unsere jugend
4
0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2017.art21d
4_069_2017_3/4_069_2017_3.pdf31
2017
693
Aktuelle Fachliteratur zum Familienrecht für die Soziale Arbeit
31
2017
Reinhard Joachim Wabnitz
Mit Blick auf die Zielgruppen sowohl der Studierenden als auch der Fachkräfte der Sozialen Arbeit und Sozialverwaltung gibt Reinhard Wabnitz in UJ etwa zweimal pro Jahr einen Überblick über aktuelle Rechtsliteratur für die Soziale Arbeit. Die Reihe startete mit „Aktuelle Fachliteratur zur Einführung in das Recht für die Soziale Arbeit“ (in UJ Heft 9/2014, S. 384 bis 389) und wurde fortgesetzt mit „Aktuelle Fachliteratur zum Rehabilitationsrecht für die Soziale Arbeit“ (in UJ Heft 3/2015, S. 137 bis 141), zum Sozialverwaltungsrecht für die Soziale Arbeit (in UJ Heft 9/2015, S. 385 bis 389), zum Recht der Existenzsicherungsleistungen für die Soziale Arbeit (in UJ Heft 3/2016, S. 131 bis 136) sowie zum (allgemeinen) Sozialrecht für die Soziale Arbeit (in UJ Heft 9/2016, S. 380 bis 388). Daran schließt sich nunmehr ein Überblick über aktuelle Fachliteratur zum Familienrecht für die Soziale Arbeit an.
4_069_2017_3_0008
136 unsere jugend, 69. Jg., S. 136 - 142 (2017) DOI 10.2378/ uj2017.art21d © Ernst Reinhardt Verlag München Basel Das Familienrecht, insbesondere das 4. Buch des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB), ist bekanntlich eines der Kernfächer in den Ausbildungsgängen für Soziale Arbeit, insbesondere in den Bachelorstudiengängen an Hochschulen, Fachhochschulen und Universitäten. Außerdem sind Kenntnisse des Familienrechts unverzichtbar für eine erfolgreiche praktische Tätigkeit in vielen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe. Die im Folgenden vorzustellenden Werke richten sich deshalb ganz überwiegend explizit an Studierende und PraktikerInnen im Bereich der Sozialen Arbeit. Zum Teil wird dort auch das Kinder- und Jugendhilferecht (insbesondere nach dem Achten Buch des Sozialgesetzbuchs - SGB VIII) behandelt, denn beide Rechtsgebiete sind vielfach aufeinander bezogen und miteinander verwoben. Aktuelle Fachliteratur zum Kinder- und Jugendhilferecht werde ich darüber hinaus in einer der nächsten Sammelrezensionen in UJ vorstellen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Lehr- und Handbücher sowie Kommentare zum BGB bzw. zum Familienrecht für Jurastudenten, Rechtsreferendare, Richterinnen und Richter, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den unterschiedlichsten Sozialverwaltungen. Auf diese im Kern „juristischen“ Werke ist hier mit Blick auf die anders gelagerten Adressatenkreise und aus Platzgründen nicht im Einzelnen einzugehen. Exemplarisch soll nur verwiesen werden auf das vorzügliche Lehrbuch von: Mit Blick auf die Zielgruppen sowohl der Studierenden als auch der Fachkräfte der Sozialen Arbeit und Sozialverwaltung gibt Reinhard Wabnitz in UJ etwa zweimal pro Jahr einen Überblick über aktuelle Rechtsliteratur für die Soziale Arbeit. Die Reihe startete mit „Aktuelle Fachliteratur zur Einführung in das Recht für die Soziale Arbeit“ (in UJ Heft 9/ 2014, S. 384 bis 389) und wurde fortgesetzt mit „Aktuelle Fachliteratur zum Rehabilitationsrecht für die Soziale Arbeit“ (in UJ Heft 3/ 2015, S. 137 bis 141), zum Sozialverwaltungsrecht für die Soziale Arbeit (in UJ Heft 9/ 2015, S. 385 bis 389), zum Recht der Existenzsicherungsleistungen für die Soziale Arbeit (in UJ Heft 3/ 2016, S. 131 bis 136) sowie zum (allgemeinen) Sozialrecht für die Soziale Arbeit (in UJ Heft 9/ 2016, S. 380 bis 388). Daran schließt sich nunmehr ein Überblick über aktuelle Fachliteratur zum Familienrecht für die Soziale Arbeit an. Aktuelle Fachliteratur zum Familienrecht für die Soziale Arbeit von Prof. Dr. jur. Dr. phil. Reinhard Joachim Wabnitz Jg. 1952; Assessor jur., Magister rer. publ., Ministerialdirektor a. D., Hochschule RheinMain, Fachbereich Sozialwesen 137 uj 3 | 2017 Fachliteratur zum Familienrecht für die Soziale Arbeit Dieter Schwab Familienrecht 24. Aufl., Beck Verlag München 2016, 504 Seiten, ISBN 978-3-406-69576-6, € 24,90 Prof. Dr. Dieter Schwab war ordentlicher Professor an der Universität Regensburg und ist nunmehr Lehrbeauftragter an der Universität Jena. Das Familienrecht als früher „klassisches“ Rechtsgebiet in der juristischen Ausbildung an Universitäten ist dort mittlerweile vielfach nur noch im Rahmen einschlägiger Wahlfachgruppen „examensrelevant“. „Typisch“ für rechtswissenschaftliche Lehrbücher ist zumeist schon deren Gliederung in Paragrafen (§§) als Kapitelüberschriften. Auch in dem seit Jahrzehnten sehr gut eingeführten, umfangreichen Werk von Schwab wird das Familienrecht in insgesamt 101 §§ dargestellt. Das Werk ist allerdings darüber in die folgenden Teile (und darüber hinaus weiter in Kapitel) untergliedert: zunächst in die beiden großen Schwerpunkt-Teile I. Das Eherecht sowie II. Das Kindschaftsrecht; in knapper Form darüber hinaus in: III. Vormundschaft, Pflegschaft und Betreuung; IV. Rechtsprobleme des nichtehelichen Zusammenlebens; V. Die eingetragene Lebenspartnerschaft. Das Werk ist in der Verlagsreihe „Grundrisse des Rechts“ erschienen, stellt allerdings mehr als einen „Grundriss“ dar, sondern ist ein sehr ausführliches Kompendium. Es wendet sich vorrangig an Studierende an Universitäten mit dem Schwerpunktbereich Familienrecht sowie an Rechtsreferendare und Praktiker des Familienrechts. Es bietet häufig eine wissenschaftlich vertiefte Auseinandersetzung auch mit komplizierten Rechtsfragen, die sicherlich über das hinausgeht, was Studierende und Praktiker/ innen der Sozialen Arbeit wissen müssen. Das Familienrecht ist auch (knapper) Bestandteil der folgenden Lehrbücher, die ich bereits in UJ 9/ 2014 (siehe oben) besprochen habe: Winfried Kievel/ Peter Knösel/ Ansgar Marx Recht für soziale Berufe. Basiswissen kompakt 7. Aufl., 2013, Verlag Wolters Kluwer, Köln, 611 Seiten, ISBN 978-3-472-08397-9, € 35,-, davon 73 Seiten zum Familienrecht Thomas Trenczek/ Britta Tammen/ Wolfgang Behlert/ Arne von Boetticher Grundzüge des Rechts. Studienbuch für soziale Berufe nunmehr 4. Aufl. 2014, Ernst Reinhardt Verlag, München und Basel, 717 Seiten, ISBN 978-3-8252-8480-0, € 49,99, davon 88 Seiten zum Familienrecht Hinweisen möchte ich darüber hinaus bereits jetzt auf das folgende Werk, das ebenfalls familienrechtliche Aspekte behandelt, im Kern jedoch ein praxisorientiertes Kompendium zum Kinder- und Jugendhilferecht darstellt und das ich in der nächsten Folge dieser Reihe (Aktuelle Fachliteratur zum Kinder- und Jugendhilferecht) präsentieren möchte: Gerhard Fieseler/ Reinhard Herborth Recht der Familie und Jugendhilfe. Arbeitsplatz Jugendamt/ Soziale Dienste 7., überarbeitete Auflage Luchterhand 2010, 528 Seiten, ISBN 978-3-472-07121-1, € 34,- Bei der Vorstellung der folgenden Lehrbücher zum Familienrecht werde ich jeweils eingehen auf: Autorinnen und Autoren, wesentliche Inhalte des jeweiligen Werkes sowie auf Zielsetzungen und Adressatenkreise. Tobias Fröschle Familienrecht 3. Aufl. Kohlhammer, Stuttgart 2017, 151 Seiten, ISBN 978-3-17-031415-3, € 22,- (inklusive € 2,20 online-Anteil) 138 uj 3 | 2017 Fachliteratur zum Familienrecht für die Soziale Arbeit Autor dieses Buches ist Prof. Dr. Tobias Fröschle, Professor für Bürgerliches Recht mit dem Schwerpunkt Familienrecht an der Universität Siegen. Er hat das Werk in zwölf Kapitel untergliedert, in denen die wichtigsten Aspekte des deutschen Familienrechts behandelt werden: Einführung und Überblick; Eheschließung; Allgemeine Ehewirkungen; Ehegüterrecht; Scheidung und Scheidungsfolgen; Lebenspartnerschaft; Verwandtschaft und Abstammung; Eltern-Kind- Verhältnis im Allgemeinen; Elterliche Sorge; Umgang und Auskunft; Adoption; Vormundschaft, Rechtliche Betreuung, Pflegschaft. Der Text des Buches ist bewusst knapp gehalten und verzichtet nahezu durchgängig auf Literatur- und Rechtsprechungshinweise. Das „Literaturverzeichnis“ (Seite IX) umfasst gerade einmal vier Titel: drei Kommentare zum BGB und einen Kommentar zum FamFG; keines der in dieser Sammelrezension aufgeführten Lehrbücher wird erwähnt. Allerdings wird das Werk ergänzt durch umfangreiche„Download-Materials“ (siehe zweite Innenseite), auf die in dem gedruckten Text immer wieder hingewiesen wird: nämlich auf Gesetzestexte, Gerichtsentscheidungen, Exkurse zum SGB VIII, Multiple- Choice-Test, Statische und interaktive Fälle sowie eine Hörfassung des Buchinhalts. Auch wenn es mir leider nicht gelungen ist, diese Downloads zu öffnen, bin ich doch zuversichtlich, dass dies den Benutzerinnen und Benutzern gelingt, soweit sie sich überhaupt über den Basistext hinaus mit dem Familienrecht befassen wollen. In erster Linie dürften dies Jurastudenten und weniger Studierende der Sozialen Arbeit sein. Zum Adressatenkreis heißt es im Vorwort (seit V) dementsprechend unter anderem: „Dieses Buch richtet sich an alle, die sich einen ersten Überblick über das deutsche Familienrecht verschaffen wollen oder auch müssen. Es behandelt jedenfalls die in den Prüfungsordnungen für Juristen zum Stoff des Ersten Staatsexamens rechnenden Grundzüge des Familienrechts und reicht zur Prüfungsvorbereitung damit aus. Andererseits kann es jedem, der sich intensiver mit dem Familienrecht befassen muss, zum ersten Einstieg hilfreich sein. Hier sind vor allem auch Nichtjuristen angesprochen, für die das Familienrecht zum Thema ihrer Ausbildung oder beruflichen Tätigkeit gehört, zum Beispiel Studierende der Sozialen Arbeit.“ Sigmund Gastiger/ Jürgen Winkler (Hrsg.) Recht der Familienhilfe. Studienbuch für die Soziale Arbeit 2. Aufl. Lambertus, Freiburg im Breisgau 2010, 194 Seiten, ISBN 978-3-7841-2007-2, € 15,50 Autorinnen und Autoren des erstmals 2008 erschienenen Werkes sind die Professorinnen und Professoren Dres. Hedwig Bitz, Fachhochschule Mainz, Christoph Knödler, Fachhochschule Nürnberg, Isolde Geissler-Frank, Evangelische Fachhochschule Freiburg, Birgit Hoffmann, Hochschule Mannheim, und Peter Roggendorf, Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, sowie Frau Rechtsanwältin Katja Macor, Freiburg. Die genannten Autorinnen und Autoren haben in dieser Reihenfolge sechs „Lehreinheiten“ zu folgenden Themen verfasst: Abstammungsrecht; Unterhaltsrecht; Elterliche Sorge und Umgangsrecht; Häusliche Gewalt; Vormundschaft/ Pflegschaft und Betreuungsrecht. Entsprechend ihrer herausragenden Bedeutung entfallen auf die beiden Themenbereiche Unterhaltsrecht sowie Elterliche Sorge und Umgangsrecht ca. 100 der insgesamt ca. 180 Druckseiten. In die lehrbuchartige Darstellung der einzelnen Lehreinheiten sind immer wieder kleine Fallbeispie- 139 uj 3 | 2017 Fachliteratur zum Familienrecht für die Soziale Arbeit le und Übungen mit Lösungen eingestreut, gelegentlich auch Prüfungsschemata. Das Ehe- und Ehescheidungsrecht wird nicht behandelt. Das Werk richtet sich in erster Linie an Studierende der Bachelor- und Masterstudiengänge der Sozialen Arbeit - zur „optimalen Vorbereitung auf die jeweilige Modulprüfung“, bietet aber auch„dem Praktiker… eine zusammenfassende Einführung in das Rechtsgebiet und hilft bei der Rechtsanwendung zur Lösung komplexer sozialer Sachverhalte“ (siehe Umschlagsrückseite des Werkes). Ansgar Marx Familienrecht für soziale Berufe. Ein Leitfaden mit Fällen, Mustern und Übersichten 2. Aufl. 2014, Bundesanzeiger Verlag, 306 Seiten, ISBN 978-3-8462-0298-2, € 24,80 Autor des erstmals im Jahre 2011 erschienenen „Leitfadens“ ist Prof. Dr. Ansgar Marx, Hochschullehrer in Wolfenbüttel. Er behandelt das Familienrecht in Form von kürzeren und längeren Texten, Übersichten, „Quick Infos“ und Fällen, ergänzt durch zum Teil umfangreiche, instruktive Beispiele aus der Rechtspraxis. Nach einer vorangestellten Einführung mit einem Überblick über das Familienrecht und dessen verfassungsrechtliche Grundlagen folgen vier Teile unterschiedlichen textlichen Umfanges. Im ersten, zu Recht längsten, weil für die Soziale Arbeit wichtigsten Teil (Eltern - Kinder - Familie) werden die „kindschaftsrechtlichen“ Themen Abstammung, Verwandtschaft/ Schwägerschaft, Recht der elterlichen Sorge, Umgangsrecht, Adoption, Vormundschaft/ Pflegschaft/ Beistandschaft sowie das eher am Rande familienrechtliche Thema „Rechtliche Betreuung“ entfaltet. Der zweite Teil (Ehe - Trennung - Scheidung) ist den Themen Ehe und Ehewirkungen, Ehescheidung sowie andere Familienformen gewidmet, insbesondere der Eingetragenen Lebenspartnerschaft. Im dritten Teil (Unterhaltsrecht) wird recht knapp zunächst der Kindesunterhalt und sodann ausführlicher der Ehegattenunterhalt erläutert. Im vierten Teil (Das familiengerichtliche Verfahren - eine Orientierung) wird ein abschließendes Schlaglicht auf das Verfahren vor den Familiengerichten geworfen. Das Werk richtet sich sowohl an Studierende als auch an PraktikerInnen. Auf dessen Umschlagsrückseite heißt es dazu: „Sozialarbeiter, Angehörige beratender Berufe sowie Studierende finden in diesem übersichtlichen Leitfaden alle Informationen, die sie für ihre tägliche Arbeit oder das Studium benötigen. Zahlreiche Muster und Fallbeispiele bieten einen hohen Nutzwert und machen das Buch für Einsteiger und Lernende attraktiv, aber auch für diejenigen, die ihr Wissen aktualisieren wollen.“ Johannes Münder/ Rüdiger Ernst/ Wolfgang Behlert Familienrecht. Eine sozialwissenschaftlich orientierte Darstellung 7. Aufl. 2013, Nomos Baden-Baden/ UTB, 329 Seiten, ISBN 978-3-8252-3942-8, € 24,99 Prof. Dr. Johannes Münder ist emeritierter Universitätsprofessor und war über Jahrzehnte hinweg an der Technischen Universität Berlin, Lehrstuhl für Sozialrecht und Zivilrecht, tätig. Er hat das Werk vor vielen Jahren begründet. Seit der sechsten Aufl. 2011, die noch im Luchterhand-Verlag erschienen war, ist Prof. Dr. Rüdiger Ernst, Richter am Kammergericht (Berlin), als Co-Autor hinzugetreten und 140 uj 3 | 2017 Fachliteratur zum Familienrecht für die Soziale Arbeit mit der siebten Aufl. 2013 Prof. Dr. Wolfgang Behlert, Professor für Recht und Gesellschaft an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Das Werk ist ein, vielleicht „der“, Klassiker in der Reihe der familienrechtlichen Literatur für die Soziale Arbeit. Es ist in sechs Teile gegliedert - mit 18 fortlaufenden Paragrafen (§§) auf der nächsten Gliederungsebene: Teil eins: Annäherungen (Familien - Lebensverhältnisse, Verfassung und Politik; Familienrecht); Teil zwei: Partnerschaftsbeziehungen; Teil drei: Rechtliche Verknüpfung der Generationen - Verwandtschaft und Abstammung; Teil vier: Verwandtenunterhalt und öffentliche Sozialleistungen - schwerpunktmäßig für Kinder, aber auch für (alt gewordene) Eltern; Teil fünf: Die Erziehung der Kinder; Teil sechs: Behinderte und psychisch kranke Volljährige zwischen Hilfebedürftigkeit und Autonomie. Das Werk klingt aus (§ 18: „Ausklang“) wie folgt: „Von der gesetzgeberischen Bevormundung zur Mündigkeit - alles in Ordnung? )“. Die Autoren stellen das Familienrecht nach dem vierten Buch des BGB, aber auch nach anderen zivil- und öffentlich-rechtlichen Gesetzen des Familienrechts umfassend dar. Rechtsprechung und Literatur werden detailliert einbezogen. Das „Alleinstellungsmerkmal“ des Werkes ist allerdings nach wie vor, dass es sich - siehe Untertitel - um „eine sozialwissenschaftlich orientierte Darstellung“ des Familienrechts handelt: „Inhaltlich findet eine intensive Einbeziehung sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse statt, nicht zuletzt deswegen, da im Familienrecht, wie sonst selten im Zivilrecht, sozialwissenschaftliches Wissen für die Auslegung und Anwendung des Rechts von Bedeutung ist.“ (Vorwort S. 5). Das Buch ist „nach wie vor als Lehrbuch konzipiert, es wendet sich an alle, die mit dem Familienrecht zu tun haben, seien es Studierende der Rechtswissenschaften, Rechtsanwälte, Richter, seien es Studierende der Sozialen Arbeit, Sozialpädagogen, Verfahrensbeistände, Betreuer, d. h. an alle Personen, die sich systematisch mit dem Familienrecht beschäftigen müssen oder wollen, sowie an Menschen, die an detaillierten Rechtsinformationen über das Familienrecht interessiert sind.“ (Vorwort S. 5). Walter Röchling Jugend-, Familien- und Betreuungsrecht für die Soziale Arbeit Kohlhammer, Stuttgart 2012, 223 Seiten, ISBN 978-3-17-021093 -6, € 27,90 Prof. Dr. Walter Röchling ist Familienrichter und Honorarprofessor an der Hochschule Niederrhein. Sein Lehrbuch „Jugend-, Familien- und Betreuungsrecht“ ist in vier Teile untergliedert: A. Jugendhilferecht/ SGB VIII, B. Familienrecht, C. Betreuungsrecht sowie D. Verfahrensrechtliche Regelungen. Es wird ergänzt durch eine knappe Darstellung von Neuregelungen nach dem Bundeskinderschutzgesetz. Unterhalb der Gliederungsebene der vier genannten Teile ist das Werk in durchlaufend 16 Kapitel (I. bis XVI.) untergliedert. Die einzelnen Kapitel wiederum sind übersichtlich aufgebaut und beinhalten zumeist knappe Einführungen („Was Sie in diesem Kapitel lernen können“), den Text der besonders relevanten Gesetzesbestimmungen im Wortlaut und in grau abgesetzter Kastenform, lehrbuchartige Darstellungen mit unterschiedlichen Detaillierungsgraden sowie prägnante Schlussbemerkungen („Gut zu wissen - gut zu merken“). Schwerpunkt des Werkes sind die Ausführungen in Teil B „Familienrecht“, auch wenn sich Röchling hier auf ausgewählte wichtige Teile des Rechtsgebiets konzentriert, nämlich auf das Kindschaftsrecht, das Adoptionsrecht und auf die Beistandschaft, Vormundschaft und Pflegschaft. Nicht enthalten sind Ausführun- 141 uj 3 | 2017 Fachliteratur zum Familienrecht für die Soziale Arbeit gen zum Eherecht, Ehescheidungsrecht, zum Unterhaltsrecht (sowohl zwischen Ehegatten als auch zwischen Verwandten) sowie zum Recht der nichtehelichen Lebensgemeinschaften einschließlich der Eingetragenen Lebenspartnerschaft. Das Buch wendet sich ausdrücklich zunächst an Studierende der Sozialen Arbeit, denen es ermöglichen soll, „sich den Lernstoff im Bereich des Jugend-, Familien- und Betreuungsrechts selbstständig oder als Begleitung zu den entsprechenden Lehrveranstaltungen anzueignen“; die Schwerpunkte des Werkes sind jedoch auch „an der praktischen Tätigkeit von Sozialarbeitern ausgerichtet“ (siehe Umschlagsrückseite). Hans Schleicher Jugend- und Familienrecht. Ein Studienbuch 14. Aufl. Beck Verlag, München 2014, 409 Seiten, ISBN 978-3-406-65770-2, € 24,90 Prof. Hans Schleicher war viele Jahre Professor an der Hochschule München. Wenn ich es richtig sehe, handelt es sich bei seinem bereits 1973 in 1. Aufl. erschienenen Buch um das erste Werk dieser Art, das gezielt für Studierende und Praktiker der Sozialen Arbeit verfasst worden ist. Und kein anderes der hier angezeigten Werke hat ebenfalls bereits eine 14. Aufl. erlebt! Mitautoren sind nunmehr Prof. Dr. Jürgen Winkler, Katholische Fachhochschule Freiburg, sowie Rechtsanwalt Dieter Küppers, München. In dem genannten Buch werden sowohl das „Jugendrecht“ (Teil 1) als auch das „Familienrecht“ (Teil 2) dargestellt, Letzteres umfangreicher als Ersteres, zumal dort auch die Themen Aufsichtspflicht und Jugendstrafrecht behandelt werden. Teil 1 ist in die Kapitel 1 (Rechtliche Bedeutung der einzelnen Altersstufen), Kapitel 2 (Aufsichtspflicht im privaten und beruflichen Alltag), Kapitel 3 (Jugendhilferecht - mit knapp 100 Druckseiten) sowie Kapitel 4 (Jugendstrafrecht) untergliedert. Teil 2 enthält die Kapitel 5 (Eherecht), Kapitel 6 (Ehescheidung), Kapitel 7 (Verwandtenunterhalt), Kapitel 8 (Elterliche Sorge), Kapitel 9 (Adoptionsrecht) sowie Kapitel 10 (Vormundschaft - Pflegschaft - Rechtliche Betreuung). Das materialreiche Werk ist sehr übersichtlich gegliedert - und erschließt sich nicht zuletzt auch deshalb besonders leicht, weil bei allen Absätzen links oder rechts am Rand jeweils ein Stichwort ausgebracht ist, das den jeweiligen Inhalt kurz und knapp „auf den Punkt bringt“. Dies stellt durchaus ein „Alleinstellungsmerkmal“ dar! Auf der Umschlagsrückseite heißt es zu diesem Werk: „Das Studienbuch wendet sich vor allem an Studierende und Praktiker der Sozialarbeit/ Sozialpädagogik. Es vermittelt fundierte Kenntnisse wesentlicher Gebiete des Jugend- und Familienrechts und deckt die für die Ausbildung und Praxis wichtigsten Bereiche ab. Es ist aber auch als Hilfe für diejenigen gedacht, die sich sonst mit dem Jugend- und Familienrecht befassen. Reinhard Joachim Wabnitz Grundkurs Familienrecht für die Soziale Arbeit 4. Aufl. 2014, Ernst Reinhardt-Verlag, München und Basel, 197 Seiten, ISBN 978-3-8252-4264-0, € 19,99 Der Autor dieses erstmals 2006 erschienenen und nunmehr in 4. Auflage 2014 vorliegenden Buches, Prof. Dr. Dr. Reinhard J. Wabnitz, ist Professor für Rechtswissenschaft, insbesondere Familien- und Jugendhilferecht, an der Hochschule RheinMain in 142 uj 3 | 2017 Fachliteratur zum Familienrecht für die Soziale Arbeit Wiesbaden, Ministerialdirektor a. D. und zugleich Autor dieser Sammelrezension. Dies führt zu einem gewissen Dilemma, denn einerseits soll dieses Buch hier nicht fehlen, andererseits verbieten sich „lobende Bemerkungen“; insoweit kann allerdings auf die sehr wohlwollenden Besprechungen von Dieter Kreft in UJ Heft 6/ 2010, S. 286 - 287, UJ Heft 6/ 2013, S. 282 - 283, sowie in UJ Heft 2/ 2015, S. 92 - 93, verwiesen werden. Das Buch ist entsprechend den in der Regel zur Verfügung stehenden bis zu 28 Semesterwochenstunden in 14 Kapitel gegliedert: Familien und Familienrecht; Verlöbnis und Ehe; Getrenntleben und Ehescheidung; Verwandtschaft und Abstammung; Verwandtenunterhalt I; Verwandtenunterhalt II und Unterhalt aus Anlass der Geburt; Elterliche Sorge I; Elterliche Sorge II; Elterliche Sorge III; Elterliche Sorge IV; Annahme als Kind (Adoption); Vormundschaft, Pflegschaft, Beistandschaft; Rechtliche Betreuung; Nichteheliche Lebensgemeinschaften, insbesondere die Eingetragene Lebenspartnerschaft. Jedes Kapitel folgt demselben Aufbau: textliche Darstellung, (insgesamt 67) grafische Übersichten über das „Wichtigste“ mit Erläuterungen, 13 Übungsfälle am Ende der jeweiligen Kapitel (mit Musterlösungen am Ende des Buches) sowie zahlreiche „Vertiefungen“ (ohne „Klausurrelevanz“) und weiterführende Literaturhinweise. Das Werk, das aus Lehrveranstaltungen in Wiesbaden hervorgegangen ist, will gezielt auf die Klausur zum Abschluss der Lehrveranstaltung „Familienrecht für die Soziale Arbeit“ vorbereiten, jedoch zugleich Neugierde wecken und Freude vermitteln beim „Einstieg in eine für die Soziale Arbeit außerordentlich wichtige und spannende, weil lebens- und praxisnahe Rechtsmaterie! “ (Vorwort S. 13, 14). Fazit Im Bereich des Familienrechts gibt es eine Fülle einschlägiger Lehr- und Lernbücher speziell für die Soziale Arbeit. Von daher besteht durchaus die „Qual der Wahl“, da Interessierte sich regelmäßig nicht mehrere Werke kaufen werden. Aber potenzielle Nutzerinnen und Nutzer können auch „beruhigt werden“: alle hier vorgestellten Werke behandeln die meisten zentralen Themen des Familienrechts. Von daher können alle angezeigten Werke empfohlen werden - je nach den unterschiedlichen Adressatenkreisen. Wer als Studierende(r) der Sozialen Arbeit lediglich „minimalistisch“ die übliche Klausurprüfung im Bachelor-Grundstudium bestehen möchte, für die/ den dürften insbesondere die Grundrisse von Fröschle (insoweit ohne online-Teile), Gastiger/ Winkler (auch wenn dieses Werk nach sieben Jahren dringlich überarbeitungsbedürftig wäre! ) und Wabnitz ausreichen. Auch das Buch von Schleicher ist für Studierende und „Einsteiger“ zweifellos besonders geeignet. Wer„mehr“ wissen möchte, dem seien die umfangreicher angelegten Werke empfohlen. Die durchweg vorzüglichen Bücher von Marx, Münder/ Ernst/ Behlert sowie Röchling sind nach meinen Erfahrungen mit Blick auf die meisten Studierenden der Sozialen Arbeit (zumindest im Grundstudium) allerdings eher zu umfangreich. PraktikerInnen sind, je nachdem, wie tief sie sich mit dem Familienrecht befassen wollen, mit allen angezeigten Werken „gut bedient“. Prof. Dr. jur. Dr. phil. Reinhard Joachim Wabnitz Usinger Straße 104 61440 Oberursel E-Mail: reinhard.wabnitz@gmx.de
