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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2015.art28d
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Rezension: Annemarie Fritz/Walter Hussy/David Tobinski, 2014: Pädagogische Psychologie
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W. Topel
Die Pädagogische Psychologie analysiert die psychischen Inhalte, Prozesse, Zustände und Eigenschaften, die in der pädagogischen Kommunikation und Kooperation, insbesondere in der Bildung und Erziehung eine wichtige Rolle spielen.
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uj 4 | 2015 185 Rezensionen Die Pädagogische Psychologie analysiert die psychischen Inhalte, Prozesse, Zustände und Eigenschaften, die in der pädagogischen Kommunikation und Kooperation, insbesondere in der Bildung und Erziehung eine wichtige Rolle spielen. Einerseits basiert sie u. a. auf Erkenntnissen der Allgemeinen, Persönlichkeits-, Entwicklungs- und Sozialpsychologie sowie der Pädagogik und anderer Nachbarwissenschaften, andererseits leistet sie einen Beitrag zu deren Weiterentwicklung. Traditionsgemäß befasst sich die Pädagogische Psychologie mit Bildungs- und Erziehungsprozessen im Kindes- und Jugendalter, zunehmende Bedeutung gewinnt aber auch die Weiterbildung und Qualifizierung Erwachsener. Mit Methodenund Begriffen, diedenpädagogischen Prozessen angepasst sein sollten, werden nicht nur psychologische Sachverhalte der Herausbildung und Veränderung von Persönlichkeitsvariablen, ihren inter- und intraindividuellen Unterschieden, im „Normalbereich“ untersucht, sondern auch Entwicklungsvarianten, die davon abweichen. Hauptgebiete dieses anwendungsorientierten und interdisziplinären Zweiges der Psychologie sind die Lernpsychologie, Erziehungspsychologie, Instruktionspsychologie (Psychologie des Lehrens) und die pädagogisch-psychologische Diagnostik. Die AutorInnen dieser Publikation möchten einen Einblick in die Grundlagen der Pädagogischen Psychologie geben. Durch die Konzen- Annemarie Fritz/ Walter Hussy/ David Tobinski, 2014: Pädagogische Psychologie 2. Aufl. München: Ernst Reinhardt Verlag, 256 Seiten, € 25,99 186 uj 4 | 2015 Rezensionen tration auf die Lernpsychologie werden zwar bedeutsame Gegenstandsbereiche erfasst, während andere relevante Aufgabenfelder unbeachtet bleiben. Beispielsweise ist es für das pädagogische Wirken von LehrerInnen und ErzieherInnen unerlässlich, auch über sozialpsychologische Aspekte im pädagogischen Kontext, die Instruktionspsychologie oder Fragen der pädagogisch-psychologischen Diagnostik informiert zu sein. Für einen befriedigenden Überblick über die Pädagogische Psychologie bedarf es demzufolge einiger Ergänzungen. Positiv ist anzumerken, dass eine Vielzahl didaktischer Elemente (Angabe von Lernzielen, Definitionen, Abbildungen, Beispiele, Stichworte, Übungen und Zusammenfassungen) der Veranschaulichung dienen und den LeserInnen das Verständnis für die teilweise theorielastigen Darlegungen erleichtern. Englisch- und deutschsprachige Literaturangaben sowie das Sachregister sind ebenfalls für das Studium hilfreich. Das erste von insgesamt 4 Kapiteln des Buches dient der Einführung in verschiedene Fragen der Pädagogischen Psychologie. Ausgehend von den Gegenstandsbestimmungen der Psychologie und Pädagogik wird für die Pädagogische Psychologie definiert: „Der Gegenstand der Pädagogischen Psychologie ist das menschliche Erleben, Verhalten und Handeln im Kontext der Prozesse des Erziehens, Unterrichtens und des Bildens“ (S. 15), deren wissenschaftliche Analyse sowohl Aufgabe der Grundlagenals auch der Anwendungsforschung ist. Interessante Hinweise werden zu den Zielen (Beschreiben, Erklären, Vorhersagen, Verändern) und den Methoden der Forschung gegeben. Hier ist der Verweis auf statistische Verfahren wichtig, die es notwendig erscheinen lassen, sich über die beschreibende und Prüfstatistik elementare Kenntnisse anzueignen. Nach der Behandlung begrifflicher, historischer und methodischer Probleme werden danach im umfangreichen 2. Kapitel kognitive Strukturen und Prozesse erörtert, die Lerneffekte ermöglichen und selbst Ergebnis der Lerntätigkeit sind: Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Strukturen und Prozesse im Arbeitsgedächtnis, Strukturen und Prozesse im Langzeitgedächtnis, Problemlösen, Planen und Metakognition. Damit gelingt es, intrapersonale Determinanten der Lerntätigkeit transparent zu machen, die an der Aneignung von Wissen, Verhaltensmustern und Handlungsverfahren beteiligt sind. Für die Unterrichtsgestaltung erfolgen damit vielfältige Denkanstöße, beispielsweise zum Tafelbild, zur Organisation von effektiven Lernvorgängen oder dem problemlösenden Lernen. Weitere Bedingungen des Lernerfolges enthält das 3. Kapitel: Intelligenz, Motivation und Emotion. Einige Ausführungen, wie über die Intelligenzdiagnostik, Intelligenzmodelle, Intelligenz und Schulleistung, den Einfluss motivationaler Dispositionen auf die Schulleistung oder die Funktion der „pädagogischen Wärme“ in der Lehrer-Schüler-Interaktion sind gewiss auch für Interessierte außerhalb des schulischen Kontextes wissenswert. Aufschlussreich wären an dieser Stelle auch Informationen zur Korrelation zwischen Intelligenz, Kreativität und Schulleistung gewesen. Grundvorgänge und allgemeine Gesetzmäßigkeiten des Lernens werden von psychologischen Lerntheorien erfasst, denen verschiedene Sichtweisen zugrunde liegen. Im abschließenden 4. Kapitel werden Lerntheorien mit ihren Paradigmen und Lernprinzipien vorgestellt: Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus. Resümee: Das vorliegende Buch gibt ausgewählte Bereiche der Pädagogischen Psychologie wieder und hat seinen Schwerpunkt bei pädagogisch-psychologischen Konstellationen, die das erfolgreiche Lernen in der Schule determinieren. Die didaktische Aufbereitung erleichtert die PrüfungsvorbereitungvonStudierenden(Pädagogik, Psychologie), darüber hinaus können auch PraktikerInnen (LehrerInnen, ErzieherInnen und SozialpädagogInnen) der Schrift für die pädagogische Arbeit brauchbare Empfehlungen entnehmen. Dr. habil. W. Topel, Leipzig DOI 10.2378/ uj2015.art28d
