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Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Rezension
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W. Topel
Mit dem Begriff Evaluation (Evaluierung) wird zumeist die sach- und fachgerechte Analyse und Bewertung von Projekten, Prozessen und Organisationseinheiten in unterschiedlichen Lebensbereichen – u. a. Bildung und Erziehung, Soziale Arbeit, Verwaltung, Umwelt und Wirtschaft – bezeichnet, um mittels geeigneter und überprüfbarer Verfahren festzustellen, inwieweit intendierte Vorhaben erreicht worden sind. […]
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142 uj 3 | 2016 Rezension Joachim Merchel: Evaluation in der Sozialen Arbeit 2. aktualisierte Aufl. 2015, Ernst Reinhardt Verlag, München, 174 Seiten, € 24,99 Mit dem Begriff Evaluation (Evaluierung) wird zumeist die sach- und fachgerechte Analyse und Bewertung von Projekten, Prozessen und Organisationseinheiten in unterschiedlichen Lebensbereichen - u. a. Bildung und Erziehung, Soziale Arbeit, Verwaltung, Umwelt und Wirtschaft - bezeichnet, um mittels geeigneter und überprüfbarer Verfahren festzustellen, inwieweit intendierte Vorhaben erreicht worden sind. Dadurch ist es möglich, die Effizienz von Handlungen zu überprüfen, das Verständnis für Prozessabläufe zu verbessern und das weitere Vorgehen zu optimieren. Für die Datengewinnung und Datenverarbeitung werden verschiedene Methoden eingesetzt, die beispielsweise für die Identifizierung von Variablen dienlich sind, die Hintergründe von Phänomenen transparent machen oder Hypothesen bestätigen können. Um Handlungen richtig zu bewerten, Entscheidungen zu treffen, die der Realisierung diverser Zwecke dienlich sind oder die Verbesserung von Interventionen gewährleisten, sollten die Gütekriterien beachtet werden, die sich zur Beurteilung von Methoden bewährt haben. Der Autor dieses Einführungsbuches hat sich zum Ziel gesetzt, den in der Sozialen Arbeit Tätigen die Evaluation als fachliche Herausforderung begreiflich zu machen, eine praxisorientierte methodische Anleitung zur Verfügung zu stellen, weniger die Evaluationsforschung, sondern anwendungsbezogene Fragestellungen zu thematisieren. Ausgehend davon, dass die Evaluation immer mehr in den Alltag der Sozialen Arbeit eingedrungen ist und die Fachkräfte zunehmend um Professionalität ringen, ist das eine überzeugende Zielsetzung. Damit möchte er insbesondere Leitungsfunktionären, Fachkräften auf der Mitarbeiterebene, Beratern und Studierenden helfen, Evaluationskompetenz zu gewinnen, die es gestattet, das berufliche Alltagsleben zu bewerten und weiterzuentwickeln. So kann nachgewiesen werden: Eine fachlich fundierte Evaluierung liefert wertvolle Informationen für die Qualitätsverbesserung des beruflichen Handelns. Die gute didaktische Aufbereitung der Darlegungen, ein Literaturverzeichnis und Sachregister sind weitere Vorzüge der Publikation, die in 7 Kapitel gegliedert ist. Merchel setzt sich in den Kapiteln 1, 2 und 3 ausführlich mit der Definition der Evaluation, ihrer Notwendigkeit für die Verbesserung der Sozialen Arbeit, ihren Formen und inhaltlichen Schwerpunkten auseinander. Es gelingt ihm, zwischen einer mit der Praxis verbundenen Evaluation und der Evaluationsforschung verständlich zu differenzieren, relevante Gegenstände zu beschreiben, Evaluation als wichtiges Moment der Professionalisierung der Sozialen Arbeit darzustellen, die Vor- und Nachteile der Evaluationsarten (externe und interne Evaluation) sowie inhaltliche Prioritäten zu kennzeichnen. In Zusammenfassungen und Leitsätzen wird Wesentliches hervorgehoben. Gegenstand des Kapitels 4 sind die Planung und Durchführung einer Evaluation: Konzepte und Fragestellungen, Indikatoren, Auswahl und Instrumente der Datenerhebung. Nachvollziehbar wird begründet, warum quantitativen Erhebungsmethoden der Vorzug vor qualitativen Verfahren zu geben ist. Vorgeschlagen werden: schriftliche Befragung (Fragebogen), mündliche Befragung (Interview), Beobachtung und Auswertung von in Organisationen vorhandenen Daten und von Dokumenten (Hilfepläne, Gruppenbücher). Beispiele, die Erörterung methodischer Regeln, Hinweise auf Potenziale und Risiken der eingesetzten Verfahren sind sowohl handlungsorientierend als auch förderlich für das methodenkritische Denuj 3 | 2016 143 Rezension ken. Die vorgestellten Möglichkeiten der Datenaufbereitung und Ergebnisdarstellung entsprechen den üblichen Verfahrensweisen. Hier wäre es allerdings überdies angebracht gewesen, auf die statistische Prüfung zufälliger und überzufälliger (signifikanter) Unterschiede und Zusammenhänge (Korrelationen) aufmerksam zu machen. Im folgenden 5. Kapitel befasst sich der Autor mit der Wirkungsevaluation. Er hebt zu Recht hervor: Bei der professionellen Sozialen Arbeit geht es nicht nur darum, ob sie „nach den Regeln der fachlichen Kunst“ (S. 129) ausgeführt wird, sondern auch darum, welche Effekte das Handeln hervorgerufen hat, ob die geplanten Wirkungen oder weitere positive und problematische Resultate eingetreten sind. In diesem Kontext erfolgen interessante Hinweise zur sozialpolitischen Relevanz der Thematik, zu Evaluationsdesigns, spezifischen Herausforderungen und Schwierigkeiten. Dem folgen beachtenswerte Ausführungen über Interessen und Strategien, die Bewertungen beeinflussen, über individuelle Haltungen und Organisationskulturen sowie Empfehlungen zur Gestaltung eines evaluationsförderlichen Organisationsrahmens (6. Kapitel). Zu bedenken sind hier vor allem die sozialen Rahmenbedingungen von Evaluationen, die hinderliche oder begünstigende Verhaltensweisen bei den Teilnehmern evozieren können. Das abschließende 7. Kapitel dient der Zusammenfassung der Maßstäbe und Anforderungen, die in den bisherigen Erörterungen artikuliert worden sind. Unter Bezugnahme auf die „Standards für Evaluation“ der Deutschen Gesellschaft für Evaluation werden Qualitätskriterien zur Diskussion gestellt. Fazit: Ein zum fachlichen Diskurs in der Sozialen Arbeit anregendes Buch, das auf vielfältige Probleme hinweist und Vorschläge unterbreitet, die zur Herausbildung von noch mehr Professionalität beitragen können. Dr. habil. W. Topel, Leipzig DOI 10.2378/ uj2016.art21d
