eJournals unsere jugend70/3

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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Rezension: Helmut Lukesch (Hrsg.), 2016: Auffälligkeiten im Erleben und Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Handlungsmöglichkeiten für Lehrkräfte

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Frank Ockenga
Helmut Lukesch (Hrsg.), 2016: Auffälligkeiten im Erleben und Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Handlungsmöglichkeiten für Lehrkräfte 1. Auflage, Hogrefe Verlag: Göttingen, 440 Seiten, € 39,95
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uj 3 | 2018 139 Rezensionen Helmut Lukesch (Hrsg.), 2016: Auffälligkeiten im Erleben und Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Handlungsmöglichkeiten für Lehrkräfte 1. Auflage, Hogrefe Verlag: Göttingen, 440 Seiten, € 39,95 Helmut Lukesch stellt mit 11 weiteren Autorinnen und Autoren aus dem Arbeitsfeld der pädagogischen Psychologie schulrelevante Aspekte vieler Auffälligkeiten im Verhalten und Erleben von Kindern und Jugendlichen vor. Die Autorinnen und Autoren sind vornehmlich im wissenschaftlichen Kontext tätig und beziehen ihre Handlungsempfehlungen vor allem auf die in Bayern bestehenden Möglichkeiten und unter besonderer Berücksichtigung der Schulpsychologie. Das Buch umfasst ein Spektrum von insgesamt achtzehn Themen und schlägt einen Bogen von Lernschwierigkeiten über Aggressivität bis hin zu Schüchternheit und Hochbegabung. Zusätzlich werden Themen behandelt, mit denen sich Lehrkräfte durchaus konfrontiert sehen, die zu treffenden Maßnahmen aber vor allem außerhalb der Schule liegen, wie z. B. bei Suizid, Essstörungen oder der „pathologischen“ Internet- und Computerspielnutzung. Je ein Kapitel steht für eine Thematik. Eingerahmt werden diese durch ein Einführungskapitel und ein abschließendes Kapitel zum Thema Beratungsgespräche mit Eltern. Dieser umfassende Überblick an Themen, zumal ergänzt um ein Sachregister, bietet sich daher auch als Nachschlagewerk an. Jedes Kapitel beginnt mit einem Fallbeispiel und endet mit einem Fazit und ausgewiesener Literatur. Der Anspruch, Lehrkräften eine fachlich-wissenschaftliche Grundlage an die Hand zu geben, führt nach den Fallbeispielen zu Begriffsklärungen, Angaben zu Prävalenzen, Erklärungsmodellen und typischen Erscheinungsformen in der Schule. Dabei werden offen unterschiedliche Sichtweisen ebenso angesprochen wie verschlimmernde (Re-)Aktionen von Schule und Lehrkräften. Zusätzlich werden dann erfolgversprechende Handlungsmöglichkeiten für Lehrkräfte vorgestellt, seien es präventive Maßnahmen oder geplante, zielgerichtete Interventionen mit der Schülerin oder dem Schüler. Neben den dargestellten Möglichkeiten und Grenzen der Lehrkräfte, alleine tätig zu werden, verweisen die Autorinnen und Autoren auf weitere Möglichkeiten, die sich aus der Kooperation mit der Schulpsychologie, mit Beratungslehrkräften, dem Mobilen Sonderpädagogischen Dienst oder außerschulischen Einrichtungen ergeben, bzw. weisen darauf hin, welche pädagogisch-therapeutischen Interventionen angeraten sind und wo diese Unterstützung zu finden ist. In der behandelten Breite gibt es zwischen den Themen leichte Unterschiede, wobei die oben dargestellte äußere Struktur im Wesentlichen durchgehalten wird und so eine weitere Vertiefung bzw. Ausweitung und Adaption (insbes. für andere Bundesländer) entweder über die Erklärungsmodelle oder aber über die vorgestellten Handlungsempfehlungen möglich ist. Das Buch eignet sich v. a. für Studierende und Lehrkräfte, die bisher keine oder nur wenig Einblick in sonderpädagogische und schulpsychologische Fragestellungen hatten. Sie können sich auf fundierte Begriffsklärungen und Grundlagen verlassen, profitieren von der Themenbreite aus eher „unterrichtlichen“ und spezifisch psychologischen und psychiatrischen Problemstellungen. So kann eine Handlungssicherheit bei den damit konfrontierten Lehrkräften entstehen. Besonders hilfreich sind die Hinweise auf typische Situationen in Schule und Unterricht und 140 uj 3 | 2018 Rezensionen die darauf bezogenen Hinweise auf Handlungen, die Lehrkräfte tunlichst vermeiden sollten oder wo (strukturelle) Hindernisse zu erwarten sind. Stattdessen werden Handlungsoptionen dargestellt und - eine weitere Stärke - die Grenzen der Unterstützung im Rahmen von Schule und Unterricht aufgezeigt. Durch die fundierten Erklärungsmodelle lassen sich weitere Handlungsmöglichkeiten finden. Im Resümee handelt es sich somit um ein für Studierende der Lehrämter und für Lehrkräfte, insbesondere an inklusiven Schulen, empfehlenswertes Fachbuch. Frank Ockenga Osterstr. 72, 26725 Emden E-Mail: frank.ockenga@uni-oldenburg.de DOI 10.2378/ uj2018.art21d