unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Lokale Aktionspläne als Instrumente in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus
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2009
Kari-Maria Karliczek
Lokale Aktionspläne im Sinne von integrierten Handlungskonzepten sind ein wichtiges Instrument in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Seit 2007 werden im Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“ Aktionspläne in verschiedenen Kommunen und Landkreisen gefördert. Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit den ersten Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitung dieses Programms.
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76 uj 2 (2009) Unsere Jugend, 61. Jg., S. 76 - 82 (2009) © Ernst Reinhardt Verlag München Basel Lokale Aktionspläne als Instrumente in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus Kari-Maria Karliczek Lokale Aktionspläne im Sinne von integrierten Handlungskonzepten sind ein wichtiges Instrument in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Seit 2007 werden im Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“ Aktionspläne in verschiedenen Kommunen und Landkreisen gefördert. Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit den ersten Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitung dieses Programms. rechtsextremismus Als Reaktion auf zunehmende rechtsextreme Aktivitäten und gewaltförmige Übergriffe Anfang der neunziger Jahre wurde eine Vielzahl von Projekten umgesetzt, die zunächst schwerpunktmäßig auf Konzepte der Gewaltprävention oder auf akzeptierende Jugendarbeit setzten. Wegweisend in diesem Kontext war das Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt (AgAG), das von 1992 bis 1996 in den neuen Bundesländern realisiert wurde und in dessen Rahmen umfangreiche Erfahrungen mit der Zielgruppe rechter und rechtsextremer Jugendlicher gemacht wurden (vgl. Fuchs u. a. 1997). Aus den Erfahrungen dieser Projekte heraus wurden seit Mitte der neunziger Jahre gezielt Projekte gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus zur Förderung von Demokratie und Toleranz durchgeführt. Neben zahlreichen lokalen und regionalen Initiativen und den in vielen Bundesländern umgesetzten Landesprogrammen waren auf Bundesebene die Programme Xenos, Entimon und Civitas maßgeblich. Die Stärkung der Zivilgesellschaft und Demokratieentwicklung fanden hier explizite Berücksichtigung. Aus diesen Projekten liegen inzwischen gut dokumentierte Erfahrungen und Evaluationen vor (vgl. u. a. Lynen von Berg/ Roth 2003; BMFSFJ 2006; Klingelhöfer u. a. 2007; Lynen von Berg u. a. 2007). Eine wichtige Erkenntnis, die im Vorfeld und im Rahmen dieser Programme gewonnen wurde, war, dass singuläre Aktivitäten auf Dauer gesehen nur in seltenen Fällen nachhaltige Wirkungen entfalten können. Vor diesem Hintergrund wurde sowohl der Vernetzung als auch der kommunalen Einbindung der geförderten Projekte große Bedeutung beigemessen. In diesem Rahmen wurde auch das Konzept der Lokalen Aktionspläne - das bislang in Deutschland wenig Verbreitung gefunden hatte - für die Arbeit gegen Dr. Kari-Maria Karliczek Jg. 1966; Sozialpädagogin und Diplom- Sozialwissenschaftlerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Camino uj 2 (2009) 77 rechtsextremismus Rechtsextremismus entwickelt bzw. ausgebaut. Im Rahmen einer Ausschreibung des Bundesprogramms „Entwicklung & Chancen in sozialen Brennpunkten“ (E & C) wurde im Jahr 2001 die Erstellung von Lokalen Aktionsplänen gefördert. Aufbauend auf den Erfahrungen aus E & C war ein Förderschwerpunkt des Bundesprogramms „entimon - gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus“, das von 2002 bis 2006 lief, die Umsetzung von „Lokalen Netzwerken“. Im Rahmen dieses Programmteils wurde in mehreren Regionen Deutschlands die Erstellung, Implementierung und Umsetzung von Lokalen Aktionsplänen gefördert. Seit 2007 wird dieser Ansatz durch das Bundesprogramm „Vielfalt tut gut - Jugend für Toleranz, Demokratie und Vielfalt“ fortgeführt und ausgebaut. Durch dieses Programm werden in 90 Kommunen und Landkreisen Lokale Aktionspläne mit 100.000 Euro jährlich gefördert, 60 davon in den neuen Bundesländern und 30 in den alten Bundesländern. Die Lokalen Aktionspläne zielen darauf ab, in einem lokalen vernetzten Zusammenhang Konzepte und Strategien vor Ort, die auf eine gemeinwesenorientierte, nachhaltige Auseinandersetzung mit den Themen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, aber auch Integration und Migration, zielen, umzusetzen. Das Programm ist im präventiv-pädagogischen Bereich angesiedelt, dient der Bewusstseinsbildung und ist auf langfristige Wirkungseffekte ausgerichtet. Denn auch wenn aus unterschiedlichen Untersuchungen (z.B. Heitmeyer 2007; 2008) wiederholt deutlich wird, dass rechtsextremes und ausländerfeindliches Gedankengut in Bevölkerungsteilen in breiten Teilen der Gesellschaft verankert ist, so besteht dennoch eine besondere Verantwortung für Jugendliche, die möglichst frühzeitig demokratische und integrative Lernerfahrungen und Beteiligungsräume benötigen, um Lockangeboten von Rechtsextremisten zu widerstehen. Vor dem Hintergrund der oft mangelnden Nachhaltigkeit von Projekten und der Bedeutung von Netzwerkarbeit verband und verbindet sich mit der Erarbeitung und Umsetzung von Lokalen Aktionsplänen die Vorstellung, mit diesem Instrument ein koordiniertes vernetztes Vorgehen aller relevanten AkteurInnen mit einem ausgeprägten lokalen Bezug zu verbinden und somit gute Voraussetzungen für eine nachhaltige Arbeit gegen Rechtsextremismus zu schaffen. Denn oft mangelt es an auf Vernetzung ausgerichteten Konzepten, wenn eine Kommune eine demokratische Stadtkultur fördern will und sich mit Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit auseinandersetzt. Viele einzelne in der Arbeit gegen Rechtsextremismus aktive Initiativen arbeiten unverbunden nebeneinander her; Aktionen sind häufig durch aktuelle Ereignisse geprägt, mit „heißer Nadel gestrickt“ und vom guten Willen der Kommunen gefärbt, „etwas gegen Rechtsextremismus tun zu wollen“. Der partizipativen und aktivierenden Erstellung und Umsetzung eines Lokalen Aktionsplans im Sinne eines integrierten Handlungskonzeptes liegt dagegen eine fundierte Analyse der jeweiligen Situation, der besonderen Schwierigkeiten und der vorhandenen Ressourcen zugrunde. Dies ist ein sinnvoller Weg, um die vorhandenen Ressourcen effektiver zu bündeln, weitere zu mobilisieren, konsensfähige Ziele und darauf aufbauend eine an den konkreten Problemlagen und Herausforderungen orientierte Strategie- und Maßnahmeplanung zu entwickeln (vgl. Lehnert/ Siebert 2004). In diesem Kontext stellt die Bildung lokaler Netzwerke mit Vertreter/ innen von Jugend- und Gemeinwesenarbeit, zivilgesellschaftlichen Organisationen und kleineren Initiativen eine wichtige Grundlage für eine auf breiter Basis geführte Aus- 78 uj 2 (2009) rechtsextremismus einandersetzung mit Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit dar (Klingelhöfer 2007). Hierbei ist eine soziale Differenzierung in Netzwerken einer Gemeinschaft der Gleichen vorzuziehen (Palloks/ Steil 2008, 96), jedoch sollte bei einer heterogenen Zusammensetzung von Netzwerken darauf geachtet werden, dass die Ressourcen aller Akteursgruppen effektiv zum Tragen kommen. Eine Voraussetzung, dies in der Praxis zu erreichen, ist das Erkennen eines gemeinsamen Problems und die möglichst breite Einbindung von AkteurInnen in die Entwicklung von Zielen, mit denen auf dieses Problem reagiert werden kann. Lokale Aktionspläne sehen hierfür eine enge Verbindung von AkteurInnen aus dem politisch-administrativen System und zivilgesellschaftlichen AkteurInnen vor. Damit knüpfen sie an der Idee eines Co-Governance an, also einer interaktiven Form der Steuerung sozialer Prozesse, in der „sowohl Aspekte, Probleme und Chancen des beherrschenden Systems als auch des beherrschten Systems berücksichtigt werden“ (Kooiman 2006, 153). Die Architektur eines Lokalen Aktionsplans im Rahmen des Programms „Vielfalt tut gut“ sieht die Einrichtung eines Ämternetzwerkes, eines Begleitausschusses und einer Koordinierungsstelle vor. Dem Ämternetzwerk obliegt die rechtliche Verantwortung bezüglich der Einhaltung der Programmrichtlinien. Außerdem soll es über den Begleitausschuss auch in die inhaltliche Arbeit integriert sein. Der Begleitausschuss entscheidet über die konkreten Projekte, die im Rahmen des Lokalen Aktionsplans gefördert werden sollen, und wirkt an der inhaltlichen Fortschreibung mit. Die Koordinierungsstelle soll eine Scharnierfunktion zwischen dem Begleitausschuss, dem Ämternetzwerk und den Projekten einnehmen und als zentrale Ansprechpartnerin dienen. Die Koordinierungsstelle kann innerhalb der Verwaltungsstrukturen angesiedelt sein, aber auch an einen freien Träger gegeben werden. Ein Beispiel für die Arbeit innerhalb eines Lokalen Aktionsplanes In einer Zukunftswerkstatt, an der neben VertreterInnen von Begleitausschuss und Ämternetzwerk unterschiedliche zivilgesellschaftliche Akteure - VertreterInnen von kleineren Initiativen, von Vereinen, Einrichtungen der Jugendarbeit und der politischen Bildung - teilnahmen, wurden mit Rechtsextremismus zusammenhängende aktuelle Problemkonstellationen und Vorkommnisse in der LAP-Region zusammengetragen. Weiterhin wurden Projektideen gesammelt, wie diesen Entwicklungen begegnet und wie eine produktive Auseinandersetzung mit der Thematik Rechtsextremismus geführt werden kann. Ergebnis der Zukunftswerkstatt war, dass bei einem Großteil der PädagogInnen und der Jugendlichen ein hohes Informationsdefizit in Bezug auf jugendkulturelle Ausdrucksformen von Rechtsextremismus konstatiert wurde, zum anderen bei den sensibilisierten AkteurInnen eine deutliche Hilflosigkeit zum Ausdruck kam, wie mit den mit „rechtsextrem auftretenden“, provozierenden Jugendlichen umzugehen sei. Anhand dieser Problemdefinition wurden konkrete Projektvorschläge entwickelt: Informationsveranstaltungen an den Oberschulen der Region, die sich an die Jugendlichen richten, sowie eine schulübergreifende Fortbildung für LehrerInnen, an der alle VertrauenslehrerInnen teilnehmen sollten; weiterhin zielgruppenspezifische Argumentationstrainings gegen rechts für jugendliche und erwachsene AkteurInnen. Für die Schule, an der es zu Vorfällen gekommen war, wurde ein peerorientiertes Konzept zur Konfliktbewältigung vorgeschlagen. Diese Projektvorschläge wurden anschließend intensiv im Begleitausschuss diskutiert und positiv entschieden, d. h. sie werden mit Mitteln des Lokalen Aktionsplans gefördert. Die Kommune unterstützt die geförderten Projekt u. a. durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten und die Verschickung von Einladungsschreiben. Deutlich wurde, dass die Zusammenführung der Sichtweisen aus dem Bereich der Verwaltung mit denen der zivilgesellschaftlichen AkteurInnen produktive Diskussionen und Erkenntnisgewinne für alle Beteiligten auslöste. uj 2 (2009) 79 rechtsextremismus Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung der Lokalen Aktionspläne - die vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) und Camino gemeinsam durchgeführt wird - wurden u. a. qualitative Interviews mit unterschiedlichen am Lokalen Aktionsplan beteiligten AkteurInnen geführt. 1 Hierzu gehörten neben den KoordinatorInnen der Lokalen Aktionspläne Mitglieder der Begleitausschüsse, die zum einen der Zivilgesellschaft zugerechnet werden können und die zum anderen das Ämternetzwerk im Begleitausschuss vertreten. Die Frage, wie eine Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen AkteurInnen gelingt und welche positiven Effekte sich hieraus ergeben, spielen in der wissenschaftlichen Begleitung eine zentrale Rolle. Bereits für die Erstellung eines Lokalen Aktionsplan wurden in Bezug auf die Einbindung unterschiedlicher gesellschaftlicher Akteure durch die Programmgestalter von „Vielfalt tut gut“ hierzu Vorgaben gemacht. So sollen „relevante Akteurinnen und Akteure aus unterschiedlichen Bereichen von Beginn an stark eingebunden werden“ (Regiestelle 2007, 20). In den beteiligten Kommunen und Landkreisen wurde diese Einbindung in unterschiedlicher Form realisiert: Während die Erstellung der Lokalen Aktionspläne in manchen Kommunen/ Landkreisen von Beginn an das Ergebnis eines interaktiven Prozesses zwischen verschiedenen AkteurInnen war, wurden in anderen Regionen die Problemlagen und mögliche Ziele zuerst innerhalb des politisch-administrativen Systems benannt und erst in einem zweiten Schritt mit anderen AkteurInnen diskutiert. Voraussetzung für einen solchen Diskussionsprozess war, dass die Vorformulierung zukünftiger Inhalte des Lokalen Aktionsplans ergebnisoffen gestaltet wurde und lediglich einer Strukturierung der Kommunikation diente. Wie die Einbeziehung unterschiedlicher AkteurInnen gelang, wurde maßgeblich davon bestimmt, ob in der Region bereits Netzwerkstrukturen vorhanden waren. Sowohl bei der von Anfang an gemeinschaftlichen Entwicklung eines Lokalen Aktionsplans als auch bei der Diskussion von vorformulierten Inhalten wurde auf bestehende Netzwerkstrukturen zurückgegriffen. Dabei konnte es sich um Vernetzungen handeln, die aus einem bürgerschaftlichen Engagement oder aus früheren Programmen resultierten, aber auch um Vernetzungen, die aufgrund einer sozialräumlich orientierten Gemeinwesenarbeit existierten. War ein Rückgriff auf vorhandene Vernetzungen nicht möglich, zeigten sich deutliche Probleme bei der Einbeziehung unterschiedlicher Akteure. Denn die Schaffung neuer Netzwerkstrukturen war aufgrund des durch das Programm vorgegebenen engen zeitlichen Rahmens faktisch nicht möglich. Die bestehenden Netzwerke boten den AkteurInnen einen strukturellen Rahmen, in dem Kommunikation stattfinden konnte. In der Regel haben hier bereits Aushandlungsprozesse über Kommunikationsabläufe stattgefunden, und man kann sich mittlerweile auf gemeinsame Erfahrungen beziehen. Dadurch ist zum einen ein schneller Einstieg in die inhaltliche Arbeit möglich, zum anderen erleichtern funktionierende Strukturen auch die Integration neuer Akteure. Die dauerhafte Kooperation unterschiedlicher AkteurInnen in den Lokalen 1 In die qualitative Untersuchung wurden 20 Lokale Aktionspläne einbezogen. Die Auswahl wurde von Kriterien wie räumliche Verteilung und regionale Besonderheiten, aber auch der Organisationsstruktur sowie der inhaltlichen und zielgruppenbezogenen Ausrichtung der Lokalen Aktionspläne bestimmt. 80 uj 2 (2009) rechtsextremismus Aktionsplänen soll durch die Einrichtung von Begleitausschüssen gewährleistet werden. Diese Ausschüsse entscheiden über Projekte, die der Lokale Aktionsplan fördern will, und sollen die inhaltliche Fortschreibung der Aktionspläne vornehmen. Entsprechend der Programmvorgaben sollen in den Begleitausschüssen neben VertreterInnen des politisch-administrativen Systems Zielgruppenvertreter/ innen und VertreterInnen von zivilgesellschaftlichen Gruppen und Initiativen bzw. regional relevante AkteurInnen Mitglieder sein, wobei sichergestellt werden soll, dass die Mehrheit der Mitglieder aus dem Bereich der Zivilgesellschaft kommt (Regiestelle 2007, 24). Da die Mitwirkung im Begleitausschuss ehrenamtlich und mit einem relativ hohen Zeitaufwand verbunden ist, spielt die Motivation der AkteurInnen für eine aktive Mitarbeit eine große Rolle. Diese wird von den Präferenzen der AkteurInnen und ihren Erwartungen an das Ergebnis beeinflusst (March 1990, 2). Insofern kommt der kooperativen Bestimmung von Inhalten bereits bei der Entwicklung eines Lokalen Aktionsplans eine hohe Bedeutung zu. Denn die Verständigung über eine gemeinsame Sichtweise auf Problemfelder und die Entwicklung gemeinsamer Ziele ist eine Voraussetzung für die Wahrnehmung von Gestaltungspotenzialen und ein Anreiz für eine Mitarbeit. Die Auswahl der Mitglieder des Begleitausschusses unterlag zwangsläufig einem Selektionsprozess, dessen Gestaltung den Kommunen/ Landkreisen oblag (aufgrund der Programmvorgaben) und in den zum Teil zivilgesellschaftliche Akteure eingebunden wurden. Wichtige Kriterien für die Auswahl der Mitglieder des Begleitausschusses waren neben der Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen Themenkompetenz und Vernetzung. Mitglieder, die die Kommune/ den Landkreis vertreten, sollen darüber hinaus oftmals auch die regionale Bedeutung des Lokalen Aktionsplans unterstreichen. In der Regel werden AkteurInnen eingebunden, die bereits an der Erstellung der Aktionspläne mitgewirkt haben. Entsprechend schwierig war es für jene Lokalen Aktionspläne, denen eine Einbindung vieler unterschiedlicher AkteurInnen bei der Erstellung des Aktionsplans nicht umfänglich gelang, die durch die Programmgestalter gewünschte Heterogenität im Begleitausschuss herzustellen. Die heterogene Zusammensetzung der Begleitausschüsse ermöglicht es einem Lokalen Aktionsplan, Projekte unter vielfältigen Aspekten und Perspektiven zu bewerten und zu einem abgestimmten Handlungskonzept zusammenzuführen. Darüber hinaus werden durch diese Zusammenarbeit unterschiedlicher AkteurInnen vielfältige Ressourcen erschlossen, die dem Lokalen Aktionsplan insgesamt, aber auch einzelnen Projekten zugute kommen. Hierzu gehört der Austausch von fachlicher Kompetenz und Informationen, aber auch von materiellen Ressourcen (z. B. Austausch von Technik, Bereitstellung von Räumen). Wenn man davon ausgeht, dass die beteiligten AkteurInnen die Inhalte des Lokalen Aktionsplans auch in ihre alltäglichen Handlungskontexte transportieren, ermöglicht die Einbeziehung vieler unterschiedlicher, jedoch lokal integrierter AkteurInnen eine Ausweitung des Problembewusstseins in viele Bereiche der Region. Das Zusammentreffen von Akteuren aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen mit entsprechend unterschiedlichen Handlungslogiken lässt ein gewisses Konfliktpotenzial in den Begleitausschüssen - insbesondere zwischen zivilgesellschaftlichen AkteurInnen und VertreterInnen des politisch-administrativen Systems - vermuten. Ohne bereits uj 2 (2009) 81 rechtsextremismus abschließende Aussagen treffen zu können, weisen die bisherigen Befunde der Evaluation jedoch darauf hin, dass die Zusammenarbeit in den Begleitausschüssen überwiegend von Diskussionen geprägt ist, die von den Akteurinnen als konstruktiv wahrgenommen werden. Gleichwohl vorhandene Spannungslinien befinden sich nicht nur zwischen den VertreterInnen der Verwaltung und der Zivilgesellschaft, sondern ebenso zwischen VertreterInnen unterschiedlicher zivilgesellschaftlicher Gruppen. Insofern finden in den Begleitausschüssen Prozesse statt, die auch in jeder anderen Organisation zu finden sind, die nicht durch hierarchische, sondern durch kollektive Entscheidungsprozesse gekennzeichnet ist. Um eine Handlungsfähigkeit zu erhalten, ist es in diesem Rahmen letztlich wichtig, konstruktive Verfahren der Entscheidung bzw. der Konfliktlösung zu entwickeln. Die kommunikative Einbindung der unterschiedlichen AkteurInnen in den Begleitausschuss führt nicht zu einer Angleichung der Handlungslogiken, erzeugt jedoch ein Verständnis für die jeweils andere Sichtweise, ermöglicht neue Erfahrungen und führt in einigen Fällen zu einer Korrektur der wechselseitigen Erwartungen. So nehmen sowohl zivilgesellschaftliche AkteurInnen als auch VertreterInnen des politisch administrativen Systems eine wechselseitige Perspektivöffnung wahr. Zwar war die Zusammenarbeit der unterschiedlichen AkteurInnen anfangs durchaus von einer wechselseitigen Skepsis geprägt, wird aber nun als Chance wahrgenommen. Aus Sicht eines Befragten hat die Zusammenarbeit im Lokalen Aktionsplan dazu „beigetragen, Vorurteile, Berührungsängste oder Stereotypen abzubauen … also dass man die eigenen Feindbilder, so nenn ich das mal, nicht mehr so hegt und pflegt“. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass für den Bereich von Maßnahmen zur Einhegung von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit die Bedeutung des zivilgesellschaftlichen Engagements - mit seinen Angeboten an Lernorten und handlungsorientierten Erfahrungskontexten für demokratische Werte und soziale Kompetenzen - hervorzuheben ist. Weiterhin zeigen die Erfahrungen auch, dass die gelungene Einbindung der Kommune einen Erfolgsfaktor für integrierte Arbeit gegen Rechtsextremismus darstellt. Das bedeutet z. B., dass eine eindeutige Positionierung der Kommune für die Ziele des Lokalen Aktionsplans erfolgt. Auch mit Blick auf Kontinuität und Verstetigung von Maßnahmen macht eine konsequente und verpflichtende Einbindung der Kommune Sinn. Vor diesem Hintergrund bietet die Struktur der Lokalen Aktionspläne gute Möglichkeiten, Synergieeffekte als Folge des Zusammenspiels von kommunaler Verwaltung bzw. Politik und der Vielfalt relevanter zivilgesellschaftlicher AkteurInnen vor Ort zu erreichen. Natürlich bleibt Voraussetzung, dass das Zusammenspiel und die Kooperation von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren funktionieren. Ob die Lokalen Aktionspläne letztlich dem Anspruch gerecht werden können, ein koordiniertes vernetztes Vorgehen aller relevanten AkteurInnen zu befördern und somit die Voraussetzung für eine nachhaltige Arbeit gegen Rechtsextremismus zu schaffen, wird ein zentraler Aspekt im weiteren Verlauf der wissenschaftlichen Begleitung sein. Nach den bisherigen Befunden scheint man hier auf einem guten Weg zu sein. Gelingt die Zusammenarbeit vieler AkteurInnen, können fundierte Problemanalysen erstellt, konsensfähige Ziele entwickelt und eine Vielzahl von Ressourcen mobilisiert werden. 82 uj 2 (2009) rechtsextremismus Literatur BMFSFJ (Hrsg.), 2006: Abschlussbericht zur Umsetzung des Aktionsprogramms „Jugend für Toleranz und Demokratie gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“. o. O. Fuchs, J. u. a. (Hrsg.), 1997: Das Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt. 5 Bände. Münster Heitmeyer, W., 2007: Deutsche Zustände. Folge 6. Frankfurt am Main Heitmeyer, W., 2008: Deutsche Zustände. Folge 7. Frankfurt am Main Klingelhöfer, S./ Schmidt, M./ Schuster, S./ Brüggemann, U., 2007: Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung des Programms „Entimon - gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus“, Jahre 2002 - 2006. München Kooimann, J., 2006: Governing as Governance. In: Schuppert, G.-F. (Hrsg.): Governanceforschung. Vergewisserung über den Stand von Entwicklungslinien. Baden-Baden, S. 149 - 172 March, J. G. (Hrsg.), 1990: Entscheidung und Organisation. Kritische und konstruktive Beiträge, Entwicklungen und Perspektiven. Wiesbaden Lehnert, E./ Siebert, I., 2004: Auf den Weg gebracht: für Demokratie und Toleranz. Erfahrungen aus der Umsetzung des Lokalen Aktionsplans für Toleranz und Demokratie Potsdam. Potsdam/ Berlin Lynen von Berg, H./ Roth, R. (Hrsg.), 2003: Maßnahmen und Programme gegen Rechtsextremismus wissenschaftlich begleitet. Opladen Lynen von Berg, H./ Palloks, K./ Steil, A., 2007: Interventionsfeld Gemeinwesen. Evaluation zivilgesellschaftlicher Strategien gegen Rechtsextremismus. Weinheim/ München Palloks, K./ Steil, A., 2008: Von Blockaden und Bündnissen. Weinheim/ München Regiestelle Jugend für Vielfalt, 2007: Arbeitshilfen zur Entwicklung und Implementierung Lokaler Aktionspläne. Stand 27. 4. 2007 Die Autorin Dr. Kari-Maria Karliczek Camino - Werkstatt für Fortbildung, Praxisbegleitung und Forschung im sozialen Bereich gGmbH Scharnhorststraße 5 10115 Berlin E-Mail: karikarliczek@camino-werkstatt.de Wir sind eine bundesweit anerkannte Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe mit über 180 stationären Plätzen in 26 Hausu. Familiengruppen in Seckach, sowie in 3 Jugendwohngruppen in Mosbach und Heidelberg. Zum Verbund unserer Hilfen gehören auch eine Sonderschule E und eine Psych.-Heilp. Fachabteilung. Wir nehmen Kinder und Jugendliche auf im Alter von 0 bis 18 Jahren. Für den aus unserem Führungsteam im Herbst 2009 ausscheidenden, langjährigen Erziehungsleiter suchen wir zur Nachfolge eine/ einen Erziehungsleiterin/ Erziehungsleiter Unsere Erwartungen: - Sie haben ein Diplomstudium im Bereich der Pädagogik - Sie haben eine christliche und gemeinschaftlich orientierte Lebenseinstellung. - Sie verfügen über mehrjährige Berufserfahrung in der Jugendhilfe oder einem artverwandten Arbeitsfeld - Sie haben die Fähigkeit zu Kooperation, konzeptionellem Denken und Handeln, und Übernahme von Führungsverantwortung - Sie haben Freude im Umgang mit jungen Menschen und Mitarbeitern - Sie sind bereit zum Mitleben in unserer Dorfgemeinschaft (Residenzpflicht) Wir bieten Ihnen: ein gutes Arbeitsklima und eine gute Infrastruktur begleitende, fachliche Unterstützung, sowie Fortu. Weiterbildung und Supervision - Vergütung, auf Grundlage der Regelungen der AVR des Deutschen Caritasverbandes Ihre Bewerbungsunterlagen senden Sie bitte an: Kinder- und Jugenddorf Klinge e.V., Klingestraße 30, 74743 Seckach www.klinge-seckach.de
