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Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Aktuelle Fachliteratur zum Sozialrecht für die Soziale Arbeit (Stand: 23. 5. 2016)
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Reinhard Joachim Wabnitz
Lehrveranstaltungen zum Recht für die Soziale Arbeit sind fester Bestandteil aller Bachelor- und vieler Masterstudiengänge für Sozialarbeit und Sozialpädagogik an den Hochschulen, Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland. Und den Fachkräften der Sozialen Arbeit und Sozialverwaltung stellen sich vielfältige Rechtsfragen in der Alltagspraxis.
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380 unsere jugend, 68. Jg., S. 380 - 388 (2016) DOI 10.2378/ uj2016.art52d © Ernst Reinhardt Verlag München Basel Lehrveranstaltungen zum Recht für die Soziale Arbeit sind fester Bestandteil aller Bachelor- und vieler Masterstudiengänge für Sozialarbeit und Sozialpädagogik an den Hochschulen, Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland. Und den Fachkräften der Sozialen Arbeit und Sozialverwaltung stellen sich vielfältige Rechtsfragen in der Alltagspraxis. Aktuelle Fachliteratur zum Sozialrecht für die Soziale Arbeit (Stand: 23. 5. 2016) von Prof. Dr. jur. Dr. phil. Reinhard Joachim Wabnitz Jg. 1952, Magister rer. publ., Ministerialdirektor a. D., Hochschule RheinMain, Fachbereich Sozialwesen Mit Blick auf die Zielgruppen sowohl der Studierenden als auch der Fachkräfte der Sozialen Arbeit und Sozialverwaltung gibt Reinhard Wabnitz in UJ etwa zweimal pro Jahr einen Überblick über aktuelle Rechtsliteratur für die Soziale Arbeit. Die Reihe startete mit „Aktuelle Fachliteratur zur Einführung in das Recht für die Soziale Arbeit“ (in UJ Heft 9/ 2014, S. 384 bis 389) und wurde fortgesetzt mit der Fachliteratur zum Rehabilitationsrecht für die Soziale Arbeit (in UJ Heft 3/ 2015, S. 137 bis 141), zum Sozialverwaltungsrecht für die Soziale Arbeit (in UJ Heft 9/ 2015, S. 385 bis 389) sowie zum Recht der Existenzsicherungsleistungen für die Soziale Arbeit (in UJ Heft 3/ 2016, S. 131 bis 136). Daran schließt sich nunmehr ein Überblick über aktuelle Fachliteratur zum (allgemeinen) Sozialrecht für die Soziale Arbeit an. Das Sozialrecht ist bekanntlich eines der quantitativ umfangreichsten Rechtsgebiete des deutschen Rechts. Auf seiner Basis wird etwa ein Drittel des in Deutschland jährlich erwirtschafteten Bruttosozialprodukts „umverteilt“, und zwar im Wesentlichen auf der Grundlage des Sozialgesetzbuchs. Dieses umfasst derzeit die 12 Bücher SGB I (Allgemeiner Teil), II (Grundsicherung für Arbeitsuchende), III (Arbeitsförderung), IV (Gemeinsame Vorschriften für die Sozialversicherung), V (Gesetzliche Krankenversicherung), VI (Gesetzliche Rentenversicherung), VII (Gesetzliche Unfallversicherung), VIII (Kinder- und Jugendhilfe), IX (Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen), X (Sozialverwaltungsverfahren u. a.), XI (Soziale Pflegeversicherung) sowie XII (Sozialhilfe). Hinzu kommen zahlreiche weitere Sozialgesetze, die noch nicht in das Sozialgesetzbuch eingeordnet sind, jedoch gemäß § 68 SGB I bereits als besondere Teile des Sozialgesetzbuchs gelten. Die sozialrechtlichen Gesetze werden überwiegend den Bereichen „Vorsorge/ Sozialversicherung“, „Versorgung“ sowie „Soziale Fürsorge/ Soziale Förderung“ zugeordnet. Die im Folgenden vorzustellenden Werke richten sich ganz überwiegend explizit an Studierende und Praktiker/ innen im Bereich der So- 381 uj 9 | 2016 Fachliteratur zum Sozialrecht für die Soziale Arbeit zialen Arbeit. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Lehr- und Handbücher zum allgemeinen Sozialrecht für Jurastudenten, Rechtsreferendare, Richterinnen und Richter, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den unterschiedlichsten Sozialverwaltungen. Auf diese im Kern „juristischen“ Werke ist hier mit Blick auf die anders gelagerten Adressatenkreise und aus Platzgründen nicht im Einzelnen einzugehen. Exemplarisch soll nur verwiesen werden auf das Lehrbuch von: Raimund Waltermann Sozialrecht 11. Aufl. 2014, C. S. Müller, Heidelberg u. a., 296 Seiten, ISBN 978-3-8114-7135-1, € 24,99 Prof. Dr. Raimund Waltermann ist ordentlicher Professor an der Universität Bonn und dort Inhaber eines Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht und Sozialrecht. Die Verankerung des Sozialrechts im Zusammenhang mit dem Zivilrecht - und nicht mit dem Verwaltungsrecht und damit dem öffentlichen Recht - ist typisch für die Pflege des Sozialrechts an immer noch zahlreichen Universitäten in Deutschland. „Typisch“ für rechtswissenschaftliche Lehrbücher ist auch die Gliederung dieses Lehrbuches in insgesamt 23 „Paragrafen“. In diesen §§ 1 bis 23 werden behandelt: Sozialrecht in der Rechtsordnung; Begriff und Aufgaben des Sozialrechts; Geschichte der sozialen Sicherung in der industriellen Gesellschaft; Sozialrecht und Sozialpolitik; Systemstrukturen des Sozialrechts; Zwischenstaatliches, Überstaatliches und Internationales Sozialrecht; Grundlagen (der Sozialversicherung und Arbeitsförderung); Krankenversicherung; Pflegeversicherung; Unfallversicherung; Rentenversicherung; Arbeitsförderung; Soziale Entschädigung bei Gesundheitsschäden; Grundsicherung für Arbeitsuchende und Sozialhilfe; Kinder- und Jugendhilfe; Soziale Förderung; Der Allgemeine Teil des Sozialgesetzbuchs; Sozialrechtliches Verwaltungsverfahren; Schutz der Sozialdaten; Zusammenarbeit der Leistungsträger und ihre Beziehungen zu Dritten; Rechtsschutz im Sozialrecht; Wichtige sozialrechtliche Daten im Überblick; Zusammenfassende Übersicht zum Sozialversicherungsrecht. Das Lehrbuch ist in der Verlagsreihe „Schwerpunktbereich“ („Jura auf den Punkt gebracht“) erschienen und wendet sich deshalb vorrangig an Studierende an Universitäten mit dem Schwerpunktbereich Sozialrecht sowie an Rechtsreferendare und Praktiker des Sozialrechts, darüber hinaus aber auch an Fachhochschulen und Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien. Es bietet häufig eine rechtswissenschaftlich vertiefte Auseinandersetzung mit komplizierten Rechtsfragen, die sicherlich über das hinausgeht, was Studierende und Praktiker/ innen der Sozialen Arbeit wissen müssen. Im Folgenden möchte ich mehrere aktuelle Einführungen, Lehr- und Handbücher für die Soziale Arbeit vorstellen. Dabei werde ich nach der Benennung derselben wiederum eingehen auf: Autorinnen und Autoren, wesentliche Inhalte des jeweiligen Werkes sowie auf dessen Zielsetzungen und Adressatenkreise. Es werden zunächst knapper gefasste Einführungen und sodann ausführlichere Lehr- und Handbücher vorgestellt. Knapper gefasste Einführungen Corinna Grühn Einführung in das Sozialrecht. Mit Beispielen für den leichten Einstieg 6. Aufl. 2015, Niederle Media, 118 Seiten, ISBN 978-3-86724-082-6, € 8,90 382 uj 9 | 2016 Fachliteratur zum Sozialrecht für die Soziale Arbeit Die Autorin, Prof. Dr. Corinna Grühn, ist Professorin im Studiengang Soziale Arbeit an der Hochschule Bremen für das Fach Recht, insbesondere Sozialrecht/ Sozialleistungsrecht. Sie hat (siehe Vorwort) ihr Werk, das kürzeste der hier vorzustellenden Bücher, als „Skript“ bezeichnet und als Einführung in die Grundlagen des Sozialrechts und ersten Einstieg in diese Materie konzipiert - unter Hinweis darauf, dass durch dieses „Skript“ nicht die Lektüre von weitergehenden Lehrbüchern, Gerichtsentscheidungen und Aufsätzen ersetzt werden kann. Das Werk ist in fünf Kapitel gegliedert: Verfassungsrechtliche Grundlagen des Sozialrechts und Überblick; Das soziale Vorsorgesystem (mit einer Darstellung der Grundzüge des Sozialversicherungsrechts nach den Büchern IV, V, XI, VI, VII und III SGB); Soziale Hilfe- und Fördersysteme (nach SGB II, XII und IX); Das soziale Entschädigungssystem; sowie: Der Allgemeine Teil des SGB und das Sozialverwaltungs- und Gerichtsverfahren - SGB I, X, SGG/ VwGO. Der Schwerpunkt der Ausführungen liegt auf der Darstellung der Grundzüge des SGB II und des SGB XII - und nicht des SGB VIII; insoweit wird auf das in derselben Reihe erschienene Skript „Einführung in das Kinder- und Jugendhilferecht“ verwiesen. In den Text des „Skripts“ sind neben mehreren Übersichten auch zahlreiche Beispiele mit Lösungen eingestreut. Auf vertiefende Literatur wird nur punktuell hingewiesen. Aber dies entspricht auch Umfang und Zielsetzung dieses knappen Werkes: einen Einstieg in das Sozialrecht zu ermöglichen und auf anstehende Prüfungen vorzubereiten, „deren gutes Gelingen hoffentlich durch dieses Skript unterstützt wird; (dafür) seien bereits jetzt die Daumen gedrückt“ (siehe Vorwort). Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Die Bücher des Sozialgesetzbuchs. Einführung für die Soziale Arbeit 2011, Ernst Reinhardt Verlag, 176 Seiten, ISBN 978-3-497-02249-6, € 19,90 Bei der Vorstellung dieses Werkes besteht ein gewisses Dilemma insofern, als dass der Autor dieser Sammelrezension auch die umfangreichsten Textbeiträge zu diesem Buch geschrieben hat, das allerdings an dieser Stelle auch nicht fehlen sollte. Autoren dieses Werkes sind: Prof. Dr. Rainer Kessler, ehemals Hochschule Rhein/ Main Wiesbaden, Prof. Dr. Winfried Kievel, ehemals Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin, Prof. Dieter Kreft, Universität Lüneburg, Prof. Dr. Dr. Reinhard Joachim Wabnitz, Hochschule Rhein/ Main Wiesbaden, sowie Hans-Georg Weigel, Direktor des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Frankfurt am Main. Das Werk ist in vier Teile unterschiedlichen textlichen Umfangs gegliedert. Nach einer Einführung (von Kreft und Weigel) und einem Kapitel 1 „Sozialstaat - Sozialpolitik - Soziale Sicherung - Soziale Arbeit“ (Kreft) folgt Kapitel 2 „Das SGB als Kernbereich der Sozialen Arbeit“ (Wabnitz). Den Schwerpunkt bildet mit ca. 130 von 176 Textseiten das Kapitel 3 „Die Bücher des Sozialgesetzbuchs“. Es beginnt mit einem Unterkapitel 3.1„Die Grundlagen: SGB I und SGB X sowie Rechtsschutz“ (Wabnitz). Es folgen Unterkapitel 3.2: „Die Gesetze der Fürsorge: SGB II, SGB XII, SGB IX (Kievel) und SGB VIII“ (Wabnitz) und 3.3 „Die Gesetze der Versicherung“ (Kessler) - mit einer Darstellung der Bücher IV, III, V, VI, VII und XI SGB. In Unterkapitel 3.4 werden in knapper Form„Die Gesetze der Versorgung und weitere Gesetze, die als Teil des SGB gelten“ dargestellt (Wabnitz). Abgerundet wird das Buch durch Kapitel 4 „Die Schnittstellen und Verschränkungen der Bücher des SGB“ (Wabnitz). 383 uj 9 | 2016 Fachliteratur zum Sozialrecht für die Soziale Arbeit In der Einführung heißt es zu Zielsetzung und Adressatenkreis des Werkes u. a.: „… wir wollen … überblicksartig einführen in die sozialpolitische Philosophie des SGB, seine Entstehung und Entwicklung sowie seine aktuelle Anordnung. Wir wollen die jeweiligen Bücher vorstellen, knapp präsentieren, was sie alle verbindet und wie man in diesen tausenden von Gesetzesseiten einen Überblick behält“. Deshalb sind die einzelnen Textteile durchgängig wie folgt gegliedert: Übersicht, historische Entwicklungen, Leistungen, Organisation und Finanzierung. Dabei wird das „Wichtigste“ zusätzlich in 68 Übersichten und 9 Tabellen komprimiert zusammengefasst. Das Werk richtet sich dementsprechend in erster Linie an Studierende und Berufsanfänger der Sozialen Arbeit. Lehr- und Lernbücher Dorothee Frings Sozialrecht für die Soziale Arbeit 3. Aufl. 2015, Kohlhammer, 315 Seiten, ISBN 978-3-17-029437-0, € 36,99 Prof. Dr. Dorothee Frings lehrt am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein Verfassungs-, Verwaltungs- und Sozialrecht. Den„Anstoß“ für die Erarbeitung des nunmehr in 3. Aufl. vorliegenden Werkes war der sogenannte „Bologna-Prozess“ gewesen (siehe Vorwort), der unter anderem die Herausforderung mit sich gebracht hat, die Stofffülle von Lerneinheiten zu beschränken. Gleichwohl ist das Werk von Frings eines der textlich umfangreichsten der hier vorgestellten Lehr- und Lernbücher. Das Buch ist in sieben Kapitel gegliedert. In Kapitel 1 werden die Grundlagen des Sozialrechts behandelt. Es schließen sich zwei (mit je über 50 Seiten recht umfangreiche) Kapitel über das Sozialverwaltungsverfahren (Kapitel 2) und Kapitel 3 betreffend die Sozialversicherungsleistungen (SGB IV, VI, V, XI und III) an. In zwei kürzeren Kapiteln 4 und 5 werden die Soziale Entschädigung und Soziale Förderung behandelt; nicht jedoch das SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe), das einem anderen Werk desselben Verlags vorbehalten bleibt. In dem umfangreichsten Kapitel 6 werden auf fast 100 Druckseiten besonders ausführlich die Grundsicherungsleistungen und die Hilfen in sonstigen Lebenslagen nach dem SGB II und XII behandelt. In Kapitel 7 schließlich wird in wiederum knapper Form über die Leistungen für behinderte Menschen informiert - unabhängig von der Zuordnung zu den verschiedenen Bereichen des Sozialrechts. In allen Kapiteln wird ein besonderer Schwerpunkt auf den Zugang zu den Leistungen sowie auf die Rechte und Pflichten der Bürger gegenüber den Sozialleistungsbehörden gelegt. Die textlichen Ausführungen im Buch werden durch Übersichten, weitere Hinweise, Prüfungsschemata und Bearbeitungsbeispiele, teilweise in grau gesetzten Kästen, ergänzt und abgerundet. Das Buch richtet sich explizit an Studierende der Sozialen Arbeit, aber auch an Fachkräfte im Bereich der Sozialrechtsberatung sowie in anderen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit. Das Buch versteht sich bewusst (siehe Seite 8) „nicht als reines Wissenskompendium, sondern auch als ein Methodenbuch. Sozialarbeiterinnen können sich die Technik der Prüfung eines Leistungsanspruchs aneignen und diese Technik an verschiedenen Beispielen einüben“. Reinhard Herborth Grundzüge des Sozialrechts für die Soziale Arbeit 2014, Lambertus-Verlag, 343 Seiten, ISBN 978-3-7841-2436-0, € 23,90 zzgl. € 6,- für den „elektronischen Anteil“ 384 uj 9 | 2016 Fachliteratur zum Sozialrecht für die Soziale Arbeit Prof. Dr. Reinhard Herborth lehrte Sozialrecht an verschiedenen Hochschulen (Fachhochschule, Duale Hochschule, Universität) und ist jetzt in der Fort- und Weiterbildung tätig. Das umfangreiche Werk ist in vier Module unterschiedlichen textlichen Umfangs und diese sind wiederum in 19 durchnummerierte Kapitel gegliedert, deren Reihenfolge und Zuordnung wohl auch dem Lehrplan geschuldet ist. Das Erste Modul: Sozialversicherung 1 (85 Seiten) beinhaltet in Kapitel 1 eine Einführung in das Sozialrecht und behandelt in den Kapiteln 2 bis 5 den Allgemeinen Teil (SGB I), die Gemeinsamen Vorschriften für die Sozialversicherung (SGB IV) sowie die Gesetzliche Kranken- und die Soziale Pflegeversicherung (SGB V und XI). Im Zweiten Modul: Sozialversicherung 2 (66 Seiten) werden in den Kapiteln 6 bis 8 die wesentlichen Inhalte von SGB VI, VII und III behandelt. Es folgt das Dritte Modul: Rehabilitation und Teilhabe; Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz (36 Seiten) mit den Kapiteln 9 und 10. Das Vierte Modul: Soziale Hilfen; Soziale Förderung, Soziale Entschädigung; Rechtsschutz ist mit ca. 100 Seiten das umfangreichste. Dort werden in den Kapiteln 11 bis 13 ausführlich das SGB II und das SGB XII sowie die Leistungen für Asylbewerber behandelt. Daran schließen sich kürzere Kapitel über die Kinder- und Jugendhilfe nach dem SGB VIII (Kapitel 15), über Hilfen für Familien (Kapitel 16), Wohngeld (Kapitel 17), Ausbildungsförderung (Kapitel 18) sowie über die Sozialgerichtsbarkeit und das sozialgerichtliche Verfahren einschließlich des Vorverfahrens (Kapitel 19) an. Die textlichen Ausführungen des Werkes sind einheitlich gegliedert und fast durchgängig sehr detailliert. Die häufige Visualisierung der Gesetzesmaterien in Schaubildern und Übersichten sollen das Verständnis erleichtern; und zahlreiche Beispiele die Darstellung und die Übungsaufgaben unterstützen (siehe Vorwort Seite 15). Am Ende jedes Kapitels findet sich eine Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte und Erkenntnisse. Überraschend ist allerdings, dass in dem umfangreichen Werk nur selten Rechtsprechung und Literatur zitiert wird. Das Werk von Herborth ist gleichwohl das textlich bei Weitem umfangreichste der hier vorgestellten Lehr- und Lernbücher - nicht nur von der Seitenzahl, sondern auch vom Format her: es ist das einzige Buch in DIN-A4. Zusätzlich wird am Ende jedes Kapitels auf Aufgaben zur Selbstüberprüfung hingewiesen, die unter www.lambertus.de zugänglich sind. Das (auf der Klappen-Rückseite) als „Arbeitsbuch“ gekennzeichnete Werk wendet sich (siehe Vorwort Seite 15) sowohl an Studierende als auch an „Berufseinsteiger“. Insgesamt behandelt das Werk meines Erachtens mehr als das, was Studierende in den Pflichtmodulen im Bachelor-Studium wissen müssen. Axel Kokemoor Sozialrecht 6. Aufl. 2014. Verlag Franz Vahlen, (7. Aufl. vorgesehen für August 2016), 218 Seiten, ISBN 978-3-8006-4845-0, € 21,90 Prof. Dr. Axel Kokemoor ist Professor an der Hochschule Fulda im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Sein erstmals 2004 erschienenes Werk liegt nunmehr bereits in 6. (bzw. alsbald in 7. Aufl. 2016) vor. Das von Auflage zu Auflage verbesserte Werk ist in fünf Kapitel gegliedert. Im 1. Kapitel gibt der Autor eine knappe „Einführung in das Sozialrecht“ und behandelt im 2. Kapitel die Gemeinsamen Vorschriften für das gesamte Sozialrecht (SGB I und X). Den eindeutigen Schwerpunkt des Buches bildet das 3. Kapitel: Sozialversicherung und Arbeitsförderung (mit ca. 110 und 385 uj 9 | 2016 Fachliteratur zum Sozialrecht für die Soziale Arbeit damit gut der Hälfte der Druckseiten). Behandelt werden dort die gemeinsamen Grundlagen und Vorschriften nach dem SGB IV, sodann im Einzelnen die Bücher SGB V, XI, VII, VI und III. Im wiederum knappen 4. Kapitel: Steuerfinanzierte Sozialleistungen werden auf rund 30 Seiten die Soziale Entschädigung und die Soziale Hilfe und Förderung insbesondere nach SGB X und II behandelt; die Kinder- und Jugendhilfe nach dem SGB VIII wird auf weniger als zwei Druckseiten kaum angerissen. Die einschlägige Literatur und Judikatur wird allerdings durchgängig vielfach zitiert. Die Textteile werden durch Übungsfälle und einzelne Übersichten angereichert. Der Autor folgt in didaktischer Hinsicht dem „Wörlen-schen“ Konzept des „Lernens im Dialog“, das den Leser anregen soll, sich den Stoff aktiv durch eigene Überlegungen zu erarbeiten. „Grafische Darstellungen können den Zugang erleichtern, zusammenfassende Übersichten zum Ende der Kapitel ermöglichen eine kurze Erfolgskontrolle zu den wichtigsten Lehrinhalten. Um auch auf Klausursituationen vorzubereiten, sind die Inhalte überwiegend anhand von Fällen aufbereitet“ (siehe Vorwort zur 1. Aufl., Seite VIII, und Vorwort zur 6. Aufl., Seite VII). Das vorliegende „Lernbuch“ möchte vor allem Studierenden der Rechtswissenschaften und des Sozialwesens sowie der Wirtschaftswissenschaften an Universitäten, (Verwaltungs-) Fachhochschulen und Berufsakademien den Einstieg in die Materie erleichtern. „Auch Praktikern, die nicht schwerpunktmäßig sozialrechtlich tätig sind, kann es einen knappen Überblick über die wichtigsten Fragen und Zusammenhänge der unübersichtlichen Materie geben“ (siehe Vorwort zur 1. Aufl., S. VIII). Ingo Palsherm Sozialrecht 2. Aufl. 2015, Kohlhammer, 150 Seiten plus CD-ROM, ISBN 978-3-17- 025993-5, € 24,99 Prof. Dr. Ingo Palsherm ist Professor an der Georg- Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg. Er hat das Werk als Lernbuch konzipiert und dabei auch moderne, innovative Lehrmethoden zur Anwendung gebracht: dem eigentlichen Buchtext ist eine umfangreiche CD-ROM mit Hörfassung und interaktiven Fällen beigefügt. Außerdem enthält die CD-ROM alle einschlägigen Gesetzestexte, 50 Entscheidungen des Bundessozialgerichts im Wortlaut und zahlreiche Multiple-Choice-Tests. Das Buch ist in fünf Kapitel gegliedert. Es beginnt mit einer knappen Einführung in das Sozialrecht und einem sehr ausführlichen 2. Kapitel über das Prozessrecht nach dem Sozialgerichtsgesetz. Das 3. Kapitel: „Materielles Recht: Vorsorgesysteme“ enthält Darstellungen der wesentlichen Inhalte der SGB V, VI, VII, XI und III. Die (eher knapp gehaltenen) Inhalte des 4. Kapitels: „Materielles Recht: Entschädigungssysteme“ sowie des 5. Kapitels: „Materielles Recht: „Ausgleichssysteme“ (SGB II und SGB XII sowie 1 ½ Seiten SGB VIII) sind ebenfalls auf die beigefügte CD-ROM „ausgelagert“. Alle textlichen Darstellungen orientieren sich bewusst an der Rechtsprechung insbesondere des Bundessozialgerichts. Die Textteile sind stringent, insbesondere nach Anspruchsgrundlagen gegliedert; Beispiele und wichtige Einzelheiten sind durch Graudruck auch optisch hervorgehoben worden. Das Werk richtet sich (siehe Vorwort) sowohl an Praktiker/ innen, die einen Einblick in das Sozialrecht gewinnen wollen, als „auch an Studierende, z. B. der Rechts-, Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie der Sozialen Arbeit. … Dabei strebt das Buch als Grundriss zu den prüfungsrelevanten Fragen bewusst nicht nach - ohnehin nur schwerlich erreichbarer - Vollständigkeit“. Es stellt sich allerdings die Frage, warum nicht auch die (insgesamt 29 Drucksei- 386 uj 9 | 2016 Fachliteratur zum Sozialrecht für die Soziale Arbeit ten umfassenden) 4. und 5. Kapitel, die man sich im Zweifelsfall ausdrucken wird, ebenfalls in das Buch integriert worden sind. Aber „moderne“ Nutzerinnen und Nutzer werden auch insoweit mit der Zweiteilung in Buch und CD-ROM gut zurechtkommen, die im Übrigen auch das „kleine“ und deshalb ausgesprochen handliche Format des Buches begrüßen werden. Handbücher und Kompendien Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.) Übersicht über das Sozialrecht - Ausgabe 2015/ 2016 BW Bildung und Wissen Verlag und Software GmbH, Nürnberg, ISBN 978-3-8214-7251-5, 1262 Seiten, € 36,- Dieses immer wieder neu aufgelegte und aktualisierte Werk (mit nunmehr über 1200 Druckseiten) plus CD-ROM hat sich inzwischen zu einem bewährten Standardwerk entwickelt und gibt einen verständlichen, ausführlichen und aktuellen Überblick über alle Bereiche des Sozialrechts in Deutschland. Autorinnen und Autoren sind durchweg Referatsleiter und Referenten aus den verschiedenen Bundesministerien, insbesondere aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales, aber auch aus dem Bundesministerium für Gesundheit, für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und anderen Bundesministerien sowie vereinzelt auch aus dem Bereich von Sozialversicherungsträgern. Das Werk ist in 27 Kapitel untergliedert und enthält nach einer Einführung in den Kapiteln 1 bis 12 umfangreiche Darstellungen der Inhalte der zwölf Bücher des Sozialgesetzbuchs (SGB). Weitere Kapitel sind der Organisation und Selbstverwaltung, der Sozialen Sicherung der freien Berufe, der Sozialen Sicherung der Beamten, zusätzlichen Altersversorgungssystemen, dem Familienleistungsausgleich, dem BAföG, dem Wohngeldgesetz, dem Asylbewerberleistungsgesetz, dem Lastenausgleich, den Hilfen für Spätaussiedler, der Kriegsopferversorgung, der Internationalen Sozialen Sicherung, der Sozialgerichtsbarkeit und dem Sozialbudget gewidmet. Das Buch ist kein wissenschaftliches Werk insoweit, als es keine Fußnoten und fast durchweg keine Hinweise auf die einschlägige Rechtsprechung und Literatur enthält. Allerdings werden in jedem Kapitel nach einem Überblick die Vorgeschichte des jeweiligen Sozialleistungsbereichs, die wesentlichen Strukturen und Inhalte der einschlägigen gesetzlichen Regelungen sowie deren tragende Grundgedanken und Querverbindungen zu anderen Gesetzen dargestellt. Ergänzt werden die textlichen Ausführungen durch zahlreiche Statistiken und andere informative Übersichten. Das Buch richtet sich sowohl an Fachleute in sozialen Einrichtungen und Diensten, in Verwaltungen und Unternehmen als auch an Lehrende und Studierende der Sozialen Arbeit und nicht zuletzt an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger - ein durchaus bemerkenswerter Hinweis! Frank Ehmann/ Carsten Karmanski/ Gabriele Kuhn-Zuber (Hrsg.) Gesamtkommentar Sozialrechtsberatung 2015, Nomos, Baden-Baden, 2008 Seiten, ISBN 978-3-8 487-0245-9, € 88,- Ursula Fasselt/ Helmut Schellhorn (Hrsg.) Handbuch der Sozialrechtsberatung 4./ 5. Aufl. 2012/ 2016, Nomos, Baden-Baden, 884 Seiten, ISBN 978-3-8329-7737-5, € 49,99 (Preis der 4. Aufl.; die 5. Aufl. erscheint im Laufe des Jahres 2016! ) 387 uj 9 | 2016 Fachliteratur zum Sozialrecht für die Soziale Arbeit Herausgeber des erstgenannten, voluminösen, über 2000 Seiten umfassenden und nach Anspruchsgrundlagen aufgebauten (! ) Werkes sind Prof. Dr. Frank Ehmann, Frankfurt University of Applied Sciences, Richter am Bundessozialgericht Carsten Karmanski sowie Prof. Dr. Gabriele Kuhn-Zuber, Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin, die mit 21 weiteren Autorinnen und Autoren aus den Bereichen Hochschule, Gerichtsbarkeit, Rechtsanwaltschaft und Sozialverbände die Kommentierungen im Einzelnen verfasst haben. Kommentiert werden die jeweiligen Anspruchsgrundlagen und auszugsweise (und insoweit nicht vollständig! ) weitere wichtige Vorschriften der Sozialgesetzbücher I bis VII sowie IX bis XII und außerdem nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz, Bundeskindergeldgesetz, Einkommensteuergesetz, Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz, Wohngeldgesetz und Sozialgerichtsgesetz. Überraschenderweise nicht einbezogen worden sind das SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe) sowie das über mehrere Einzelgesetze verstreute Soziale Entschädigungsrecht. Es wird sich zeigen, ob sich diese neue Konzeption einer Kommentierung des Sozialrechts nach den Anspruchsgrundlagen durchsetzen wird, zumal das Werk entgegen der Ankündigung in der Überschrift kein vollständiger „Gesamtkommentar“ des gesamten Sozialrechts ist, sondern im Wesentlichen ein Kommentar zu dessen Anspruchsnormen und zu anderen ausgewählten wichtigen Vorschriften. Aber zweifellos handelt es sich um einen interessanten und in der Tat innovativen Ansatz und damit um ein Werk, das sich insoweit von der Fülle der bereits vorliegenden Kommentare unterscheidet. Dies gilt auch mit Blick auf das zweitgenannte, von Prof. Dr. Ursula Fasselt und Prof. Dr. Helmut Schellhorn, beide Frankfurt University auf applied sciences, Frankfurt am Main, herausgegebene und ebenfalls im Nomos Verlag (in Kooperation mit dem Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge) erschienene „Handbuch Sozialrechtsberatung“, an dem teilweise dieselben Autorinnen und Autoren mitgewirkt haben (u. a. Ehmann, Fasselt und Prof. Dr. Jürgen Sauer), das sich jedoch allein schon vom Umfang (mit 884 Seiten) und auch von der Konzeption her von dem zuerst genannten, neueren Werk unterscheidet: mit einer kürzeren, aber grundsätzlich umfassend angelegten lehrbuchartigen Darstellung des Sozialleistungsrechts - Teil I - und sodann einer Darstellung nach den jeweiligen Lebenslagen und Problemen der potenziellen Klientinnen und Klienten im Bereich des Sozialrechts - Teil II. Beide Werke können insbesondere der Anwaltschaft und Sozialverbänden empfohlen werden, ebenfalls Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im weiten Feld der Sozialen Arbeit und anderer sozialer Berufe. Fazit Im Bereich des Sozialrechts gibt es eine Fülle einschlägiger Lehr-, Lern- und Handbücher; und darüber hinaus zahlreiche Kommentare, auf die hier kaum hingewiesen werden konnte. Von daher besteht durchaus die „Qual der Wahl“, da Interessierte sich regelmäßig nicht mehrere Werke kaufen werden. Aber potenzielle Nutzerinnen und Nutzer können auch „beruhigt werden“: alle hier vorgestellten Werke behandeln die zentralen Themen des Sozialrechts. Von daher können alle angezeigten Werke empfohlen werden - je nach den unterschiedlichen Adressatenkreisen. 388 uj 9 | 2016 Fachliteratur zum Sozialrecht für die Soziale Arbeit Für Studierende der Sozialen Arbeit an den Hochschulen/ Fachhochschulen bzw. Fachbereichen für Soziale Arbeit/ Sozialwesen etc. dürften sich insbesondere die genannten Einführungen, Lehr- und Lernbücher empfehlen. Wer lediglich „ganz minimalistisch“ die übliche Klausurprüfung im Bachelor-Grundstudium bestehen möchte, für den dürfte bereits das zuerst genannte Werk von Grühn ausreichen. Praktikerinnen und Praktiker der Sozialen Arbeit haben die Wahl zwischen den angezeigten knapperen oder umfangreicheren Werken bis hin zu den zuletzt genannten Handbüchern, wobei der „Gesamtkommentar Sozialrechtsberatung“ vor allem denjenigen zu empfehlen sein dürfte, die juristisch besonders knifflige Spezialfragen zu bearbeiten haben oder als Rechtsanwältin/ Rechtsanwalt tätig sind. Prof. Dr. jur. Dr. phil. Reinhard Joachim Wabnitz Usinger Straße 104 61440 Oberursel reinhard.wabnitz@gmx.de
