unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2018.art60d
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Rezension: Hans-Uwe Otto/Hans Thiersch/Rainer Treptow/Holger Ziegler (Hrsg. 2018): Handbuch Soziale Arbeit
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Martin Stahlmann
Hans-Uwe Otto/Hans Thiersch/Rainer Treptow/Holger Ziegler (Hrsg. 2018): Handbuch Soziale Arbeit 6. überarb. Auflage, Ernst Reinhardt, München, 1919 Seiten, € 79,9
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uj 9 | 2018 393 Rezensionen Nicht, dass ich jede Auflage dieses Handbuches auf dem Tisch liegen hätte. Die letzte mir vorliegende Auflage ist aber immerhin die 4., völlig neu bearbeitete aus dem Jahr 2011. Die letzte, 5. Auflage ist datiert auf den November 2014 (noch ohne Treptow/ Ziegler als Mitherausgeber). Zur Erinnerung: die erste Auflage erschien 1984 (damals noch mit Hanns Eyferth im Herausgebertrio zusammen mit Otto/ Thiersch). Nun also die 6., überarbeitete Auflage des erwiesenen Standardwerkes der Sozialen Arbeit. Allerdings wird nicht jede/ r LeserIn mehrere Vorläufer zum Vergleich auf dem Tisch haben - was zählt, ist also, was die aktuelle Auflage bietet. Und die Erwartungen an eine überarbeitete Auflage nach 4 Jahren sind naturgemäß groß - immerhin sind knapp 80 Euro zu berappen. In Aufbau und Zuschnitt ist das Buch klassisch geblieben, wie gewohnt eine alphabetische Sortierung der Stichworte (von Abenteuer- und Erlebnispädagogik über Managerialismus bis zu Zivilgesellschaft); ein zusätzliches systematisches Verzeichnis (z. B. Geschichte/ Theorie, Theorieansätze, Methodologische Grundlagen etc.) sowie ein Sachregister erleichtern das Suchen bestimmter Begriffe. Leider fehlt ein Personenregister. Und - mit verkaufsentscheidend in digitalen Zeiten - das Onlineportal mit Zugang via Buchkauf (Code) bleibt natürlich erhalten. Allerdings könnte das Navigieren auf den Seiten etwas besser und nutzerfreundlicher gestaltet werden - man muss doch recht viel scrollen. Gleichwohl finden sich hier neben dem kompletten Text der 6. Auflage Autorenhinweise (merkwürdigerweise leider nicht vollständig: Was ist mit Oerter, Winkler, Münchmeyer, Böhnisch, Gängler, Brumlik und dem Mitherausgeber Ziegler selbst? - um nur ein paar zu nennen), ein verlinktes Sachregister (was auch für die Autorenhinweise ein guter Hans-Uwe Otto/ Hans Thiersch/ Rainer Treptow/ Holger Ziegler (Hrsg. 2018): Handbuch Soziale Arbeit 6. überarb. Auflage, Ernst Reinhardt, München, 1919 Seiten, € 79,90 394 uj 9 | 2018 Rezensionen Tipp wäre) und die komplette Bibliographie. Insgesamt jedoch scheint die Systematik des Handbuches - bei allem Respekt vor der Tradition - im Vergleich zu anderen Handbüchern (z. B. Greving/ Ondracek 2005; Schröer/ Struck/ Wolff 2016; Hedderich/ Biewer/ Hollenweger/ Markowetz 2016; Wagner 2013) wenig leserfreundlich, weil schwer nachvollziehbar. Doch zurück zum Inhalt. Eine ausführliche Besprechung der einzelnen Artikel würde an dieser Stelle zu weit führen, daher nun eine eher stichprobenartige Würdigung. Ein näherer Blick in Inhaltsverzeichnis und Vorwort ernüchtern ein wenig. Und eine prüfende Lektüre des einen oder anderen Artikels bestätigen: Die Überarbeitung hält sich in überschaubaren Grenzen. Beispiele für nicht oder nur marginal veränderte Beiträge sind u. a. die Stichworte Managerialismus, Behindertenpolitik/ Behindertenarbeit, Entwicklung und Erwachsenenbildung, um nur ein paar zu nennen. Fairerweise muss der Rezensent einräumen, dass bereits im Vorwort darauf hingewiesen wurde, dass einige ältere Artikel ihre Aktualität nicht verloren hätten (q. e. d.), andere wiederum auf den neuesten Stand gebracht werden mussten bzw. sogar neu hinzugekommen wären - welche das jeweils sind, muss allerdings der Leser selbst herausfinden. Zu Recht wurde übrigens in dieser Auflage auf eine Diskussion des SGB VIII bzw. seiner Novellierung verzichtet - zu ungewiss ist der Ausgang der politischen Verhandlungen. Nichtsdestotrotz finden sich natürlich viele Beiträge, die das gesamte Feld der Sozialen Arbeit von der Geschichte bis zur Digitalisierung repräsentieren und in seiner Gänze darstellen. Insofern sollte jeder Leser sein Stichwort finden und sich nach der Lektüre gut informiert wissen, wenngleich viele Beiträge sprachlich recht sperrig, wissenschaftsorientiert und theorielastig geschrieben sind. Das Werk versammelt Beiträge unterschiedlichster Generationen von VertreterInnen der Sozialen Arbeit in Praxis und Wissenschaft. Von Hans und Renate Thiersch über Hans-Uwe Otto, Burkhard Müller und Siegfried Müller, um nur wenige zu nennen, zeigen sich die Grandseigneurs des Faches ebenso wie „neue“ Gesichter. Auch finden wir jeweils prominente Vertreter eines Begriffs wie z. B. Ahnert - Bindung; Baethge - Arbeit; Wendt - Casemanagement; Galuske - Methoden; Oerter - Entwicklung. Es bleibt aber ein kleiner Nachgeschmack, wenn man sich an die Kritik der 5. Auflage durch den Kollegen Heekeren erinnert (https: / / www.socialnet.de/ rezensionen/ 18129.php - 9. 3. 2017). Hier wird wiederum im Anschluss an Husi (Rezension der 4. Auflage; https: / / www. socialnet.de/ rezensionen/ 11417.php) eine „Provinzialität“ bzw. eine deutlich erkennbare „disziplinäre Heimat“ kritisiert, die nicht nur regional begrenzt, sondern auch personell-institutionell begründet sei. Dies ergänzend möchte ich kritisch anmerken, dass jeglicher Hinweis zu Inter- / Transdisziplinarität zu fehlen scheint. Allein der Umgang mit der Heil- und Sonder- oder Schulpädagogik bzw. weiterer Nachbargebiete ist streckenweise sehr problematisch und gibt der o. a. Vermutung der Exklusivität weiter Nahrung. Was bleibt, ist trotz aller Kritik ein nach wie vor wichtiges Standardwerk, das in kaum einer einschlägigen Bibliothek fehlen dürfte. Allerdings zeichnen sich bereits jetzt die Herausforderungen für künftige Auflagen ab. Man darf Rainer Treptow und Holger Ziegler hierbei eine glückliche Hand und ein feines Gespür wünschen. Dr. Martin Stahlmann E-Mail: Martin.Stahlmann@web.de DOI 10.2378/ uj2018.art60d
