insbesondere bei internalisierenden Problemen als hoch relevant erachtet (Schneider & Seehagen, 2014), sie müssen aber nicht unbedingt mit dem tatsächlichen Erleben und Verhalten in der konkreten Situation übereinstimmen (Etkin, Shimshoni, Lebowitz & Silverman, 2021). Für das Interview sprechen die offenen und differenzierten Antworten der Kinder, die zeigen, welche Introspektionsfähigkeit bereits im Grundschulalter vorliegen kann (Nentwig-Gesemann & Mackowiak, 2012). Eine weitere Kritik betrifft die Erhebung der Angst vor Corona mit nur einem Item. Zwar konnten die Kinder dazu genauer berichten, wovor sie Angst hatten und wie sie damit umgingen; dennoch wäre eine differenziertere Erfassung wünschenswert gewesen. Groß angelegte Studien greifen häufig auf einzelne Items zur Erhebung eines Konstrukts zurück (siehe Schlack et al., 2023); hier gilt es abzuwägen, welche Variablen erfasst werden sollen und wie viel der Zielgruppe zuzumuten ist. Dies bezieht sich auch auf die Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren, die sich - neben der Emotionsregulation - als relevant für die psychische Gesundheit während der Pandemie erwiesen haben (z. B. Hintergrundvariablen zur Familie wie SES, Migration, Bildung; Schlack et al., 2023) und in dieser Studie nicht erfasst wurden. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft zudem die querschnittliche Datenerhebung. Es liegen in dieser Studie keine Daten vor, die bei ein und demselben Kind vor und während der Pandemie erhoben wurden. Auf diese Weise können nur Trends abgebildet werden und Überlegungen, wodurch die Unterschiede zur Normstichprobe zustande gekommen sind, bleiben mit einer gewissen Unsicherheit behaftet. Dennoch konnten die explorativen Feinanalysen erste Hinweise darauf liefern, welche Kinder durch die Pandemie besonders beeinträchtigt wurden und worauf in der Prävention und Förderung besonders zu achten ist. Eine erneute Erhebung mit dem BAV 3-11sowie die Berücksichtigung relevanter Einflussfaktoren aufseiten des Kindes und der Umwelt könnten zukünftig dazu beitragen, weitere Erkenntnisse zur Ätiologie und Entwicklung von entwicklungstypischen Ängsten und Angstbewältigungsstrategien bei Kindern im Grundschulalter (ggfs. auch früher) zu gewinnen. Praktische Implikationen Die Befunde zeigen deutlich, dass insbesondere Kinder mit ausgeprägten Ängsten früh identifiziert und in ihrer Emotionsregulation gestärkt werden sollten, um mögliche Entwicklungsrisiken zu vermeiden. Dabei geht es nicht nur um den Abbau von Vermeidungsverhalten und dysfunktionalen Kognitionen, sondern vor allem auch um den Aufbau funktionaler Bewältigungsstrategien (Melfsen & Walitza, 2021; Young et al., 2019). Dies kann im Schulkontext in vielen Alltags- und Unterrichtssituationen thematisiert und erprobt werden (z. B. Umgang mit Leistungs-/ Bewertungssituationen, aber auch Angsterleben und -bewältigung während der COVID-19-Pandemie 83 mit Krisen wie der Pandemie). Ein breites Bewältigungsrepertoire, aus dem Kinder je nach Situation die passende Strategie auswählen können, hilft ihnen im Umgang mit ihren Ängsten und macht sie stark, mit zukünftigen Krisen (noch) besser umgehen zu können (Compas et al., 2017; Melfsen & Walitza, 2021). Literatur Asbrand, J. & Brinkmann, F. (2022). Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Kinder, Jugendliche und Familien in deutschsprachigen Ländern. Kindheit und Entwicklung, 31 (2), 76 - 80. https: / / doi.org/ 10. 1026/ 0942-5403/ a000372 Bantel, S., Buitkamp, M. & Wünsch, A. (2021). Kindergesundheit in der COVID-19-Pandemie: Ergebnisse aus den Schuleingangsuntersuchungen und einer Elternbefragung in der Region Hannover. 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Ausgehend von einer Begriffsdefinition und Abgrenzung gegenüber verwandten Konzepten wird die Epidemiologie der Einsamkeit beleuchtet. Das Buch schließt mit aktuellen Perspektiven: Der Diskussion, ob Einsamkeit in den letzten Jahren zugenommen hat, und dem Forschungsstand zu wirksamen Interventionen.
