eJournals unsere jugend72/1

unsere jugend
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0342-5258
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/uj2020.art03d
4_072_2020_1/4_072_2020_1.pdf11
2020
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Ergebnisse aus der BELLA-Studie zum seelischen Wohlbefinden von jungen Menschen

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2020
Franziska Reiß
Jasmin Ehm
Ulrike Ravens-Sieberer
Das seelische Wohlbefinden trägt in hohem Maße zu einem gesunden Aufwachsen und einer hohen Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen bei. Dennoch sind psychische Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter auch ein Bestandteil unserer modernen Lebenswelt. Die BELLA-Studie liefert aktuelle Forschungsergebnisse.
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12 unsere jugend, 72. Jg., S. 12 - 18 (2020) DOI 10.2378/ uj2020.art03d © Ernst Reinhardt Verlag München Basel Ergebnisse aus der BELLA-Studie zum seelischen Wohlbefinden von jungen Menschen Das seelische Wohlbefinden trägt in hohem Maße zu einem gesunden Aufwachsen und einer hohen Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen bei. Dennoch sind psychische Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter auch ein Bestandteil unserer modernen Lebenswelt. Die BELLA-Studie liefert aktuelle Forschungsergebnisse. von Dipl.-Soz. Franziska Reiß Jg. 1983; Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungssektion „Child Public Health“ am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Einleitung Wenn es um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen geht, stehen heute längst nicht mehr nur körperliche Krankheiten im Vordergrund, sondern ebenso das seelische Wohlbefinden und die Lebensqualität der jungen Menschen. Noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts haben überwiegend Infektionskrankheiten die Gesundheit von Kindern bedroht und zu hohen Sterblichkeitsraten geführt. Aus heutiger Sicht lässt sich eine Verschiebung der Morbidität von somatischen hin zu psychischen sowie von akuten zu chronischen Erkrankungen beobachten. Dabei sind junge Menschen zum einen schulischem Stress, hohem Leistungsdruck und Überforderung durch eine sich immer schneller wandelnde Welt ausgesetzt, zum anderen können bereits im frühen Kindesalter ernsthafte psychische Erkrankungen wie eine Angststörung, Depression oder Auffälligkeiten im Sozialverhalten entstehen. Doch wie viele Kinder und Jugendliche sind davon betroffen? Was sind die bedeutendsten Auffälligkeiten und für welche Kinder besteht ein besonderes Risiko? Wie sieht die Versorgung der Betroffenen aus und welche Hindernisse gilt es bei der Inanspruchnahme von Hilfsangeboten zu überwinden? Mit diesen Fragen beschäf- Jasmin Ehm Jg. 1998; Studentische Mitarbeiterin der Forschungssektion „Child Public Health“ am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer Jg. 1964; Forschungsdirektorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik und Leiterin der Forschungssektion „Child Public Health“ am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf 13 uj 1 | 2020 Ergebnisse aus der BELLA-Studie tigt sich die „Befragung zum seelischen Wohlbefinden und Verhalten“ (BELLA-Studie). Die BELLA-Studie ist das Modul zur psychischen Gesundheit und Lebensqualität der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) des Robert Koch-Instituts (Hölling et al. 2012). Angelegt ist die BELLA-Studie als eine bundesweite, repräsentative Kohorten-Studie mit ca. 3.500 Teilnehmenden, bei der sowohl die gleichen TeilnehmerInnen wiederholt befragt werden (Längsschnitt-Befragung) als auch stetig neue TeilnehmerInnen hinzugewonnen werden (Querschnitt-Befragung). Ziel der Studie ist zum einen, verlässliche Angaben zu Häufigkeiten (Prävalenzen), Entwicklungsverläufen sowie Risiko- und Schutzfaktoren psychischer Auffälligkeiten zu erfassen, zum anderen die Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten zu untersuchen. Die gewonnenen Ergebnisse werden genutzt, um Implikationen für Prävention und Versorgung abzuleiten. Die erste BELLA-Befragung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 17 Jahren sowie deren Eltern fand in den Jahren 2003 bis 2006 statt. Im Anschluss gab es insgesamt vier weitere Befragungswellen bis zum Jahr 2017 (Klasen et al. 2017; Ravens-Sieberer et al. 2015). Um zuverlässige Informationen über das seelische Wohlbefinden von jungen Menschen in der Allgemeinbevölkerung zu erhalten, werden in der BELLA-Studie Fragebögen eingesetzt, die speziell für Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern entwickelt wurden. Diese erfassen nicht nur die Symptome psychischer Auffälligkeiten, sondern auch damit verbundene Beeinträchtigungen im alltäglichen Leben. Auch die Lebensqualität ist ein wichtiger Bestandteil des gesunden Aufwachsens und wird in der BELLA-Studie als mehrdimensionales Konstrukt erfasst. Psychische Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter Ergebnisse der BELLA-Studie zeigen, dass ca. 10 Prozent aller einbezogenen Kinder und Jugendlichen als „wahrscheinlich“ psychisch auffällig klassifiziert werden, während bei weiteren 10 Prozent der Befragten zumindest Hinweise auf eine psychische Auffälligkeit bestehen, die einer weiteren Abklärung bedürfen. Die Prävalenzen sind dabei über alle Messzeitpunkte der BELLA-Befragung stabil (Ravens-Sieberer et al. 2015; Ravens-Sieberer et al. 2007). Abbildung 1 verdeutlicht für den Befragungszeitraum von 2003 bis 2012, dass 10,2 % bis 11,2 % der Kinder und Jugendlichen klinisch signifikante Hinweise auf eine psychische Auffälligkeit zeigen. Zusammengenommen mit den Kindern und Jugendlichen, die „grenzwertige Hinweise“ auf psychische Auffälligkeiten zeigen, macht diese Gruppe ca. 20 % aller Befragten aus, während die überwiegende Mehrheit keine Hinweise auf psychische Auffälligkeiten zeigte (ca. 80 %). Die Ergebnisse decken sich mit anderen bevölkerungsbasierten Studien zu psychischen Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (Barkmann/ Schulte-Markwort 2010). Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter zählen Depressionen, Angststörungen, Störungen des Sozialverhaltens sowie Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) (Ravens-Sieberer 2008). Hierbei wurden erhebliche Unterschiede in der Symptomwahrnehmung festgestellt. Sogenannte internalisierende Auffälligkeiten, wie Ängste oder Depressionen, wurden häufiger von den Kindern selbst berichtet, während die Eltern diese Symptome im Fremdbericht als weniger auffällig beschreiben. Das Gegenteil zeigt sich bei externalisierenden Auffälligkeiten wie Störungen des Sozialverhaltens oder ADHS. Hier berichten die Eltern häufiger von den Symptomen ihrer Kinder, während diese selbst weniger Schwierigkeiten wahrnehmen. Bei ADHS gaben Eltern sogar doppelt so häufig Symptome an wie die eigenen Kinder, nämlich 5,7 % im Elternvs. 2 % im Selbstbericht (Klasen et al. 2016). Psychische Auffälligkeiten beginnen häufig früh und setzen sich bis ins Erwachsenenalter fort. Es wird geschätzt, dass rund die Hälfte aller psychischen Erkrankungen im Erwachsenenalter bereits vor dem 14. Lebensjahr entstanden sind und rund 75 % bereits vor dem 24. Lebensjahr (Kessler et al. 2005). Ausgehend von dieser erhöhten Vulnera- 14 uj 1 | 2020 Ergebnisse aus der BELLA-Studie bilität benötigen junge Menschen dementsprechend besondere Aufmerksamkeit und Hilfestellungen in Bezug auf ihre psychische Gesundheit. Unterschiede nach Alter und Geschlecht Bei der Betrachtung der psychischen Gesundheit fallen geschlechts- und altersspezifische Unterschiede ins Auge. Die Wahrscheinlichkeit, eine psychische Auffälligkeit zu entwickeln, steigt im Alter von 7 bis 12 Jahren von 6 auf 12 Prozent und nimmt dann im Alter von 19 Jahren bis auf 9 Prozent ab, um anschließend wieder bis auf 20 Prozent im Alter von 24 Jahren anzusteigen (Ravens-Sieberer et al. 2015). Im zeitlichen Verlauf sind Mädchen signifikant häufiger von langanhaltenden oder wiederkehrenden psychischen Auffälligkeiten betroffen als Jungen (ebd.). Bei den störungsspezifischen Auffälligkeiten sind Mädchen zweibis dreimal häufiger von Symptomen einer Depression oder Angststörung betroffen, während Jungen häufiger Symptome von Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Mit dem Älterwerden der Kinder nehmen Symptome von ADHS und Störungen des Sozialverhaltens ab, wohingegen internalisierende Auffälligkeiten wie Depressionen oder Ängste von der Kindheit über die Jugend hinweg zunehmen (Klasen et al. 2016). In Hinblick auf die Lebensqualität zeigen die Daten der BELLA-Studie, dass ein weibliches 100 % 90 % 80 % 70 % 60 % 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0 % T0 (2003 - 2006) T1 (2004 - 2007) T2 (2005 - 2008) T3 (2009 - 2012) auffällig unauffällig 89,6 88,8 89,4 89,8 10,4 11,2 10,6 10,2 Abb. 1: Prävalenzen psychischer Auffälligkeiten für 1.255 TeilnehmerInnen der BELLA-Studie, die an allen Messzeitpunkten teilgenommen haben (Ravens-Sieberer et al. 2015). 15 uj 1 | 2020 Ergebnisse aus der BELLA-Studie Geschlecht, ein niedriger sozioökonomischer Status, Migrationshintergrund sowie psychisch erkrankte Eltern deutlich mit einer geringeren gesundheitsbezogenen Lebensqualität einhergehen (Otto et al. 2017). Generell zeigen Mädchen etwas niedrigere Werte in Bezug auf ihre gesundheitsbezogene Lebensqualität als Jungen. Betrachtet man den Verlauf der einzelnen Dimensionen, die diese Lebensqualität ausmachen, nimmt vor allem das körperliche und psychische Wohlbefinden mit steigendem Alter ab. Auch die Beziehung zu den Eltern und das Autonomie-Empfinden sowie die Zufriedenheit mit dem schulischen Umfeld sanken für beide Geschlechter mit den Jahren leicht. Risiko- und Schutzfaktoren Daraus ergibt sich die Frage, durch welche Faktoren das Wohlbefinden der Jüngsten geschützt werden kann und welche Risiken die psychische Gesundheit gefährden. Dabei ist zu beachten, dass meist nicht nur eine einzige Ursache zu der Entwicklung psychischer Probleme führt. Die Entstehung einer Störung kann sowohl genetisch verankert als auch durch psychosoziale Risikofaktoren bedingt sein. Kinder und Jugendliche mit einem niedrigen Sozialstatus sind im Durchschnitt doppelt so häufig von psychischen Auffälligkeiten betroffen wie Gleichaltrige mit einem hohen Sozialstatus (Ravens-Sieberer et al. 2015; Reiss 2013). Der soziale Status ergibt sich dabei aus dem Bildungsniveau, dem Einkommen und der beruflichen Situation der Eltern. Durch niedrige Werte in diesen Bereichen scheinen Kinder stärker belastet zu sein und sind daher einem höheren Risiko ausgesetzt, eine psychische Erkrankung zu entwickeln. Kommt es zu weiteren Belastungen, wie z. B. eine schwere finanzielle Krise, die Erkrankung eines Elternteils, den Verlust des Arbeitsplatzes oder schulische Probleme, können vor allem Eltern mit einer niedrigen Bildung die Belastungen schwerer bewältigen und die Kinder zeigen häufiger psychische Auffälligkeiten (Reiss et al. 2019). Wie wichtig die Rolle der Eltern bezüglich des kindlichen Wohlbefindens ist, zeigt sich auch durch das erhöhte Risiko der Kinder, seelische Probleme zu entwickeln, wenn ein Elternteil selbst von einer psychischen Störung betroffen ist. Die Ergebnisse der BELLA-Studie verdeutlichen, dass auch hier das Risiko einer psychischen Auffälligkeit für ein Kind doppelt so hoch ist, wenn bereits ein Elternteil erkrankt ist. Dabei berichteten fast 20 Prozent der Kinder erkrankter Eltern von eigenen psychischen Problemen, während nur knapp 8 Prozent der Kinder ohne betroffene Eltern psychische Auffälligkeiten nannten (Plass-Christl et al. 2017). Insbesondere wenn mehrere Risikofaktoren gleichzeitig auftreten oder bereits vorhanden sind, steigt die Prävalenz psychischer Auffälligkeiten erheblich an. Deswegen ist es ebenfalls wichtig zu schauen, was die Seele junger Menschen schützen kann. Durch die BELLA-Studie wurden verschiedene Schutzfaktoren identifiziert, die die Wahrscheinlichkeit einer psychischen Erkrankung mindern und mit einer hohen gesundheitsbezogenen Lebensqualität assoziiert sind. Ein positives Familienklima und soziale Unterstützung sind dabei wichtige Aspekte, die mit einem besseren Wohlbefinden verbunden sind. Des Weiteren wirkt sich Optimismus und die Selbstwirksamkeitserwartung eines Kindes, also sein Glaube an eigene Kompetenzen und Fähigkeiten, schützend auf das Wohlbefinden aus (Ravens-Sieberer et al. 2007). Durch das längsschnittliche Design der Studie konnte gezeigt werden, dass eine Verbesserung des Selbstwertgefühls zu einer Verbesserung des Gesundheitszustands, z. B. bei generalisierter Ängstlichkeit, führen kann (Otto et al. 2016). Die Wirkung mehrerer Schutzfaktoren kann darüber hinaus die Wirkung von Risikofaktoren ausgleichen. Moderat risikobelastete Kinder und Jugendliche können somit gesund bleiben oder werden. Dies hat sich auch in der Resilienzforschung gezeigt, welche positive soziale, familiäre und schulische Kontexte 16 uj 1 | 2020 Ergebnisse aus der BELLA-Studie ebenfalls als bedeutende Faktoren im Aufbau einer Widerstandsfähigkeit gegenüber Risikofaktoren und belastenden Lebenssituationen erfasst. Inanspruchnahme medizinischer Leistungen Eine psychische Erkrankung stellt sowohl für die betroffene Person selbst als auch für Familienmitglieder und Freunde eine hohe Belastung dar. In der Regel gehen hohe funktionelle Einschränkungen in der Schule und allgemein erhebliche Beeinträchtigungen im Alltag mit der Störung einher, sodass therapeutische Hilfsmaßnahmen notwendig sind. Dennoch nehmen nur ein Drittel der auffälligen Kinder und Jugendlichen psychiatrische, psychologische oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch, wie anhand der BELLA-Studie gezeigt werden konnte (Hintzpeter et al. 2015). Für die Nicht-Inanspruchnahme psychologischer Hilfsangebote werden verschiedene Gründe von den Jugendlichen und ihren Eltern angegeben. Auf der einen Seite wird besonders in ländlichen Gebieten eine unzureichende Versorgung bemängelt, auf der anderen Seite besteht bei den Eltern oft die Unsicherheit, ob das Problem ernsthaft genug sei oder es fehlt an Wissen darüber, an wen man sich wenden kann. Auch die Angst vor Stigmatisierung kann eine Hemmschwelle für das Aufsuchen von Hilfeanbietern sein. Implikationen für die Praxis In Deutschland gibt es viele niedrigschwellige Angebote, an die sich Eltern und Kinder mit ihren Fragen und Sorgen wenden können. Die deutschlandweite Telefonseelsorge ist täglich rund um die Uhr erreichbar. Außerdem gibt es speziell für junge Menschen Hilfsangebote wie die studentische Telefonseelsorge, Night-Lines sowie Chat- oder Mail-Beratungen. Dort können Erwachsene wie junge Menschen anonym und kostenlos ihre Probleme schildern, was meist schon eine erste große Entlastung bietet. Oft können Seelsorgende und Beratende auch Informationen über weiterführende Hilfsangebote geben. In der Praxis zeigt sich jedoch auch, dass viele Eltern und ihre Kinder oft unzureichend über mögliche Hilfs- und Beratungsangebote informiert sind. Darüber hinaus fehlt es häufig an evidentem Wissen über psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Dabei können Fortbildungsprogramme für LehrerInnen, SchulsozialarbeiterInnen und ErzieherInnen zu dem Thema sowie die thematische Auseinandersetzung mit psychischen Erkrankungen (z. B. im Unterricht oder Elternabend) hilfreich sein. Kinder und Eltern sollten frühzeitig informiert werden, was psychische Erkrankungen sind, woran man sie erkennt und dass diese Probleme nicht ungewöhnlich sind, sondern auch andere Menschen betreffen. Ein breites Wissen über psychische Störungen kann zudem zur Entstigmatisierung beitragen, wodurch Betroffene unter Umständen schneller Hilfe in Anspruch nehmen. LehrerInnen, SozialpädagogInnen und ErzieherInnen sind in der täglichen Arbeit mit Kindern nicht nur ein wichtiges Vorbild, sondern auch Bezugs- und Vertrauensperson, wenn es um das seelische Wohlergehen geht. Sie können das Wohlbefinden in der Klasse oder Gruppe aktiv beeinflussen und beständig Hilfe anbieten. Im individuellen Umgang mit Kindern, Jugendlichen und deren Eltern ist ein Blick auf die Ressourcen sinnvoll und oftmals sind es schon Kleinigkeiten im Alltag, die zu einem besseren Familienklima und der Stärkung der Heranwachsenden beitragen können. Hierzu zählen zum Beispiel gemeinsame Mahlzeiten organisieren, soziale Kontakte aufbauen, ungeteilte Aufmerksamkeit schenken, Familienrituale finden, Familienregeln vereinbaren oder gemeinsame Freizeitaktivitäten organisieren. Eine regionale, institutionelle Vernetzung beispielsweise von Schulen, freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe, der Schulbehörde, 17 uj 1 | 2020 Ergebnisse aus der BELLA-Studie Jugendämtern, aber auch der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Kliniken und Ambulanzen „vor Ort“ kann ein hilfreicher Schritt sein, den beteiligten Akteuren die Begleitung von betroffenen Familien zu erleichtern. Die durch psychische Beeinträchtigungen hervorgerufenen individuellen Leiden und gesellschaftliche Kosten sind enorm. Daher sind alle Akteure aufgerufen, sich nachhaltig für den Schutz und die Förderung der seelischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen einzusetzen. Dipl.-Soz. Franziska Reiß Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik Forschungssektion „Child Public Health“ Martinistraße 52 20246 Hamburg Tel. (0 40) 74 10-5 73 32 E-Mail: f.reiss@uke.de Literatur Barkmann, C., Petermann, F., Schlack, R., Bullinger, M., Schulte-Markwort, M., Klasen, F., Ravens-Sieberer, U. (2016): Verlauf gesundheitsbezogener Lebensqualität: Ergebnisse der BELLA-Kohortenstudie Kindheit und Entwicklung 25, 50 - 59, https: / / doi.org/ 10.1026/ 0942-5403/ a000188 Barkmann, C., Schulte-Markwort, M. (2010): Prevalence of emotional and behavioural disorders in German children and adolescents: A meta-analysis. Journal of Epidemiology and Community Health 66,194 - 203, https: / / doi.org/ 10.1136/ jech.2009.102467 Hintzpeter, B., Klasen, F., Schön, G., Voss, C., Hölling, H., Ravens-Sieberer, U. (2015): Mental health care use among children and adolescents in Germany: Results of the longitudinal BELLA study European child & adolescent psychiatry. 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