unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Die Wirkungen des Betreuungsgeldes auf Kinder und ihre Familien am Beispiel Thüringen
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Christina Gathmann
Björn Saß
Das Thüringer Betreuungsgeld hat vor allem dazu geführt, dass überproportional viele Eltern aus bildungsfernen Haushalten auf die Betreuung ihrer Kinder in Kindertagesstätten und Mütter auf eine Erwerbstätigkeit verzichten. Diese und weitere Ergebnisse unserer Studie zu den prekären Auswirkungen des Betreuungsgeldes in einem neuen Bundesland lassen Rückschlüsse auf die künftigen Entwicklungen in Deutschland zu.
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365 unsere jugend, 64. Jg., S. 365 - 370 (2012) DOI 10.2378/ uj2012.art34d © Ernst Reinhardt Verlag München Basel von Prof. Christina Gathmann Jg. 1971; Professorin für Volkswirtschaftslehre (Arbeitsmarktökonomie und Neue Politische Ökonomie), Universität Heidelberg Die Wirkungen des Betreuungsgeldes auf Kinder und ihre Familien am Beispiel Thüringen Das Thüringer Betreuungsgeld hat vor allem dazu geführt, dass überproportional viele Eltern aus bildungsfernen Haushalten auf die Betreuung ihrer Kinder in Kindertagesstätten und Mütter auf eine Erwerbstätigkeit verzichten. Diese und weitere Ergebnisse unserer Studie zu den prekären Auswirkungen des Betreuungsgeldes in einem neuen Bundesland lassen Rückschlüsse auf die künftigen Entwicklungen in Deutschland zu. Die gesetzlichen Regelungen in Thüringen Im Bundesland Thüringen wurde am 1. Juli 2006 ein Betreuungsgeld (Landeserziehungsgeld) eingeführt und bis zum 31. Juli 2010 an alle Eltern von zweijährigen Kindern gezahlt, die ihr Kind nicht in einer öffentlichen Kindertagesstätte betreuen ließen. Die Höhe des Betreuungsgeldes richtet sich in diesem Zeitraum nach der Anzahl der Kinder in der Familie: Ist das zweijährige Kind das Erstgeborene, erhalten die Eltern 150 Euro pro Monat; ist das zweijährige Kind das Zweitgeborene, erhalten sie 200 Euro im Monat; für das drittgeborene Kind sind es 250 Euro. Ist das Zweijährige mindestens das vierte Kind, erhalten die Eltern 300 Euro im Monat. In vielen Fällen ist das Betreuungsgeld damit höher als das Kindergeld, das die Eltern regulär für jedes Kind im Alter bis zu 25 Jahren beziehen. Das Betreuungsgeld wird nach der Regelung vom Juli 2006 nur dann voll an die Eltern ausbezahlt, wenn das Kind nicht die KiTa besucht. Besucht das Kind die KiTa hingegen Vollzeit (das heißt, ungefähr neun Stunden am Tag - dies ist der Normalfall im Bundesland Thüringen), gehen 150 Euro des Betreuungsgeldes an die KiTa. Bei einer Teilzeitnutzung der Kindertagesstätte, z. B. für ein paar Stunden am Tag, sinkt der an die KiTa zu zahlende Teil des Betreuungsgeldes linear mit der Anzahl der KiTa-Stunden. In der vorliegenden Studie bilden diese Regelungen des Betreuungsgeldes und ihre Wirkungen den Gegenstand der Untersuchung. Dr. Björn Saß Jg. 1979; Volkswirt, Universität Mannheim 366 uj 9 | 2012 Betreuungsgeld Inzwischen sind Änderungen im Thüringer Betreuungsgeld in Kraft getreten, die hier kurz erwähnt werden sollen: Seit dem 1. August 2010 wird das Betreuungsgeld nun erstens im Anschluss an das Elterngeld und damit meist für einjährige Kinder bezahlt. Zweitens erhalten die Eltern das Betreuungsgeld nun auch dann noch voll ausgezahlt, wenn das Kind nicht mehr als fünf Stunden täglich in der Kindertagesstätte betreut wird. Die Höhe des Betreuungsgeldes und die Staffelung nach der Anzahl der Kinder einer Familie bleiben dagegen unverändert. Zielsetzung der Studie Ziel der Studie war es, die Auswirkungen des Betreuungsgeldes auf die Familien in Thüringen zu untersuchen. Bei Familien mit zweijährigen Kindern wurden die Effekte des Betreuungsgeldes auf die Wahl der Kinderbetreuung für das zweijährige Kind sowie auf seine kognitiven und nicht-kognitiven Fähigkeiten untersucht. Bezüglich der Familien insgesamt betrachteten wir die Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit der Eltern sowie mögliche Konsequenzen für die Betreuung von älteren Geschwistern und die Entscheidung für weitere Kinder. Methodisches Vorgehen Als zentrale Datenbasis für die Studie dienten ➤ das Sozioökonomische Panel der Jahre 2000 bis 2009. Es handelt sich dabei um einen Haushaltspaneldatensatz, der jährlich vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erhoben wird, ➤ der Mikrozensus des statistischen Bundesamtes der Jahre 2005 bis 2008. Für beide Datensätze wurde die Stichprobe auf Familien mit Vorschulkindern in Thüringen sowie aus den anderen neuen Bundesländern (außer Berlin, das eine Sonderstellung einnimmt) beschränkt. Um die Wirkungen des Betreuungsgeldes zu analysieren, wurden die Entscheidungen von Familien mit zweijährigen Kindern u. a. bezüglich der Erwerbstätigkeit der Eltern und des Besuches der Kindertagesstätte in der Zeitperiode vor und nach Einführung des thüringischen Betreuungsgeldes verglichen. Um den Einfluss anderer Faktoren auf die Betreuungsentscheidung der Eltern (wie z. B. eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage, die Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007) vom Effekt des Betreuungsgeldes zu trennen, wurden außerdem die Veränderungen in den Entscheidungen thüringischer Familien (vor und nach dem 1. Juli 2006) mit Veränderungen in Entscheidungen ähnlicher Familien in anderen ostdeutschen Bundesländern (vor und nach dem 1. Juli 2006) verglichen. Dieses Verfahren des„Differences-in-Differences Approach“ stellt sicher, dass Änderungen etwa bei der Frauenerwerbstätigkeit, die durch Einflussfaktoren wie z. B. ein geändertes Wirtschaftswachstum zustande kommen, nicht irrtümlich dem eingeführten Betreuungsgeld zugerechnet werden. In der englischen Version unseres Berichtes zeigen wir auch, dass unsere Ergebnisse vielen weiteren empirischen Tests und zusätzlichen Kontrollvariablen standhalten und daher sehr robust sind (Gathmann/ Sass 2012). Zentrale Ergebnisse der vorliegenden Studie sollen im Folgenden zusammengefasst werden. Betreuungsgeld - finanzieller Anreiz für einkommensschwache Familien Das Betreuungsgeld trägt im Durchschnitt 7 % zum verfügbaren Haushaltseinkommen von ostdeutschen Familien mit kleinen Kindern bei. Für gering qualifizierte oder allein erziehende Eltern sowie Familien mit niedrigem Einkommen trägt das Betreuungsgeld allerdings einen wesentlich größeren Anteil zum verfügbaren 367 uj 9 | 2012 Betreuungsgeld Haushaltseinkommen bei, nämlich bis zu 30 %. Damit ist der finanzielle Anreiz des Betreuungsgeldes in diesen Familien besonders hoch. Von der KiTa-Betreuung zur Familien-Betreuung Mit der Einführung des Betreuungsgeldes geht der Anteil der zweijährigen Kinder, die in Thüringen in einer Kindertagesstätte betreut werden, deutlich zurück. Wir stellen außerdem fest, dass weniger zweijährige Kinder im informellen Sektor, also z. B. von NachbarInnen, FreundInnen oder anderen Verwandten betreut werden. Stattdessen werden nach Einführung des Betreuungsgeldes mehr Kinder ausschließlich zu Hause betreut. Der Anteil der Zweijährigen, die nur zu Hause betreut werden, steigt um etwa 20 %. Es gibt also eine große Veränderung in der Betreuungsentscheidung: weg von der KiTa- Betreuung hin zur Betreuung in der Familie. Die Erwerbstätigkeit der Mütter sinkt auffällig Die Erwerbstätigkeit von Müttern zweijähriger Kinder sinkt durch die Einführung des Betreuungsgeldes um etwa 20 %. Das heißt, in Folge des Betreuungsgeldes gehen wesentlich weniger Mütter einer Berufstätigkeit nach. Darüber hinaus kehren Mütter nicht direkt in den Beruf zurück, wenn das Kind drei Jahre alt wird und der Anspruch auf das Betreuungsgeld entfällt. Auch hier ist ein Rückgang bei der Berufstätigkeit von Frauen sichtbar. Zwei Jahre nach Bezug des Betreuungsgeldes sind allerdings keine statistisch signifikanten Unterschiede bei der Frauenerwerbstätigkeit im Vergleich zur Situation ohne Betreuungsgeld mehr beobachtbar. Das bedeutet, dass Mütter von dann vierjährigen Kindern genauso häufig arbeiten wie Mütter von vierjährigen Kindern vor Einführung des Betreuungsgelds bzw. in anderen ostdeutschen Bundesländern. Offensichtlich ist der finanzielle Anreiz des Betreuungsgeldes groß genug, um in Thüringen eine erhebliche Verringerung der Frauenerwerbstätigkeit in Familien mit zwei- und dreijährigen Kindern herbeizuführen. Darüber hinaus führt das Betreuungsgeld auch zu einer Verringerung der Erwerbstätigkeit von Vätern in Thüringer Familien. Allerdings ist die Erwerbstätigkeit bei Männern wesentlich weniger gesunken als bei Frauen. Kinder gering qualifizierter Eltern, von Alleinerziehenden und von Familien mit niedrigem Einkommen bleiben besonders oft zu Hause Das Betreuungsgeld hat besonders starke Effekte bei gering qualifizierten Eltern, Alleinerziehenden und bei Familien mit niedrigem Einkommen. Bei allen drei Gruppen sinkt der Anteil der Kinder, die in Kindertageseinrichtungen betreut werden, nach Einführung des Betreuungsgeldes um mehr als 20 %. Stattdessen werden die Kinder entweder informell oder aber ausschließlich zu Hause betreut. Wie zu erwarten, sinkt auch die Frauenerwerbstätigkeit bei Geringqualifizierten und Familien mit niedrigem Einkommen stärker (um 26 bzw. 18 Prozentpunkte) als bei anderen Familien (im Durchschnitt aller Familien beträgt der Rückgang 11 Prozentpunkte). Geschwister bleiben häufiger zu Hause Wir können zwar keine Fertilitätseffekte in Thüringer Familien mit zweijährigen Kindern feststellen, aber es können Auswirkungen auf die älteren Geschwister von zweijährigen Kindern festgestellt werden: Dreibis vierjährige Geschwister werden nach Einführung des Betreuungsgeldes auch weniger häufig in Kindertagesstätten betreut (der Rückgang liegt bei 368 uj 9 | 2012 Betreuungsgeld ca. 30 %). Möglicherweise betreuen Mütter, die mit dem Betreuungsgeld nun nicht mehr arbeiten, nicht nur ihr zweijähriges Kind, sondern auch ihre älteren Vorschulkinder zu Hause. Wirtschaftliche Selbstständigkeit bestimmter Familien wird gefährdet Problematisch sind die starken Auswirkungen des Betreuungsgeldes auf gering qualifizierte Eltern, Alleinerziehende und Familien mit niedrigem Einkommen. Die Nichtberufstätigkeit insbesondere der Mütter wird zwar kurzfristig durch das Betreuungsgeld mehr oder weniger kompensiert, verringert das Familieneinkommen jedoch mittelfristig und kann die wirtschaftliche Selbstständigkeit dieser Gesellschaftsgruppen gefährden. Schließlich tragen Frauen in solchen finanziellen Verhältnissen oft entscheidend zum Haushaltseinkommen bei oder kompensieren die Arbeitslosigkeit oder den geringen Verdienst des sogenannten „Hauptverdieners“. Daneben erschweren längere Perioden der Nichtberufstätigkeit von Frauen und Männern den Wiedereinstieg in das Arbeitsleben sowie die Aufstiegschancen im Beruf. Außerdem sinken mit einer längeren Nichtberufstätigkeit die Rentenansprüche der Mütter und ggf. auch der Väter. Problematische Wirkungen für die frühkindliche Entwicklung und Bildung Da mit dem Betreuungsgeld nun wesentlich weniger Kinder aus bildungsfernen und ärmeren Familien in KiTas in Thüringen betreut wurden, können diese auch nicht von den Lern- und Betreuungsangeboten der Kindertagesstätten profitieren. Dies ist insofern problematisch, da Nachteile in der frühkindlichen Erziehung - wie die Forschung seit vielen Jahren zeigt - langfristig negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder als Jugendliche und auf ihre Karrierechancen bis ins Erwachsenenalter haben (vgl. z. B. Heckman 2006). Viele Studien verweisen außerdem darauf, dass Kinder aus bildungsfernen oder ärmeren Familien besonders von qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung profitieren (vgl. Currie/ Thomas 1999 für die Vereinigen Staaten; Gupta/ Simonsen 2010 für Dänemark; ein Überblick findet sich bei Almond/ Currie 2011). Mädchen werden zeitweise in ihrer Entwicklung zurückgeworfen Wir finden keine Hinweise darauf, dass die zweijährigen Kinder von der Einführung des Betreuungsgeldes profitieren. Stattdessen ist es so, dass zweijährige Mädchen nach Einführung des Betreuungsgeldes eine niedrigere Sozialkompetenz und geringere alltägliche Fertigkeiten aufweisen (zumindest kurzfristig). Diese Asymmetrie zwischen Mädchen und Jungen findet sich auch in der internationalen Forschung, die dokumentiert, dass Mädchen besonders von der Betreuung in Kindertagesstätten profitieren (vgl. z. B. Havnes/ Mogstad 2011 für Norwegen). Auswirkungen auf bestehende KiTa-Strukturen gering Daten des Thüringer Landesamtes für Statistik zu den Kindertageseinrichtungen zeigen, dass die durch die Reform herbeigeführten finanziellen Umstrukturierungen der KiTa-Finanzierung hin zu einer Förderung von Kindern (Umstellung von der Förderung von Kitaplätzen - selbst wenn diese nicht genutzt werden - zur Förderung betreuter Kinder) zu keinen Veränderungen bei der Bereitstellung von Kindertagesplätzen geführt haben. Wir finden z. B. keine Hinweise darauf, dass sich die Anzahl der Kin- 369 uj 9 | 2012 Betreuungsgeld dertagesplätze, die Öffnungszeiten, die KiTa- Gebühren oder weitere Indikatoren für die Qualität der Betreuung verändert haben. Interessant ist auch, dass in jedem thüringischen Kreis die Anzahl der angebotenen Kinderbetreuungsplätze über der Anzahl der betreuten Kinder liegt. Im Durchschnitt gab es im Frühjahr 2006 ein Überschussangebot an KiTa- Plätzen von 14 %. Das bedeutet, dass in Thüringen rechnerisch jeder Familie ein Kinderbetreuungsplatz zur Verfügung stünde, dieser jedoch nicht genutzt wird. Damit unterscheidet sich das Land wie alle anderen neuen Bundesländer deutlich von den westdeutschen Bundesländern, in denen ein Mangel an Betreuungsplätzen herrscht. Fazit: Rückschlüsse auf ein bundesweites Betreuungsgeld Die Einführung des Betreuungsgeldes in Thüringen hat zu einem starken Rückgang der KiTa- Betreuung von Kindern gerade aus ärmeren und bildungsfernen Familien geführt. Dadurch ergeben sich mögliche Nachteile für die Bildungschancen der Kinder und die Berufschancen der Eltern. Wir können keinen Vorteil für zu Hause betreute Kinder erkennen. Die ökonomischen Kosten, insbesondere die geringere Frauenerwerbstätigkeit und die Ausgaben für das Betreuungsgeld, sind dagegen hoch. Können wir aus den Erfahrungen des Betreuungsgeldes in Thüringen etwas über die möglichen Effekte eines gesamtdeutschen Betreuungsgeldes lernen? Da auch in anderen ostdeutschen Bundesländern ein Überschussangebot an KiTa-Plätzen zur Verfügung steht, ist zu erwarten, dass die Auswirkungen in den neuen Bundesländern sehr ähnlich zu den aufgezeigten Effekten in Thüringen sein werden. In den alten Bundesländern ist die Situation hingegen anders. Erstens ist das Einkommensniveau dort höher, so 2012. 158 Seiten. 5 Abb. 5 Tab. (978-3-497-02287-8) kt Krippen im Spiegel der Wissenschaft Der Ausbau der institutionellen Betreuung für Kinder von 0 -3 Jahren ist in Deutschland beschlossene Sache. Ab 2013 wird es einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz geben. Dennoch standen Bildung, Betreuung und Erziehung von Kleinkindern bislang wenig im Fokus pädagogischer Forschung. Dieses Buch liefert einen Überblick zu aktuellen Forschungsvorhaben und gibt Einblicke in deren Forschungsmethoden sowie erste Ergebnisse. So werden wichtige Impulse gesetzt, Forschung zur Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern unter drei Jahren in Einrichtungen zu intensivieren. a www.reinhardt-verlag.de 370 uj 9 | 2012 Betreuungsgeld Literatur Almond, D./ Currie, J., 2011: Human capital development before age five. In: Handbook of Labor Economics, vol. 4b, chapter 15, S. 1315 - 1486 Currie, J./ Thomas, D., 1995: Does head start make a difference? In: American Economic Review, 85, S. 314 - 364 Gathmann, C./ Sass, B., 2012: Taxing childcare: Effects on family labor supply and children. IZA Diskussionspapier No. 6440, CESifo Diskussionspapier No. 3776 Gupta, N./ Simonsen, M., 2011: Where to Put the Kids? Effects of Type of Non-parental Child Care on Preteen Skills and Risky Behavior. IZA Discussion Papers 5848, Institute for the Study of Labor (IZA) Havnes, T./ Mogstad, M., 2011: No child left behind: Universal child care and children‘s lon-run outcomes. In: American Economic Journal: Applied Economics, 3, S. 97 - 129 Heckman, J., 2006: Skill formation and the economics of investing in distadvantaged children. In: Science, 312 (5782), S. 1900 - 1902 dass der finanzielle Anreiz des Betreuungsgeldes etwas schwächer als in Thüringen bzw. in den neuen Bundesländern wäre. Zweitens gibt es in den alten Bundesländern einen großen Mangel an Kinderbetreuungsplätzen für unter 3-jährige Kinder. Sollte der gegenwärtige Ausbau der Kindertagesstätten diesen Mangel an Betreuungsplätzen bis 2013 beseitigen, wäre die Situation wiederum mit der in Thüringen vergleichbar, und die erwarteten Auswirkungen dürften ähnlich sein. Bleibt der Mangel an KiTa-Plätzen jedoch teilweise oder ganz bestehen, können die Effekte des Betreuungsgeldes auf die Familien schwächer sein, weil Eltern, die einen KiTa- Platz gefunden haben, diesen angesichts der Mangelsituation nicht aufgeben wollen. Sie brauchen eine Kinderbetreuung nach Ablauf der Bezugszeit des Betreuungsgeldes, vor allem, wenn sie berufstätig sind. Bei einem Mangel an KiTa-Plätzen, wie dies voraussichtlich in den alten Bundesländern der Fall sein wird, wären die Kosten des Betreuungsgeldes für den Staat im Durchschnitt pro Kind wesentlich höher als in Thüringen, da das Betreuungsgeld an alle Eltern ohne KiTa-Platz (ob diese nun freiwillig oder unfreiwillig darauf verzichten) gezahlt werden müsste. Prof. Christina Gathmann Universität Heidelberg Alfred-Weber-Institut Bergheimer Straße 20 69115 Heidelberg christina.gathmann@awi.uni-heidelberg.de Dr. Björn Saß Universität Mannheim bjoern.sass@absolventum.uni-mannheim.de
